Die von Silberstein kassierten Gelder verlieren sich im Nirwana

Die SPÖ hat die Zahlungen an Tal Silbersteins GCS offengelegt. 536.000 Euro sollen es bis Oktober 2017 gewesen sein. Einen kleinen Schönheitsfehler hat die Sache. Silbersteins 1999 gemeinsam mit Stan Greenberg, James Carville und Bob Shrums (GCS) gegründete Firma wurde ins englische Handelsregister eingetragen. Die Adresse auf der Rechnung stimmt mit der im Handelsregister überein. Allerdings wurde die Firma im Februar 2017 aus dem Register gelöscht. Was ja nichts bedeuten mag.

Um dem Geld zu folgen und festzustellen, was die Firma zu den Anschuldigungen gegen ihren Inhaber sagt, habe ich die ebenfalls auf der Rechnung angegebene Homepage www.gcs3.com angesteuert. Wenig überraschend wurde ich umgeleitet. Auf eine Firma namens "Kramer Davidowich GCS", ebenfalls 1999 gegründet, ebenfalls PR, Adresse ein paar hundert Meter von der auf der Rechnung angegebenen. Aha, kein Wort von Tal Silberstein, sogar das Logo (das auf der Rechnung an die SPÖ) hat man geändert. Schadensbegrenzung dachte ich.

Wie in diesem Geschäft so üblich, wollte ich noch wissen, wie die Homepage vorher ausgesehen hatte, vor der Silberstein-Affäre. Das war dann überraschend. Silberstein wurde seit 2012 nicht mehr als Team-Mitglied genannt. Der Anwalt Eli Davidovitz und sein Partner Iftah Kramer hatten Silbersteins Platz eingenommen. Silberstein wird noch als Mitbegründer genannt, danach verliert sich seine Spur auf der Homepage. Selbst das GCS-Logo auf der Rechnung an die SPÖ wurde seit 2014 nicht mehr verwendet.

Die heutigen Eigentümer der Homepage www.gcs3.com haben also auf eine neue Domain umgeleitet, somit die "Gewalt" über die Zugangsdaten. Und sie verwenden ebenfalls das Kürzel GCS, das ja einen international guten Ruf hat. Sich überschneidend hat auch Silberstein GCS im Bereich PR benutzt. Was ist da los? Ein Streit um eine Wort- und/oder Bildmarke? Im internationalen Markenregister ist keine entsprechende Marke eingetragen.

Jetzt stellt sich mir die Frage, wieso die SPÖ nach dem Februar 2017 Geld an ein Unternehmen überwiesen hat, das gelöscht wurde? Immerhin musste sie ja davon ausgehen, dass die abzuführende Steuer in Österreich fällig wird. Wirtschaftsprüfer wurden und werden ja beschäftigt.

Aus meiner beruflichen Praxis bin ich es gewohnt, dass ich Dienstleister (periodisch) überprüfen muss, bevor ich ihnen den Zugriff auf besonders geschützte Daten gewähre. Das legt einem das Geschäfts- und Betriebsgeheimnis kraft Gesetz nahe. Und bei der Verwendung personenbezogener Daten das Datenschutzgesetz, das einen zusätzlichen Vertrag verlangt. In ISO-9000-Betrieben gibt es dazu sogar Handbücher.

Dass die SPÖ nicht einmal einen unterschriebenen Vertrag mit Silberstein besitzt, ist erstaunlich. Kein Gerichtsstand, kein geltendes Recht, kein Vertrag über die Geheimhaltung personenbezogener Daten. Letzterer muss übrigens mit allen Team-Mitglieder des Dienstleisters schriftlich abgeschlossen werden. Sonst könnten diese, ungestraft, mit den Daten machen, was sie wollen.

Ich wünsche der SPÖ also viel Glück, hier etwas einklagen zu wollen. Als verantwortlicher datenschutzrechtlicher Auftraggeber kann sie froh sein, nicht selbst von Paul Pöchhacker wegen der Nennung seines Namens und seiner Suspendierung zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ich hoffe Herr Pöchhacker lässt Milde walten.

Robert Boder beschäftigt sich hauptsächlich mit betrieblichen und gesellschaftlichen Gleichstellungsfragen.

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alle Kommentare

  1. Pennpatrik

    Man stelle sich Derartiges bei der ÖVP oder gar der FPÖ vor. Das Aufheulen im Blätterwald. Jahrelang würde das nicht aus den Schlagzeilen verschwinden.
    Es sind Journalisten, die genausogut ins DDR-Regime, in den Stalinismus oder zu Kim Jong Il passen würden.
    Von denen soll sich keiner mehr über Goebbels und die Nationalsozialisten aufregen. Sie gehören in dieselbe Kategorie.



  2. Ingrid Bittner

    Die SPÖ pfeift wirklich aus dem letzten Loch und lässt Leute fuhrwerken, die Silberstein in nichts nachstehen. Im Honorar vielleicht, Robert Misik ist so eine Type! Gerade gelesen:

    http://www.msn.com/de-at/nachrichten/politik/österreich-wahlkampf-im-sog-des-rechten-mainstreams/ar-AAtk82d?li=BBqg9qG&ocid=U453DHP

    Der Biograph und Redenschreiber von Kern ist doch die größte Plage von links.
    Unwahrscheinlich, wie man so ein Nestbeschmutzer sein kann.



    • Riese35

      >> " 'Ich kann ihnen gerne einen Termin vermitteln', prahlte Kurz mit seiner privilegierten Nähe zu Orbán."

      Der gestrige Faktencheck in der ZIB2 hat eine Bestätigung gebracht, daß es bereits mehrmals solche Termine gegeben hat. Die FPÖ braucht dazu nicht die ÖVP. Vielmehr ergibt sich der Verdacht, daß u.a. auch die ÖVP dahintersteht, solche Kontakte zwischen Strache und Orban auf offizieller Ebene zu verhindern. Einen solchen Termin mußte die ung. Botschaft ja bereits auf Druck gewisser Kräfte wieder absagen.

    • Riese35

      Interessant ist noch etwas: FPÖ+ÖVP 55%. Das stimmt nicht mit den in Österreich publizierten Umfragen überein. Hier wird ein Wert von über 60% publiziert.

      Hat das wahltaktische Gründe, um Rote Wähler zu mobilisieren und schwarz-blaue Wähler in Sicherheit zu wiegen? Wissen die Institute mehr, als sie in Österreich publizieren?

  3. Sensenmann

    Sehr gut recherchiert!
    Ein Sumpf aus Korruption, Betrug und Unterschleif. Wie man ihn beim Sozi eben kennt.

    Strafen wird es keine geben.
    Außer die Sozi-Justiz wird ab nächster Woche beginnen, die hand des Herren zu spüren.
    Was unter einem ÖVP-Minister natürlich nie passieren wird. Dieser Brandstetter hat sich ja schon angeboten, womit graantiert ist, daß nix passiert.



  4. Ingrid Bittner

    Die detaillierte Darstellung der Umstände - danke übrigens dafür - lässt den Manager Kern in einem noch schlechteren Licht erscheinen.
    Da wurde ja anscheinend gar nichts überprüft. Fahrlässig mit Steuergeld umgegangen und so weiter und so fort. Ob da jemals Licht ins Dunkel kommt?



  5. Josef Maierhofer

    SPÖ pur !

    Die Verkommenheit kann nicht mehr weggeleugnet werden.



  6. Don Camillo

    ... kann eigentlich auch das BK-Gehalt als Sicherstellung einbehalten werden?



  7. Bob

    Schlicht und einfach mafiöse Zustände, Lügenkonstrukte- Sozi halt



  8. Leopold Franz

    Wenn ich das lese, fällt mir eine Organisation im Süden Italiens ein, die auch in Geldsachen sehr kreativ ist. Hier wurde offensichtlich eine Art Scheinrechnung ausgestellt, die das dahinterstehende Rechtsgeschäft auch abgesehen von den fehlenden Unterschriften nicht abdeckt. Das wäre was für den von Matznetter anfangs so frech herbeigeredeten RH Prüfer. Oder für´s Finanzamt. Die wiener StA wollen wir vor der Wahl nicht aufschrecken.



    • Romana

      Eine Scheinrechnung? Überhaupt keine Rechnung, sondern nur eine Auflistung obskurer Leistungen ohne quantitative Angaben und ohne Unterschrift, also für den Papierkorb.

  9. Wyatt

    .......hat da gar jemand "privat" an seinen "Partnern" vorbei ein "Sümmchen" um's "Eck" geschafft?







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