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Die Kollateralschäden der Kriegs-Zuschauer

Zusätzlich zum erbitterten Ukraine-Krieg, zur wachsenden Kriegsgefahr rund um den an Atombomben bastelnden Iran ist nun auch Ostasien zur global gefährlichen Zeitbombe geworden. Zwar kann niemand seriös voraussagen, wie sich die aggressiv gewordenen imperialistischen Diktaturen jeweils weiter verhalten werden. Aber eines ist gewiss: Der Glaube, dass der Rest der Welt dem Ganzen unbeteiligt und neutral zusehen könnte, ist jetzt schon nackte Illusion.

Das ist er, selbst wenn man alle Solidarität mit den Angegriffenen und die Sorgen vor einer Ausweitung der Kriege beiseiteschiebt. Denn längst ist die Welt wirtschaftlich viel zu sehr verwoben. Die Globalisierung, von der wir jahrzehntelang enorm profitiert haben, wirkt auch in der Gegenrichtung. Das bekannteste, aber bei weitem nicht einzige Beispiel: Jahrzehntelang haben wir enorm vom billigen Russland-Gas profitiert und damit unseren Wohlstand gesteigert. Bis Februar 2022.

War es also ein Fehler, sich an der wirtschaftlichen Globalisierung zu beteiligen, Handel zu betreiben, billigere Produkte von anderen Ländern zu beziehen und jene Dinge zu exportieren, die wir besser können? Nein, das war und ist gewiss kein Fehler. Man schaue nur auf jenes Land, das sich weltweit am meisten von der Globalisierung abgeschottet hat, also auf Nordkorea, wo die Menschen schon über mehrere Generationen unter Entbehrung und Hunger leiden müssen.

Sehr wohl aber war es ein Fehler, wenn auf die notwendige Diversifizierung vergessen worden ist, also auf die Klugheit vieler Kaufmänner, die darauf achten, sich nicht allzu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig zu machen. Das gilt vor allem für strategisch wichtige Produkte. So hat Österreich seit der Ölkrise der 70er Jahre seine Lieferanten in vielen Ländern gesucht und strategische Reserven angelegt. So werden etwa bei Krankenhäusern Notstromaggregate gebaut. So bauen kluge Großstädte riesige Wasserspeicher. So haben nun Voest wie Republik – spät aber doch – große Geldmengen in die Hand genommen, um etliches an Gasreserven anzulegen. So werden in vielen Ländern nun hektisch Anlagen für Flüssiggasimporte gebaut.

Es ist hingegen verantwortungsloser Populismus, den Menschen einzureden, das alles gäbe es zum Nulltarif, "der Staat" könne und müsse alle Preisentwicklungen auf den Weltmärkten abfedern.

Ein Staat, der das wirklich täte, hätte dann vielleicht viel Gas und Öl – aber nichts vom allerwichtigsten Produkt: nämlich Geld.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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