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Olympia: Die vielen Schattenseiten

Die Olympischen Spiele faszinieren durch ihre bunte Vielfalt. Man lernt Sportarten kennen, die man noch nie gesehen hat. Man freut sich mit den Gewinnern. Man befasst sich mit Ländern, die einem ansonsten Jahr und Tag völlig fremd bleiben. Man ist fasziniert durch Spannung und Emotion. Jedoch: Hinter den schönen Bildern, die das Fernsehen auf zahllosen Kanälen nach Europa spielt, gibt es viele dunkle Schatten.

Freilich: Die meisten Fernsehanstalten, die ja für die Übertragungsrechte enorm viel Geld zahlen, verdrängen diese Schattenseiten. Denn sie bangen immer primär um ihre Quoten.

Allerdings: Die Tatsache, dass manche Medien in Österreich schon wieder neurotisch herumnörgeln, weil andere gleich große Nationen viel erfolgreicher sind, gehört nicht zu diesen Negativthemen. Österreich war ja noch nie eine Sommersportnation. Also sollte man ein mageres Olympia-Ergebnis gelassen zur Kenntnis nehmen (und schon gar nicht in Hysterie ausbrechen, wenn es doch noch die eine oder andere Medaille geben sollte).

Besonders absurd ist es, dass für manche schon wieder die Regierung schuld sein soll, wenn es nicht so läuft wie erhofft. Es ist jedoch wirklich nicht Aufgabe der Politik, dass Landsleute bei Sportbewerben erfolgreich sein sollen. In Wahrheit heißt der Ruf „Die Politik muss für mehr Erfolge sorgen“ nur eines: Der Staat soll noch mehr Steuern einkassieren, damit es mehr Geld für Verbände, Funktionäre, Vereine, Sportler gibt. Für den Rest der Nation besteht der Nutzen dieses Geldes jedoch lediglich darin, dass sich die Sportbegeisterten über möglicherweise(!) bessere Ergebnisse freuen können. Das ist aber noch lange kein Grund, anderen Menschen zwangsweise Geld abzunehmen (und nichts anderes sind ja Steuern). Und dass der Spitzensport hilfreich für die Volksgesundheit, also deshalb zu fördern wäre, ist überhaupt mehr als zweifelhaft.

Damit sind wir indirekt beim ersten wirklich negativen Olympia-Stichwort gelandet:

  1. Das ist Russland. Dem Putin-Land wurde nachgewiesen, dass dort nicht nur Trainer, sondern der Staat selber in breitflächiger und ungenierter Form betrogen und Doping organisiert hat. Auch wenn ich in Sachen Doping nicht gerade blauäugig bin, so hatte ich doch gehofft, dass so kriminelles Gangstertum im Staatssport wie in den Zeiten von DDR und Sowjetunion vorbei wäre. So hatte ich auch gehofft, dass die Erkenntnis wächst, wie sehr neben dem ohnedies fast immer ungesunden Spitzensport das Doping noch zusätzlich lebenslangen Schaden anrichten kann. Die Hoffnungen auf solche Einsicht haben sich aber leider als Illusion erwiesen.
  2. Das zweite Negativum ist die Vielzahl von Kriminalfällen rund um die Spiele. Selbst Polizisten haben sich gegenüber Athleten als kriminelle Erpresser betätigt. Brasilien hat vieles überhaupt nicht im Griff – auch wenn man nur spekulieren kann, wieweit das seit Jahr und Tag brodelnde politische und korruptionäre Chaos damit in ursächlichem Zusammenhang steht.
  3. Das dritte Negativum sieht man, wenn man die Körper der Sportler in den einzelnen Disziplinen anschaut. Offenbar spielen in vielen Spitzensportarten Training und Talent nur noch eine sekundäre Rolle. Primär kommt es auf gebaut an. Da ist etwa jener amerikanische Schwimmer der absolute Olympiagold-König, der die weitaus längste Armspanne hat. Da ist über die Kurzstrecke jener Läufer der Jahrhundertstar, der die längsten Beine hat. Da könnten die allermeisten Turnerinnen zumindest von ihrer Größe her locker mit Kinderfahrscheinen fahren. Da gewinnt im Rugby eine Mannschaft mit lauter Körpern, die an Kampfbullen erinnern. Da gibt es im Basketball fast nur noch Zweimetermänner. Da will man die Gewichtheber gar nicht anschauen, so hässlich sehen sie aus. Da treten beim Radfahren lauter Typen an, die man eigentlich aus Sorge um ihre Gesundheit zwangsernähren müsste. Diese Dominanz des Körperbaus – also im Grund von Genen und Ernährung – macht es immer fraglicher: Was ist eigentlich noch die Leistung? Man könnte sich aber auch fragen: Warum gibt es zwar beim Boxen Gewichtklassen, aber nicht beim Basketball Größenklassen, also etwa Gruppen, wo alle Spieler kleiner als 1,70 sein müssen? Das würde übrigens auch ein ganz anderes Spiel ergeben, das vielleicht sogar spannender wäre.
  4. Der vierte Schatten über Olympia ist das liebe Geld. Zwar sind die Karl-Schranz-Zeiten vorbei, wo noch krampfhaft zwischen Amateuren und Profis getrennt worden ist. Aber dennoch gibt es seltsame Diskrepanzen: Manche Olympiasportler (etwa ein Usain Bolt) verdienen zweistellige Millionensummen jährlich und Olympia ist die wichtigste Basis dieses Einkommens. In anderen Sportarten hingegen, etwa im Fußball, tritt nur die zweite oder dritte Garnitur an. Vielen Spitzenspielern ist Olympia zu wenig lukrativ. Auch ihre Arbeitgeber, die Vereine sind unwillig, wochenlang Spieler freizustellen. Und noch wichtiger: Fifa und Uefa sind an Olympia total desinteressiert. Gerade, dass sie den Ländern die Teilnahme nicht verbieten. Der Grund der Aversion: Sie wollen ihren eigenen Milliardenspektakeln (WM und Euro) keine Konkurrenz machen. Daher besteht zum Unterschied von sonstigen Länderspielen oder Euro-Turnieren keinerlei Fifa-Pflicht für die Vereine, Spieler freizugeben. Was sie folglich auch oft nicht tun.
  5. Und last not least wirft die Politik wie jedes Mal seit den üblen Nazi-Festspielen 1936 einen großen Schatten über Olympia. Die Politik mancher Länder kanalisiert nicht nur des nationalen Egos wegen viele Millionen Steuergelder in Brot und (Olympische) Spiele, sondern versucht auch die Spiele gegen politische Feinde zu instrumentalisieren. Da brodeln die Aversionen zwischen Russland und der Ukraine. Da ist der Nahostkonflikt fast traditionell besonders belastend. So hat ein Ägypter seinem israelischen Gegenüber den eigentlich obligaten Handschlag verweigert. Jedenfalls positiv ist, dass der Mann daraufhin  nach Hause geschickt worden ist – vom Ägyptischen(!) Olympiakomitee, was wiederum sehr lobenswert ist. Auch vereinzelte süd-nordkoreanische Annäherungsszenen sind Ausnahmen von der Belastung des Sports durch die Politik. Aber dennoch kann nie ganz verdrängt werden, dass Sport bisweilen Ersatzkrieg und Kriegsersatz ist, und dass er im 20. Jahrhundert auch eine ganz große Rolle als organisierte Wehrertüchtigung gespielt hat.

Wir sehen: Allzu genau sollte man auf das bunte, spannende und abwechslungsreiche Olympia-Spektakel nicht hinschauen. Denn dann wird vieles grau, frustrierend oder abschreckend.

 

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