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Dörfler und die Gewerkschaft

Natürlich sind die jüngsten Ideen des Herrn Dörfler ein belangloser Sommerfüller, über den in wenigen Tagen niemand mehr reden wird. Natürlich wäre die von ihm vorgeschlagene Abschaffung der Gewerkschaft in vielerlei Hinsicht rechtswidrig. Natürlich erinnert der Vorschlag an rote und braune Diktaturen, welche die Gewerkschaften immer sofort durch regimenahe Organisationen ersetzen.

Das ändert freilich nichts an der Verantwortung der Gewerkschaften für die gegenwärtige Finanzkrise. Denn sie haben immer mit all ihrer Macht – und die ist zumindest bei schwachen Regierungen ziemlich groß – auf immer noch mehr Schulden gedrängt, damit die Wünsche ihrer Klientel erfüllt werden. Sie taten dies oft unter dem Vorwand einer kruden ökonomischen These: Durch Defizite würde das Wachstum angekurbelt werden; dieses wieder würde dann erlauben, die Schulden abzubauen.

Diese These ist nur abgrundtief falsch. Aus vielerlei Gründen:

  • Erstens haben die Gewerkschaften trotz des jahrzehntelang (nicht zuletzt auf ihren Druck hin) erfolgten Anschwellens der Staatsschulden nie dieses „Dann“ als erreicht angesehen, das endlich einen Schuldenabbau erlauben würde.
  • Sie haben zweitens ignoriert, dass inzwischen die Zinsen für die Staatsschulden das größte Hindernis für weiteres Wachstum geworden sind.
  • Sie haben drittens übersehen, dass von diesen Schulden die Gläubiger – also die Besitzer von Geld – weit mehr profitieren als die Gewerkschaftsmitglieder.
  • Sie haben viertens nicht begriffen, dass einzig unternehmerische Dynamik für Wachstum sorgen kann, die dauerhaft nur durch Deregulierung – also Abschaffung bürokratischer Schikanen – befeuert werden kann (Es ist ja kein Zufall, dass in Wien mit seinen bürokratischen Exzessen und seiner tief verwurzelten Korruption bei Baugenehmigungen oder Unternehmensgründungen die Arbeitslosigkeit ständig stark steigt, während sie österreichweit zuletzt tief gesunken ist).
  • Sie haben fünftens nicht durchschaut, dass der Großteil höherer Konsumausgaben ins Ausland fließt (für asiatische Industrieprodukte, für Reisen, für den Import von Energie usw.).
  • Und der ÖGB ist sechstens spätestens seit den Skandalen um Bawag oder Konsum der totalen wirtschaftlichen Ahnungslosigkeit überführt. Was eigentlich dazu führen sollte, dass kluge Regierungen immer das Gegenteil dessen tun, was Gewerkschaften wollen.

Das Alles ist ein guter Grund, aus der Gewerkschaft austreten. Immerhin ist der ÖGB-Mitgliedsbeitrag ja sehr geschmalzen und niemand weiß so genau, wofür das viele Geld verwendet wird. Das alles kann aber in einem Rechtsstaat niemals Grund sein, einen privaten Verein zu verbieten. Oder das auch nur zu verlangen.

Rechtlich fragwürdig ist freilich auch das sogenannte Streikrecht, also die Tatsache, dass ein Streik nicht – wie sonst jede Arbeitsverweigerung – den Arbeitgeber zu einer fristlosen Entlassung berechtigt.

Gerhard Dörfler hat durch seinen Vorschlag auf Biertischniveau aber auch von der viel wichtigeren Diskussion um die Pflichtmitgliedschaft in der Arbeiterkammer abgelenkt. Denn diese Institution kostet jeden österreichischen Arbeitnehmer monatlich 0,5 Prozent seines Gehalts. Ob er ihr angehören will oder nicht. Das ist keineswegs ein niedriger Prozentsatz, hat die Forderung nach 0,5 Prozent mehr doch bei Kollektivvertragsverhandlungen schon Streikdrohungen ausgelöst.

Während die Wirtschaftskammer – deren Existenzberechtigung ebenso fragwürdig ist – die Beiträge ihrer Mitglieder in den letzten Jahren wenigstens deutlich gesenkt hat, schneidet die Arbeiterkammer weiterhin bei jeder Gehaltserhöhung stillschweigend, aber heftig mit. Und sie denkt nicht daran, sich mit einem geringeren Prozentsatz zu begnügen, sondern stößt wilde Drohungen aus, wenn man auch nur von der Möglichkeit einer Beitragskürzung spricht.

Dabei sind die Tätigkeiten der Arbeiterkammer sehr überschaubar. Ihr Hauptzweck ist es, propagandistische Vorfeldorganisation der SPÖ zu sein. Sie ist der Hauptberater des Werner Faymann. Und sie macht in jedem Wahlkampf durch bestellte „Studien“ Stimmung für die SPÖ. Der Rest ist zum Vergessen

In Zeiten, wo die Belastung jedes Gehaltszettels durch Steuern und Abgaben in Österreich deutlich höher ist als in allen Nachbarländern, wäre es das einzig Sinnvolle, diese Zwangsmitgliedschaften überhaupt abzuschaffen. Private Vereine wie die Gewerkschaft dürfen hingegen von der Politik nicht angerührt werden.

 

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 08:54

    ZWANGSMITGLIEDSCHAFTEN JEDWEDER ART ABSCHAFFEN!

    freiheit.

  2. Ausgezeichneter KommentatorDerTurm
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 08:11

    Es ist höchste Zeit, dass die Arbeiterkammersteuer auf den Lohnzetteln ausgewiesen werden muss.

    Es ist höchste Zeit, dass auch die Arbeitgeber-Abgaben auf dem Lohnzettel ausgewiesen werden (denn schließlich sind es Abgaben auf die Arbeitsleitung des Arbeitnehmers, und werden ihm von seinem Netto-Lohn abgezogen).

    Es ist höchste Zeit, dass die Zwangsmitgliedschaften bei Kammern abgeschafft wird.

  3. Ausgezeichneter KommentatorObserver
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 06:44

    Gewerkschaften hatten vor 100 Jahren wirkliche Existenzberechtigung, denn damals waren die Unselbständigen mancher Willkür der Arbeitgeber ausgesetzt. Heutzutage sitzen Arbeiter (Angestellte und öffentlich Bedienstete) in einem Boot und sollten immer gemeinsam die Ihnen gestellkten Aufgaben bestens erfüllen. Obwohl es die Kammern als gesetzlich vorgesehene Interessensvertretungen gibt, ist gegen zusätzliche - auf freiwilliger Mitgliedschaft basierende - Vereine, welche ähnliche Zielsetzungen haben, nichts einzuwenden. Werden diese Zielsetzungen aber ständig der Gegenwart angepasst? Oder handelt es sich bei Gewerkschaften, Industriellenvereinigung u.ä. nicht eher um Kopien der Kammern, wo verdiente Parteileute einen Zweit- oder Drittjob haben und eigentlich diese Institutionen oft nur als Selbstzweck fungieren? Oder sind die "offiziellen" Kammern zu schwach, dass es dieser zusätzlichen "Beschützer" bedarf?
    In einer global vernetzten Wirtschaftwelt haben klassenkämpferische Aktivitäten bei uns keine Berechtigung mehr. Vielmehr wäre es z.B. die Aufgabe der Gewerkschaften, dafür einzutreten, dass die Arbeiter in China, Vientnam usw. ähnliche Arbeits- und Einkommensbedingungen wie bei uns bekommen. Damit würden auch wieder bei uns mehr Arbeitsplätze geschaffen.
    Noch etwas: obwohl der ÖGB sich als "unabhängig" bezeichnet, habe dort eigentlich nur die Linken das Sagen. Ein bestes Beispiel ist der Betonierer Neugebauer, welcher eigentlich nur einen schwarz Anzug trägt, innen aber schon knallrot ist. Ist es bei Leitl nicht schon ähnlich?

  4. Ausgezeichneter Kommentatormike1
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 07:23

    vollkommen richtig ! a.u. spricht mir wieder mal aus dem herzen und hat in allen punkten recht ! auch ich prangere die gewerkschaften, deren frühere verdienste nicht zu leugnen sind, als verhinderer bzw. als arbeitsplatzvernichter an.

    konsequenz kann nur sein, aus so einer organisation auszutreten - sollte man das nicht eh schon längst als denkender mensch getan haben. bei mir liegt das schon über 30 jahre zurück. ich habe diesen haufen auch nie gebraucht, ausserdem habe ich bemerkt, dass sich die sogenannten gewerkschafter immer wieder mit den besten posten versorgt haben. und wenn man sich noch diese leut ansieht, einen foglar z.b., danke....

    was den dörfler betrifft: den halte ich schon immer für ein bisschen dodelig, er sollte nicht die gewerkschaften abschaffen wollen, sondern eher darauf hin weisen, dass die ak-mitgliedschaft (wie auch die bei der wko) eine zwangsmitgliedschaft ist - sind ja nordkoreanische verhältnisse !

  5. Ausgezeichneter Kommentatorlibertus
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 00:55

    Mir ist auch nicht ganz klar, wer oder was Dörfler da geritten hat, als er die Abschaffung der Gewerkschaften forderte. Nicht daß ich ein besonderer Freund dieser Vereine wäre - sie haben schon oft genug ihre Unfähigkeit bewiesen und unzählige Projekte auf Kosten ihrer Beitragszahler in den Sand gesetzt.

    Aber immer noch sollte man einer FREIWILLIGE Mitgliedschaft den Vorzug vor einer ZWANGSmitgliedschaft geben und so gesehen hat der Kärntner Landeshauptmann den Hebel völlig falsch angesetzt.

    Hätte er rechtzeitig bei seinem Vorgänger nachgeschlagen, wäre ihm dieser Fauxpas nicht passiert!

  6. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 08:49

    Gewerkschaften sind Privatvereine.

    Und sollten es auch bleiben und als solche behandelt werden.

    Streikrecht soll es meiner Meinung nach natürlich geben, auch den Schutz der Streikenden, solange es sich um eine Kundgebung, eine Aktion handelt. Aber das 'Niederstreiken oder Todstreiken eines Betriebes', sprich Streiks über normale Aktionen (über 1 Tag) hinaus oder 'Dienst nach Vorschrift' (in der Bedeutung von Boykott oder gar Sabotage) sollten natürlich mit Entlassung beantwortet werden dürfen.

    Arbeiterkammer ist für mich eben ein teures Pflaster, wie wir hier lesen, teurer als Wirtschaftskammer, und als verfassungsrechtlich institutionalisierte Organisation kein Propagandaorgan von Parteien. Dieser Mißbrauch wäre bei unserer Arbeiterkammer zu verfolgen und zu bestrafen, genauso, wie es bei der Wirtschaftskammer wäre, würde die zu Parteipropagande mißbraucht werden.

    Über den Fakt, dass die Schuldentreiber und Staatszerstörer in den Gewerkschaften sitzen, möchte ich auch, wie Dr. Unterberger, nur so viel verlieren, dass die Mitglieder für die Forderungen des Vereines verantwortlich sind und daher diese Mitglieder für das, was sie fordern und durchsetzen als hauptverantwortlich zeichnen. Also auf Deutsch, die Gewerkschaften (Funktionäre hauptsächlich und ihre gläubigen Mitglieder, die sich gegenüber anderen arbeitenden Menschen satte Vorteile erwarten und herausschinden, die ihnen nicht zustehen) sind für Österreich solange ein Sargnagel, solange Regierung gleich SPÖ heisst und Gewerkschaft gleich SPÖ heisst und Korruption, Bevorzugung, Lüge, Manipulation, etc. auch gleich SPÖ heisst und solange der Schaden für Österreich dadurch entsteht, dass die SPÖ diesen zulässt und anrichtet.

    Ich hätte Aufgaben für die Gewerkschaften, wo sie das Geld nutzbringend anlegen könnten, nämlich Mitarbeiterschulung, Umschulung auf Bedarfsberufe, Weiterbildung (nicht Parteiakademie), etc. Was unterscheidet die Gewerkschaft eigentlich von der Arbeiterkammer ? Nichts, beides ist SPÖ, präpotent, und glaubt, den Staat ruinieren zu dürfen, was auch für Teile der Wirtschaftskammer gilt.

    Na und dafür hätten wir ja auch das AMS, auch so eine SPÖ Organisation, die wie geschmiert funktioniert und agiert, mit objektiv schlechten Vermittlungswerten im Verhältnis zur Größe.

    Es sei natürlich jede Meinungsäußerung zum Thema zulässig, auch die von Herrn Dörfler, nur ans Gesetz sollten sich halt alle halten, was vor allem diese 'Linksorganisationen' überhaupt nicht tun, sondern apparatschikhaft alles (SPÖ) 'intern' erledigen, sprich, alles für Parteipropaganda mißbrauchen.

    Wenn in Ungran ein Herr Orban andenkt, die Politiker fürs Schuldenmachen im Nachhinein bestrafen zu lassen, so würde ich meinen, das wäre bei uns fatal, aber ich würde es in Zukunft verbieten, dass unter Strafe über das Steueraufkommen hinaus Geld ausgegeben werden darf, das Selbstverständlichste auf der Welt, das man bei uns auch bis Ende der 1960-er Jahre auch beachtet hat, das aber mit Eintritt der SPÖ in die Regierung zu dem gemacht wurde, was wir heute haben, von damals 58 Millionen Schilling Staatsschulden wurden bis heute 300 Milliarden (!) EURO (!). Wäre schon was Strafbares, hätte das ein Privater getan ....

  7. Ausgezeichneter KommentatorAnton Volpini
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    02. August 2011 07:44

    Gerhard Dörfler will wohl einfach nur Aufmerksam erheischen! So, wie er es mit dem von Haider eingeführten Teuerungsausgleich macht, den er auch in einem Jahr auszahlte, wo es keine Teuerung gab. Oder mit dem in Kärnten einmaligen Heizkostenzuschuß, oder dem Jugendtausender, der zwar noch nicht institutionalisiert ist, aber regelmäßig für Aufregung bei der Jugend sorgt.
    Oder die Tankstellen des Landes Kärnten, in dem Kärntner billiger tanken können, weil die böse Ölindustrie mit hohen Preisen den Kärntnern zu tief in die Taschen greift.
    Eigendlich will Dörfler die Gewerkschaften nur weghaben, damit er alleine diese Geisteshaltung vertreten kann!


alle Kommentare

  1. Steven (kein Partner)
    21. Januar 2015 15:32

    Bitte bis zum bitterlichen ende anhf6ren.Wer das derchstuht, kann auch fcber glfchende Kohlen schleichen.Schlimmstenfalls sind die Autoren von Unverste4ndnis betroffen.Nebenbei bemerkt,schert sich die unlautere Gemeinde um keine allgemein geltenden Regeln.Whatever/Wieauchimmer;-) http://sxgiql.com [url=http://lccrdkoxft.com]lccrdkoxft[/url ] [link=http://sanhaxfa.com]sanhaxfa[/link ]

  2. Angelo (kein Partner)
    20. Januar 2015 22:58

    Buuh Ihr Schluffis 2x Fudfballprolokram und dann das !?Burnoutsyndrom?Oder hab ich da was nicht verstanden?Aber dann doch iwrnedgie Glfcckwunsch ! Nur bitte NICHT weiter SO

  3. Anthony (kein Partner)
    19. Januar 2015 13:11

    in Berlin Leipzig in der Platte kann man gfcnstiger leben als in Mfcnchen oder Dfcsseldorf. Im Sfcden ist alles irgendwie teuerr, ja auch der Sprit kostet mehr in Bawfc als im Dortmunder Norden, die Leute verdienen auch mehr in Karlsruhe etc.. Es gibt also durchaus erhebliche regionale Unterschiede, destatis.de hilft weiter mit Einzelheiten dazu.

  4. Schnabeltierfresser (kein Partner)
    04. August 2011 07:11

    Warum schon wieder der Humbug von Großteil höherer Konsumausgaben, der für asiatische Industrieprodukte ins Ausland fließt? Alleine die Einzelhandelsspanne in Österreich ist viel höher, als das, was die Asiaten für ihre Industrieprodukte jemals zu Gesicht bekommen.

  5. xRatio (kein Partner)
    03. August 2011 19:48

    "Rechtlich fragwürdig ist freilich auch das sogenannte Streikrecht, also die Tatsache, dass ein Streik nicht – wie sonst jede Arbeitsverweigerung – den Arbeitgeber zu einer fristlosen Entlassung berechtigt."

    Aller und jeder Streik ist Terrorismus.

    Zivilrechtlich: Vertragsbruch
    Strafrechtlich: Nötigung und Erpressung.

    Gewerkschaften, die Streiks organisieren (also wohl alle), sind hochgradig kriminelle Vereinigungen i.S. der §§ 129 f. StGB.

  6. Torres (kein Partner)
    03. August 2011 11:06

    Ganz richtig, was Unterberger hier sagt. Gewerkschaften kann, darf und soll man nicht abschaffen. Auch wenn sie oft ein Hindernis in der wirtschaftlichen Entwicklung darstellen, haben sie doch eine Funktion für die Arbeitnehmer, außerdem ist die Mitgliedschaft ja freiwillig (zumindest formal, in Wirklichkeit gibt es, z.B. etwa bei der Gemeinde Wien, einen mehr als sanften Druck zur Mitgliedschaft, doch das ist ein anderes Thema), und Gewerkschaften gibt es auf der ganzen Welt, sogar in kommunistischen Staaten. Abgeschafft gehört aber jedenfalls die Arbeiterkammer, zumindest die Zwangsmitgleidschaft, so eine Institution gibt es sonst nirgends.

  7. Holmes (kein Partner)
    03. August 2011 06:51

    Headlines der Juli/August-Nummer "AK Für Sie":
    - Endlich Zeit für mich
    - Zeit zum Abschalten
    - Damit auch Zeit fürs Leben bleibt
    - Wie halten Sie den Job in der Hitze aus
    - usw.
    Die AK dürfte inzwischen zu einer Freizeitkammer mutiert sein.

  8. Brigitte Imb
    02. August 2011 19:02

    Eine Gewerkschaft sollte sich ihre Position erarbeiten müssen, mit ihren Mitgliedern, und nicht wie es bei uns Usus geworden ist, eine politisch motivierte Macht darzustellen, bei dessen Verein noch zusätzlich, um Mitgliedsgeld, massenhaft Parteifreunde versorgt werden müssen.

    Ein Beispiel von vor ca. 30 J.: KH St Pölten, Personalmangel(!), Bewerbung, ausgezeichnete Zeugnisse, keinerlei Parteimitgliedschaft, Anstellung NUR nach geleistetem Beitritt zur Gewerkschaft - dabei der chr. sozialen Fraktion zuzugehören mußte eigens eingefordert werden, andernfalls wurde man automatisch als Rötling verbucht.

    • contra
      02. August 2011 22:54

      Dazu paßt Kommentar von @Brockhaus, ganz unten 9:08 Uhr:

      "Freiwillige Mitgliedschaft? Daß ich nicht lache. De jure ja, aber de facto?"

    • Brigitte Imb
      02. August 2011 23:54

      Ja, Freiwilligkeit, alles Quatsch, im Personalbüro wurde klipp u. klar artikuliert - Unterschrift, od. keine Anstellung. Heutzutage braucht man dafür natürlich auch ein Parteibuch.
      Ich bin wirklich froh, dass in unserem kl. Betrieb diese Kraken nicht direkt Fuß fassen können und wir uns diesen Ärger ersparen.

    • APM (kein Partner)
      03. August 2011 09:03

      Alleine aus dieser Ihrer Bemerkung (nach "contra") ist der ganz klitzekleine Verdacht, dass eine Arbeitnehmervertretung doch vielleicht notwendig sein könnte, nicht ganz von der Hand zu weisen.
      Zur Bemerkung des Herrn Landeshauptmannes: Aus der Sicht der "Effizienz", wilder "aggressiver Kampfgeist" ( zum. was die "Töchter" betrifft) wirtschaftsbezogener Themen, ist sein Vorschlag nicht unverständlich.
      Fazit: Langsam tut mir aber der arme Strache leid. Es scheint so, dass die generelle Vertrottelung vor nichts mehr halt macht.....
      Nur als Hinweis: Ich bin kein "Linker"...

    • contra
      03. August 2011 15:44

      @APM

      Notwendig - ja, vermutlich, aber bitte ohne ZWANG. Es lebe der kleine, feine Unterschied!

  9. RR Prof. Reinhard Horner
    02. August 2011 15:11

    reimhard.horner@chello.at

    Interessenvertretung

    Herrn LH Dörfler - nicht nur in dieser Angelegenheit - ernst zu nehmen, fällt nicht leicht.

    Was die Interessenvertretungen in Österreich - trotz allen Mängeln - zum sozialen Frieden und zur Entfaltung in unserem Land beigetragen haben und weiterhin beitragen können und sollen, liegt auf der Hand.

    Bedenkenswert wäre hingegen, wo die pflichtigen und die freiwilligen Interessenvertretungen ihre "Programme" der Regierung und dem Parlament aufnötigen bzw. die Regierung ihre Aufgaben und Verantwortungen zu den Interessenvertretungen verlagert. Überdies wäre zu prüfen, inwiefern in der ausgeübten Praxis Prinzipien des sonst so gerne gescholtenen "Ständestaates" der 1. Republik wirksam werden.

    In den Bereichen, in denen die freiwillige Mitgliedschaft durch Druckausübung außer Kraft gesetzt wird und wo Karrierewege schier exklusiv über Funktionen geleitet werden, sind in erster Linie reinigende individuelle und möglichst gemeinschaftliche Initiativen gefragt. Machbar sind sie immer.

    Hinsichtlich des Einsatzes von Streiks haben wir in Österreich insgesamt keine schlechten Gebräuche.

  10. Anton Volpini
    02. August 2011 12:02

    nicht ganz O.T.

    D.I. Uve Scheuch in erster Instanz zu 18 Monate, 6 davon unbedingt verurteilt!
    Quelle: Kleine Zeitung

    • contra
      02. August 2011 14:04

      Ein Exempel eines nicht ganz unpolitischen Richters!

    • Brigitte Imb
      02. August 2011 19:05

      Aber, aber, unsere Gerichte, so heißt es immer wieder, sind doch unabhängig.

      Scheuch (ohne Mitleid) geht hinter Gitter, Jarolim wird nicht einmal diskutiert - Paßt doch, oder?

    • Undine
      02. August 2011 22:23

      Sind nicht Blecha und Gratz wegen ihrer Verwicklungen in den Fall "Lucona" auch verurteilt worden?

    • contra
      02. August 2011 22:30

      @Undine

      Natürlich und Blecha darf heute wieder seinen politischen Geschäften nachgehen.
      Gratz weilt ja bekanntlich nicht mehr unter den Lebenden und dafür wurde ein Platz in Wien nach ihm benannt.

      Tja, die Genossen lassen ihresgleichen nicht verkommen!

      Freund(erlwirt)schaft und was ein Sozi darf, ist einem Nichtsozi noch lange nicht gestattet!

    • Anton Volpini
      03. August 2011 07:49

      Nun @contra, sollte man Ihrer Meinung den Scheuch laufen lassen, weil auf der linken Seite Nachsicht vor Gerechtigkeit geübt wird?

    • contra
      03. August 2011 15:38

      Nein, wenn es einen strafbaren Tatbestand gibt natürlich nicht!
      Aber, GLEICHES Recht für ALLE, oder?

  11. Wolfgang Bauer
    02. August 2011 11:55

    Dörfler wurde vielleicht nicht ganz korrekt zitiert - oder er hat sich sommerlochfüllend unklar ausgedrückt.

    Aber an der Tatsache der unnötigen Doppelorganisation von AK und Gewerkschaft ist viel Reformbedürftiges dran. Also sollte zumindest eine konsolidierende Abschlankung beider ausgewucherter Moloche erreicht werden, unter Halbierung der jeweiligen Mitgliedsbeiträge.

    Und natürlich das Ende der unsäglichen und nicht statutenkonformen Geldverschwendung für Parteipropaganda. Wer einmal vom AK-Tumpel persönlich einen Wahlkampf-Folder ausgehändigt bekommen hat, möchte das nicht mehr erleben!

    Es gibt in dieser Ecke also genug zu verbessern. Und dass die Gewerkschaft im Fall Bawag alle Mitgliedsbeiträge aus 25 Jahren vertan hat und die Mitglieder sich das ohne Aufstand haben gefallen lassen, zeigt die verbreitete Schafsmentalität der Mitglieder...

    AK+ÖGB: Auch eines der Sparpotentiale! www.verwaltungsreform-jetzt.at

  12. simplicissimus
    02. August 2011 08:54

    ZWANGSMITGLIEDSCHAFTEN JEDWEDER ART ABSCHAFFEN!

    freiheit.

  13. Josef Maierhofer
    02. August 2011 08:49

    Gewerkschaften sind Privatvereine.

    Und sollten es auch bleiben und als solche behandelt werden.

    Streikrecht soll es meiner Meinung nach natürlich geben, auch den Schutz der Streikenden, solange es sich um eine Kundgebung, eine Aktion handelt. Aber das 'Niederstreiken oder Todstreiken eines Betriebes', sprich Streiks über normale Aktionen (über 1 Tag) hinaus oder 'Dienst nach Vorschrift' (in der Bedeutung von Boykott oder gar Sabotage) sollten natürlich mit Entlassung beantwortet werden dürfen.

    Arbeiterkammer ist für mich eben ein teures Pflaster, wie wir hier lesen, teurer als Wirtschaftskammer, und als verfassungsrechtlich institutionalisierte Organisation kein Propagandaorgan von Parteien. Dieser Mißbrauch wäre bei unserer Arbeiterkammer zu verfolgen und zu bestrafen, genauso, wie es bei der Wirtschaftskammer wäre, würde die zu Parteipropagande mißbraucht werden.

    Über den Fakt, dass die Schuldentreiber und Staatszerstörer in den Gewerkschaften sitzen, möchte ich auch, wie Dr. Unterberger, nur so viel verlieren, dass die Mitglieder für die Forderungen des Vereines verantwortlich sind und daher diese Mitglieder für das, was sie fordern und durchsetzen als hauptverantwortlich zeichnen. Also auf Deutsch, die Gewerkschaften (Funktionäre hauptsächlich und ihre gläubigen Mitglieder, die sich gegenüber anderen arbeitenden Menschen satte Vorteile erwarten und herausschinden, die ihnen nicht zustehen) sind für Österreich solange ein Sargnagel, solange Regierung gleich SPÖ heisst und Gewerkschaft gleich SPÖ heisst und Korruption, Bevorzugung, Lüge, Manipulation, etc. auch gleich SPÖ heisst und solange der Schaden für Österreich dadurch entsteht, dass die SPÖ diesen zulässt und anrichtet.

    Ich hätte Aufgaben für die Gewerkschaften, wo sie das Geld nutzbringend anlegen könnten, nämlich Mitarbeiterschulung, Umschulung auf Bedarfsberufe, Weiterbildung (nicht Parteiakademie), etc. Was unterscheidet die Gewerkschaft eigentlich von der Arbeiterkammer ? Nichts, beides ist SPÖ, präpotent, und glaubt, den Staat ruinieren zu dürfen, was auch für Teile der Wirtschaftskammer gilt.

    Na und dafür hätten wir ja auch das AMS, auch so eine SPÖ Organisation, die wie geschmiert funktioniert und agiert, mit objektiv schlechten Vermittlungswerten im Verhältnis zur Größe.

    Es sei natürlich jede Meinungsäußerung zum Thema zulässig, auch die von Herrn Dörfler, nur ans Gesetz sollten sich halt alle halten, was vor allem diese 'Linksorganisationen' überhaupt nicht tun, sondern apparatschikhaft alles (SPÖ) 'intern' erledigen, sprich, alles für Parteipropaganda mißbrauchen.

    Wenn in Ungran ein Herr Orban andenkt, die Politiker fürs Schuldenmachen im Nachhinein bestrafen zu lassen, so würde ich meinen, das wäre bei uns fatal, aber ich würde es in Zukunft verbieten, dass unter Strafe über das Steueraufkommen hinaus Geld ausgegeben werden darf, das Selbstverständlichste auf der Welt, das man bei uns auch bis Ende der 1960-er Jahre auch beachtet hat, das aber mit Eintritt der SPÖ in die Regierung zu dem gemacht wurde, was wir heute haben, von damals 58 Millionen Schilling Staatsschulden wurden bis heute 300 Milliarden (!) EURO (!). Wäre schon was Strafbares, hätte das ein Privater getan ....

  14. HJR
    02. August 2011 08:23

    Da sind wir wieder bei einem Thema, wo es um (österreichische) Institutionen geht. Als vor kurzem die Parteien im Fokus standen, habe ich empfohlen, diese auf ihre in der Kelsenverfassung niedergelegte Zweckbestimmung - die Mitwirkung an der Meinungsbildung - zurückzuführen. Das trifft auch für die Gewerkschaften zu. Denn diese rechtmäßige, freiwillige Gruppierung von Arbeitnehmern zu deren Vertretung am Arbeitsmarkt, wo auch die Preise für Arbeit gebildet werden (jedenfalls in der Theorie) verhindert durch ihre polische Einflussnahme eine marktgerechte Preisbildung (ich verweise auf Hayek) - welche natürlich nicht immer mit den Arbeitnehmerinteressen korrespondiert.

    Doch das führt uns wieder zurück zum Thema Parteien, da es bei uns in Bagdad ja KEINE Institution gibt, welche nicht einer der beiden "Reichshälften" angehört und mit dieser in einer nicht zu leugnenden, engen Verbindung steht. Und die Gewerkschaften wie auch die Arbeiterkammer (diese allerdings als Körperschaft öffentlichen Rechts) gehören eben zur linken Reichshälfte.

    Da es in "diesem unserem Lande" aber (schon länger) keine Politik mehr gibt, welche sich (wie verfassungsmäßig vorgesehen) um das Land, also um unseren Staat kümmert, sondern nur noch Parteipolitik, erschöpft sich das politische Geschehen ähnlich wie bei zwei schlechten Schachspielern in einem langwierigen Stellungsgemurks (der Bauern) unterbrochen von gelegentlichem Figurenabtausch mit dem erkennbaren Endziel, die Partie (die nicht zu gewinnen ist) wenigstens bis zu einem gesichtswahrenden Remis zu führen.

    Im Übrigen wäre meinen Mitpostern, welche Dörflers Vorschlag unter "Sommertheater" abzulegen geneigt sind, natürlich zuzustimmen, wäre da nicht die evident politische Dimension der Gewerkschaft, welche in engem Schulterschluss mit der Arbeiterkammer sowohl in der exekutiven als auch in der legislativen Staatsgewalt ihr segensreiches Wirken entfaltet. (Die neoliberalen Ausflüge, als da unter den Stichworten Konsum und BAWAG in die Debatte geworfen wurden, möchte ich in Rücksicht auf meinen Blutdruck hier ausklammern). Und genau hier gerate ich - ausnahmsweise - in Widerspruch zu unserem "Säulenheiligen" (beg your pardon, AU), wenn er sagt: "Private Vereine wie die Gewerkschaft dürfen hingegen von der Politik nicht angerührt werden", denn diesem Satz wäre zwingend hinzuzufügen: UND PRIVATE VEREINE HABEN DIE FINGER VON DER POLITIK ZU LASSEN!"

    Denn genau hier liegt der Hund begraben, der es verhindert, dass in Österreich Politik für das Land und seine Bürger gemacht wird, weil die Interessen der Parteien und der mit ihnen assoziierten "Vorfeldorganisationen" und der von ihnen "betreuten" Versorgunsposten stets Priorität genießen. Und dies auch deshalb, weil die Fragen auf dieser Ebene viel einfacher gestellt und zum Teil sogar gelöst werden können; selten allerdings zum gleichzeitigen Nutzen des i.d.R. wesentlich komplexeren Staatsganzen.

    [mailto: horst.rathbauer@gmx.at]

  15. DerTurm
    02. August 2011 08:11

    Es ist höchste Zeit, dass die Arbeiterkammersteuer auf den Lohnzetteln ausgewiesen werden muss.

    Es ist höchste Zeit, dass auch die Arbeitgeber-Abgaben auf dem Lohnzettel ausgewiesen werden (denn schließlich sind es Abgaben auf die Arbeitsleitung des Arbeitnehmers, und werden ihm von seinem Netto-Lohn abgezogen).

    Es ist höchste Zeit, dass die Zwangsmitgliedschaften bei Kammern abgeschafft wird.

    • Anton Volpini
      02. August 2011 08:21

      Die Zwangsmitgliedschaft bei den Kammern ist aber seit Gusenbauer/Molterer im Verfassungsrang! Es braucht für die Abschaffung im Parlament eine 2/3 Mehrheit.
      Gar nicht so leicht umsetzbar, diese Forderung.....

    • DerTurm
      02. August 2011 17:09

      Ja, dieser "Geniestreich" wird uns leider wohl noch lange verfolgen.

      Die Frage ist, ob man hier nicht eine Verfassungswidrigkeit konstruieren könnte...

    • DerTurm
      02. August 2011 17:12

      ...und das ganze gleich mit anderem Gerümpel, wie den Taxlern, aus der Verfassung werfen.

  16. Anton Volpini
    02. August 2011 07:44

    Gerhard Dörfler will wohl einfach nur Aufmerksam erheischen! So, wie er es mit dem von Haider eingeführten Teuerungsausgleich macht, den er auch in einem Jahr auszahlte, wo es keine Teuerung gab. Oder mit dem in Kärnten einmaligen Heizkostenzuschuß, oder dem Jugendtausender, der zwar noch nicht institutionalisiert ist, aber regelmäßig für Aufregung bei der Jugend sorgt.
    Oder die Tankstellen des Landes Kärnten, in dem Kärntner billiger tanken können, weil die böse Ölindustrie mit hohen Preisen den Kärntnern zu tief in die Taschen greift.
    Eigendlich will Dörfler die Gewerkschaften nur weghaben, damit er alleine diese Geisteshaltung vertreten kann!

  17. mike1
    02. August 2011 07:23

    vollkommen richtig ! a.u. spricht mir wieder mal aus dem herzen und hat in allen punkten recht ! auch ich prangere die gewerkschaften, deren frühere verdienste nicht zu leugnen sind, als verhinderer bzw. als arbeitsplatzvernichter an.

    konsequenz kann nur sein, aus so einer organisation auszutreten - sollte man das nicht eh schon längst als denkender mensch getan haben. bei mir liegt das schon über 30 jahre zurück. ich habe diesen haufen auch nie gebraucht, ausserdem habe ich bemerkt, dass sich die sogenannten gewerkschafter immer wieder mit den besten posten versorgt haben. und wenn man sich noch diese leut ansieht, einen foglar z.b., danke....

    was den dörfler betrifft: den halte ich schon immer für ein bisschen dodelig, er sollte nicht die gewerkschaften abschaffen wollen, sondern eher darauf hin weisen, dass die ak-mitgliedschaft (wie auch die bei der wko) eine zwangsmitgliedschaft ist - sind ja nordkoreanische verhältnisse !

    • Wertkonservativer
      02. August 2011 16:16

      Hej mike,

      Du kommst vom Urlaub und springst gleich zweimal in die oberen Ränge!?
      Gratulation; zum Thema Dörfler, ÖGB und AK spare ich mir eigene Worte: Du hast auch für mich gesprochen!!

      Grüße

      Gerhard

      gerhard@michler.at

    • mike1
      02. August 2011 18:51

      lieber gerhard, ich wundere mich selbst - aber es tut gut !

      ganz liebe grüße

      mike

  18. Observer
    02. August 2011 06:44

    Gewerkschaften hatten vor 100 Jahren wirkliche Existenzberechtigung, denn damals waren die Unselbständigen mancher Willkür der Arbeitgeber ausgesetzt. Heutzutage sitzen Arbeiter (Angestellte und öffentlich Bedienstete) in einem Boot und sollten immer gemeinsam die Ihnen gestellkten Aufgaben bestens erfüllen. Obwohl es die Kammern als gesetzlich vorgesehene Interessensvertretungen gibt, ist gegen zusätzliche - auf freiwilliger Mitgliedschaft basierende - Vereine, welche ähnliche Zielsetzungen haben, nichts einzuwenden. Werden diese Zielsetzungen aber ständig der Gegenwart angepasst? Oder handelt es sich bei Gewerkschaften, Industriellenvereinigung u.ä. nicht eher um Kopien der Kammern, wo verdiente Parteileute einen Zweit- oder Drittjob haben und eigentlich diese Institutionen oft nur als Selbstzweck fungieren? Oder sind die "offiziellen" Kammern zu schwach, dass es dieser zusätzlichen "Beschützer" bedarf?
    In einer global vernetzten Wirtschaftwelt haben klassenkämpferische Aktivitäten bei uns keine Berechtigung mehr. Vielmehr wäre es z.B. die Aufgabe der Gewerkschaften, dafür einzutreten, dass die Arbeiter in China, Vientnam usw. ähnliche Arbeits- und Einkommensbedingungen wie bei uns bekommen. Damit würden auch wieder bei uns mehr Arbeitsplätze geschaffen.
    Noch etwas: obwohl der ÖGB sich als "unabhängig" bezeichnet, habe dort eigentlich nur die Linken das Sagen. Ein bestes Beispiel ist der Betonierer Neugebauer, welcher eigentlich nur einen schwarz Anzug trägt, innen aber schon knallrot ist. Ist es bei Leitl nicht schon ähnlich?

  19. Karl Rinnhofer
    02. August 2011 03:33

    Ich fühle mich verpflichtet, trotz weitestreichender Übereinstimmung mit den einzelnen Aussagen des Tagebuch-Kommentars Widersprüche festzustellen:

    Zu Recht werden ungerechtfertigte, notorisch gegen wirtschaftliche Vernunft gerichtete Forderungen der AK kritisiert. Doch Erhöhung der Reallöhne an sich wird mit dem Argument skeptisch beurteilt, weil durch sie „der Großteil höherer Konsumausgaben ins Ausland fließt (für asiatische Industrieprodukte, für Reisen, für den Import von Energie usw.)“. Eine ähnlich skeptische Aussage über die bedenkliche Auswirkung von Kaufkraftstärkung wurde bereits am 28. Juli getroffen: „Über höhere Konsumausgaben in Österreich kann sich mehrheitlich das Ausland freuen. Denn die Mehrheit dieser Ausgaben fließt direkt an ausländische Produzenten, was chinesische, vietnamesische, taiwanesische, malaysische Staatstresore längst vor Euro- und Dollarnoten überquellen lässt“. Höhere Kaufkraft wird an sich negativ beurteilt. Im gleichen Kommentar wird aber (ebenfalls zu Recht) kritisiert, dass „die Belastung jedes Gehaltszettels durch Steuern und Abgaben in Österreich deutlich höher ist als in allen Nachbarländern“. Damit wird Erhöhung der Kaufkraft in Gegensatz zu den Vordersätzen positiv und wünschenswert dargestellt.

    Auch zu früheren Aussagen gibt es einen schwerwiegenden Widerspruch: Im aktuellen Kommentar wird behauptet, dass von Schulden „Gläubiger überdurchschnittlich profitierten“, in früheren (zu Recht; sinngemäß) festgestellt, dass durch die galoppierende Inflation gerade die Besitzer von Erspartem eine Vernichtung ihres sauer verdienten Geldes erfahren, während Schuldnern die Inflationierung hilft, ihre (verantwortungslos angehäuften) Schulden mit wertgemindertem Geld, also auf Kosten ebendieser Gläubiger zurückzuzahlen. Andere Kommentatoren sprechen zu Recht von einer zusätzlichen „Inflationssteuer“, welche die Sparer und Gläubiger trifft. Als ob es nicht „reichte“, dass die Pseudo-„Erträge“ von unter der Inflationsrate liegenden Zinsen durch die Sparbuch-KEST und die „Vermögenszuwachssteuer“ (Wertpapier-KEST) weiter gemindert werden.

    Somit sei verwundert festgestellt (.s.o.), dass die damit verbundene Minderung der Kaufkraft offenbar keinen Schaden für die inländische Wirtschaft darstellte und nur ausländische Wirtschaft überdurchschnittlich zu leiden hätten.

    Festzuhalten ist allerdings, dass Schulden keineswegs aufgenommen werden dürfen für konsumptive Ausgaben („Umverteilung“), sondern allenfalls und begrenzt für „echte Investitionen, deren Sinnhaftigkeit intersubjektiv überprüft werden muss. Solche kommen tatsächlich schwerpunktmäßig dem Inland und deren Wirtschaft zugute.

    • Markus Theiner
      02. August 2011 05:45

      Ich als ökonomischer Laie finde da nicht wirklich einen Widerspruch.

      Es kommt ja nicht nur darauf an ob höhere Kaufkraft gut oder schlecht ist, sondern für wen sie gut oder schlecht ist.

      Für den, der mehr Geld in der Tasche hat, ist das natürlich immer erstmal was Schönes. Mehr Konsum, hurra!
      Und wenn sich derjenige seine Kaufkraft erarbeitet hat spricht da auch garnichts dagegen. Daher gegen hohe Steuerbelastung.

      Wenn aber der Staat höhere Kaufkraft durch Umverteilung generiert ist das für den Staat kein gutes Geschäft, so lange die Milchmädchenrechnung nicht aufgeht, dass diese "Investition" über höhere Steuereinnahmen wieder zurück kommt. Womit der Staat in die Schuldenfalle gerät - mit den bekannten Nachteilen. Aus diesem Blickwinkel ist diese Art der Kaufkraftsteigerung also schlecht.

      Und es gibt noch einen Unterschied. Wenn sich eine hohe Kaufkraft aus hoher Produktivität ergibt fließt zwar trotzdem ein Großteil davon in Importe - durch die hohe Produktivität kann die Wirtschaft aber auch mehr exportieren und die Handelsbilanz wieder ausgleichen. Wird die Kaufkraft durch die staatliche Gießkanne erhöht steigert das aber die Produktivität damit nicht wirklich.

      Auch der Profit durch Schulden ist nicht widersprüchlich.
      Durch Schulden profitieren Gläubiger auf Kosten der Schuldner.
      Wenn es zum Konkurs oder einer Inflation kommt ist es umgekehrt.

      Schulden und Inflation gleichsetzen ist Unsinn, nicht zuletzt weil man damit ausblendet, dass zumeist jemand die Inflation bewußt steuert.

    • DerTurm
      02. August 2011 08:17

      Es ist kein Widerspruch, dass die Gläubiger in diesem Fall überdurchschnittlich profitieren, da sie einerseits überdurchschnittlich hohe Zinsen lukrieren können, anderseits aber keinerlei Ausfallrisiko zu befürchten haben (deswegen sind die Zinsen ja eigentlich hoch), da ja die Politik sofort mit Hilfspaketen bereit steht.

      So werden die Zinserträge privatisiert, während das Ausfallrisiko sozialisiert wird. Auf einem Freien Markt wäre dies nicht möglich, dort hätte der Gläubiger zwar auch den Profit aus hohen Zinsen, müsste aber auch das Ausfallrisiko selbst tragen.

    • Karl Rinnhofer
      02. August 2011 13:30

      @Markus Theiner
      Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Ihrer und meiner Position. Ich schrieb ja, dass eine Neuverschuldung für konsumptive Ausgaben im Sinne einer Kaufkrafterhöhung ohne Konnex zur eingebrachten individuellen Leistung (“Umverteilung“) und der „gesellschaftlichen Leistung“ (Produktivitätszuwachs) absolut abzulehnen ist. Nur für nachhaltige Investitionen (z.B. Infrastruktur aber sicher nicht bei prestigebegründeten Tunnelprojekte, die sich rechnen ) mag eine begrenzte Neuverschuldung argumentierbar sein, und auch dann nur, wenn sie durch „Überschuss-Phasen“ in absehbarem Zeithorizont wieder ausgeglichen wird. Von dieser Position ist Österreich Politik derzeit um Lichtjahre entfernt.

      Der von mir geortete Widerspruch bezieht sich ausschließlich in der unterschiedlichen Bewertung von Kaufkrafterhöhung an sich je nach Kontext. Ich dementiere vehement, eine Kaufkrafterhöhung durch Neuverschuldung (und darin besteht ja der Wählerkauf der Politiker auf Kosten ungefragter Dritter, z.B. von „Nettozahlern“, Nachfolgegenerationen) das Wort zu reden - ganz im Gegenteil. Doch Kaufkrafterhöhung an sich wegen allfälligen Gewinns für ausländische Industrie negativ zu besetzen, ist der falsche Ansatzpunkt, wenn man zugleich die Kaufkraftminderung durch überhöhte Steuern zu Recht verurteilt, die zugleich auch die legitim kaufkrafterhöhende Produktivität (s.o.) durch Leistungs-Demotivation hemmen.

    • Karl Rinnhofer
      02. August 2011 13:40

      @der Turm
      Die Position, dass Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert würden, kann ich kaum nachvollziehen. Inflation, die über den üblichen Sparzinsen liegt, bringt trotz Scheingewinnen (Zinsertrag) Verluste, die durch KEST noch größer werden; dass Risikokapital der Wirtschaft zur Verfügung gestellt wird, ist wichtig Eine Gewinnerwartung ist legitim, wird immer abzüglich der Inflation, der Bankgebühren, der Wertpapier-KEST ziemlich bescheiden ausfallen; es kann durchaus zu (Total-)Verlust kommen: Keineswegs lukrieren Gläubiger immer Superzinsen, keineswegs steht immer der Staat mit Ausfallshaftung zur Verfügung. Man frage viele, deren Geldvermögen enorm dahinschmolzen – und niemand fing den Verlust auf ... !

    • Markus Theiner
      02. August 2011 16:45

      @ Karl Rinnhofer:

      Den Widerspruch sehe ich aber auch bei AU nicht.

      Es steht in diesem Artikel nicht, dass es schlecht wäre, wenn die Kaufkraft steigt. Dass ein guter Teil des Konsums ins Ausland fließt ist Fakt und wird von AU hier überhaupt nicht bewertet. Er weist nur darauf hin, dass die Gewerkschaft eben diesen Fakt ignoriert.

      Und das ist mE im Zusammenhang mit der Milchmädchenrechnung zu sehen:
      "Sie taten dies oft unter dem Vorwand einer kruden ökonomischen These: Durch Defizite würde das Wachstum angekurbelt werden; dieses wieder würde dann erlauben, die Schulden abzubauen."

      So wie AU diesen Hinweis meines Wissens immer im Zusammenhang mit der These vom Nullsummenspiel erwähnt und sonst nie. Der Fakt ist an sich nicht negativ zu bewerten, ruiniert aber die letzte Glaubwürdigkeit des selbststopfenden Budgetdefizits.

    • Karl Rinnhofer
      03. August 2011 10:46

      @Markus Theiner
      Vielen Dank für Ihre Mühewaltung, sich mit den Beiträgen in fairem Dialog, von dem wir einander lernen, auseinanderzusetzen. Ich bin gerne bereit, Ihre Lesart zu übernehmen, zumal ich ja ausdrücklich mit den Hauptinhalten des A.U-Kommentars übereinstimme.
      Meine Position: Kaufkraftsteigerung grundsätzlich positiv, nicht durch mögliche Effekte auf Auslandsindustrie zu relativieren. Sie darf derzeit keineswegs mit überzogenen gewerkschaftlichen Forderungen oder „politischen“ Umverteilungs- und Schuldenmacher - „Geschenken“ gepusht werden, das wäre nur kurzzeitig zum „Durchauchen“ in Krise geboten. Nur tendenzielles Heranführen von Netto an Brutto (viel geringere Arbeitssteuern) sowie Leistungsmotivation und Effizienzoptimierung (Produktivitssteigerung) sind legitime Basis für allfällige Reallohnsteigerung. Priorität hat der Staatsschuldenrückführung durch Ausgabenminimierung zu gelten.
      Dass Gläubiger Vorteile durch „Risikoaufschläge“lukrieren, ist legitim (sofern es keine externen „Haftungen“ gibt). sonstige Gläubiger (als Sparer) fahren seit langem Verluste ein, die durch neue De facto-Substanzsteuern weiter erhöht wurden.

  20. libertus
    02. August 2011 00:55

    Mir ist auch nicht ganz klar, wer oder was Dörfler da geritten hat, als er die Abschaffung der Gewerkschaften forderte. Nicht daß ich ein besonderer Freund dieser Vereine wäre - sie haben schon oft genug ihre Unfähigkeit bewiesen und unzählige Projekte auf Kosten ihrer Beitragszahler in den Sand gesetzt.

    Aber immer noch sollte man einer FREIWILLIGE Mitgliedschaft den Vorzug vor einer ZWANGSmitgliedschaft geben und so gesehen hat der Kärntner Landeshauptmann den Hebel völlig falsch angesetzt.

    Hätte er rechtzeitig bei seinem Vorgänger nachgeschlagen, wäre ihm dieser Fauxpas nicht passiert!

    • Brockhaus
      02. August 2011 09:08

      Freiwillige Mitgliedschaft? Daß ich nicht lache. De jure ja, aber de facto?





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