Die Erfindung des hässlichen Deutschen

Lesezeit: 3:00

Selbst 100 Jahre danach zeigt die Kriegspropaganda der Entente noch immer Wirkung. Noch heute trägt der Schurke im Hollywoodfilm einen deutschen Namen, spricht mit deutschem Akzent oder fährt wenigstens ein deutsches Auto. Der 1914 in die Welt getretene Mythos vom „hässlichen Deutschen“, vom kulturlos-brutalen, kindermordenden und vergewaltigenden „Hunnen“, lebt fort.

Wer den Deutschen heute Böses will, greift zwar gerne auf Nazi-Stereotype zurück (siehe die antideutschen Ausfälle im Rahmen der aktuellen Schulden- und Währungskrise in Europa – ohne Hitlerbärtchen geht da gar nichts). Der Keim dieser – offen rassistischen – Affekte wurde jedoch schon 20 Jahre vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten gelegt.

Der Buchautor, Theologe und Historiker Karlheinz Weißmann spürt der Entstehungsgeschichte der germanophoben Stereotype nach. Fündig wird er im Jahr 1914, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Zwar gibt es auch davor schon massive antideutsche Ressentiments in Frankeich (Revanche für 1871!) und England („Made in Germany“). Doch erst mit Beginn der Kriegshandlungen – namentlich mit dem „Überfall“ auf Belgien – brechen schließlich alle Dämme.

Von wenigen Ausnahmen wie etwa Bertrand Russel abgesehen, ist faktisch die gesamte Intelligenz der Entente-Mächte: Literaten, Wissenschaftler und Intellektuelle vom ersten Tag des Krieges an bemüht, ihrem Feind nicht bloß die Alleinschuld am Kriegsausbruch anzulasten. Sie schrecken auch nicht davor zurück, mit frei erfundenen Gräuelmärchen die Deutschen zu einer Nation von Monstern zu stilisieren. Da wimmelt es von durch die Soldateska des verhassten Kaisers auf Bajonette gespießten Kindern, vergewaltigten Frauen und von zu Seife verarbeiteten Leichen gefallener Gegner. Motto: Im Krieg ist alles erlaubt – der Zweck heiligt alle Mittel.

Diese Art der Kriegsführung ist neu und überaus erfolgreich. Die Mittelmächte stehen ihr bis zum Kriegsende absolut rat- und hilflos gegenüber. Die Wirkung der alliierten Gräuelpropaganda zeigt sich zunächst an der erfolgreichen Rekrutierung von Kriegsfreiwilligen und 1917 schließlich am Kriegseinritt der USA auf Seiten der Entente.

Zitate aus Publikationen der Zeit ab 1914 und viele Illustrationen dokumentieren den herrschenden, antideutschen Rassismus. Die stereotypen Darstellungen der Deutschen als Pickelhauben-bewehrte Insekten, Affen und Monster stehen den später von den Nationalsozialisten benutzten Darstellungen von „Untermenschen“ um nichts nach.

Der Große Krieg wird von den Alliierten aus zwei Gründen geführt: Zum einen, um „die Welt sicher für die Demokratie zu machen“ (Woodrow Wilson). Zum anderen, um damit, ein für allemal, „alle Kriege zu beenden“ (H. G. Wells).

Mark Twain verdanken wir die Erkenntnis: „Geschichte widerholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Schließlich findet die Legende von der Deutschen Alleinschuld am Kriege – auf Druck Frankreichs und Englands – im Artikel 231 des Versailler Vertrages ihren Niederschlag. Dass dieser beispiellose Akt von Siegerwillkür und böswilliger Demütigung des Kriegsverlierers schließlich zur Keimzelle eines noch verheerenderen Krieges werden könnte, wurde von hellsichtigen Zeitgenossen schon damals kritisiert.

Fazit: unbedingt lesenswert!

1914 Die Erfindung des hässlichen Deutschen
Karlheinz Weißmann
Junge Freiheit Verlag GmbH & Co. KG, 2014
205 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-929886-45-0
34,90 Euro

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorschreyvogel
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. März 2015 10:39

    Die unfromme Legende von der Deutschen Alleinschuld ist vom Kriegsgegner geschaffen worden. Sie wurde aber auch im Land von maßlosen Linken begierig aufgegriffen und weiter ausgebaut, vor allem dann nach dem 2. WK.

    Ähnliches gab es in Österreich mit der "Österreichischen Mitschuld", die es bis Weizierl/Ringel nicht gab, die aber seither immer weiter ausgebaut wurde ("Geschichtslüge", "Staatsvertragslüge"). Vom Feind im eigenen Land. Heute hört es jedes Kind in der Schule: Österreich war gar nicht das erste Opfer der Nationalsozialisten, sondern eifervoller Mittäter.

    Daher müssen Immobilien und Kunstwerke ein zweites mal restituiert werden, und muss Deutschland Griechenland nocheinmal Schadenersatz zahlen, Und wenn Österreich nicht aufpasst, muss es mitzahlen.

    Solche Lügen haben leider lange Beine.

  2. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    27. März 2015 01:05

    Da wir beim Hrdlitschka-Denkmal hinter der Wr. Oper mit einem Film über straßenwaschende Juden gehetzt und so getan, als wären dies Dokumentaraufnahmen. In Wahrheit ist es ein reiner Spielfilm. Natürlich gab es 1938 Vorfälle, daß – möglicherweise sogar völlig unbeteiligte - Menschen jene Straßenschmierereien entfernen mußten, die in der Nacht zuvor gepinselt worden waren. Andererseits würde ich gerne all jene heutigen Hausfassaden-Sprayer verdonnern, daß sie ihre Schmierereien auf fremdem Eigentum eigenhändig (!) entfernen müssen. Da rennen Antifa-Trupps herum und malen „verkehrte“ Hakenkreuze (bei „richtigen“ könnte ja eine Anklage wegen Wiederbetätigung drohen) und am nächsten Tag schreien genau diese hochsubventonierten Chaoten: „Wehret den Anfängen!“
    Ein Spruch aus Kindheitszeiten: „Nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“.

  3. Ausgezeichneter KommentatorAmbra
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    25. März 2015 17:43

    Umso schöner ist es, in Südamerika zu erleben, wie hoch viele Menschen Deutschland und die Deutschen schätzen. Bis dorthin - ich spreche vor allem von den Andenländern - ist die anti-deutsche Propaganda nicht durchgedrungen !

  4. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    26. März 2015 14:03

    Bei aller Wertschätzung für ihre Leistungen, die Deutschen brauchen niemanden, der sie schlecht macht, das schaffen sie selbst am besten. Wie sagte schon Napoleon I.:

    “Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.”

  5. Ausgezeichneter KommentatorPennpatrik
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    25. März 2015 10:43

    Möglich ist es aber nur durch die Deutschen selbst, die diese Propaganda für sich selbst verinnerlicht haben. Kein Volk Europas würde sich diese Beschimpfungen durch die Griechen gefallen lassen.
    "Wer schweigt, stimmt zu!".

    PS: Es geistern auch immer wieder Gerüchte durch die Gegend, dass sich Bundestagsabgeordnete offen gegen das "Deutschtum" aussprechen, es für schädlich halten und ausrotten wollen.
    Naja - wenn die Deutschen selbst dieser Meinung sind, wer will es den Völkern der Welt verübeln ...


alle Kommentare

  1. Segestes (kein Partner)
    29. März 2015 19:58

    35 Eier für 205 Seiten?
    Ein bisserl happig...

    • Andreas Tögel
      29. März 2015 21:22

      Ja und nein. Ist kein Kleinformat, sondern ein großfomatiger, hochwertig aufgemachter und mit hervorragenden Abbildungen ausgestatteter Band...

  2. Haider
    27. März 2015 01:05

    Da wir beim Hrdlitschka-Denkmal hinter der Wr. Oper mit einem Film über straßenwaschende Juden gehetzt und so getan, als wären dies Dokumentaraufnahmen. In Wahrheit ist es ein reiner Spielfilm. Natürlich gab es 1938 Vorfälle, daß – möglicherweise sogar völlig unbeteiligte - Menschen jene Straßenschmierereien entfernen mußten, die in der Nacht zuvor gepinselt worden waren. Andererseits würde ich gerne all jene heutigen Hausfassaden-Sprayer verdonnern, daß sie ihre Schmierereien auf fremdem Eigentum eigenhändig (!) entfernen müssen. Da rennen Antifa-Trupps herum und malen „verkehrte“ Hakenkreuze (bei „richtigen“ könnte ja eine Anklage wegen Wiederbetätigung drohen) und am nächsten Tag schreien genau diese hochsubventonierten Chaoten: „Wehret den Anfängen!“
    Ein Spruch aus Kindheitszeiten: „Nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“.

  3. oberösi
    26. März 2015 21:01

    Dieses Volk von Lemmingen, Reserve-IM´s und Blockwarten, Gesinnungs- und Biotonnenschnüfflern braucht keinen Feind im Außen, der sie anschwärzt, das schaffen sei ganz alleine und viel gründlicher.

    Wie meinte schon Napoleon Bonaparte:“Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.”

    Es braucht also nur einer mit der richtigen Parole zu kommen. Einerlei ob Napoleon oder Gefreiter aus Österreich - und dieses Volk von tumben Schafen verwandelt sich in ein Rudel reißender Wölfe.

    Welches Volk sonst hätte es geschafft, drei Tage 24 Stunden lang ununterbrochen Live-Betroffenheit zu simulieren. Dabei kommt ein finaler Höhepunkt erst: am Wochenende spielts wieder Fußball, selbstredend mit Trauerflor und geziemender Schweigeminute.

    Wie schon von AU und anderen erwähnt: aller Respekt den Opfern und Hintebliebenen. Zum Kotzen jedoch der klebrige Betroffenheitskult, dieses schamlose Trittbrett-Trauern!

    Aber wie sollte das anders sein:
    Seit Jahrzehnten unübertroffen im Unterdrücken jeder Form von Erinnerung ehemaliger Kriegsteilnehmer und betroffener deutscher Zivilisten an unermeßliche Kriegsgreuel und Denunzieren derselben als Nazi-Revisionismus, kriegt andererseits jeder grüne Obergefreite, der nach einem halben Jahr Einsatz zur Verteidigung der Freiheit am Hindukusch "heim"kommt, kompensatorisch einen Exklusiv-Auftritt bei Meischberger, Anne Will, Jauch, um öffentlich sein posttraumatisches Belastungssyndrom zelebrieren zu dürfen, weil er in Afghanistan einen Kameraden kennengelernt hat, der einen Kameraden hatte, der gefallen ist...

    Zum Kotzen, dieser Aspekt der Deutschen. Und wir Ösi? Bei uns ist halt alles ein bissel gemildert durch Schlamperei und geraunzte Selbstironie. Diese Selbstironie ist aber nicht etwa Zeichen von Souveränität und Selbstreflexion, sondern ganz und gar Mangel an Selbstbewußtsein und Symptom eines proletarischen, zutiefst demokratischen Minderwertigkeitskomplexes, anerzogen durch 60 Jahre sozialistischer Erziehung, siehe Abnormitäten von "Wir sind Kaiser" und ähnlichen Unflat...

  4. oberösi
    26. März 2015 14:03

    Bei aller Wertschätzung für ihre Leistungen, die Deutschen brauchen niemanden, der sie schlecht macht, das schaffen sie selbst am besten. Wie sagte schon Napoleon I.:

    “Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.”

  5. Ambra
    25. März 2015 17:43

    Umso schöner ist es, in Südamerika zu erleben, wie hoch viele Menschen Deutschland und die Deutschen schätzen. Bis dorthin - ich spreche vor allem von den Andenländern - ist die anti-deutsche Propaganda nicht durchgedrungen !

  6. Pennpatrik
    25. März 2015 10:43

    Möglich ist es aber nur durch die Deutschen selbst, die diese Propaganda für sich selbst verinnerlicht haben. Kein Volk Europas würde sich diese Beschimpfungen durch die Griechen gefallen lassen.
    "Wer schweigt, stimmt zu!".

    PS: Es geistern auch immer wieder Gerüchte durch die Gegend, dass sich Bundestagsabgeordnete offen gegen das "Deutschtum" aussprechen, es für schädlich halten und ausrotten wollen.
    Naja - wenn die Deutschen selbst dieser Meinung sind, wer will es den Völkern der Welt verübeln ...

    • Konrad Loräntz
      25. März 2015 12:19

      ... wahrscheinlich Bundestagsabgeordnete, die man nicht oft in der Kirche sieht.

    • Obrist
      26. März 2015 13:29

      Naja, tun wir das in Österreich nicht schon viel länger umd mit erschreckender Perfektion?

  7. schreyvogel
    25. März 2015 10:39

    Die unfromme Legende von der Deutschen Alleinschuld ist vom Kriegsgegner geschaffen worden. Sie wurde aber auch im Land von maßlosen Linken begierig aufgegriffen und weiter ausgebaut, vor allem dann nach dem 2. WK.

    Ähnliches gab es in Österreich mit der "Österreichischen Mitschuld", die es bis Weizierl/Ringel nicht gab, die aber seither immer weiter ausgebaut wurde ("Geschichtslüge", "Staatsvertragslüge"). Vom Feind im eigenen Land. Heute hört es jedes Kind in der Schule: Österreich war gar nicht das erste Opfer der Nationalsozialisten, sondern eifervoller Mittäter.

    Daher müssen Immobilien und Kunstwerke ein zweites mal restituiert werden, und muss Deutschland Griechenland nocheinmal Schadenersatz zahlen, Und wenn Österreich nicht aufpasst, muss es mitzahlen.

    Solche Lügen haben leider lange Beine.

    • kritikos
      26. März 2015 00:53

      Für Ihren Beitrag vielen Dank! Speziell der Verweis auf Ringel und Weinzierl. Letztere hat sich ja vor allem dadurch hinaufgearbeitet. Und bei Ringel ist's ähnlich. Aber: de mortuis nil .. Nur: Warum wird diese "Schuld" Österreichs geglaubt? Wer steht da wieder dahinter? Nur die Roten oder doch bestimmte Kräfte?

    • Torres (kein Partner)
      27. März 2015 10:01

      Ich frage mich ja immer wieder, wieso "Österreich" (als Staat) so gern und häufig - vor allem von den heimischen "Antifaschisten" - als Mittäter (oder so ähnlich) am 2. WK vernadert wird. Ich erinnere an die Konferenz von Jalta, wo Stalin, Roosevelt und Churchill - die es ja am besten wissen müssten - Österreich als erstes Opfer Hitlerdeutschlands bezeichnet haben. Zur Erinnerung: den Staat Österreich gab es zwischen 1938 und 1945 gar nicht. Natürlich haben viele "Österreicher" in der Nazizeit Verbrechen begangen; ist aber der Staat (den es, nochmals, damals gar nicht gab) für die Taten seiner Bürger verantwortlich? Wenn also etwa heutzutage ein Österreicher in den USA einen Mord begeht - ist dann Österreich dafür haftbar?





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