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Amerika 2016 erinnert total an Österreich 2000

Noch ein paar hasserfüllte Zeitungskommentare mehr, noch ein paar weitere dümmliche „Comedians“-Auftritte im Fernsehen, und noch ein paar wilde und möglichst gewalttätige Protestdemonstrationen: Über jeden solchen Tag kann sich Donald Trump zusätzlich freuen.

Der linke Mainstream wird einfach nicht klüger. Er ist einfach nicht imstande, aus der Geschichte zu lernen. Und vor allem: Er ist in Wahrheit schon gar kein „Main“-Stream; das ist er nur in Medien, Kultur- und Bobo-Schickeria sowie unter den Studenten, aber ganz und gar nicht in der Bevölkerung, bei den Erwachsenen, bei jenen, die fast all diese Szenen finanzieren (müssen).

Man erinnere sich an den Beginn des Jahres 2000 in Österreich: Damals haben ein paar Wochen solcher Aktionen gereicht (wie etwa vom ORF hochgepeitschte Antiregierungs-Demonstrationen oder die Blockade des Wohnhauses schwarzer Ministerinnen oder schwarze Fahnen an einigen Hochschulen) – und die demoskopischen Werte der schwarz-blauen Regierung sind von 54 Prozent auf 62 Prozent Zustimmung gestiegen. Obwohl (oder weil?) damals parallel zu diesen innerösterreichischen Aktionen auch die Tugendterroristen in der EU massiv gegen diese Regierung agitiert haben – mit so peinlichen Aktionen wie verweigerten Handschlägen und abgesagten Skikursen.

Ähnliches wird sich die EU wohl gegen die USA nicht zu realisieren trauen, obwohl einige deutsche und französische Politiker (Hollande, Steinmeier, Von der Leyen, Schulz, Juncker) blöd genug waren, auch noch nach der Wahl gegen Trump zu stänkern. Genauso blöd sind die Nach-Wahl-Attacken des potenziellen österreichischen Bundespräsidenten Van der Bellen auf Trump.

Diese Politiker haben dadurch gezeigt, dass sie nicht einmal die Grundbegriffe des Verhaltens internationaler Beziehungen beherrschen, wo man ja ständig mit ausländischen Politikern konfrontiert wird, die man selber nicht gewählt hätte, wo ein echter Profi aber dennoch immer freundliche Miene machen sollte. Sie haben sich damit selbst so elefantenartig verhalten wie der von ihnen kritisierte Trump. Nur sind all dessen Sünden bisher nur im Wahlkampf passiert, also in Zeiten verminderter Intelligenz, wie es ein österreichischer Sozialdemokrat einmal selbst zugegeben hat. Während ab dem Sieg Trump mit Vorgänger Obama auf freundliche politische Kooperation macht.

Die diversen Protestaktionen gegen ein demokratisches Wahlergebnis haben jedenfalls damals in Österreich die Koalition – auf zwei Jahre – besser zusammengeschweißt, als je eine Regierung dieses Landes zusammengeschweißt gewesen ist. Druck von außen hilft fast immer. Das hat man in Österreich etwa auch im ersten Nachkriegsjahrzehnt sehen können, als sich die Koalition im Schock der davorliegenden deutschen NS-Periode und im Kampf gegen die Besatzungsmächte recht geschlossen gezeigt hat. Dieses Druck-schafft-Harmonie-Phänomen hat es nicht nur im kleinen Österreich gegeben, sondern auch in vielen anderen Ländern (selbst wenn man jene Staaten unberücksichtigt lässt, wo sich die Führer sogar bewusst Feinde schaffen, damit ihre eigene Machtbasis zusammengeschweißt  bleibt, wie etwa die Türkei oder Russland).

Diese Mainstream-Aktionen helfen jetzt Trump weiter, wie sie es schon vor der Wahl getan haben. Denn die in Amerika jetzt nicht nur in Regierung, sondern auch im Kongress alleine regierenden Republikaner sind im Grund ja selber eine Koalition aus Gruppen sehr verschiedener geistiger Prägung: Wertkonservative, Religiöse, Wirtschaftsliberale, verunsicherte Unternehmer, Sozialpopulisten, Zornige sowie jene, die um die geistige und kulturelle Identität eines seit Jahrhunderten weiß geprägten Landes besorgt sind.

Eine solche Koalition kann immer nur mühsam zusammengehalten werden. Da hilft es gewaltig, wenn sich ein gemeinsamer Feind sichtbar macht. Druck von außen fügt zusammen, wissen auch alle Physiker.

Für Trump wird das Regieren daher wohl erst dann schwer werden, wenn dieser Druck dieser absurden Hassaktionen wegfällt. Jetzt hingegen steht ihm einmal eine Periode des Honeymoons bevor.

PS.: Auch in Österreich selber ist die Lernfähigkeit gering: Man denke nur an die schwere Selbstbeschädigung, die sich ÖVP und Neos im heurigen Jahr zugefügt haben, als sie die Abgeordneten Franz und Varvrik jeweils wegen eines politisch inkorrekten Sagers hinausgemobbt haben, die von irgendwelchen linken Tugendwächtern kritisiert worden sind. Im Vergleich zu diesen Säuberungsaktionen scheint sogar die SPÖ lernfähig, wo bisher niemand offen gegen den Burgenländer Doskozil agitiert hat.

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