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Lehrling dringend gesucht

Der Mangel an Lehrlingen wird zunehmend zum größten Problem der österreichischen Wirtschaft. Dieser schon seit einiger Zeit bestehende Mangel führt bereits zu einer spürbaren Lücke an Fachkräften. Diese aber wieder führt zwingend auch dazu, dass das Wirtschaftswachstum gebremst wird. Was schlecht ist für die Zukunft vieler Menschen. Davon noch viel mehr betroffen als Unternehmer und Sparer sind alle jene, die von dem leben müssen, was andere erwirtschaften: Pensionisten, Kinder, Behinderte, Kranke.

Daher ist es gut, dass die Politik das Problem zunehmend erkennt. Lächerlich ist freilich, was ihr dazu einfällt. Etwa, dass man sich künftig den Meistertitel auch in den Pass eintragen lassen kann (wo doch ohnehin schon alle Welt über die österreichische Titelsucht lacht!). Deswegen wird wohl kein einziger junger Mensch plötzlich in eine Lehre wechseln.

Um die wirklichen Ursachen des Fachkräftemangels macht die Politik aber einen großen Bogen: Flucht in die Gymnasien aus den Mittelschulen (weil in diesen Deutsch immer öfter nur als holprig beherrschte Fremdsprache zu hören ist); das weitgehende Fehlen attraktiver Kombinationen von Matura und Lehre; falsche Studienwahl vieler Studienanfänger; das zu niedrige Pensionsantrittsalter (das viele Arbeitsfähige und Arbeitswillige in den Lehnstuhl umlenkt); die zu niedrige heimische Geburtenrate; völlig unzureichender Zuzug von qualifizierten Nicht-EU-Ausländern via Rot-Weiß-Rot-Card (wer zieht schon gern in ein Land mit einer unbekannten Sprache und extrem hohen Abgabenlasten, wenn er nicht primär auf die soziale Hängematte aus ist); völlig unzureichender Zuzug von EU-Ausländern trotz der in Spanien oder Italien extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit (im Hotel Mama lebt sichs dort offenbar immer noch bequemer).

Während all diese Zusammenhänge zumindest bekannt sind, ist ein weiterer kaum jemandem bewusst: Das sind die seit einem Jahrzehnt extrem niedrigen Zinsen. Dadurch bleiben viele eigentlich nicht mehr wettbewerbs- und wachstumsfähige Unternehmen am Leben. Das können nur ahnungslose Politiker, die nie Schumpeter gelesen haben, für positiv halten. Genau diese maroden Zombie-Firmen blockieren nämlich viele Fachkräfte. Und diese fehlen wiederum in allen zukunftsträchtigen Unternehmen. Die aber würden sie viel dringender brauchen, denn nur sie können unseren künftigen Wohlstand tragen.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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