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Missbrauch: der große Unterschied

Die grässlichen Fälle von sexuellem und physischem Missbrauch in österreichischen Kinderheimen lasten wie eine dunkle Wolke über der Nachkriegsgeschichte (in der ich wie viele andere gleichzeitig eine arme, aber schöne Kindheit verbringen konnte). Der Skandal, der viele Menschen lebenslänglich geschädigt hat, setzt sich in der Gegenwart sogar in mehrfacher Form fort, wie jetzt immer klarer wird. So erklärt die Gemeinde Wien kurzerhand, sie zahle nichts mehr für alle weiteren Opfer, die sich jetzt erst melden. Zugleich stellt sich heraus, dass diese Verbrechenswelle in jeder Hinsicht vor allem eine in der Verantwortung der Gemeinde Wien war, auch wenn die rotgrüne  Propagandamaschine – vom ORF bis zu einer staatlich subventionierten Filmproduktion – ständig nur über die Missbrauchsfälle im Verantwortungsbereich der Kirche redet.

Jetzt stellt sich jedoch heraus, dass die Zahl der misshandelten Kinder in Einrichtungen der Gemeinde Wien deutlich größer ist als die Zahl der Fälle im Bereich der Kirche – in ganz Österreich! Aber auch unabhängig von der Quantität war die Widerwärtigkeit des Kinder-Missbrauchs in Wien noch ein Grad übler (wenn die Widerwärtigkeit von sexuellem Missbrauch überhaupt noch steigerbar ist): Hier wurden Kinder nämlich wie in einem Bordell zum Missbrauch verschachert.

Die konkreten Zahlen: An die Wiener Opferschutz-Kommission haben sich über 3100 Menschen gewandt. Das ist mehr als in Einrichtungen aller anderen Bundesländer zusammen. An die kirchliche Opferschutzkommission haben sich nach deren Angaben mehr als 1500 Opfer gewandt – allerdings war diese Kirchenkommission für ganz Österreich zuständig!

Allein diese Zahlen bedeuten schon einen dramatischen Unterschied. Dieser wird noch größer, wenn man bedenkt, dass in jenen Jahren die Zahlen der Zöglinge in kirchlichen Heimen und Internaten in ganz Österreich zweifellos weit größer war als jene nur in Heimen der Stadt Wien (auch wenn hierzu keine genauen Zahlen bekannt sind).

Umso skandalöser ist der zusätzliche Skandal, dass die SPÖ mit Steuermitteln jetzt einen Film fördern ließ, der sich nur mit den Schicksalen von Insassen kirchlicher Heime befasst Auf die Wiener Kinderzwangsbordelle auf der Hohen Warte, am Wilhelminenberg und in Eggenburg (wohin von der Gemeinde Wien ebenfalls Kinder verlegt worden waren) wird aber überhaupt nicht eingegangen.

Auffällig ist auch ein anderer mehr als erstaunlicher Aspekt: Von den einstigen Opfern in Wiener Einrichtungen waren 63 Prozent Buben (über die Geschlechterverteilung in kirchlichen Einrichtungen liegen keine Angaben vor). Das lässt viele schlimme Befürchtungen zu, auch wenn es dazu keine weiteren Informationen gibt.

Zurück zu den Zahlen: Seit das Wiener Rathaus im März dekretiert hat, jetzt würden keine Fälle mehr angenommen, haben sich weitere 86 Menschen gemeldet – etwa weil sie erst jetzt den Mut dazu hatten, über ihre schreckliche Kindheit zu reden. Pech gehabt, hätten sie sich doch in einem Ordensinternat missbrauchen lassen. Denn die kirchliche Kommission – obwohl schon früher eingesetzt als die der Gemeinde – hat im Unterschied zum Rathaus verbindlich erklärt: Es werde weiterhin „kein Schlussstrich“ gesetzt.

Ein weiterer zusätzlicher Skandal der Wiener Aufarbeitung ist die Begründung durch den vom Rathaus beauftragten „Weißen Ring“, warum es für 734 jener, die sich sehr wohl rechtzeitig gemeldet hatten, dennoch keine Unterstützung gibt: „Es waren zum Beispiel Fälle, wo die Eltern ihre Kinder in Heime gebracht haben.“ Oder wo die Akten in der MA 11 verschwunden sind.

Seltsame Begründungen. Würde im kirchlichen Bereich auch so argumentiert werden, dann hätte die Kirche fast überhaupt keine Entschädigungen zahlen müssen. Denn in die meisten Schulinternate sind die Kinder ja durch ihre Eltern gebracht worden.

Kein Wort, um Vorfälle in kirchlichen Internaten und Heimen zu rechtfertigen oder relativieren. Aber alles, um die Ungeheuerlichkeit zu kritisieren, dass ein noch viel größerer und ärgerer Skandal in der Verantwortung der Gemeinde Wien unter den Teppich gekehrt oder überhaupt ignoriert wird. Hier verbiegt die Linke wieder einmal die historischen Fakten bis zur Unkenntlichkeit.

Wie es soeben auch in einem Fernsehbeitrag über sich jetzt zusammenschließende Opfer der Gemeinde Wien in der ZiB2 geschehen ist. In diesem wird von einer stramm linken Redakteurin nicht mit einem einzigen Wort die Gemeinde oder das Rathaus erwähnt, sondern es wird nur von „kirchlichen und staatlichen“ Opfern geredet. Und natürlich hat der ORF auch nicht den Wiener Bürgermeister oder die zuständige Stadträtin dazu befragt, oder gar kritisch befragt (etwa in der Art, wie etwa Minuten davor der freiheitliche Präsidentschaftskandidat verhört worden ist). Man hat nicht einmal angedeutet, dass sich seit langem im ganzen Wiener Rathaus niemand zu einer Stellungnahme zu diesem Skandal bereitfindet. Man macht ihm vielmehr selbst die Mauer.

Dabei wird dieses Rathaus seit damals von der selben Partei beherrscht, die im letzten Wahlkampf sogar noch die Unverschämtheit hatte, die Parole „Haltung“ zu trompeten.

PS: Bei aller Kritik, die in diesem Tagebuch in anderen Fragen an der Haltung der gegenwärtigen Bischofs-Crew geübt wird, die besorgte Frage: Wie viele Wangen will die Kirche eigentlich noch voll Selbstzerknirschung hinhalten, um als Alleinschuldige abgestempelt zu werden – obwohl sie nicht einmal die Hauptschuldige ist?

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