Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (10 Euro pro Monat) ist jederzeit stornierbar. Nicht-Abonnenten können Artikel hingegen erst nach 48 Stunden lesen. 

weiterlesen

Wie sie mit unserem Geld umspringen

Wie in Wien mit dem Geld der Bürger umgesprungen wird, zeigen konkrete Fälle noch viel anschaulicher als die in überflüssige Kanäle gehenden Milliarden-Summen, als die Verdreifachung der Verschuldung Wiens in dieser Legislaturperiode. In Wien bewahrheitet sich auch das Sprichwort: Der Fisch fängt vom Kopf zu stinken an.

Denn es ist ausgerechnet die für Wiens Finanzen zuständige Stadträtin Renate Brauner, in deren Ressort allein für acht Brauner-Vorträge in Volkshochschulen unvorstellbare 230.000 Euro kalkuliert werden. Ganz abgesehen davon, dass das reine Propagandavorträge sind, also eigentlich aus Parteikassen zu zahlen wären: Dieser Betrag ist so hoch, dass Brauner alleine deswegen rücktrittsreif wäre.

Natürlich ist die von ihr zu verantwortende Verdreifachung der Schulden für Wien viel schlimmer. Und natürlich sind das auch die über allen anderen Ländern und dem Bund liegenden Privilegien der Rathausbeamten. Aber dennoch sind die Vorstellungen für Brauner-Vorträge in Volkshochschulen viel anschaulicher.

Der extrem leichthändige Umgang Wiens mit fremdem Geld hat in dieser Stadt schon lange Tradition. Das erfuhr man erneut, wenn auch eher zufällig beim Hinauswurf des SPÖ-Landesparteisekretärs Christian Deutsch. Es ist zwar angesichts der katastrophalen Umfragen für die Wiener SPÖ und des schlechten Images des Bundeskanzlers irgendwie verständlich, dass nun ein Faymann-Freund durch einen Häupl-Freund ersetzt wird. Und es ist jedenfalls Sache der SPÖ.

Aber zornig wird der Wiener, wenn er nun erfährt, wie sehr das Rathaus auch im Fall Deutsch die damals noch komplett der Gemeinde gehörende Zentralsparkassa für Parteizwecke benutzt hat. Er erfährt, dass sowohl Deutsch wie Faymann in der Zentralsparkasse als junge SPÖ-Funktionäre als „Konsulenten“ jahrelang ihr Gehalt bezogen haben.

In der echten Wirtschaft werden in aller Regel nur jene einstigen Führungspersonen Konsulenten, deren Wissen man sich noch einige Jahre bedienen will, ohne dass sie operativ verantwortlich sind. Für Jugendliche gibt es aber schon mangels Erfahrung in der echten Wirtschaft einen solchen begehrten „Konsulenten“-Posten nirgendwo. Den gibt es nur dort, wo es die Partei durchsetzen kann.

Höchstwahrscheinlich waren ja auch noch andere SPÖ-Protektionskinder einst als Junge in der Zentralsparkasse tätig. Das erfährt man aber immer nur dann, wenn Lebensläufe veröffentlicht werden. Das ist bei weitem nicht immer der Fall. Denn nicht jeder auf Wunsch der Partei „angestellte“ Jugendliche wird dann später Landesparteisekretär oder Bundeskanzler (auch die Zentralsparkasse wies übrigens nie das Maturazeugnis von Faymann vor).

Kein Wunder, dass die einst reiche Zentralsparkasse zuerst nach Deutschland und dann nach Italien weitergegeben werden musste. Dass ihr nicht einmal die Zuschanzung der Creditanstalt mit deren vielen stillen Reserven länger als ein paar Jahre am Überleben geholfen hat. Dass vom Wert der einst den Wienern gehörenden Zentralsparkasse fast nichts mehr übrig geblieben oder den Steuerzahlern als – theoretische – Eigentümer zugekommen ist. Dass in Wien nun schon das dritte einst stolze Bank-Hauptquartier aus dem Fundus dieses Bankkonglomerats verkauft werden muss.

Es gibt kaum ein besseres Beispiel als die einstige Zentralsparkassa dafür, dass jedes Unternehmen in öffentlicher Hand, das also von Politikern und Beamten verwaltet wird, schlecht geführt wird. Das passierte wie das Beispiel zeigt selbst bei einer Bank in der Hochblüte der Finanzwirtschaft. Immer haben mehr die Interessen der Partei und ihrer Beamten das Sagen. Und nicht die des Unternehmens.

Für jene, die es nicht wissen: Der Neue SPÖ-Landesparteisekretär war früher bei Wien-Strom angestellt . . .

PS: Für die seit Jahrzehnten versprochene und dringend nötige U5 hat das Rathaus genau für eine Station das Geld. Im Rathaus ist heute der Geldmangel schon so groß, dass selbst ein Jahr vor den Wiener Wahlen die Fernwärme um neun Prozent teurer gemacht werden muss. Während ja Politiker sonst Tariferhöhungen vor Wahlen total vermeiden.

Ich schreibe regelmäßig Kommentare für die unabhängige und rund um die Uhr aktuelle Informationsseite „Vienna.at“.

 

Kommentieren (leider nur für Abonnenten)
Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print



© 2022 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung