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Das nicht mehr tägliche Brot

Noch am Beginn des 20. Jahrhunderts machte in Europa die Landwirtschaft den überwiegenden Teil aller wirtschaftlichen Aktivitäten aus. Zuletzt aber wurde sie als unbedeutendes Randphänomen mit dem Geruch der Rückständigkeit behandelt. Vor gefüllten Tellern zu sitzen war banale Selbstverständlichkeit – außer die Teller waren zu sehr gefüllt. Das ist nun schlagartig anders geworden. Und zwar durch eine eindeutige russische Erpressung.

Russlands Diktator Putin hat nun offen erklärt, die ukrainischen Getreideexporte zu blockieren, bis der Westen die Sanktionen gegen Russland aufhebt. Daher werden Millionen Afrikaner hungern müssen.

Die Corona-Tage, wo es das eine oder andere nicht gegeben hat, waren ein leises Vorspiel zu dem, was der Welt als Folge des Ukraine-Krieges bevorsteht. Dieses von Russland in den Würgegriff genommene Land ist die Kornkammer der Welt. Deren Ausfall kann man nicht mit dem (wohl erfundenen) Königinnen-Spruch vom Vorabend der Französischen Revolution abtun: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie halt Kuchen essen."

Um nur einige Zahlen zu nennen: Zusammen mit dem auch nicht unbeträchtlichen Export aus Russland kommen 28 Prozent des weltweit gehandelten Weizens aus der Ukraine, oder gar 75 Prozent des Sonnenblumenöls. Der Getreideexport aus dem angegriffenen und im Schwarzen Meer blockierten Land ist mittlerweile um zwei Drittel gefallen. Kein Wunder, dass die globalen Weizenpreise gegenüber Jahresbeginn rund 60 Prozent höher liegen. Neben dem Krieg sorgt auch die indische Hitzewelle für zusätzliche Knappheiten.

Agrarkrisen lösen nicht nur Niederlagen demokratischer Regierungen an der Wahlurne aus. Hungerrevolten sind vielmehr auch der Hauptanlass von gewalttätigen Revolutionen und Bürgerkriegen. Und selbst wenn sich Europa die gewaltig gestiegenen Preise einige Zeit noch leisten kann, wird der Hunger mit Sicherheit vom Nahen Osten bis zum nahen Afrika zu Eruptionen führen, deren Schockwellen auch Europa erschüttern.

Daher sollten die Europäer wirklich alles tun, um die Knappheiten rechtzeitig abzumildern. Angesichts einer gemeinsamen Agrarpolitik wird vieles in Brüssel geschehen müssen. Aber nicht nur dort.

  • So wäre es für die nächsten zwei, drei Jahre absolut falsch, wie bisher einen Teil der Äcker aus ökologischen Motiven zwangsweise brach liegen zu lassen.
  • So ist es Wahnsinn, Gas für die Erzeugung von Strom und nicht (neben dem Heizen) ausschließlich für die Lebensmittel- und sonstige Industrie zu verwenden – was aber nur bei breiter Öffnung Europas zur Nuklearenergie gelingen kann. Und nicht durch Windräder.
  • So ist es völlig falsch, das Teurerwerden von Lebensmitteln politisch zu verbieten. Sinnvoll sind nur soziale Unterstützungen. Denn der Preis ist ja die stärkste Motivation, beim Umgang mit Lebensmitteln sparsamer zu werden, Verschwendungen zu reduzieren und zugleich in neue Produktion zu investieren.
  • So sollte alles getan werden, dass die belagerte Ukraine wenigstens einen Teil ihrer Agrarprodukte exportieren kann.
  • Auch die von den Grünen lange so bejubelte Biogasproduktion nimmt Agrarflächen in Anspruch, um Energie statt der dringend benötigten Lebensmittel zu erzeugen. Was höflich ausgedrückt wenig intelligent ist.
  • So sollten die klügsten Köpfe Europas aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammengeholt werden, um weitere Ideen zu entwickeln.

Aber Europa hat ja noch nicht einmal die Dimension des Problems erkannt.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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