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Koalitionsbruch: Die Dämme sind gebrochen

Es ist Wahlkampf: Das Geld ist abgeschafft. Und der Verstand. Das kindische Ausscheren der SPÖ bei der Beschlussfassung der Universitätsmilliarde ohne die ÖVP lässt Böses ahnen: Jetzt wird also auf Teufel komm raus Geld verbrannt - das wir gar nicht haben.

Rot, Grün und Blau (welch Schulterschluss!) haben also beschlossen, dass die Unis 2019 bis 2021 zusätzliche 1,35 Milliarden bekommen. Einfach so und nicht – wie die Ex-Koalitionäre eigentlich vorgesehen hatten – mit der Auflage, dass der Geldsegen von einer Studienplatzfinanzierung und daher strikteren Zugangsregeln begleitet werden muss.

Wir werden also gezwungen, weitere Milliarden in eine Massenuniversität zu schaufeln, die, wie jedes Ranking zeigt, an internationale Standards nicht mehr anschließen kann. Und da jubeln nicht nur die Parlamentarier, die wie die Kinder schadenfroh Sebastian Kurz die Zunge zeigen wollten.

Nein, auch rektoraler Jubel ertönt.

Da muss man sich noch größere Sorgen um dieses Land machen.

Wollen die Hohen Schulen keine jungen Menschen mehr heranbilden, die auch international bestehen können? Stört es sie nicht, dass unter der Last der Studentenmasse keine universitäre Ausbildung mehr möglich ist, die diesen Namen auch verdient? Finden sie mit desinteressierten und/oder intellektuell überforderten jungen Menschen überfüllte Hörsäle so erstrebenswert?

Dass sich unter den Studenten zu viele befinden, die gar nicht studieren wollen, zeigt sich schon am Betreuungsverhältnis: Das liegt durchschnittlich bei über 120 Studenten pro Uni-Professor (in Deutschland empfindet man schon 1: 66 als Skandal). Zählt man aber nur jene Studenten, die auch jedes Semester Prüfungen ablegen ("prüfungsaktive" Studenten), dann sinkt dieses Verhältnis ganz rasch auf durchschnittlich 1 zu 76. Und da freuen sich die Rektoren, dass die Politik ihnen wieder nicht ermöglicht hat, sich gegen die Flut an Hörern zu wehren, die gar nicht an die Unis gehören?

Ein Trauerspiel.

Der "Coup" des Koalitionsbruchs der Sozialisten in Sachen Uni-Milliarde lässt aber für die Steuerzahler noch Schlimmeres fürchten: Jetzt ist der Damm gebrochen. Jetzt wird alles beschlossen, was zwar nicht gut, dafür aber teuer ist – aus Justament. Die berühmt-berüchtigte "Sternstunde des Parlaments" – als vor der Wahl 2008 in einer Sondersitzung durch das "Spiel der freien Kräfte" milliardenteure Wahlzuckerl verteilt wurden, für die wir heute noch zahlen - kommt jetzt also wieder – und zwar nicht nur in einer einzigen Sitzung.

Wer fragt noch nach Sinnhaftigkeit, nach Nachhaltigkeit, nach nüchterner Problemlösung? Jetzt herrscht nur mehr Populismus und Gier.

Die eineinhalb Jahre Bundeskanzler Kern werden als die teuersten Monate in die Republikgeschichte eingehen.

Diesem Herrn ist übrigens sogar sein eigener Plan A egal: Da drinnen steht nämlich noch groß und deutlich, dass eine Studienplatzfinanzierung eingeführt werden muss. So schnell zeigt sich, was das Kern-Prinzip ist: Was schert mich mein Plan A von gestern, wenn ich mir heute mit anderer Leute Geld Stimmen kaufen kann.

Wahlkampf ist eben die Zeit fokussierter Unintelligenz (© Michael Häupl). Und die Zeche zahlen dann jene "Kinder und Enkelkinder", über die alle Politiker sonntags so gerne reden, deren Geld sie aber schon heute zum Fenster hinauswerfen.

 

 

 

 

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