Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (10 Euro) ist jederzeit stornierbar. Nicht-Abonnenten können Artikel und die "Spannend"-Hinweise zu Texten anderswo erst nach 48 Stunden lesen. 

weiterlesen



Zehn griechische Lehren: erfreulich bis schmerzend

Lesezeit: 5:30

Griechenland kostet die Europäer weit über 400 Milliarden Euro, selbst wenn man die bilateralen, multilateralen, IWF, EZB-, EMS-, EFSF-, IWF-, ELA- oder Target-Schulden Griechenlands und die Haftungen anderer Staaten für dieses Land sehr vorsichtig zusammenrechnet. Das ist Faktum, egal wie sich die täglich wechselnde Lage rund um den Ägäis-Staat weiterdreht. Egal, wie sich die Griechen bei der Volksabstimmung entscheiden (sollte diese stattfinden). Egal, ob die Forderungen noch auf dem Papier bestehen bleiben oder gleich abgeschrieben werden. Das griechische Drama lässt uns aber auch eine ganze Reihe zum Teil sehr erstaunlicher Lehren ziehen.

Zum ersten: Europa ist konsequent geblieben. Zumindest vorerst. Selbst viele Experten haben das der EU nicht mehr zugetraut. Dafür ist den Herren Schäuble, Dijsselbloem &Co Respekt zu zollen. Das hat man nach den vielen Vertragsbrüchen und Fehlern am Altar der Europarhetorik (im Stile Helmut Kohls) und der Wohlfahrtsstaat-Illusionen (im Stile der Sozialdemokratie) während der letzten Jahre kaum noch erhoffen dürfen. Dieses Lob ist umso lauter auszusprechen, als es derzeit vor allem gilt, ein Einknicken im letzten Moment zu verhindern, das ja zumindest theoretisch noch immer möglich ist. Insbesondere der aus Frankreich stammende EU-Kommissar Moscovici strebt ein solches Nachgeben noch immer an (Das ist exakt der Mann, der schon bei den Sanktionen gegen Österreich eine sehr unrühmliche Rolle gespielt hat).

Zum zweiten: Griechenland hat genau das getan, was von Werner Faymann angefangen bis zum Papst alle ahnungslosen wie linken Meinungsverbreiter ständig gefordert haben. Es hat der Politik, dem Wunschdenken, der Emotion und dem Schmäh den „Primat über die Ökonomie“ gegeben. Die „Erfolge“ liegen nun auf dem Tisch. Ganz abgesehen davon: Athen hat ja nur die griechische Politik über die böse Ökonomie gestellt; und es hat übersehen, dass die Politik – genauer: die Meinung der großen Bevölkerungsmehrheit – in den anderen 18 Euro-Staaten ganz anderes will und ganz andere Interessen hat.

Zum dritten: Griechenland lügt, wenn es sagt, dass die Hilfe während der letzten fünf Jahre nicht Griechenland, sondern nur der Rettung der ausländischen Banken gegolten habe. Die Berechnungen des deutschen Spitzenökonomen Hans-Werner Sinn zeigen, dass nur ein Drittel der Gelder den deutschen, französischen, österreichischen (usw.) Banken genützt hat. Ein Drittel rettete hingegen die griechischen Banken und ein Drittel direkt den griechischen Staat.

Zum vierten: Diese Berechnung zeigt auch, dass es viel billiger gewesen wäre, wenn das Ausland schon ab Mai 2010 nur seine eigenen Banken gerettet hätte (wobei natürlich zuerst deren Aktionäre und Manager bluten hätten müssen). Richtig ist an der damals postulierten „Alternativlosigkeit“ (Angela Merkel) der Rettungspolitik ja nur eines: Ein Übergreifen des griechischen Kollapses auf nichtgriechische Banken und damit auf deren Millionen Kunden von kleinen Sparern bis zu arbeitsplatzwichtigen Unternehmen war in der Tat eine dramatische Gefahr. Aber man hätte eben diese Gefahr direkt abwenden müssen und sich nicht heillos ins griechische Chaos verstricken dürfen.

Zum fünften: Der Kollaps von Griechenland zeigt dramatisch, wie absurd die sogenannten Basel-Abkommen sind. Diese behandeln nach wie vor Schulden von Staaten als ausfallsicher! Dadurch können die Staaten sich und ihre Mega-Defizite weiterhin viel billiger als jedes noch so gesunde Unternehmen durch Kredite finanzieren.

Zum sechsten: Europa muss alles tun, um ein Übergreifen der Krise auf Italien und andere Länder zu verhindern. Diese Gefahr ist durchaus nicht auszuschließen. Aber es sollte das nur so lang tun, wie Italien&Co seriöse Programme zur Sanierung beschließen UND umsetzen. Genau das wollen in Italien und Spanien ja linke, aber auch rechte Populisten verhindern. Sobald ein Land nicht mehr die Sanierung fortsetzt, darf es für dieses Land keinesfalls neue fünf Jahre lang eine Wiederholung des griechischen Alptraums geben.

Zum siebenten: Das nunmehrige Konsequentbleiben gegenüber Griechenland und der hohlen ideologischen Präpotenz seiner Regierung machen erstmals wieder Hoffnung für Europa und den Euro. Man scheint langsam doch zu begreifen, dass man die Konsequenzen eines Fehlers immer möglichst dort eintreten lassen sollte, wo er begangen worden ist. Und nicht als angeblich „sozial“ oder „solidarisch“ bei ganz anderen Menschen. Nur so kann die Zahl künftiger Fehler reduziert werden.

Zum achten: Ausnahmsweise formuliere ich etwas, was ich normalerweise unterlasse, weil es ein wenig eitel klingt. Auch wenn es mich immer wieder juckt. Das ist der Satz: Ich habe es schon von Anfang an gesagt. Aber es ist halt wirklich in diesen fünf Jahren erstaunlich präzise das eingetreten, was ich damals schon befürchtet habe, und warum ich die Griechenland-„Rettung“ in diesem und Dutzenden anderen Beiträgen ständig heftig kritisiert habe (Das heißt aber ganz sicher nicht, dass ich mich nicht oft geirrt hätte).

Zum neunten sollte man sich einer alten Lehre wieder bewusst werden. Das ist die Lehre, dass Gold und Sachwerte – auch Aktien sind Sachwerte! – für die persönliche Absicherung besser sind als ein allzu einseitiges Verlassen auf den Stand eines Kontos. Dieses Wissen ist jetzt wohl für lange im Hirn jedes Europäers eingemeißelt. Wir dürfen daher auch keiner Regierung, keiner EU den kleinsten Gedanken daran erlauben, das Bargeld zu verbieten.

Die zehnte Lehre ist für Österreich die bedrückendste: Irgendwann kommt immer die Stunde der Wahrheit. Auch für die Alpenrepublik, die seit einigen Monaten glaubt, die Haftungen eines Bundeslands einfach mit einem Federstrich für irrelevant erklären zu können. Zwar kann sich der Bund selbst dank dem fortgesetzten Gelddrucken der EZB vorerst weiter günstig finanzieren. Aber sonst kann kaum noch eine österreichische Institution, eine Bank, ein Bundesland, eine Gemeinde, Anleihen im Ausland aufnehmen. So wie Griechenland das auch nicht mehr kann. Doppelt alarmiert, dass die italienische Mutter der größten österreichischen Bank nunmehr so ins Schleudern geraten ist, dass der Handel mit ihren Aktien zeitweise ausgesetzt werden musste. Gläubiger lassen sich zwar eine Zeitlang beschimpfen und für blöd verkaufen, aber nie für immer. Die Hypo/Heta-Dramatik wird die Österreicher wohl noch deutlich teurer kommen als das in Griechenland versenkte Geld. Dazu kommt auch noch ein absurdes Steuerpaket, das ja mit Sicherheit in einem hohen Ausmaß defiziterhöhend sein wird. Auch wenn die österreichische Regierung wieder einmal anderes behauptet.

 

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 13:47

    Weder Kanzler noch Vizekanzler konnten heute sagen, wie viele Milliarden Griechenland Österreich schuldet.
    Das nenne ich gute Gechäftsführung!

    Zusatzfrage an beide Herren, unter welcher Budgetpost sind denn diese Milliarden im Bundeshaushalt überhaupt budgetiert?
    Oder handelt es sich um in Liechtenstein geparktes Schwarzgeld ...

  2. Ausgezeichneter KommentatorPatriot
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 16:42

    Dazu muss man sagen, dass praktisch nur noch Deutschland und Holland ein Geld in der Eurozone haben. Dann käme schon Österreich als nächster Zahler. Man wird also die von Herrn Unterberger sehr vorsichtig geschätzten 400 Milliarden nicht auf alle aufteilen können. Wenn Spanien, Italien und Frankreich mitzahlen müssten, würden sie selbst der Pleite ein großes Stück näher kommen.

  3. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 20:41

    Ich kann den Satz „dass die Hilfe während der letzten fünf Jahre nicht Griechenland, sondern nur der Rettung der ausländischen Banken gegolten habe„ nicht mehr hören. Ja warum mußten denn ausländische Banken gerettetet werden? Doch nur, weil sie Griechen Kredite gewährten, die diese offensichtlich versoffen und verfressen haben statt in produktive Wertschöpfung zu investieren und somit die fälligen Rückzahlungen nicht leisten konnten.
    Diese jetzige dialektische Schuldumkehr nach dem Motto HALTET DEN DIEB ist typisch für Linke. Warum wohl pilgerte kürzlich Faymann zu Tsipras nach Athen? Er wollte wohl seine Zustimmung zu diesem Betrug demonstrieren. Hoffentlich folgt dem Grexit bald ein Fayxit!

  4. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 09:16

    Hier spricht die Ostküste! http://www.bloomberg.com/news/videos/2015-06-29/should-investors-adjust-holdings-on-greek-crisis -
    http://www.washingtonpost.com/business/economy/puerto-ricos-leader-says-washington-must-help-with-staggering-debt/2015/06/29/dbb99b6e-1e83-11e5-aeb9-a411a84c9d55_story.html

    Groaning under at least $73 billion in debt, Puerto Rico — which is being called “America’s Greece” — is staggering down a path toward default, a scenario that could ripple across cities and states that depend on bonds for building everything from schools to stadiums.
    “This is not about politics,” García Padilla said. “It’s about math.”
    Alles andere wurde schon gesagt.

  5. Ausgezeichneter KommentatorUndine
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 15:03

    Angesichts der griechischen Mißwirtschaft--- genauer gesagt: grenzenlosen SAUWIRTSCHAFT!---hätte die EU schon vor FÜNF JAHREN sagen müssen: "SAMMA LIABA GLEI BES"*---ins Hochdeutsche übersetzt: "Seien wir lieber gleich böse!" und hätte die Geldbörse fest geschlossen gehalten. WAS wäre passiert?

    Wir hätten uns HUNDERTE MILLIARDEN Euro erspart und die Griechen hätten sich an Goldman & Sachs wenden müssen, die ihnen ja durch Betrug in atemberaubend großem Stil zur EU-Mitgliedschaft und dann zum Euro verholfen haben.

    * Dieser Satz stammt entweder von Girardi oder von Nestroy und wurde ausgesprochen, wenn wieder einmal ein "guter Freund" um Geld bettelte. Sei der Ausspruch (wahrscheinlich nach mehreren schlechten Erfahrungen entstanden!) nun von Girardi oder von Nestroy---er ist einfach GOLDRICHTIG und ersparte dem Angepumpten viel Ärger!

    Schade um die unzähligen, den rechtschaffenen Steuerzahlern abgepreßten Euro-Milliarden--- man hätte sie genauso gut ins Meer werfen können.

  6. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 15:01

    Das Geld ist weg.

    Das wurde hier schon vor 5 Jahren gesagt.

    In der Geschichte der Griechen, war das Geld sehr oft weg und wurde nicht zurückgezahlt.

    Das Votum der Griechen interessiert mich noch und die Erklärungen unserer Regierung, die die Kronenzeitung was von 8 Milliarden tönen ließ, die wir in Griechenland 'angebaut' haben sollen zusätzlich zu den Urlaubsmilliarden, die wir dorthin bringen.

    Die Worte wie Solidarität, wie sozial, etc. zeigen, wie fern die Menschen von der Realität sind, wie fern die Eliten vom Volk entfernt sind.

    Fakt ist für mich, dass die griechischen Eliten sowohl dem griechischen Volk, wie auch den sich selbst mittels 'Rettungspaketen' (gegen ihre eigenen Gesetze) schädigenden Europäern, dabei auch unsere 'Eliten' schwere Schäden zugefügt haben. 8 Milliarden sind für Österreich kein Honiglecken, für unsere 'Eliten' kein Problem, sie schreiben es auf unsere Schuldenrechnung ...

    Die 'Sorgfalt des ordentlichen Kaufmannes' wurde vor 45 Jahren begraben.

  7. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Juni 2015 18:12

    -zig Milliarden gegen ein paar Euros ...

    Um vom Finanzdesaster mit irren Kosten für alle Europäer posaunt Brüssel heute hinaus, dass ab 2017 die Roamingkosten für Handys abgeschafft, d.h. verboten sein werden.
    Da kommt Freude auf, wenn man dann die Omi aus Griechenland zum selben Preis wie aus Oberniederndorf anrufen kann!

    Was uns die Volksverdummer nicht sagen:
    Kein Mobilfunkbetreiber ist Mitglied der Heilsarmee. Und alle werden halt rechtzeitig die Grundgebühren im Inland erhöhen. Und zwar für alle, auch für die, die niemals ins Ausland fahren ...

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorcmh
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Juli 2015 10:28

    "Man scheint langsam doch zu begreifen, dass man die Konsequenzen eines Fehlers immer möglichst dort eintreten lassen sollte, wo er begangen worden ist. Und nicht als angeblich „sozial“ oder „solidarisch“ bei ganz anderen Menschen."

    Das sollte aber nicht nur bei wirtschaftlichen Dingen, sondern vor allem einmal bei der Flüchtling(wovor eigentlich)sfrage angewandt werden. Die Probleme der Dritten und der Muslimischen Welt sind in der Muslimischen (sic!) Welt zu lösen.

    Mohamedaner hier durchzufüttern ist sowas von dodo! Da schmieße ich das Geld lieber noch den griechischen Defraudanten nach.


alle Kommentare

  1. F.V. (kein Partner)
    03. Juli 2015 11:53

    Erstaunlich, wie wenig Unterbergers Lehren aus GR seine Kommune interessiert.

    Ich deute es als gutes Zeichen, daß er mit seinem Senf offenbar auch anderen gewaltig auf die Nerven geht.

  2. PeterT (kein Partner)
    02. Juli 2015 17:08

    Ich kann die 'oje, die ganzen griechischen Schulden müssen abgeschrieben werden' Panik nicht ganz verstehen.
    Die anderen EU Länder mit hohen Schulden sind Italien und Portugal (132% bzw. 127% vom BIP).
    Die erwirtschaften beide Netto-Überschüsse im Budget. Haben zwar auch beide ein Defizit nach Zinsen (ca. 2-3%), aber bei einem nominalen jährlichen Wirtschaftswachstum von ca. 3% (2% Inflation und 1% Wachstum) bleibt damit die Schuldenquote stabil.
    Was Portugal und Italien schaffen, sollte Griechenland auch schaffen.
    D.h. ca. 130% vom BIP sollten 'tragfähig' sein.
    Derzeit sind's 175%.
    D.h. ca. 1/4 bis 1/3 der Schulden wären abzuschreiben (nicht alle).
    Das sollte für alle Seiten tragbar sein.

    • PeterT (kein Partner)
      02. Juli 2015 17:33

      P.S. mehr Schulden darf man gar nicht erlassen, weil wie sollte man den Portugiesen oder Italienern erklären, daß sie weiterhin ihre Schulden voll bedienen müssen, und die Griechen nicht?
      Oder den österreichischen / deutschen u.a. Steuerzahler, daß sie dann auch noch den Portugiesen / Italienern Erleichterungen zugestehen / bezahlen müssen, die diese dann postwendend (und nicht ganz unberechtigt) auch fordern würden?

  3. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      02. Juli 2015 11:07

      Wenn man die kolportierten Summen addiert: Staatsschulden – 320 Mrd.
      Target - ~ 100 Mrd.
      ELA - ~ 90 Mrd.
      ergibt das 510 Mrd., aber bei den Beträgen kommt es auf 100 mehr oder weniger offenbar nicht an.

      Welche Lehren zieht nun Unterberger?

      „Europa ist konsequent geblieben. ...“

      Hier macht er uns ein X für ein U vor. Das Politbüro der EUdSSR hat nur die Befehle Washingtons ausgeführt – oder versuchte dies. Griechenland darf NICHT aus dem Euro und der „Wertegemeinschaft“ entlassen werden, weil einerseits die US-Banken auch zu den „Geschädigten“ gehörten (sie wollen ja für die zum Diskontpreis erworbenen Ramschanleihen das Nominale eintreiben), andrerseits, weil man GR als Militärstützpunkt nicht verlieren will.
      Das ging aber fast in die Hose, weil Tsipras und Varoufakis doch nicht ganz so mitspielten.
      Man fragt sich auch, worin die Festigkeit bestünde. Einem bankrotten Schuldner noch mehr zu den schon nicht rückzahlbaren Krediten zu geben wäre doch dumm. Und trotzdem bettelt gerade darum das Politbüro, nachdem Tsipras den „allerletzten Termin“ für eine „Einigung“ platzen ließ.

      Dies als Ende der Vertragsbrüche und Wohlfahrts-Illusionen auszugeben ist entweder Lüge oder mangelnder Realitätssinn.

      „... Wunschdenken, der Emotion und dem Schmäh den „Primat über die Ökonomie“ ...“
      Auch wenn Unterberger dafür den 8-klassigen Volxschüler bemüht und selbst den Papst in solch dümmlicher Weise für seinen blöden Spruch – wie den Pontius ins Credo – hereinzieht, wird er nicht richtiger. Es ist eben die Krise der Zeit, daß einzig das Ökonomische Kalkül herrscht, obwohl die richtige Ordnung der Werte die wäre:

      1. Kultur – von Kultus = Gottesverehrung,
      2. Politik – das Bonum Commune und
      3. Wirtschaft – als dienendes Glied der Gemeinschaft

      Was Unterberger und die neo-liberalen Apologeten/Ideologen jedoch auf den Kopf gestellt haben:

      Zuoberst das Ökonomische Kalkül, die „Wirtschaft“,
      das sich eine politische Kaste an Privilegierten hält, die mit
      Brot und Spielen – unter dem Etikett „Kultur“ - die tumben Massen bei Laune hält

      Seine „dritte Erfahrung“, die Rettung der Banken ... – nun die Detaillierung von Hans-Werner Sinn ändert doch wenig an der Meinung, daß es ausschließlich um das Abdecken von Verbindlichkeiten betrügerischer Banken ging und geht.

      Zum vierten: das sind die ewig wiederholten Sprechblasen, die in den Scheindebatten situativ – also: wie man´s braucht – eingesetzt werden.

      Was (zum fünften) das Basler Abkommen hier tut, weiß ich nicht.

      Wenn aber nach dem „Ersten Hauptsatz der Volkswirtschaft“ die Summe der Kapitalguthaben der Summe der Schulden entspricht, und die Staatsschulden allgemein ca. 100% des BIP betragen, die Summe der Vermögen (= Guthaben) das 5- 7-fache des BIP (in den reichen Ländern) beträgt, müßten neben den Staatsschulden ein Vielfaches an privaten und Unternehmensschulden diesen akkumulierten Guthaben gegenüber stehen. – Wäre das nicht Grund genug hier besser vorzusorgen, was angeblich Ziel und Zweck Basels ist?

      Zum sechsten: Hier erwähnt Unterberger Italien, verschweigt aber das fast bankrotte Frankreich (ich wies an anderer Stelle darauf hin) – und all die anderen Länder der EUdSSR. Die schon öfter gestellte Frage ob es nicht systemimmanente Ursachen sind, die nahezu a l l e Länder Europas in die Krise trieben, reduziert Unterberger auf „seriöse Programme zur Sanierung“, obwohl es offensichtlich das Geldsystem und die Herrschaft darüber in privaten Händen ist, das zu den periodischen Katastrophen führt.
      (Die innere Einstellung, die jene Kreise beherrscht, ist in einem Brief der Gebrüder Rothschild, London, an US-Amerikanische Geschäfstpartner vom 28. Juni 1863 wie folgt zum Ausdruck gebracht:
      „Die Wenigen, die das System verstehen, werden entweder so an dessen Vorteilen interessiert oder abhängig von den Vorteilen sein, daß keine Opposition von jener Klasse zu befürchten sein dürfte, während andererseits die große Menge des Volkes geistig unfähig ist, die ungeheuren Vorteile zu verstehen, die das Kapital aus dem System zieht, und deshalb seine Lasten ohne Murren tragen wird, und vielleicht ohne zu mutmaßen, daß das System ihren Interessen feindlich ist.“)

      „Zum siebenten: Das nunmehrige Konsequentbleiben gegenüber Griechenland und der hohlen ideologischen Präpotenz seiner Regierung machen erstmals wieder Hoffnung für Europa und den Euro. ...“

      Nach dem bisher Gesagten liegt es weniger an der Präpotenz, sondern daran, daß GR in Wahrheit weder neue Schulden je wird abtragen können, noch per Unterschrift eines Tsipras die tatsächliche Lage sich ändern würde. Die Antwort NEIN lag von vorneherein für jeden erkennbar in der Luft. Und was immer am Wochenende in GR passiert, so ändert dies absolut NICHTS an der weltweiten Finanz- und Wirtschaftslage.

      Die Märkte sind gesättigt, die Liquidität der Konsumenten (und damit der Märkte) nimmt ab und es bedarf um wieder etwas unterzubringen der „kreativen Zerstörung“ (= des Krieges), den wir in der Ukraine schon als Zündfunken für den „Dritten Durchgang“ haben.

      Der Rest ist geschenkt, „war ja auch immer schon meine Rede seit `33“

  4. cmh (kein Partner)
    02. Juli 2015 10:28

    "Man scheint langsam doch zu begreifen, dass man die Konsequenzen eines Fehlers immer möglichst dort eintreten lassen sollte, wo er begangen worden ist. Und nicht als angeblich „sozial“ oder „solidarisch“ bei ganz anderen Menschen."

    Das sollte aber nicht nur bei wirtschaftlichen Dingen, sondern vor allem einmal bei der Flüchtling(wovor eigentlich)sfrage angewandt werden. Die Probleme der Dritten und der Muslimischen Welt sind in der Muslimischen (sic!) Welt zu lösen.

    Mohamedaner hier durchzufüttern ist sowas von dodo! Da schmieße ich das Geld lieber noch den griechischen Defraudanten nach.

  5. Haider
    30. Juni 2015 20:41

    Ich kann den Satz „dass die Hilfe während der letzten fünf Jahre nicht Griechenland, sondern nur der Rettung der ausländischen Banken gegolten habe„ nicht mehr hören. Ja warum mußten denn ausländische Banken gerettetet werden? Doch nur, weil sie Griechen Kredite gewährten, die diese offensichtlich versoffen und verfressen haben statt in produktive Wertschöpfung zu investieren und somit die fälligen Rückzahlungen nicht leisten konnten.
    Diese jetzige dialektische Schuldumkehr nach dem Motto HALTET DEN DIEB ist typisch für Linke. Warum wohl pilgerte kürzlich Faymann zu Tsipras nach Athen? Er wollte wohl seine Zustimmung zu diesem Betrug demonstrieren. Hoffentlich folgt dem Grexit bald ein Fayxit!

  6. Politicus1
    30. Juni 2015 18:12

    -zig Milliarden gegen ein paar Euros ...

    Um vom Finanzdesaster mit irren Kosten für alle Europäer posaunt Brüssel heute hinaus, dass ab 2017 die Roamingkosten für Handys abgeschafft, d.h. verboten sein werden.
    Da kommt Freude auf, wenn man dann die Omi aus Griechenland zum selben Preis wie aus Oberniederndorf anrufen kann!

    Was uns die Volksverdummer nicht sagen:
    Kein Mobilfunkbetreiber ist Mitglied der Heilsarmee. Und alle werden halt rechtzeitig die Grundgebühren im Inland erhöhen. Und zwar für alle, auch für die, die niemals ins Ausland fahren ...

    • Undine
      30. Juni 2015 22:09

      @Politicus1

      ******!
      Genau die gleichen Schlüsse habe ich auch gezogen und viele andere ZIB1 Konsumenten wahrscheinlich auch. Für wie deppert werden wir doch gehalten!

  7. socrates
    30. Juni 2015 16:47

    So geht es auch :
    Das Griechenland der USA. Peter Mühlbauer 30.06.2015
    Puerto Rico ist pleite
    Die von den USA im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 besetzte Karibikinsel Puerto Rico ist kein Bundesstaat der USA, sondern ein Territorium. Zwar verfügen die 3,7 Millionen ganz überwiegend spanischsprachigen Einwohner der Hochburg des Reggaetón über die amerikanische Staatsbürgerschaft und zahlen Steuern - bei den Präsidentschaftswahlen im Herbst haben sie jedoch ebenso wenig ein Stimmrecht wie der gewählte Repräsentant der Insel im amerikanischen Kongress.

    Nun hat der puertoricanische Gouverneur Alejandro García Padilla in einer Fernsehansprache bekannt gegeben, dass die mit aktuell 72 Milliarden US-Dollar verschuldete Insel nach neun Jahren Rezession zahlungsunfähig ist und vorerst keine Gläubiger mehr bedienen wird. Anders als in Griechenland, wo man die Risiken aus zahlungsausfallbedrohten Staatsschulden in den letzten Jahren weitgehend auf die Steuerzahler anderer europäischer Länder verschob, werden die puertoricanischen Anleihen vor allem von privaten Investoren gehalten. Josh Earnest, ein Sprecher des Weißen Hause, hat einen Bailout dieser Gläubiger durch die US-Bundesregierung bereits ausgeschlossen.
    Unbestätigten Meldungen zufolge will US-Präsident Barack Obama stattdessen den Kongress dazu drängen, der Insel ähnliche Insolvenzmöglichkeiten zu gewähren, wie sie US-Kommunen haben und wie sie Detroit seit zwei Jahren nutzt. Auf solche neuen Möglichkeiten zum legalen Zahlungsaufschub hofft auch Padilla, der in einem Interview mit der New York Times vor einer "Todesspirale" warnt.

    Einen Ausweg aus dieser Todesspirale gibt es seiner Meinung nach dann, wenn sich auch die Gläubiger mit "Opfern" einverstanden erklären. Mit Haushaltskürzungen und Abgabenerhöhungen alleine lässt sich das Schuldenproblem seiner Ansicht nach nicht mehr bewältigen. Der Finanzmarkt illustrierte diese Einschätzung gestern, indem puertoricanische Anleihen um 12 Prozent nachgaben.

    Für die Einwohner der Insel sind die Auswirkungen der Pleite insofern überschaubar, als viele öffentliche Aufgaben von US-Bundeseinrichtungen wahrgenommen werden: Zum Beispiel die Rentenversicherung, Gesundheitsbeihilfen und die Landesverteidigung. Ob und welche Folgen die Zahlungsunfähigkeit auf den künftigen Status des Landes haben wird, ist weniger klar.

    2012 hatte bei einem Volksentscheid eine Mehrheit von 53 Prozent dafür votiert, dass der Rechtsstatus der Karibikinsel als nicht inkorporiertes Gebiet der USA neu verhandelt werden soll. Hinsichtlich des neuen angestrebten Status äußerten im zweiten Teil des damaligen Referendums 65 Prozent den Wunsch, dass ihre Heimat ein regulärer US-Bundesstaat wird. 31 Prozent wollen ein Assoziationsabkommen mit den USA und nur vier Prozent die vollständige Unabhängigkeit. Danach stellte die Regionalregierung einen Antrag auf Anerkennung als 51. Bundesstaat der USA.

  8. Patriot
    30. Juni 2015 16:42

    Dazu muss man sagen, dass praktisch nur noch Deutschland und Holland ein Geld in der Eurozone haben. Dann käme schon Österreich als nächster Zahler. Man wird also die von Herrn Unterberger sehr vorsichtig geschätzten 400 Milliarden nicht auf alle aufteilen können. Wenn Spanien, Italien und Frankreich mitzahlen müssten, würden sie selbst der Pleite ein großes Stück näher kommen.

  9. Politicus1
    30. Juni 2015 16:37

    Nehmen wir also die 8 Milliarden als einigermassen gesicherte Summe an.
    Dann schuldet Griechenland jedem Österreicher - vom Baby bis zum 100-jährigen, vom Tiroler Erbhofbauern bis zum jüngst eingebürgerten Migranten - einen Tausender!
    (nicht einen Ederertausender, sondern echte tausend Euros!).

    Das ist in etwa der Preis für einen zweiwöchigen Griechenlandurlaub auf einer der steuerbegünstigten griechischen Inseln.

    Lieber Herr Bundeskanzler Faymann, fliegen Sie doch bitte nochmals nach Athen und handeln Sie mit Ihrem Linksfreund einen Schuldnerlass gegen einen Gratisurlaub für alle Ihre Landsleute aus!

  10. Undine
    30. Juni 2015 15:03

    Angesichts der griechischen Mißwirtschaft--- genauer gesagt: grenzenlosen SAUWIRTSCHAFT!---hätte die EU schon vor FÜNF JAHREN sagen müssen: "SAMMA LIABA GLEI BES"*---ins Hochdeutsche übersetzt: "Seien wir lieber gleich böse!" und hätte die Geldbörse fest geschlossen gehalten. WAS wäre passiert?

    Wir hätten uns HUNDERTE MILLIARDEN Euro erspart und die Griechen hätten sich an Goldman & Sachs wenden müssen, die ihnen ja durch Betrug in atemberaubend großem Stil zur EU-Mitgliedschaft und dann zum Euro verholfen haben.

    * Dieser Satz stammt entweder von Girardi oder von Nestroy und wurde ausgesprochen, wenn wieder einmal ein "guter Freund" um Geld bettelte. Sei der Ausspruch (wahrscheinlich nach mehreren schlechten Erfahrungen entstanden!) nun von Girardi oder von Nestroy---er ist einfach GOLDRICHTIG und ersparte dem Angepumpten viel Ärger!

    Schade um die unzähligen, den rechtschaffenen Steuerzahlern abgepreßten Euro-Milliarden--- man hätte sie genauso gut ins Meer werfen können.

  11. Josef Maierhofer
    30. Juni 2015 15:01

    Das Geld ist weg.

    Das wurde hier schon vor 5 Jahren gesagt.

    In der Geschichte der Griechen, war das Geld sehr oft weg und wurde nicht zurückgezahlt.

    Das Votum der Griechen interessiert mich noch und die Erklärungen unserer Regierung, die die Kronenzeitung was von 8 Milliarden tönen ließ, die wir in Griechenland 'angebaut' haben sollen zusätzlich zu den Urlaubsmilliarden, die wir dorthin bringen.

    Die Worte wie Solidarität, wie sozial, etc. zeigen, wie fern die Menschen von der Realität sind, wie fern die Eliten vom Volk entfernt sind.

    Fakt ist für mich, dass die griechischen Eliten sowohl dem griechischen Volk, wie auch den sich selbst mittels 'Rettungspaketen' (gegen ihre eigenen Gesetze) schädigenden Europäern, dabei auch unsere 'Eliten' schwere Schäden zugefügt haben. 8 Milliarden sind für Österreich kein Honiglecken, für unsere 'Eliten' kein Problem, sie schreiben es auf unsere Schuldenrechnung ...

    Die 'Sorgfalt des ordentlichen Kaufmannes' wurde vor 45 Jahren begraben.

  12. Politicus1
    30. Juni 2015 13:47

    Weder Kanzler noch Vizekanzler konnten heute sagen, wie viele Milliarden Griechenland Österreich schuldet.
    Das nenne ich gute Gechäftsführung!

    Zusatzfrage an beide Herren, unter welcher Budgetpost sind denn diese Milliarden im Bundeshaushalt überhaupt budgetiert?
    Oder handelt es sich um in Liechtenstein geparktes Schwarzgeld ...

    • Nestor 1937
      30. Juni 2015 15:16

      .
      Griechenland schuldet Österreich u n e i n b r i n g l i c h ziemlich genau
      8 Milliarden Euro, davon 1,6 Milliarden direkt und den Rest indirekt über die diversen europäischen Institutionen und Haftungen.
      .
      ---- Welche Politiker der letzten 5 Jahre sind dafür verantwortlich?----
      .
      Der Ruf nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß wird noch heuer - - nach den Wahlen! - ziemlich laut werden!
      .

  13. socrates
    30. Juni 2015 09:16

    Hier spricht die Ostküste! http://www.bloomberg.com/news/videos/2015-06-29/should-investors-adjust-holdings-on-greek-crisis -
    http://www.washingtonpost.com/business/economy/puerto-ricos-leader-says-washington-must-help-with-staggering-debt/2015/06/29/dbb99b6e-1e83-11e5-aeb9-a411a84c9d55_story.html

    Groaning under at least $73 billion in debt, Puerto Rico — which is being called “America’s Greece” — is staggering down a path toward default, a scenario that could ripple across cities and states that depend on bonds for building everything from schools to stadiums.
    “This is not about politics,” García Padilla said. “It’s about math.”
    Alles andere wurde schon gesagt.

  14. Wolfgang Bauer
    30. Juni 2015 08:55

    Was die österreichische Situation betrifft, haben wir von der Parlamentarischen Bürgerinitiative "Politreform-jetzt! Rettet Österreich mit der 6 Mrd-Politreform!" am 22. 6. zumindest ein herzeigbares Zeichen gesetzt: Vom Ballhausplatz durchs Michaelertor zum Schweizerhof. Die Schweiz wäre in vielen unserer Defizitbereiche ein Vorbild. Österreich hat dazu noch den Vorteil der gemeinsamen Währung mit schwachen Ländern, wodurch uns der Aufwertungsdruck erspart bleibt. Unsere Politiker müssten nur ihre Hausaufgaben machen - abgespickt von der Schweiz.

    Hier der Youtube-Link der Protestkundgebung: http://youtu.be/p5z4w2yFfIo





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2020 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung