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Die edle Deutsche Bank

Ist sie nicht gut und edel, die Deutsche Bank? Sie beendet weltweit Finanzierungsgeschäfte für den gesamten Bereich Kohleabbau. Auch Ölsand-Projekte werden nicht mehr finanziert. Ebenso gibt es Restriktionen der Bank für Gasprojekte. Mehrere Industriekunden der Banken müssen sogenannte "Diversifizierungspläne" vorlegen. Hochgepriesen sei das Management der "Deutschen Bank", dass es jetzt durch solche Aktionen die Welt rettet.

Man könnte freilich die Dinge auch ganz anders sehen: Das Deutsche-Bank-Management profiliert sich damit nämlich in Wahrheit ausschließlich auf Kosten anderer als Gutmensch, auf Kosten der Aktionäre.

In Hinblick auf die nun abgestoßenen Geschäftsbeziehungen gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Wenn sie ökonomisch voraussichtlich schlecht wären, dann hätte die Deutsche Bank sie auch ohne eine solche Richtlinie nicht abschließen dürfen. Dann ist der groß hinausposaunte Verzicht reine Heuchelei.
  • Hätte man hingegen gute Geschäfte erwarten können, die sich die Bank da entgehen lässt, dann schädigt das den Bankgewinn, dann erhöht das den Verlust. Dann wird dadurch eindeutig der Eigentümer, der Aktionär geschädigt. Er kann sich nicht wehren, wenn sich das Management auf seine Kosten bei irgendwelchen NGOs oder Parteien Liebkind machen will. Nach österreichischem Recht wäre das wohl sogar ein Fall von Untreue.

Eine Bank ist kein Gesetzgeber, kein moralisches Institut. Sie hat nach bestem Wissen und Gewissen die Gesetze einzuhalten, sie hat alle Pflichten eines ordentlichen Kaufmannes zu erfüllen, aber sonst hat sie alles zu tun, was im Interesse ihrer Eigentümer, der Aktionäre, liegt, und nicht das, was dem Image der Vorstandsmitglieder dient.

Die Aktionäre sind jedenfalls alles andere als erfreut über die Entwicklung: Seit der Verkündung dieser Richtlinie hat die Aktie des einstigen Blue Chips jedenfalls nur eine Richtung gekannt – nämlich die nach unten! Was für die Aktionäre der Bank (ich bin und war nie einer) besonders ärgerlich ist; haben sie doch durch die Kursentwicklung in den letzten zweieinhalb Jahren ohnedies schon die Hälfte ihres Eigentums verloren.

Selbstverständlich soll Aktionären ermöglicht werden, ihr Geld vermeintlich oder wirklich edlen Zwecken zukommen zu lassen oder es in von ihnen erwünschte Richtungen zu investieren. Aber das sollte in einer freien Welt immer ihre eigene Entscheidung sein und nicht die eines Bankvorstandes.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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