Buchbesprechung: Zivilkapitalismus – Wir können auch anders

Lesezeit: 3:00

Der Kapitalismus hat mehr zum Fortschritt der Menschheit beigetragen als jedes andere Phänomen. Nur den von ihm entfesselten Produktivkräften ist es zu verdanken, dass eine größere Zahl von Menschen als jemals zuvor sich satt essen, in komfortablen Behausungen leben, sich guter Gesundheit und hohen materiellen Wohlstands erfreuen kann. Die Geschichte des Kapitalismus ist eine einzige Erfolgsgeschichte.

Nur dort, wo es ihn nie gab und noch immer nicht gibt, herrschen anhaltender Mangel und drückendes Elend. Nach der Implosion des Sozialismus ist er „übrig geblieben“. Doch er steckt unverkennbar in der Krise. Die Scharen von Kritikern – allesamt ausschließlich durch seine Errungenschaften in die Lage versetzt, ein Leben ohne materielle Sorgen und Existenzängste zu führen – werden täglich größer.

Viele von ihnen (wirtschaftsferne Künstler, Lehrer, unproduktive Staatsbürokraten, etc.) haben keinen blassen Schimmer von Ökonomie. Während aber Analphabeten sich für ihr peinliches Defizit üblicherweise genieren, sind diese „Inumeranten“, die sich in nicht wenigen Fällen als intellektuelle Elite verstehen, sogar noch stolz auf ihre Ahnungslosigkeit in Wirtschaftsfragen.

Wie schon zu Zeiten des Aristoteles, gilt es in diesen Kreisen immer noch als ordinär, produktiv zu arbeiten. Damit nicht genug, verachtet man die, die es doch tun und jene, die sich mit Fragen der ertragreichsten Organisationsform eines Wirtschaftssystems beschäftigen. Die Verachtung für die Ökonomie ist politisch gleich verteilt. „Inumeranten“ und glühende Antikapitalisten finden sich von ganz links bis rechts außen. Warum ist das so?

Wolf Lotter ist gebürtiger Österreicher und Gründungs- und Redaktionsmitglied des deutschen Wirtschaftsmagazins „brand eins“. Er präsentiert Erklärungen (zu denen vor ihm auch schon die Protagonisten der „Österreichischen Schule“ gefunden haben). Er stößt sich nicht an der pejorativen Etikette „Kapitalismus“, stellt aber unmissverständlich klar, was der heute herrschende „Industrie- und Finanzkapitalismus“ ist, was er in der Vergangenheit geleistet hat und an welchen Fehlentwicklungen er – im Gegensatz zur Politik – keine Schuld trägt. Und Lotter hat klare Vorstellungen davon, woran das herrschende System krankt und wodurch es zweckmäßigerweise abzulösen ist.

Dabei schwebt ihm aber keineswegs die 276. Version eines utopischen „dritten Weges“ vor, wie so vielen selbsternannten zeitgeistigen „Experten“, die nur am Verkauf alten Weins in neuen Schläuchen interessiert sind, sondern schlicht die Besinnung auf den Grundwert der Aufklärung: Den eigenen Verstand gebrauchen! Jeder einzelne hat Verantwortung zu übernehmen und sich nicht mit demokratisch legitimierter Fremdbestimmung abfinden und der von den Sozialisten in allen Parteien geforderten „Teilhabe“ abspeisen zu lassen.

In der rezenten Spielart des Kapitalismus, nach dem Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, sieht Lotter ein Auslaufmodell. Nicht von unkreativen Politikern und Managern (= Bürokraten) geführte, geplante und überwachte, geisttötende Lebensmodelle und Arbeitsabläufe sind es, die jetzt und künftig gefragt sind, sondern die engagierte Tätigkeit hoch motivierter, weitgehend selbständig handelnder Bürger und „Intrapreneure“. Die dieser neu entstehenden Zivilgesellschaft entsprechende Organisationsform nennt der Autor Zivilkapitalismus.

Zivilkapitalismus – Wir können auch anders
Wolf Lotter
Pantheon Verlag 2013
ISBN: 978-3-570-55231-5
221 Seiten, broschiert

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorAndreas Tögel
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    24. April 2014 07:17

    Verehrter Herby,
    in meinem Beitrag geht es um eine Buchbesprechung. Ich habe
    mich redlich bemüht, die Überlegungen des Autors darzustellen - nicht meine eigenen. In der Analyse stimme ich Herrn Lotter übrigens weitgehend zu. In den Schlußfolgerungen kann ich ihm nicht unbedingt folgen. Schon gar nicht teile ich seine völlig unkritische Parteinahme für die "westliche Demokratie".

    Zur Begriffsbestimmung: Kapitalismus ist ein auf Privateigentum (an den Produktionsmitteln) und Vertragsfreiheit basierendes Gesellschaftssystem in dem der Staat sich ausschließlich um die Sicherheit im Inneren und nach außen kümmert. Punktum. So etwas wäre mit 5 - 8% Steuerquote locker zu haben.

    D.h., alles was Sie am "Kapitalismus" kritisieren, ist an die Adresse des anmaßenden, jede Grenze überschreitenden, modernen Wohlfahrtstaates zu richten. Ohne staatliches Schwundgeldsystem; ohne Zentralbanken als "lender of last ressort"; ohne bis ins Mark korrupte Politiker und Beamte - kein Schulden- und Finanzdebakel.

    Daß die Zahl der Menschen mit Beginn des 19. JH. explodiert ist, hat ausschließlich mit der bereits genannten "Entfesselung von Produktivkräften" zu tun (die bessere Ernährung, Behausung und medizinische Versorgung ermöglicht hat), für die der Kapitalismus verantwortlich war. Ich schreibe "war", weil es ihn ja - bei zwischen 30 und 50% Staatsquote - heute nirgendwo auf der Welt gibt. (Nur so zum Nachdenken: 1914 betrug der maximale Einkommensteuertarif in der Donaumonarchie bei 6%!!).

    Ganz abgesehen davon ist zu fragen: Wie schauen denn die möglichen Alternativen aus? Zurück zur Statusgesellschaft (nur daß heute halt nicht der Adel, sondern ordinäre Proleten das Sagen hätten)? Sozialistische Ameisengesellschaft à la Marx (der übrigens ein glühender Bewunderer der Produktivität des Kapitalismus war)? In jedem Fall wäre damit - für die überwiegende Zahl der Menschen - ein gewaltiger (nicht nur materieller) Verlust verbunden. Das hat nichts mit "Euphorie" für oder die "Vergottung" des Kapitalismus zu tun, sondern ist einfach eine Tatsachenfeststellung...
    Mit freundlichen Grüßen,
    A. Tögel

  2. Ausgezeichneter Kommentatormischu
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    24. April 2014 21:33

    Über allen Schulenstreit hinweg, hat sich in der Praxis eines immer wieder bestätigt:

    "Sozialismus ist nur bei florierendem Kapitalismus finanzierbar."

  3. Ausgezeichneter KommentatorHerby
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    23. April 2014 23:49

    "Der Kapitalismus hat mehr zum Fortschritt der Menschheit beigetragen als jedes andere Phänomen."

    Eine sehr gewagte Behauptung! Die meiner Meinung nach nicht aufrecht zu erhalten ist.

    Wenn dieser von Ihnen über den Klee gelobte "Kapitalismus" so toll ist, dann würde ich mir wünschen dass Sie eine Definition liefern was Sie unter dem Begriff "Kapitalismus" denn verstehen.

    Mir kommt vor dass Herr Tögel und etliche andere Kapitalismus-Begeisterte gleich auch sämtliche Erfindungen und Entdeckungen sowie naturwissenschaftliche Erkenntnisse als "positive Auswirkungen des Kapitalismus" in Anspruch nehmen. Oder täusche ich mich da? Ich hoffe es.

    Zum Beispiel:

    Ist die Erfindung des Rads eine Auswirkung des Kapitalismus? = Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass das Rad erfunden wurde?

    Ist die Erfindung der Kanalisation eine Auswirkung des Kapitalismus? = Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass die Kanalisation erfunden wurde?

    Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass der Satz des Pythagoras entdeckt und bewiesen wurde?

    Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass die Elektrizität entdeckt wurde?

    Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass Menschen am Mond landen konnten?

    Oder ist vielleicht der gesamte Wohlstand und das gute Leben in Westeuropa, Gesundheit, lange Lebenserwartung & alle Annehmlichkeiten einzig und allein dem Kapitalismus zu verdanken?

    Dann müsste man ehrlicherweise den Kapitalismus zum Gott erklären.

    Ich weiß nicht wie Kapitalismus-Euphoriker wie Herr Tögel und Freunde denken, jedenfalls bitte ich um entsprechende Bescheidenheit und bitte nicht zu dick Ihre Kapitalismus-Euphorie auftragen, denn das wirkt für manche eher abstoßend.

    Man sollte ruhig auch über die negativen & wahren Seiten des Kapitalismus schreiben:

    - Im Jahr 2013 machte es auch in Europa Schlagzeilen: Tote durch Brände und Einstürze in Texilfabriken in Bangladesh:

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/brand-textilfabrik-bangladesch-tote

    - Die weltweite Finanzkrise ab 2007 ist zweifellos eine Auswirkung des Kapitalismus und des weltweiten Finanzsystems. Noch immer ist diese Krise nicht überwunden:

    Während sich etliche geschickte Finanzjongleure (die aber weitgehend unbekannt sind) in Offshore-Finanz- & Steueroasen eine goldenen Nase verdienten, wurden unzählige Familien und ganze Volkswirtschaften in Existenzkrisen gestürzt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

    Das können Sie niemanden weismachen, dass sich solche Krisen (durch den Kapitalismus versacht) nicht wiederholen werden, es ist nur eine Frage der Zeit.

    Bitte nicht sagen, dass der Kapitalismus so toll ist jedoch nur die Politiker und die Menschen & Bürger sind halt zu blöd, zu schwach oder zu faul dafür.

    Das ist letztlich das Eingeständnis, dass der Kapitalismus im Grunde lebensfern und menschenfern ist. Man müsste eigentlich einen kapitalismus-kompatiblen Menschen (bzw. einen kapitalismus-idealen Menschen) erst am Reißbrett erfinden: Eine Bankrotterklärung für die Ideologie des Kapitalismus!

    So ganz klappt es halt nicht den "Kapitalismus" auf einen Sockel zu stellen und ihn wie einen Gott zu verabsolutieren. Die Wahrheit ist, dass der Kapitalismus viele Fehler und Schwächen hat und deshalb heftig aber konstruktiv kritisiert werden sollte.

  4. Ausgezeichneter KommentatorBlack Ice
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    24. April 2014 09:01

    "Nach der Implosion des Sozialismus ist er [der Kapitalismus] „übrig geblieben“.

    Genau, und das ist möglicherweise das Problem. Dass man in der Euphorie nach 1990 ein globalisiertes System geschaffen hat, mit dem man heute nicht mehr zurecht kommt. Wenn der Finanzderivathandel ein Vielfaches (angeblich das Zehnfache!) der gesamten Weltwirtschaftsleistung ausmacht, entstehen Risken, mit denen die Staaten zwangsläufig überfordert sind. Es ist doch kein Zufall, dass überall seit 25 Jahren die Reallöhne stagnieren trotz Wirtschaftswachstum und in manchen Ländern auch Leistungsbilanzüberschüssen (Österreich!). In den USA, dem gelobten Land des Kapitalismus gehen die Reallöhne bereits zurück - trotz BIP-Wachstums. Wir erleben eine zunehmende "Verschwellenstaatung", wenn auch auf noch hohen Niveau.

    Wollen wir das wirklich?

  5. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    24. April 2014 13:15

    Wenn ich mir die Kommentare anlese, dann glaube ich, dass hier so manches durcheinandergeworfen wird und die Diskutanten vollkommen aneinander vorbei reden.
    Wie haeufig nehme ich weitestgehend die Position Herrn Toegles ein.
    Was hier an Kritik aufkommt ist Kraut und Rueben, Kritik am Kapitalismus, aber auch Wohlfahrtsstaat und kriminellen Ausnutzen eines Systems kunterbunt durcheinandergeworfen.
    Und wenn man es ganz simpel haben will, braucht man sich nur den Entwicklungsstand der Laender ansehen, die noch am ehesten dem von Herrn Toegel erklaerten Kapitalismus gefolgt sind (auch wenn derzeit die meisten von ihnen alles daransetzen, diesen Wohlstand zu zerstoeren). Im Vergleich mit anderen Systemen. Was fuer ein Quatsch das sozialistische System ist, braucht nicht erwaehnt zu werden und einen islamischen Gottesstaat wird sich kaum jemand, der bei Sinnen ist, wuenschen. Ich brauche allerdings auch keinen katholischen Gottesstaat.

    Herr Scheiber hat, wie haeufig, wieder eine gute Stellungnahme gebracht. Ich glaube zwar nicht, dass der WK I ohne Finanzadel nur ein paar Wochen gedauert haette, aber wohl wesentlich kuerzer als 4 Jahre. Und der Ausgang waere ein anderer gewesen. Wir haetten jetzt mehr "preussischen Sozialismus".

    Ich bin seit langem der Ansicht, dass Sozialismus als Kontrollfaktor dem Kapitalismus beiseite gestellt werden soll. Bzw. als "menschlich-sozialer Ausgleich". Aber nur in kleinen Dosen, als Prise Salz, sozusagen, um echte grobe Haertefaelle/Ungerechtigkeiten zu vermeisen.

  6. Ausgezeichneter KommentatorJ.Scheiber
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    24. April 2014 09:59

    Und den dritten Weg gibt es doch, oder sagen wir besser, es hat ihn gegeben, bevor er vom angelsächsischen Kolonial- und Finanzkapitalismus durch die darwinistische Methode "Schlag den Konkurrenten tot" in rein barbarischer und skrupelloser Weise vom Weltmarkt gedroschen wurde, womit gleichzeitig das desaströse amerikanische Jahrhundert eingeleitet wurde, dessen militant-imperialistischen und menschenverachtenden Imperialismus wir momentan im Extrem- und hoffentlich auch im Endstadium erleben.

    Grundlage des ganzen Finanzimperialismus war und ist die Gründung der FED - ohne sie hätte WK I ein paar Wochen gedauert - und in weiterer Folge die Übernahme sämtlicher Nationalbanken durch die Geldmacht.

    Die Alternative der dritte weg war und IST das, was die "Österreicher" mit ihrem extrem verknappten Horizont den "Preußischen Sozialismus" genannt haben und heute noch nennen.
    Dieser wird geleugnet, weil er bis zum heutigen Tag die Alternative darstellt- im Gegensatz zum Sozialismus, der nur die totalitäre Ergänzung zum Kapitalismus ist und mit diesem vereint heute in der Form der angelsächsischen Weltmacht die ganze Welt bedroht. Man bedenke, dass der Westen heute nicht nur mit seinen Konzernen den Rest der Welt plattfahren will, sondern, dass er die Welt auch mit den einst bolschewistischen familien-,gesellschafts- und nationszerstörenden Giften wie Feminismus, Gender Mainstreaming, Multikulti, Homopropaganda bedroht.
    Die Neue Weltordnung ist das wahre Gesicht von Kapitalismus und Sozialismus gleichzeitig. Bemerkenswert an dem neu ausbrechenden Konflikt zwischen den USA und Russland ist, dass hier der neue Weltgegensatz Universalismus gegen Partikularismus zu Tage tritt, der endgültig den alten Gegensatz von Links und Rechts zu einem ausgestunkenen Mist verkommen lässt.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorBlack Ice
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    24. April 2014 09:01

    "Nach der Implosion des Sozialismus ist er [der Kapitalismus] „übrig geblieben“.

    Genau, und das ist möglicherweise das Problem. Dass man in der Euphorie nach 1990 ein globalisiertes System geschaffen hat, mit dem man heute nicht mehr zurecht kommt. Wenn der Finanzderivathandel ein Vielfaches (angeblich das Zehnfache!) der gesamten Weltwirtschaftsleistung ausmacht, entstehen Risken, mit denen die Staaten zwangsläufig überfordert sind. Es ist doch kein Zufall, dass überall seit 25 Jahren die Reallöhne stagnieren trotz Wirtschaftswachstum und in manchen Ländern auch Leistungsbilanzüberschüssen (Österreich!). In den USA, dem gelobten Land des Kapitalismus gehen die Reallöhne bereits zurück - trotz BIP-Wachstums. Wir erleben eine zunehmende "Verschwellenstaatung", wenn auch auf noch hohen Niveau.

    Wollen wir das wirklich?


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  1. Judith (kein Partner)
  2. Jennifer (kein Partner)
  3. Nga (kein Partner)
    21. Januar 2015 16:41

    Fianlly! This is just what I was looking for.

  4. Ira (kein Partner)
    20. Januar 2015 16:58

    Heck yeah this is excalty what I needed.

  5. Herby
    05. Mai 2014 21:23

    "Sozialismus für Reiche" was soll denn das sein?

    Ist doch ganz einfach: Unser Geldsystem das auf der ganzen Welt etabliert ist. Ein Artikel in der seriösen "Welt".

    Näheres dazu:

    "Unser Geldsystem ist Sozialismus für Reiche

    Das staatliche Papiergeldsystem sorgt für eine systematische Umverteilung von Arm nach Reich. Vermögende werden bevorzugt. Und das Finanzsystem hat mit Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun."

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article127643658/Unser-Geldsystem-ist-Sozialismus-fuer-Reiche.html

  6. mischu
    24. April 2014 21:33

    Über allen Schulenstreit hinweg, hat sich in der Praxis eines immer wieder bestätigt:

    "Sozialismus ist nur bei florierendem Kapitalismus finanzierbar."

  7. simplicissimus
    24. April 2014 13:15

    Wenn ich mir die Kommentare anlese, dann glaube ich, dass hier so manches durcheinandergeworfen wird und die Diskutanten vollkommen aneinander vorbei reden.
    Wie haeufig nehme ich weitestgehend die Position Herrn Toegles ein.
    Was hier an Kritik aufkommt ist Kraut und Rueben, Kritik am Kapitalismus, aber auch Wohlfahrtsstaat und kriminellen Ausnutzen eines Systems kunterbunt durcheinandergeworfen.
    Und wenn man es ganz simpel haben will, braucht man sich nur den Entwicklungsstand der Laender ansehen, die noch am ehesten dem von Herrn Toegel erklaerten Kapitalismus gefolgt sind (auch wenn derzeit die meisten von ihnen alles daransetzen, diesen Wohlstand zu zerstoeren). Im Vergleich mit anderen Systemen. Was fuer ein Quatsch das sozialistische System ist, braucht nicht erwaehnt zu werden und einen islamischen Gottesstaat wird sich kaum jemand, der bei Sinnen ist, wuenschen. Ich brauche allerdings auch keinen katholischen Gottesstaat.

    Herr Scheiber hat, wie haeufig, wieder eine gute Stellungnahme gebracht. Ich glaube zwar nicht, dass der WK I ohne Finanzadel nur ein paar Wochen gedauert haette, aber wohl wesentlich kuerzer als 4 Jahre. Und der Ausgang waere ein anderer gewesen. Wir haetten jetzt mehr "preussischen Sozialismus".

    Ich bin seit langem der Ansicht, dass Sozialismus als Kontrollfaktor dem Kapitalismus beiseite gestellt werden soll. Bzw. als "menschlich-sozialer Ausgleich". Aber nur in kleinen Dosen, als Prise Salz, sozusagen, um echte grobe Haertefaelle/Ungerechtigkeiten zu vermeisen.

    • mischu
      24. April 2014 21:28

      @simplicissimus

      "Ich bin seit langem der Ansicht, dass Sozialismus als Kontrollfaktor dem Kapitalismus beiseite gestellt werden soll."

      Dafür brauche ich jedoch keinen Sozialismus, sondern ganz einfach menschlich verträgliche Rahmenbedingungen, ganz ohne Ideologie!

    • simplicissimus
      25. April 2014 05:47

      So kann man es auch sehen, mischu.

  8. J.Scheiber (kein Partner)
    24. April 2014 09:59

    Und den dritten Weg gibt es doch, oder sagen wir besser, es hat ihn gegeben, bevor er vom angelsächsischen Kolonial- und Finanzkapitalismus durch die darwinistische Methode "Schlag den Konkurrenten tot" in rein barbarischer und skrupelloser Weise vom Weltmarkt gedroschen wurde, womit gleichzeitig das desaströse amerikanische Jahrhundert eingeleitet wurde, dessen militant-imperialistischen und menschenverachtenden Imperialismus wir momentan im Extrem- und hoffentlich auch im Endstadium erleben.

    Grundlage des ganzen Finanzimperialismus war und ist die Gründung der FED - ohne sie hätte WK I ein paar Wochen gedauert - und in weiterer Folge die Übernahme sämtlicher Nationalbanken durch die Geldmacht.

    Die Alternative der dritte weg war und IST das, was die "Österreicher" mit ihrem extrem verknappten Horizont den "Preußischen Sozialismus" genannt haben und heute noch nennen.
    Dieser wird geleugnet, weil er bis zum heutigen Tag die Alternative darstellt- im Gegensatz zum Sozialismus, der nur die totalitäre Ergänzung zum Kapitalismus ist und mit diesem vereint heute in der Form der angelsächsischen Weltmacht die ganze Welt bedroht. Man bedenke, dass der Westen heute nicht nur mit seinen Konzernen den Rest der Welt plattfahren will, sondern, dass er die Welt auch mit den einst bolschewistischen familien-,gesellschafts- und nationszerstörenden Giften wie Feminismus, Gender Mainstreaming, Multikulti, Homopropaganda bedroht.
    Die Neue Weltordnung ist das wahre Gesicht von Kapitalismus und Sozialismus gleichzeitig. Bemerkenswert an dem neu ausbrechenden Konflikt zwischen den USA und Russland ist, dass hier der neue Weltgegensatz Universalismus gegen Partikularismus zu Tage tritt, der endgültig den alten Gegensatz von Links und Rechts zu einem ausgestunkenen Mist verkommen lässt.

    • J.Scheiber (kein Partner)
      24. April 2014 10:01

      Der neu aufbrechende Partikularismus, der, wenn nicht ein 3.Weltkrieg eintritt, Bretzinskys amerikanisches Schachbrett zerbrechen und die Welt in mehrere Einflusssphären aufspalten wird, wird auch gleichzeitig das Modell des „Preußischen Sozialismus“ - also Nationalökonomie mit differenzierter Öffnung zum Weltmarkt statt hemmungslosen Globalismus, Kulturnation auf Basis und in Fortführung der klassischen Tradition, statt Multikukti und Fast-Food-Dekadenz und Völkerfreundschaft mit regionalen Bündnissen statt kolonialistischer Zwist verbreitung und Völkervergiftung – neu auf die Agenda der Weltpolitik treten.

      Der“ Preußische Sozialismus“ hat seine Wurzeln im Aufgeklärten Absolutismus, dem Versuch die berechtigten Momente der Modernen Welt, die selbst ihren Ursprung in der im Christentum wurzelnden klassischen Kultur hat, unter der vorläufigen Voraussetzung des Absolutismus zu inkulturieren, weiter in der Vollendung der philosophia perennis im Deutschen Idealismus, und in der einzigen Weltkultursupermacht, der deutsch-europäischen Musik und Literatur. Volkswirtschaftlich ist der „Preußische Sozialismus“ in der Historischen Schule begründet, die, wie bei Max Weber nachzulesen, sich keineswegs sträubte, die gültigen Teile der abstrakten Ökonomie von Smith bis zu den Österreichern zu subsummieren. Schon bei Hegel war zu lesen, dass die ökonomischen Schriften von Smith solche sind, die dem Gedanken Ehre machen.

      Was für die Liberalen verächtlich das sozialistische am deutschen Wirtschaftsmodell ist, ist die Anerkennung des biblischen Wortes, dass es “unter euch immer Arme geben wird“. Es werden einfach nie alle schaffen kleine Kapitalisten oder Zivilkapitalisten zu werden. Der“ Preussische Sozialismus“, später auch Rheinischer Kapitalismus genannt, hat das begriffen. Das Begreifen der gesamten menschlichen Realität, damit auch der sozialen Frage, das ist der Ursprung der besten und härtesten Marke die die Welt je gesehen hat , der Marke „Made in Germany“, die man nun nach der DM auch verschwinden lassen will.

      Die Historische Schule wurde nach dem WK II unter dem Begriff des Neoliberalismus, oder, wie gesagt, Rheinischer Kapitalismus, wiederbelebt und löste das Deutsche Wirtschaftswunder aus. Später wurde der Neoliberalismus durch einen Putsch im der Mont Pelerin Gesellschaft durch die Österreicher feindlich übernommen und zu dem entstellt, was den Neoliberalismus - heute in Kombination mit dem amerikanischen Neokonservativismus - heute zum Feind der Menschen und Völker der Welt gemacht hat.

      Der Kapitalismus ist wie der Sozialismus grundfalsch, weil er naturalistisch die materielle Basis als Ursache für den Wohlstand setzt. Die Ursache für den Wohlstand ist aber der Geist und die Wurzel des Geistes ist die Religion. Der europäische Geist ist der Geist der Freiheit auf der Basis der Religion der Freiheit, des Christentums. Dass aber das Christentum die Religion der Freiheit und die Wurzel der europäischen Kultur und gleichzeitig die transzendentale Bedingung der Möglichkeit ihrer Erneuerung ist, das ist durch krasse Fehlentwicklungen in Staat , Wirtschaft und Kirche völlig verdeckt worden und es gilt, genau dies neu freizulegen und zu entdecken.

      Der Kapitalismus ist wie die amerikanische inhaltslose Weizenpampfe, die unter der Bedingung der Umweltzerstörung produziert wird und die sozialistisch die Armen der Welt so“ ernährt“, dass sie an Mangelernährung und deren Folgeseuchen zu Grunde gehen. Diese Finalität des Kapitalismus ist aber nicht nur für Afrika Realität, sondern via Freihandelsabkommen und in dessen Folge mit Chlorhühnern und Genfraß auch für Europa und die ganze Welt auf der Speisekarte.
      Hoffentlich besitzen wir noch so viel Freiheit, dazu wirksam „Nein, Danke“ sagen zu können.

      Sehr geehrter Herr Tögel, sie sind wirklich ein treuer Anhänger ihres Glaubens und sie erinnern damit an die Anhänger des Sowjetsystems kurz vor dessen Exitus.

    • Scipio
      24. April 2014 12:53

      @ Johann Scheiber

      Den "preußischen Sozialismus" haben die Zionisten übernommen, und mit seiner Hilfe beherrscht Israel heute die Welt!

      Oscar Levy (Nietzsche verstehen, 2005) : Der "Nationalsozialismus" ist eine Erfindung der Juden. Den "Nationalismus" kennt das jüdische Volk seit seiner "Auserwählung", den "Sozialismus" seit Karl Marx. Massendemokratie, Liberalismus, Kapitalismus, Kommunismus, Nationalsozialismus und die von der Französischen Revolution auf ihre Fahnen geschriebenen "Werte" wie Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind "Ausgeburten jüdischer Ideologie", "Versatzstücke" aus dem Alten Testament und Beweis dafür, dass "die Juden sich über die Jahrhunderte ihinweg stets in allem durchgesetzt haben. Insbesondere das 19. Jahrhundert hat ihren Sieg bekräftigt. "All das Übel von heute geht auf eine Quelle, eine `fons et origio malorum´, zurück: die Juden". So jedenfalls Levy.

      Yuri Slezkine (The Jewish Century, 2005): Heute leben wir in einem Jewish Age". "By modernization we all became Jewish".

      Der ehem. Ministerpräsident Dr. Mahatir drückt das so aus: "Die Europäer haben 6 Millionen Juden ermordet, doch heute beherrschen die Juden die Welt "by proxy".

      In der Harvard-Studie von John Mearsheimer & Stephan Walt (The Israel Lobby an US Foreign Policy) heißt es gleich im ersten Satz: "Die israelische Lobby bestimmt die Außenpolitik der USA bis in den letzten Winkel der Erde".

      Ariel Sharon: "Wir, das jüdische Volk, beherrschen Amerika. Und die Amerikaner wissen das".

      Tzipora Menache (Sprecher der israelischen Regierung, in einer Pressekonferenz 2009): "'You know very well, and the stupid Americans know equally well, that we control their government, irrespective of who sits in the White House. You see, I know it and you know it that no American president can be in a position to challenge us even if we do the unthinkable (z.B. den Iran mit einer Atombombe angreifen). What can they (Americans) do to us? We control congress, we control the media, we control show biz, and we control everything in America. In America you can criticize God, but you can't criticize Israel."

      Israel Shamir (Blumen für Galiläa, 2005). Die USA sind ein "Zionist Occupied Country".

      Nochmals Oscar Levy: Die Juden stellen "die treibende Kraft dar für den Kommunismus wie für den Kapitalismus, d. h. für die spirituellen und materiellen Ruin dieser Welt" (S. 86).

      Der Grund für diesen Ruin: "Christianity is dying in Europe" (Kardinal Schönborn in Washington 2010): Die Europäische Union "ignoriert die christlichen Wurzeln Europas, ja sie betrachtet das Christrentum als "Feind" und Hindernis für die Anerkennung der europäischen Werte, denn Menschrechte und Menschenwürde hätten erst durch die Loslösung von der Religion im Zuge der "Aufklärung" an Bedeutung gewonnen.

      Vizepräsident der USA, Joe Biden, Mi 2013: "We (the USA) are a great country because of the contribution and most importantly because of Jewish heritage and the values you brought“. Alles was sich in Amerika bewegt, unsere Haltung beeinflußt, unsere Kultur, unsere Wissenschaft und Künste ausmacht, Hollywood und die Medien, die Zivilgesellschaft, die Bürgerrechte, Feminismus, Homosexuellenrechte verdanken wir zum größten Teil „Jewish leaders“(lt. Washington Post: "Biden: Jewish Leaders made gay Marriage Succeed").

      Jetzt jedenfalls, Herr Scheiber, wird deutlich wer "die Welt auch mit den einst bolschewistischen familien-,gesellschafts- und nationszerstörenden Giften wie Feminismus, Gender Mainstreaming, Multikulti, Homopropaganda bedroht" und "platt macht" Wir sind neo, grün, rot und judäo-christlich "versifft"" genug, dass wir uns jetzt schon einen Türken, Akif Pirrincci, brauchen, der uns auffordert, uns doch endlich zu wehren!

      Bücher, wie jenes von Anton Tögel besprochene und gestützte, die diesen `fons et origio malorum´ nicht berücksichtigen, sind Makulatur!

    • terbuan
      24. April 2014 15:27

      Danke Johann Scheiber & Scipio! *******

    • simplicissimus
      24. April 2014 15:45

      Werter Herr Scheiber, ich habe mich oben mehr auf Ihren ersten Teil bezogen.
      Weiter unten bin ich viel weniger d'accord.
      Afrika's Probleme zum Beispiel haben ganz sicher nicht mit zuviel Kapitalismus zu tun.
      Wo Sie recht haben ist, dass die Wurzel des Wohlstandes der Geist, ich nenne es die Einstellung ist. Diese Wurzel muss aber genaehrt werden und diese Nahrung heisst Motivation. Motivation kann nun aus materiellen Anreizen, aber auch aus Glauben geschoepft werden.
      Wenn Sie jetzt von "grundfalsch" sprechen (weiter oben im Vergleich Kapitalismus - Sozialismus hinsichtlich Materialismus gefallen), dann muss ich Ihnen jetzt leider das Grundfalsch selber hinschmeissen. Denn das Optimum liegt selten im Extrem, also entweder Materialismus oder Glauben, sondern in einer Kombination. Verhungert und verdurstet sind ja schon physisch viele Menschen, daher MUSS Materialismus ein Bestandteil menschlicher Motivation sein. Und eine Unterhose braucht man auch und man moechte auch nicht im Dreckswetter zu Fuss gehen, so wie ein excellentes Spital ja auch nicht gerade ablehnenswert ist.
      Und ohne eine spitituelle Motivation geht es auch nicht gut. Fuer Sie ist das Ihre Religion, fuer mich halt der Anstand, Befolgung von elementaren Regeln und das Interesse an staendig neuen Erkenntnissen.
      Deswegen hat Kapitalismus im Sinn Toegels seine volle Berechtigung.
      Aber er braucht eine Prise Kontrolle und Ausgleich, kein extremes Erleben.

  9. Black Ice (kein Partner)
    24. April 2014 09:01

    "Nach der Implosion des Sozialismus ist er [der Kapitalismus] „übrig geblieben“.

    Genau, und das ist möglicherweise das Problem. Dass man in der Euphorie nach 1990 ein globalisiertes System geschaffen hat, mit dem man heute nicht mehr zurecht kommt. Wenn der Finanzderivathandel ein Vielfaches (angeblich das Zehnfache!) der gesamten Weltwirtschaftsleistung ausmacht, entstehen Risken, mit denen die Staaten zwangsläufig überfordert sind. Es ist doch kein Zufall, dass überall seit 25 Jahren die Reallöhne stagnieren trotz Wirtschaftswachstum und in manchen Ländern auch Leistungsbilanzüberschüssen (Österreich!). In den USA, dem gelobten Land des Kapitalismus gehen die Reallöhne bereits zurück - trotz BIP-Wachstums. Wir erleben eine zunehmende "Verschwellenstaatung", wenn auch auf noch hohen Niveau.

    Wollen wir das wirklich?

  10. Andreas Tögel
    24. April 2014 07:17

    Verehrter Herby,
    in meinem Beitrag geht es um eine Buchbesprechung. Ich habe
    mich redlich bemüht, die Überlegungen des Autors darzustellen - nicht meine eigenen. In der Analyse stimme ich Herrn Lotter übrigens weitgehend zu. In den Schlußfolgerungen kann ich ihm nicht unbedingt folgen. Schon gar nicht teile ich seine völlig unkritische Parteinahme für die "westliche Demokratie".

    Zur Begriffsbestimmung: Kapitalismus ist ein auf Privateigentum (an den Produktionsmitteln) und Vertragsfreiheit basierendes Gesellschaftssystem in dem der Staat sich ausschließlich um die Sicherheit im Inneren und nach außen kümmert. Punktum. So etwas wäre mit 5 - 8% Steuerquote locker zu haben.

    D.h., alles was Sie am "Kapitalismus" kritisieren, ist an die Adresse des anmaßenden, jede Grenze überschreitenden, modernen Wohlfahrtstaates zu richten. Ohne staatliches Schwundgeldsystem; ohne Zentralbanken als "lender of last ressort"; ohne bis ins Mark korrupte Politiker und Beamte - kein Schulden- und Finanzdebakel.

    Daß die Zahl der Menschen mit Beginn des 19. JH. explodiert ist, hat ausschließlich mit der bereits genannten "Entfesselung von Produktivkräften" zu tun (die bessere Ernährung, Behausung und medizinische Versorgung ermöglicht hat), für die der Kapitalismus verantwortlich war. Ich schreibe "war", weil es ihn ja - bei zwischen 30 und 50% Staatsquote - heute nirgendwo auf der Welt gibt. (Nur so zum Nachdenken: 1914 betrug der maximale Einkommensteuertarif in der Donaumonarchie bei 6%!!).

    Ganz abgesehen davon ist zu fragen: Wie schauen denn die möglichen Alternativen aus? Zurück zur Statusgesellschaft (nur daß heute halt nicht der Adel, sondern ordinäre Proleten das Sagen hätten)? Sozialistische Ameisengesellschaft à la Marx (der übrigens ein glühender Bewunderer der Produktivität des Kapitalismus war)? In jedem Fall wäre damit - für die überwiegende Zahl der Menschen - ein gewaltiger (nicht nur materieller) Verlust verbunden. Das hat nichts mit "Euphorie" für oder die "Vergottung" des Kapitalismus zu tun, sondern ist einfach eine Tatsachenfeststellung...
    Mit freundlichen Grüßen,
    A. Tögel

    • Günther Hoppenberger (kein Partner)
      27. April 2014 12:48

      Zweifellos hat das kapitalistische System eine "Entfesselung" der Produktivkräfte ermöglicht, was zumindest in den industrialisierten Regionen zu relativ breitem Wohlstand führte (damit allerdings auch der ständigen Stärkung der Abwehrkräfte nach außen bedurfte). Das Problem, mit dem wir uns in der jetzigen Phase konfrontiert sehen, legt jedoch offen, dass dieser mit dem Kapitalismus erreichte Wohlstand längerfristig in seiner Verbreitung nicht aufrecht erhalten werden kann. Anders gesagt: Das Produktivitätsproblem wurde im Unterschied zum Sozialismus gelöst, dafür bleibt das Verteilungsproblem ungelöst. Am Beginn eines Zyklus (Jetziger ist mit 1948 festzumachen), lässt sich das durch Wachstumsmöglichkeiten kaschieren und die Verbreitung des Wohlstands wird augenfällig. Mit logischerweise fallenden Wachstumsraten zeigt sich dann erst die gesellschaftsspaltende Wirkung, mit der wir heute zu kämpfen haben.

      In diesem Licht sollten auch die gefährlichen Zündeleien in der Ukraine gesehen werden!

  11. Herby
    23. April 2014 23:49

    "Der Kapitalismus hat mehr zum Fortschritt der Menschheit beigetragen als jedes andere Phänomen."

    Eine sehr gewagte Behauptung! Die meiner Meinung nach nicht aufrecht zu erhalten ist.

    Wenn dieser von Ihnen über den Klee gelobte "Kapitalismus" so toll ist, dann würde ich mir wünschen dass Sie eine Definition liefern was Sie unter dem Begriff "Kapitalismus" denn verstehen.

    Mir kommt vor dass Herr Tögel und etliche andere Kapitalismus-Begeisterte gleich auch sämtliche Erfindungen und Entdeckungen sowie naturwissenschaftliche Erkenntnisse als "positive Auswirkungen des Kapitalismus" in Anspruch nehmen. Oder täusche ich mich da? Ich hoffe es.

    Zum Beispiel:

    Ist die Erfindung des Rads eine Auswirkung des Kapitalismus? = Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass das Rad erfunden wurde?

    Ist die Erfindung der Kanalisation eine Auswirkung des Kapitalismus? = Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass die Kanalisation erfunden wurde?

    Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass der Satz des Pythagoras entdeckt und bewiesen wurde?

    Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass die Elektrizität entdeckt wurde?

    Dem Kapitalismus ist es zu verdanken dass Menschen am Mond landen konnten?

    Oder ist vielleicht der gesamte Wohlstand und das gute Leben in Westeuropa, Gesundheit, lange Lebenserwartung & alle Annehmlichkeiten einzig und allein dem Kapitalismus zu verdanken?

    Dann müsste man ehrlicherweise den Kapitalismus zum Gott erklären.

    Ich weiß nicht wie Kapitalismus-Euphoriker wie Herr Tögel und Freunde denken, jedenfalls bitte ich um entsprechende Bescheidenheit und bitte nicht zu dick Ihre Kapitalismus-Euphorie auftragen, denn das wirkt für manche eher abstoßend.

    Man sollte ruhig auch über die negativen & wahren Seiten des Kapitalismus schreiben:

    - Im Jahr 2013 machte es auch in Europa Schlagzeilen: Tote durch Brände und Einstürze in Texilfabriken in Bangladesh:

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/brand-textilfabrik-bangladesch-tote

    - Die weltweite Finanzkrise ab 2007 ist zweifellos eine Auswirkung des Kapitalismus und des weltweiten Finanzsystems. Noch immer ist diese Krise nicht überwunden:

    Während sich etliche geschickte Finanzjongleure (die aber weitgehend unbekannt sind) in Offshore-Finanz- & Steueroasen eine goldenen Nase verdienten, wurden unzählige Familien und ganze Volkswirtschaften in Existenzkrisen gestürzt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

    Das können Sie niemanden weismachen, dass sich solche Krisen (durch den Kapitalismus versacht) nicht wiederholen werden, es ist nur eine Frage der Zeit.

    Bitte nicht sagen, dass der Kapitalismus so toll ist jedoch nur die Politiker und die Menschen & Bürger sind halt zu blöd, zu schwach oder zu faul dafür.

    Das ist letztlich das Eingeständnis, dass der Kapitalismus im Grunde lebensfern und menschenfern ist. Man müsste eigentlich einen kapitalismus-kompatiblen Menschen (bzw. einen kapitalismus-idealen Menschen) erst am Reißbrett erfinden: Eine Bankrotterklärung für die Ideologie des Kapitalismus!

    So ganz klappt es halt nicht den "Kapitalismus" auf einen Sockel zu stellen und ihn wie einen Gott zu verabsolutieren. Die Wahrheit ist, dass der Kapitalismus viele Fehler und Schwächen hat und deshalb heftig aber konstruktiv kritisiert werden sollte.

  12. Collector
    23. April 2014 10:43

    Grundwerte der "Aufklärung"? Verstand gebrauchen? Das tat man schon in der Antike! Jdeer Einzelne Verantwortung übernehmen? Davon faselt auch Herr Kurz in Vad Yaschem.

    Aber immerhin: "Rezente Spielart des Kapitalismus ist ein Auslaufmodell". Nur was sollen Ausdrücke wie "Zivilgesellschaft" oder "Zivilkapitalismus"?
    Gesellschaft (civitas) besteht immer aus "civis", also Bürgern. Der Ausdruck ist ein Pleonasmus. Und "Zivilkapitalismus" ( Kapitalismus der Bürger?) und "Intrapreneure". also Leute, die innerhalb der Gesellschaft etwas unternehmen? Alles nur billiger Wortschaum.

    • Wafthrudnir
      23. April 2014 13:07

      Das ist vielleicht etwas zu schnell geschossen. Eine Gesellschaft besteht nicht notwendigerweise aus Bürgern, sondern möglicherweise auch aus Untertanen, die sich darin unterscheiden, daß letzte keine Verantwortung übernehmen dürfen/können/wollen. Daß sich unsere Gesellschaft rapid in Richtung Untertanentum entwickelt, kann wohl kaum bestritten werden. Und dem Kapitalismus der Bürger kann man durchaus den Staatskapitalismus (der Begriff ist ebenfalls unglücklich gewählt, aber nicht ganz ungebräuchlich) gegenüberstellen, wobei die Unternehmen zwar formal privatwirtschaftlich organisiert sind, aber der Staat wesentliche Eigentumsrechte ausübt, entweder indem er direkt der Eigentümer ist, oder, wie im Sozialstaat, indem er in die Verfügungsrechte der (formalen Noch-) Eigentümer eingreift. Denn wenn Arbeitsrecht, Mietrecht und hunderterlei Auflagen dem Eigentümer vorschreiben, was er mit seinem Unternehmen tun und lassen darf, dann kann man ja wirklich nicht mehr behaupten, daß die Bürger tatsächlich noch alle Eigentumsrechte besäßen. Natürlich sind alle Begriffe mit "Zivil-" schwerstens links vorbelastet, aber wenn man sie auf ihre lateinische Wurzel zurückführt, wie Sie es ja tun, machen sie im Vergleich zu unserer aktuellen Situation durchaus Sinn.





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