Populismus - das neue Unwort drucken

Lesezeit: 2:30

In der medialen Betrachtung wurde der Begriff Populismus im letzten Jahr sehr breit getreten. Er wurde in politischen Diskussionen oftmals als Totschlagsargument und zur Verunglimpfung anders als der linke Mainstream Denkender eingesetzt. Somit ist in der veröffentlichten Wahrnehmung automatisch der Eindruck eines negativen Begriffs entstanden. Was aber nicht der Wahrheit entspricht. 

Linke Meinungsmacher setzen Populismus immer wieder mit „Rechtspopulismus“ synonym und erwecken dadurch den Eindruck, als gäbe es keinen linken Populismus. Ein Beispiel für eine linkspopulistische Partei ist etwa „Die Linke“ in Deutschland; und eines für linkspopulistische Parteipolitik ist die SPÖ in Österreich.

Im ständigen Wiederholen von „Populist“ und „Rechtspopulist“ hat der linke Mainstream aber etwas gefunden, mit dem er bestimmte Politiker und Parteien von vornherein auszugrenzen und in ein böses Eck zu stellen versuchte.

Die wahre Bedeutung des Konzeptes „Populismus“

Populismus ist aber keine Form des politischen Extremismus. Er wurde bereits als bürgernahes Polit-Instrument bei römischen Politikern eingesetzt. Diese mischten sich unter das Volk (Populus) und hörten auf die Sorgen und Nöte, um später die Stimmungen aufzugreifen. Die gewonnen Erkenntnisse wurden in die Politik eingebracht, um anschließend Politik für die Bürger durchführen zu können. 

Durch diese Volksnähe entstand in der Bevölkerung mehr als heute der Eindruck, dass es um den Willen der Menschen geht. Wir haben heute in unseren repräsentativen Demokratien westlicher Prägung hingegen wenig Chance auf einen direkten Draht zu der regierenden Elite. Populismus bedeutet also mehr, auf die Stimme des Souveräns zu hören, und weniger, den Bürgern nach dem Mund zu reden.

Bei der Umsetzung scheinbarer Reformen durch die Regierungen und bei der Geldverteilung ist zu beobachten, dass sich die Volksvertreter selbst absichern wollen und eher für politische Eliten und große Konzerne als für die Bürger arbeiten. Dadurch sinkt die Glaubwürdigkeit von Reformen und der Politik weiter und das Phänomen der Politik(er)verdrossenheit nimmt weiter zu. Historisch war es immer so, dass populistische Politiker, welche für die Mehrheit der Menschen einen positiven Beitrag leisten, auch populär werden und deshalb wiedergewählt werden. In der heutigen Mediakratur ist zu beobachten, dass nicht nur Parteien aus der Opposition populistisch agieren sondern genauso die regierenden Parteien und zwar indem diese Themen aufgreifen, die populär sind und in den Medien „gut“ ankommen. 

Warum wird dann immer den Parteien, die nicht in der Regierung sind, Populismus vorgeworfen und den Regierenden nie?

Populismus kann, wenn er richtig angewendet wird, eine positive Verbesserung für das politische System sein.

PS: Das oft als böse verwendete Wort Populismus kann übrigens auch von dem Spruch „Vox populi vox dei“ abgeleitet werden: „Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes“.

Thomas F. Eisenhut, BA MA (Am) ist Absolvent des Europa-Studienganges „Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung“. Seine Schwerpunkte im Bereich Politische Wissenschaften sind Europäischer Regionalismus und Wahlrechtsentwicklungen.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Oswald
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Januar 2017 13:28

    Demokratische Systeme sind per definitionem ohne populistische Ausdrucksformen gar nicht denkbar. Wichtig alleine sind zwei Erkenntnisse: Populismus ist nicht Inhalt sondern Gestaltungsform der Politik, für sich genommen also an sich inhaltlich neutral - daher weder rechts noch links. Und deshalb auch nicht schon automatisch 'gut' oder 'schlecht', richtig oder falsch. Bewertungsrelevant ist alleine, welche inhaltlichen Positionen im Wege populistischer Verfahren umgesetzt werden Das, und nur das, gilt es zu bewerten. Die Verfahrensfrage ist, solange verfassungskonform gehandelt wird, vollkommen irrelevant. Einer der größten (Links-) pulisten der zweiten Republik, Bruno Kreisky, prägte einmal den Satz 'Lieber ein paar Milliarden Schulden mehr als ein paar hunderttausend Arbeitslose'.
    Er wurde für diesen Satz zum großen Weisen erklärt und hunderttausende zitierten ihn immer und immer wieder - Populismus pur. Der Satz war nur die halbe Weisheit - den Keynianismus funktioniert nur, wenn man in Zeiten der Hochkonjunktur die Schulden wieder zurückzahlt. Sonst fährt man das System langsam aber sicher in den Abgrund - wie eben vor unseren augen geschieht.

  2. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Januar 2017 11:41

    Eine Steigerung des Worte Populismus ist "umstritten". Und die höchste Ehrung von einem linken Ars...loch ist umstrittener Rechtspopulist. Das ist wie eine Ordensverleihung, und man kann stolz darauf sein. Es beweist das man eine eigene Meinung vertritt.

  3. Ausgezeichneter KommentatorRomana
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Januar 2017 15:50

    Wenn nur Parteien aus der Opposition, die nicht zum linken Spektrum gehören, Populisten sind, müssten sich die Systemparteien "Antipopulisten" nennen lassen. Ob sie damit eine Freude hätten?

  4. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Januar 2017 13:15

    Ist es denn nicht so, dass im allgemeinen Sprachverständnis ein Populist einer ist, der viel sagt, was aber nicht unbedingt gescheit ist?
    So gesehen ist eigentlich Christian Kern der größte Populist der derzeit auf der politischen Bühne herumtänzelt.

    Komisch, die überaus korrekten Linken (was Gendern anbelangt) haben noch nie von einer Populistin geredet. Gibt's die vielleicht gar nicht?

  5. Ausgezeichneter KommentatorAnton
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    28. Januar 2017 17:37

    Jüngst im Propagandafernsehen wurde im alljährlichen Auschwitz-Film versucht, Populismus suggestiv mit dem sogenannten "Holocaust" zu verknüpfen. Untergründige Botschaft: Polulisten sind Leute, die auch Menschen vergasen würden.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorgerechtigkeitsfanatiker
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Januar 2017 00:07

    Laut Shakespear sind Populisten "jene Menschen, die einen Spaten Spaten und eine Katze Katze nennen".

    Alle anderen sind Lügner!

  7. Ausgezeichneter Kommentatormonofavoriten
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Januar 2017 12:06

    ich bin gespannt, ob und wann die linken opportunisten realisieren, dass sie sich selbst die schlinge um den hals gelegt haben.
    wir haben jetzt schon die totale überwachung der bürger und deren bewegungsprofile, zensurbehörden, vernaderungsstellen und regierungsseitige vernaderungsaufforderungen, breite mediale permanent-zur-sau-machung der OPPOSITION, finanzielle totalausbeutung der bürger zugunsten fremder eindringlinge, für die darüber hinaus die gesetze nicht zu gelten scheinen, gummiparagraphen, die nur zur einschüchterung von regimekritikern zur anwendung kommen, wir haben einen krieg der sprache nebst dazugehöriger sprachpolizei...
    kurzum - alle inkredienzen einer diktatur.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorAnton
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    28. Januar 2017 17:37

    Jüngst im Propagandafernsehen wurde im alljährlichen Auschwitz-Film versucht, Populismus suggestiv mit dem sogenannten "Holocaust" zu verknüpfen. Untergründige Botschaft: Polulisten sind Leute, die auch Menschen vergasen würden.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorgerechtigkeitsfanatiker
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Januar 2017 00:07

    Laut Shakespear sind Populisten "jene Menschen, die einen Spaten Spaten und eine Katze Katze nennen".

    Alle anderen sind Lügner!

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  1. eisprinzessin
    01. Februar 2017 21:18

    Ein Unwort wohl wahr! Insbesondere sollten sich die Linken, deren größte Sorge der Populismus zu sein scheint, überlegen, ob nicht gerade ihre Forderungen (mehr Ausgaben des Staates für all und jenes....) besonders populistisch sind!! Und ob nicht vielleicht sogar linke Politik zu den Problemen der Zeit führte... Kein Wunder, dass nun gegenteiliges gefordert wird...

  2. socrates
    01. Februar 2017 12:29

    Die Kritik am Populismus ist eine indirekte Kritik am Volk.
    Gehet hin und wählet euch ein anderes Volk!

  3. bürgerIn (kein Partner)
    30. Januar 2017 07:55

    der souverän - das volk. was soll daran falsch sein? da ist wieder eine gewaltige dekonstruktion eines begriffs durch die linke im gange. die sind darin meisterlich geübt, auszuteilen bzw einzuteilen, was schwarz und weiß ist. der partei muss es nützen und dem machterhalt. michael häupl hat das wort populismus noch nie gehört.....

  4. fewe (kein Partner)
    29. Januar 2017 04:31

    Ja, Populismus in seiner negativen Bedeutung ist es, die Forderungen des Volkes aufzugreifen, aber nur _vorgibt_, diese lösen zu wollen.

    Einer Oppositionspartei kann man das nicht vorwerfen, weil sie ja keine Möglichkeit hat, die angesprochenen Probleme zu lösen.

    Der Regierung kann man es aber sehr wohl vorwerfen, wenn sie ständig so tut, als hätte sie verstanden, was zu machen wäre, es aber dann doch nicht tut.

    Im Falle Österreich ist die aktuelle Regierung eindeutig populistisch im negativen Sinne. Sie lügt.

    Trump hatte man Populismuns unterstellt, nun tut er aber genau alles, was er im Wahlkampf versprochen hatte. Das ist ein Schock für die etablierten Regierungspolitiker.

  5. gerechtigkeitsfanatiker (kein Partner)
    29. Januar 2017 00:07

    Laut Shakespear sind Populisten "jene Menschen, die einen Spaten Spaten und eine Katze Katze nennen".

    Alle anderen sind Lügner!

  6. Anton (kein Partner)
    28. Januar 2017 17:37

    Jüngst im Propagandafernsehen wurde im alljährlichen Auschwitz-Film versucht, Populismus suggestiv mit dem sogenannten "Holocaust" zu verknüpfen. Untergründige Botschaft: Polulisten sind Leute, die auch Menschen vergasen würden.

  7. monofavoriten (kein Partner)
    27. Januar 2017 12:06

    ich bin gespannt, ob und wann die linken opportunisten realisieren, dass sie sich selbst die schlinge um den hals gelegt haben.
    wir haben jetzt schon die totale überwachung der bürger und deren bewegungsprofile, zensurbehörden, vernaderungsstellen und regierungsseitige vernaderungsaufforderungen, breite mediale permanent-zur-sau-machung der OPPOSITION, finanzielle totalausbeutung der bürger zugunsten fremder eindringlinge, für die darüber hinaus die gesetze nicht zu gelten scheinen, gummiparagraphen, die nur zur einschüchterung von regimekritikern zur anwendung kommen, wir haben einen krieg der sprache nebst dazugehöriger sprachpolizei...
    kurzum - alle inkredienzen einer diktatur.

  8. Schani
    26. Januar 2017 12:24

    Wenn schon Populismus, dessen hervorragendster Vertreter übrigens Bruno Kreisky war, so schlimm in den Augen der Linken ist, wie furchtbar muß sich dann erst Demokratie anhören!

  9. Romana
    25. Januar 2017 15:50

    Wenn nur Parteien aus der Opposition, die nicht zum linken Spektrum gehören, Populisten sind, müssten sich die Systemparteien "Antipopulisten" nennen lassen. Ob sie damit eine Freude hätten?

  10. Helmut Oswald
    25. Januar 2017 13:28

    Demokratische Systeme sind per definitionem ohne populistische Ausdrucksformen gar nicht denkbar. Wichtig alleine sind zwei Erkenntnisse: Populismus ist nicht Inhalt sondern Gestaltungsform der Politik, für sich genommen also an sich inhaltlich neutral - daher weder rechts noch links. Und deshalb auch nicht schon automatisch 'gut' oder 'schlecht', richtig oder falsch. Bewertungsrelevant ist alleine, welche inhaltlichen Positionen im Wege populistischer Verfahren umgesetzt werden Das, und nur das, gilt es zu bewerten. Die Verfahrensfrage ist, solange verfassungskonform gehandelt wird, vollkommen irrelevant. Einer der größten (Links-) pulisten der zweiten Republik, Bruno Kreisky, prägte einmal den Satz 'Lieber ein paar Milliarden Schulden mehr als ein paar hunderttausend Arbeitslose'.
    Er wurde für diesen Satz zum großen Weisen erklärt und hunderttausende zitierten ihn immer und immer wieder - Populismus pur. Der Satz war nur die halbe Weisheit - den Keynianismus funktioniert nur, wenn man in Zeiten der Hochkonjunktur die Schulden wieder zurückzahlt. Sonst fährt man das System langsam aber sicher in den Abgrund - wie eben vor unseren augen geschieht.

  11. Ingrid Bittner
    25. Januar 2017 13:15

    Ist es denn nicht so, dass im allgemeinen Sprachverständnis ein Populist einer ist, der viel sagt, was aber nicht unbedingt gescheit ist?
    So gesehen ist eigentlich Christian Kern der größte Populist der derzeit auf der politischen Bühne herumtänzelt.

    Komisch, die überaus korrekten Linken (was Gendern anbelangt) haben noch nie von einer Populistin geredet. Gibt's die vielleicht gar nicht?

  12. Bob
    25. Januar 2017 11:41

    Eine Steigerung des Worte Populismus ist "umstritten". Und die höchste Ehrung von einem linken Ars...loch ist umstrittener Rechtspopulist. Das ist wie eine Ordensverleihung, und man kann stolz darauf sein. Es beweist das man eine eigene Meinung vertritt.

    • Mariahilferin
      25. Januar 2017 21:15

      Ist "umstritten" nicht dazu da, plausible und gut argumentierte Theorien und Arbeiten wie die von Konrad Lorenz, Samuel Huntington, Herrnstein & Murray, auch Thilo Sarrazin etc. so mir nichts dir nichts zu diskreditieren?

      Mir scheint, "Populisten" sind eher die primitiven Nazis, "Umstrittene" sind die gefinkelten, die besonders gefährlichen.

    • Bob
      25. Januar 2017 22:06

      Populist soll ausdrücken das der Typ zum kotzen ist, umstritten das er zusätzlich ein anerkannter Idiot ist.

    • Riese35
      26. Januar 2017 02:07

      Auf der einen Seite werden die Adjektive "umstritten", "populistisch", "radikal", "extrem", "rechts", "faschistisch", "Nazi...", "reaktionär" verwendet, während man auf der anderen Seite "Aktivisten" und "Experten" findet. Diese Begriffe werden selbst von Linken nicht gegendert, um unsere "Experten" nicht lächerlich zu machen.

      Die Oberexperten sind der Historiker Oliver Rathkolb und der Außenpolitikchef Andreas Pfeifer. Die sind sehr gescheit, haben für alles eine Erklärung, wissen alles und sind die personifizierte Weisheit. Deswegen haben die in Österreich auch so eine Bedeutung.





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