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Fußnote 157: Chodorkowski - aber was tun?

Alle Welt empört sich über den politischen Schauprozess gegen Michail Chodorkowski, aber niemand tut etwas. Dabei wäre die Reaktion ganz logisch.

Natürlich wäre es selbstmörderisch, gegen eine Atommacht wie Russland, das noch dazu im UN-Sicherheitsrat ein Vetorecht hat, Drohungen auszustoßen oder gar Sanktionen zu verhängen. Jedoch müsste jeder Geldanleger, jeder Aktienbesitzer, jeder Richter klare Konsequenzen ziehen, ohne dass es großer neuer Gesetze bedürfte: Sie müssten nur erkennen und durchsetzen, dass Firmen oder Investmentfonds, die Gelder in Russland anlegen, grob fahrlässig handeln. Was deren Manager in arge Haftungen brächte. Was ja auch ziemlich logisch ist, wenn in Russland Eigentümer unter extrem fadenscheinigen Vorwänden und nur weil sie eine eigene Meinung haben, enteignet und auf viele Jahre ins Gefängnis geworfen werden. Das kann ganz offensichtlich jeder westlichen Investition in Russland passieren, das mit einem Rechtsstaat keine Ähnlichkeit mehr hat (die es unter Jelzin wenigstens in Ansätzen gegeben hatte). Es genügt, dass einer der Freunde Putins oder gar er selber sich daran bereichern will. Auch heimische Banken und Baufirmen laufen in Russland dasselbe Risiko, was deren Aktionäre auch ganz klar artikulieren sollten. Zumindest aus Eigeninteresse. Aber wieder einmal sieht niemand hin. So wie niemand hingesehen hat, als Banker Anlegergelder in Griechenland, Irland und in andere Staatsanleihen investiert haben.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 08:03

    Nirgends fand ich einen Hinweis, daß Chodorkowski unschuldig ist. Die Argumentation der p.c. Medien seiner Angehörigen beschränkt sich darauf, festzustellen, daß er Putins Feind ist und daher darf er nicht verurteilt werden.
    Von einem Land, in dem Staatsfeinde auf fremden Staatsgebiet unter Mißachtung der Menschenrechte eingesperrt und gefoltert werden, eine freche Vorgangsweise. Jeder dieser Menschen würde gerne vor einem Moskauer Gericht stehen!
    Gelten für Geldanleger die Gesetze Nicht? Die Investoren sollen sich ihr Geld behalten und DKT spielen. Wenn ein Vertrag, wie bei uns, ungültig ist bei "unter dem halben Wert", ist Ch schuldig. Bei diesen Übernahmevogängen in der ExUdSSR gab es mehr gewaltsame Morde als in den 30-Jahren in der Gangsterszene in den USA und auch Al Capone wurde wegen weniger als 5$ verurteilt. Soweit, so gleich!
    Investieren entschuldigt kein Verbrechen. Eine Macht, die Assange einsperrt statt die Hersteller der Kondome, ist ungerechter.

  2. Ausgezeichneter KommentatorAlfred E. Neumann
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 10:55

    Zu bedenken gebe ich jedoch, daß heute niemand mehr die Frage stellt, wie Chodorkovski eigentlich zu seinem schier unendlichen Vermögen gelangte, das ihm den Einstieg in die Riege der Oligarchen ermöglicht hat. War doch zu hören, daß auch seinen Aufstieg unerklärliche Unfälle von Gegnern oder zeitweisen Mitläufern begleitet haben.

    Überdies ist er ein Putin-Gegner und auch angeblich homosexuell, was ihm jedenfalls das Mitgefühl von ORF, Presse tec. garantiert.

    Aber vielleicht irre ich mich nur...

  3. Ausgezeichneter Kommentatorthomas lahnsteiner
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 08:12

    Ob der herr chodorkowski wirklich eine von bösen mächten verfolgte unschuld ist,
    vermag ich nicht zu sagen.
    im prizinp sind die meisten, von unseren medien meist krtiklos hochgejubelten, russischen "oligarchen" schlicht und einfach schwerkriminelle, die ihr vermögen auf kosten des russischen volkes ergaunert haben.

    Diese leute werden dann wegen ihres reichtums vor allem im EU-Raum hofiert und bauen sich hier ihre fluchtburgen und geldwäschezentren auf.
    Eine besonders unrühmliche rolle spielt dabei auch österreich, hier im besonderen das land tirol, allen voran der etwas beschränkte landeshauptmann. Da gibt es in Tirol ein strenges grundverkehrsgesetz, das aber mit hilfe von herrn platter von den geldgierigen kitzbühlern gern unterlaufen wird, wenn es darumgeht zB der "reichen tante aus russland" tiroler immobilien anzudienen. Und so beherbergt kitzbühl die "reichste frau Russlands" wie der KURIER stolz berichtet..."frau baturina hat sich gemeinsam mit ihrem gatten, dem früheren moskauer bürgermeister ein besonders großes vermögen geschaffen".

    Der beste dienst, den man dem russischen volk leisten kann, wäre, diese "oligarchen" gar nicht nach österrreich hereinzulassen und so die bildung mafiöser russischer strukturen in unserem land zu verhindern und russland die möglichkeit zu belassen, in ferneren zeiten alle "oligarchen" hinter schloß und riegel zu bringen, bevor diese als "österreichische staatsbürger" ihren kopf aus der schlinge ziehen.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorfosca
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 18:40

    Wie auch immer diese sogenannten Oligarchen zu ihren Riesenvermögen kamen (sicher nicht auf absolut ehrliche Weise), bei Michail Chodorkowski sickerte halt durch, daß er den Großteil seines Vermögens sowie die Hauptgeschäftszentrale seines Imperiums erstens nach den USA verlegen und zweitens Putin politisch aushebeln wollte. Daß sich eine solche Vorgangsweise im heutigen Rußland rächt und Putin diesem Treiben nicht tatenlos zusehen wird, war zu erwarten.
    Chodorkowski wußte sehr wohl mit wem er sich anlegt und hat nun die Folgen zu tragen. Er ist nicht unbedingt der "Menschenrechtler", der unser Mitgefühl verdient, oder?

  5. Ausgezeichneter Kommentatorterbuan
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 11:03

    Chodorkowski hat beim Zusammenbruch der Sowjetunion in verschiedensten Positionen ein riesiges Vermögen aus ehemaligen Staatsbesitz zusammengerafft, man könnte auch sagen ergaunert, unter Jelzin war er wohlgelitten unter Putin wurde er zum Volksfeind und Volksschädling.
    Er hat sich beim Aufbau seines Imperiums um keine Gesetze gekümmert, jetzt ist es umgekehrt, mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen!
    Es gilt das gleiche wie bei Julian Assenge:
    Wer sich mit den Mächtigsten der Mächtigen anlegt muß damit rechnen, dass er
    schikaniert, gefoltert und zuletzt ausgelöscht wird!

  6. Ausgezeichneter KommentatorGraf Berge von Grips
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 08:28

    Nr.332
    Die russischen Puppen zeigen nur
    als letzte Puppe - die Diktatur... ?

  7. Ausgezeichneter KommentatorSuPa
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Dezember 2010 10:48

    Als oftmalige Russlandreisende weiss ich, dass es dort sehr viele Leute gibt, welche wie Chodorkowski plötzlich auf unreelle Art "steinreich" geworden sind. Er hat aber einen großen Fehler gemacht, indem er gegen die herrschende Clique öffentlich aufgetreten ist. Als Kenner der Machtsysteme vor und nach der Wende hätte er wissen müssen, dass so ein Verhalten immer zu seinen ungunsten ausgeht. Das dortige Rechtssystem sowie die grossteils korrupte Verwaltung haben mit unserem demokratischen Denken absolut nichts zutun und sind daher auch in keiner weise vergleichbar.
    Interessant ist es festzustellen, dass die meisten der früher in der UdSSR führenden Leute nun als "Wendehälse" zu den Privilegierten zählen und mit dem "gemeinen Volk" gar nichts zu tun haben (wollen). Die alten kommunistischen Spielregeln, sich mit der Obrigkeit nicht zu verscherzen, werden aber weiterhin eingehalten. Dies hat eben Chodorkowski nicht getan.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorFrancois Villon
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Dezember 2010 10:11

    An der Debatte über Chodorchowski ist die unerträgliche Bigotterie und Doppelbödigkeit kaum noch zu ertragen. Es ist die Fortsetzung des Kalten Kriegs, der ohnedies nie aufgehört hatte. - Und Dr. UNterberger macht da mit?

    Jedermann weiß, daß man nicht auf legalem Weg - aus dem Nichts kommend - ein Multimilliarden-Dollar Vermögen erwerden kann. Ich kann auch nicht vorstellen, daß ein Moskauer Gericht so dämlich ist, in einem Fall wie diesem fabrizierte Gründe/Verbrechen zum Vorwand für ein Urteil zu nehmen. Eher noch, daß es aus der Fülle des gesamten nur kriminellen "Privatisierungs-Vorganges" von Rußlands Industrie, ... ein paar simple und offensichtliche Verbrechen herausgriff und - kurzen Prozeß machte.

    Die Frage beginnt ja schon, wie man als Komsomolze eine Bank grüdnen kann, d. h. woher das dafür nötige Eigenkapital kam, mit dem dann "unter Wert" die Anteile an Yukos eingesammelt wurden.

    Manche meinen, daß die sogenannte westliche Wertegemeinschaft nur deshalb so empört reagierte, weil Putin (als er Präsdent war und in diesem Fall schließlich grünes Licht gab) sich zwar bei Chodorchowski mit einem Stellvertreter anlegte, aber letztlich doch die dahinter stehende Anonyma traf. - Man schlägt den Sack aber meint den Esel. - In Rußland ist man ja der festen Überzeugung, daß es die Interessen Rothschilds gewesen sind, denen Putin in die Quere kam. Dafür spricht immerhin, daß Ch. den Yukos-Konzern an die N.Y. Börse bringen wollte, d. h. für etwas fiat money wesentliche Teile des russischen Ölreichtums in ausländische Hände zu spielen gedachte. - Und das wurde durchkreuzt.

    Es wäre aber gerade das interessant und illuminierend einmal diese Vorgänge offenzulegen.

    Sie finden nämlich in ähnlicher Form überall statt, am massivsten beim sogenannten Reformprozeß der ehemaligen Ostblockländer, aber der heimliche Besitzwechsel von "Blue-Chips" gegen Altpapier ist naürlich auch in Europa gang und gäbe.
    Aber darüber spricht man nicht. Schweigespirale.

    Man thematisiert die "Kritik" etwa der Hillary C. und anderer Claqueure und fragt (zwar zurecht), ob und wann sie und andere über Justiz-Skandale hierzulande sich so aufgeregt hätten (zB Guantanamo, oder jüngst Assange, ...)
    Das sind in Wahrheit Ablenkungs-Diskurse, und obendrein von falscher Logik. Als würde es statthaft sein Schauprozesse zu führen, weil ein anderer es auch tut. (Wobei man in Moskau kaum von einem solchen - siehe oben - sprechen kann.)


alle Kommentare

  1. Uriel (kein Partner)
    20. Januar 2015 10:42

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  2. gogol (kein Partner)
    06. Januar 2011 14:31

    "Chodorkowski baute in jener Zeit im Westen einige wichtige Verbindungen auf. Mit seinen dem russischen Volk gestohlenen Milliarden schuf er sich einflussreiche Freunde. Nach dem Vorbild der Open Society des US-Milliardärs George Soros gründete er eine Stiftung mit dem Namen Open Russia Foundation. Zwei einflussreichen Vertretern aus dem Westen bot er einen Sitz im Vorstand an: US-Ex-Außenminister Henry Kissinger und dem Bankier Jacob Rothschild. Anschließend baute Michail Chodorkowski Verbindungen zu den mächtigsten Kreisen in Washington auf; er wurde in den Beirat des für seine Verschwiegenheit bekannten Finanzinvestors Carlyle Group berufen und nahm gemeinsam mit anderen Beratern wie George H. W. Bush und James Baker III. an Vorstandstreffen teil."

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/geheimplan-wie-der-milliardaer-chodorkowski-fuer-washington-in-russland-die-macht-an-sich-reissen-s.html

  3. Herby (kein Partner)
    03. Januar 2011 17:02

    Als Nicht-Russe ist es für mich schwer, mich den hier oftmals geäußerten Meinungen anzuschließen, dass Chodorkowski ein Halunke sein soll. Ich kann nichr Russisch u. die russischen Original-Unterlagen nicht studieren.

    Die hier im Forum getätigten Äußerungen dass er Menschenleben am Gewissen haben soll, diese Vorwürfe müsste jemand erst man beweisen. Bisher hat das niemand bewiesen.

    Von dem was über seinen Lebenslauf und Aufstieg - schon in Jugendjahren - bekannt ist, dürfte eins klar sein: Der Mann hat seit seiner Jugend konsequent und geschickt alles getan um in der Partei (= KPdSU) Karriere zu machen um dann den Vorsitz der "Kommerziellen Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt" zu übernehmen. Dies war das ideale Sprungbrett ab 1989 zum weiteren Aufstieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Chodorkowski

    Gleichzeitig muss erwähnt werden: Der Weg seines Aufstiegs unterschied sich nicht wesentlich von anderen Persönlichkeiten die heute ganz oben an den Schalthebeln des offiziellen Russlands tätig sind (Putin, Deripaska, Medwedew, u.a.) und eben nicht im Gefängnis in Sibirien oder Moskau sitzen.

    Und: Der Weg und Art und Weise des Aufstiegs von Chodorkowski sagen nicht aus dass er ein schlechter Industriemanager bzw. Industrieller sein soll. Vieles deutet darauf hin, dass der Mann das Zeug - hinsichtlich Begabung u. Persönlichkeit - hat ein hervorragender Industrieller zu sein. Wie weit hatte er es gebracht? Ach ja, zum reichsten Mann Russlands.

    Für alle die an einer substanziellen Auseinandersetzung über die 'Sache & Person Chodorkowski' interessiert sind wären diese beiden Bücher als Lektüre zu empfehlen:

    http://www.amazon.de/Michail-Chodorkowski-Waleri-Panjuschkin/dp/3453640284 (das Buch ist derzeit vergriffen, jedoch in den öffentlichen Bibliotheken sicherlich vorhanden)

    http://www.amazon.de/Putins-Demokratur-Kreml-Westen-F%C3%BCrchten/dp/3548369715/ref=pd_sim_b_1

    Noch eine Bemerkung zum Abschluss: Seit 2003 sitzt Chodorkowski im Gefängnis, davon die allermeiste Zeit in Sibirien (Krasnokamensk), also 7 Jahre.

    Das Maximale was man in Österreich als Strafe bekommen kann ist "lebenslänglich" - z. B. für Serienmord, was in Wahrheit bedeutet: 20 Jahre in einem österreichischen Gefängnis. Bitte die Relationen ins Auge fassen!

    Meiner Meinung nach ist die Schuld (für was? Steuerhinterziehung? Betrug?) von Chordorkowski bereits gesühnt: 1 Jahr in Krasnokamensk wiegt sicher so schwer wie 2 Jahre z.B. in Krems/Stein.

    • Francois Villon (kein Partner)
      03. Januar 2011 20:11

      Das Gute in unserem Land ist, daß Dummheit nicht strafbar ist.

      Der Gute konnte die "Original-Unterlagen" nicht studieren. Ach, wie bedauerlich! Dafür sind die Ratschläge uns doch mittels "Original-Literatur" zu informieren ein umso wertvollerer Hinweis.
      Wirklich beeindruckend auch der Gerechtigkeitssinn. Und die Umrechnung von 1 Jahr Krasnokamensk in 2 Jahre Stein geht gewiß in die Annalen der Rechtswissenschaft ein.

  4. brechstange1 (kein Partner)
    31. Dezember 2010 15:16

    @reinhard
    Den Preis, den ich bezahle ist auf die Qualität bezogen vergleichbar mit Preisen, die ich vormals bezahlte.
    Ein WC-Deckel aus voriger Wohnung ist nach 10 Jahren in keiner WEise abgenutzt gewesen, ein WC-Deckel, den ich vor 2 Jahren kaufte, der etwa 15 % billiger, war nach 1 Jahr kaputt. Das war nur ein Beispiel von vielen, dass das Leben nicht wirklich durch die Globalisierung billiger wurde, nur weniger resourcenschonend. Daher sehe ich mich in keinster Weise als Profiteur, dass ganze Industrien aus dem Westen in Billiglohnländer verlagert wurden. Außerdem werden schonungslos Patente ungestraft kopiert. Die Wirtschaftsbedingungen für Industrien aus dem Westen sind in Asien nachteilig ausgerichtet. Daraus folgt auf einer Seite unbeschränktes Wirtschaften, in die andere Richtung beschränkt, einmal durch die mangelnde Kaufkraft und durch Reglements. Der Handel und die Finanzwirtschaft haben sicher profitiert, die Volkswirtschaften des Westens haben langfristig betrachtet mehr verloren als gewonnen. Wir zahlen für wenige Profiteure insgesamt betrachtet einen hohen Preis. Dazu kommt die Organisierte Kriminalität, der unverantwortlicher Weise Tür und Tor geöffnet wurde und wird.

    Außerdem schauen wir sehr wohl über den Tellerrand Österreichs und Europas.

  5. Amadeus (kein Partner)
    31. Dezember 2010 09:44

    Im Wortlaut: Michail Chodorkowski: "Ich schäme mich für mein Land"

    Am 2. November 2010 hielt Michail Chodorkowski sein Schlusswort in dem Prozess in dem er jetzt schuldig befunden wurde. Dem STANDARD liegt dieses Dokument in deutscher Übersetzung vor:

    "Sehr geehrtes Gericht,

    ich blicke auf Oktober 2003 zurück. Das waren meine letzten Tage in Freiheit. Ein paar Wochen nach meiner Festnahme wurde ich über die Entscheidung von Präsident Putin informiert, ich solle für acht Jahre in den Knast. Damals fiel es mir schwer, das zu glauben.

    Seitdem sind sieben Jahre vergangen. Sieben Jahre sind eine sehr lange Zeit, besonders im Gefängnis. Wir alle hatten Zeit, vieles neu zu bewerten und zu überdenken.

    Dem Sinn des Plädoyers des Staatsanwalts nach: „Sperrt ihn für 14 Jahre ein" und „pfeift auf vorherige Gerichtsurteile" fürchtet man sich nach diesen Jahren noch mehr vor mir und das Gesetz wird noch weniger geachtet.

    Beim ersten Mal haben sie sich wenigstens darum gekümmert, die störenden Gerichtsakten vorher außer Kraft zu setzen. Dieses Mal haben sie sich die Mühe nicht gemacht, zudem hätten sie nicht zwei, sondern 60 Beschlüsse aufheben müssen. Ich möchte jetzt nicht auf die juristischen Belange zurückkommen. Alle, die etwas verstehen wollten, haben schon längst alles verstanden. Ein Schuldbekenntnis erwartet von mir im ernst keiner. Ich bezweifele, dass mir heute jemand glauben würde, dass ich das ganze Erdöl, das von meinem Unternehmen gefördert wurde, gestohlen hätte.

    Genauso glaubt keiner, dass im Moskauer Gericht im YUKOS-Verfahren ein Freispruch zu erwarten wäre. Nichts desto trotz möchte ich etwas über die Hoffnung sagen. Hoffnung ist das Wichtigste im Leben. Ich erinnere mich an die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Damals war ich 25. Unser Land lebte in Hoffnung, dass wir für uns und unsere Kinder eine glückliche Zukunft erreichen können.

    Teilweise ist diese Hoffnung wahr geworden, teilweise nicht. Vielleicht trägt unsere ganze Generation, mich eingeschlossen, die Verantwortung dafür, dass die Hoffnung nur teilweise und nicht für alle wahr geworden ist. Ich erinnere mich auch an das Ende des letzen Jahrzehntes. Damals war ich 35. Wir waren dabei, das beste Erdölunternehmen in ganz Russland aufzubauen. Wir errichteten Sportzentren und Kulturhäuser, bauten Straßen, erkundeten und erschlossen Dutzende neue Erdöllagerstätten, fingen an, Westsibirische Ölvorkommen zu aktivieren, führten neue Technologien ein - machten also alles, womit sich heute Rosneft brüstet, dem YUKOS zugeschlagen wurde.

    Dank der beachtlichen Steigerung der Erdölförderung, die unter anderem auf unsere Erfolge zurück zu führen war, konnte sich unser Land die günstige Erdölkonjunktur zu Nutze machen. Wir haben die Hoffnung bekommen, das wir die Zeit der Erschütterungen und Revolten hinter uns haben, dass wir unter der Bedingungen der Stabilität, in die wir viel Arbeit investiert hatten und die uns große Opfer gekostet hatte, in Ruhe unser Leben und unser großes Land aufbauen können.

    Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Stabilität ähnelte dem Stillstand, die Gesellschaft war gelähmt. Dennoch lebt die Hoffnung weiter. Sie lebt sogar hier im Gerichtssaal, und ich bin schon fast 50.

    Mit der Amtszeit des neuen Präsidenten, die schon fast zwei Jahre andauert, haben viele von meinen Mitbürgern neue Hoffnung bekommen. Die Hoffnung darauf, dass Russland zu einem modernen Land mit entwickelter Zivilgesellschaft wird. Zu einem Land frei von Willkür der Bürokratie, frei von Korruption, Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit.

    Es ist klar, dass dies nicht von alleine und nicht in einem Tag passieren kann. Andererseits ist es untragbar und sogar gefährlich für unser Land, wenn wir so tun, als ob wir uns entwickeln würden und in Wirklichkeit auf der Stelle stehen bleiben oder uns sogar zurück entwickeln, obwohl das unter der Maske des noblen Konservatismus versteckt wird.

    Es ist untragbar, sich damit zufrieden zu geben, dass Menschen, die sich Patrioten nennen, beharrlichen Widerstand gegenüber jeglicher Änderung leisten, die ihren Futternapf und ihre Willkür eingrenzen würde. Erinnert sei nur an den Paragraphen 108 der Strafprozessordnung der Russischen Föderation, in dem es um die Festnahme von Unternehmern oder die Einkommenserklärung von Staatsdienern geht. Eben die Verhinderung der Reformen beraubt unser Land der Perspektiven. Das ist kein Patriotismus, sondern Heuchelei.

    Ich schäme mich für einige Menschen, die ich früher respektierte, die versuchen die Willkür der Bürokratie zu rechtfertigen. Sie tauschen ihren guten Ruf gegen ruhiges Leben innerhalb eines bestehenden Systems, gegen Sonderrechte und Almosen.

    Zum Glück sind nicht alle so und von den Anderen gibt es mehr.

    Ich bin stolz darauf, dass es unter Tausenden YUKOS-Mitarbeitern, keinen einzigen gibt, der innerhalb von diesen sieben Verfolgungsjahren damit einverstanden wäre, falscher Zeuge zu werden und seine Seele und sein Gewissen zu verkaufen.

    Dutzende Menschen wurden bedroht, von ihren Familien getrennt und hinter Gitter gebracht; einige wurden gefoltert. Die Menschen haben ihre Gesundheit und Lebensjahre verloren, haben jedoch das, was sie für wichtig halten, bewahrt - die Menschenwürde.

    Diejenigen, die diese beschämende Sache angefangen hatten, Birjukow, Karimow und andere, nannten uns verächtlich „Geschäftemacher", hielten uns für asozial und zu allem bereit, um unser eigenes Wohl zu schützen und der Gefängnisstrafe zu entkommen.

    Es sind viele Jahre vergangen. Wer ist denn asozial? Der, der wegen Geldgier und Feigheit vor dem Vorgesetzten gelogen, gefoltert und Geiseln genommen hat!?
    Und das haben sie „Staatsangelegenheiten" genannt!

    Ich schäme mich. Ich schäme mich für mein Land.

    Ich denke, dass wir alle sehr wohl verstehen, dass die Bedeutung unseres Gerichtsverfahrens nicht nur Platons und mein Schicksal betrifft, sondern auch das Schicksal von denjenigen, die zu Unrecht während der Vernichtung von YUKOS litten, die ich nicht schützen konnte, die ich aber nicht vergessen werde, an die ich mich jeden Tag erinnere. ........

    Vollständiger Text: http://derstandard.at/1293369535500/Im-Wortlaut-Michail-Chodorkowski-Ich-schaeme-mich-fuer-mein-Land

    • THJ (kein Partner)
      31. Dezember 2010 10:07

      Der Text ist nett, aber nicht mehr als ein PR Gag.
      Es ist nachvollziehbar, daß Chodorkovsky nict gerne im Gefängnis sitzt und gerne wieder in Freiheit wäre.
      Aber auch wenn dieser Text nach einem guten Menschen klingen soll, Zeit seiner Macht- und Vermögensübernahme war er kein weichherziger und gutmütiger Mensch, da ist auch er über Leichen gegangen.
      Und sein Versuch Putin zu stürzen war wohl auch nicht das Werk eines Menschenfreundes.
      Chodorkovsky hat sich ein Vermögen unter den Nagel gerissen und dann versucht, Putin zu stürzen.
      Man muß Putin nicht verteidigen, um zu sehen, daß das, bei Mißerfolg, nicht ohne Folgen bleiben kann.
      Chodorkovsky mag ein Held des Westens sein, aber in Rußland ist er nur einer von vielen Gaunern.
      Wie Putin übrigens auch, dessen Vermögen wird bei ca. USD 40 Mrd. geschätzt.
      Das kommt sicher auch nicht aus Gehaltszahlungen.
      Der Unterschied zwischen den beiden?
      Einer hat das Land zusammengehalten, der andere hat sich dabei erwischen lassen.

      Happy New Year 2011

    • socrates
      03. Januar 2011 08:45

      Chodorkowsky kann sich für sein Land schämen, weil er noch lebt. Die Leute, die durch ihn umgekommen sind, können das nicht mehr. Auch Al Capone hat sich für sein Land geschämt. Oskar Bronner und die üblichen Medien verteidigen halt ihre Leit.

  6. Observer
    30. Dezember 2010 18:51

    Kriegsgewinner gab es immer und wird es auch immer wieder geben. In allen ehemaligen kommunistischen Staaten (ausser Ostdeutschland) gab es nach 1990 solche Gaunereien, wo das ehemalige Volksvermögen von einigen wenigen vereinnahmt wurde. So wurden z.B. in der ehemaligen CSSR den Unselbständigen Anteilscheine der Staatsbetriebe (diese konnte man sich sogar aussuchen!) kostenlos übergeben, damit diese Leute künftig am Erfolg der Unternehmen beteiligt sind. In der Praxis wurden diese Papiere wie an der Börse bewertet und auch gehandelt. Als die Werte sehr tief waren, gab es neue Handelsfirmen, welche diese Schrottpapiere übernahmen, um so noch etwas Geld den ehemaligen Anteilsbesitzern zukommen zu lassen. Durch besonders verwinkelte Konstruktionen dieser neuen Finanzhaie (meist ehem. Parteifunktionäre), mussten die früheren Anteilsbesitzer sogar noch Geld "nachschiessen", welches dann irgendwo in Zypern oder woanders landete.
    Oder wer erinnert sich noch an die sog. Pyramidenspiele, welche im erst später "befreiten" Albanien ausgetragen wurden? Auch da haben es wenige "Ehemalige" verstanden, das Volk zur Kasse zu bringen.

    • Neppomuck (kein Partner)
      30. Dezember 2010 20:24

      Selbst die "Geschäfte" der Treuhand(anstalt) waren nicht ganz sauber, was die RAF u. U. auch zum Anlass nahm, an Rohwedder ihr Mütchen zu kühlen. Aber was die "Carpetbaggars" der SU so absahnten, das ging auf keine sibirische Kuhhaut. Auch gingen Aber-Milliarden zum Wohle der Ex-DDR wieder zurück.

      Putin blieb gar nichts anderes übrig, mit dem Doppelstaatsbürgern (Moskauer)Schlitten zu fahren, wenn er den Ausverkauf Russlands einigermaßen verhindern wollte.
      "Petro-Dollars" gegen wertvolle Rohstoffe zu wechseln hätte geheißen, halb Russland dem Hungertod preiszugeben.

      Das Gleiche wäre zu gewärtigen gewesen, sich von den Neo-Milliardären politisch entmachten zu lassen. Politik ist eben kein Geschäft für Klosterschülerinnen.
      Und das hat Chodorkowski auch gewusst. Dennoch hat er versucht, Putin an den Wagen zu fahren.

      Die anderen Kriegsgewinnler haben da etwas pragmatischer reagiert.
      Ob zum Wohle der Russen, das wird erst die Geschichte weisen.

  7. Markus Theiner
    30. Dezember 2010 18:27

    Ich bin bei der bisherigen Berichterstattung recht skeptisch.
    Da entsteht nämlich regelmäßig das Bild, dass Chodorkowski sehr wohl schuldig ist. Demach würde sich die Willkür des Zaren weniger in den Anklagen gegen Chodorkowski zeigen, als vielmehr in der simplen Tatsache, dass alle anderen Oligarchen (die genauso schuldig sind) nicht verfolgt werden - und auch Chodorkowski bis er sein Gewissen entdeckte nicht verfolgt wurde.

    Wenn dem so ist verbessert das zwar nicht das Bild von der russischen Elite, hat aber doch zwei wichtige Konsequenzen:
    Erstens dürfte man nicht Chodorkowskis Verurteilung kritisieren, sondern die mangelnde Verfolgung der übrigen Oligarchen.
    Zweitens wäre damit keine Gefahr für (legal handelnde) Investoren nachgewiesen.

    • Observer
      30. Dezember 2010 18:56

      In einem ordentlichen Rechtsstaat sind alle Bürger vor dem Gesetz gleich. In Russland büßt aber Herr Ch. als Buhmann für alle anderen, welche ebenfalls sich auf unreelle weise Reichtum angehäuft haben. Der große Unterschied ist aber, dass diese Leute entweder nicht mehr in Russland sind oder es sich mit den derzeit Herrschenden "gerichtet" haben. Putin und Medjedew sollen ja auch einiges (über Strohmänner) angesammelt und z.T. ins Ausland verschoben haben.

    • Francois Villon (kein Partner)
      30. Dezember 2010 20:07

      Der wirtschaftliche Grund warum Putin den "Kriegsgewinnlern" die Beute ließ, unter der Randbedingung, daß sie sich aus der Politik raus hielten, war einzig der, daß kein Betrieb ohne Management funktioniert. Als das Sowjetregime kollabierte, waren damit auch die wirtschaftlichen (Führungs-)Strukturen obsolet geworden.

      Es war zwar immer klar, wie die "Oligarchen" sich in den Besitz des russischen Volksvermögens setzten und daß dies nach jeglichem Gesetz gänzlich illegal war, aber solange in dieser chaotischen und krisenhaften Zeit "das Werkel noch rannte", fand sich die Regierung damit ab, daß die Besitzer gewechselt wurden.
      Die Alternative wäre nämlich gewesen, daß ein allgemeiner und noch totalerer Zusammenbruch als er ohnedies stattfand, das Elend nur vergrößert und den Staat weiter destabilisierte hätte. Die Entscheidung den Oligarchen die Beute zu lassen war darum keine rechtliche, sondern eine politisch-pragmatische: das Machbare zu machen.

      Daß eine solche Übernahme fast der gesamten russischen Industrie und Infrastruktur nicht das Werk noch so cleverer Einzelner war, sondern hier bestens - auch international verankerte - Netzweke dahinter standen, mag zwar für Otto-Normalverbraucher nicht einsichtig sein, für jeden der die geopolitischen und historischen Zusammenhänge kennt und versteht, ist dies freilich evident.

      Darum ist das Lammento über Rechtsfragen nur Geräusch, hat aber mit der wirklichen Sachlage nichts zu tun.

    • ProConsul
      30. Dezember 2010 21:14

      Francois Villon

      welche internationalen Netzwerke meinen Sie? Oder spielen sie auf die Tatsache an, dass ein Großteil der russischen Oligarchen Juden sind.

    • Francois Villon (kein Partner)
      31. Dezember 2010 14:38

      Zu ProConsul:

      Das ist Ihre Vermutung. Ich denke es ist etwas komplexer und hängt mit den geopolitischen Plänen der USA zusammen. Wer hier aller involviert ist bedarf hier nicht der Aufzählung. Aber einen - kleinen - Hinweis darf ich Ihnen aber geben, er betrifft eine der zentralsten Figuren des russischen Umsturzes:

      Alexander Jakoblew, geb. 1923, und damit um acht Jahre älter als Gorbatschow, war in den 70-er und 80-er Jahren Botschafter in Kanada. Diese "Verschickung" verdankte er einer Kritik über "die nationalistischen Tendenzen gewisser Journalisten und literarischer Zirkel". Die Attacke war gegen die Molodaya gvardina, einer dem "reaktionären nationalen Lager" zugerechneten Zeitung, gerichtet, die zahlreiche Artikel veröffentlichte, die die zu positive Haltung der sowjetischen Intelligenz gegenüber "Westlichen Phänomenen" kritisierte. Jakoblew hatte dies mit "Reminiszenzen extremer slawophiler Positionen des 19. Jahrhunderts" verglichen. Bemerkenswerterweise waren jene Theaterkritiker, die Jakoblew 1972(!) kritisiert hatte, dieselben, die 1986 ihrerseits diejenigen angriffen, die für eine Errichtung einer Gewerkschaft von Theater-Schaffenden waren. Die Folgen waren einige "Versenkungen" bei der Molodaya gvardina, aber auch Jakoblew wurde damals nach Kanada "exiliert".

      Seine letzte signifikante Leistung als sowjetischer Botschafter in Kanada war die Organisation des Besuches von Gorbatschow im Mai 1983; als "Belohnung" kehrte er im Juli 1985 als Chef der Propaganda-Abteilung des ZK nach Moskau zurück. Er hatte sich eine Reputation als Wissenschaftler schon 1960 erworben; er studierte in und schrieb über die USA, besitzt ein Doktorat und den Titel Professor und seit seiner Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften ist er auch "Akademik", d. h. Mitglied der Akademie.

      An diesen "Studien" in den USA bereits ab 1959, dem Höhepunkt des Kalten Kriegs, sind zwei Dinge bemerkenswert: Jakoblew war damals bereits 35 Jahre alt, also nicht mehr im typischen Alter eines Studenten, und solch ein "Austausch" konnte ja kaum über die offizielle (sozusagen orthodox-kommunistische) Parteilinie gelaufen sein; es mußten wohl andere Verbindungen gewesen sein.

      Chef der Propaganda war er bis 1988. Zuvor, seit 1953 im ZK für die Abteilung Wissenschaft und Kultur tätig. Dann Studien an der Partei-Akademie. Er kam hierher wieder zurück und wurde 1971 dessen amtierender Leiter. Diesen Posten verlor er nach der oben erwähnten Kontroverse über seinen Artikel.

      In der Zeit in Amerika - über 10 Jahre - hatte Jakoblew mehr als genug Gelegenheit unauffällig jene Kontakte zu knüpfen und pflegen, die jene schlagartige Pentration mit US-"Beratern" im Augenblick des Zusammenbruchs der SU erklären. (Sie aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.)

      Nach 1988 Direktor des Institutes für wirtschaftliche Beziehungen und Politische Studien, früher RGW-Institut, der Akademie der Wissenschaften und Kunst.

      Nach mündlichen Zeugnissen vieler sowjetischer Intellektueller wurde Jakoblew uneingeschränkt als der dynamischste Top-Offizielle bezeichnet, der die Kulturpolitik der Sowjet Union liberalisierte. Er war verantwortlich für die bedeutsamsten Veränderungen die 1986 in den sowjetischen Massenmedien stattfanden. Beispielhaft sei die Filmindustrie genannt. Filme mit kontroversen Inhalt konnten gar nicht schnell genug der Öffentlichkeit vorgeführt werden, obwohl dafür kaum genügend Kinos zur Verfügung standen.

      Archie Brown (von der British Academy, St. Antony´s College, Oxford) charakterisierte diese Macht als "eine Politik der Nicht-Intervention".
      Jakoblew selbst merkt an, "daß es heute eine bemerkenswerte Schicht von vollkommen gebildeten, gut erzogenen Menschen gäbe, die jede Art von spirituellen - die russischen "Werte" betonenden - Aktivitäten zurückwiesen. Ihre Anmaßungen in Bezug auf die Kultur sind aggressiv und begrenzt. (Rede J.´s am 23. Okt. 1986, in Sovetskaya kultura).

      Sein Hauptgegner war Egor Ligachew (Sovjet Studies, 1. Januar 1990, S. 114), der der Vertreter der "reaktionären Nationalisten" war, und "zweiter Mann" im ZK und bis September 1988 Chef der Ideologie, auf den wir hier aber nicht weiter eingehen können.

      Jakoblew war eine, wenn nicht die zentrale Persönlichkeit der Perestroika, Seine - dubiosen - Kontakte in Kanada dürften dabei eine ganz wesentliche Rolle gespielt haben.

      Die Sovjet Studies, vol. 42, no. 1 von 1. Januar 1990, S. 111 - 132 berichten darüber ausführlich.

      1985 wir er - wie erwähnt - zum Leiter des Sekretariates für Propaganda des Zentralkomitees der KPdSU berufen. Er war damit zuständig für den gesamten ideologischen und kulturellen Bereich. Die Perestroika hatte auch hier ihren Ausgang genommen, indem in der Kultur alles umgestaltet wurde:

      der Schriftstellerverband,
      der Verband der Musikschaffenden, Filmindustrie usw.

      Hier wurden überall neue Vorstände mit Anhängern der Perestroika und des Liberalismus hineingehievt, und über deren öffentliches Wirken die "Kulturrevolution" durchgeführt. Der Vater dieser "sowjetischen Umerziehung" war Jakoblew, sie hatte mit ihm begonnen; wobei das Wort "sowjetisch" eigentlich irreführend ist, weil es ja keine kommunistische, sondern eine "liberale" Umerziehung war, mit der das Sowjetimperium aufgelöst wurde.

      Dies Änderungen wurden von der "liberalen Intelligenz" begeistert begrüßt, wobei hier wohl zwei Ursachen die Motive abgegeben haben dürften: a. die Einpeitscher und die über den Umsturz wissenden Desinformanten und b. die Dummköpfe, die glaubten die Freiheit sei tatsächlich ausgebrochen.

      Jakoblew war bis 1991 - bis zum Zusammenbruch der SU an Gorbatschows Seite tätig (es fragt sich wer von beiden der Architekt dieses Coup d`Etat wirklich war) und leitet heute die Gorbatschow-Stiftung in Moskau. Diese arbeite eng mit jener in den USA zusammen, und auch hier ist die Frage welche von wem gesteuert wird. Klar ist jedenfalls, daß die amerikanische Gorbatschow-Stiftung im Sinne der NWO tätig ist und auf ehemaligen Bundes-Grundstücken ihren Sitz hat, über deren Transfer (an den einstmals obersten Vertreter des geopolitischen Gegenspielers der USA!) nicht alles klar ist, wie es überhaupt dazu kam.

      Jakoblew ist/war jedenfalls einer wichtigsten und gefährlichsten Persönlichkeiten, die an zentraler Stelle die Perestroika vorbereitet hat. Es ist dazu ein - aus bekannten Gründen - doppelbödiger "Witz" aus Gorbatschows erster Zeit überliefert: "Wer stützt denn Gorbatschow? - Niemand, er kann alleine gehen." Die vordergründige Anspielung auf die Greise des Politbüros und die jeweiligen Herrscher der Partei ist nur oberflächlich. Die sich vor allem in diesem - so treffenden - Witz ausdrückende Feststellung: "niemand stütze Gorbatschow", zeigt überdeutlich, daß er eben aus dem Nichts kam und selbst keinerlei Gewicht hatte! Sovjet Studies merkt dazu an: "... the punchline of this joke, in its allegorical connotation, has acquired a painfully realistic significance".

      Über seine - Jakoblews - kanadischen - nicht nur geschäftlich-politischen - Kontakte sind darüberhinaus merk-würdige Dinge bekannt.

      Es erscheint uns gerade dieser Umstand zu belegen, daß die Perestroika - cui bono? - eine (zumindest) US-(mit-)gesteuerte Strategie war. Der Verzicht der Russen bei der Wiedervereinigung "die deutsche Karte" zu spielen, die blitzartige allgemeine Präsenz der US-Berater in allen Bereichen und an höchster Stelle lassen sich nur unter diesem Blickwinkel überhaupt begreifen!

    • ProConsul
      31. Dezember 2010 17:55

      Francois Villon

      danke für diesen Hinweis, habe den Mann bisher nicht gekannt. Hier ein Interview mit ihm. Er ist 2005 verstorben.

      http://www.stern.de/politik/ausland/perestrojka-architekt-jakowlew-wir-haben-eine-friedliche-revolution-in-gang-gesetzt-540111.html

    • Francois Villon (kein Partner)
      31. Dezember 2010 20:06

      Zu ProConsul:

      Danke auch für den Hinweis. Habe nicht mehr so genau verfolgt, da ich meine Rußlandreisen der vergangenen fast 10 Jahre faktisch beendet habe. Erinnere mich aber wieder des Todes von J.
      Wenn es Sie interessiert kann ich Ihnen einige "Dossiers" aus den Anfängen der Putin´schen Regierung übermitteln. (rosengarten.lintz@live.at)

    • ProConsul
      03. Januar 2011 12:23

      gerne, ich habe ihnen einen special report von russian profile zugesandt.
      http://sr.russiaprofile.org/index.aspx

  8. numerus clausel (kein Partner)
    30. Dezember 2010 16:52

    Vor einiger Zeit gab es doch einen Kürzestzeit-Bundeskanzler, der voller Stolz den Boden Russlands küsste mit den Worten "Endlich zu Hause". War das nur die Vorhut, wie diese Paradesozialisten sich einen Staat vorstellen? Was daraus wird, wenn die eine Alleinregierung haben, konnte man schmerzhaft miterleben und wir dürfen jetzt noch die Nachwehen spüren.

  9. Francois Villon (kein Partner)
    30. Dezember 2010 10:11

    An der Debatte über Chodorchowski ist die unerträgliche Bigotterie und Doppelbödigkeit kaum noch zu ertragen. Es ist die Fortsetzung des Kalten Kriegs, der ohnedies nie aufgehört hatte. - Und Dr. UNterberger macht da mit?

    Jedermann weiß, daß man nicht auf legalem Weg - aus dem Nichts kommend - ein Multimilliarden-Dollar Vermögen erwerden kann. Ich kann auch nicht vorstellen, daß ein Moskauer Gericht so dämlich ist, in einem Fall wie diesem fabrizierte Gründe/Verbrechen zum Vorwand für ein Urteil zu nehmen. Eher noch, daß es aus der Fülle des gesamten nur kriminellen "Privatisierungs-Vorganges" von Rußlands Industrie, ... ein paar simple und offensichtliche Verbrechen herausgriff und - kurzen Prozeß machte.

    Die Frage beginnt ja schon, wie man als Komsomolze eine Bank grüdnen kann, d. h. woher das dafür nötige Eigenkapital kam, mit dem dann "unter Wert" die Anteile an Yukos eingesammelt wurden.

    Manche meinen, daß die sogenannte westliche Wertegemeinschaft nur deshalb so empört reagierte, weil Putin (als er Präsdent war und in diesem Fall schließlich grünes Licht gab) sich zwar bei Chodorchowski mit einem Stellvertreter anlegte, aber letztlich doch die dahinter stehende Anonyma traf. - Man schlägt den Sack aber meint den Esel. - In Rußland ist man ja der festen Überzeugung, daß es die Interessen Rothschilds gewesen sind, denen Putin in die Quere kam. Dafür spricht immerhin, daß Ch. den Yukos-Konzern an die N.Y. Börse bringen wollte, d. h. für etwas fiat money wesentliche Teile des russischen Ölreichtums in ausländische Hände zu spielen gedachte. - Und das wurde durchkreuzt.

    Es wäre aber gerade das interessant und illuminierend einmal diese Vorgänge offenzulegen.

    Sie finden nämlich in ähnlicher Form überall statt, am massivsten beim sogenannten Reformprozeß der ehemaligen Ostblockländer, aber der heimliche Besitzwechsel von "Blue-Chips" gegen Altpapier ist naürlich auch in Europa gang und gäbe.
    Aber darüber spricht man nicht. Schweigespirale.

    Man thematisiert die "Kritik" etwa der Hillary C. und anderer Claqueure und fragt (zwar zurecht), ob und wann sie und andere über Justiz-Skandale hierzulande sich so aufgeregt hätten (zB Guantanamo, oder jüngst Assange, ...)
    Das sind in Wahrheit Ablenkungs-Diskurse, und obendrein von falscher Logik. Als würde es statthaft sein Schauprozesse zu führen, weil ein anderer es auch tut. (Wobei man in Moskau kaum von einem solchen - siehe oben - sprechen kann.)

    • THJ (kein Partner)
      30. Dezember 2010 10:27

      Francois Villon, ich gebe Ihnen einen kleinen Hinweis für die Antwort auf die Frage, wie man als kleiner Sowjetbürger zu einem großen Vermögen kommen kann:
      Kurz nach dem Zusammenbruch der UdSSR gab es in Moskau eine Firma mit dem bezeichnenden Namen "Matrix".
      Die hatten alle Informationen über produzierende Betriebe, Geldmittel und die Transportlogistik der UdSSR in ihren Händen.
      Chodorkovsky war einer der Eigentümer dieser Firma.
      Diese Informationen haben sie dazu verwendet, um die Übertragung vieler Betriebe an die Eigentümer der "Matrix" zu erzwingen.
      Ohne diese Informationen wären die Betrieb rasch am Ende gewesen.
      Keine Rohstoffe für die Produktion, keine Betriebsmittel, keine Transportlösungen für die Produkte, keine Umsätze.
      Die Eigentümer der "Matrix" haben sich also die interessanten Firmen der UdSSR untereinander aufgeteilt.
      Chodorkovsky hat sich dabei im Osten Sibiriens bedient.
      Dass diese Lösung unter Jelzin geduldet wurde verstehen viele bis heute nicht.
      Putin hat, noch vor seiner Amtsübernahme der "Matrix" ein sehr blutiges Ende bereitet.
      Der FSB hat damals die Firmenzentrale gestürmt und die meisten anwesenden Personen erschossen - offiziell war das eine Antiterroraktion.
      Das war ein Zeichen dass nicht jeder der Eigentümer verstanden hat oder verstehen wollte.
      Manche, Chodorkovsky eben auch, haben da offenbar geglaubt, sie könnten das aussitzen.
      Warum die aber im Westen verteidigt werden, verstehe ich noch immer nicht.
      Vielleicht ist ja das Prinzip "Der Feind meines Feindes, in diesem Fall Putin und seine Mannschaft, ist mein Freund"?
      Putin mag viele Fehler haben, aber ohne ihn gäbe es kein Rußland mehr sondern nur ein sehr großes Bürgerkriegsgebiet.

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      30. Dezember 2010 12:35

      Hat nicht ein gewisser Dr. Androsch, szt. „leider Nein-Milloionär“ –zumindest ansatzweise gezeigt, daß man sehr wohl aus dem Nichts ebenfalls zum (leider Nein-?) Milliardär, oder Salzbaron und dgl. werden kann?

    • Francois Villon (kein Partner)
      30. Dezember 2010 12:42

      zu Tripes:

      Drum ist er auch ein Ehrenmann.

    • Erwin Tripes (kein Partner)
      30. Dezember 2010 14:30

      zu Francois Villon:
      I know me out.

    • socrates
      03. Januar 2011 09:20

      Sie sind ein ausgezeichneter Kenner der Verhältnisse in der Ex-UdSSR! Ich habe viel dazugelernt, war allerdings immer schon ihrer Meinung.
      Gut informierte Leute waren bei der Wahl Andropows zum Chef sehr enttäuscht, damals schon hätte es Gorbatschow werden sollen. Mir war er kein Begriff, aber, wie man mir damals sagte, er würde es noch werden. Das russische System, veröffentlichtem zu glauben, wurde dann schrecklich ausgenützt. Putin gelang es wieder ein Minimum an Ordnung herzustellen.
      Die Privatisierung Ostdeutschlands war einer der größten Raubzüge. Allein die Beseitigung der LEUNA-Werke und der Technologie der Kohleverflüssigung zur Benzinerzeugung war ein Kriminalfall der Sonderklasse.

  10. ProConsul
    30. Dezember 2010 09:38

    Hier noch ein Artikel zum Demokratiebegriff in Russland, von Charles Recknagel (Radio Free Europe, Radio Liberty).

    http://www.rferl.org/m/a/2260775.html

    • Francois Villon (kein Partner)
      31. Dezember 2010 13:58

      Sie wissen aber schon, daß "Radio Free Europe" eine der übelsten Propaganda- und Umerziehungseinrichtungen der US-Geheimdienste sind?
      In der Flasche muß nicht immer drinnen sein, was die Etikette vorgibt.
      Hier ist es Proapganda, Desinformation und Lüge - was eigentlich dasselbe ist.

  11. THJ (kein Partner)
    30. Dezember 2010 09:25

    Chodorkovsky hat, wie andere auch, sich in den Tagen nach dem Zusammenbruch der UdSSR ein Vermögen zusammenergaunert.
    Er hat, wie andere auch, keine Steuern gezahlt und, wie andere auch, versucht Putin zu stürzen.
    Die anderen haben das dann entweder eingestellt oder sie haben das Land verlassen.
    Chodorkovsky aber hat sich unbesiegbar gefühlt und hat dem ganzen noch eins drauf gesetzt indem er ein paar Millionen bbl Rohöl an den Gesetzen vorbei aus dem Land gebracht hat.
    Ohne Steuern zu zahlen.
    Dieses Öl wurde jahrelang an allen Platts Börsen gehandelt.
    Chodorkovsky hat versucht, sich über den Kreml zu stellen.
    Das war dann doch zu viel für den Kreml.
    Also ist Chodorkovsky nur ein großer Krimineller.
    Warum eigentlich wird der vom Westen, auch hier, dann so verteidigt?
    Ist das das Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund"?
    Dr. Unterberger sollte eigentlich verstehen, daß Rußland nach Jelzin nur durch die harte und konsequente Führung der Putin Mannschaft nicht zerbrochen ist.
    Chodorkovsky wäre einer von vielen Gründen für den Zerfall gewesen.
    Der Staat Rußland wehrt sich eben.

    • SOKs (kein Partner)
      30. Dezember 2010 10:05

      Vollkommen richtig und dezent ausgedrückt. In der warmen österreichischen Stube lässt sich trefflich fabulieren. Und das Geschichts-Gedächtnis ist halt sehr kurz. Journalisten sollten halt ein bißchen mehr reisen und sich vor Ort schlau machen. Hier veruteilt man Elsner vor Gericht und den Medien, doch russische Gangster dürfen wohl alles.

    • SOKs (kein Partner)
      30. Dezember 2010 10:05

      Vollkommen richtig und dezent ausgedrückt. In der warmen österreichischen Stube lässt sich trefflich fabulieren. Und das Geschichts-Gedächtnis ist halt sehr kurz. Journalisten sollten halt ein bißchen mehr reisen und sich vor Ort schlau machen. Hier veruteilt man Elsner vor Gericht und den Medien, doch russische Gangster dürfen wohl alles.

    • numerus clausel (kein Partner)
      30. Dezember 2010 16:46

      Wow. M.C. mit dem "schönen Marcel" zu vergleichen ist schon ein starkes Stück. Ein Niveau wie bei der ORF-Debatte, Österreich und im Sub-Standard. Äpfel mit Birnen, Kraut und Rüben, egal, irgendein Vergleich wird schon passen, oder?

  12. Reinhard (kein Partner)
    30. Dezember 2010 07:32

    "Wer mit den Wölfen frisst, muss mit den Wölfen heulen."
    In Russland kennt jeder diesen Spruch. Auch Chodorkowski. Er hat gegen die Regeln verstoßen und wird (wahrscheinlich zu Recht) wegen Vergehen verurteilt, für die andere (entsprechend zu Unrecht) nicht einmal angeklagt werden. Weil sie mitheulen. Oder einfach die Klappe halten. Und aus dem Exempel lernen.
    Für uns im freien Westen scheint dies eine undenkbare Ungeheuerlichkeit zu sein.
    Ist es aber wirklich so? Immerhin kennen wir einen ähnlichen Spruch:
    "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."
    Wer mit offenen Augen und freiem Verstand unsere Medien konsumiert, erkennt die Wahrheit. Die Demokratie kennt andere Waffen: Rufmord, Psychoterror, Hetze gegen Unbotmäßige und Querdenker. Das ist Putin ehrlicher.

    • Ixion
      30. Dezember 2010 10:00

      Das scheint eine ziemlich reale Einschätzung zu sein, Reinhard. Jedenfalls erscheint es mir logisch, da ich nur therotisch über russische Verhältnisse informiert bin.

  13. Norbert Mühlhauser
    29. Dezember 2010 21:29

    Mir fehlen zwar auch die Wissensgrundlagen, um mich über die Behandlung Chodorkowskis zu empören oder mich zur Schuldfrage zu äußern.

    Ich kann aber zweifellos feststellen, dass die Verteidiger Chodorkowskis erschreckend wenig zu ihrem Hauptanklagepunkt "auspacken", hier läge ein quasi-Ritualmord seitens eines korrumpierten Systems vor.

  14. fosca
    29. Dezember 2010 18:40

    Wie auch immer diese sogenannten Oligarchen zu ihren Riesenvermögen kamen (sicher nicht auf absolut ehrliche Weise), bei Michail Chodorkowski sickerte halt durch, daß er den Großteil seines Vermögens sowie die Hauptgeschäftszentrale seines Imperiums erstens nach den USA verlegen und zweitens Putin politisch aushebeln wollte. Daß sich eine solche Vorgangsweise im heutigen Rußland rächt und Putin diesem Treiben nicht tatenlos zusehen wird, war zu erwarten.
    Chodorkowski wußte sehr wohl mit wem er sich anlegt und hat nun die Folgen zu tragen. Er ist nicht unbedingt der "Menschenrechtler", der unser Mitgefühl verdient, oder?

  15. terbuan
    29. Dezember 2010 16:05

    Als weiterführende Lektüre zur Geschichte der russischen Oligarchen empfehle ich die Webseite von Andreas Bornefeld:
    "Russisch Monopoly - Wie entstanden Rußlands große Vermögen?"
    http://www.netstudien.de/Russland/index.htm

  16. HDW
    29. Dezember 2010 13:55

    Chodorkovski hätte entweder wie Beressovski, Gussinski und Co. rechtzeitig nach Israel abtauchen sollen, nachdem der Putsch der 90iger Jahre misslungen war. Oder eben wie Abramovic, Friedmann, Wexelberg oder Finkelstein von politischer Macht durch ins Ausland verschobener Dollarmilliarden absehen und dafür in Russland die Pensionen zahlen. Im übrigen sollte Herr Dr. Unterberger seinen wirtschafts dirigistischen Vorschlag nicht uns sondern der Strabag des Herrn Haselsteiner untebreiten und! Die Strabag gäbs nämlich ohne die lukrativen Russlandgeschäfte gar nicht mehr.

    • terbuan
      29. Dezember 2010 14:54

      ...soll heißen, von den zahlreichen Oligarchen und Gewinnern des Zerfalls der SU war er einer der Dummen, am wenigsten Cleveren, also eine Art Madoff der anderen Art!

  17. terbuan
    29. Dezember 2010 11:03

    Chodorkowski hat beim Zusammenbruch der Sowjetunion in verschiedensten Positionen ein riesiges Vermögen aus ehemaligen Staatsbesitz zusammengerafft, man könnte auch sagen ergaunert, unter Jelzin war er wohlgelitten unter Putin wurde er zum Volksfeind und Volksschädling.
    Er hat sich beim Aufbau seines Imperiums um keine Gesetze gekümmert, jetzt ist es umgekehrt, mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen!
    Es gilt das gleiche wie bei Julian Assenge:
    Wer sich mit den Mächtigsten der Mächtigen anlegt muß damit rechnen, dass er
    schikaniert, gefoltert und zuletzt ausgelöscht wird!

  18. Alfred E. Neumann
    29. Dezember 2010 10:55

    Zu bedenken gebe ich jedoch, daß heute niemand mehr die Frage stellt, wie Chodorkovski eigentlich zu seinem schier unendlichen Vermögen gelangte, das ihm den Einstieg in die Riege der Oligarchen ermöglicht hat. War doch zu hören, daß auch seinen Aufstieg unerklärliche Unfälle von Gegnern oder zeitweisen Mitläufern begleitet haben.

    Überdies ist er ein Putin-Gegner und auch angeblich homosexuell, was ihm jedenfalls das Mitgefühl von ORF, Presse tec. garantiert.

    Aber vielleicht irre ich mich nur...

  19. SuPa
    29. Dezember 2010 10:48

    Als oftmalige Russlandreisende weiss ich, dass es dort sehr viele Leute gibt, welche wie Chodorkowski plötzlich auf unreelle Art "steinreich" geworden sind. Er hat aber einen großen Fehler gemacht, indem er gegen die herrschende Clique öffentlich aufgetreten ist. Als Kenner der Machtsysteme vor und nach der Wende hätte er wissen müssen, dass so ein Verhalten immer zu seinen ungunsten ausgeht. Das dortige Rechtssystem sowie die grossteils korrupte Verwaltung haben mit unserem demokratischen Denken absolut nichts zutun und sind daher auch in keiner weise vergleichbar.
    Interessant ist es festzustellen, dass die meisten der früher in der UdSSR führenden Leute nun als "Wendehälse" zu den Privilegierten zählen und mit dem "gemeinen Volk" gar nichts zu tun haben (wollen). Die alten kommunistischen Spielregeln, sich mit der Obrigkeit nicht zu verscherzen, werden aber weiterhin eingehalten. Dies hat eben Chodorkowski nicht getan.

  20. Graf Berge von Grips
    29. Dezember 2010 08:28

    Nr.332
    Die russischen Puppen zeigen nur
    als letzte Puppe - die Diktatur... ?

  21. thomas lahnsteiner
    29. Dezember 2010 08:12

    Ob der herr chodorkowski wirklich eine von bösen mächten verfolgte unschuld ist,
    vermag ich nicht zu sagen.
    im prizinp sind die meisten, von unseren medien meist krtiklos hochgejubelten, russischen "oligarchen" schlicht und einfach schwerkriminelle, die ihr vermögen auf kosten des russischen volkes ergaunert haben.

    Diese leute werden dann wegen ihres reichtums vor allem im EU-Raum hofiert und bauen sich hier ihre fluchtburgen und geldwäschezentren auf.
    Eine besonders unrühmliche rolle spielt dabei auch österreich, hier im besonderen das land tirol, allen voran der etwas beschränkte landeshauptmann. Da gibt es in Tirol ein strenges grundverkehrsgesetz, das aber mit hilfe von herrn platter von den geldgierigen kitzbühlern gern unterlaufen wird, wenn es darumgeht zB der "reichen tante aus russland" tiroler immobilien anzudienen. Und so beherbergt kitzbühl die "reichste frau Russlands" wie der KURIER stolz berichtet..."frau baturina hat sich gemeinsam mit ihrem gatten, dem früheren moskauer bürgermeister ein besonders großes vermögen geschaffen".

    Der beste dienst, den man dem russischen volk leisten kann, wäre, diese "oligarchen" gar nicht nach österrreich hereinzulassen und so die bildung mafiöser russischer strukturen in unserem land zu verhindern und russland die möglichkeit zu belassen, in ferneren zeiten alle "oligarchen" hinter schloß und riegel zu bringen, bevor diese als "österreichische staatsbürger" ihren kopf aus der schlinge ziehen.

  22. Josef Maierhofer
    29. Dezember 2010 08:07

    Der freie Markt und wie ist es bei uns.

    Jede wirkliche private Organisation kann und darf investieren. Ob das Risiko in Russland richtig abgeschätzt wird, das kann ich nicht beurteilen. Ich kenne nur eine Firma aus Österreich, die in Ungarn, Italien und Russland investiert hatte und die in Russland unter ähnlichen Machtansprüchen seitens dortiger 'Partner' (besser Paten) alles verloren hat, was sie dort investiert hatten.

    Freier Markt in Rußland ? Eine Frage des Risikos.

    Aber wie ist es bei uns ? Bei uns werden doch auch alle Mißliebigen quasi enteignet. Vielleicht nicht gleich ins Gefängnis geworfen, aber, wenn sich eine Gelegenheit bietet, das natürlich auch. Auch bei uns ist vom Rechtsstaat nicht mehr viel üblich und herrscht Anarchie und des Recht des Stärkeren. Wir sind am besten Weg dorthin. Beispiele sind sicher Sarrazin, Wikileak Gründer, Lucona Aufdecker Pretterebner, ....

  23. socrates
    29. Dezember 2010 08:03

    Nirgends fand ich einen Hinweis, daß Chodorkowski unschuldig ist. Die Argumentation der p.c. Medien seiner Angehörigen beschränkt sich darauf, festzustellen, daß er Putins Feind ist und daher darf er nicht verurteilt werden.
    Von einem Land, in dem Staatsfeinde auf fremden Staatsgebiet unter Mißachtung der Menschenrechte eingesperrt und gefoltert werden, eine freche Vorgangsweise. Jeder dieser Menschen würde gerne vor einem Moskauer Gericht stehen!
    Gelten für Geldanleger die Gesetze Nicht? Die Investoren sollen sich ihr Geld behalten und DKT spielen. Wenn ein Vertrag, wie bei uns, ungültig ist bei "unter dem halben Wert", ist Ch schuldig. Bei diesen Übernahmevogängen in der ExUdSSR gab es mehr gewaltsame Morde als in den 30-Jahren in der Gangsterszene in den USA und auch Al Capone wurde wegen weniger als 5$ verurteilt. Soweit, so gleich!
    Investieren entschuldigt kein Verbrechen. Eine Macht, die Assange einsperrt statt die Hersteller der Kondome, ist ungerechter.

  24. Wertkonservativer
    29. Dezember 2010 07:30

    Ich bin zwar seit 60 Jahren Kaufmann, doch zur Kommentierung der Welt-Finanz- und Wirtschaftspolitik fehlen mir die Wissens-Grundlagen und auch die Zeit zu vertiefendem Studium.

    Dass man den (nicht mehr schlafenden) Riesen Russland nicht allzusehr reizen sollte, ist schon aus Gründen weiteren Flusses von Öl und Erdgas ein Klugheitsgebot.
    Ihn durch Zufluss weiterer westlicher finanzieller und geistig-technischer Ressourcen noch vermehrt in seinen oft undemokratischen Intentionen zu stärken, wäre andererseits sehr unklug!

    Eines sollte uns klar sein: neben China, Indien und den Tigerstaaten wird Russland in den kommenden Jahrzehnten mehr und mehr(bzw. wieder) zu einem wesentlichen Hauptakteur auf der Weltbühne aufsteigen. Dies nicht nur wegen der Bodenschätze und des riesigen Bevölkerungspotentials, vor allem auch aufgrund der Brutalo-Politik der dort herrschenden "Reserve-Zaren"!
    (Es sei denn, das russische Volk reift zumindest mittelfristig zur Annahme wirklich demokratischer Verhältnisse!).
    Let's wait and see!

    • brechstange
      29. Dezember 2010 09:50

      Sie vertreten genau die Meinung, die den "Bösen" den Rücken stärkt.

    • Wertkonservativer
      29. Dezember 2010 13:09

      Verzeihen Sie bitte, werte Brechstange, wenn ich Ihren Tadel nicht ganz verstehe:
      ich halte es für ein Gebot der Klugheit, den Russen mit Augenmaß zu begegnen.
      Wollen Sie - bei unnötiger Reizung des russischen Riesen - in absehbarer Zeit
      30% mehr für den vorzugsweise aus russischen Quellen stammenden Treibstoff und das Erdgas für Ihre Therme bezahlen?
      Hier sollte man pragmatisch denken, nicht nur aus (berechtigtem) Frust und Überschätzung der eigenen Möglichkeiten!
      Ich habe versucht, auch geeignete Gegenmaßnahmen aufzuzeigen.
      Aber Starkreden in "popeye the sailor"-Manier werden uns hier nicht weiterbringen. Europa ist sicher nicht stark genug, um dem russischen Riesen Einhalt gebieten zu können!

      Tut mir wirklich leid, Ihren Einwand nicht mit der gebotenen Noblesse beantworten zu können!
      Wir alle hier (und ich nehme mich da wirklich nicht aus) überschätzen anscheinend die Wirksamkeit unserer vielen oft berechtigten und warnenden Kommentare zu Landes- und Weltereignissen.

      Wir können uns da den Mund fusselig reden, Erregungen aufbauen, kluge Sprüche dreschen: nur aktives Mitgestalten in der Politik der Länder und der Staaten könnte dazu beitragen, Änderungen in unserem Sinne herbeizuführen!

      Wir sind (Verzeihung!) eine mehrheitlich kluge und gutmeinende Minderheit, die keinerlei Auswirkung ihrer Meinungen und Vorschläge auf die reale Politik-Situation erwarten kann.
      Sprüche allein (außer den 10 Geboten) haben die Welt noch nie besser gemacht!
      Bitte nicht böse sein, werte Brechstange!

    • brechstange
      29. Dezember 2010 16:43

      Sg Herr Wertkonservativer,
      das Motto "Geld stinkt nicht", welches unsere Politiker seit Jahrzehnten fahren, werden wir bitter bereuen. Nämlich dann, wenn die Herrschaften der Organisierten Kriminalität unsere Strukturen mit Hilfe skrupelloser Politiker und Wirtschaftskapitäne unterwandert haben. Wollen wir tatsächlich mexikanische Zustände? Nicht bös sein, Herr Wertkonservativer.

    • ProConsul
      29. Dezember 2010 18:52

      @Wertkonservativer

      Ihren Optimismus bezgl. Russland kann ich leider nicht teilen. Einen sehr interessanten Artikel zur tragischen Situation in Russland, liefert der folgende Artikel von Prof. M. Feshbach aus der Washington Post:

      http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/10/03/AR2008100301976.html

    • Reinhard (kein Partner)
      30. Dezember 2010 08:04

      Ich kann die Gedankengänge des Wertkonservativen gut verstehen.
      Wir maßen uns immer wieder an, großspurig "Kritik" an uns fremden Systemen hinauiszuposaunen (als wären wir ein Ausbund an Demokratie und Rechtschaffenheit), gipfeln oft in Aussagen wie "aber wenn die dort erst richtige Demokratie gelernt haben", aber fragen an keiner Stelle nach, ob "die da" überhaupt ein Interesse daran haben.
      Die Menschen haben ein Interesse daran, dass es ihnen gut geht, ja. Aber geht es ihnen automatisch besser, wenn eine "Demokratie" nach unserem Vorbild aufgebaut wird? Wir erleben doch alle selbst, wie unsere Gesellschaftsform jämmerlich versagend in den Staub der Geschichte zurücksinkt, die Herrschaft des Pöbels mit seinen gedankenlosen Forderungen nach Manna, das vom Himmel regnet, die Wirtschaft ruiniert und der Egoismus die Zukunft vernichtet. Trotzdem erfrechen wir uns immer wieder, von allen anderen auf der Welt zu fordern, nach unseren Spielregeln zu spielen.
      Es ist eine Schweinerei, was in Russland so abläuft, aber wir brauchen den moralingetränkten Zeigefinger nicht allzu hoch erheben: Wir arrangieren uns seit Jahrzehnten mit Billiglohnländern, in denen Holzhammerkapitalisten zu Hungerlöhnen arbeiten lassen, um die Preise aus Billigsdorf zu übernehmen, den Hausverstand ausrufen zu lassen "Geiz ist geil!" und uns mit Dingen zu umgeben, die wir zum Leben ernstgenommen gar nicht benötigen (guter Zeitpunkt zur Kontrolle der diesjährigen Geschenksorgasmen auf den brechend überladenen Gabentischen, aus dem mit Dingen, die die Welt nicht braucht, prall gefüllten Coca-cola-roten Sack des "Säntah Clooos"). Wir haben bereits die Ostblockstaaten als Produktionsstätten für Konsumgüter genutzt und so die dortigen kommunistischen Regimes gestützt, also was soll die plötzliche Entrüstungswelle über die Verurteilung eines Menschen, der auf dubiose Weise an Milliarden gekommen ist, in einem Land, dessen Wirtschaftsmacht und Rohstoffe uns mittlerweile am Leben halten? Bei sowjetischem Öl und Gas war trotz Gulags und Ersxchießungskommandos doch auch keiner bereit, lieber im Winter zu frieren und im Sommer zu Fuß zu gehen, um den bösen Kommunisten eins reinzuhauen?
      Und wenn der Einwand kommt, dass die russische Justiz scheinbar andere Milliardenbetrüger schonend behandelt, weil sie zum richtigen "Kreis" gehören, dem empfehle ich, mal wieder den Blick vor die eigene Haustür zu fokussieren. Oder einen Herrn Flöttl zu fragen, was er von solchen Ungerechtigkeiten hält.
      Das ganze mediale Aufplustern bringt gar nichts. In Russland gelten andere Regeln. Und bevor wir unsere dorthin exportieren wollen, müssen wir erstens hinterfragen, ob die besser sind, und zweitens die Russen fragen, ob sie die überhaupt wollen.
      Der Rest, und auch da bin ich beim Wertkonservativen, bringt rein gar nichts.

    • brechstange
      30. Dezember 2010 10:42

      @reinhard

      Wir legen uns mit Hunden ins Bett und wundern uns dann Flöhe zu haben.

      Österreich und Europa als Unterschlupf für Oligarchen sind zu befürworten, habe ich Sie da jetzt richtig verstanden?

    • Reinhard (kein Partner)
      30. Dezember 2010 12:12

      Ich rede nicht von "Unterschlupf", sondern von Bigotterie.
      Hat es uns jemals geschert, woher ein amerikanischer, ein italienischer, ein indischer oder chinesischer Multimilliardär seine Kohle her hatte, wenn er sich hier protzige Anwesen für seinen Skiurlaub am Arlberg beschaffte? Fragen wir auch nur einmal, wo Firmen für welche Entlohnung Arbeiter welchen Alters beschäftigen, deren Werbelogos am Kragen unserer Spitzensportler prangen? Wieso echauffieren wir uns über russische Oligarchen, die genau das gemacht haben, was überall auf der Welt gemacht wird: Gelegenheiten beim Schopf ergreifen, das jeweilige System zum persönlichen Vorteil ausnutzen und sich, sowie es irgend möglich ist, die Taschen füllen.
      Keiner, der diese Gelegenheit im Leben vorgesetzt bekam, hat sich abgewandt und gesagt: Ach nein, das mag ich nicht, Milliardär werden ist nicht meins...
      Nochmal: Ich verteidige nicht, was diese Leute tun, aber ich spreche uns hier einfach das Recht ab, über Vorgänge in einem Land zu urteilen, über dessen interne Systemeigenschaften die meisten Leute hier nicht einmal den Schimmer einer Ahnung haben. Und sollten wir den Tag erleben, an dem gut bezahlte russische Arbeiter in einer fair handelnden Firma Rohstoffe produzieren, möcht ich mir das Geheul der gleichen Leute anhören, die jetzt urteilen wollen, wenn ihre Heizkosten sich verdoppeln und der Sprit drei Euro kostet.
      Wir partizipieren am Geschäft dieser Oligarchen und maßen uns dann an, über sie zu urteilen.
      Und das Gleiche gilt in vollem Umfang für China, in dem Parteisekretäre zu Milliardären wurden, oder Indien, in dem bis heute nur Angehörige bestimmter Kasten zu unsäglichem Reichtum gelangen können, während andere zu Hungerlöhnen schuften müssen, oder in der arabischen Welt, wo Stammesfürsten Milliarden scheffeln und ihre Untertanen nicht mal lesen lernen dürfen, die weiblichen nicht mal denken. Über die regt sich keiner auf, wenn ihnen hier Blütenteppiche gestreut werden; von den westlichen Milliardären, die sowieso alle eine schneeweiße Weste haben, ganz zu schweigen.
      Wir verkaufen ihnen unsere Banken, unsere Industriebetriebe, dazu Yachten, Autos und vor Allem auch unsere Kaufkraft - all das bekommen sie von uns. Na und der eine oder andere will eben eine Immobilie.
      Unsere Staatsbürgerschaft glaube ich kaum, da gibt es interessantere Länder mit anderen Steuersystemen und besserem Klima. Genug "unserer" Leute wissen das.

      Die Welt ist nicht schwarz-weiß, werte Brechstange, und wir sind alles andere als die Weißen. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir über andere Länder, Systeme und deren Protagonisten urteilen. Und wir sind selbst genug Hund, um auch selbst Flöhe verteilen zu können. Die kommen nicht nur von außerhalb.

    • Wertkonservativer
      30. Dezember 2010 12:26

      Ja hallo, werter Reinhard, da kommt ja Zustimmung von einem Mitblogger, den ich bis dato nicht genügend studiert habe:
      Danke für guten Zuspruch und freundliche Begleitung!

    • brechstange
      30. Dezember 2010 15:09

      @reinhard
      Sie sind also doch für mexikanische Zustände. Na dann, dann freuen wir uns auf unsere Zukunft.

      Viele der Oligarchen gingen über Leichen, auch das ist bekannt. Dafür breiten wir den Teppich aus. Genau diesen Herrschaften (egal ob aus Russland, China oder Europa) verdanken wir die Wirtschaftskrise, die eine kriminelle ist. Und jeder, der da zupackt um des kurzfristigen Vorteils willen, ist mitschuldig ein Türöffner zu sein.

      Im Gegensatz zu Werkkonservativer und Ihnen bin ich davon überzeugt, dass wir insgesamt verlieren werden durch die mafiosen Machenschaften und deren Helfershelfer. Wir sollten unseren Blick auf "Was kommt danach richten", Beispiele gibt es ja weltweit genug, wie Mexiko, Afrika, Haiti etc.

    • Reinhard (kein Partner)
      30. Dezember 2010 17:54

      Werte Brechstange, ich bin nur dagegen, dass wir uns hier als Moralapostel aufspielen.
      Wenn Sie verstehen wollen, was ich meine, dann durchsuchen Sie Ihren Keller und Ihre Garage, Ihre Speisekammer und Ihren Kleiderschrank, die Spielzeugkiste Ihrer Kinder und die Gesamtheit der elektrischen Spielzeuge in Ihrem Haushalt - und dann diskutieren wir noch einmal über Mitschuld und Helfershelfertum.
      Wir verdanken den kriminellen Machenschaften nicht nur unsere Krise sondern auch unseren Wohlstand. Wir genießen den Nutzen und lehnen uns fettgefuttert in unseren Stressless-Sesseln zurück, lassen uns auf metergroßen Plasmabildschirmen die Verbrechen dieser Welt vorsetzen und plustern uns dann auf, wenn es jemand, der sich an unserer Gier bereichert hat, übertrieben hat. Wir wettern gegen Banker und Spekulanten, gehen aber zu der Bank, die uns die höchsten Zinsen verspricht; wir wettern gegen zockende Fonds und diskutieren über private Altersvorsorge durch Fondsparpläne.
      Ich verteidige nichts davon, sondern weise nur darauf hin, dass ich das für verlogen halte.
      Und dass die meisten hier keine Ahnung von den Hintergründen in der russischen Gesellschaft haben. Bei allen Verbrechen und allen Mafiamethoden, die übrigens hinter den Kulissen unserer westlichen Zivilisation nicht zimperlicher ablaufen, muss man auch mal eines nachfragen: Was glauben Sie übrigens, wie die Umstellung einer staatlichen Planwirtschaft zu einer Privatwirtschaft innerhalb eines Tages vonstatten gehen soll? Sehen Sie einmal hinter die Kulissen der Abwicklung der DDR-Wirtschaft durch eine bundesdeutsche und lupenrein demokratische Behörde, und schauen Sie bitte genau, was für Bestechungen, Existenzvernichtungen und kriminelle Machenschaften diesen Prozess begleitet haben - und dann sehen Sie sich die gigantische sowjetische Staatsindustrie an, die ohne demokratische Behörde von heute auf morgen filetiert und aufgeteilt wurde. Es gab nur einen einzigen logischen Weg, und all jene, die jubelnd getanzt haben beim Niedergang der kommunistischen Verbrecherstaaten und ihrer Misswirtschaften, haben genau gewusst, welche Folgen das unweigerlich haben muss. Das einzige, was den westlichen Geldadeligen bisher wie ein Stein im Magen liegt, ist, dass Leute wie Putin erfolgreich verhindert haben, dass der russische Brocken "frei und demokratisch" zwischen ihnen selbst aufgeteilt wird und ihn lieber an eigene Günstlinge verteilte.
      Wenn Sie meinen, diese Sichtweise auf unsere eigene Verlogenheit und Großspurigkeit mache mich automatisch zu einem Verfechter mexikanischer Zustände, dann sei Ihnen diese Meinung vergönnt.

  25. ProConsul
    29. Dezember 2010 06:48

    Ich erlaube mir, meinen Kommentar von gestern, hier ausnahmsweise zu wiederholen, da er hier eigentlich besser dazupasst:

    Zu Chodorkowski und Russland im Allgemeinen, ein Artikel der vor kurzem im Economist publiziert wurde: "The state of Russia - Frost at the core"; Dmitry Medvedev and Vladimir Putin are presiding over a system that can no longer change.

    http://www.economist.com/node/17674075

    Noch interessanter als der Economist-Artikel ist aber ein Aufsatz von Prof. Furman, einem Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften über die Zukunft Russlands.

    hier das russische Original:
    http://www.nlobooks.ru/rus/nz-online/619/2051/2054/
    (Dr.Zakel kann das sicher lesen;-)

    und hier eine englische Übersetzung:
    http://georgiandaily.com/index.php?option=com_content&task=view&id=20625&Itemid=132

    Kurze Zusammenfassung: Russland kann keine echte Demokratie werden, solange es nicht die vielen Völker unter seiner Herrschaft endlich entläßt. Russland hat die Möglichkeit: entweder wird es als Reich weiterhin langsam zerfallen, oder es trennt sich von den anderen Völkern, konzentriert sich auf sein ursprüngliches Kerngebiet, wird zu einer Demokratie und tritt der EU bei.





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