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Es führt ein Tunnel nach nirgendwo

Es ist ein Musterbeispiel, wie sich die Politik zunehmend um ihre Glaubwürdigkeit bringt. Früher sind bei Monsterprojekten der Dimension Brenner-Basistunnel oder Koralm-Tunnel die privaten Investoren meist bankrott gegangen. Bei den Tunnel-Projekten droht das der Politik – oder zumindest ihrer Glaubwürdigkeit.

In dieser Frage sind es ausgerechnet die Grünen, die man auf der Seite der Vernunft findet. Dafür ist ihnen Anerkennung zu zollen – obwohl sie für den Beginn des Brenner-Projekts sehr wohl kausal waren. Denn die seit längerem schwelenden Klagen der Gemeinden im Tiroler Wipptal über die – einst von Tirol mit Stolz beworbene! – Autobahn bekamen erst nach einem Wahlerfolg der Grünen in Tirol politisches Gewicht und die Forderung nach einem Bahntunnel zur Entlastung der Autobahn wurde bald von allen Parteien zum zentralen Programm verwandelt.

Plötzlich wurde der Brenner-Tunnel zur obersten Tiroler Fahnenfrage, wichtiger als Skisiege und Südtirols Selbstbestimmungsrecht zusammen. Ähnlich wurde der Koralm-Tunnel zwischen Graz und Klagenfurt zuerst – unter Jörg Haider – für die Kärntner und dann auch für die Steirer zum zentralen Anliegen, das beiden vorher gar nicht bewusst gewesen war.

Eine wirkliche wirtschaftliche Betrachtungsweise findet da wie dort bis heute nicht statt. Sonst hätte man ja auch private Investoren finden können, die die Tunnels finanzieren, und die dann über die Benützungsgebühren Risiko wie auch Gewinnchancen tragen. Da das EU-Recht es unmöglich macht, Frächter von der Straße auf die Schiene zu zwingen, muss der Brennertunnel eine gewaltige Fehlinvestition werden. Dies auch deshalb, weil Deutschland völlig desinteressiert ist, die Brennerbahn Richtung Norden (etwa durch einen anschließenden zweiten Monstertunnel unter der Innsbrucker Nordkette) auszubauen. Aber natürlich macht die Strecke nur in Hinblick auf Deutschland wirklich Sinn.

Ähnliches gilt für die andere Großbaustelle. Der Personen-Verkehr zwischen Graz und Klagenfurt wird derzeit mit einem gelegentlichen ÖBB-Bus voll abgedeckt, der die Strecke in zwei Stunden bewältigt (der Bahn-Umweg über Leoben dauert 2,30 Stunden). Güterverkehr von Graz in das industriell völlig unbedeutende Klagenfurt ist sowieso keiner zu erwarten. Nicht einmal die – auch wegen der dazwischen liegenden Orte industriell viel wichtigere – Verbindung Graz-Linz ist künftig den ÖBB einen direkten Personenzug wert. Die Kärntner Industriefurche (St. Veit bis Villach samt Anschluss nach Italien) ist sowieso durch die alte Südbahn gut erschlossen. Diese bräuchte nur dringend den von Erwin Pröll aus populistischen Gründen so lange verhinderten Semmering-Tunnel, um noch höhere Kapazitäten zu haben. Bis der mächtige Niederösterreicher zum Glück endlich umschwenkte, ist ausgerechnet das einzige unter den drei Tunnelprojekten, dessen ökonomischer Sinn völlig unbestritten ist, ein Jahrzehnt lang verhindert worden.

Bei allen übrigen Projekten hat die Politik, insbesondere die Landespolitik, seit Jahr und Tag ihre Hauptaufgabe darin gesehen, den Menschen ökonomisch völlig sinnlose Projekte zu versprechen. Obwohl hinten und vorne kein Geld dafür da war. Ähnlich setzen sich ja fast alle Landeshauptleute ständig für Nebenbahnen ein, auf denen nur gelegentlich menschenleere Geisterzüge fahren.

Und niemand, weder Bund noch Länder, hat sich getraut, mit den Menschen Klartext zu reden. Daher wurden seit Jahr und Tag Formalbeschlüsse für den Bau der Tunnels getroffen, ohne dass die Finanzierung geklärt wäre. Ganz abgesehen davon, dass kein Mensch glaubt, dass der Brennertunnel wirklich nur die – ohnedies gewaltigen – 9,7 Milliarden Euro kosten wird, die jetzt dafür veranschlagt werden. Schlauerweise wurde aber dennoch an mehreren Stellen mit Probebohrungen begonnen. Gleichsam um den Steuerzahler vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Irgendwie verständlich, dass sich die ÖBB neuerdings dagegen wehren, dass die Regierung Projekte beschließt, deren Finanzierung aber dann den ÖBB umgehängt wird. Viel weniger verständlich ist, dass sich die ÖBB nun zwar gegen den Brenner, aber für den Koralm-Tunnel positionieren. Das versteht man wohl erst, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass bei den tunnelbegeisterten Tirolern, denen im Norden wie jenen im Süden, die seit 90 Jahren mit den ÖBB innig verbundene Sozialdemokratie völlig bedeutungslos ist. In der Steiermark stellt die SPÖ hingegen seit einigen Jahren den Landeshauptmann und in Kärnten kann sie zumindest auf ein Comeback hoffen.

Die Haltung der ÖBB zu den einzelnen Projekten ist ungefähr so schizophren wie die Haltung der ÖVP. Diese ist in Tirol, der Steiermark und Kärnten für die großen Löcher, auf Bundesebene aber für Sparsamkeit – und dazwischen für das parteiübliche Kommunikations-Vakuum.

Wie geht es weiter? Meine Schätzung: Beide Tunnels werden in den nächsten Jahrzehnten unter dem kombinierten Druck der Bau- und der Regional-Lobby  zeitweise weiter vorangetrieben werden, unter dem Druck der Realitäten aber auch zeitweise wieder eingefroren werden. Und wenn sie dann irgendwann einmal doch fertig sein sollten, werden Zeitungen und Politik das Finanzdebakel bejammern. So als ob sie nie die Tunnels verlangt hätten. Und ganz besonders wird die Wirtschaftskammer darüber klagen, die jetzt besonders laut für die zwei Verschwendungsbauten agitiert.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorthomas lahnsteiner
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 07:42

    man braucht keine genauen fakten, nur seinen gesunden verstand, um zu erkennen, dass nur der semmeringbasistunnel wirklich verkehrspolitisch wichtig ist.
    Würde doch dieser dazu dienen, die mur-mürzfurche, den großraum graz-marburg und das klagenfurter becken effektiv mit der ost-region österreichs zu verknüpfen... doch der dümmste und eitelste landeshauptmann aller zeiten im verbund mit dem drecksblatt aus dem hause dichand haben dies effektiv und auf lange zeit verhindert. Vor allem zum schaden der einwohner der steiermark und kärntens...was schert das den diktator aus niederöeterreich..hauptsache er kann sich in seiner einfalt als retter des semmeringwassers (!!!!) aufspielen.

  2. Ausgezeichneter KommentatorAnton Volpini
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 07:33

    Sehr geehrter Dr. Unterberger, ich widerspreche Ihnen ungerne, aber diesmal muß ich es in aller Deutlichkeit tun.
    Der Koralmtunnel ist nicht von regionaler Bedeutung zwischen Graz und Klagenfurt, sondern er ist Teil des sogenannten "schrägen Durchgangs".
    Einer uralten Handelsstraße von Oberitalien durch Österreich in den Tschechischen und weiter dahinter liegenden polnischen bis baltischen Raums.

    Der große Plan sieht eine Eisenbahnverbindung zwischen dem gigantischen Wirtschaftsraum Oberitaliens (Bolognia,Mailand) mit der Hafenanbindung Triest, durch Österreich bis zu den baltischen Staaten vor, der Koralmtunnel ist so wie der Semmeringtunnel nur ein Detail in diesem Plan.
    Pröll gibt seinen Widerstand gegen den Semmering auf, sowie die Westbahn fertig gebaut ist. Freilich hat er aber bei diesem Thema eine sehr merkwürdige, weil gesetzesbrecherische Figur gemacht.

    Es gibt einen anderen Plan innerhalb der EU, und der würde dieselbe Verbindung um Österreich herum durch Ungarn,Kroatien und Slowienien nach Koper führen.
    Ein Plan übrigens, der in der K.u.K. Monarchie bereits bestand, und nur durch den kraftvollen Erzherzog Johann durchbrochen wurde, der die Semmeringbahn durchsetzte und damit die damalige wirtschaftliche Prosperität der Obersteiermark begründete.

    Die Italiener sind mit ihrem Ausbau der Bahn bereits seit Jahren bis Tarvis fertig.
    Wollen wir Österreicher die Entwicklung nicht noch mehr verschlafen, so müssen wir schnellstens unseren Teil fertigbauen. Dazu gehört der Koralmtunnel und der Semmeringbasistunnel!

  3. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 10:08

    Bauen ist meist doppelt so teuer.

    Ich möchte einen Aspekt ansprechen, der jedem Häuslbauer geläufig ist, die wahren Gesamtkosten.

    Tatsächlich wird beim Hausbau vokalkuliert, wie 'günstig' man nicht bauen könne, etc. um dann festzustellen, daß im Endeffekt das Ganze meist doppelt so teuer war.

    So ist es auch in der Politik, die Kosten errechnet, diese so nach unten manipulieren lässt, bis 'es passt'. Beim Zahlen sieht es dann anders aus, etwa der AKH Bau mit einem Vielfachen, etwa der Terminalbau am Flughafen mit einem Vielfachen, etwa die noch laufenden Bahnhofsbauten mit einem Vielfachen, u.s.w.

    Beim Häuslbauer ist es meist das Doppelte, beim staatlichen Auftrag ist es meist ein Vielfaches im Namen der Selbstbedienung und Klientel.

  4. Ausgezeichneter KommentatorWertkonservativer
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 07:30

    Wir haben gestern Abend den Tiroler LH Platter zornbebend erlebt!

    Für mich ein weiterer Beweis, warum bei uns hinsichtlich Verwaltungsreform und sinnvoller Neuordnung der Zuständigkeiten im Staate Österreich nichts weitergeht!
    Die Länderfürsten (egal, ob Rot oder Scharz) blasen sich auf, als seien sie von Gott gesandte Schirmherren über das eigene Landesvolk, und bedenken dabei nicht, dass es auch noch andere Länder und darüberhinaus ein Volksganzes gibt!

    Zur Bewertung der Tunnel-Sinnhaftigkeit fehlen mir Qualifikation und eigene Meinung; ich weiß nur, dass mit dem Arlberg-Tunnel die netten Vorarlberger endgültig in Österreich angekommen waren.

  5. Ausgezeichneter Kommentatorterbuan
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 07:43

    Abgesehen von den bereits erwähnten, immer drückender werdenden Verschuldungsproblemen und der damit gegebenen Unfinanzierbarkeit von aus poliischer Großmannssucht aus dem Hut gezauberten Prestigeprojekten steht die Tunnelbauindustrie vor einem Riesenproblem:

    Derzeit sind in Österreich ca. 10 größere Eisenbahntunnels mit einer Gesamtlänge von etwa 70km in Bau oder kurz vor der Fertigstellung, zumeist im Unterinntal sowie an der Westbahn.
    Hinzu kommt der Bau der 2. Röhren bei den Autobahntunnels Pfänder, Tauern und Bosruck.

    Um ihre großen Kapazitäten weiterhin nutzen zu können sucht die Bauindustrie natürlich dringed Anschlußaufträge und übt daher entsprechenden Druck auf die Politik aus. Da alle großen Projekte (Lobau, Semmering, Koralm und Brenner) derzeit in ihrer Realisierung ungewiß sind, sehen die Tunnelbauer eher pessimistisch in die unmittelbare Zukunft.

    Über die verkehrstechnische Sinnhaftigkeit der diskutierten Eisenbahntunnelprojekte wird sicherlich unser Experte Karl Rinnhofer noch einen fundierten und kompetenten Beitrag bringen.

  6. Ausgezeichneter KommentatorCelian
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 08:41

    Daß der Brenner-Tunnel völlig unwirtschaftlich ist, dafür brauche ich nicht die "Expertise" der Grünen. Die gieren nur nach dem politischen Kleingeld, um den Großen eins auszuwischen.

    Im Unterschied zu dem, was die Grünen sagen, ist wesentlich, daß keine Bank und kein Finanzinvestor bereit ist, irgendeinen Euro zu investieren. Daß die rund 15 Mrd. für ein Loch im Berg am Steuerzahler hängen bleiben soll. Auch Deutschland, als Hauptnutznießer dieser Route ist nicht bereit eine müde Neu-Mark zu investieren. Logisch, denn die können über die Schweiz fahren, wenn sie unbedingt Eisenbahnfahren wollen, dort wurde doch erst unlängst der Durchbruch des Gotthard-Tunnel gefeiert. Was soll also noch so ein Tunnel durchs Alpen-Massiv?

    Das reicht mir als Begründung für die Unwirtschaftlichkeit des Tunnels. Nicht das, was die Grünen so von sich geben.

  7. Ausgezeichneter KommentatorCelian
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    23. Februar 2011 06:53

    Bei 18 Mrd. Euro Schulden hat die ÖBB, die bald aufgrund der EU-Forderung ins Budget zurückkehren müssen und damit die Staatsschuld mit einem Schlag von 69 % auf 79 % erhöhen würden, überhaupt keinen Spielraum für unwirtschaftliche Projekte zur Selbstverherrlichung einzelner Landesfürsten.

    Am Ende des Geldes werden plötzlich auch die Schuldenmacher auf Staatskosten also des Steuerzahlers vernünftig. Auch beim Koralmtunnel wird bald die Vernunft einkehren. Früher gingen Investoren bankrott, die sich bei Großprojekten vertan haben, ihre Schulden wurden aber nicht vom Steuerzahler beglichen, für die mußte er selber gerade stehen, das nannte man Kapitalismus. Heute geht kein Politiker bankrott, weil er das ihm anvertraute Steuergeld angebaut hat, die von ihm gemachten Schulden werden sozialisiert und darf der Buckel der Allgemeinheit tragen. Trotzdem wird der Sozialismus weiter verherrlicht und Privatinvestitionen verteufelt, da lachen ja die Hühner.


alle Kommentare

  1. Noemi (kein Partner)
    22. Januar 2015 13:53

    apply ice packs for ten minutes at a time, svreeal times a day. use a wrist support when you work. Advil soft gel capsules taken four times daily will relieve some of the pain. I advise you see your medical doctor for further information and an examination of the problem.

  2. Edson (kein Partner)
    20. Januar 2015 08:44

    Ice therapy (ice 10 muitnes on, 10 muitnes off a few times each day), wrist support, proper ergonomics (how computer position is set up). For a more permanent solution consider acupuncture (it really does work) or even surgery as a last resort.

  3. Heaven (kein Partner)
    19. Januar 2015 07:51

    Thank Ladies! I can't wait to see the others imgaes! It was beyond fun and they were such troopers. Especially Kim in those heels! She's my hero

  4. numerus clausel (kein Partner)
    24. Februar 2011 17:01

    Sollen doch alle Tunnel schnellstens gebaut werden. Wenn man ansieht, wie viel Geld bis dato vergeudet wurde und nichts ist daraus geworden, bevor weitere Probebohrungen stattfinden, die dann doch wieder gestoppt werden, sollen´s doch die Löcher bohren. Teurer als jetzt wird´s wohl nimmer werden, zumindest hätten dann ein paar Baufirmen was zu tun und ein paar Milliarden Schulden für ein paar weniger Arbeitslose sind auch wieder erfüllt.

    • Heidi (kein Partner)
      24. Februar 2011 17:35

      Glaube ist der Vogel, der das Licht schon in der Dunkelheit spürt und doch wird ins Loch gebohrt...*

  5. alfons adam (kein Partner)
    24. Februar 2011 09:24

    Mich interessiert bei dieser Thematik zusätzlich der offensichtliche Realitätsverlust
    der politischen "Elite". Mit diesem Begriff wird im Juristenjargon ein Zustand beschrieben, der einer Geisteskrankheit entspricht. Und dieses Phänomen ist ja
    weit verbreitet. Denken wir nur an die Realitätsverweigerung, wenn es um das Aussterben der einheimischen Bevölkerung Österreichs und Europas geht. Politiker und Meinungsmacher tun mit wenigen Ausnahmen alles, dieses Übel zu fördern.

    • cmh (kein Partner)
      24. Februar 2011 10:10

      Was mich viel mehr interessieren würde ist, wohin denn das Wachstum überhaupt hinführen soll - außer nach mehr.

      Ob dann ein Tunnel gebaut wird oder nicht erscheint mir eher zweitrangig.

      Und alle Übergänge und alle Anpassungsprozesse sind schmerzhaft. Dem Schmerz da auszuweichen kann sich dann als noch schmerzhafter erweisen.

      Also wäre es bei all diesen Tunnelprojekten zumindest sinnvoll, wenn flankierende Ordnungspolititsche Maßnahmen getroffen werden. Das aufjaulen von jedermann muss man als verantwortungsbewußter Politiker mit einem rudimentären Plan schon aushalten. Daher: wann kommt endlich eine permanente Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Tiroler Autobahn von 50 kmh? Wann können die Frächter endlich damit rechnen, dass sie bei jeder zweiten Fahrt auf Herz und Nieren kontrolliert werden?

      Dass die Bahn eine Notwendigkeit ist schließe ich daraus, dass die Frächter jetzt mit Sachen wie dem GigaLKw (oder wie das Ding heißt) gedankenexperimentieren und mit zusätzzlichen Verkehrsleitsystemen zur Entlastung der Fahrer.

      Was nottut ist daher ein generelles Verkehrskonzept in dem weder Tunnel noch Schiene noch Straße gleichwertig betrachtet werden.

      IN der Zukunft werden wir daher entweder eine Eisenbahn oder eine Betonbahn haben. Möglicherweise aber keinen saubilligen Individualverkehr mehr.

  6. socrates
    23. Februar 2011 17:45

    Ein Tunnel nach nirgendwo ist so gut wie eine Pipeline von nirgendwo nach nirgendwo.
    Nur bleibt das Geld in Ö, wie es bei den Gemeindebauten in den 20er und 30er Jahren war und hat einen sozialen Effekt. Nabucco kostet 10Mrd € , 6Mrd zahlt die ÖMV und für 2Mrd hat Fayman unterschrieben (zahlen tut er ja nicht, das überläßt er demokratischerweise uns). Da müssen wohl wieder die Pensionen herhalten, denn Geld haben wir keines. Dann muß noch das Geld für die Bohrungen in der Kaspischen See in 5000m Tiefe aufgetrieben werden, im Golf von Mexico zahlt das der amerikanische Steuerzahler. Wenn dann etwas passiert, bekommt jeder Fischer 100€ und jeder Anrainer 10€, das ist für die dort ohnehin viel Geld.
    Wenn die Jüngeren auf Pensionsvorsorge angesprochen werden, sollen sie daran denken, welche Chancen sie haben, nach bis zu 50 Jahren Geld davon zu bekommen

  7. Josef Maierhofer
    23. Februar 2011 10:08

    Bauen ist meist doppelt so teuer.

    Ich möchte einen Aspekt ansprechen, der jedem Häuslbauer geläufig ist, die wahren Gesamtkosten.

    Tatsächlich wird beim Hausbau vokalkuliert, wie 'günstig' man nicht bauen könne, etc. um dann festzustellen, daß im Endeffekt das Ganze meist doppelt so teuer war.

    So ist es auch in der Politik, die Kosten errechnet, diese so nach unten manipulieren lässt, bis 'es passt'. Beim Zahlen sieht es dann anders aus, etwa der AKH Bau mit einem Vielfachen, etwa der Terminalbau am Flughafen mit einem Vielfachen, etwa die noch laufenden Bahnhofsbauten mit einem Vielfachen, u.s.w.

    Beim Häuslbauer ist es meist das Doppelte, beim staatlichen Auftrag ist es meist ein Vielfaches im Namen der Selbstbedienung und Klientel.

  8. Celian
    23. Februar 2011 08:41

    Daß der Brenner-Tunnel völlig unwirtschaftlich ist, dafür brauche ich nicht die "Expertise" der Grünen. Die gieren nur nach dem politischen Kleingeld, um den Großen eins auszuwischen.

    Im Unterschied zu dem, was die Grünen sagen, ist wesentlich, daß keine Bank und kein Finanzinvestor bereit ist, irgendeinen Euro zu investieren. Daß die rund 15 Mrd. für ein Loch im Berg am Steuerzahler hängen bleiben soll. Auch Deutschland, als Hauptnutznießer dieser Route ist nicht bereit eine müde Neu-Mark zu investieren. Logisch, denn die können über die Schweiz fahren, wenn sie unbedingt Eisenbahnfahren wollen, dort wurde doch erst unlängst der Durchbruch des Gotthard-Tunnel gefeiert. Was soll also noch so ein Tunnel durchs Alpen-Massiv?

    Das reicht mir als Begründung für die Unwirtschaftlichkeit des Tunnels. Nicht das, was die Grünen so von sich geben.

  9. terbuan
    23. Februar 2011 07:43

    Abgesehen von den bereits erwähnten, immer drückender werdenden Verschuldungsproblemen und der damit gegebenen Unfinanzierbarkeit von aus poliischer Großmannssucht aus dem Hut gezauberten Prestigeprojekten steht die Tunnelbauindustrie vor einem Riesenproblem:

    Derzeit sind in Österreich ca. 10 größere Eisenbahntunnels mit einer Gesamtlänge von etwa 70km in Bau oder kurz vor der Fertigstellung, zumeist im Unterinntal sowie an der Westbahn.
    Hinzu kommt der Bau der 2. Röhren bei den Autobahntunnels Pfänder, Tauern und Bosruck.

    Um ihre großen Kapazitäten weiterhin nutzen zu können sucht die Bauindustrie natürlich dringed Anschlußaufträge und übt daher entsprechenden Druck auf die Politik aus. Da alle großen Projekte (Lobau, Semmering, Koralm und Brenner) derzeit in ihrer Realisierung ungewiß sind, sehen die Tunnelbauer eher pessimistisch in die unmittelbare Zukunft.

    Über die verkehrstechnische Sinnhaftigkeit der diskutierten Eisenbahntunnelprojekte wird sicherlich unser Experte Karl Rinnhofer noch einen fundierten und kompetenten Beitrag bringen.

  10. thomas lahnsteiner
    23. Februar 2011 07:42

    man braucht keine genauen fakten, nur seinen gesunden verstand, um zu erkennen, dass nur der semmeringbasistunnel wirklich verkehrspolitisch wichtig ist.
    Würde doch dieser dazu dienen, die mur-mürzfurche, den großraum graz-marburg und das klagenfurter becken effektiv mit der ost-region österreichs zu verknüpfen... doch der dümmste und eitelste landeshauptmann aller zeiten im verbund mit dem drecksblatt aus dem hause dichand haben dies effektiv und auf lange zeit verhindert. Vor allem zum schaden der einwohner der steiermark und kärntens...was schert das den diktator aus niederöeterreich..hauptsache er kann sich in seiner einfalt als retter des semmeringwassers (!!!!) aufspielen.

  11. Anton Volpini
    23. Februar 2011 07:33

    Sehr geehrter Dr. Unterberger, ich widerspreche Ihnen ungerne, aber diesmal muß ich es in aller Deutlichkeit tun.
    Der Koralmtunnel ist nicht von regionaler Bedeutung zwischen Graz und Klagenfurt, sondern er ist Teil des sogenannten "schrägen Durchgangs".
    Einer uralten Handelsstraße von Oberitalien durch Österreich in den Tschechischen und weiter dahinter liegenden polnischen bis baltischen Raums.

    Der große Plan sieht eine Eisenbahnverbindung zwischen dem gigantischen Wirtschaftsraum Oberitaliens (Bolognia,Mailand) mit der Hafenanbindung Triest, durch Österreich bis zu den baltischen Staaten vor, der Koralmtunnel ist so wie der Semmeringtunnel nur ein Detail in diesem Plan.
    Pröll gibt seinen Widerstand gegen den Semmering auf, sowie die Westbahn fertig gebaut ist. Freilich hat er aber bei diesem Thema eine sehr merkwürdige, weil gesetzesbrecherische Figur gemacht.

    Es gibt einen anderen Plan innerhalb der EU, und der würde dieselbe Verbindung um Österreich herum durch Ungarn,Kroatien und Slowienien nach Koper führen.
    Ein Plan übrigens, der in der K.u.K. Monarchie bereits bestand, und nur durch den kraftvollen Erzherzog Johann durchbrochen wurde, der die Semmeringbahn durchsetzte und damit die damalige wirtschaftliche Prosperität der Obersteiermark begründete.

    Die Italiener sind mit ihrem Ausbau der Bahn bereits seit Jahren bis Tarvis fertig.
    Wollen wir Österreicher die Entwicklung nicht noch mehr verschlafen, so müssen wir schnellstens unseren Teil fertigbauen. Dazu gehört der Koralmtunnel und der Semmeringbasistunnel!

    • Wertkonservativer
      23. Februar 2011 08:31

      Lieber phaidros, danke:
      natürlich meinte ich - eigentlich in erster Linie - die Verfassungsreform; in morgendlicher Hudlerei ist mir zunächst jedoch die hier oftmals geforderte Verwaltungsreform in die Feder gerutscht.
      Guten Morgen!

    • Wertkonservativer
      23. Februar 2011 08:32

      Bitte um Entschuldigung!
      Gehört zum eigenen Beitrag als Antwort an phaidros.

    • thomas lahnsteiner
      23. Februar 2011 10:32

      Backen wir doch lieber kleine brötchen......semmeringbasistunnel ja, dann entschärfung des neumarktersattels, kleine begradigungen im murtal, zwischen friesach und st.veit und fertig wäre die neue südbahn gewesen, zusätzlich durchgehend vmax 160 zwischen graz und bruck.
      Aber doch kein koralmtunnel, der auch für den niederösterreichischen idioten geplant wurde, der ja die südbahn auf der aspangbahntrasse bzw der "burgenlandtrasse" weiterführen wollte.
      Dem schwachkopf pröll verdankt man in summe 30 Jahre stillstand was den semmeringbasistunnel betrifft...und darauf ist der einfaltspinsel auch noch stolz....
      Dass die "pontebbana" völlig darniederliegt und vor allem kein ernstzunehmender personenverkehr mehr auf dieser nagelneuen strecke stattfindet, ist verdienst der italienischen staatsbahn, da kann man sich schon ausrechnen wie sich der brennerbasistunnel entwickelt....

    • Anton Volpini
      23. Februar 2011 10:56

      @thomas lahnsteiner

      ....bin ganz bei Ihnen, was den Landeshauptmann betrifft, über den Rest können wir diskutieren. :-)

    • PeterT (kein Partner)
      24. Februar 2011 09:03

      Die Geschichte mit der uralten Handelsstraße ist ja nett, nur:
      Diese Handelsstraße hat wohl noch nie über die Koralm geführt, oder?
      Entweder führte sie über die Mur/Mürz-Furche, so wie es die Bahn ja heute auch macht, oder sie führte östlich ums Gebirge herum, wie die alte Römer-Straße.
      Die waren nämlich alle klug genug, die geographischen Gegebenheiten richtig zu nutzen - und daran sollten wir uns auch heute halten.
      Uralte Handelsstraße über die Koralm? Geh, Bitte....

    • Schnabeltierfresser (kein Partner)
      25. Februar 2011 07:42

      Der angesprochene Plan der EU ist längst beschlossene Sache, teilweise bereits gebaut und eine Prioritätsachse der transeuropäischen Netze (Achse 6). Eine Funktion, die die Koralmbahn imemr gerne gehabt hätte, aber nie haben wird. Sie wird immer eine nationale Verbindung und Angelegenheit bleiben.

  12. Wertkonservativer
    23. Februar 2011 07:30

    Wir haben gestern Abend den Tiroler LH Platter zornbebend erlebt!

    Für mich ein weiterer Beweis, warum bei uns hinsichtlich Verwaltungsreform und sinnvoller Neuordnung der Zuständigkeiten im Staate Österreich nichts weitergeht!
    Die Länderfürsten (egal, ob Rot oder Scharz) blasen sich auf, als seien sie von Gott gesandte Schirmherren über das eigene Landesvolk, und bedenken dabei nicht, dass es auch noch andere Länder und darüberhinaus ein Volksganzes gibt!

    Zur Bewertung der Tunnel-Sinnhaftigkeit fehlen mir Qualifikation und eigene Meinung; ich weiß nur, dass mit dem Arlberg-Tunnel die netten Vorarlberger endgültig in Österreich angekommen waren.

    • phaidros
      23. Februar 2011 08:07

      Dazu muss man aber mE umfassender ansetzen: eine Verwaltungsreform, die nicht Hand in Hand mit einer Verfassungsreform durchgeführt wird, muss zwingend ins Leere gehen! Zum Beipsiel müssen, wie unten erwähnt, Steuerhoheiten ganz anders geregelt werden. Es kann nicht sein, dass Körprschaften Geld ausgeben können, für deren Einnahme sie nicht verantwortlich sind (Also, »kann« schon, aber man sieht, wo das hinführt)

    • phaidros
      23. Februar 2011 08:12

      P.S. Das von Ihnen erklärte »Fehlen einer eigenen Meinung« ist Ihnen hoch anzurechnen (ich tue es jedenfalls. Mir sind Experten für alles und jedes suspekt.)

      BG/phaidros.vie@gmail.com

  13. Observer
    23. Februar 2011 07:07

    Die heutigen Ausführungen von AU bezüglich der beiden grossen Tunnelprojekte geben ausschliesslich die persönliche Abneigung des Autors zu diesen Investitionen wieder. Mir fehlen da seriöse Fakten, Zukunftsprognosen und genaue Kosten inklusive der Zinsbelastungen. Damit will ich aber nicht die Politker verteidigen, welche auch bei diesen Themen sehr viel Mist produziert haben.

    • phaidros
      23. Februar 2011 09:20

      Brennerbasis, lt. Wiki circa, ganz grob: EU 5Mrd, I 5Mrd., Ö 5Mrd.

      Nutzen: eine Lok könne aufgrund vermiedener Steigungen das doppelte Gewicht ziehen. Zeitersparnis ca 2½h (worüber sich Der italienische Ausbau hat zwar Kurvenradien vergrößert, aber nicht Steigungen bereinigt, wie man liest.

      (Dilettantische) Frage an die Bahn- und/oder Transportexperten: seien wir mal großzügig, und gehen von einer moderaten zu erwartenden Kostenexplosion von nur 50% aus, dann landen wir bei ±22Mrd.€.

      Die Kapazität liegt bei 240 Zügen am Tag.

      Wie viele Loks kann man um 22 Mrd kaufen (und aus den Zinsen warten), die man über die Brennerstrecke vorspannt und hin- und herschickt? Mehr als die geschätzten 20-30, die man dafür benötigt?

      BG/phaidros.vie@gmail.com

    • phaidros
      23. Februar 2011 09:21

      Ups!?

      es hätte heißen sollen: ...(worüber sich jedes Transportgut freuen dürfte)

    • terbuan
      23. Februar 2011 09:31

      phaidros
      Eine Taurus-Lok kostet so zwischen 2,5 und 3 Mio. Euro!

    • phaidros
      23. Februar 2011 09:44

      Wir reden also von 700-800 Loks (mal vorausgesetzt, wir kriegen keinen Rabatt bei einer Bestellung von 30 Stück). Na bravo.

      Ich werde unverzüglich den ÖBB Infrastruktur AG proaktiv ein Angebot für ein Führungskräfteseminar in den Grundrechnungsarten legen - das könnte helfen.

      Als Honorar verlange ich 1‰ des durch Anwendung der Grundrechnungsarten eingesparten Betrags (und setze damit mich und alle meine Nachkommen zur Ruhe).

      BG/phaidros.vie@gmail.com

    • terbuan
      23. Februar 2011 09:51

      phaidros
      Es geht noch billiger, die ÖBB haben ohnedies zu viele Taurus Lokomotiven gekauft und spannen sie teilweise vor Regionalzügen, kompletter Schwachsinn!

    • phaidros
      23. Februar 2011 09:59

      Und es geht sicher noch billiger: Vorspannloks brauchen keine Cockpits und keine Steuerstände, der Stecker mit Schnittstelle zur Fernsteuerung (den ohnehin jede moderne Lok aus diesem Grund hat) würde völlig reichen.

    • Observer
      23. Februar 2011 10:50

      phaidros und teruban:
      danke für die ergänzenden Informationen. Obwohl eine Kosten:Nutzen-Rechnung immer wichtig ist, gibt es bei sog. "Jahrhundertprojekten" auch andere Überlegungen. Rein rechnerisch würden sich solche Projekte oft erst in einigen Jahrzehnten "rechnen", aber es spielen da auch andere Faktoren eine Rolle, welche individuell zu bewerten sind. Im 19. Jahrhundert wurden Eisenbahnen vorzüglich unter Mithilfe von Militärs geplant, den dort war man an raschen Soldaten- und Waffenverlegungen interessiert. Ausserdem waren die Herrscher sehr beeindruckt, wenn es schnelle Verbindungen zu den jeweiligen Verwaltungszentren gab. Dies sieht man auch an Eisenstadt, dem Mittel- und Südburgenland, wo vor 130 Jahren bessere Bahnverbindungen nach Budapest anstatt nach Wien hergestellt wurden. Natürlich ist festzuhalten, dass damals alternative Transportmöglichkeiten noch nicht so wie heutzutage funktionierten.
      Ich finde es daher unverständlich, dass (meist die Ostösterreicher) den Kärntnern nicht gönnen, dass sie künftig schneller nach Graz oder Wien fahren können. Noch in guter Erinnerung dürfte sein, als vor einigen Jahren gemeinsam mit der Deutschen Bahn die sog. Rosenheimschleife gebaut wurde, damit alle Schnellzüge von Salzburg viel schneller nach Tirol und Vorarlberg gelangen können. Die jahrelange Verzögerung des Semmeringbasistunnels ist ein Glanzstück des Landesfürsten Pröll, was nun die Finanzierung wesentlich verteuert (höhere Baukosten, da auch längerer Tunnel!).

    • phaidros
      23. Februar 2011 11:04

      Aber, werter Observer, gilt da nicht ein bisschen das Pareto-Prinzip? (Sie wissen schon, diese 20:80-Sache: mit 20% des Aufwands lassen sich 80% des Effekts erzielen):

      Zu Kaisers Zeiten war Wien - Villach eine mehrtägige, unbequeme Kutschfahrt, da war die Bahn, die das auf einen Reisetag reduzierte, natürlich ein wesentlicher Gewinn.

      Wenn aber heute »die Oberösterreicher den Kärntnern nicht gönnen«, wie Sie schreiben, schneller nach Wien zu fahren, so muss man entgegenhalten, dass Klagenfurt bereits jetzt - auch mit der Bahn - nur noch unter 4h von Wien entfernt ist! Und dass Ausgaben von 1000en Millionen Euro, die die Allgemeinheit zu tragen hätte, damit wie viele 100 Kärnter? wie oft? wieviel schneller? nach Wien kommen können, auch erarbeitet und bezahlt werden müssen!

      Und so leid es mir tut, Sie nehmen mir hoffentlich nicht übel: ich finde nicht, dass der Staat für Projekte zuständig sein sollte, die »ein gutes Gefühl machen«. So etwas kann man mit eigenem Geld machen. Aber der Staat hat kein eigenes Geld, er benimmt sich nur so. Aber in Wirklichkeit ist er nur der Verwalter von Steuergeldern seiner Bürger.

      BG/phaidros.vie@gmail.com

    • Observer
      23. Februar 2011 12:22

      Sehr geschätzter phaidros,
      wenn man Ihre Überlegungen komplett umsetzen würde, dann wäre die ÖBB sofort zu schliessen (ebenso die Bundestheater, Buslinien und was sonst noch alles laufend subventioniert werden muss). So gut dies vielleicht auch wäre, in der Praxis ist - das wissen Sie als "gelernter" Österreicher sehr genau - so etwas nicht durchführbar. Man könnte genau so gut sagen, die diversen Tunnels der Neubaustrecke Wien - St. Pölten sind nicht unbedingt erforderlich, da es auch jetzt schon eine gute Fahrzeit nach Salzburg gibt. Der Brennertunnel wird neben A und I auch von der EU kofinanziert und auch D wird sich daran beteiligen (müssen).
      Ich finde es immer noch besser, einige Milliarden in langfristige Projekte (von denen auch unsere Nachfahren profitieren) zu stecken, als den gleichen Betrag für aufgeblähte Verwaltungen (Doppelgleisigkeiten), Frühpensionierungen der Hackler usw. zu verschwenden.
      Übrigens: ich habe in meinem Beitrag (10,50h) nicht von Oberösterreichern, sondern von Ostösterreichern geschrieben.

    • phaidros
      23. Februar 2011 13:25

      Reden wir jetzt vom Brennertunnel?

      Die EU-Förderung ist mit 30% begrenzt, die Kosten zwischen Italien und Österreich einigermaßen gleichmäßig aufgeteilt. D beteiligt sich nicht bzw. nur indirekt über erhöhte Mautgebühren (die aber nicht den deutschen Steuerzahler treffen).

      Das heitß, die 5-5-5-Mrd-Aufteilung, die ich oben angeführt habe, dürfte so in ungefähr halten.

      Wo ich aber offen gesagt nicht folgen kann ist, wenn Sie mir sagen, dass Ihnen ...einige Milliarden in langfristigen Projekten immer noch lieber seien...

      Machen Sie sich bitte einmal bewusst, dass - es geht ja nur auf Pump, 5 Milliarden Euro bedeuten, dass der Schuldenstand um 620€ pro Einwohner steigt. Vom Neugeborenen angefangen bis zum Kompatient. Bei gerade einmal 1,7 Mio echter Erbringer der Steuerleistung (ohne Beamtenschaft) werden also jedem ungefragt rund 3000€ Schulden aufgebürdet, damit - diese Fragen sind ja nicht beantwortet - wieviele Personen wie oft um wieviel schneller nach Wien können?

      Wo ist da die Grenze zu ziehen, ebenso hochgeschätzter Observer?

      Und die zu erwartende Kostenexplosion, die es noch bei jedem Großprojekt gegeben hat, ist da noch gar nicht eingerechnet.

      Es muss doch zwischen Zusperren und dem Verbuddeln von Milliarden sicher noch weitere Möglichkeiten geben - wie immer man zum Zusperren stehen mag (ich zB halte prinzipiell viel davon: wenn kein Privater sich findet, um etwas zu betreiben, dann hat das praktisch immer ausgezeichnete Gründe).

      BG/phaidros.vie@gmail.com

      P.S. »Ostösterreicher«, natürlich - wie komme ich auf Oberösterreicher?

    • Wertkonservativer
      23. Februar 2011 16:33

      Liebe Freunde,

      das ist mir alles zu hochgestochen! sind da so viele Verkehrs-Fachleute und -Politiker am Werk?
      Ich anerkenne gerne jedermanns Meinung; doch bei so viel verschiedenen Argumentationslinien schalte ich einfach ab und behaupte das Gegenteil von beiden!

    • phaidros
      23. Februar 2011 17:29

      Zu viel der Ehre, lieber Wertkonservativer - nur Wiki nachgeschaut und ein bisschen dividiert!

    • terbuan
      23. Februar 2011 18:07

      Lieber Wertkonservativer,
      wieso hochgestochen? Es geht einfach darum, dass wir uns derartige Projekte derzeit einfach nicht leisten können und man mit weniger Aufwand unter Verzicht auf mehr Komfort und kürzere Fahrzeiten aber auch mehr Schulden nach anderen Lösungen suchen muß!
      Herzliche Grüße,
      terbuan

    • Observer
      24. Februar 2011 06:02

      phaidros:
      dies ist mein letzter Beitrag zu diesem Thema.
      Wenn man nicht im Wipptal wohnt und täglich die tausende an LKW-Züge (meist Stoßstange an Stoßstange) sieht, hört und riecht, dann kann man zu diesem Thema weng "objektives" sagen. Genauso müssten eigentlich die Westösterreicher gegen die beiden langen Tunnel im Westen von Wien sein. Dies nenne ich "Florianiprinzip".

    • phaidros
      24. Februar 2011 07:23

      Sehr geehrter Observer, wenn ich Sie irgendwie erbost haben sollte, dann tut mir das leid - ich wüsste aber ehrlich gesagt nicht, wodurch.

      Aber auch das könnte nichts daran ändern, dass beslang alle Versuche, Verkehr auf die Bahn zu verfrachten gescheitert sind. Und solange man nicht garantieren kann, dass so ein Angebot angenommen wird (und wie sollte man das können), ist es mE nicht argumentierbar, und im speziellen Fall geht es um ziemlich viel Geld, das wir nicht haben! Das somit eine weitere Schuldenbelastung für unsere Kinder darstellen würde.

      Nebenbei, seien Sie versichert: von den Tunneln ist in Wien hauptsächlich der Bürgermeister begeistert.

      BG/phaidros.vie@gmail.com

    • Observer
      24. Februar 2011 11:07

      phaidros:
      Ich bin Ihnen überhaupt nicht böse, im Gegenteil: ich schätze solche Kontroversen - besonders mit Ihnen - sehr. Allerdings muss man einmal einen Schlusspunkt machen. Vielleicht können wir das Thema nächste Woche persösnlich kurz ansprechen.

    • phaidros
      24. Februar 2011 12:47

      Kenn' mich aus! Dann ist's ja bestens. Das ist halt das etwas Teuflische an dieser Schreiberei. Freue mich auf nächste Woche - LG!

  14. Celian
    23. Februar 2011 06:53

    Bei 18 Mrd. Euro Schulden hat die ÖBB, die bald aufgrund der EU-Forderung ins Budget zurückkehren müssen und damit die Staatsschuld mit einem Schlag von 69 % auf 79 % erhöhen würden, überhaupt keinen Spielraum für unwirtschaftliche Projekte zur Selbstverherrlichung einzelner Landesfürsten.

    Am Ende des Geldes werden plötzlich auch die Schuldenmacher auf Staatskosten also des Steuerzahlers vernünftig. Auch beim Koralmtunnel wird bald die Vernunft einkehren. Früher gingen Investoren bankrott, die sich bei Großprojekten vertan haben, ihre Schulden wurden aber nicht vom Steuerzahler beglichen, für die mußte er selber gerade stehen, das nannte man Kapitalismus. Heute geht kein Politiker bankrott, weil er das ihm anvertraute Steuergeld angebaut hat, die von ihm gemachten Schulden werden sozialisiert und darf der Buckel der Allgemeinheit tragen. Trotzdem wird der Sozialismus weiter verherrlicht und Privatinvestitionen verteufelt, da lachen ja die Hühner.

    • phaidros
      23. Februar 2011 06:56

      Die Lösung ist naheliegend (und wurde hier ohnehin schon wiederholt gepostet): wer Geld ausgeben will, muss es auch selbst einnehmen.

      Steuerhoheiten gehört umstrukturiert.

    • Celian
      23. Februar 2011 08:23

      wer Geld ausgeben will, muss es auch selbst einnehmen.

      Die ÖBB ließ verlauten, daß sie erst dann bereit wäre, beim Brenner-Tunnel mitzumachen, wenn die Finanzierung durch das Finanzministerium - eine euphemistische Umschreibung für Steuerzahler - gesichert ist.

      Wenn diese Zusage käme, hätten sie das Geld doch selbst eingenommen, nicht? ;-)

    • phaidros
      23. Februar 2011 08:34

      Ja, so gesehen - äh - zweifellos!? (*verwirrtbin*)





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