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Wie man Europa wiederbeleben könnte

Einmal ein wirklich spannendes Thema aus Alpbach. Aber prompt widerspricht es diametral dem bisher einzig erkennbaren inhaltlichen Akzent des neuen SPÖ-Vorsitzenden. Daher wird es bedauerlicherweise wohl umgehend wieder von der Tagesordnung verschwinden.

Es ist ein Vorschlag, der ausgerechnet von einem Universitätsprofessor des Austrian Institute of Technology (meist unter „Seibersdorf“ bekannt) kommt. Dieses steht aber unter mehrheitlicher Kontrolle des SPÖ-Verkehrsministeriums. Die faszinierende Strategie-Empfehlung dieses Andreas Kugi in Kurzfassung: Neue Automatisierungskonzepte könnten Produktionsprozesse aus Billiglohnländern wieder nach Europa zurückholen. Gleichzeitig könnte dadurch die schon weitgehend nach Asien ausgelagerte Massenproduktion durch Individualisierung menschen- und konsumentennahe gemacht werden.

Beides wäre angesichts der rapide zunehmenden Arbeitslosigkeit und Abwanderung von Erzeugungsbetrieben ins Ausland toll. Es wäre wohl auch schon toll, wenn es gelänge, die Abwanderung zumindest zu stoppen. Diese schöne Perspektive steht nur in diametralem Gegensatz zu dem, was Christian Kern und Gewerkschaft derzeit als Hauptforderung auf der Agenda haben: Sie wollen genau solche Automatisierungen (noch) höher besteuern und damit verhindern.

Sie träumen im Grund – auch wenn sie es nicht ganz offen aussprechen – von der arbeitsplatzintensiven Fließbandindustrie früherer Generationen, als Gewerkschaften und Sozialdemokratie dank der dort tätigen Massen noch mächtig waren. Diese Vergangenheit wollen sie mit Besteuerung von kreativer Wertschöpfung wiederbeleben; sie glauben gleichzeitig, so den aus dem Ruder gelaufenen Wohlfahrtsstaat doch noch finanzieren und retten zu können.

Das wird beides mit Sicherheit nicht gelingen. Eine Realisierung der SPÖ-Steuerpläne wird im Gegenteil künftig auch die kreative Wertschöpfung zunehmend ins Ausland vertreiben, wodurch noch weniger Wohlstand finanzierbar sein wird.

Offen bleibt nur die Frage, ob ein Seibersdorf-Mann, der solche von SPÖ, ÖGB und ORF vertretenen Konzepte entwickelt und öffentlich vertritt, dort künftig noch große Karriere machen wird…

PS: Der für Seibersdorf zuständige Minister – er heißt angeblich Leichtfried –, äußerte sich ebenfalls in Alpbach. Aber er will in alter sozialistischer Tradition schon wieder eine neue Förderinitiative gründen, wo bürokratisch und politisch das zuerst der Wirtschaft abgenommene Geld umverteilt wird.

 

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2016 08:45

    Der Seibersdorf-Chef hat ja recht, aber die Regierung hat andere Sorgen: Wie man die Pfründe über die nächste Wahl bringt.

  2. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2016 07:57

    Förderinitiative, wenn ich das schon höre. Und woher soll das Geld kommen ?

    Nein die Vernunftaussage aus dem AIT wird rasch isoliert dastehen bei so viel Sozialismus in Österreich.

    Wir könnten genug Arbeitsplätze schaffen mit Qualifikation, Innovation, Ideen, Fleiß, Anstrengung und niederen Steuern.

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2016 08:16

    Der Sozialismus ist wie ein Krebsgeschwür. Kaum loszuwerden streut er dann auch noch Metastasen.

  4. Ausgezeichneter KommentatorTorres
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    28. August 2016 10:30

    Die Pläne und Argumente der Gewerkschaft und von Kern erinnern mich an die Maschinenstürmer in England am Anfang des 19. Jahrhunderts, als der immer größere Mechanisierung der Arbeit die Schuld für die Arbeitslosigkeit gegeben wurde, wobei die Zerstörung der Maschinen als Lösung dieses Problems erschien. Genau dort sind offenbar der ÖGB und Kern mit ihren Konzepten stehen geblieben.

  5. Ausgezeichneter KommentatorWolfgang Bauer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2016 13:11

    Was man jetzt von der EU-Sozialisten- Internationale -Tagung so hört, kommen ja von dort revolutionäre Ideen: Ankurbelung der Wirtschaft mittels öffentlicher Mittel für Infrastruktur, höhere Steuern und so... Da wird dann schon was weitergehen.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorfxs
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    28. August 2016 22:08

    Haben wir nicht schon lange eine "Wertschöpfungsabgabe"?
    Was unterscheidet diese von der ohnehin einkassierten Mehrwertsteuer?
    Diese wird doch entlang der Wertschöpfungskette eingehoben, von jenen Beitrag der Wertschöpfung, den das jeweilige Unternehmen leistet.
    Was bitte soll bei der "Wertschöpfungsabgabe" anders sein, ausser dass diese auch exportierte Leistungen besteuert und dafür importierte steuerfrei stellt, was sicher sehr positiv für die österreichische Zahlungbilanz ist.

  7. Ausgezeichneter KommentatorDem Mayer sein Hund
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2016 19:00

    Ja , Herr Kugi hat recht, wir müssen Produktionen wieder nach Europa zurückholen. Wie aber gehen Gewerbebetriebe mit der Konkurrenz aus dem nahen und nicht einmal so nahem Ausland um, wenn schon Handelsunternehmen in chinesischer Hand sind. Es bleibt uns nicht einmal mehr der Dienstleistungsbereich. Globale Wirtschaft hat uns allen Vorteile gebracht? Vielleicht einigen Konzernen, Versicherungen, aber nicht einmal den österreichischen Banken.
    Fairer Wettbewerb gut und schön aber bitte bei Waffengleichheit.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorTorres
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    28. August 2016 10:30

    Die Pläne und Argumente der Gewerkschaft und von Kern erinnern mich an die Maschinenstürmer in England am Anfang des 19. Jahrhunderts, als der immer größere Mechanisierung der Arbeit die Schuld für die Arbeitslosigkeit gegeben wurde, wobei die Zerstörung der Maschinen als Lösung dieses Problems erschien. Genau dort sind offenbar der ÖGB und Kern mit ihren Konzepten stehen geblieben.


alle Kommentare

  1. AppolloniO (kein Partner)
    29. August 2016 17:19

    wiedereinmal hat ein Altsozialist recht.
    Man soll die Ernte und nicht die Saat besteuern, meinte Androsch.
    Da sollt der den Untergang produzierenden "Ökonomie-Kette" Gewerkschaft - AK - SPÖ endlich zu denken geben.
    Es gibt keinen größeren Wahnsinn als INVESTITIONEN zu besteuern.

  2. fxs (kein Partner)
    28. August 2016 22:08

    Haben wir nicht schon lange eine "Wertschöpfungsabgabe"?
    Was unterscheidet diese von der ohnehin einkassierten Mehrwertsteuer?
    Diese wird doch entlang der Wertschöpfungskette eingehoben, von jenen Beitrag der Wertschöpfung, den das jeweilige Unternehmen leistet.
    Was bitte soll bei der "Wertschöpfungsabgabe" anders sein, ausser dass diese auch exportierte Leistungen besteuert und dafür importierte steuerfrei stellt, was sicher sehr positiv für die österreichische Zahlungbilanz ist.

  3. Torres (kein Partner)
    28. August 2016 10:30

    Die Pläne und Argumente der Gewerkschaft und von Kern erinnern mich an die Maschinenstürmer in England am Anfang des 19. Jahrhunderts, als der immer größere Mechanisierung der Arbeit die Schuld für die Arbeitslosigkeit gegeben wurde, wobei die Zerstörung der Maschinen als Lösung dieses Problems erschien. Genau dort sind offenbar der ÖGB und Kern mit ihren Konzepten stehen geblieben.

  4. Dem Mayer sein Hund
    26. August 2016 19:00

    Ja , Herr Kugi hat recht, wir müssen Produktionen wieder nach Europa zurückholen. Wie aber gehen Gewerbebetriebe mit der Konkurrenz aus dem nahen und nicht einmal so nahem Ausland um, wenn schon Handelsunternehmen in chinesischer Hand sind. Es bleibt uns nicht einmal mehr der Dienstleistungsbereich. Globale Wirtschaft hat uns allen Vorteile gebracht? Vielleicht einigen Konzernen, Versicherungen, aber nicht einmal den österreichischen Banken.
    Fairer Wettbewerb gut und schön aber bitte bei Waffengleichheit.

  5. Wolfgang Bauer
    26. August 2016 13:11

    Was man jetzt von der EU-Sozialisten- Internationale -Tagung so hört, kommen ja von dort revolutionäre Ideen: Ankurbelung der Wirtschaft mittels öffentlicher Mittel für Infrastruktur, höhere Steuern und so... Da wird dann schon was weitergehen.

  6. dssm
    26. August 2016 08:45

    Der Seibersdorf-Chef hat ja recht, aber die Regierung hat andere Sorgen: Wie man die Pfründe über die nächste Wahl bringt.

  7. Bob
    26. August 2016 08:16

    Der Sozialismus ist wie ein Krebsgeschwür. Kaum loszuwerden streut er dann auch noch Metastasen.

  8. Josef Maierhofer
    26. August 2016 07:57

    Förderinitiative, wenn ich das schon höre. Und woher soll das Geld kommen ?

    Nein die Vernunftaussage aus dem AIT wird rasch isoliert dastehen bei so viel Sozialismus in Österreich.

    Wir könnten genug Arbeitsplätze schaffen mit Qualifikation, Innovation, Ideen, Fleiß, Anstrengung und niederen Steuern.





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