Buchbesprechung: Private Sicherheits- und Militärfirmen

Lesezeit: 3:30

Modernes Söldnertum, Privatisierung des Krieges, Gefahr der Unterminierung des Machtmonopols des Staates, Geschäftemacherei mit der Gewalt: Diese Assoziationen tauchen gemeinhin auf, wenn von jenem – relativ neuartigen – Phänomen die Rede ist, das im Zentrum dieser Publikation steht. Die große Vielfalt von Diensten, die von privaten Anbietern im traditionell dem Staat zugewiesenen Bereich der Sicherheitsproduktion angeboten werden, geht indes weit über den negativ konnotierten Begriff Söldnertum hinaus.

Denn die Teilnahme von durch Privatfirmen gestellten Kriegern an Kampfhandlungen macht nur einen kleinen Teil des Aktionsspektrums der insgesamt 909 untersuchten PSMF (Private Sicherheits- und Militärfirmen) aus. Dagegen bilden andere Leistungen den weitaus wichtigeren Teil des Angebots: Im privaten Sicherheitsbereich (etwa zur Objektbewachung), Wartung und Instandsetzung komplexer militärischer Ausrüstung (z.B. von Kampfflugzeugen oder Drohnen), Transportaufgaben, Personenschutz, Bewachung und Schutz militärischer Einrichtungen und Transporte, sowie Informationsbeschaffungs- und Beratungsdienste in den verschiedensten Sektoren.

Der Autor, ein österreichischer Berufsoffizier, greift weit über den durch den Titel vorgegebenen Rahmen hinaus, wenn er sich – gestützt auf eine Fülle von Daten und Primärliteratur – historischen Betrachtungen, sowie juristischen, staatsrechtlichen und philosophischen Fragen im Zusammenhang mit der Legitimität von Gewaltausübung, bis hin zur Frage des „Gerechten Krieges“, widmet. Dass Fußnoten und Anhang ein gutes Drittel des Volumens der vorliegenden Publikation ausmachen, verringert einerseits zwar den Lesekomfort, belegt andererseits aber die überaus gründliche Quellenanalyse.

Die Globalisierung trägt ihren Teil dazu bei, auch militärische Aufgaben zu internationalisieren. Transnational tätige Sicherheits- und Militärfirmen sind gegenüber nationalen Armeen vielfach klar im Vorteil. Sie bieten staatlichen Militärapparaten die Möglichkeit zur Effizienzsteigerung – sowohl in funktionaler Hinsicht, als auch mit Blick auf die entstehenden Kosten. Die gewachsene Bedeutung privater Militärfirmen wird etwa dadurch eindrucksvoll illustriert, dass die Zahl ihrer Mitarbeiter am Höhepunkt des US-amerikanischen Engagements im Irak die der Militärpersonen deutlich überstieg…

PSMF sind hauptsächlich in den Staaten des Westens anzutreffen. Der Autor erkennt in seiner abschließenden Zusammenfassung keinen Grund für die gelegentlich geäußerte Befürchtung, dass das staatliche Gewaltmonopol in diesem Teil der Welt durch PSMF ernsthaft herausgefordert werden könnte. Vielmehr bilden diese eine wichtige Komponente zur Aufrechterhaltung und Steigerung der militärischen Kapazitäten im Hinblick auf die sich seit dem Ende des kalten Krieges drastisch wandelnden Bedrohungsszenarien. Eine Fülle von Tabellen, Graphiken und der ausführliche Anhang komplettieren diese ebenso umfangreiche wie informative Publikation.

Über die Richtigkeit der auch vom Buchautor vertretenen These Peter W. Singers, „Krieg ist zu wichtig, um ihn der Privatwirtschaft zu überlassen“ lässt sich trefflich streiten. In der Tat war und ist der Krieg ein mit dem staatlichen Gewaltmonopol unlösbar verbundenes Ereignis.

Private pflegen gemeinhin keine Kriege gegeneinander zu führen, da sie deren Kosten – anders als der Staat – nicht auf die Schultern Dritter abladen können und daher alle üblen Konsequenzen selbst zu tragen haben. Kein Wirtschaftstreibender, sofern er nicht im Bereich der – stets staatsnahen – Rüstungsindustrie engagiert ist, hat Interesse an Mord und Totschlag oder an kriegsbedingten Zerstörungen. Handel, Wandel und Wohlstandsproduktion gedeihen nur im Frieden. Der Staat dagegen braucht den Krieg (und sei es der gegen Terror oder Drogen), um zu wachsen. Der heute in den beiden durch den letzten Weltkrieg schwer gezeichneten Verliererstaaten Deutschland und Japan herrschende Wohlstand gründet nicht etwa auf den Heldentaten seiner im Krieg aufgebotenen Militärstrategen, Feldherren und Soldaten, sondern ausschließlich auf im Frieden gezeigtem Fleiß, Erfindungsreichtum und unternehmerischem Geist seiner Zivilisten.

Insofern liegt auf der Hand, dass der Großteil der PSMF nicht anders denn als verlängerte Werk- (oder Schlacht-)Bänke des Leviathans fungiert. Eine Gefahr für das (angesichts der von der Geschichte erteilten Lektionen, mehr als fragwürdige) staatliche Gewaltmonopol geht daher von ihnen – leider! – nicht aus…

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

Private Sicherheits- Und Militärfirmen
Thomas Eppacher
LIT-Verlag 2012
659 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-643-50456-2
€ 64,90,-

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorAndreas Tögel
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    29. April 2013 07:08

    Sehr geehrter Herr Villon,
    auf die Frage des rechtmäßigen Eigentumserwerbs hat John Locke in seiner "Zweiten Abhandlung über die Regierung" bereits eine überzeugende Antwort gegeben. Ihre ausschließliche Befassung mit der Bauernfrage greift m. E. zu kurz, da Grund und Boden auch außerhalb landwirtschaftlicher Nutzung, neben Arbeit und Kapital, einen entscheidenden dritten Produktionsfaktor bildet.

    Ist erst einmal alles Land durch rechtmäßige, "originäre Aneignung" besetzt, spielt diese Art des (wie gesagt, von Locke beschriebenen) Eigentumserwerbs keine Rolle mehr. Eigentum entsteht in weiterer Folge nur noch durch Produktion und Tausch (oder durch freiwillige, unentgeltliche Überlassung oder durch Erbschaft). In jedem Fall bildet ein Vertrag die Grundlage einer derartigen Transaktion.

    Ausnahme von diesem Grundsatz ist nur das Verhältnis vom Bürger zum Staat, das nicht durch Vertrag geregelt, sondern von Willkür und Gewalt seitens des letzteren bestimmt wird. Und genau auf diesen Punkt zielt mein zum Schluß meiner Rezension geäußertes Bedauern, daß das staatliche Gewaltmonopol durch PSMF nicht relativiert wird. Denn ein Monopol - jedes Monopol - nutzt ausschließlich dem, der darüber verfügt und schädigt alle anderen. Für die Ausübung bewaffneter Zwangsgewalt gilt das natürlich in noch weit größerem Maße, als es für die Produktion von Unterhosen oder Rauchwaren gelten würde. Mir ist jedenfalls noch keine plausible Begründung dafür untergekommen, warum ein übermächtiger Monopolist dem Bürger - zu dessen Vorteil - einseitig dei Bedingungen diktieren können sollte, zu denen dieser die Segnungen des Monopolisten in Empfang nehmen darf. Übertragen Sie diese Vorstellung etwa auf Ihr Verhältnis zu Ihrem Schuster oder Schneider und die ganze Absurdität des Gedankens wird sofort offenbar.

    Wenn Sie zu diesem Punkt sachdienliche Hinweise auf Lager hätten, wäre ich Ihnen für deren Übermittlung sehr dankbar...
    Mit fdreundlichem Gruß
    A. Tögel

  2. Ausgezeichneter Kommentatorfokus
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    28. April 2013 03:25

    Einspruch, Euer Ehren!
    Es gibt den privaten Krieg und wir befinden uns derzeit mit all den undurchschaubaren Finanzkonstrukten und Finanzkrisen mitten drin - nämlich in einem veritablen WIRTSCHAFTSKRIEG, für den es allerdings zugegeben keinerlei PSMF gibt.
    Und je weniger Krieg auf territorialem Gebiet zwischen Staaten stattfindet, umso mehr verlagert er sich auf die wirtschaftliche und damit auf eine mehr oder weniger private Ebene!
    Wie weit sich auf diesem Gebiet "Sicherheitsdienste" und ähnliches etablieren können und wer am Ende als Gewinner und Verlierer dastehen wird, entscheidet sich vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft.

  3. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Oswald
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2013 08:58

    Die Worte krieg, Krieger leiten sich - nicht durch Zufall - von der Beschreibung eines ursprünglich wirtschaftlichen Vorganges, eines Erwerbsvorganges her - nämlich etwas bekommen. So oder so. Geht es durch Einigung im Guten, wenn nicht, dann gibt es Krieg, und der ihn gewinnt, kriegt die Beute.

    Die PSMF fungiert als Ersatz für die durch eine Unzahl an bürokratischen Viszeralfetten kampfuntauglich gewordenen Staatsungeheuer und bringen ihnen die Beweglichkeit zurück, die sie durch logistische und bürokratische Fesselungen (Einhegungen, wenn man es positiv sehen will) verloren gingen.
    Söldner sind rasch und einfach, sie haben mit Krieg keine Moralfragen und sie sind - ds ist entscheidend - unpolitisch. Heute für dies, morgen für das Gegenteil - kein Problem. Wer zahlt, schafft an. Und in zerbrechenden Staaten und Regionen, deren Odnungsrahmen sich auflöst, fragen weder Militär- noch sonstige Gerichte, weder Oppositionsparteien in gesetzgeebneden Körperschaften noch Pressevertreter nach, warum wer getötet wurde, und ob dies rechtens war. Staaten also, wollen bequem morden können, weil sie wissen, das ihre regulären Streitkräfte dies nicht mehr so unbesehen können.
    Fortschritt ? Bestimmt nicht, nur pervertierte Vorstellungen von Privatisierung. Wenn Politik Verantwortung nicht mehr nimmt, verschiebt sie die Lasten auf Private - wie in Österreich, wo zuerst die waffenerzeugenden Teile der verstaatlichten Industrie privatisiert wurden. Dabei sollte es genau umgekehrt sein - der Staat, dessen Kernaufgabe für Liberale die Sicherheits und Rechtsschutzaufgabe ist, müsste die Fertigung der schweren Waffen selbst vertreten. Aber dazu bräuchten wir Politiker, und keine überbezahlten und unterbeschäftigten Clowns.

  4. Ausgezeichneter KommentatorFrancois Villon
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    28. April 2013 13:52

    Vor etlichen Jahren korrespondierte ich mit dem Autor Dr. Erich Vad, einem Milität, über sein Buch „Strategie und Sicherheitspolitik - Perspektiven im Werk von Carl Schmitt“. [1]

    Das war schon deshalb ein besonders interessantes Buch, weil es das meist mit „Krieg“ angedeutete Thema sehr umfassend behandelte. Die „Privatisierung des Kriegs“ spielte aber damals offenbar noch keine so prominente Rolle, wie es heute scheint. Der eigentliche Grund dafür dürfte aber der sein, daß Krieg bisher allein ein – durchaus legitimes – Mittel von Staaten war, sich also die Frage gar nicht stellte.

    In (sechs) Grundsätzen für die "Ortung des Friedens" zeigt E. Vad worauf es ankommt. Es ist bemerkenswert, daß die Friedenssicherung nicht ausschließlich militärisch definiert wird, sondern die Fähigkeit zur Sicherung der ökonomischen, biologischen (d. h. die Fähigkeit als Volk zu überleben!) und ökologischen Lebensgrundlagen einschließt! Er stellt auch klar fest, daß Eingriffe in die Souveränität politischer Großraumordnungen durch raumfremde Mächte, etwa auch aus "humanitären Beweggründen", den Frieden weit mehr gefährden, als definitiv vorliegende Völker- und Menschenrechtsverletzungen. Das erstaunt nicht sehr, wurde doch längst hinreichend deutlich, daß es sich hierbei ohnedies nur um Instrumentierungen der „Humanität“ zur Machtausübung und -ausdehnung handelte.

    Wenn nun der berechtigte „Einspruch“ fokus´ darauf hinweist, daß dominierende Wirtschaftsmächte – internationale Großbanken, Hedge-Fonds oder „virtual enterprises“ im Weltformat – de facto „privat“ Wirtschaftskriege führen, so bedeutet dies aber, wenn es so zutrifft, daß die Staaten aufgehört haben als solche zu fungieren und die Politik zur Marionette einer „privaten“ ANONYMA wurde. Fokus hat aber mit seinem Hinweis vollkommen recht, als in einer „totalen“, umfassenden Strategie alle Bereiches des Lebens einer Gesellschaft – also vor allem auch die wirtschaftlichen – wichtig sind, heute sogar zu den wichtigsten mutierten.

    Dieser Befund bedeutete aber letztlich „die Auflösung aller Dinge“ [2] – und der erreichte und nun herrschende Zustand wäre der einer Räuberhöhle. Dann erübrigen sich aber alle politik-theoretischen Analysen, weil es dafür keine allgemein gültigen Regeln mehr gäbe.

    [1] Erich Vad, Strategie und Sicherheitspolitik - Perspektiven im Werk von Carl Schmitt. Westdeutscher Verlag, Pf. 1546, D-65005 Wiesbaden. 1996. Ca. 256 Seiten, kartoniert 46,-DM. ISBN 3-531-12912-0

    Dr. phil Erich Vad, geb. 1957, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften in München, Münster und Hamburg; Promotion bei Werner Hahlweg (Münster) und Jehuda L. Wallach (Tel Aviv). Tätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene im Truppen- und Generalstabsdienst; z. Zt. Oberstleutnant i. G. und Referent im Bundesministerium der Verteidigung (Bonn).

    [2] Dr. Hans-Dietrich Sander; „Die Auflösung aller Dinge“; Castel del Monte, München. Verlag Morzak, Grafenau.

  5. Ausgezeichneter Kommentatorambrosius
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2013 08:08

    Krieg wird sehr wohl auch von " Privaten" geführt ! Ich verweise auf die Kriege unter Schimpansenhorden aber auch von Steinzeitmenschenhorden um`s Mammut.

    Unbestritten ist aber die besonders üble Rolle von Staaten bei Kriegen.
    garnicht stark genug kann man die Richtigkeit der Aussage betonen, daß Krieg- ganz abgesehen an den Verlusten an menschlichem Talent- sowohl für Sieger als auch für Besiegte eine in jedem Fall denkbar schlechte Kosten/Nutzenrechnung aufweist.
    Wenn man aber- um nur ein einziges Beispiel zu zitieren- die verblüffend gleichgeschaltete Presse und öffentliche Meinung in den USA in Vorbereitung des Iraq-krieges von Kleinbush heranzieht, dann erkennt man, daß der Bürger/das Volk nicht fähig ist, Alternativen zu kriegführenden Staaten zu realisieren. Schade.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorFrancois Villon
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    28. April 2013 13:52

    Vor etlichen Jahren korrespondierte ich mit dem Autor Dr. Erich Vad, einem Milität, über sein Buch „Strategie und Sicherheitspolitik - Perspektiven im Werk von Carl Schmitt“. [1]

    Das war schon deshalb ein besonders interessantes Buch, weil es das meist mit „Krieg“ angedeutete Thema sehr umfassend behandelte. Die „Privatisierung des Kriegs“ spielte aber damals offenbar noch keine so prominente Rolle, wie es heute scheint. Der eigentliche Grund dafür dürfte aber der sein, daß Krieg bisher allein ein – durchaus legitimes – Mittel von Staaten war, sich also die Frage gar nicht stellte.

    In (sechs) Grundsätzen für die "Ortung des Friedens" zeigt E. Vad worauf es ankommt. Es ist bemerkenswert, daß die Friedenssicherung nicht ausschließlich militärisch definiert wird, sondern die Fähigkeit zur Sicherung der ökonomischen, biologischen (d. h. die Fähigkeit als Volk zu überleben!) und ökologischen Lebensgrundlagen einschließt! Er stellt auch klar fest, daß Eingriffe in die Souveränität politischer Großraumordnungen durch raumfremde Mächte, etwa auch aus "humanitären Beweggründen", den Frieden weit mehr gefährden, als definitiv vorliegende Völker- und Menschenrechtsverletzungen. Das erstaunt nicht sehr, wurde doch längst hinreichend deutlich, daß es sich hierbei ohnedies nur um Instrumentierungen der „Humanität“ zur Machtausübung und -ausdehnung handelte.

    Wenn nun der berechtigte „Einspruch“ fokus´ darauf hinweist, daß dominierende Wirtschaftsmächte – internationale Großbanken, Hedge-Fonds oder „virtual enterprises“ im Weltformat – de facto „privat“ Wirtschaftskriege führen, so bedeutet dies aber, wenn es so zutrifft, daß die Staaten aufgehört haben als solche zu fungieren und die Politik zur Marionette einer „privaten“ ANONYMA wurde. Fokus hat aber mit seinem Hinweis vollkommen recht, als in einer „totalen“, umfassenden Strategie alle Bereiches des Lebens einer Gesellschaft – also vor allem auch die wirtschaftlichen – wichtig sind, heute sogar zu den wichtigsten mutierten.

    Dieser Befund bedeutete aber letztlich „die Auflösung aller Dinge“ [2] – und der erreichte und nun herrschende Zustand wäre der einer Räuberhöhle. Dann erübrigen sich aber alle politik-theoretischen Analysen, weil es dafür keine allgemein gültigen Regeln mehr gäbe.

    [1] Erich Vad, Strategie und Sicherheitspolitik - Perspektiven im Werk von Carl Schmitt. Westdeutscher Verlag, Pf. 1546, D-65005 Wiesbaden. 1996. Ca. 256 Seiten, kartoniert 46,-DM. ISBN 3-531-12912-0

    Dr. phil Erich Vad, geb. 1957, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften in München, Münster und Hamburg; Promotion bei Werner Hahlweg (Münster) und Jehuda L. Wallach (Tel Aviv). Tätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene im Truppen- und Generalstabsdienst; z. Zt. Oberstleutnant i. G. und Referent im Bundesministerium der Verteidigung (Bonn).

    [2] Dr. Hans-Dietrich Sander; „Die Auflösung aller Dinge“; Castel del Monte, München. Verlag Morzak, Grafenau.


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  1. Titia (kein Partner)
    21. Februar 2015 06:01

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  4. Achref (kein Partner)
    20. Januar 2015 02:43

    Grade A stuff. I'm unsanqtioeubly in your debt.

  5. Andreas Tögel
    29. April 2013 07:08

    Sehr geehrter Herr Villon,
    auf die Frage des rechtmäßigen Eigentumserwerbs hat John Locke in seiner "Zweiten Abhandlung über die Regierung" bereits eine überzeugende Antwort gegeben. Ihre ausschließliche Befassung mit der Bauernfrage greift m. E. zu kurz, da Grund und Boden auch außerhalb landwirtschaftlicher Nutzung, neben Arbeit und Kapital, einen entscheidenden dritten Produktionsfaktor bildet.

    Ist erst einmal alles Land durch rechtmäßige, "originäre Aneignung" besetzt, spielt diese Art des (wie gesagt, von Locke beschriebenen) Eigentumserwerbs keine Rolle mehr. Eigentum entsteht in weiterer Folge nur noch durch Produktion und Tausch (oder durch freiwillige, unentgeltliche Überlassung oder durch Erbschaft). In jedem Fall bildet ein Vertrag die Grundlage einer derartigen Transaktion.

    Ausnahme von diesem Grundsatz ist nur das Verhältnis vom Bürger zum Staat, das nicht durch Vertrag geregelt, sondern von Willkür und Gewalt seitens des letzteren bestimmt wird. Und genau auf diesen Punkt zielt mein zum Schluß meiner Rezension geäußertes Bedauern, daß das staatliche Gewaltmonopol durch PSMF nicht relativiert wird. Denn ein Monopol - jedes Monopol - nutzt ausschließlich dem, der darüber verfügt und schädigt alle anderen. Für die Ausübung bewaffneter Zwangsgewalt gilt das natürlich in noch weit größerem Maße, als es für die Produktion von Unterhosen oder Rauchwaren gelten würde. Mir ist jedenfalls noch keine plausible Begründung dafür untergekommen, warum ein übermächtiger Monopolist dem Bürger - zu dessen Vorteil - einseitig dei Bedingungen diktieren können sollte, zu denen dieser die Segnungen des Monopolisten in Empfang nehmen darf. Übertragen Sie diese Vorstellung etwa auf Ihr Verhältnis zu Ihrem Schuster oder Schneider und die ganze Absurdität des Gedankens wird sofort offenbar.

    Wenn Sie zu diesem Punkt sachdienliche Hinweise auf Lager hätten, wäre ich Ihnen für deren Übermittlung sehr dankbar...
    Mit fdreundlichem Gruß
    A. Tögel

    • F.V. (kein Partner)
      30. April 2013 11:03

      Sehr geehrter Herr Tögel,

      die Antwort auf Ihre Replik fällt fast etwas zu lang aus, um sie ins UTB zu stellen. Ich hatte auch zunächst einen Punkt geistig memoriert - die Produktionsfaktoren - und mich darauf konzentriert, aber Ihre Frage bezog sich ja auf den „Monopolisten“ Staat. Ich lasse daher diesen anderen Teil einmal weg.

      So wie Sie den Staat darstellen sind Ihre Schlüsse logisch und schlüssig, aber ich denke, daß dies eine unzutreffende Perzeption des Staates ist.

      M. A. ist hier die von Othmar Spann ausführlich beschriebene Betrachtung heranzuziehen, daß man eine Gesellschaft nur unter zwei Gesichtspunkten analysieren kann: dem individualistischen und dem ganzheitlichen, universalen, in dem der Gemeinschaft eine eigene Existenz und eigenes Wesen zukommt. Im ersten Fall ist „Gesellschaft“ nur die Summe ihrer einzelnen „Atome“, ohne inneren Zusammenhang.

      Wenn es richtig ist, daß der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, ohne diese gar nicht existieren kann, und somit die Gemeinschaft Bedingung und Voraussetzung menschlicher Existenz ist, dann ist die im Lauf der Zeit sich gebildet habende Organisationsform zwar vielleicht willkürlich, aber nichts desto weniger notwendig. Willkürlich insofern, als sie ja als lose Horde, als hierarchische Gesellschaft mit einem König an der Spitze oder als Republik und demokratisch verfaßt sich darstellen kann (und in weiteren Varianten dieser Beispiele), und Ausdruck des Wollens der jeweiligen Menschen ist.

      In der ganzen abendländischen Literatur wird der Staat als eine eigene Entität betrachtet und behandelt, aber selten in der von Ihnen unterstellten Form. Diese scheint mir ein Ausfluß der Aufklärung zu sein, die ich aber wegen ihrer Beschränktheit auf nur materielle, positivistische Kriterien als Irrweg ansehe. Der europäische Staat ist auch eine Kulturleistung, die keineswegs allen Völkern eigen ist. Wenn in der UNO auch z.B. afrikanische „Staaten“ Mitglieder sind, denen praktisch alle Kennzeichen fehlen, die nach unserem Verständnis einen Staat konstituieren, dann vermengen wir halt Äpfel und Birnen. Aber das hat andere Gründe.

      Da ich – wie Sie wohl bemerkt haben – einer konservativen und katholischen Weltanschauung anhänge, sind auch für mich nicht alle Staatsformen gleich wünschenswert und gleichwertig. Ich bevorzuge jene, die Donoso Cortes in seinem Essay beschrieben hat: eine hierarchisch gegliederte, monarchische Form, sozusagen das irdische Abbild der religiösen, der Kirche.

      Damit bin ich natürlich völlig inkompatibel mit Ihrer Sichtweise vom Staat als Monopolist, die ich für rein materialistisch halte, im Gegensatz zu meiner, die eher metaphysisch ist.

  6. Francois Villon (kein Partner)
    28. April 2013 13:52

    Vor etlichen Jahren korrespondierte ich mit dem Autor Dr. Erich Vad, einem Milität, über sein Buch „Strategie und Sicherheitspolitik - Perspektiven im Werk von Carl Schmitt“. [1]

    Das war schon deshalb ein besonders interessantes Buch, weil es das meist mit „Krieg“ angedeutete Thema sehr umfassend behandelte. Die „Privatisierung des Kriegs“ spielte aber damals offenbar noch keine so prominente Rolle, wie es heute scheint. Der eigentliche Grund dafür dürfte aber der sein, daß Krieg bisher allein ein – durchaus legitimes – Mittel von Staaten war, sich also die Frage gar nicht stellte.

    In (sechs) Grundsätzen für die "Ortung des Friedens" zeigt E. Vad worauf es ankommt. Es ist bemerkenswert, daß die Friedenssicherung nicht ausschließlich militärisch definiert wird, sondern die Fähigkeit zur Sicherung der ökonomischen, biologischen (d. h. die Fähigkeit als Volk zu überleben!) und ökologischen Lebensgrundlagen einschließt! Er stellt auch klar fest, daß Eingriffe in die Souveränität politischer Großraumordnungen durch raumfremde Mächte, etwa auch aus "humanitären Beweggründen", den Frieden weit mehr gefährden, als definitiv vorliegende Völker- und Menschenrechtsverletzungen. Das erstaunt nicht sehr, wurde doch längst hinreichend deutlich, daß es sich hierbei ohnedies nur um Instrumentierungen der „Humanität“ zur Machtausübung und -ausdehnung handelte.

    Wenn nun der berechtigte „Einspruch“ fokus´ darauf hinweist, daß dominierende Wirtschaftsmächte – internationale Großbanken, Hedge-Fonds oder „virtual enterprises“ im Weltformat – de facto „privat“ Wirtschaftskriege führen, so bedeutet dies aber, wenn es so zutrifft, daß die Staaten aufgehört haben als solche zu fungieren und die Politik zur Marionette einer „privaten“ ANONYMA wurde. Fokus hat aber mit seinem Hinweis vollkommen recht, als in einer „totalen“, umfassenden Strategie alle Bereiches des Lebens einer Gesellschaft – also vor allem auch die wirtschaftlichen – wichtig sind, heute sogar zu den wichtigsten mutierten.

    Dieser Befund bedeutete aber letztlich „die Auflösung aller Dinge“ [2] – und der erreichte und nun herrschende Zustand wäre der einer Räuberhöhle. Dann erübrigen sich aber alle politik-theoretischen Analysen, weil es dafür keine allgemein gültigen Regeln mehr gäbe.

    [1] Erich Vad, Strategie und Sicherheitspolitik - Perspektiven im Werk von Carl Schmitt. Westdeutscher Verlag, Pf. 1546, D-65005 Wiesbaden. 1996. Ca. 256 Seiten, kartoniert 46,-DM. ISBN 3-531-12912-0

    Dr. phil Erich Vad, geb. 1957, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften in München, Münster und Hamburg; Promotion bei Werner Hahlweg (Münster) und Jehuda L. Wallach (Tel Aviv). Tätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene im Truppen- und Generalstabsdienst; z. Zt. Oberstleutnant i. G. und Referent im Bundesministerium der Verteidigung (Bonn).

    [2] Dr. Hans-Dietrich Sander; „Die Auflösung aller Dinge“; Castel del Monte, München. Verlag Morzak, Grafenau.

  7. fokus
    28. April 2013 03:25

    Einspruch, Euer Ehren!
    Es gibt den privaten Krieg und wir befinden uns derzeit mit all den undurchschaubaren Finanzkonstrukten und Finanzkrisen mitten drin - nämlich in einem veritablen WIRTSCHAFTSKRIEG, für den es allerdings zugegeben keinerlei PSMF gibt.
    Und je weniger Krieg auf territorialem Gebiet zwischen Staaten stattfindet, umso mehr verlagert er sich auf die wirtschaftliche und damit auf eine mehr oder weniger private Ebene!
    Wie weit sich auf diesem Gebiet "Sicherheitsdienste" und ähnliches etablieren können und wer am Ende als Gewinner und Verlierer dastehen wird, entscheidet sich vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft.

    • Helmut Oswald
      28. April 2013 20:33

      Einspruch dem Einspruch Euer Ehren - das Genau ist eben die ursprüngliche Form des Kriegens (Krieges) - ich geb dir Glasperlen, und du mir den goldenen Ohren- oder Nasenring. Du kaufst meinen Wertpapierschrott, ich renn davon mit deinem guten Geld ... und glauben sie bitte eins nicht: Goldmann & Sachs ist genausoviel oder wenig privat wie dies einst die MEFO Aktien von Hjalmar Schacht waren, oder dies Mobil Oil in Kasachastan ('Kasachgate') oder BP im Irak war / und ist. Das ist nichts anderes als die bei uns NIE VERSTANDENE Handelskriegsführung aller Seemächte, weil wir in unserem Denken terrestrisch / kontinental gebliebene Entscheider haben - es ist somit DIE Handelskriegführung schlechthin besonders auch der angelsächsischen Seemächte. Oder glauben sie im Ernst, die ostindische Handelskompagnie handelte ohne Abstimmung mit der Politik der englischen Krone ? oder umgekehrt, die englische Krone machte Politik - Krieg oder Frieden - ohne die ostindische Komapnie zu Rate zu ziehen ? Was war Francis Drake, dr sie spanischen Silberflotten plünderte: Admiral der britsichen Krone, Freibeuter und Unternehmer, oder Beliehener mit Kaperbrief? einerlei - dies ist in Wahrheit nicht unterscheidbar bei dieser Form des (Handles) Krieges. Wenn Geithner, Monti et al von Goldmann & Sachs kommen, ist das die erprobte und bewährte Methode von Jahrhunderten. Und erfolgreich. Deshalb ist ja unter anderem auch dem Staat unseres Musters so zu misstrauen - er ist schlicht auch zu blöd und unfähig gewesen, einen siegreichen Krieg zu organiseren, weil er in seinem staatssozialistischem Denken nicht vertstanden hat, sich die ungeheuren Produktionsenergien einer sich weitgehend selbstregulierenden Industrie dienstbar zu machen, ohne diese gleichzeitig nach irgendwelchen ministerialbürokratischen Durchgriffswahnvorstellungen zu Tode zu administrieren - vergleichen Sie, was Lutz Budraß dazu zur deutschen Luftrüstung (900 seiten) publizierte, was die Ingenieure in rechlin in ihrer Denkschrift noch 1944 niederlegten - die Vorstellung, der Staat , der Gesetzgeber könnte das Wirtschaften, das Forschen und Entwickeln zum Erfolg aller regulieren ist nicht und nicht aus den Köpfen der Bürokraten zu kriegen - selbst wenn noch einmal ein Sozialismusmodell (Verschwendungssozialismus) scheitern muß (als ob zwei gescheiterte Sozialismusmodelle in Mitteleuropa nicht schon genug wären). Handelsführung in Konkurrenz mit anderen IST bereits Krieg, und zwar nicht seine Fortsetzung, wie man beliebt Clausewitz so oft zu Tode zu zitieren, sondern es ist dessen Ursprung (respektive mit diesem in fliessendem Übergang). Das Geplänkel was davon noch privat und was schon öffentlich ist ist reine Scholastik, bar jeglichen Erkenntniswertes.

    • fokus
      29. April 2013 11:30

      @Helmut Oswald

      Um beim gegenwärtigen Beispiel Goldmann Sachs zu bleiben:
      Von der rechtlichen Gesellschaftsform ist diese weltbeherschende Bank (und viele weitere Unternehmen, die kräftigst im Wirtschaftskrieg mitmischen) immer noch ein Privatunternehmen. Wie weit diese Aktiengesellschaften mit ihren Netzwerken in die diversen Staatswirtschaften hineinreichen, wird uns Normalsterblichen vermutlich für immer verborgen bleiben, außer es passieren wieder einmal Pannen, die an die Öffentlichkeit dringen und einen Teil der fast schon mafiösen Strukturen freilegen!
      Deshalb wird es schon aus strikten Geheimhaltungsgründen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Handelskriege keine PSMF geben.

    • Helmut Oswald
      29. April 2013 18:04

      Sie sagen es. Von der Rechtsform ist Goldmann & Sachs ebenso privat, wie dies Mobil Oil, BP und Sir Francis Drake auch waren. Ich behaupte aber, daß es ohne nachrichtendienstliche Hilfe Goldmann & Sachs nicht gelingen konnte, vom Finanzminister der Vereinigten Staaten abwärts, bis hin zu Zentralstellen in den Bereichen EZB usw Schlüsselstellen mit ihren willfährigen Zöglingen zu besetzen - einen operativen Vorgang den ich für eine planmäßige Umsetzung eines Konzeptes halte, das nicht schematisch nach Blaupause verläuft, aber systemisch inhärent als Teil des 'Glückstrebens' größerer Mächte und deren Allianzen einschätzen sehe. Zufall ist es kaum. So wenig, wie der Umstand, daß sich alle diese Schalter gemeinschaftlich in eine Richtung umlegen, die ein Signal abgibt, das vereinfacht lautet: entweder ihr lasst eure Ausplünderung zu, oder wir machen Euch Nazi.

      Worauf sich, anstatt diese Anmaßung mit voller Härte abzuweisen und die treibenden Akteure abzustrafen, daß es ihnen in hundert Jahren nicht mehr in den Sinn kommt gegen uns die Hand zu erheben, sich unsere Entscheidungsträger winselnd und den Gestank von Feigheit verbreitend in die letzte Ecke verkrümeln - kuschen, uns zahlen lassen und das alles zusammen über ihre Lügenpresse noch als Großtat verkünden.

      Der Übergang zwischen Staat und privat ist - im gezeigten Erfolgsmodell - eben fließend. Unsere starrsinnigen bürokratischen Dogmatiker hingegen sind unfähig, sich dieser / derselben Flexibilität zu bedienen - sollten sie je einen strategiefähigen Politiker als Vorgesetzten bekommen, was von glücklichen Ausnahmefällen abgesehen, ohnehin aus dieser Personalequipe heraus nicht zu erwarten ist.

    • fokus
      29. April 2013 23:52

      @Helmut Oswald

      ******
      Vollkommen d'accord!

  8. RR Prof. Reinhard Horner
    27. April 2013 14:19

    reinhard.horner@chello.at

    Privatisierung der Gewalt?

    Aus der persönlichen Stellungnahme des Rezensenten:

    „In der Tat war und ist der Krieg ein mit dem staatlichen Gewaltmonopol unlösbar verbundenes Ereignis.“

    „Private pflegen gemeinhin keine Kriege gegeneinander zu führen, da sie deren Kosten – anders als der Staat – nicht auf die Schultern Dritter abladen können und daher alle üblen Konsequenzen selbst zu tragen haben. Kein Wirtschaftstreibender, sofern er nicht im Bereich der – stets staatsnahen – Rüstungsindustrie engagiert ist, hat Interesse an Mord und Totschlag oder an kriegsbedingten Zerstörungen. Handel, Wandel und Wohlstandsproduktion gedeihen nur im Frieden. Der Staat dagegen braucht den Krieg (und sei es der gegen Terror und Drogen), um zu wachsen.“

    „Eine Gefahr für das (angesichts der von der Geschichte erteilten Lektionen, mehr als fragwürdige) staatliche Gewaltmonopol geht daher von ihnen – leider! – nicht aus.“

    Das geschieht hiermit:

    + Es wird dem Staat als „krimineller Organisation“ das Kriegsgeschehen als spezielle Eigenschaft und Notwendigkeit angelastet. Auch das gegen Terror und Drogen wird dazu gezählt.

    + Es wird weggeleugnet, welche Kriege als Bürgerkriege, besonders als Wirtschaftskriege u. dgl. geführt wurden und werden und welche enormen privatwirtschaftlichen Interessen seit jeher und heute in der Kriegsvorbereitung, der Kriegführung und der Nachkriegsnutzung verfolgt werden.

    * Es wird weggeleugnet, welche großen Auswirkungen zur territorialen Befriedung das staatliche Gewaltmonopol mit sich brachte und auch heute mit sich bringt.

    * Es wird das Bedauern verbreitet, dass von den privaten Sicherheits- und Militärfirmen keine Gefahr für das staatliche Gewaltmonopol ausgeht.

    * Es wird die wachsende Bedeutung überschwiegen, die zwischen- und überstaatliche Gewaltbezüge gewinnen.

    * Es wird eine derartige persönliche Lebenshaltung mit entsprechendem Verhalten in der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung anempfohlen.

    Dazu findet also diese Rezension ihre ideologische (das Denken, Empfinden und Handeln beeinflussende) Verwendung. Soll das – insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Zukunftstauglichkeit – kritisch betrachtet oder soll es ob seiner Verdrehtheit ignorierend akzeptiert werden?

    • Wafthrudnir
      27. April 2013 16:44

      Das Staaten "kriminelle Organisationen" sind, ist zwar eine ungewohnte Betrachtungsweise, logisch aber unwiderlegbar, solange man von Naturrecht ausgeht: wenn es Raub ist, wenn die Person A mir mein Eigentum gewaltsam wegnimmt, und wenn es Raub bleibt, wenn sich die Personen A, B und C dafür zusammenschließen, und wenn es immer noch Raub ist, wenn es sich Personen A, B, C ... und Z sind - warum soll es dann kein Raub sein, wenn sich die Mehrzahl der Wähler zusammenschließt, mir mein Eigentum wegzunehmen?
      Natürlich, den befriedenden Effekt des Staates und seines Gewaltenmonopols kann man nicht leugnen (allerdings kann man auch den befriedenden Effekt der Mafia auf Sizilien schwer bestreiten), daher wird man den Staat wohl eher als notwendiges Übel betrachten und ihn tolerieren, als, ohnehin wenig aussichtsreich, nach seiner Abschaffung zu streben.
      Damit die positive Aspekte des Staates dominieren, ist es aber erforderlich, daß der Staat keine absolute Macht über seine Bürger genießt, sondern Konsequenzen fürchten muß, wenn er seine Macht mißbraucht. Bis ihn die jüngste Vergangenheit wurde diese wichtige Rolle von der Konkurrenz zwischen den Staaten erfüllt: wer zu seinen Bürgern nicht nett war, der verlor durch Auswanderung, und zwar durch die Auswanderung gerade der Besten, Einfallsreichsten und Unternehmungslustigsten, an Macht und wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten. In Großreichen wie Spanien oder Rußland war Auswanderung immer schwierig, und diese Mächte hatten durch begrenzte Auswanderung wenig zu befürchten, eben weil sie so schon sehr mächtig waren.
      Heute hat die Konkurrenz zwischen den westlichen Staaten der Kooperation Platz gemacht. Das hat den Vorteil, daß Kriege aufgehört haben, und den Nachteil, daß der Leviathan immer weniger von anderen Leviathanen in Schach gehalten wird. Es ist AT nicht zu verdenken, daß er den Machtzuwachs der Staaten daher kritisch sieht.

    • F.V. (kein Partner)
      28. April 2013 14:24

      Bei der Diskussion über den „Raub meines Eigentums“ geht es doch immer um eine problematische Fiktion, weil Eigentum einfach als gegeben statuiert wird, ohne zu fragen wie es zum Eigentum wurde.

      Heute glaubt jedermann, daß die Bauernbefreiung eine Wohltat und gerechte Sache war. Damit einher ging die Übertragung von Eigentumsrechten an Grund und Boden an die Bauern. In Ländern wie Rußland aber immer mit der impliziten Auflage, daß es landwirtschaftlich zu nutzender Boden bliebe und Städter ihn daher gar nicht erwerben konnten. (Aus guten und durchaus einsichtigen Gründen.)

      Bei uns kann eine modere Form der „Zweifelderwirtschaft“ aber beobachtet werden. Stadtnahe Bauern weichen dem Ausdehnungsdrang der Städte, der landwirtschaftliche Grund wird Bau-Erwartungsland und schließlich Bauland – und steigt im Wert um das Hundertfache.
      Man verkauft ihn und erwirbt gleich daneben neuen „landwirtschaftlichen“ Grund um einen Pappenstiel. Und wenn man Glück hat oder clever ist, wiederholt man diese Zweifelder-Wirtschaft.

      Nicht nur, daß der Bauer den Grund nie je als Eigentum rechtlich erworben hat, er lukriert durch Verkauf einen gigantischen Mehrwert, den er niemals selbst geschaffen hat, sonder den erst die „Gesellschaft“, indem sie dort siedelt, Infrastruktur und neue Quellen der Wertschöpfung schafft. – Also „Eigentum“ kann recht anstößig sein und ist letztlich dem Bestehen einer geordneten Gemeinschaft, nämlich dem Rechtsstaat geschuldet. Andernfalls hat Eigentum keinen Sinn, weil es nach Faustrecht jederzeit genommen werden könnte (und würde).

      Wenn nun von dieser Fiktion ausgehend der Staat als „Räuber“ hingestellt wird, so sind solche Ableitungen natürlich nicht vernünftigen Vorstellungen über Staat und Gesellschaft getrübt. Entweder wird das Thema nicht recht verstanden oder man möchte eine – z. B. liberale – Ideologie befördern und baut daher solche Schein-Gründe auf.

      Die Kritik pt Horners interpretiert aber auch viel in die Buchbesprechung Tögels, was aus dem Text nicht unbedingt herausgelesen werden kann. Einzig das Bedauern T.´s, daß die privaten „Sicherheitsfirmen“ das Gewaltmonopol des Staates nicht wirklich herausfordern halte ich für eine schwere Entgleisung einerseits und in letzter Konsequenz auch als Bedrohung des noch Reste der alten Staatsethik bewahrenden Staatlichkeit.

  9. Helmut Oswald
    27. April 2013 08:58

    Die Worte krieg, Krieger leiten sich - nicht durch Zufall - von der Beschreibung eines ursprünglich wirtschaftlichen Vorganges, eines Erwerbsvorganges her - nämlich etwas bekommen. So oder so. Geht es durch Einigung im Guten, wenn nicht, dann gibt es Krieg, und der ihn gewinnt, kriegt die Beute.

    Die PSMF fungiert als Ersatz für die durch eine Unzahl an bürokratischen Viszeralfetten kampfuntauglich gewordenen Staatsungeheuer und bringen ihnen die Beweglichkeit zurück, die sie durch logistische und bürokratische Fesselungen (Einhegungen, wenn man es positiv sehen will) verloren gingen.
    Söldner sind rasch und einfach, sie haben mit Krieg keine Moralfragen und sie sind - ds ist entscheidend - unpolitisch. Heute für dies, morgen für das Gegenteil - kein Problem. Wer zahlt, schafft an. Und in zerbrechenden Staaten und Regionen, deren Odnungsrahmen sich auflöst, fragen weder Militär- noch sonstige Gerichte, weder Oppositionsparteien in gesetzgeebneden Körperschaften noch Pressevertreter nach, warum wer getötet wurde, und ob dies rechtens war. Staaten also, wollen bequem morden können, weil sie wissen, das ihre regulären Streitkräfte dies nicht mehr so unbesehen können.
    Fortschritt ? Bestimmt nicht, nur pervertierte Vorstellungen von Privatisierung. Wenn Politik Verantwortung nicht mehr nimmt, verschiebt sie die Lasten auf Private - wie in Österreich, wo zuerst die waffenerzeugenden Teile der verstaatlichten Industrie privatisiert wurden. Dabei sollte es genau umgekehrt sein - der Staat, dessen Kernaufgabe für Liberale die Sicherheits und Rechtsschutzaufgabe ist, müsste die Fertigung der schweren Waffen selbst vertreten. Aber dazu bräuchten wir Politiker, und keine überbezahlten und unterbeschäftigten Clowns.

    • ambrosius
      27. April 2013 09:34

      In einer plebiszitäten Demokratie- und von einer solchen sprechen Sie offenbar- gibt es weder Zeit noch Blut noch Geld für Gefahren, die der Bürger mit seinem begrenzten Horizont nicht sieht oder nicht sehen will. Abhilfe kann da der Söldner bzw. die Privatisierung des Krieges schaffen, wenn man das Geld dazu hat oder irgendwie auftreiben kann. Wehe aber, wenn sich ein Volk dann direkt angegriffen fühlt ! Dann ist obiges Verhalten plötzlich Hochverrat. So ist das in einer plebiszitäten Demokratie !
      Ich verweise aber neuerlich auf die Kosten-Nutzenrechnung eines Krieges und bin der Meinung, daß Hirn die weitaus bessere Waffe ist als Muskelkraft.

    • Helmut Oswald
      27. April 2013 15:15

      @ Ambrosius

      Bündnisse eingehen mit Partnern, die sie nicht bestehlen oder erpressen, wie es derzeit Deutschland in der NATO mit den Angelsachsen und Lateinischen geht.
      Streitkräfte bereitstellen und Größenrahmen für Regenerations- und Aufwuchsfähigkeit sicherstellen (darum Wehrpflicht), um erforderlichenfalls Truppen heranzubilden, welche abgekämpfte Verbände ablösen bzw erforderlichenfalls auch eine konventionelle Entscheidungsschlacht zu schlagen in der Lage sind. Nukleare Abschreckung im regional / subkontinental erforderlichen Ausmaß herstellen.

      Würde das Hirn alleine reichen, müssten Nachrichtendienste genügen, um Sichherheit zu gewährleisten. Tun sie aber nicht.

      Das funktioniert bis dato nur im Verbund mit Streitkräften. Also Hirn und Muskel.
      Und Blackwater et al. einpacken - Söldner sind ein Zeichen dafür, daß die Politik der Krieg vor dem Volk verstecken will - und das will sie regelmäßig, wenn sie den Grund des Krieges nicht erklären kann oder will. Also beispielsweise, wenn sie offenkundig verbrecherisch handelt. (wie im Fall der egsuchten und nie gefundenen Massenvernichtungswaffen!).

    • ambrosius
      27. April 2013 16:55

      @helmut oswald
      Ich bin leider nicht in allem mitgekommen, was Sie gesagt haben.
      Klar ist aber, soweit ich Sie verstanden habe: Es gibt Fälle, in denen Hirn alleine nicht reicht sondern auch überzeugende Muskelkraft vonnöten ist.
      Die psychologische Ausnahmesituation von Kampf und Krieg verhindert auch bei eigenen Truppen nicht Excesse gegen das Völkerrecht- leider. Bei Söldnern ist das allerdings in der Regel noch schlimmer und ganz schlimm sind private "Sicherheitsdienste", denen die Regeln der Haager Landkriegsordnung nichteinmal bekannt sind, noch daß sie sich darum sch...en.Und der Staat ist aus der Pflicht weil: er war`s ja nicht.

    • Helmut Oswald
      28. April 2013 06:34

      @ ambrosius

      genau so ist es - den Staat darf man aber nicht aus der Pflicht lassen, wenn er schon Gewalt übt (ius ad bellum), diese zumindest regelkonform zu üben (ius in bello). Sich also beispielsweise an die Haager Ordnung und die Genfer Rot Kreuz Abkommen zu halten - die nur unter bestimmten Kautelen keine Rechtsgarantien entfalten. Mittels der Söldner meint der Kriegführende, von diesen Regeln entbunden zu sein - ist es aber nicht. Der Unterschied: der Soldat weigert sich rechtmäßig, sollte er einen rechtswidrigen Befehl erhalten - der Söldner wird (günstistenfalls) entlassen.

      Exzesse werden Sie, ähnlich wie Verbrechen auch im Alltag des Zivils, nicht ausschließen können - sie können nur durch kompetente Truppenführung auf taktischer Ebene (Teileinheit, Einheit und kleiner Verband) Bedingungen schaffen, diese zu unterbinden.Von einer durch Feindeinwirkung führerlos gewordene Truppe, die sich auf einem Gefechtsfeld findet, auf dem auch der Feind regellos kämpft werden sie die Einhaltung von Regeln im Kampf kaum noch erwarten können.

  10. ambrosius
    27. April 2013 08:08

    Krieg wird sehr wohl auch von " Privaten" geführt ! Ich verweise auf die Kriege unter Schimpansenhorden aber auch von Steinzeitmenschenhorden um`s Mammut.

    Unbestritten ist aber die besonders üble Rolle von Staaten bei Kriegen.
    garnicht stark genug kann man die Richtigkeit der Aussage betonen, daß Krieg- ganz abgesehen an den Verlusten an menschlichem Talent- sowohl für Sieger als auch für Besiegte eine in jedem Fall denkbar schlechte Kosten/Nutzenrechnung aufweist.
    Wenn man aber- um nur ein einziges Beispiel zu zitieren- die verblüffend gleichgeschaltete Presse und öffentliche Meinung in den USA in Vorbereitung des Iraq-krieges von Kleinbush heranzieht, dann erkennt man, daß der Bürger/das Volk nicht fähig ist, Alternativen zu kriegführenden Staaten zu realisieren. Schade.





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