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Wenn Export zum Staatsverbrechen wird

 

Im Zuge der geistigen Verwirrung durch die Doppelkrise Inflation+Energieknappheit ist nun noch ein zusätzliches Krankheits-Symptom aufgetreten: Immer öfter wird es wie ein Verbrechen dargestellt, wenn Österreicher an Ausländern Geld verdienen. In Wahrheit aber bräuchten wir derzeit sogar mehr denn je solche Umsätze, sind doch etwa beim Import von Gas auf das Zehnfache gestiegene Weltmarktpreise zu bezahlen.

Ein Beispiel dieser Verwirrung ist die österreichweite Empörung darüber, dass beim Beschneien von Skipisten Energie verbraucht wird. Gewiss: Skifahren an sich ist nicht lebensnotwendig. Nur sollte jeder, der das Beschneien deshalb verbieten will, wissen, dass dann Hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet sind, dass Tourismus einen zweistelligen Milliardenbetrag an direkter wie indirekter Wertschöpfung erbringt, dass Skifahrer viel mehr Geld als sommerliche Wanderer im Land lassen, dass – auch angesichts der (durch wen auch immer ausgelösten) Erwärmung – ohne Beschneien ganze Regionen verwaisen würden.

Genauso könnte man die österreichische Autoindustrie für überflüssig erklären, die durch ihre Zulieferungen an ausländische Konzerne ein ganz wichtiger Devisenbringer ist. Sind doch Autos für viele mindestens so böse wie Skifahrer. Lastenfahrräder täten es ja auch (zumindest, wenn man vergisst, dass auch beim Bau von Fahrrädern Energie verbraucht wird …).

Eine ähnliche politische Empörung ist im Burgenland ausgebrochen: Objekt sind dort Bauern, die Felder bewässern und dann Mais exportieren. Also auch dort ist Export zum Staatsverbrechen geworden. Mit dem offenbar unbedeutenden Kollateralschaden, dass es dann halt auch keinen Import geben kann.

Das "Die Grenzen dicht!" müsste natürlich auch für den Autoverkehr gelten. Ausländer dürften höchstens dann durchfahren, wenn sie hier nicht tanken und uns auch nicht auf den Raststätten wertvolle Lebensmittel wegessen.

Dabei ist das Tanken ausländischer Fahrzeuge für den Steuertopf immer ein blendendes Geschäft gewesen – und könnte es auch weiter sein, solange die Treibstoffpreise nicht subventioniert werden. Genau das verlangen aber wiederum andere Amateur-Ökonomen. Das ist aber genauso schwachsinnig: Denn dann müssten wir (oder genauer: unsere Kinder) alle jene ausländischen Kraftfahrer subventionieren, die dann nur zum Tanken über die Grenze kommen.

Der Schwachsinn kennt keine Grenzen, wenn sich die politische Diskussion in die Wirtschaft versteigt.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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