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Christian Kern: Ein Risiko am Rande des Strafrechts

Wilde, geradezu hasserfüllte Beschimpfungen vor allem zwischen Rot und Blau gehören seit Monaten zum Politik-Abgewöhn-Programm für die Österreicher. Hier wird gegen "Arbeiterverräter" gehetzt, dort gegen "Brunnenvergifter". Grausliche Ehrenbeleidigungen sind unser tägliches Brot geworden, zu denen aber die Justiz nicht ganz zu Unrecht sagt: In die politischen Schlammschlachten mischen wir uns nicht ein. Jetzt aber hat SPÖ-Chef Christian Kern ganz andere Grenzen überschritten. Jetzt müsste eigentlich eine objektive Staatsanwaltschaft sehr wohl intensiv nachzudenken beginnen. Jetzt hat sich der Mann überdies als jedenfalls absolut ungeeignet für ein Spitzenamt erwiesen.

Anlass war das Fußballspiel der vorigen Woche zwischen Salzburg und Marseille. Dabei sind die Salzburger knapp gescheitert, in das Finale eines der großen internationalen Fußballbewerbe vorzustoßen. Mitursache des Scheiterns war eine Fehlentscheidung des russischen Schiedsrichters, der gegen die Salzburger drei Minuten vor Schluss zu Unrecht einen Eckball gegeben hat, aus dem dann ein Tor der Franzosen entstanden ist.

So weit so bitter für die Österreicher – und typisch für den Fußball. Dieser Eckball war aber sicher keine bewusste Fehlentscheidung, hat doch der Schiedsrichter etliche Minuten davor einen ebenfalls ziemlich eindeutigen Elfmeter gegen Salzburg nicht gegeben (für Nichtfußballer: Das ist ein normalerweise viel folgenschwererer Fehler).

Jedenfalls hat diese Wendung knapp vor Schluss das Red-Bull-Team nicht nur um die Chance eines Elfmeterschießens gebracht. Er hat auch alle zusehenden Österreicher sehr empört, darunter auch SPÖ-Chef Kern. Was an sich nachvollziehbar ist – auch ein Kern darf ein wenig in Chauvinismus machen. Und versuchen populärer zu werden.

Das Wie seiner Reaktion ist jedoch ein absoluter Skandal. Kern hat nämlich auf Twitter geschrieben: "Wo steht dem Schiri sein Auto?" (Schiri = Sportslang für Schiedsrichter).

Dieser Satz ist aber wirklich ungeheuerlich. Nicht primär, weil er schwerer Dialekt ist, sondern weil er eindeutig einen Aufruf zur Gewalt darstellt. Das muss absolut jeder so verstehen, der hie und da auf Fußballplätzen ist. Das ist gar nicht anders zu verstehen. Gezielte Beschädigungen oder Bedrohungen von Schiedsrichter-Autos (so man sie denn findet) sind in Hooligan-Kreisen eine durchaus beliebte Methode. Mit oder ohne darin sitzendem Schiedsrichter. Und führen auch normalerweise zu Strafverfahren.

Dieser Kern-Satz ist etwas ganz anderes als milieubedingte Schiedsrichter-Beschimpfungen à la "Du Schwarze Sau" oder "Kauf dir a Brilln, blinder Trottel". Diesen Unterschied müsste eigentlich auch ein Staatsanwalt verstehen.

Dieser Kern-Satz zeigt aber vor allem auch, dass sich Kern in emotionalen Momenten nicht unter Kontrolle hat. Das ist eine absolute Gefahr für Österreich bei einem Mann, der (noch einmal) nach dem wichtigsten Amt im Staat strebten will. Bei allem Verständnis für die Aufregung bei einem Fußballspiel: Aber wer schon als Zuschauer eines Spiels so unkontrolliert reagiert, ist auch in anderen Situationen ein eindeutiges Sicherheitsrisiko.

Man kann nur froh sein, dass Kern nicht mehr für dieses Land verantwortlich ist. Und hoffen, dass er es nie wieder sein wird.

Wer auch immer sich – zu Recht – über die unkontrolliert-emotionalen Grenzüberschreitungen durch Donald Trumps Twitter-Denuntiationen erregt und nicht ganz einäugig ist, der muss sich jedenfalls genauso über Christian Kern empören. Egal, ob dieser nicht ganz begriffen hat, was er da in die Tastatur tippt, oder ob er gar glaubt, mit Gossen-Tweets nach Trump-Art auch so erfolgreich zu werden wie dieser.

Und Vorbilder für die Bürger ihrer Länder sind beide schon gar nicht.

Bemerkenswert sind übrigens auch zwei mediale Randaspekte der Affäre:

  1. Zwar haben einige Boulevard-Blätter auf der Ebene ihrer Sportberichterstattung über den Kern-Satz berichtet. Aber keine der politischer Redaktionen des Landes. Keine hat zur Kenntnis nehmen wollen (oder begriffen?), was der Satz rechtlich bedeutet. Und was er in Wahrheit über Kerns Persönlichkeit aussagt.
  2. Das Spiel wurde von Puls 4 und nicht vom ORF übertragen. Dabei hat der Privatsender zu später Stunde genauso viel Zuseher erreicht wie der ORF in seiner besten Zeit zwischen 19 und 20 Uhr. Das zeigt, dass Privatsender quotenmäßig genauso erfolgreich sein können wie der ORF, sobald das Spielfeld ein ebenes wird.

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