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Lehrer sollten mehr arbeiten

Michael Häupls Biertisch-Sager über seine 22-Stunden-Woche und die darauffolgende Diskussion über seinen Milch-Konsum (ich wusste eigentlich gar nicht, dass er einen solchen hat) haben eine sachliche Diskussion über die Lehrerarbeitszeit unmöglich gemacht. Das hat freilich auch schon zuvor die Bundesregierung bewirkt, die das Thema ohne jede Strategie aus einer alten Lade gezogen hat, und es seither mit der koalitionstypischen Widersprüchlichkeit und Unentschlossenheit zerredet.

Denn einerseits teilt uns die Regierung erstaunt über die Reaktionen mit: „Das ist ja ein uraltes Vorhaben, da kann man doch nicht überrascht sein darüber.“ Andererseits wird völlig konträr so argumentiert: „Wir wissen doch noch gar nicht, ob wir es überhaupt wollen. Warum wird dann darüber diskutiert?“

Einen nüchtern-distanzierten Standpunkt zur Frage der Lehrerarbeitszeit zu finden, ist aber auch jenseits des Herumeierns der Regierung schwierig. Denn es spielen viele sehr konträre Argumente hinein. Umso mehr sollte man aber eigentlich um einen Durchblick ringen.

Eine seriöse Diskussion heißt vor allem einmal: Man sollte sich von Einzelbeispielen lösen. Denn jeder kennt einen Lehrer, der toll engagiert ist. Jeder kennt aber auch Lehrer, die ihren Beruf prinzipiell nur als Halbtagsjob auffassen. So wie es halt Politiker gibt, die jede Woche 100 Stunden im Einsatz sind, aber auch Bürgermeister, die das schöne Leben genießen, sich mitten in der Woche regelmäßig freie Tage nehmen und auch am Wochenende nirgendwo im Einsatz sind.

Die wichtigsten Eckpunkte und Argumente zum Komplexbereich Lehrerarbeitszeit lassen sich jedoch ziemlich klar festmachen:

  • Es ist ein absoluter Wahnsinn, dass diese Diskussion regelmäßig einzig aus budgetären Nöten ausbricht, während nie die Schüler und die Bildungsnotwendigkeiten im Zentrum stehen.
  • Es ist aber auch ein absoluter Wahnsinn, wenn die Lehrergewerkschaft in ihrer Reaktion vor allem darauf verweist, wie viele Lehrerarbeitsplätze durch eine zweistündige Verlängerung der Lehrverpflichtung verloren gingen. Als ob das der wichtigste Aspekt wäre. Man baut ja (hoffentlich) auch keine chinesische Mauer quer durch Österreich, nur weil dadurch viele Jobs der Bauindustrie gesichert werden.
  • Es ist zweifelhaft und jedenfalls nie wirklich objektiv messbar, ob die Vorbereitung der Lehrer auf den Unterricht wirklich so viele Stunden in Anspruch nimmt wie behauptet. Ebenso zweifelhaft sind die dafür bei diversen Arbeitszeitstudien gemessenen (langen) Gesamtarbeitszeiten der Lehrer. Denn die beruhen letztlich ja immer zum Gutteil auf Selbstauskünften von Lehrern.
  • Es ist absolut absurd, Schulstunden eines Lehrers mit den gleichen Maßstäben im Hinterkopf zu messen wie die Arbeit in Büros oder Fabrikshallen. Wer jemals zwei Stunden vor einer Schulklasse vorgetragen hat, weiß, dass man danach mehr ausgelaugt ist als nach zehn Stunden in einer Redaktion.
  • Der Lehrerberuf ist in den letzten Jahren überdies auch noch anstrengender geworden, weil einerseits Konzentrations- und Disziplinprobleme auf Grund diverser Entwicklungen (wie etwa die Ersetzung des Lesens durch Internet und TV) bei den Schülern massiv zunehmen. Auch das immer öfter notwendige Unterrichten von Klassen voller Kinder mit fremder Muttersprache und ohne gemeinsame kulturelle Basis hat den Beruf extrem schwierig gemacht.
  • Eine illusionäre und populistische Bildungspolitik hat den Lehrern fast alle Mittel geraubt, um Kinder zu disziplinieren.
  • Es gibt trotz des vielen Politikergeredes noch immer keine Vorbereitungsklassen für fremdsprachige Kinder, damit sie die Unterrichtssprache und staatsbürgerliche, kulturelle sowie zivilisatorische Grundprinzipien beherrschen.
  • In einigen Bereichen – aber eben nur in einigen – ist das Unterrichten freilich auch wieder leichter geworden. In den AHS-Oberstufen werden die Kinder in den Wahlpflichtfächern auf viele Lehrer aufgeteilt, sodass jeder nur sehr kleine Gruppen unterrichten muss. Und in den Gesamtschulen stehen sechs Stunden pro Woche gleich zwei Lehrer in den Klassen, obwohl das gar keinen meßbaren Nutzen bringt.
  • Die massive Verweiblichung des Lehrberufs ist ein ganz massives Indiz, dass dieser Beruf tatsächlich vielfach als Halbzeitjob aufgefasst wird, der sich sehr gut mit familiären Aufgaben kombinieren lässt (der ob der Erwähnung solcher Fakten unreflektiert kommende Aufschrei der professionellen Feminismus-Lobby gilt als verlesen und kann nichts an den Tatsachen ändern).
  • Die Arbeitszeit der Lehrer ist in den letzten Jahrzehnten ständig reduziert worden – aber nicht die Wochenarbeitszeit, sondern die Unterrichtstage im Laufe eines Jahres. Durch Energieferien, durch Fortbildungsveranstaltungen, aber auch durch die immer beliebter werdenden (angeblichen) Sprachreisen. Diese Reisen während der Schuljahres sind ein glatter Diebstahl an den Kindern und deren (Aus-)Bildung, für die Lehrer jedoch meist ein bezahlter Auslandsurlaub. Die daran teilnehmenden Oberstufenschüler haben dabei zwar viel Spaß, machen aber meist nur wenig sprachliche Fortschritte. Besonders absurd sind solche Reisen, wenn nicht einmal die halbe Klasse daran teilnimmt, weil sich halt die Eltern schlicht einen zusätzlichen vierstelligen Eurobetrag nicht leisten können. Positives Gegenbeispiel sind hingegen jene Lehrer, die solche Reisen oder Sportwochen freiwillig während der Oster- oder Sommerferien anbieten und organisieren (ich kenne sehr konkrete Beispiele für das eine wie das andere).
  • Es ist ein echter Skandal, dass Lehrer (auch an AHS, auch in neugebauten Schulgebäuden) keinen eigenen Schreibtisch haben.
  • Auch wenn deren Effizienz zweifelhaft ist, ist es sicher suboptimal, und dass es fast kein psychologisches Unterstützungspersonal gibt.
  • Ein ganz schwerer Fehler sind die vielen Erlässe, Verordnungen und Weisungen, mit denen Ministerium und Landes(Stadt)schulräte die Arbeit der Lehrer immer mehr an die Leine zu nehmen versuchen.
  • Einer der allerschwersten Fehler des Schulsystems ist die Tatsache, dass es viel zu schwer und mühsam ist, pädagogisch oder nervlich ungeeignete Lehrer zu verabschieden.

Was also angesichts so widersprüchlicher Fakten tun? Da wären vor allem folgende Maßnahmen wichtig:

  1. Die budgetären Kosten ließen sich im notwendigen Ausmaß reduzieren, wenn man die Klassenteilungen in den Wahlpflichtfächern und die doppelte Lehrerpräsenz in NMS wieder abschafft.
  2. Im Interesse der Schüler und der Bildungsnotwendigkeiten wird die Unterrichtszeit um etwa zwei Wochen pro Jahr verlängert.
  3. Es braucht Vorbereitungsklassen und verbindliche Sprachstandsfeststellungen im vierten Lebensjahr mit klaren Konsequenzen, um die fremdsprachigen Kinder endlich sinnvoll ins Bildungssystem hereinzuholen.
  4. Für Kinder nach dem vierten Geburtstag, die nicht dem österreichischen Bildungssystem zugeführt werden, darf es auch keine Familienbeihilfen geben (Denn sonst wachsen weiterhin viele Kinder billig bei Großeltern in Anatolien auf, um dann etwa zum zwölften Geburtstag schnell nach Österreich gebracht zu werden: Hier sollen sie dann noch die Vorteile des österreichischen Systems  konsumieren, wie etwa die Ausbildungsgarantie in Lehrwerkstätten. Solche Kinder haben aber damit nie eine ausreichende Bildung bekommen).
  5. Abschaffung von Sprachreisen während des Schuljahres.
  6. Den Lehrern und Schulen müssen wieder mehr disziplinäre Maßnahmen gegen störende Schüler ermöglicht werden, wobei es natürlich nicht um Ohrfeigen oder den Einsatz von „Rohrstaberln“ gehen darf, wie Linke bei dem Stichwort „Mehr Disziplin“ immer automatisch behaupten; aber sehr wohl um Strafaufgaben, Nachsitzen, Ausschluss von beliebten Aktionen wie etwa einem Fußballspiel und letztlich auch einem Schulverweis.

Über eine Ausdehnung der wöchentlichen Lehrerarbeitszeit sollte hingegen erst dann gesprochen werden, wenn Österreich dort steht, wo Griechenland seit 2010 steht. Wenn also auch für alle anderen Berufe drastische Einschnitte wie Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlängerungen unvermeidlich sind. Noch ist es zum Glück zwar nicht so weit. Aber die Regierungspolitik steuert zielstrebig und mit ruhiger Hand auf diesen Crash zu.

 

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alle Kommentare

  1. 3.Tenorhorn (kein Partner)

    Also wenn die Lehrer gleich 40 Stunden unterrichten, könnte damit auch noch gleich das Hypo-Desaster finanzell gerettet werden.
    Nun zur Realität: Eine Änderung des Schulzeitgesetzes brächte mehr Unterichtszeit. Sommerferien minus 2 Wochen. Beginn des Schuljahres am 1.Sept. und nicht am 1.Montag im Sept. Wegfall der unzeitgemäßen Anreisetage nach Ostern, Pfingsten (Dienstag). Wer fährt denn noch mit der Pferdekutsche? Aber dies bringt der Bildungsministerin noch keine Ersparnis - nur mehr Unterricht. Die Werbeeinschaltungen der öffentlichen Hand kostete 2014 ca. 180 Mio. Diese müßten sofort zu Gunsten der Bildung eingestellt werden!!!



  2. senfdazugeber72 (kein Partner)

    Über die Lehrerarbeitszeit zu diskutieren ist müßig. Dank GÖD wird sich da so schnell nichts tun.

    Wirklich erschreckend ist allerdings die Qualität der Ausbildung. HASCH AbsolventInnen, die die MwSt. nicht ausrechnen können, Menschen mit Pflichtschul- und Lehrabschluss, die weder im Kopf noch am Papier dividieren können.

    Das weiss ich deshalb weil ich gerade neue MitarbeiterInnen einstellen möchte und wir mit allen BewerberInnen einen praxisorientierten Test machen.

    Ich würde zusammenfassend sagen, dass Mitteleinsatz und Ertrag in keinem Verhältnis stehen.



  3. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)

      In Wahrheit ist es doch so, daß die 22-Stunden Unterricht (die keine ganzen Stunden sind) und die Heimarbeit für allfällige Vorbereitungen den Lehrern recht zupaß kommen. Die bequeme Schutzbehauptung, daß sie ja froh über eine 38,5-Stundenwoche wären aber halt „leider“ keinen Arbeitsplatz in der Schule haben, ist doch Unsinn. Kann mir jemand erklären warum man im freien Klassenzimmer – also nachdem die Schüler nach Hause gegangen sind – nicht auf seinem „Katheder“ oder Schreibtisch arbeiten kann? Von den monatelangen Ferien und der neuen Unsitte auch während der Unterrichtszeit allerlei lustige „Fortbildung“ zu konsumieren ist ja auch eine Besonderheit des geschützten Sektors.

      Der Häupl´sche Sager empört ja nur, weil dies ein roter, unsympathischer Trinker aussprach. Die leichte Überspitzung ist geschenkt. Während meiner aktiven Berufszeit hatte ich vor allem in verantwortlichen Positionen regelmäßig einen 12+ Stundentag und sehr oft das Wochenende dazu. Und soweit ich dies an den eigenen Söhnen beobachten kann hat sich daran in der Privatwirtschaft wenig geändert.

      Was Unterberger an Gründen für den größeren Stress anführt ist ein anderes Thema. Darum könnten sich die Lehrer-Gewerkschaft und Politik kümmern: der Mangel an Disziplin und die Überfrachtung mit bildungsresistenten Kulturbereicherern kann ja kein Grund sein die Frage der Arbeitszeit ordentlich zu regeln.

      Vor einigen Tagen hatte eine Frau Dr. Weiss in einem anderen Strang überdies darauf hingewiesen, daß die Durschnittsgehälter der Beamten bei über 50.000,- p.a. und jene der ASVG-Bediensteten unter 25.000,- p.a. liegen. Es scheint also – neben dem faktischen Kündigungsschutz – zur günstigeren Arbeitszeit auch ein erheblicher Gehaltsvorteil feststellbar zu sein.

  4. Knut (kein Partner)

    Für absolute Rotzlöffel würde ich die "disziplinierende Tetschn nach Scheuch" schon wieder einführen.



  5. cicero

    Prolos Traum: Die Gescheiten sollen mehr arbeiten, sonst stellt unser starker Arm alle Räder still !
    Neosozialisten: herrschen durch Gruppen gegeneinander hetzen.



  6. Martin W. (kein Partner)

    "Es ist zweifelhaft und jedenfalls nie wirklich objektiv messbar, ob die Vorbereitung der Lehrer auf den Unterricht wirklich so viele Stunden in Anspruch nimmt wie behauptet. Ebenso zweifelhaft sind die dafür bei diversen Arbeitszeitstudien gemessenen (langen) Gesamtarbeitszeiten der Lehrer. Denn die beruhen letztlich ja immer zum Gutteil auf Selbstauskünften von Lehrern."

    Dieser Satz ist eine durch nichts begründete arrogante Frechheit, die den Artikel entwertet.

    LehrerInnen sind ja keine Fabelwesen, über die man nichts weiß. Man kann sich sehr wohl (wenn man will!!!) ein seriöses Bild von dem machen, was sie leisten.



    • socrates

      Richtig! Hätte jeder Lehrer einen eigenen Arbeitsplatz in der Schule, könnte der Aufwand sehr wohl gemessen werden. Wer gibt den Lehrern keinen Arbeitsplatz um die Unklarheit zu nützen?
      Die Sozialdemokraten haben uns verraten !!!!

    • Neppomuck (kein Partner)

      Wer kann schon die "Leistung" eines Lehrers messen?
      Ich meine, dass niemand das kann.
      Auch nicht die unsägliche "PISA-Studie".

      Oder kann man mehreren Schülern (25 ++) 'im Akkord' etwas beibringen.
      Wohl nicht.
      Außerdem, wenn man schon Vergleiche mit der Arbeitszeit (Netto-Arbeit) anderer Berufsgruppen ziehen will, wer hat dazu statistisch gesichertes Material?
      Niemand.
      Fest steht, es gibt gute und weniger gute, auch einige schlechte Lehrer.
      Messen kann man nur am Ergebnis.
      Und das ist von der Qualität des einzelnen Schülers abhängig.
      Und wie es um die bestellt ist, wissen wir.

    • F.V. (kein Partner)

      Es ist Kennzeichen des Neu-Sprech, daß Krieg Frieden, die Lüge Wahrheit und Sklaverei Freiheit sei.

      Und es scheint ebenso mit der "Arroganz" zu sein, die die begründete Kritik an der Arbeitszeit und –leistung der Lehrer damit etikettiert.

      Anscheinend glauben das aber ohnedies nur jene in den geschützten Werkstätten, denn der größere Rest der Werktätigen – in freier Wildbahn – erlebt ja noch das Gegenteil:
      nämlich daß d i e s Arroganz ist sich mit 22 Wochenstunden und vier bis fünf Monaten Ferien als überarbeitet und ausgebeutet hinzustellen.

    • Martin W. (kein Partner)

      @ F.V. (kein Partner)

      Ich nehme an, dass Sie aufgrund Ihrer angeborenen Arbeitsscheu den Ruf zum Pädagogen verspüren. Vorschlag: Bewerben Sie sich beim nächsten Landesschulrat. Faules Gesindel wird derzeit dringend gesucht. Die nächste Ausschreibung folgt in den nächsten Tagen in der Wiener Zeitung.
      Unsere Kinder brauchen echte Vorbilder wie Sie.
      Das neue Dienstrecht begünstigt Sie: Minderqualifizierte und Loser, die mit ein paar Stunden Arbeit pro Woche 2450 Euro pro Monat brutto verdienen wollen. Sie sollten nur schauen, dass Sie nebenbei den Master schaffen und ebenso das Mentoring und die Berufseinführungsveranstaltungen der PH an den Wochenenden. Falls Sie noch keinen Bachelor haben, kommen Sie auf ca. 1500 brutto. Viel Spaß!!

  7. Tik Tak (kein Partner)

    Das ist alles nett und lieb aber keine echte Lösung.
    Der Unterberger ist auch nur Teil des Problems.
    Lange Hin- und Hersudern bringt nichts und die meisten Ansätze drehen sich immer nur um die Befindlichkeiten der Lehrer und deren Freiheiten in der unüberprüfbaren Arbeitszeitgestaltung.

    Warum nicht einfach einen eigenen Arbeitsplatz für jeden Lehrer in der Schule, mit einer 38.5 Stunden Woche, auch in den Schulferien, und den üblichen 5 Wochen Urlaub im Jahr, ebenfalls nur zu den Schulferienzeiten?

    Dann fällt die Diskussion über die angeblichen viele Vorbereitungs- und Nachbereitungszeiten zu Hause weg und der Lehrerjob wird ein ganz simpler Bürojob.



    • Martin W. (kein Partner)

      Weil es viele Dinge gibt, die zeitlich vorgegeben sind (Unterricht, Aufsichten, Supplierungen, Sprechstunden, Konferenzen, ...), und andere, die gemacht werden müssen, und zwar wo und wann auch immer (Erstellung von Materialien für Unterricht, Hausübungen, Schularbeiten und Tests, Unterrichtsvorbereitungen, Nachbereitungen, Korrekturen, Beurteilungen, Dokumentationen, Fortbildungen, Reifeprüfungsfragen), also auch abends, an Wochenenden, unterrichtsfreien Tagen und Wochenenden, was an der Schule niemals möglich ist, bei denen es auf Leistung, Qualität, Kompetenz, Erfahrung und vieles mehr ankommt, weil es eben kein 38,5-Stunden-Job ist, weil es ja in vielen anderen Bereichen auch so ist, dass mehr hinter einer Arbeit steckt als Kaffeetrinken, Zettel austeilen, tratschen und anwesend sein.
      Aber ich nehme an, Sie haben das nicht als ernstgemeinte Frage formuliert, sondern ihrem Stammtischwissen Ausdruck verliehen
      Übrigens könnten alle Österreicher mehr arbeiten und dabei weniger verdienen. Das ist ja das, was alle wollen - oder nicht.

    • Tik Tak (kein Partner)

      Bla bla bla, wenn ich so unstrukturiert arbeiten würde wie Sie sich das hier vorstellen, ich wäre längst pleite.
      Sorry, ja ich kenne einige Lehrer und ich kenne deren Leben sehr gut.
      Aber da geht es ausschließlich um zwei Dinge, die eigene Befindlichkeit und den Wunsch sich nicht über die Schulter sehen oder gar kontrollieren zu lassen.
      Es gibt keinen Grund, weshalb der Lehrerjob kein 38.5 Stundenjob mit einem Arbeitsplatz für all die administrativen Dinge in der Schule und entsprechender Anwesenheitspflicht außerhalb der Unterrichtsstunden sein sollte.
      Das funktioniert in anderen Staaten sogar sehr gut.
      Und natürlich sind dort, wie fast überall auf der Welt, die akademischen Leistungen besser als in Österreich.
      Was Sie aussprechen ist, wie bei vielen anderen Verteidigern diverser "wohlerworbener Rechte", der Wunsch nicht in der persönlichen Gestaltung der Nebenjobs und der Freizeit gestört zu werden.
      Es wäre dann halt "leider" nicht mehr möglich, unkontrolliert Nebenjobs wie Parteiarbeit, Gewerkschaftstätigkeiten, Pfusch oder Nachhilfejobs auszuüben.
      Lehrer zu sein wäre dann halt "leider" auch kein Künstlerjob sondern einfach nur ein Dienstleisterjob.
      Womöglich, quelle horreur, noch einer mit Leistungs- und Erfolgsdruck.
      Gar nur mit 5 Wochen Urlaub wie der Rest des "thumben" Volkes.
      Es geht nicht um die Befindlichkeiten der Lehrer, es geht um die Bildung der Kinder und damit um die Zukunft des Landes.

    • Zraxl (kein Partner)

      @Tik Tak
      Mit Ihrer Forderung nach einer 38,5 Stundenwoche rennen Sie vermutlich bei vielen Lehrern offene Türen ein. Der Grund, warum das nicht gemacht wird besteht darin, dass es in Schulen schlicht keine Räumlichkeiten für Lehrerarbeitsplätze gibt. Die Schulen diesbezüglich nachzurüsten würde allein in Wien ein paar hundert Millionen Euro kosten!
      Gehen Sie einmal in eine Schule, in irgendeine, und schauen Sie sich das Konferenzzimmer an. Mit dem da zu beobachtenden Verhältnis Lebewesen pro Quadratmeter dürfte man nach geltenden Tierschutznormen nicht einmal eine Hendlfarm betreiben. Ein eigener Schreibtisch für jeden Lehrer? Womöglich sogar noch mit einem PC darauf? Ein feuchter Traum.

      Im Gegensatz dazu: Der Arbeitsinspektor hat meinen Betrieb geprüft. Meine Angestellten waren jeweils zu zweit in hellen Büros untergebracht. Auch der Arbeitsinspektor hat eine ganze Weile gesucht, bis er endlich etwas gefunden hat. Dann der Skandal: Es gab keine Fußschemel!

      Zu den Ihnen bekannten Lehrern: Turnen ist (trotz Organisation eines Schikurses) das Eine. Ein Schularbeitenfach, insbesondere in einer Sprache, ist etwas völlig anderes.

      Bei den Nebenfächern hängt es oftmals davon ab, wie viel sich der Lehrer antut. Der Biologieunterricht meiner Kinder erfolgte eher sparsam - die Bio-Lehrerin hat sicher keine 30h/Woche investiert. Der Geographielehrer hingegen hat sich echt ins Zeug geschmissen, und sämtliche aktuellen Themen, -vom Tsunami bis zum politischen Umsturz-, in den Unterricht integriert.

    • Tik Tak (kein Partner)

      Zraxl,

      die Lehrer, die ich kenne, sind großteils in Schularbeitsfächern angesiedelt.
      Die würden sich natürlich über einen adäquaten eigenen Arbeitsplatz in der Schule freuen.
      Wobei ich nicht verstehe, warum man nicht das britische bzw. angloamerikanische Modell der fixen Lehrerarbeitsplätze in der Klasse anstrebt.
      Ich hätte nichts gegen die Investitionen zur Einrichtung von fixen Lehrerbüros in den Schulen.
      Ganz im Gegenteil, ich würde das als sinnvolle Sache betrachten weil damit ein großer Streitpunkt wegfällt und man den Lehrern endlich einen fixen Arbeitsplatz und damit auch fixe Arbeitszeiten zuordnen könnte.
      Dann wäre es einfach diese Lehrer auch zu Anfragen zu erreichen und sie hätten keine Ausrede mehr mit der fehlenden Infrastruktur.
      Das könnte deren Job effizienter gestalten.
      Aber jeder der Lehrer die ich kenne würde dann sofort das Problem sehen, daß sie dann 38.5 Stunden fix an einem Arbeitsplatz gebunden wären und damit die Flexibilität für all die netten Nebenjobs verlieren würden, die den Job schon heute interessant machen.
      Von den daraus folgenden Anwesenheitspflichten zu den Ferienzeiten wäre da noch gar nicht die Rede.

      Aber eine Versuch wäre es wert.

  8. Neppomuck (kein Partner)

    "Lehrer sollten mehr arbeiten"
    Eine gleichermaßen schmissige wie opportunistische Forderung.

    Aber was versteht nun A. U. unter "Arbeit"?
    Mein Verständnis ist, dass "Arbeit" Kraft x Weg bedeutet.
    Also Zielerreichung unter Mittelminimierung.
    Das ist nur bei einem einigermaßen homogenen Objekt möglich.

    Was z.B. durch die sog. "Neue Mittelschule" nicht erreicht werden kann.
    Da sitzen verstandesmäßig "Kraut und Rüben" in der Klasse.
    Also vorselektieren.
    Was wiederum den Intentionen von H. Hosek zuwiderläuft.
    Und wenn ein Herr Häupl 22 Stunden im Monat arbeitete, und das sinnvoll, wäre Wien aus dem Schneider.
    Aber "Arbeitsleid" ist eben seine Sache nicht.
    "Gspritzte" sind ihm lieber.



  9. Torres (kein Partner)

    Hinzuzufügen wäre allerdings noch, dass die Lehrer je nach Fach ganz verschiedene Vor- und Nachbereitungsaufgaben zu erfülllen haben. So ist etwa durchaus nachvollziehbar, dass ein Englisch- oder Mathematiklehrer einiges an Zeit für die Vorbereitung sowie für die Verbesserung von Schularbeiten investieren muss, während ein Turnlehrer wohl kaum 3 Stunden Liegestütz oder Kniebeugen vor oder nach einer Turnstunde absolvieren wird.



  10. Zraxl (kein Partner)

    Wieviel arbeiten Lehrer wirklich? Da ist zunächst die Frage: Welche Lehrer?

    Wenn man wollte, könnte man das durchaus seriös erheben. Der erste Schritt dazu wäre die Gliederung der Arbeit in Unterpunkte und die Erfassung des jeweiligen Aufwands für jeden Unterrichtsgegenstand und Jahrgang.



    • Zraxl (kein Partner)

      Eine mögliche Gliederung wäre:
      *Unterricht unmittelbar vor der Klasse
      *Aufsicht in den Pausen und im Tagesheim
      *Unmittelbare Vorbereitung und Planung einer Unterrichtsstunde
      *Recherche für den Unterricht
      *Weiterbildung
      *Korrektur von Hausübungen
      *Vorbereitung von Schularbeiten/Tests/Diktaten/...
      *Korrektur von Schularbeiten/Tests/Diktaten/...
      *Vorbereitung und Organisation von Schulveranstaltungen
      *Durchführung von Schulveranstaltungen
      *Vorarbeiten für die Matura
      *Durchführung der Matura
      *Korrektur der Matura
      *Sprechstunden
      *Klassenvorstandstätigkeit
      *Nebenzeiten aus der Schulorganisation/Konferenzen/Ausschüsse
      *Kustodiate
      *Emotionale Erholungszeiten für den Unterricht in Problemklassen (Alde ich figg deine mudda)

      Es gibt zwar "Einrechnungsfaktoren" für die einzelnen Unterrichtsgegenstände, aber diese bilden den tatsächlichen Aufwand in keiner Weise ab.
      Das Problem dabei ist, dass die Gewerkschaft diese Aufschlüsselung nicht befürworten kann, weil sie damit die Lehrerschaft spalten würde. Es besteht die Gefahr, dass nach einer solchen Gliederung der Lehrer für Deutsch und Englisch, der täglich viele Seiten krakelige Schulaufsätze verbessern muss, kein Wort mehr mit dem Kollegen redet, der Turnen und Geschichte unterrichtet.

      Der Arbeitgeber, der eine solche Einteilung eigentlich machen müsste, ist dazu aber nicht in der Lage und beschimpft stattdessen seine Belegschaft, weil er das offenbar für Motivation seiner Mitarbeiter hält.

  11. AppolloniO (kein Partner)

    Auf den Punkt gebracht:
    natürlich wissen auch die Lehrer, dass 1-2 Stunden mehr Unterricht, natürlich auf Kosten der Vorbereitung, ohne Qualitätseinbußen und Burn-out möglich sind.
    Aber worauf sie nicht verzichten wollen:
    Überstunden Gelder schon ab der 23. Stunde!!!!!!!!!
    Und genau das ist es was Nicht-Lehrer aufregt.



    • Zraxl (kein Partner)

      Lasset uns rechnen!
      5 Minuten für die Korrektur einer einzigen Hausübung x 24Schüler = 120Minuten = 2 Stunden zusätzlich zu einer einzelnen Unterrichtseinheit (=50min Unterricht + 10min Pausenaufsicht).
      (Und nein, ich bin kein Lehrer)

    • Torres (kein Partner)

      @Zraxl
      Das betrifft besonders Turn- und Handarbeitslehrer.

    • socrates

      Jeder kann 1 - 2 Stunden mehr arbeiten, also zurück zur 48 h Woche!
      Das sei allen Klugschreibern gewidmet, nicht nur Lehrer arbeiten schicken und selbst die 38 h Woche lukrieren!

    • Zraxl (kein Partner)

      @Torres
      Ja, aber dann soll man das genau so sagen und nicht durch einen Rundumschlag jene treffen, die ohnehin viel mehr arbeiten.

  12. bürgerIn (kein Partner)

    unterricht ist großteils bereits sozialarbeit, die verlagerung von streetworking ins klassenzimmer......die "neue" volxerziehung ist dank der gelungenen zuwanderungspolitik unserer dafür (un)verantwortlichen politikerInnen am implodieren. vor allem die "dringend benötigten facharbeiterInnen", denen in den klassenzimmern unser wertesystem vermittelt werden soll, erweisen sich dem gegenüber als äußerst resistent. österreichs schulsystem - ein einziger schulversuch, der auch den rot-grünen nachwuchs in privatschulen und nicht ins öffentliche schulsystem treibt. ergo: eine einzige große lüge, der viel zu teuer für die steuerzahler ist und kaum mehr lesen, rechnen oder rechtschreiben vermittelt.



  13. Melanie Haring (kein Partner)

    Ausbildungskurse während der Ferien - ich als Lehrerin hätte keine Probleme damit. Nur: die meisten Themen werden österreichweit angeboten - daher ist Anreise und Quartier nötig. Und deswegen finden die Kurse gleich gesammelt in einem einfachen Seminarhotel oder Bundessportheim statt. Billige Preise (die lassen wirklich extrem die Hosen runter) gibt es aber nur außerhalb der Ferien, wenn man in den Ferien überhaupt Übernachtungsplätze bekommt.



  14. Melanie Haring (kein Partner)

    Zwei Sachverhalte:

    Reduktion der Jahresgesamtferien um zwei Wochen wäre machbar - soweit ich mich erinnere, hatte die Gewerkschaft im Zuge der ersten Verhandlungen sogar etwas auf den Tisch gelegt.

    Nur, bitte nicht die Sommerferien. In den berufsbildenden Schulen müssen die Schüler da nämlich Praktika in Firmen absolvieren - 4 Wochen. Bleiben nur mehr 5 Wochen, und wenn der Schüler im Herbst auch noch eine oder zwei Nachprüfungen hat, bleibt für die Erholung nichts mehr übrig.

    Ferienreduktion ginge so: ...



    • Melanie Haring (kein Partner)

      * 4-5 autonome Tage streichen

      * Dienstag nach Ostern und Dienstag nach Pfingsten streichen

      * Unterricht nach Weihnachten ab den 2. und nicht erst nach dem 6. Jänner

      * und wenn das nicht ausreicht, auch noch die Semesterferien streichen, die sind sowieso immer viel zu kurz nach den Weihnachtsferien, sodass vernünftige Arbeit ohnehin nicht möglich ist.

      Einziger Nachteil (Tipp an unsere Politiker): Das wird teurer. Ind en Berufsbildenden Schulen haben die fachtheoretischen und fachpraktischen Lehrer einiges an Mehrdienstleistungen ("Überstunden") in ihrer Lehrverpflichtung. Diese Stunden werden natürlich nur dann bezahlt, wenn sie auch gehalten werden, also nicht während den Ferien. Weniger Ferien ... mehr Kosten.

  15. Brigitte Kashofer

    Wenn Lehrer nur 22 Stunden pro Woche arbeiten würden, wären sie ebenfalls am Dienstag zu Mittag fertig.
    A.U. hat recht, wenn er schreibt, "die Arbeitszeit der Lehrer ist in den letzten Jahrzehnten ständig reduziert worden". Bruno Kreisky hat aus "Energiespargründen" die Semesterferien eingeführt. Energie haben wir dadurch ebensowenig gespart wie durch die Einführung der Sommerzeit. Es sind immer politische Gründe, in diesem Fall wahrscheinlich Wünsche der Wintersportindustrie.
    Es sind auch 4 "schulautonome Tage" pro Schuljahr eingeführt worden, die mir selbst immer ein Ärgernis waren. Sie gehören ersatzlos gestrichen, ebenso wie der Feiertag des Landespatrons und die Dienstage nach Ostern und nach Pfingsten. Das allein ergibt schon 7 zusätzliche Schultage.
    Allerdings müssten dann nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler mehr arbeiten. Ob das politisch durchsetzbar ist?



  16. socrates

    Laut Gehaltskompass.at ist Lehrer der schlechtesten bezahlte Job mit akademischer Ausbildung.
    Als Afrikanistin verdient frau um 30% mehr!



  17. schreyvogel

    "Es ist ein echter Skandal, dass Lehrer (auch an AHS, auch in neugebauten Schulgebäuden) keinen eigenen Schreibtisch haben."

    Laut einem Flyer(Flugblatt) der "humanberuflichen" Schule HBLfTW in Speising gibt es dort "mehr als 100 herausragende Lehrkräfte". Wollte man jeder dieser herausragenden Kräfte einen eigenen Schreibtisch zur Verfügung stellen, müsste man daneben ein riesiges Bürohaus errichten.

    Angesichts der derzeitigen Budgetprobleme sollte A.U. keine solchen Forderungen stellen!



    • gh57.at

      Ja, aber ohne Arbeitsplatz in der Schule MÜSSEN die Lehrer daher Vor- und Nachbereitungsarbeiten zuhause erledigen!

      Es war aber das Ziel, dass die Lehrer ihre gesamte Arbeitszeit in der Schule zubringen, um z.B. für Supplierungen udgl. herangezogen werden zu können (und damit ihre Gesamtarbeitszeit besser kontrolliert werden kann, aber das nur nebenbei).

      Es geht sicher nicht, einerseits zu behaupten, Lehrer arbeiten zuhause nicht, ihnen andererseits aber keinen Arbeitsplatz in der Schule anzubieten. Entweder - oder!

  18. Politicus1

    dazu:
    'OECD-Vergleich „Bildung auf einen Blick 2014“: Volksschullehrer unterrichten schon jetzt so lange wie im OECD-Schnitt und würden nach einer Erhöhung weit darüberliegen.

    Im Volksschulbereich kommen Österreichs Lehrer laut „Bildung auf einen Blick“ derzeit auf eine Nettounterrichtszeit von 779 Stunden. Das liegt ziemlich genau im OECD-Schnitt (782).
    Der EU-Schnitt liegt übrigens recht deutlich unter jenem der OECD-Staaten: Im Volksschulbereich beträgt die Nettounterrichtszeit in der EU 754 Stunden (derzeit in Österreich: 779)



  19. Josef Maierhofer

    Die genannten Maßnahmen wären richtig.

    Die kritisierte Vorbereitungszeit verträgt ganz sicher einige Kritik. Es werden einfach keine Unterschiede gemacht, sondern nur stupide gewerkschaftliche Gleichmacherei.

    Ich kann mir vorstellen, dass ein Volkschullehrer der heuteigen Zeit mangels Lehrmaterial sehr oft den Unterricht neu erfinden muss, damit die Kinder außer 'Anti-etc.' auch noch Fundamentales mitbekommen. Ich kann mir vorstellen, dass in der Anfangsphase enorm viel Mehraufwand entsteht, wie es eben in den Firmen auch ist. Ich selbst habe an einer Fachhochschule unterrichtet und kann davon ausgehen, dass mir als externer Lektor dort nur die abgehaltenen Unterrichtsstunden bezahlt wurden und ich pro Unterrichtsstunde mit einem Aufwand von 6 bis 8 Stunden für Skriptenerstellung und -pflege, für Vorbereitungen, für Organisation, für Bürokratie, für Studentenbetreuung, etc. zu rechnen hatte. Über die 17 Jahre meiner dortigen Tätigkeit ergab sich für mich als Gewerbetreibenden ein Nettostundenlohn von 2,39 Euro bezogen auf den tatsächlichen Stundenaufwand.

    Die Forderung nach einem Arbeitsplatz für jeden Lehrer wird zwar aus jeder Privatfirma gewerkschaftlich herausgepresst, aber der Staat verschwendet dieses nötige Geld lieber für Ideologie in der Schule. Dann allerdings würden so manchem die Augen aufgehen, was es da alles zu tun gibt.

    Dass jene Lehrer, die die die Vorbereitungszeiten nicht ernst nehmen, ihre Skripten nicht pflegen, sich das Leben durch diverse Schummeleien leicht machen, meist sind es die Parteibuchinhaber, viele dieser Sünden wurden zitiert, überzahlt sind, ist richtig. Dass jenen Lehrern, die mental und persönlich nicht in der Lage sind, Wissen und Freude am Lernen zu vermitteln, Spannung herzustellen und damit Disziplin, ein anderes Aufgabengebiet (außerhalb der Schule) zugewiesen werden sollte, wäre im Interesse der Kinder und der Zukunft.

    Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Grundschule, wo eigentlich die Eckpfeiler fürs Leben gesetzt werden müssen, stimmen oft bei den Schülern und auch oft Eltern zufolge sprachlicher, mentaler und ideologischer Mängel nicht. Alleine, wenn man sich auf die Sprache als Voraussetzung für die Schule einigen würde, wäre schon viel gewonnen.

    Aber, wie immer scheitert in Österreich alles an der linken Ideologie in der Politik.



  20. haro

    Auch auf die Gefahr hin dass dieser Kommentar -wie jegliches zur Sprache bringen der Freizeit von Lehrern in diversen Foren- bei den vielen derzeitigen und ehemaligen Lehrern Kritik auslösen wird:

    Die offiziell angegebenen Lehrerarbeitszeiten sind -wie A.U. auch anmerkt- nicht nachvollziehbar.

    So schwer die Arbeit der Lehrer auch sein mag ( mit neuen Problemen Stichwort Zuwandererkinder), sie rechtfertigt allerdings bestimmt nicht 14 FREIE WOCHEN IM JAHR (heutzutage auch Samstag generell unterrichtsfrei).

    Kein anderer Arbeitnehmer hat im Ausgleich zu seiner schweren Arbeit derart viele freie Tage fern seines Arbeitsplatzes (und schon gar nicht ein Manager).

    Nach wie vor ist der Lehrberuf ein sehr begehrter Beruf bei jungen Leuten (besonders unter Lehrerkindern) nicht zuletzt wegen der vielen Freizeit. Höhere Pensionen und die "bessere" Krankenversicherung die zwar Selbstbehalte vorsieht aber eine teure Zusatzversicherung erspart, längere Karenzzeiten sind weitere Privilegien. Da kann man den mangelnden eigenen Schreibtisch am Arbeitsplatz schon verschmerzen (den heutzutage viele Büroangestellte nicht einmal mehr Bankangestellte haben).

    Lehrer waren im Parlament immer stark vertreten und jede Reform führte zu noch mehr freien Tagen (siehe schulautonome Tage) und keinen Nachteilen für Lehrer. Auch die amtierende Unterrichtsministerin ist von Beruf Lehrerin (wohin sie problemlos zurück kehren kann) und wird sich weder ihr Gehalt kürzen, noch ihre Freizeit, daher ist eher zu befürchten dass es im Sinne von Einsparungen wieder nur Nachteile für Schüler aber keine Abschaffung von Lehrerprivilegien geben wird.



    • Undine

      @haro

      Was die lange Ferienzeit anbelangt, kann man Ihnen nur recht geben: Neun Wochen Sommerferien sind weder für Schüler noch für Lehrer zur Erholung nötig. Zudem ist nicht einzusehen, daß Fortbildungskurse für Lehrer während des Schuljahres absolviert werden---DAZU reichen die Sommerferien! Für die Schüler ist ein kurzfristiger Lehrerwechsel immer ein Nachteil. Früher fanden Fortbildungskurse selbstverständlich in den langen Sommerferien statt; warum hat man das geändert?

    • socrates

      haro
      In Österreich haben wir die 38 - 40 Stundenwoche und somit haben alle 52 Wochentage frei. Das sind bei einer 5-tageswoche über 10 Wochen. Akademiker haben bis 6 Wochen Urlaub. Macht zusammen 16 Wochen Freizeit.Wieso haben die Lehrer weniger frei?
      Wo ist ihre schwere Arbeit bei ~ 2000€ im Monat welche die Manager leisten? Im Hypoausschuss
      hören wir gerade welche Arbeit sie leisten und welche Haftung sie erbringen.
      Durch Lehrerarbeit ist noch keiner reich geworden, ein Lehrer stirbt ausgebrannt, arm und früh.
      Welche Schulbildung haben Sie, die diese Rechenkuenste lehrte?

    • haro

      @socrates

      "Durch Lehrerarbeit ist noch keiner reich geworden, ein Lehrer stirbt ausgebrannt, arm und früh"

      Das ist wohl als Scherz gemeint ?

      Übrigens herzlichen Glückwunsch an jene vielen Lehrenden und Beamten die mit 60 meist aber bereits mit 55 oder gar 53 (in seltensten Fällen erst mit 65) Jahren in ihren "wohlverdienten" sehr gut bezahlten Ruhestand wechseln konnten, diesen seit Jahrzehnten aktiv mit Zusatztätigkeiten (die sie vor allem zeitmäßig problemlos auch während ihrer Berufsjahre ausüben konnten) und/oder in der Welt herum reisend bei guter Gesundheit verbringen und an jene gar nicht so selten 90 bis 100jährigen die bereits mehr Pensionsjahre genießen konnten als Erwerbsjahre!

      Eine ehrliche Statistik würde Klarheit bringen die von keinem auch noch so rhetorisch gewandten Lehrer/Beamten (Gewerkschafter) verbogen werden könnte.

      ASVG-für alle und 9 Wochen Urlaub für alle !

    • blem-blem

      @ Socrates:

      Pardon, aber wenn Sie die Wochenruhetage zum Urlaub hinzurechnen, so hat dies für Lehrer auch zu gelten. Diese haben danach 10 + 14 Wochen Urlaub, also 24.

    • socrates

      Haro
      Meine Familie & Umgebung ist voller Lehrer. Daher fühle ich mich als Experte.
      1. Es gibt verschiedene Lehrer und Dienst Verträge. Landeslehrer haben es in jeder Hinsicht besser.
      2. Pragmatisierte Bundeslehrer gingen erst mit 65 in Pension, wenn sie die DAZ haben wollten.
      3. Frauen liessen sich entsprang studieren um mit 55 in Pension zu gehen, Männer konnten das nicht.
      4. Die Mehrzahl der Lehrer sind Frauen......
      5. Landeslehrerinnen (Pflichtschule) haben ein eigenes Dienstrecht und gehen weiter mit 55 in Pension.
      6. Das gilt für alle Beamten, daher ist das Lehrerbashing nur eine Ablenkung. Männer werden kaum mehr Lehrer, das Gehalt ist zu gering. Unser Gärtner war Lehrer.
      7. Durch die Durchrechnungszeiten gingen viele vorzeitig in Pension, bevor sie noch mehr verloren.
      8. In der 6 Tagesschule war SA eine Arbeitstag.

    • socrates

      3. ...entpragmatisieren..

    • socrates

      m nächsten Jahr werden in Kärnten rund 300 Pflichtschullehrer von Volks-, Haupt- und Polytechnischen Schulen in Pension gehen. Nicht weil sie wollen, sondern weil sie vom Staat quasi dazu gedrängt werden. Manfred Stranacher, Landessekretär der Lehrergewerkschaft: "Nächstes Jahr läuft die Hacklerregelung aus, Lehrer bis zum Jahrgang 1953 können mit 60 Jahren in Pension gehen." Und das tun sie auch. Denn in Lehrerkreisen raunt man sich schon seit längerer Zeit zu: "Wenn du die Hacklerregelung nicht in Anspruch nimmst, bist du selber schuld." Das äußerst eigentümliche Dienstrecht sorgt nämlich dafür, dass Pädagogen, die die österreichspezifische Pensionsregelung nicht in Anspruch nehmen und erst später in den Ruhestand wechseln, bei der Pensionsauszahlung Abschläge in Kauf nehmen müssen.

      Pensionsanspruch ausrechnen
      "Die Betroffenen lassen sich bei uns den Pensionsanspruch ausrechnen", berichtet Gewerkschafter Stranacher. "Dabei hat sich herausgestellt, dass es sich sogar auszahlt, auf die Jubiläumszuwendung zu verzichten, um ,rechtzeitig' in Pension gehen zu können." Bei Pflichtschullehrern macht diese Zuwendung nach 40 Dienstjahren ganze vier Bruttogehälter aus.
      In anderen Bundesländern droht durch die Pensionierungswelle im nächsten Jahr ein Lehrermangel, worauf die Bundesgewerkschaft gestern aufmerksam gemacht hat. In den Hauptschulen ist jeder zweite Lehrer älter als 50. In Kärnten ist die Situation anders: Da gibt es eine Warteliste von rund 500 derzeit arbeitslosen Pädagogen. Für einen großen Teil von ihnen hat sich das Warten gelohnt. Sie werden im nächsten Jahr einen Job bekommen.
      Im Unterrichtsministerium erwartet man österreichweit "punktuelle Engpässe", ähnlich jenen im Schuljahr 2011/12, als es 400 Lehrer zu wenig gab. Damals habe man zur Kenntnis nehmen müssen, dass Lehrer nur selten bereit sind, das Bundesland zu wechseln, um einen Job zu bekommen.

    • Herzogberg (kein Partner)

      Für junge Lehrer sind die aufgewendeten Arbeitsstunden - 40 und mehr - durchaus nachvollziehbar. Wenn aber ein alter Lehrer - nach zehnjähriger Lehrtätigkeit - noch immer so lange braucht, dann hat er seinen Beruf verfehlt.

      Woran es krankt:

      1. Man hat dem Lehrer durch eine überschießende Gesetzgebung jede Autorität genommen.

      2. Man hat nicht dafür gesorgt, homogene Klassen einzurichten.

      3. Nicht einmal für ausreichende Deutschkenntnisse der Schüler hat man gesorgt.

      4. Man darf nicht mehr fordern, sondern nur mehr fördern.

      5. Faktenwissen ist pfui ( 1x1, Lesen und Dividieren können in der Volksschule),
      Kompetenz (wofür immer) ist alles.

      Der Katalog ist leider nicht vollständig.

  21. Sandwalk

    Dem obigen Aufsatz von Dr. A.U. ist nichts hinzuzufügen.

    Ein paar Dinge sind mir persönlich in den letzten Jahren aufgefallen.

    (1) Ein Manager in der Energiewirtschaft hat einen kurzen Unterrichtsauftrag an einer HTL bekommen. Nicht mehr als 4 Stunden wöchentlich, glaube ich. Er hat nach wenigen Jahren wieder aufgehört, weil er es nicht verkraftet hat. "Ein Wahnsinn, was den heutigen Lehrern zugemutet wird" meinte er, und: "Wer nie als Lehrer in einer Klasse gestanden ist, hat null Ahnung, was da heute abgeht."

    (2) Vor einem Gymnasium an einem Samstag. Ein paar Schüler hängen herum. Ich frage eine mir bekannte Schülerin, ob sie neuerdings am Samstag Unterricht hätten. Sie sagte, dass sie Mathematikschularbeit gehabt hätten, weil das wegen der vielen Projekte und Ferien und Sportwochen in der regulären Zeit terminlich nicht möglich gewesen sei.

    (3) Apropos Zeit: Die Schüler verbringen seit der Einführung der unterrichtsfreien Samstage zu Hause genauso viele Tage (pro Jahr) wie in der Schule. Ein Direktor erzählte mir, dass aus diesem Grund eine Ganztagsschule keinen bildnerischen oder erzieherischen Effekt mehr haben könne, weil der (eventuell fehlende) Einfluss des Elternhauses durch die Schule nicht mehr ausgeglichen werden kann. Wer sich von einer Ganztagsschule eine Lösung der Bildungsunterschiede erwartet, ist ein rettungsloser Träumer.

    (4) Eine Lehrerin einer oberösterreichischen Mittelschule erzählte mir kürzlich, dass es alle möglichen Statistiken gibt außer einer: Die Zahl der Junglehrer, die aus Verzweiflung das Handtuch werfen, aufhören und lieber irgendeinen Beruf ergreifen, weil das Lehrerdasein für die nicht an Belastungen gewöhnten Junglehrer unerträglich geworden ist. (Die Alten mit 20 und mehr Jahren halten noch durch, gehen aber in Frühpension.)

    Wenn das alles so stimmt, dann steckt unser Schulsystem in einer schweren Krise. Ursache: Massive Mängel durch mediokre Politiker, sinnlose Ideologisierung des Bildungswesens und Lehrerverprügeln durch bürgermeisternde Spiegeltrinker.



    • ProConsul

      Sie haben auf einen wichtigen Punkt der Bildungsmisere vergessen: den massenhaften Zuzug von bildungsfernen Ausländern.

  22. Undine

    A.U.:*************!

    A.U. schreibt:

    " Wer jemals zwei Stunden vor einer Schulklasse vorgetragen hat, weiß, dass man danach mehr ausgelaugt ist als nach zehn Stunden in einer Redaktion."

    Es ist ja nicht so, daß lauter LERNBEGIERIGE, wissensdurstige Kinder stets hingebungsvoll jedem Wort des Lehrers lauschen! Ich kenne zwar den heutigen Betrieb in einer Schule nur aus dem Fernsehen, will mir aber gar nicht erst vorstellen, welch ungeheurer Mühe es heutzutage bedarf, großteils unkonzentrierte, unwillige, unerzogene Kinder und Jugendliche, darunter viele, die noch dazu (fast) kein Wort verstehen, zu bändigen, zu fesseln, um mit ihnen den Lehrstoff erfolgreich "durchzuarbeiten". DAS IST SCHWERARBEIT! Zudem ist weder mit Schützenhilfe von Seiten der Schule noch durch die Eltern zu rechnen---im Gegenteil!



  23. Erich Bauer

    Mit einem neuen Feindbild am Morgen bekommt der Tag Struktur...



    • Erich Bauer

      nur zur Klarstellung:

      einem neuen Feindbild der "Mainstream-Medien" und Polit-Darstellern...

    • Pennpatrik

      Ich denke, dass gerade dieser Artikel von A.U. von den Lehrern begierig aufgegriffen werden sollte, weil er sowohl vom Respekt gegenüber den Lehrern als auch sachlicher Argumentation getragen ist.
      Vom Feindbild Lehrer lese ich da nichts.

    • Erich Bauer

      @Pennpatrik

      Also sag'ns amal...

      Nur das heutige Gratis-Boulevard... Schlagzeile:

      UNSERE LEHRER ARBEITEN AM WENIGSTEN
      (Häupl legt nach): "Wenn ich 22 Stunden arbeite, bin ich Dienstag fertig."

      Tickts jetzt? WER schürt das Feindbild?

  24. Das Pingerle

    Wie immer ist die Gewerkschaft schuld. Sie lässt eine unterschiedliche Vertretung von Hauptfachlehrern und Nebenfachlehrern einfach nicht zu. Für einen AHS-Lehrer mit Englisch/Deutsch bedeuten 2 Stunden mehr in Wahrheit 3 Stunden mehr, weil eine weitere komplette Klasse dazu kommt. Mit allen "Nebenwirkungen" wie Schularbeiten, Hausübungen, Tests usw. Eine weitere Klasse zu unterrichten ist eine Mehrbelastung von mind. 10Stunden pro Woche.

    Ein Lehrer mit Geographie und Turnen verkraftet 2 Stunden mehr natürlich ungleich lockerer.

    Wer diese Diskrepanz als Lehrer offen ausspricht, gilt als Nestbeschmutzer.



    • Riese35

      ************!

      Richtig. Eine Stunde ist nicht gleich eine Stunde. Nicht nur die Schularbeiten und Hausübungen, soindern auch der oft unterschiedliche Aufwand zur Vorbereitung:

      a) Junglehrer, die zum ersten Mal eine Klasse unterrichten
      ---> dafür sollte es extra Stunden zur Vorbereitung und Besprechung mit einem erfahrenen Betreuungslehrer geben

      b) Fortbildung, die in den Fächern unterschiedlich ist (in Physik liefert die aktuelle Forschung laufend mehr Erkenntnisse, die in irgendeiner Form in den Unterricht sollten, als z.B. in der klassischen Philologie, die ich damit aber nicht geringschätzen möchte)

      c) Unterrichtsgegenstände, in denen der Lehrer z.B. Versuchsapparaturen vorbereiten und aufbauen muß (oder jedenfalls sollte), wie z.B. Physik oder Chemie

      Außerdem stehe ich auf dem Standpunkt, daß sich so etwas nicht durch noch mehr Vorschriften und Erbsenzählerei lösen läßt, sondern ganz im Gegenteil von einem Lehrer etwas erwartet wird und er dafür pauschaliert entlohnt werden sollte, so wie es auch in der Wirtschaft üblich ist. Und Zeitbedarf für Vorbereitungen und andere Tätigkeiten als Unterricht in der Schulklasse gehört selbstverständlich berücksichtigt (ev. auch Tutorstunden, die es bei uns leider nicht gibt, aber auch Fortbildung).

      Es sollte aber auch die Schule ihre Lehrer aussuchen und Lehrer, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, wieder entlassen können. Ob sich ein Lehrer fortbildet, ist sicher nicht durch die Vorlage dubioser Zertifikate unserer Fortbildungsindustrie meßbar, sondern eher daran, wie er seinen Unterricht gestaltet und ob er dort aktuelle Erkenntnisse einfließen läßt. Ob er in Mathematik einfach immer wieder dieselben Rechengänge und Antwortschemata für die neue Zentralmatura ohne Erklärungen drillt, oder ob er die Mathematik - Theorie und Praxis - realitäts- und praxisnah aus einem Anwendungskontext heraus gemeinsam mit den Schülern zu entwickeln imstande ist.

  25. kritikos

    Werden noch immer Sprachreisen veranstaltet? Ich war (irrtümlich?) der Meinung, Reisen machen die wenigen noch vorhandenen Griechisch-Professoren nach Griechenland, die Latein- und evt. Italienisch-Professoren nach Rom, aber weniger wegen der Sprache als wegen des kulturellen Hintergrunds. Sprachaufenthalte sind vielleicht (!) mehrwöchig nutzbringend, aber das muss nicht von Lehrern organisiert werden, weil das andere in den Ferien besorgen.
    (Sarkastisch: Hoffentlich wird es nicht Usus, in die Türkei auf Sprachferienwochen zu fahren.)
    N. b. türkisch: "Haider" (Herr?) hat sehr recht: Man trifft sie überall, dass sie des Deutschen kaum mächtig sind, liegt aber an der Bereitschaft zum Erwerb dieser Sprache. Zig-tausend Böhmen, Ungarn, Kroaten u.a. haben vor Jahrzehnten die Sprache erlernt. Aber sie sind Österreicher geworden! Das trifft bei vielen der jetzigen Zuwanderer nicht zu. Und hier meine ich nicht einmal so sehr die Türken als die Vielzahl an pseudoverfolgten Tschetschenen.



    • Wafthrudnir

      Meine eigene Mittelschulsprachreise, damals nach Moskau, ist zwar bald 20 Jahre her, dennoch möchte ich diese Institution in Schutz nehmen: kompetent geplant und durchgeführt (und das wird wohl in Wahrheit meist der Knackpunkt sein) bringt sie nicht nur eine deutliche Verbesserung der Sprachkenntnisse, sondern auch, so ungern ich das Wort in den Mund nehme, "interkulturelle Kompetenz": Menschen in anderen Kulturen ticken halt einfach anders, und wie sie ticken, ist aus eigener Anschauung deutlich leichter zu lernen. Noch heute scheint mir etwa die Ukraine-Krise besser verständlich, wenn ich daran denke, wie meine Gasteltern damals über den Zerfall der Sowjetunion gesprochen haben.

  26. Haider

    In Österreich gibt es 100.000e Fußballtrainer und sicher Millionen Schulexperten. Also noch ein Experte wie ich macht das Kraut sicher nicht fett. Daher halte ich mich gerne zurück.
    90 % der Argumente unseres Blogmasters unterschreibe ich blindlings. Eines allerdings mit vollster Überzeugung. Weg mit den völlig dummen Schul-Sprachferien. Ich war 1956 mit einigen 100 österreichischen Schülern auf Sprachferien in England. Verletzungsbedingt wurden aus 4 Wochen schlußendlich neun. Dennoch war's eine wunderbare Zeit. Am Heimweg (damals natürlich per Zug) sprachen alle englisch außer einem Brüderpaar. Die waren gemeinsam bei einer Familie. Wenn also heute eine ganze Klasse so tut, als würde sie Sprachferien absolvieren, so ist dies tatsächlich in Wahrheit ein Sonderurlaub. Nur wenn ich gezwungen bin, im alltäglichen Geschehen immer die Sprache des Gastlandes über einen längeren Zeitraum anwenden zu MÜSSEN, dann hat diese Aktion irgendeinen Nutzen. Das Beste daran ist dann, daß ich tatsächlich eine neue Sprache perfektioniere ohne die alte zu verlernen.
    Bei den Analphabeten in Österreichs Schulen haben wir das Problem, daß sie ihre Muttersprache (aufgrund mangelnder Bildungsaspiration ihrer Eltern) nie wirklich erlernten und die deutsche Umgangssprache in ihrem Alltag gar nicht mehr benötigen. Gemüsehändler ist Türke, Deniz-Bank ist türkisch, Arzthelferin ist Türkin, Billa-Kassierin ist Türkin, Friseurin ist Türkin, Verkäuferin im Kleidergeschäft ist Türkin, Automechaniker ist Türke, jeder Marktstandler spricht selbstverständlich nur türkisch ... also ich muß schon schauen, ob ich noch ein Geschäft finde, wo mich der Angestellte versteht und wo ich jene Waren bekomme, die früher in unserem Kulturkreis alltäglich waren und mit denen ich vertraut bin.



    • Riese35

      @Haider: Ich unterschreibe alle Ihre Aussagen, nur bei den Sprachreisen widersprechen Sie sich. Einerseits sind Sie komplett dagegen, und andererseits sagen Sie, daß Sie viel dabei gelernt haben.

      Gerade die Stimmungsmache gegen die Sprachreisen halte ich für falsch. Ich kann aus eigener Erfahrung mit meinen Kindern (fast) nur Positives berichten. Anstatt dagegen Stimmung zu machen, sollte man darauf achten, daß solche Sprachreisen nur dann stattfinden, wenn dafür die Voraussetzungen gegeben sind, und die wären meines Erachtens:
      - Einzelunterbringung bei einer Gastfamilie
      - Bei der Gastfamilie wird nur die Sprache des Gastlandes gesprochen
      - Wenn möglich Reziprozität, d.h. der Schüleraustausch wird in umgekehrter Richtung mit dem Schüler der Gastfamile wiederholt
      - Die Gastfamilie unternimmt mit dem Gastschüler im Gastland einiges
      - Die Schüler werden im Gastland direkt und gezielt mit dem Leben und der Kultur des Gastlandes
      vertraut gemacht, nehmen dort am Unterricht teil, absolvieren ein intensives kulturelles Programm und bauen dort Beziehungen zu etwa gleichaltrigen Schülern des Gastlandes auf.

      Auch müßten die Lehrer beim Schüleraustausch darauf achten, daß diese Bedingungen erfüllt werden. Wenn aus einer Sprachreise aber Sprachferien werden, sollte man es lieber bleiben lassen. Da bin ich voll mit Ihnen. Nur sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und generell gegen Sprachreisen Stimmung machen, sondern ganz im Gegenteil darauf drängen, daß Mißstände abgestellt werden und der Sinn erhalten bleibt.

    • Undine

      @Riese35

      "- Einzelunterbringung bei einer Gastfamilie
      - Bei der Gastfamilie wird nur die Sprache des Gastlandes gesprochen"

      Unsere ältere Tochter hatte großes Glück mit ihrer Gastfamilie---das englische Mädchen hat sich bei uns auch sehr wohlgefühlt. Sprachlich gewonnen haben beide.

      Man kann aber auch Pech haben: Vor Jahren wurde die damals 16-jährige Tochter guter Freunde als allerletzte ihrer Gruppe abgeholt (23h!)---von einer Familie aus BANGLADESCH, die NICHT ENGLISCH sprach! Die Eltern des verzweifelten Mädchens setzten am nächsten Tag alle Hebel in Bewegung, daß ihre Tochter zu einer anderen Gastfamilie kommen konnte. Es war ein heftiger Schock für das Mädchen und die besorgten Eltern! Aber im allgemeinen sind Sprachkurse im Ausland ein großer Gewinn!





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