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Hasenjagd auf Sufflieder

Wenn betrunkene Gesänge ausgelassener Urlauber auf Sylt – die wie fast alle Sufflieder nicht gerade politisch korrekt sind –, wenn also solche Gesänge seit einer Woche das größte Problem Deutschlands sind, dann kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder dem Land geht es so gut, dass es wirklich keine anderen Sorgen hat – was aber keineswegs der Fall ist. Oder aber Deutschland und zumindest seine politmediale Führungsschicht sind geistig völlig am Ende. Und diese Führungsschicht will angesichts der schweren Verluste sowohl für die drei regierenden Linksparteien auf allen Ebenen wie auch der schweren Leser- und Seher-Verluste aller traditionellen Medien noch schnell vor den Wahlen eine dramatische Neonazi-Gefahr aus dem Zylinder zaubern, um sich als deren Bekämpfer selbst zu retten.

Das wird ihnen aber nicht gelingen.

  • Das haben erst in den letzten Stunden wieder die dramatischen Ergebnisse der jüngsten Kommunalwahlen in Thüringen gezeigt. Dort sind sowohl die AfD wie auch die CDU stärker als die drei Berliner Regierungsparteien samt der in Thüringen lange tonangebend gewesenen Linkspartei zusammengerechnet! Wohlgemerkt, jede der beiden rechts der Mitte stehenden Parteien ist einzeln(!) stärker als die vier Linken zusammen.
  • Das hat der schiefgegangene Versuch gezeigt, knapp vor den bayrischen Landtagswahlen die "Freien Wähler" durch ein unappetitliches Flugblatt zu diskreditieren, das vor Jahrzehnten ein Politiker in seiner Schultasche hatte.
  • Das hat der großinszenierte "Skandal" um das Potsdamer "Geheimtreffen" gezeigt, der die ganze deutsche Führungsschicht in Schnappatmung versetzt hat, worauf sie wie einst die DDR Massendemonstrationen für die Regierung angeordnet hat. Einziger Anlass: Der österreichische Identitären-Chef hat dort über "Remigration" gesprochen, was von irgendwelchen (wahrscheinlich Verfassungsschutz-)Agenten abgehört worden ist – dabei hat der Mann sogar ein Buch unter diesem Titel geschrieben! Das ganz normal erhältlich ist (bis auf linke Buchhandlungen).

Diese von der Linken im Staccato-Rhythmus inszenierten Großaufregungen, bei der mit Geheimdienstmethoden oder nur mit Handy-Mitschnitten ständig harmlose Dinge zum Jahrhundertverbrechen hochstilisiert werden, haben lediglich ein einziges Mal echten Erfolg gehabt: ausgerechnet in Österreich. Nach dem Ibiza-Skandal – wo das Kriminellste eindeutig die nie bestrafte Abhöraktion durch eine linke Mafia gewesen ist – zerlegte es die durchaus erfolgreiche schwarz-blaue Koalition. Das aber nur, weil der sonst recht kluge und charismatische Sebastian Kurz völlig überreagiert – oder zu hoch gepokert hat und nicht nur den Rücktritt des Alkoholschwätzers H.C. Strache, sondern auch den des am Ibiza-Gerede schuldlosen Herbert Kickl verlangt hatte.

Zurück zu Sylt und in die deutsche Gegenwart. Und in die unmittelbare Zukunft. Denn es gibt nur wenig Zweifel, dass dieser Sommer damit schon seinen Hit gefunden hat. Bei zahlreichen Partys, Strand-, Berg- und Sommerfesten wird ab einem höheren Alkoholpegel irgendwann irgendwer anfangen, die Melodie des Liedes "L'Amour toujours" aus den 1990er Jahren mit den zwei Slogans zu grölen, die seit Sylt zum deutschen Kapitalverbrechen geworden sind: "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen". Freilich sollten Party-Besucher, die dabei ihr Handy zücken, vorsichtig sein: Denn sie könnten dann sehr leicht ihr Handy und ihre Gesundheit los sein.

Besonders lustig wird das zweifellos auch bei der in wenigen Tagen ausgerechnet in Deutschland beginnenden Fußball-Europameisterschaft werden. Werden da auf allen Rängen jetzt geheime Staatspolizisten stehen, um eventuelle Übelsänger zu identifizieren? Oder wird man auf zufällig auftauchende Videos warten, so wie sie ja schon in Österreich die maßlosen Verbrechen der singenden Rapid-Fans aufgedeckt haben?

Dabei kann überhaupt kein Zweifel sein: Hätte es nicht die maßlose Aufregung und Überreaktion zu Sylt gegeben, würde das alles wohl nicht passieren. Erst diese Aufregung hat dieses Lied wirklich europaweit bekannt gemacht. Gleichzeitig sollte man seit ein paar Jahrhunderten, zumindest seit Auersbach Keller wissen: Junge Menschen haben, vor allem nach Alkoholkonsum, große Lust am Singen provozierender Lieder. Und wenn die ohnedies aus vielen Gründen zunehmend verachtete politische Macht und die zugehörigen Medien sich jetzt so aufpudeln, wird die Lust umso größer, sie herauszufordern. Mit einem Che-Guevara-Plakat, langen Haaren, Piercings, Tätowierungen oder Männern in Frauenkleidern kann man ja längst niemanden mehr provozieren.

Im konkreten Fall wird der Lust zum Gesangsgegröle noch viel größer, weil sie ja auch mit einem Hauch von Revolution gegen die unbeliebte Obrigkeit verbunden ist. Weil zugleich klar ist, dass die Mehrheit der Bürger hinter diesen Forderungen steht. Inzwischen weiß ganz Europa, dass die nächste EU-Wahl ganz im Zeichen des Themas der illegalen Massenmigration stehen wird, gegen die sowohl EU wie auch Mitgliedsstaaten nur völlig unzureichend agiert haben.

Eigentlich ist das alles gar keine Prophezeiung mehr, sondern scheint schon vielerorten stattzufinden. Und zwar keineswegs nur bei deutschen Partys. Auch in Österreich wurde dieses Verbrechen schon mehrfach begangen, was sofort den Staatsschutz ausrücken ließ.

Ein besonders köstliches Beispiel wird jetzt bekannt, da in der Türkei der Klub Galatasaray die Fußballmeisterschaft gewonnen hat. Das haben auch in Stuttgart dessen Anhänger laut gefeiert, die vermutlich alle türkischer Abstammung sind, und was haben sie gesungen – ebenfalls genau die bösen Sylter Sprüche.

Man darf gespannt werden, wie die gesamte politische und mediale Führungselite Deutschlands, von denen sich fast jeder Einzelne in den letzten Tagen über die Sylt-Sänger lautstark empört hat, aus dieser selbst gebauten Falle wieder herauskommen will. Will die Linksregierung wirklich jetzt Tausende junger Menschen wegen solcher Lieder verfolgen? Das wäre wirklich totalitär, aber beim deutschen Obrigkeitsdenken durchaus denkbar. Wobei es freilich völlig offen ist, ob die gesungenen Formulierungen auch nur für einen einzigen Sänger zu einer Verurteilung durch ein unabhängiges Gericht führen können.

Spannend wird aber auch sein, ob sich auch Österreich der grotesken Überreaktion anschließen wird.

Noch weniger Chancen, aus der selbst gebauten Falle herauszukommen, dürfte die Bild-Zeitung haben. Denn sie war es, welche die Fotos einiger Sylter Sänger so deutlich abgedruckt hatte, dass diese all ihren Bekannten sofort erkenntlich waren, worauf dann bald auch ihre Namen öffentlich kursierten. Die – unter fast noch massiverem Auflagenverlust als die "Kronenzeitung" leidende – deutsche Boulevard-Zeitung hat den Bildern noch dazu die Überschrift des Blattaufmachers(!!) "Neonazi" hinzugefügt. Damit haben "Bild" und alle, die im Gefolge auch die namentliche Identität der Sänger geoutet haben, von Verleumdung angefangen bis zum sogenannten "Doxing" (Veröffentlichung personenbezogener Daten und Fotos ohne Zustimmung des Opfers) mutmaßlich mehrfach gegen das deutsche Strafgesetz verstoßen, was nach Auskunft deutscher Juristen eigentlich mit bis zu drei Jahren Haft zu bestrafen wäre. Dazu hat "Bild" noch viele andere Normen zum Schutz von Daten und Privatleben verletzt. Denn das waren keineswegs Fotos von einer öffentlichen Veranstaltung. Und identifizierbare Fotos in der noch immer relativ auflagenstärksten Zeitung Deutschlands sind noch immer etwas ganz anderes als ein irgendwo im Netz anonym kursierendes Video von einer Suff-Party.

Die Betroffenen werden nicht nur wegen dieser öffentlichen Anprangerung gewaltige Schadenersatz-Ansprüche haben. Sie werden das auch deswegen haben, weil etliche der Abgebildeten daraufhin in ihren Jobs gefeuert worden sind, was arbeitsrechtlich übrigens höchstwahrscheinlich auch nicht halten wird. Zeitung, Anprangerer und Arbeitgeber werden sich wohl nur dann retten können, wenn sie sich ein paar Richter aus dem Wiener Straflandesgericht ausborgen könnten …

Noch ärger zeigt sich den Bürgern die Verlogenheit der gegenwärtigen politmedialen Tonangeber, wenn man gleichzeitig auf Videos stößt, wo auf deutschen Straßen eine offensichtlich nahöstliche Horde brüllt "Scheiß Juden". Die zuschauenden Polizisten greifen jedoch nicht ein. Und weder in den Medien noch in der Politik noch in der Justiz gibt es den geringsten Aufschrei. Diese alle haben sich auch nicht annähernd in gleicher Intensität aufgeregt, als auf den gleichen Straßen Demonstranten das Kalifat verlangt haben, als es zu Gruppenvergewaltigungen und zu regelmäßigen Messerungen gekommen ist; oder als Männer totgeprügelt wurden, Tausende Demonstranten Israel vernichten wollten, als auf deutschen Unis Juden aus den Hörsälen vertrieben wurden.

Gewiss, die Slogans von Sylt sind geschmacklos. Aber tausend Mal ärger ist alles, was gefolgt ist, und die Tatsache, dass die Aufreger bei viel schlimmeren Dingen absolut keinen Grund zur Aufregung gesehen haben.

An den diversen Wahlabenden der nächsten Zeit werden sie sich aber wieder wundern, dass die gesamte Aufregungs-Inszenierung das haargenaue Gegenteil bewirkt hat ...

PS: Kleine, aber typische Pointe am Rande: Als ich im Internet nach "melodie deutschland den deutschen" gesucht habe, bekam ich fast nur Hinweise auf die deutsche Nationalhymne nicht auf Sylt. Aber vielleicht wird auch die deutsche Hymne bald auf dem Index der Political-Correctness-Jäger stehen ...

PPS: Köstlich ist der Leitartikel einer ehemals bürgerlichen Zeitung aus Wien, der behauptet, die Wählergunst der AfD hätte sich "halbiert". Nun, eine soeben veröffentlichte INSA-Umfrage hat die AfD bei 17 Prozent, davor ist sie lange bei 18 Prozent gelegen: Kein sehr dramatischer Verlust; und bei den letzten Wahlen hatte die Partei gar nur 10 Prozent erreicht (wahrscheinlich hat der Autor die AfD-Werte halt mit denen der FPÖ verglichen – und wahrscheinlich schreibt er nach der Devise: Hauptsache man stänkert gegen rechts, was tun da schon Fakten …). Zur AfD müsste man in Deutschland im Übrigen noch einige andere ziemlich ähnlich positionierte Parteien rechnen: die Wagenknecht-Partei mit 7 Prozent, die "Freien Wähler" mit 2,5 und die noch nicht extra ausgewiesene Maaßen-Werteunion, die sich in den 8 Prozent "Sonstigen" versteckt. Die drei Parteien der Ampelregierung erreichen zusammen nicht einmal mehr ein Drittel der Umfrage-Voten – ähnlich viel wie die CDU/CSU. Sowohl FDP wie auch die nicht in der Regierung sitzende kommunistische Linkspartei müssen überhaupt um den Wiedereinzug ins Parlament bangen ...

PPPS: Ebenso köstlich ist, wie die Bild-Zeitung jetzt auf den Leserprotest reagiert, der nach dem absurden "Neonazi"-Outing über sie hereingebrochen ist. Jetzt versucht sie wieder selber, migrationskritische Fakten zu trompeten, wie etwa "Einbürgerungen auf Rekordhoch" ...

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