Kapitalismus? Welcher Kapitalismus?

Lesezeit: 6:00

Dem großartigen staatlichen Schulsystem und der emsigen Arbeit der (mittelbar oder unmittelbar steuer- oder gebührenfinanzierten) Massenmedien ist es zu verdanken, dass heute jedermann über beinahe alle entscheidenden Fragen des Lebens bestens im Bilde ist. Jeder wird erleuchtet. Keiner mehr braucht ignorant zu sterben.

So herrscht zum Beispiel kollektive Gewissheit darüber, dass die (seit 15 Jahren allerdings im Pausenmodus verharrende) Erderwärmung menschengemacht ist. Jeder Naturkundelehrer weiß und lehrt das. Außerdem steht das in jeder Zeitung. Unsere Gesellschaft besteht inzwischen zu 100 Prozent aus Klimaexperten.

Dass hochentwickelte westliche Volkswirtschaften – durch die massenweise Immigration von Analphabeten und religiösen Fanatikern aus Afrika, Arabien, Anatolien und dem Kaukasus – eine segensreiche kulturelle Bereicherung erfahren, steht ebenfalls fest. Die Überlegenheit multikultureller Gesellschaften wird durch Vergleiche deutlich: Wo auch immer homogene Bevölkerungen leben (wie in Japan, Taiwan oder Island), herrschen Grabesruhe, Stillstand und bleierner Überdruss. Wo indes verschiedenste Volksgruppen in bunter Vielfalt zusammenleben – wie im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda oder im Irak – bewegt sich was, da geht´s richtig rund, da steppt der Bär. Diese Art einer allseits befruchtenden Durchmischung gilt es daher überall – möglichst weltweit – zu verwirklichen. Kleine Kollateralschäden (wie blutige Rassenunruhen, Völkermorde oder gelegentlich aufflackernde Bürgerkriege) sind in Kauf zu nehmen. Wo gehobelt wird, da fallen schließlich Späne…

Dass es zwar keine Geschlechter gibt, Schwulen, Lesben und Transsexuellen aber jedenfalls die regenbogenfarbene Zukunft gehört, steht ebenfalls außer Frage. Was gibt es schließlich Spießigeres, als eine reaktionär-heteronormative Gesellschaft, voll mit Vater-Mutter-Kind-Familien?

Wer das Gegenteil einer dieser in Stein gemeißelten Wahrheiten behauptet, ist ein Idiot oder ein Schurke und sollte daher sicherheitshalber zwangspsychiatriert und weggesperrt werden.

Auf allen Gebieten gelten heute unumstößliche Gewissheiten. Wirklich auf allen Gebieten? Nein! Denn auf dem Gebiet der Ökonomie herrscht eine beklagenswerte Desorientierung. Verschämte oder ganz offen eingestandene Ahnungslosigkeit, wohin man blickt. Auf diesem Terrain scheint – von ein paar beamteten „Wirtschaftsweisen“ abgesehen – keiner Genaueres zu wissen.

Die Verbreitung der Erkenntnisse und Lehren dieser „tristen Wissenschaft“ (Thomas Carlyle), beschränkt sich auf einen recht überschaubaren Teil der Bevölkerung. Das ist schade, denn schließlich geht sie jeden etwas an. Ökonomische Gesetze funktionieren – gleichgültig, ob sie verstanden werden oder nicht.

Dass die breite Masse selbst für einfachste wirtschaftliche Zusammenhänge keinerlei Einsicht mitbringt, enthüllt ein Blick auf die jüngsten Ereignisse in Frankfurt, wo ein linker Mob (die „Blockupy“-Bewegung), anlässlich der Eröffnung eines milliardenteuren neuen EZB-Glaspalastes, gegen das auf die Straße gegangen ist, was er faktenwidrig für Kapitalismus hält. Dass bei dieser Gelegenheit Scheiben zertrümmert und Autos in Brand gesteckt wurden, gehört zur antikapitalistischen Folklore. Jeder Grünpolitiker und jeder Funktionär des gewerkschaftlichen Linksblocks, kann aus dem Stegreif locker 713 gute Gründe nennen, warum das auch seine Richtigkeit hat. „Sind ja schließlich nur Sachen. Uns geht es um Größeres.“ Sozialisten kennen eben keinerlei Respekt vor (privatem) Eigentum.

Einst kannten rabiate Linke wenigstens noch die Schriften ihrer Säulenheiligen. Unter den 68er-Neobolschewiken gehörte die Lektüre der Standardwerke utopischer Sozialisten, Syndikalanarchisten und der marxistischen Orthodoxie noch zum guten Ton. Heute hat sich das entscheidend geändert. Wäre es anders, würden die vermeintlichen „Antikapitalisten“ kaum gegen jene Zentralbanken demonstrieren, deren Schaffung Marx und Engels – nebst der Monopolisierung des Geldes durch den Staat – einst so vehement gefordert haben.

Beides – und damit zentrale Ideen ihrer Idole – wurden ja längst verwirklicht. Wir leben in einer Welt des lupenreinen Geldsozialismus. Zentralbanken sind zu den mächtigsten Instrumenten der Planwirtschaft avanciert. Sie sind Wirtschaftslenkungs- und Inflationierungsbehörden. Sie bilden in einer Markwirtschaft freiheitsfeindliche Fremdkörper. Ihr erklärtes Ziel ist es, jenen Problemen zu begegnen, die ohne Zentralbanken niemals aufgetreten wären. Ein aufgeblähter Banken- und Finanzkapitalsektor etwa, der ohne staatlicherseits gewährte Bankenprivilegien, Haftungsausschlüsse, „Too big to fail“ und Zentralbanken mit der Lizenz zur unbegrenzten Geldschöpfung, undenkbar wäre.

Die in Österreich soeben beschlossene „Steuerreform“ ist ein weiterer schlagender Beweis für den ökonomischen Unverstand, der bis in die Staatsführung reicht. Diese „Reform“, so ihre Urheber, werde eine erhebliche Kaufkraftstärkung für die werktätigen Massen bringen. Daraus wiederum würde ein kräftiger Schub für die lahmende Konjunktur resultieren. Dass sich prompt ein paar (steuerfinanzierte) Nationalökonomen finden, die den Effekt hoheitlicher Wohltaten anhand ebenso beeindruckender wie weltfremder Modelle in leuchtenden Farben darstellen, versteht sich von selbst.

Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik vom Feinsten eben. Die hat zwar – außer zu steigenden Schulden – zu keiner Zeit jemals messbare Ergebnisse gebracht. Das aber stößt nur einer Handvoll radikaler Marktfundamentalisten sauer auf.

Der durch die grandiose Lohnsteuersenkung (die durch Mehreinnahmen infolge der Erhöhung anderer Steuerarten neutralisiert wird) zusätzlich möglich werdende Konsum wird zu 80 Prozent ins Ausland fließen. Das wird wohlweislich verschwiegen. Dass erhöhter Konsum – wenn überhaupt – allenfalls eine kurzlebige Konjunkturwelle auslösen kann, ebenfalls.

Denn was für eine nachhaltige Konjunkturbelebung erforderlich wäre, sind Investitionen. Oder, anders gesagt: Die Bildung von Kapital. Die allerdings wird durch die von den Zentralbanken herbeimanipulierten Negativzinsen und einen von der Regierung inszenierten, unternehmerfeindlichen Klassenkampf, wirkungsvoll bekämpft.

Mehr Kredit lautet die Losung, nicht mehr Kapital. Für dessen Bildung liegt auch nicht der geringste Grund vor – schon gar nicht nach dieser „Steuerreform“. Die verteilt – einmal mehr – konsequent von den Produktiven zu den Unproduktiven (und von der Investition zum Konsum) um und belastet den unternehmerischen Mittelstand massiv.

Dazu passt, dass Sozialminister Hundstorfer (SPÖ) soeben die längst fällige Senkung der horrenden Lohnnebenkosten mit der Einführung eines „Bonus-Malus-Systems“ zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zu verbinden gedenkt. Es liegt auf der Hand, dass er mit derlei Spielchen allen Arbeitnehmern im Lande einen Bärendienst erweist. Denn hohe Lohnnebenkosten sind – wie die Einführung überhöhter Mindestlöhne – hochwirksame Mittel zur Verhinderung der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

So zu tun, als seien die Unternehmer die wahren und in Wahrheit einzigen Nutznießer der Lohnnebenkostensenkung, kann nur Menschen einfallen, die – wie der Sozialminister – ihr ganzes Leben in geschützten Werkstätten verbracht haben. Dort spielen Arbeitskosten ja bekanntlich überhaupt keine Rolle, weil der Steuerzahler ungefragt dafür aufzukommen hat.

Im produktiven Sektor indes funktioniert das ein bisserl anders. Wer da (etwa infolge überhöhter Lohnforderungen) zu teuer wirtschaftet, verschwindet – mitsamt seinen Arbeitsplätzen – alsbald vom Markt oder er flüchtet ins Ausland. Alle Maßnahmen der Regierung – die ergriffenen wie die unterlassenen – fügen sich zu einer Bankrotterklärung hinsichtlich des Wissens um wirtschaftliche Zusammenhänge.

Ökonomie ist eine „triste Wissenschaft“. Anstatt sich damit zu beschäftigen, ziehen es Teile der werktätigen Massen vor, gegen den „Kapitalismus“ zu demonstrieren und/oder Parteien zu wählen, deren ahnungslose Funktionäre uns davor beschützen sollen…

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWyatt
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    29. März 2015 09:22

    Danke Herr Tögel,
    *****************
    dass Sie immer wieder unterdrückte und nicht erwünschte Tatsachen und Fakten aufzeigen und "unter die Nase reiben".
    (Bin schon neugierig auf die Kommentare der vom "System" hier angesetzten Auftragsschreiberlinge)

  2. Ausgezeichneter KommentatorWolfgang Bauer
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    29. März 2015 12:58

    Danke für diesen wieder ausgezeichneten Beitrag. Großartig!

  3. Ausgezeichneter KommentatorRiese35
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    29. März 2015 13:15

    Danke, Herr Tögel! ********************************************!

    Ein exzellenter Kommentar.

    Das hängt aber mit der Demokratisierung unserer Gesellschaft zusammen. Es gibt keine unabhängige, objektive Wahrheit mehr, sondern wahr ist, was die Mehrheit beschließt. Demokratische Mitbestimmung möglichst schon vom Babyalter an ohne irgendeine Sachkompetenz. Bei uns nennt man es manchmal auch "Politische Bildung". Demokratisches Verhalten drillmäßig eintrainieren. Die Mehrheit, der man alles auf subtile Weise einreden kann, hat immer recht.

    Das verträgt sich aber nicht mit objektiven Wahrheiten. Wahrheiten z.B. über wirtschaftliche Zusammenhänge, wie Sie schreiben. Ich bin eher in der Physik, Technik und den abstrakten, "exakten" Wissenschaften zu Hause. Daher sehe ich die Zeit kommen, da man auch über das Gravitationsgesetz im Parlament abstimmen wird. Bei der heutigen Massenverblödung würde es mich nicht wundern.

    Interessant ist jedenfalls, daß zwischen physikalischen und wirtschaftlichen Gesetzen gar nicht so viel Unterschied ist. Während man physikalische Gesetze aber heute (noch) weitgehend akzeptiert, ist das bei den wirtschaftlichen aber nicht mehr gegeben.

  4. Ausgezeichneter KommentatorBrigitte Imb
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    29. März 2015 18:33

    Gegen den Kapitalismus wettern nur Linke, also Sozialisten u. Grünkommunisten, die sowieso meist vom Geld anderer Leute leben.

    Nicht nur "unsere" Penthouse-Sozialisten setzen sich für "Gerechtigkeit" ein.

    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4696159/Rumaenien_101-Gemaelde-bei-Finanzminister-entdeckt?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do


alle Kommentare

  1. xRatio (kein Partner)
    05. April 2015 20:40

    In Geldsachen
    sollte sich der liebe Herr Tögel endlich mal bei Herrn Dr. Unterberger schlau machen.

    "Das Geld ist eine Ware" (wie jede andere)

    *andreas-unterberger.at/2015/03/das-geld-ist-eine-ware/

    Mehr ist dazu weißgott nicht zu sagen
    Alles andere inclusive sogar L. v. Mises ist eklatant dummes Zeug.

    xRatio

  2. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      31. März 2015 21:20

      Jetzt bin ich gewiss nicht der von Wyatt mit großer Erwartung angekündigte Auftragsschreiberling des Systems, aber nun habe ich mich doch entschlossen ein paar Anmerkungen zu machen.

      Bis zum ersten Drittel stimme ich ja uneingeschränkt Tögel zu.

      Aber hat Tögel die von ihm gestellte Frage m.A. nicht beantwortet. Daß die heutigen Schwätzer ihre Säulenheiligen nicht kennen, damit mag er recht haben. Allerdings ist sein Hinweis, daß Marx und Engels die staatliche Notenbank gefordert hätten vielleicht richtig, nur sind die heutigen Noten- oder Zentralbanken eben gar nicht staatlich, sondern gehören privaten Besitzern, jedenfalls dort wo die Musik gemacht wird (zB die amerikanische FED) bzw. sind außerhalb jeglichen Einflusses der Staaten gestellt, wie die EZB. Ob dann die ÖNB – die ja auch zeitweise private Aktionäre hatte (und vielleicht noch hat?) – als nur dem Staat unterstellte Nationalbank gelten kann, wenn in der EUdSSR letztlich die EZB den Ton angibt (oder ist es Goldman & Sachs?), wage ich zu bezweifeln.

      Also, der Geldsozialismus ist eine lustige Erfindung Tögels. Was Tögel über die Privilegien der Banken aller Art sagt, stimmt natürlich, denn Geld regiert die Welt und hat inzwischen die Politikdarsteller weitgehend eingekauft – und damit die gänzlich ungerechtfertigten Privilegien. Da ja längst nicht mehr die Zentralbanken unbegrenzt Geld – fiat money – fabriieren, sondern dies vor allem auch die Geschäftsbanken machen – weitgehend ohne echte Deckung und überdies als private Unternehmen – fällt es mir schwer dies mit Sozialismus in Verbindung zu bringen.

      Auch die mit Recht kritisierte „Steuerreform“ hat mit der Frage Tögels eigentlich nichts zu tun. Daß sie angesichts der Lage der Staatsfinanzen und der immer neuen Hiobsbotschaften um HAA und etwas leiser Raiffeisen, ... sich als Steuerumverteilung bzw. Erhöhung entpuppte, war abzusehen.

      Nun, dem Satz: Kredit lautet die Losung, nicht Kapital, hätte es verdient etwas genauer untersucht zu werden. Von Romigs „ideologischen Elementen der neoklassischen Theorie“ weiß ich, daß eine frühere Formel lautete: I = S, also das gesparte Geld ist jenes, das für Investitionen zur Verfügung steht. Er schrieb (kritisch) aber weiter, daß sich diese alte Formel neuerdings erweitert habe: I = S + K, also zusätzlich und heute offenbar immer dominanter der Kredit.

      Die Frage ist natürlich inwieweit das die kapitalistische Wirtschaft zu dem gemacht hat, was wir heute erleben.

      Ihre Behauptung, daß überzogene Lohnforderungen die Unternehmer aus dem Markt drängten, ist sicherlich eine schamlose Übertreibung. In vielen produzierenden Branchen sind sie nicht einmal der größte Kostenfaktor, sondern die Finanzierungskosten, Beratungskosten, Rechtskosten, Gewährleistung, F+E, Marketing, ... kurzum die mit Faktoren von vielen hundert Prozent als Gemeinkosten zu den Stückkosten aufgeschlagenen Kosten sind es, und oft auch jene für die Geschäftsführung, die man aber kaum unter den normalen Personalkosten verbuchen kann, die Unternehmen zu schaffen machen.

      Was Sie gänzlich ausgeblendet haben und ich gerade in einem 800-Seitenbuch – Das Kapital im 21. Jahrhundert – gelernt habe, ist, daß es, das Kapital, offensichtlich in den sogenannten „reichen Staaten“ im allgemeinen ca. das Sechsfache des BIP ausmache und von Privaten gehalten werde, und weiters, daß es sich aufgrund einer einfachen Formel – einer Ungleichung – permanent bei immer weniger Kapitalbesitzern konzentriere. Die Formel dafür lautet: r > g, d.h. die Kapitalrendite ist immer wesentlich größer als das Wachstum der „Volks“-Wirtschaft. Was das aber bedeutet, mag sich jeder vorstellen, wie er will. Daß dies ohne gesellschaftliche Spannungen abgehen würde, kann man sich aber kaum vorstellten. Selbst wenn man kein Sozialist ist. (Im übrigen ist der Staatsanteil am Kapital etwa gleich hoch wie dessen Staatsschulden sind, was freilich nicht zu deren Deckung herangezogen werden kann, weil halt der Staat für seine hoheitlichen Aufgaben auf viel von seinem vor allem in Gebäuden konzentriertem Kapital nicht wirklich verzichten kann.)

    • Andreas Tögel
      01. April 2015 07:53

      Sehr geehrter F.V.,
      es freut mich außerordentlich, gerade von Ihrer Seite immerhin einiges an Zustimmung zu erfahren.

      Der Begriff "Geldsozialismus" ist (leider) nicht auf meinem Mist gewachsen. Er stammt von Roland Baader, dessen letztes Buch diesen Titel trägt und in dem er sich u. a. mit dem (Un-)Wesen staatlicher Geldproduktion im allgemeinen und dem der Zentralbanken im besonderen auseinandersetzt. Lesenswert!

      Die Geschichte von den "privaten" Zentralbanken erinnert mich an die Legende vom Ungeheuer von Loch Ness. So oft man sie auch erzählt: Sie bleibt eine Legende. Frau Yellen und all ihre Vorgänger, wurden nicht etwa von einem board of directors privater Banken in ihr Amt berufen, sondern vom US-Präsidenten. Eine politischere Position als die des FED-Kapos gibt es gar nicht. Mit den übrigen Zentralbanken verhält es sich nicht anders. In Japan druckt die Notenbank auf Zuruf des Premierministers auf Teufel komm raus Geld - dito im UK. Und Herr Draghi versteht sich nicht etwa als Hüter der Kaufkraftstabilität (wie es das Mandat der EZB vorsieht), sondern in erster Linie als Staatsfinancier. Ungeheuer markt- und privatwirtschaftlich - ist es nicht?!

      Dass private Banken heute weit mehr Geld (eigentlich Kredit) produzieren, als die Zentralbanken, beweist was? Richtig - daß das ganze Schuldgeldsystem einem riesigen Pyramidenspiel gleicht, das in erster Linie wem nutzt? Richtig - dem Staat und dessen Komplicen und Klienten.

      Wenn Sie sich über diese Zusammenhänge seriöse Informationen besorgen wollen, ist ein auf der Lohnliste der französischen Sozis stehender "Wissenschaftler" die definitiv falsche Adresse. Dessen gute Ratschläge sind immerhin mitverantwortlich dafür, daß die Grande Nation eben im Begriff steht, wirtschaftlich gegen die Wand zu fahren. Halten Sie sich doch besser an die "Standards", wie z. B. Mises´ "Theorie des Geldes und Umlaufsmittel". Das Werk ist jetzt 103 Jahre alt. Besonders im Lichte der aktuellen Geldpolitik zeigt sich die zeitlose Gültigkeit der Mises´schen Gedanken. Oder, aktueller: "Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen" von Huerta De Soto. Da Sie ja auf hohe Seitenzahlen Wert legen: Beide Bücher können diesbezüglich mit Pikettys Wälzer locker mithalten (ohne aber dabei von öder Empirie überzulaufen).

      Warum ausgerechnet Herr Romig der "Schaffung von Geld aus dem Nichts" das Wort redet, werde ich nie begreifen. Soweit ich weiß, ist es allein Gott vorbehalten, etwas aus nichts zu schöpfen. Die Alchemisten des Mittelalters wollten immerhin noch aus etwas (Blei) etwas anderes (Gold) machen. Moderne Noten- und Geschäftsbanker dagegen schaffen tatsächlich etwas aus nichts. Wäre ich ein Katholik, würde ich diese Anmaßung als Blasphemie betrachten.

      Aber auch abseits jeder religiösen Überlegung, steht die Sache einfach im Widerspruch zur Logik. Daß daraus also (in the Long run) nichts als Unheil erwachsen kann, liegt auf der Hand - und wir sehen es ja auch tagtäglich an den nicht enden wollenden Katastrophenmeldungen von der Krisenfront.

      Mir ist kaum eine Branche bekannt, in der die Löhne (vom Wareneinsatz bei Handelsbetrieben abgesehen) nicht den größten Kostenfaktor bilden würden. Die hohe Produktivität "kapitalistischer" Volkswirtschaften, ist dem hohen Automatisierungsgrad geschuldet - und der wird hauptsächlich von Lohnforderungen getrieben. Gewerkschaften sind somit die (unfreiwilligen) Beförderer der Kapitalkonzentration...

      Insofern ist an der (von vielen kompetenten Ökonomen, wie etwa H. W. Sinn und den Fachleuten der Agenda Austria) vehement kritisierte) "Weltformel" Pikettys vielleicht sogar etwas dran. Sie belegt nämlich nicht mehr und nicht weniger, als die Überlegenheit des Kapitalismus gegenüber der Planwirtshaft...
      Mit freundlichen Grüßen,
      A. Tögel

    • F.V. (kein Partner)
      01. April 2015 11:23

      Nun, zu hohe Seitenzahl ist auch für mich eher ein Hindernis, aber während einer Reha konnte ich ohnedies nicht viel anderes tun als lesen.

      Als ich Romig meine Eindrücke schilderte, warnte er mich, mich damit weiter zu befassen. Aber eingedenk einer Antwort eines – späteren – Freundes, als ich dessen mit zunächst unbekannte Identität erfahren wollte: „Es komme nicht darauf an WER etwas gesagt hat, sondern WAS. Daher bliebe es beim Namenskürzel.“ ließen mich doch manche Überlegungen richtig erscheinen. Von wem Piketty bezahlt wird oder welche politischen Präferenzen er hatte, war mir unbekannt, wenngleich vor allem gegen den Schluß des Buches sie etwas utopisch-ideologisch wurden.

      Meine B

    • F.V. (kein Partner)
      01. April 2015 11:26

      Trottelhafte Wortzahl-Zensur Unterbergers, die nichts hilft den Buchstabenmüll einiger Idioten zu unterdrücken, mich aber jedesmal ärgert.

      ... Beschäftigung mit wirtschaftlichen Fragen kommt ja nicht vom Studium der Physik, sondern aus meiner beruflichen Tätigkeit und der Bekanntschaft und Freundschaft mit ausgewiesenen Fachleuten. Aber heute – in der Pension - interessierte mich im Grunde viel mehr Religion, Philosophie, Kultur- und Ideengeschichte – und mein Garten. Darum werde ich voraussichtlich die empfohlenen Bücher nicht mehr lesen.

      Möglicherweise ist unsere Auseinandersetzung auch ein Streit um Begriffe, wobei ich wohl eine andere Menge an Charakteristika mit Kapitalismus, Marktwirtschaft, ... umfasse als Sie.

      Aber darüber kann man im UTB nicht per Schriftsatz „diskutieren“.

      Was meine Behauptung über die Personalkosten betrifft, so beruht sie vor allem auf einem für mich sehr aufschlußreichen Kurs während meiner Berufstätigkeit, wo Spitzenleute aus der dt. Automobilindustrie über deren modernste Kostenrechungs-Systeme vortrugen und eben solche Aussagen, wie von mir referiert fielen. Ich sah keinen Grund daran zu zweifeln, und sehe auch nicht, wie dies heute grundsätzlich anders geworden sein sollte. Sicher nicht für alle Branchen gültig, was ich aber einräumte.

  3. Brigitte Imb
    29. März 2015 18:33

    Gegen den Kapitalismus wettern nur Linke, also Sozialisten u. Grünkommunisten, die sowieso meist vom Geld anderer Leute leben.

    Nicht nur "unsere" Penthouse-Sozialisten setzen sich für "Gerechtigkeit" ein.

    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4696159/Rumaenien_101-Gemaelde-bei-Finanzminister-entdeckt?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do

  4. Riese35
    29. März 2015 13:15

    Danke, Herr Tögel! ********************************************!

    Ein exzellenter Kommentar.

    Das hängt aber mit der Demokratisierung unserer Gesellschaft zusammen. Es gibt keine unabhängige, objektive Wahrheit mehr, sondern wahr ist, was die Mehrheit beschließt. Demokratische Mitbestimmung möglichst schon vom Babyalter an ohne irgendeine Sachkompetenz. Bei uns nennt man es manchmal auch "Politische Bildung". Demokratisches Verhalten drillmäßig eintrainieren. Die Mehrheit, der man alles auf subtile Weise einreden kann, hat immer recht.

    Das verträgt sich aber nicht mit objektiven Wahrheiten. Wahrheiten z.B. über wirtschaftliche Zusammenhänge, wie Sie schreiben. Ich bin eher in der Physik, Technik und den abstrakten, "exakten" Wissenschaften zu Hause. Daher sehe ich die Zeit kommen, da man auch über das Gravitationsgesetz im Parlament abstimmen wird. Bei der heutigen Massenverblödung würde es mich nicht wundern.

    Interessant ist jedenfalls, daß zwischen physikalischen und wirtschaftlichen Gesetzen gar nicht so viel Unterschied ist. Während man physikalische Gesetze aber heute (noch) weitgehend akzeptiert, ist das bei den wirtschaftlichen aber nicht mehr gegeben.

    • Seibold (kein Partner)
      31. März 2015 16:47

      Ad "Gesetze der Physik":Atomstrom muß neuerdings ein Mascherl haben, weil er sonst nicht nach Österreich fließen darf!!

      Zum Glück gibt es das tschechische Atomkraftwerk Dukovany für Wien....

  5. Wolfgang Bauer
    29. März 2015 12:58

    Danke für diesen wieder ausgezeichneten Beitrag. Großartig!

  6. Wyatt
    29. März 2015 09:22

    Danke Herr Tögel,
    *****************
    dass Sie immer wieder unterdrückte und nicht erwünschte Tatsachen und Fakten aufzeigen und "unter die Nase reiben".
    (Bin schon neugierig auf die Kommentare der vom "System" hier angesetzten Auftragsschreiberlinge)





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