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Wenn die Politik das Eigenheim verhindert

Es ist für die meisten die weitaus größte wirtschaftliche Transaktion ihres Lebens: der Kauf oder Bau eines eigenen Hauses, einer eigenen Wohnung. Viele können davon aber nur träumen. Nicht weniger als 81 Prozent wollen einer Umfrage zufolge eine solche Wohnung, aber nur 55 Prozent schaffen jemals den Weg ins Grundbuch.

Diese Diskrepanz ist schockierend. Noch schockierender ist, wie sehr sie von der Politik ignoriert wird, die ja eigentlich immer vorgibt, sich für die Anliegen der Menschen einzusetzen. Ja, gleich auf zwei Ebenen wird dagegen gearbeitet.

Einerseits geschieht das über die Null- oder Negativzinsen, durch die die Regierungen auf Kosten all jener Sparer ihre Budgetdefizite finanzieren, die nie den Mut haben, über das Sparbuch hinauszugehen und den mit einem Risiko verbundenen Weg in Aktien, Fonds oder Zertifikate zu gehen. Statt dessen verbleiben sie lieber in Geldanlagen, die mit absoluter Sicherheit – Verluste einbringen.

Andererseits macht die Politik wenig, um den Weg ins Eigentum zu ermöglichen. Der Bau von Häusern mit mehreren Wohnungen wird zwar von der Politik mit Steuergeldern gefördert – aber sehr oft nur in jener Form, die kaum jemand will: Nur sieben Prozent wollen in eine Genossenschaftswohnung, und gar nur zwei in eine Gemeindewohnung. Dennoch wird dort das meiste öffentliche Geld hingelenkt.

Besonders ärgerlich ist, dass hinter den Genossenschaften oft wieder politische Parteien stecken, dass dorthin gerne Politiker beruflich entsorgt werden. Ebenso ärgerlich ist, dass den Erwerbern einer Genossenschaftswohnung auch dann weiter eine Miete abverlangt wird, wenn die Errichtungskosten längst abgezahlt sind. Kein Wunder, dass Genossenschaftswohnungen so unbeliebt sind. Kein Wunder, dass es die einzigen Wohnobjekte sind, für die massiv (und teuer) Werbung gemacht wird. Was besonders bei unattraktiven Lagen wie den Gasometer- und Seestadt-Bauten in Wien auffällt.

Aber wieder einmal werden da von den Sozialisten ideologische Luftburgen verteidigt. Umso interessanter ist, dass jetzt ausgerechnet im Burgenland die Ideologiefront aufzubrechen beginnt: Dort bekommen jetzt die Wohnungsbenutzer ab der ersten Zahlung anteiliges Eigentum, und nach der letzten komplettes. Sie können dann über ihre Wohnung frei verfügen, also untervermieten oder verkaufen. Das reduziert automatisch den Wohnungsmangel anstelle schikanöser neuer Leerstands-Steuern, wie sie immer öfter gefordert werden.

Politisch gedeutet könnte man sagen: Hans Peter Doskozil schreitet zum Erfolg, indem er nach rechts schreitet.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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