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Dummheit ungedeckelt: der Preisdeckel

 Wer jammert nicht in Zeiten wie diesen? Manche Jammerei transportiert aber auch eine gute Nachricht. Zumindest indirekt. Das trifft etwa auf die Klagen des Handels zu, dass sich die Konsumenten angesichts stark steigender Preise deutlich zurückhalten, und dass deshalb der Handel – preisbereinigt – deutliche Verluste zu tragen hat.

Zweifellos tun einem die Händler darob leid. Sie können ja nichts für die Auswirkungen der schlimmsten Inflation des letzten halben Jahrhunderts, also für die steil gestiegenen Gas-, Strom- und Benzinpreise (die in fast jedem Produkt stecken), für die Corona-bedingten Lieferprobleme, für die Russland-bedingten Blockaden der ukrainischen Getreideexporte. Der Handel ist für die Konsumenten aber der Überbringer der schlechten Nachricht. Er bekommt deshalb nicht nur deren Zorn, sondern eben auch ihr geändertes Kaufverhalten als erster zu spüren.

Dieses Kaufverhalten zeigt: Die Menschen reagieren auf die Inflation. Und sie reagieren richtig. Sie kaufen weniger ein – dennoch ist in Europa wohl noch niemand verhungert.

Die Reduktion der Nachfrage ist die einzige, aber auch die schärfste Waffe der Konsumenten. Nur sie zwingt die Produzenten zu einem Einbremsen der Preise. Sind doch Preiserhöhungen immer Folge eines veränderten Verhältnisses zwischen der angebotenen Warenmenge und der nachfragenden Geldmenge. Beides entwickelt sich derzeit mit flottem Tempo – auseinander.

Wer hingegen versucht, mit Preisregulierungen auf diese Entwicklungen zu reagieren, der erreicht mit absoluter Sicherheit das Gegenteil. Denn wenn eine knapp gewordene Ware nicht teurer wird, dann verschwindet sie immer öfter aus den Regalen. Dann bekommt man bald die knappen Waren nur noch mit Beziehungen. Oder mit Bezugsscheinen. Oder im Schleichhandel.

Dennoch rufen manche Politiker im Glauben, das mache sie populär, nach Preisdeckeln, nach Preisregulierungen. Aber wenn dann die unausweichlichen Folgen eintreten, will es wieder einmal niemand gewesen sein. Dann werden irgendwelche Sündenböcke erfunden und vorgeführt.

In Wahrheit hilft nur:

  • Erstens eine Reduktion der Nachfrage – durch Zurückhaltung der Käufer und durch eine Reduktion der nachfragenden Geldmenge, was jetzt durch die EZB-Zinserhöhung ansatzweise versucht wird.
  • Oder zweitens eine Vermehrung des Angebots – etwa durch Schaffung neuer Exportwege für von Russland derzeit blockiertes ukrainisches Getreide, durch Ausbau neuer Gasquellen, durch Reaktivierung der (in Deutschland) stillgelegten Atomkraftwerke oder auch durch Ausbau der (freilich immer unzuverlässig bleibenden) Alternativenergiequellen.

Es ist hingegen jedenfalls heller Wahnsinn, Gas weiterhin zur Erzeugung von Strom oder Fernwärme zu verwenden. Wie es hemmungslos nach wie vor etwa in Wien passiert.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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