Drachmen wären die Rettung, nicht ein höherer Euro-Mindestlohn

Lesezeit: 2:00

Das freche Auftreten der griechischen Regierung verärgert so manchen EU-Nettosteuerzahler, dennoch muss man Verständnis für die verarmte griechische Bevölkerung haben. In Gesprächen mit dortigen Taxlern, Kellnern und anderen Berufsgruppen, mit denen man als Tourist in Berührung kommt, überrascht der klare Tenor: „The Euro destroyed us!“ Alles wurde über Nacht viel teurer, manches unleistbar.

Wie die FAZ (Frankfurter Allgemeine) richtig schreibt, besteht der Kern des Problems im freiwilligen Verzicht der Eurostaaten auf einen wichtigen Teil nationaler Souveränität: die Macht über das Geld. Man hat den Euro-Staaten Frieden und Wohlstand versprochen, aber nicht dazu gesagt, dass die EZB und die Kommission Herr im Haus werden. Jetzt fühlen sich die Griechen an die Wand gedrückt, sie sind auf Kosten einiger Großbanken und weniger Privilegierter ärmer geworden.

Das provokante Auftreten des linken Finanzministers, der selbst wie ein Nadelstreifsozialist in einem Palast zu leben scheint, stößt übel auf. Er hat sich als Selbstdarsteller entzaubert.

Griechenland kann seine Wettbewerbsfähigkeit nur wiederherstellen, wenn es aus dem Euro austritt und abwertet, sowohl die Preise als auch die Löhne. Nur so kann das Leistungsbilanzdefizit abgebaut werden. Die Industrieproduktion ist in den letzten Jahren um 30 Prozent eingebrochen und die Löhne sind heute ungefähr doppelt so hoch wie in Polen.

Absurderweise plant die neue Syriza-Koalitionsregierung den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn in mehreren Etappen noch zu erhöhen! Die stufenweise Erhöhung des aktuellen Lohnminimums von 580 auf 751 Euro soll im nächsten Jahr abgeschlossen sein.

Die griechische Regierung gießt mit dieser absurden Maßnahme Öl ins Feuer. Hoffentlich sind die Menschen in Griechenland gescheit genug, diesen billigen Populismus zu durchschauen.

Für den Grexit wird es zu einem offenen oder verdeckten Schuldenschnitt kommen müssen. Das wird einige internationale Großbanken schmerzen, insbesondere französische Banken sind sehr exponiert, aber das soll nicht das Problem der österreichischen Steuerzahler sein.

Durch das dauerhafte Alimentieren eines Staates kann man dort keinen Wohlstand schaffen und mit der friedlichen Völkerverständigung ist es auch vorbei, wenn ein Volk einem anderen ständig Vorschriften macht.

Dr. Kathrin Nachbaur ist Nationalrats-Abgeordnete. Sie war Industrie-Managerin und Fraktionsvorsitzende des Teams Stronach.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    21. März 2015 10:01

    Es sind nicht die 'Banken' (wenn man von gewissen US-Instituten absieht) die da profitiert haben.

    Griechenland hat einfach zu viele und zu gut bezahlte Beamte. Das ganze Gerede von verhungernden Pensionisten und Leuten, die mangels Geld, sich die Medizin nicht leisten können, ist surreal!

    Würde die Anzahl der Beamten auf einen europäischen Durchschnittswert reduziert werden, so gäbe es keine Not.
    Würden die utopischen Gehälter der oberen Beamten an nordeuropäische Werte angepasst, so …
    Würde das riesige Militär der Landesgrösse angepasst, so ...
    Würden die vielen Staatsbetriebe (und deren Mitarbeiter) ihre Privilegien verlieren, so …

    Für alle diese Bedingungen gilt ODER, eine einzige Maßnahme reicht und die Not in Griechenland ist vorbei.

    Eine Abwertung bringt rein gar nichts! Denn danach wird genau so wenig produktiv gearbeitet wie davor, Griechenland importiert inzwischen sogar schon Oliven! Man kann nur konsumieren, was man vorher produziert hat – diese Weisheit ist aber allen Sozialisten fremd.

    Nur radikale Reformen können helfen. Die sind aber demokratisch offensichtlich nicht machbar.

  2. Ausgezeichneter Kommentatormachmuss verschiebnix
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    22. März 2015 18:37

    Die griechische Regierung wird wohl wissen, wie schlecht ihre Karten sind, und
    weil die Entscheidungs-Schwäche des EU-Molochs legendär ist, drum geriert sich
    Alexis Tsipras in Brüssel als Pokerface. Zumal dabei ja nichts schiefgehen kann,
    schließlich hatte man damals schon den EU-Beitritt ergaunert - UND - wurde das
    in irgendeiner Form geahndet ?@!

    Nach der griechischen Finanzlage muß man davon ausgehen, daß die damals aus
    dem "Beratungs-Vertrag" mit Goldmann+Sachs entstandene Zahlungs-Verpflichtung,
    welche aufgrund von Bilanz-Tricksereien den EU-Beitritt ermöglichte, daß diese
    Rückzahlung an G+S noch immer nicht getilgt ist .

    Eigentlich eine beneidenswerte strategische Leistung der G+S Leute - nämlich die
    Einschätzung der Gesamtlage, damals schon.
    Die wußten, Brüssel würde knieweich
    werden und einspringen. Ich wette die wissen auch, was sie von China in einem
    vergleichbaren Fall zu erwarten hätten (drum tun sie's dort nicht ).

    Allein schon das positive Beispiel von Irland, oder der Baltischen Republiken sollte
    Grund genug sein, die Griechen zum Teufel zu jagen, statt auch nur einen Cent zu
    zahlen ! ! !

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4690944/Irlands-Weg-aus-Krise_Kein-keltischer-Tiger-ohne-USKonzerne?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do


alle Kommentare

  1. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      23. März 2015 17:16

      Die Frau Dr. Nachbauer bedient die bei uns üblichen Vorurteile.

      Soweit – in Samisdat - zu lesen war, sind es die USA, die jede Idee eines Austritts Griechenlands mit ihrem Veto blockieren. Angeblich wegen der europäischen Sicherheit und der Südost-Flanke der Nato.

      Es geht offenbar nicht um eine wirtschaftliche Lösung, sondern um Macht- und Geopolitik. Was sollen daher die „rationalen Schlußfolgerungen“, wenn die Randbedingungen ganz andere sind? – Es geht darum Europa mit unlösbaren Problemen im Schach zu halten.

      Mich erstaunt immer wieder die Argumentation, die an Einzelereignissen die Globallösung begründen zu können vorgibt. Hier der Mindestlohn, ein „Ärgernis“ aller Liberalen. Ich kenne nicht die aktuellen Lebenshaltungskosten in GR, aber wenn angeblich die Löhne doppelt so hoch wie in Polen sein sollen, dürften die allgemeinen Kosten langsam europäisches Niveau haben. Wie dann jemand mit 580,- Euro sein Leben fristen soll, ist mir nicht ganz klar.

      So erhebt sich die Frage nach der Alternative für das Überleben einer offenbar doch erheblichen Zahl von Menschen. Wenn die Frau Dr. Nachbauer hier einen umsetzberen Vorschlag/Alternative anbieten kann, dann meintwegen. So aber ist das nur billige Polemik.

  2. machmuss verschiebnix
    22. März 2015 18:37

    Die griechische Regierung wird wohl wissen, wie schlecht ihre Karten sind, und
    weil die Entscheidungs-Schwäche des EU-Molochs legendär ist, drum geriert sich
    Alexis Tsipras in Brüssel als Pokerface. Zumal dabei ja nichts schiefgehen kann,
    schließlich hatte man damals schon den EU-Beitritt ergaunert - UND - wurde das
    in irgendeiner Form geahndet ?@!

    Nach der griechischen Finanzlage muß man davon ausgehen, daß die damals aus
    dem "Beratungs-Vertrag" mit Goldmann+Sachs entstandene Zahlungs-Verpflichtung,
    welche aufgrund von Bilanz-Tricksereien den EU-Beitritt ermöglichte, daß diese
    Rückzahlung an G+S noch immer nicht getilgt ist .

    Eigentlich eine beneidenswerte strategische Leistung der G+S Leute - nämlich die
    Einschätzung der Gesamtlage, damals schon.
    Die wußten, Brüssel würde knieweich
    werden und einspringen. Ich wette die wissen auch, was sie von China in einem
    vergleichbaren Fall zu erwarten hätten (drum tun sie's dort nicht ).

    Allein schon das positive Beispiel von Irland, oder der Baltischen Republiken sollte
    Grund genug sein, die Griechen zum Teufel zu jagen, statt auch nur einen Cent zu
    zahlen ! ! !

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4690944/Irlands-Weg-aus-Krise_Kein-keltischer-Tiger-ohne-USKonzerne?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

  3. dssm
    21. März 2015 10:01

    Es sind nicht die 'Banken' (wenn man von gewissen US-Instituten absieht) die da profitiert haben.

    Griechenland hat einfach zu viele und zu gut bezahlte Beamte. Das ganze Gerede von verhungernden Pensionisten und Leuten, die mangels Geld, sich die Medizin nicht leisten können, ist surreal!

    Würde die Anzahl der Beamten auf einen europäischen Durchschnittswert reduziert werden, so gäbe es keine Not.
    Würden die utopischen Gehälter der oberen Beamten an nordeuropäische Werte angepasst, so …
    Würde das riesige Militär der Landesgrösse angepasst, so ...
    Würden die vielen Staatsbetriebe (und deren Mitarbeiter) ihre Privilegien verlieren, so …

    Für alle diese Bedingungen gilt ODER, eine einzige Maßnahme reicht und die Not in Griechenland ist vorbei.

    Eine Abwertung bringt rein gar nichts! Denn danach wird genau so wenig produktiv gearbeitet wie davor, Griechenland importiert inzwischen sogar schon Oliven! Man kann nur konsumieren, was man vorher produziert hat – diese Weisheit ist aber allen Sozialisten fremd.

    Nur radikale Reformen können helfen. Die sind aber demokratisch offensichtlich nicht machbar.

    • blem-blem
      22. März 2015 23:20

      Weshalb sollte eine Abwertung nichts bringen, wenn Griechenland sogar schon die Oliven importiert?

      Wenn diese importierten Oliven plötzlich fünfmal teurer würden, so müsste dies doch einen Ansporn liefern, selber zu produzieren, oder ...? (Natürlich nicht innerhalb des Onassis-Klans)

    • Ingrid Bittner
      23. März 2015 17:11

      Griechenland importiert inzwischen sogar schon Oliven!! Na sowas, ich hab vor mehr als 20 Jahren in Griechenland gearbeitet, da gab es die Tomaten aus Holland und die Butter aus Irland!! Tja und das war bei uns gerade die Zeit, als man versuchte, die Dosengetränke einzudämmen - und was war in Griechenland?? Da gab es alles in Dosen, zwar serviert auf einem silbernen Tablett, aber in Dosen.
      Und ganz "lustig" fand ich das Wasser in kleinen wunderschönen dickwandigen Glasflaschen, Inhalt o,33l, aus irgendwo in Europa, nur nicht aus Griechenland.
      Tja und die "griechische" Buchhaltung hab ich auch gelernt, man glaubt es nicht, aber da ging alles beim Finanzamt vorbei - Prüfer gab es ja keine.
      Und die Ärzte aller Richtungen haben meist auf Kosten der Deutschen studiert, in Griechenland haben sie dann gearbeitet und das Schwarzgeld in Hotels angelegt und dort wurden dann die Gäste einquartiert, die aus Deutschland z. B. zum Zähnerichten eingeflogen kamen, also alles gut organisiert für die eigene Tasche.
      Ich glaube nicht, dass sich in den letzten Jahren das wesentlich geändert hat.
      Urlaub und dort arbeiten, das ist halt zweierlei.





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