Andreas Gabalier im rechten Eck

Lesezeit: 3:30

Abwertende Äußerungen und Stigmatisierungen als Zeichen des guten Tons in einer moralisch überlegenen Gesellschaft. Über die Grenzen des guten Geschmacks.

Es ist interessant, dass sich manche Vertreter staatsnaher Betriebe bemüßigt fühlen, in voreilendem Gehorsam ein Werturteil über jemanden abzugeben, von dem sie ausgehen, dass es in ihrer Wertegemeinschaft gut ankommt. Dieses Phänomen ist weder ein Zeichen von gutem Benehmen oder einem niveauvollen Stil noch ist es ein Indikator für Zivilcourage.

Sich in seiner elitären Zielgruppe "chic" zu fühlen, während man sich im scheinbaren sozialen Konsens sicher wähnt, wenn man eine abwertende Aussage über eine einzelne als minderwertig empfundene Gruppe von Menschen oder gar einen Künstler aus dem eher bodenständigen Volksmusikbereich tätigt, ist ein aktueller Trend. Dieser spricht allerdings weder für ein positives gesellschaftliches Klima noch für eine besonders entwickelte und gereifte Gesellschaft und schon gar nicht für die menschliche Qualität des Täters einer derartigen Stigmatisierung. Der renommierte Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick meinte einmal treffend, dass der Glaube, dass jemandes eigene Ansicht der Wirklichkeit die einzige Wirklichkeit ist, der gefährlichste Irrglauben sei.

Was sich heute bei vielen Etablierten als Zivilcourage ausgibt, ist auf einer tieferen Ebene nichts anderes als ein moralistisch getarnter Klassendünkel. Hier lässt sich ein Milieu, welches sich Toleranz und Weltoffenheit auf die Fahnen geschrieben hat, ein Hintertürchen für den eigenen Drang nach Herabsetzung anderer Gruppen offen. Was in diesen Kreisen als „anständig“ und „mutig“ geadelt wird, ist eine billige Form des Mutes ohne Risiko, wobei man sich noch Beifall für die eigene korrekte Gesinnung erwartet. Wenn man sich auf seinem hohen Ross der moralischen und intellektuellen Überlegenheit auf sicherem Terrain wähnt, ist es leicht, sich bei der eigenen Fangemeinde an synchron Denkenden durch einen mentalen Schenkelklopfer zu profilieren.

Grenzen des guten Geschmacks

Ob man sich nun mit der Person Andreas Gabalier oder seiner Musik identifizieren kann oder nicht: Niemand hat das Recht, sich über den Künstler und seine Fangruppe zu stellen und diese im gleichen Atemzug in Form einer vagen Andeutung noch mit einer bestimmten Ideologie in Beziehung zu setzen.

„Suum cuique“ sprich „Jedem das Seine“ oder vielleicht noch besser „Leben und leben lassen“ sollte die Prämisse in unser sehr leicht zu Vorurteilen und vorschnellen Schlussfolgerungen neigenden Gesellschaft sein.

Fakt ist, dass sich Andreas Gabalier sein Geld hart selbst erarbeitet hat und dieses nicht monatlich als Angestellter eines staatsnahen Betriebes überwiesen bekommt. Seine Verkaufszahlen sprechen unabhängig davon für sich. Die so nebenbei getätigte Abwertung und Kategorisierung Gabaliers, ohne sich Gedanken über den Menschen hinter dem Künstler zu machen, bekommt durch die Tatsache, dass dieser in seinem jungen Alter mehrere schwere Schicksalsschläge durch den Selbstmord seines Vaters und seiner Schwester, die er auch in seinen Liedern („Amoi seg' ma uns wieder“) künstlerisch verarbeitete, einen besonders negativen Beigeschmack.

Mit seiner Form der Kunst erfüllt Andreas Gabalier eine der wichtigsten Rollen und Aufgaben der Kunst neben so manchem dekadenten Fetisch. Er schafft es Menschen Lebensfreude zu geben. Gerade der sich als links definierende Flügel in unserer Gesellschaft sollte sich, anstatt von oben herab andere Menschen zu beurteilen und zu bewerten, wieder auf gewisse Grundwerte wie Menschlichkeit und Brüderlichkeit besinnen. Denn Kategorisierungen und Klischees führen zu falschen Feindbildern und sagen mehr über den Überbringer einer Botschaft aus als über den Wahrheitsgehalt der getätigten Anschuldigung.

Daniel Witzeling, (*1985) ist Psychologe und Sozialforscher. Er ist Leiter des Humaninstituts Vienna (www.humaninstitut.at).  Als Sozialforscher beschäftigt er sich mit angewandter Psychologie auf verschiedenen gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern unter anderem Wirtschaft, Politik und Soziales.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Juni 2017 08:47

    Zu dem Problem Naske - Gabalier hab ich mich schon ausführlich geäussert.
    Aber ich kann es nicht lassen, ich muss meine Frage wiederholen (weil Naske ja auch "künstlerisch" gewertet hat), wo ist der Unterschied zwischen dem "Hiatamadl mit die strammen Wadln", oder wie das seinerzeit hiess, von Hubert Achleitner, der sich Hubert von Goisern nennt und dem "Amoi da segn ma uns wieda" von Andreas Gabalier?
    Nach meiner bescheidenen Meinung ist da ein gewaltiger.
    Ich würde aber meinen, das von Andreas Gabalier ist um Klassen besser - aber es ist mir eigentlich völlig egal, was wer komponiert, dichtet oder singt.
    Wiewohl es natürlich so ist, dass der Hubert von Goisern ja auch vom Wohlwollen der ORF etc. abhängig zu sein scheint, weil sonst würde er sich nicht so einschleimen. Siehe auch Engagement für Van der Bellen und Hetze gegen Jörg Haider (selbst noch nach dessen Tod).

  2. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    08. Juni 2017 11:00

    Wenn sich bei mir Gedanken festgesetzt haben, dann... Jetzt hab ich mir den Verein Konzerthaus noch angeschaut, interessant, interessant.

    https://konzerthaus.at/kuratorium

    Kuratorium
    Präsidium
    Dr. Christian Konrad, Präsident
    Dkfm. Dr. Claus J. Raidl, 1. Vizepräsident
    Dr. Johanna Rachinger, 2. Vizepräsidentin
    Dr. Christian Kuhn, 3. Vizepräsident

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2017 08:43

    Es soweit zu bringen ohne rotzgrüner Staatskünstler zu sein, ist mehr als bewundernswert.

alle Kommentare

  1. Bob
    09. Juni 2017 08:43

    Es soweit zu bringen ohne rotzgrüner Staatskünstler zu sein, ist mehr als bewundernswert.

  2. Ingrid Bittner
    08. Juni 2017 11:00

    Wenn sich bei mir Gedanken festgesetzt haben, dann... Jetzt hab ich mir den Verein Konzerthaus noch angeschaut, interessant, interessant.

    https://konzerthaus.at/kuratorium

    Kuratorium
    Präsidium
    Dr. Christian Konrad, Präsident
    Dkfm. Dr. Claus J. Raidl, 1. Vizepräsident
    Dr. Johanna Rachinger, 2. Vizepräsidentin
    Dr. Christian Kuhn, 3. Vizepräsident

  3. Ingrid Bittner
    08. Juni 2017 09:57

    Und noch eins: Herr Naske ist Verwalter "unseres" Steuergelds. Er hat darauf zu schauen, dass er sein Haus möglichst gut verkauft und das funktioniert nicht, wenn er politisch wertet! Also ist nicht nur Hr. Gabalier der Angeschmierte sondern sind es auch wir Steuerzahler. Je weniger Hr. Naske einnimmt, umso höher die Subventionen. Und das wegen der Privatmeinung des Hr. Naske.

  4. Ingrid Bittner
    08. Juni 2017 08:47

    Zu dem Problem Naske - Gabalier hab ich mich schon ausführlich geäussert.
    Aber ich kann es nicht lassen, ich muss meine Frage wiederholen (weil Naske ja auch "künstlerisch" gewertet hat), wo ist der Unterschied zwischen dem "Hiatamadl mit die strammen Wadln", oder wie das seinerzeit hiess, von Hubert Achleitner, der sich Hubert von Goisern nennt und dem "Amoi da segn ma uns wieda" von Andreas Gabalier?
    Nach meiner bescheidenen Meinung ist da ein gewaltiger.
    Ich würde aber meinen, das von Andreas Gabalier ist um Klassen besser - aber es ist mir eigentlich völlig egal, was wer komponiert, dichtet oder singt.
    Wiewohl es natürlich so ist, dass der Hubert von Goisern ja auch vom Wohlwollen der ORF etc. abhängig zu sein scheint, weil sonst würde er sich nicht so einschleimen. Siehe auch Engagement für Van der Bellen und Hetze gegen Jörg Haider (selbst noch nach dessen Tod).





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