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Mitarbeiter werden Goldes wert

Es ist fünf Jahre her: Damals zog ein Sturm von Empörung vor allem der Gewerkschaften übers Land. Ein neues Gesetz hat eine Tagesarbeitszeit von zwölf statt zehn Stunden sowie vier vereinbarte Wochenendeinsätze ermöglicht. Nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch viele Medien malten eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert und eine schlimme Ausbeutung erschöpfter Arbeitskräfte an die Wand. Das wäre familienfeindlich. Und man könne doch so etwas nicht ohne Gewerkschaften beschließen.

Doch man konnte. Und heute zeigt sich, dass es richtig war. Denn heute ist der Zwölf-Stunden-Protest völlig vom Tisch. Heute gibt es sensationelle Umfragen, die zeigen, dass die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit völlig konstant hoch ist. Vier von fünf Befragten äußerten sich voll zufrieden.

Das ist auch kein Wunder. In etlichen Unternehmen konnte dadurch die Viertagewoche Realität werden – zur Freude vieler Arbeitnehmer. Diese haben an den restlichen drei Tagen mehr Zeit für Familie,  Kurzurlaube oder "Nachbarschaftshilfe". Und sie sind einen Tag weniger eine Belastung für den Verkehr.

Besonders zufrieden mit dem 12-Stunden-Tag sind Teilzeitbeschäftigte – eine weitere Gruppe, deren Los politisch ständig beklagt wird. Fast alle sehen eine gute Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Drei Viertel geben an, dass Arbeitszeitwünsche fast immer erfüllt werden. Zugleich ist die Zahl der Überstunden massiv zurückgegangen, da die Arbeitszeit flexibler geworden ist.

Da all die prophezeiten sozialen Katastrophen ausgeblieben sind, musste die politmediale Empörungskarawane unverrichteter Dinge weiterziehen.

Wir lernen daraus, wie irrelevant meistens die inszenierten Empörungen sind. Wir sehen aber auch, dass die Arbeitgeber umzudenken gelernt haben. Sie wissen besser als die Gewerkschaft, wo die Probleme ihrer Mitarbeiter sind. Vor allem haben sie selber gelernt, wie wichtig und wertvoll es ist, dass die Mitarbeiter zufrieden sind, dass man ihnen auch bei der Zeiteinteilung entgegenkommen sollte. Denn zufriedene Mitarbeiter sind heute längst das Wertvollste an einem Unternehmen.

Solange es noch welche hat. Denn die mit Überalterung, Geburtenmangel, einem zu niedrigen Pensionsantrittsalter und dem Fehlen von Fachkräften unter den Zuwanderern zusammenhängende demographische Katastrophe wird das zentrale Problem der nächsten Jahre. Auch wenn wir den Kopf in den Sand stecken: Dieses Problem wird ständig schlimmer.

Daher müssen wir ALLE Hebel betätigen, um dieses Problem zu mildern. Eine richtige Maßnahme ist daher, dass die Politik jetzt die Belastung von Überstunden reduziert. Richtig ist auch die (leider nur teilweise) Einschränkung der Altersteilzeit vor dem Pensionsalter, die ja nur in Zeiten höherer Arbeitslosigkeit, aber nicht bei einem Arbeitskräftemangel einen Sinn hat. Ebenso ist es freilich falsch, dass die (gar nicht so) stille Progression bei den höheren Einkommen nicht voll abgegolten wird. Denn damit setzen wir wieder einen – wenn auch kleinen – negativen Anreiz, dass sich mehr Arbeiten, mehr Leisten nicht so sehr auszahlt.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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