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Der Zauberlehrling und der islamische Fundamentalismus

Der türkische Machthaber Erdogan hat in seinem Streben nach immer mehr Macht auf eine absolut vergiftete Karte gesetzt, auf den sunnitisch-islamischen Fundamentalismus. Alle anderen Optionen hat er aus der Hand geworfen. Jetzt wird dies für ihn, aber vor allem das ganze Land zum Verhängnis. Wie ein Zauberlehrling bekommt Erdogan den Fundamentalismus nicht mehr in den Griff. Es kann aber kein Zwitterleben zwischen diesem und einem modernen Rechtsstaat geben. Nur ein Entweder-Oder.

Jetzt wird die Türkei von einem islamistischen Terroranschlag nach dem anderen geplagt. Zugleich hat sich das Land ringsum Feinde geschaffen. Eine bestürzende Aufzählung (einiger) der gröbsten Fehler Erdogans, die zu dieser schlimmen Lage geführt haben:

  • Er hat den demokratisch-laizistischen Erfolgsweg von Atatürk aufgegeben, auf den dieser die Türkei nach dem ersten Weltkrieg und dem Kollaps des Osmanischen Imperiums gesetzt hat, Das war ein Weg, der viel zum Aufholprozess und zur Modernisierung eines rückständigen Landes beigetragen hat.
  • Erste Etappe dieses Weges (die Erdogan noch vielen naiven Gutmenschen als angebliche Durchsetzung von Menschenrechten verkaufen konnte) war die Aufhebung des von Atatürk erlassenen Kopftuchverbots in Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen.
  • Erdogan hat mit Israel gebrochen, das lange ein guter Verbündeter inmitten einer arabischen Umwelt gewesen ist, und hat sich an die Seite der radikalpalästinensischen Terrogruppe Hamas gestellt.
  • Er ist in Konfrontation mit Russland gegangen, bis hin zum Abschuss eines russischen Flugzeugs.
  • Er hat die Aussöhnung mit den Kurden (die anfangs seine eigene Leistung gewesen war!) brutal und blutig abgebrochen, sobald diese – deren Parlamentspartei – seinem Machtstreben im Weg gewesen sind.
  • Er hat in der eigenen Partei alle hinausgeworfen, die ihm nicht sklavisch gehorcht haben.
  • Er lässt reihenweise Zeitungen, frei gewählte Abgeordnete, Beamte und Richter verfolgen.
  • Er ist selbst genauso korrupt wie die von ihm geschlagenen Parteien, die davor regiert haben.
  • Er hat bis vor wenigen Wochen eine gewaltige Völkerwanderung gezielt nach Europa geschleust (Erdogans Verantwortung dafür wurde spätestens zu dem Zeitpunkt evident, als er den Migrantenstrom über Nacht abbrechen konnte, sobald er ein für ihn sehr günstiges Abkommen mit der EU ausgehandelt hatte).
  • Er hat dabei nicht nur Hunderttausenden Syrern, sondern auch ebenso großen Massen an Afghanen, Pakistanis und anderen Arabern die Migration nach Europa ermöglicht, die lange Wege quer durch die Türkei zurücklegen konnten (wobei ihm freilich die vor allem von der deutschen Bundeskanzlerin sowie linken und katholisch/evangelischen Gutmenschen verschuldete Willkommenspolitik geholfen hat).
  • Er ist ein Hauptverantwortlicher für den grässlichen Krieg in Syrien, weil er den Nachbar-Diktator Assad aus dem Amt stürzen wollte (um auch dort eine sunnitische Vorherrschaft herzustellen).
  • Er behindert bis heute das Entstehen kurdischer Quasistaaten in Syrien und (zum Teil) im Irak, obwohl die dortigen Kurden es mit amerikanischer Unterstützung als erste und lange einzige geschafft haben, den „Islamischen Staat“ zurückzudrängen und ein halbwegs funktionierendes Staatswesen aufzuziehen, das stabiler und toleranter wirkt als alle sonstigen Regierungen in diesem Raum.
  • Er hat viele Tausende fundamentalistische Kämpfer völlig unbehindert aus aller Welt über die Türkei Richtung Syrien an die Seite des „Islamischen Staats“ ziehen lassen.

Und nun terrorisieren diese Kämpfer die Türkei selber. Sie haben jetzt vor allem bewusst – was durch viele Ziele ihrer Selbstmordanschläge klar wird – den für die Türkei so wichtigen Tourismus ruiniert, um das Land auch ökonomisch in die Knie zu zwingen.

Jetzt ist Erdogan ratlos. Längst hat das Gift des Fundamentalismus auch die Köpfe vieler Türken so vernebelt, dass es fast unmöglich erscheint, die Eskalation wieder in den Griff zu bekommen. Martialische Sprüche des Machthabers allein werden da wenig bewirken.

Nun hat er in den letzten Tagen seine Not offenbar zu erkennen begonnen. Und er versucht mit zwei von ihm zu Feinden gemachten Staaten – Russland und Israel – eine Art Frontbegradigung. Da auch diese beiden Länder nicht gerade an einem Überschuss an Freunden leiden, könnte das vielleicht sogar gelingen.

Europa jedenfalls sollte aus der türkischen Entwicklung zumindest viererlei lernen:

  1. Diese Frontbegradigungen Erdogans zeigen, dass es völlig falsch ist, dem Diktator in Ankara nachzugeben. Nachgeben nach Merkel-Art ist das letzte, was bei einem solchen Typen Kompromissbereitschaft auslöst. Das hat hingegen die russische und israelische Härte geschafft.
  2. Fast alle Länder Europas sollten aber auch selber begreifen, wie schwer es ist, ein Land noch unter Kontrolle zu behalten, sobald sich dort der islamische Fundamentalismus einmal heimisch gemacht hat (Belgien und Frankreich beginnen langsam, diese erschreckende Tatsache zu begreifen).
  3. Es ist absurd und verlogen mit so einem Land Beitrittsverhandlungen zur EU zu führen.
  4. Diese verheerende Entwicklung in der Türkei löst auch für Österreich dringenden Handlungsbedarf aus: Das Islamgesetz muss völlig neu geschrieben werden, das jetzt so viel Macht in den Händen einer von den türkischen Religionsbehörden kontrollierten und geistig keineswegs in Europa gelandeten „Glaubensgemeinschaft“ konzentriert, obwohl viele österreichische Moslems mit dieser gar nichts zu tun haben wollen.

 

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