Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (10 Euro pro Monat) ist jederzeit stornierbar. Nicht-Abonnenten können Artikel hingegen erst nach 48 Stunden lesen. 

weiterlesen

Wie die Politik die Weltuntergangs-Sekte fördert

Schüler und Studenten scheinen deutlich klüger als die Mehrheit der Politiker und erst recht als fast alle Medien zu sein. Oder hat ihre Begeisterung für die sogenannten Schülerstreiks nur deshalb sichtbar abgenommen, weil diese neuerdings erst zu Mittag stattfinden? Die politmediale Klasse hat jedenfalls kein Verdienst an den ersten Anzeichen einer Rückkehr der Vernunft. Sie gibt sich noch ganz der Anbetung der heiligen Greta hin und verbreitet weiterhin gehirnwäscheartig den Eindruck, als wäre die These vom menschengemachten Klimatod in irgendeiner Weise bewiesen oder auch nur wahrscheinlich. Auf jeden Fall aber ist das Verhalten der interimistischen Bildungsministerin und der Bildungsdirektionen (Landesschulräte) der Bundesländer Wien und Vorarlberg ein Skandal, die die "Klimastreiks" einfach zu "schulbezogenen Veranstaltungen" erklärt haben.

Es ist schon klar, dass das unter Druck der in diesen Bundesländern mitregierenden Grünen erfolgt ist. Weniger klar ist, warum sich auch eine eigentlich nicht zu Populismus verpflichtete Interimsministerin Rauskala zu solchem Schwachsinn hergibt. Ebensowenig klar ist, warum Medien über einen Aufmarsch von 4000 MenschenKlimatod-Schülern, wie er am vergangenen Freitag in Wien stattgefunden hat, großflächig berichten, sind ihnen doch sonst Demonstrationen dieser Größenordnung nur einen längeren Einspalter wert (oder gar nichts, wenn es Kundgebungen für christliche Werte sind).

Völlig klar ist hingegen, was jene Jugendlichen antreibt, die da mitmarschieren. Bei ihnen haben gleich drei psychologische Faktoren mitgespielt:

  • Zum einen ist man in diesem Alter wirklich für alles zu haben, was "a Hetz" ist, was von langweiligem Unterricht, von noch langweiligerem Üben und Hausaufgaben ablenkt. Dafür muss jeder, der sich an seine eigene Jugend erinnert, der selber Kinder oder Enkelkinder hat, düsteres Verständnis haben, auch wenn das Ganze inhaltlich ein grober Unsinn ist.
  • Zum zweiten gibt es in keiner Altersphase einen so stark wirksamen Herdentrieb wie in den Teenager-Jahren. Wichtiger als alles andere ist es da, immer bei der Masse der Gleichaltrigen dabei zu sein. Das macht es umgekehrt leicht, Jugendliche zu verführen: Man braucht nur ein paar Leithammel zu finden.
  • Zum dritten ist es für jede Alterskohorte Teil der pubertären und postpubertären Entwicklung, sich primär für das zu begeistern, womit man zeigen kann, dass man ganz anders, dass man vor allem viel klüger als die Eltern und die anderen Alten sei.

Einmal äußert sich dieser Trieb in Mode-Erscheinungen wie derzeit dem Tätowieren; ein andermal ist es Begeisterung für einen neuen generationsspezifischen Musikstil; und dann wieder sind es politische Kollektivhysterien. Man denke etwa  an die nationalen Erhebungen der Geschichte, die meist Jugendrevolutionen waren – siehe Jungtürken oder Jungtschechen. Man denke an die Kommunisten. Man denke an die Kinderkreuzzüge, an die Nationalsozialisten, an die 68er Revolutionäre, an die Antiatom-Bewegung oder in (früher) fremden Kulturen an die ebenfalls von der Jugend ausgegangene radikale Re-Islamisierung (die wiederum an die diversen Wellen der christlichen Reformation erinnert), um nur die wichtigsten jugendbewegten Dummheiten zu nennen. Und jetzt eben die Klimatod-Bewegung.

Jedes Mal hat dabei eine Generation ihre eigenen ideologischen Moden absolut gesetzt und das Bestehende verachtet. Jedes Mal hielt man die neuen Ideen für alternativlos richtig. Deshalb nimmt jede neue Generation für sich auch erneut das Recht in Anspruch, mit der eigenen Vorstellungswelt über alle Regeln und Mehrheiten drüberfahren zu müssen. Deshalb verachtet jede junge Revolutionsgeneration sachliche Diskussionen und fairen Austausch von Fakten.

Der Rückblick lehrt freilich: Fast immer wäre es besser gewesen, wenn sich die Erwachsenen, die Politik den jugendlichen Wellen ruhig, standfest und mit sachlichen Argumenten entgegengestellt hätte, als opportunistisch auf jeder Welle mitzureiten. Nicht nur weil Wellen prinzipiell wieder abebben, sondern vor allem, weil man mit Opportunismus weder Respekt noch Wähler, Leser oder Seher gewinnt.

Es gibt nur eine einzige Ausnahme, wo jugendlicher Protest wichtig und positiv ist: Wenn er für Freiheit, Meinungsfreiheit, Rechtsstaat und Demokratie kämpft. Wie 1848 bei uns, wie heute die tapferen Studenten in Hongkong oder Iran. Alle anderen Jugendbewegungen hingegen haben sich im Grunde für genau das Gegenteil eingesetzt.

Das gilt auch für die Greta-Sekte, deren Agitation einen Teil der Schülergeneration erfasst hat. Sie will die Meinungsfreiheit jedes Andersdenkenden einschränken, sie will selbst entscheiden und nicht die Entscheidungsstränge des demokratischen Rechtsstaats respektieren. Das ist schon mehr als ein Hauch von totalitär.

Das Absurde ist: Wer ständig in Hinblick auf die totalitären Schrecken der NS-Zeit ein "Nie wieder" predigt, müsste sich eigentlich kompromisslos für offene und gleichberechtigte Diskussion aller Standpunkte anstelle des einseitigen Klimapanik-Totalitarismus und der Unterdrückung aller abweichenden Meinungen und Fakten einsetzen. Jedoch – das Gegenteil geschieht. Wer den Klimatod skeptisch sieht, wird erbarmungslos verfolgt. Statt eines "Nie wieder" gilt heute zunehmend ein "Schon wieder".

Gerade eine Unterrichtsministerin müsste sich für eine gleichberechtigte Diskussion aller Standpunkte einsetzen, selbst wenn sie nur eine undemokratisch (wenn auch im Rahmen der Verfassung) ins Amt gekommene Ministerin ist. Daher ist der wirkliche Skandal nicht das Verhalten der Jugendlichen, sondern das der Ministerin und der Bildungsdirektionen, die diesen Aktionismus der Greta-Sekte allen Ernstes als Exempel einer "demokratischen Partizipation" hinstellen.

Gute Nacht Österreich, sollten wieder Straßenaufmärsche das zentrale Feld der Auseinandersetzung werden. Das kann gefährlich werden, wenn sie von der Schul-Obrigkeit als "demokratische Partizipation" empfohlen werden. 

Ein ebenso großer Skandal ist es, wenn die gleiche Ministerin, ohne rot zu werden, gleichzeitig zum Schülerstreik in der EU jene Strategie blockiert, die nach Meinung der Mehrheit der anderen Europäer und auch der heiligen Greta selbst die beste Strategie wäre, um die angeblich klimaschädlichen Emissionen signifikant zu reduzieren. Das wäre nämlich eindeutig die Weiterentwicklung von sicherer Atomenergie, (auf dem Weg der heute schon stark verbesserten Kernspaltung oder künftig durch die nicht einmal theoretisch zur Auslösung einer Katastrophe geeignete Kernfusion, an der die Physiker intensiv werken). Am Rande sei vermerkt, dass diese Ministerin allgemein als eine den Schwarzen und nicht den Grünen nahestehende Beamtin gilt. So kann man sich ausmalen, welche noch weit darüber hinausgehenden Absurditäten in Kürze dort ein grüner Minister den Schülern einzutrichtern versuchen wird.

Wenn Ministerin und Bildungsdirektionen wirklich eine faire, sachliche und ausgewogene Diskussion auslösen wollten, dann sollten sie den Schülern neben dem Greta-Katechismus auch ein paar seriöse Analysen zukommen lassen, die zu ganz anderen Schlüssen gekommen sind.

Etwa:

  1. Diesen Text aus der FAZ, der überaus klar zeigt, dass in der Erdgeschichte ständig (noch viel intensivere) Warm- und Kaltzeiten abgewechselt haben, die vor allem durch Sonnenaktivitäten ausgelöst worden sind, während CO2 maximal für 0,7 Grad Erwärmung zuständig sein kann, wenn überhaupt. Dieser Text ist zwar schon einige Jahre alt, aber durch absolut nichts widerlegt.
  2. Dieses Interview mit einem führenden italienischen Naturwissenschaftler, der ganz aktuell erklärt, warum CO2 sicher nicht schuld ist, dass Venedig wieder einmal ein paar Tage unter Wasser gestanden ist.
  3. Diesen Brief, den 500 europäische Naturwissenschaftler im September an die UNO geschrieben haben, der klar sagt, es gibt gar keinen "Klimanotstand". Der Brief ist zwar auf Englisch, aber vielleicht wird diese Sprache neben Demonstrieren und Projekteln noch ein wenig in den Schulen gelehrt.
  4. Die vielen "peer reviewed" Publikationen von EIKE, des "Europäischen Institut für Klima & Energie" (teilweise ebenfalls auf Englisch), das im deutschen Sprachraum einen tapferen Kampf gegen die gleichgeschalteten Klimatod-Propagandisten führt, und das die linksradikalen Klimatod-Fanatiker voller Hass bekämpfen.
  5. Oder wohl am anschaulichsten, weil es besonders fassungslos macht: Zumindest ein paar aus dieser Sammlung von vielen Dutzenden Zeitungsausschnitten, die alle zeigen, wie schon seit 50 Jahren grüne Panikmach-Wissenschaftler ununterbrochen zu Unrecht den Weltuntergang prophezeit haben. Sie haben schon für 1975 klimabedingte Massenhungersnöte angekündigt, für 1980 die Rationierung sämtlicher Lebensmittel, ebenfalls für 1980 den Tod alles Lebens in Seen durch sauren Regen, für 1990 den Tod der gesamten Menschheit, fürs 21. Jahrhundert eine große Eiszeit, für 2018 den Untergang aller Malediven-Inseln, und so weiter. Die Lektüre dieser Zeitungsausschnitte wäre nicht nur ein gutes Englisch-Training; sie würde nicht nur gesunde Skepsis wachsen lassen gegenüber Wissenschaftlern, die sich ständig ohne jede Grundlage mit apokalyptischen Aussagen wichtigmachen, um damit die Aufmerksamkeit sensationsgeiler Journalisten zu erregen., die eigene Karriere fördern oder Subventionen akkumulieren wollen. Diese Artikel wären auch exzellente Exempel für den medienkundlichen Unterricht. Sie zeigen, dass die Produktion von Fake News immer schon Marketing-Strategie auch als seriös geltender Medien gewesen ist (Diese sind ja nicht erst mit dem Internet in die Welt gekommen sind). 

Ja, das alles und noch viel mehr würden ernstzunehmende Bildungsinstitutionen den Schulen zukommen lassen, damit sich die Lehrer und Schüler selbst ein ausgewogenes Bild machen können und nicht nur von völlig einseitiger Klimapanik-Propaganda ertränkt werden.

Kommentieren (leider nur für Abonnenten)
Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print



© 2022 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung