Kulturminister zerstört Kulturgut

Lesezeit: 4:30

Was darf ein Kulturminister? Darf ein Kulturminister das ihm anvertraute Kulturgut zerstören? Ein Kulturminister hat unserer Auffassung nach das Ihm anvertraute Kulturgut zu bewahren und zu fördern.

Die Instrumentensammlung in der Neuen Hofburg als Teil des Kunsthistorischen Museums in Wien ist in ihrer Gesamtheit ein solches Kulturgut. Sie ist durch Hundert Jahre gepflegt und aufgebaut (1916 von Julius Schlosser erstmals eingerichtet) und seit dem 2. Weltkrieg über 65 Jahre systematisch geordnet worden. Die derzeitige Aufstellung ist erst vor einigen Jahren mit erheblichen Geldmitteln in ihre jetzige Form gebracht worden und wurde modernsten Ausstellungsprinzipien angepasst.

Sie ist nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein didaktisches Gesamtwerk. Sie ist viel bewundert in der ganzen Welt und zeigt die Entwicklung des Instrumentenbaus und des Instrumentariums von 1500 bis in unsere Zeit in klarer, übersichtlicher Form. Sie ist somit als ein Gesamtwerk zu betrachten und kann nicht zerrissen werden.

Nun sollen gut zwei Drittel der Sammlung dem neu geplanten „Haus der Geschichte“ weichen. Der zentrale Saal, der auch für Konzerte wichtig ist, und der gesamte linke Flügel im ersten Stock der neuen Burg, der vorwiegend die Klavierinstrumente beherbergt, soll diesem neuen Museum weichen.

Das bedeutet, dass diese Instrumente nach dem derzeitigen Plan in Räume des Halbstocks transportiert werden sollen, die für eine Aufstellung der Klaviere denkbar ungeeignet sind. Tatsache ist, dass es bei dem immer wieder betonten Geldmangel wahrscheinlich gar nicht zur Wiederaufstellung kommen wird und die Klaviere im Depot verschwinden werden.

Wir erheben dagegen heftigen Einspruch. Wem immer man in der ganzen Welt von diesem Plan erzählt, greift sich an den Kopf und hält es, wie Nicolaus Harnoncourt in den Salzburger Nachrichten schreibt, für „einen Wahnsinn“.

Ein Wahnsinn muss den zuständigen Minister befallen haben, in einer Zeit größter Sparsamkeit ein solches Projekt durchzuführen. Entweder wir haben genügend Geld, um ein neues Museum „Haus der Geschichte“ in Räumen der Musiksammlungen einzurichten, was die völlige Neuadaptierung der Räume bedeutet – plus Abtransport der Klaviere und Aufstellung in neuen Räumen – oder nicht. Die Kosten für diese doppelte Umfunktionierung sind bestimmt ebenso hoch, wie wenn man das „Haus der Geschichte“ neu an anderem Ort errichtet.

Die Bezugnahme auf den laut Volksmund sogenannten „Hitler-Balkon“ und den Heldenplatz ist läppisch: Dort hat sich das schlechteste Heldenstück abgespielt in der ganzen Geschichte Österreichs – nämlich das Ende als selbständiger Staat. Wenn unbedingt die Nähe zum Heldenplatz gefordert wird, würden es die Räume im Halbstock der neuen Burg und die großen Räumlichkeiten und Vorhallen im Stiegenhaus des ersten Stockes ebenso tun. Abzuwarten, wie die Reaktion des Auslands auf diese Bezugnahme ausfällt!

Kleine Buberln pflegen, wenn sie mit Bauklötzen oder Lego spielen, als erstes das Vorhandene zu zerstören um dann ihre neuen Ideen auszuführen. Die Zerreißung der Instrumentensammlung gleicht dem Zerstör-Instinkt vieler Kinder, die gerne Puppen oder Bären als erstes Arme oder Beine ausreißen (der linke Flügel der neuen Burg und der Mittelsaal können stellvertretend für Arm und Fuß gelten).

Aber nicht genug damit: dem Völkerkundemuseum wird ein neuer hochtrabender Titel verliehen – „Weltmuseum“ – aber zugleich ein Teil genommen. Ob der einzigartigen Waffensammlung nach dem neuen Titel „Hofjagd- und Rüstkammer“ ein ähnliches Schicksal droht, wurde noch nicht ausgesprochen.

Wie unterirdisch und undemokratisch die Planungen vorgenommen wurden, ersieht man daran, dass erst seit wenigen Wochen die Öffentlichkeit wirklich Kenntnis dieser Ungeheuerlichkeiten bekommen hat. Wenn überall gespart werden muss, ist es überhaupt der Zeitpunkt, ein neues Museum einzurichten? Wenn ja, bieten sich verschiedene Örtlichkeiten an, z.B. der Glück-Glaspalast an der Kreuzung Stadiongasse/2er-Linie und vor allem das Winterpalais des Prinz Eugen. Dieses, derzeit dem Museum des 20. Jahrhunderts angegliedert, wäre ein Idealfall eines „Hauses der Geschichte“, beginnend mit der wirklichen Glanzzeit Österreichs mit den Siegen Prinz Eugens gegen Türken und Franzosen. Derzeit wird es missbraucht, um im Prunksaal eine Holzhütte als Erzeugnis moderner Kunst auszustellen.

Zurück zur Frage: Darf ein Minister, der bestenfalls einige Jahre in seinem Amt ist, die Arbeiten seiner Vorgänger zerstören, die immer alle mit den Steuergeldern unserer Bürger gemacht worden sind? Wie viel an eitler Überheblichkeit und jugendlichen Übermut liegt in solchen Vorgehen? Minister Ostermayer wirkt in seinem Umgang und Äußeren sehr sympathisch. Wir freuen uns, dass er durch seinen Entschluss, den „Beethovenfries“ für Österreich zu bewahren, eine mutige Tat gesetzt hat und beglückwünschen ihn von Herzen dazu. Man kann nur hoffen, dass er in Hinsicht der Instrumentensammlung Einsicht und Größe zeigt um nach reichlicher Überlegung auch von einem einmal gefassten Entschluss abzugehen.

Eduard Melkus ist em. Prof. der Musikuniversität Wien, Geiger und Musikwissenschaftler von Weltruf. Er spricht für viele gleich denkende Menschen.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorObrist
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2015 15:31

    Ostermayer ist ein Repräsentant dieser antiintelektuellsten Regierung in der Geschichte unseres Landes. Da für die derzeitigen Machthaber die österreichische Geschichte lediglich aus Hitlerei und der darauffolgenden glückseligmachenden Ära des Sozialismus besteht, kann man sich ausmalen, wie dieses Propagandamuseum aussehen wird. Und da müssen halt so ein paar alte Musikmöbel weg, wo doch nicht einmal der Conchita auf so etwas spielen würde...
    PS: ich habe gegen dieses kulturbolschewistische Vorhaben unterschrieben

  2. Ausgezeichneter KommentatorNestor 1937
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2015 08:43

    Wenn es um das leidige "Haus der Geschichte" geht, besteht der Verdacht, daß die linken Politiker vornehmlich i h r e eigene Geschichtsauffassung zur Kenntnis bringen wollen. Bei Ostermayer ist es besonders arg und hinterlistig.
    .
    Dr. Andreas Koller hat dazu vor kurzem in den "Salzburger Nachrichten" fesrgestellt, daß die Österreicher (noch) kein "konsensuales" Bild ihrer jüngsten Geschichte haben. Ostermayer hat aber für seine Vorbereitungen einen überhaupt nicht "konsensualen" Geschichtsprofessor bestellt. Das sollte Besorgnis auslösen.

  3. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    17. März 2015 09:01

    Danke, Prof. Melkus!
    Gerne denke ich an die Vorträge und Führungen Prof. Stradners.
    Es ist fürchterlich, dass zwar für das Geschichtsmuseum eine ganze Reihe von (linken) "Experten" befasst wird, die Sammlung historischer Musikinstrumente aber ein einziger linker Politruk zerstören darf.

  4. Ausgezeichneter KommentatorWaltraut Kupf
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    24. März 2015 12:42

    Dem Gastkommentar von Prof. Melkus kann man nur aus voller Seele zustimmen. Wie es mit dieser Regierungsmannschaft um die Kultur bestellt ist, haben bereits viele Leute aus eigener Erfahrung festgestellt. Zur Illustration möchte ich hier einen Brief beisteuern, der zwei aktuelle Themen anspricht, auf das grundsätzliche Problem hinweist und – erwartungsgemäß – nicht beantwortet wurde. (Hingegen hat der Präsident von ICOMOS Austria auf einen Brief prompt am folgenden Tag geantwortet, darin u.a. seine Erfahrungen mit Briefen ohne Aussagekraft angesprochen und zu weiteren Initiativen seitens der Zivilgesellschaft aufgerufen.)

    Hier der Brief an BM Ostermayer:

    Herrn Bundesminister für Kunst und Kultur,
    Verfassung und Medien
    Dr. Josef Ostermayer
    Minoritenplatz 3
    1010 Wien

    Wien, 19. März 2015

    Betrifft: Frage nach dem politischen Willen zur Erhaltung des Wiener Kulturerbes

    Sehr geehrter Herr Bundesminister!

    Meinen Brief vom 16.2.2015, den ich elektronisch übermittelt habe, sende ich nun noch einmal als Anlage zu diesem eingeschriebenen Brief, da bisher keine Antwort erfolgt ist.

    Ich berufe mich auf die vielpropagierte „Bürgerbeteiligung“ und „Transparenz“, an die zu glauben zusehends schwerer fällt. Sie würden allerdings in Ihrer Eigenschaft als Kulturminister vermutlich ungern bekennen, daß der politische Wille zur Erhaltung des Wiener Welterbes allem Anschein nach nicht vorhanden ist. Es geht dabei nicht nur um das formale Prädikat, sondern auch um die Grundlagen, die zu dieser Auszeichnung geführt haben. Würden diese seitens der Politik bejaht und unterstützt werden, wäre es wohl nicht möglich zu tolerieren, daß die konkludenten Handlungen der Stadt Wien in die völlig entgegengesetzte Richtung gehen, trotz halbherziger anderslautender Lippenbekenntnisse.

    Aber auch der Bund hat im Zuge des bedauerlichen Anlaßfalles der Musiksammlung in der Hofburg unter Beweis gestellt, daß die Spezifika Wiens zugunsten einer globalen Egalisierung auf allen Ebenen sukzessive reduziert und langfristig beseitigt werden sollen. Der tschechische Staatspräsident Zeman (der ansonsten medial wegen seines Alkoholkonsums und diverser Aussprüche kritisiert wird) befürwortet dem Vernehmen nach ein Hochhausprojekt in der Prager Welterbezone und verzichtet gerne auf das Prädikat für Prag, ähnlich scheint die Einstellung in Wien zu sein. Das ist bedauerlich. Sollte es sich anders verhalten, gäbe es ja die Möglichkeit, die besorgten Bürger davon zu überzeugen.

    Mit höflichem Gruß

    Dkfm. Waltraut Kupf
    Ölzeltgasse 4/10
    1030 Wien
    Tel. 718 57 88
    e-mail walkupf@utanet.at

    Eingeschrieben
    Nachricht ergeht auch in elektronischer Form
    Kopien an: Büro der Präsidentschaftskanzlei
    ICOMOS Österreich
    Weiterleitung an weitere Adressaten vorbehalten

    Es ist zu hoffen, daß sich genügend Bürger zu Wort melden, und zwar an verschiedene Entscheidungsträger. Keine Antwort ist auch eine Antwort, und zwar eine deutliche, aus der man seine Schlüsse ziehen kann. Resignieren wäre verkehrt.

  5. Ausgezeichneter KommentatorCamilla
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    18. März 2015 11:30

    Sehr geehrter Herr Prof. Melkus!

    Danke, daß Sie sich dieser Sache annehmen.
    Es ist eine schreckliche Sache, ein so interessantes und schönes Institut,
    das sicher wichtiger für Österreich ist als irgendwelche
    zeitgeistigen Belehrungen zu unserer Geschichte,
    zu beschränken oder überhaupt auszulagern.

    Wie ich höre, ist auch N. Harnoncourt ganz Ihrer Meinung.
    Vielleicht könnte seine Berühmtheit helfen, in der Öffentlichkeit
    noch zeitgerecht Interesse zu erwecken.

    Ohne entsprechenden öffentlichen Wirbel kann ich mir nicht vorstellen,
    daß diese Sache noch zu stoppen ist.

    Bitte setzen Sie auch Ihr Ansehen und Ihre Bekanntheit ein.
    Vielleicht nützt es doch.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorfenstergucker
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    23. März 2015 21:14

    Wir erleben hier eine bewußte, ideologisch bedingte Zerstörung wie weiland bei diversen Kulturrevolutionen im Kommunismus.
    Den Genossen geht ihre linkslinke Weltsicht über Geld, Kunst und vor allem über historisch-konservatives Kulturgut.

    Ostermayer wird sich nicht bremsen lassen, solange ideologisch nicht verblendete Experten mit diesem Skandal die Öffentlichkeit wachrütteln.

  7. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    25. März 2015 21:41

    Was kann man von bolschwistischen Kulturbanausen anderes erwarten als ein "Linkes Parteimuseum"? Sie hassen alles Habsburgische aus tiefster roter Seele, nisten sich aber gerade in deren Prunkbauten wie Borkenkäfer ein. Sie verfolgen mit alttestamentarischem Haß alles historisch Gewachsene. Gründerzeithäuser mit dekorativem Fassadenschmuck müssen realsozialistischen Plattenbauten weichen, traditionelle Sichtachsen werden ganz bewußt zerstört (laut Wr. Stadtplanern dürfte das Schlimmste ein unbehinderter Blick auf den Stephansdom sein). Was schert einen Roten das Weltkulturerbe, wenn er statt dessen mit Ringtürmen das Stadtbild verschandeln kann. Soviel zum Architekturanachronismus. Parallel dazu geht's den Wr. Kleingeistern um die Umdeutung des Wr. Musikverständnisses. Schubert, Beethoven, Haydn, Bruckner, Mozart, etc. alles pfui Teufel -> nur mehr der/die/das Wurst ist wichtig. Wie verbort und blind muß man sein, um derartigen Zerstörungstrieb zu entwickeln.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorSegestes
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    20. März 2015 09:56

    "Hitler-Balkon" [...] Dort hat sich das schlechteste Heldenstück abgespielt in der ganzen Geschichte Österreichs – nämlich das Ende als selbständiger Staat.

    Seit 1994 bzw. 1995 ist Österreich wieder kein selbständiger Staat.
    Und wie bei Hitlers Anschluss ist auch der EU-Volksabstimmung eine Dauerbeschuss durch mediale Propaganda vorausgegangen.


alle Kommentare

  1. Haider
    25. März 2015 21:41

    Was kann man von bolschwistischen Kulturbanausen anderes erwarten als ein "Linkes Parteimuseum"? Sie hassen alles Habsburgische aus tiefster roter Seele, nisten sich aber gerade in deren Prunkbauten wie Borkenkäfer ein. Sie verfolgen mit alttestamentarischem Haß alles historisch Gewachsene. Gründerzeithäuser mit dekorativem Fassadenschmuck müssen realsozialistischen Plattenbauten weichen, traditionelle Sichtachsen werden ganz bewußt zerstört (laut Wr. Stadtplanern dürfte das Schlimmste ein unbehinderter Blick auf den Stephansdom sein). Was schert einen Roten das Weltkulturerbe, wenn er statt dessen mit Ringtürmen das Stadtbild verschandeln kann. Soviel zum Architekturanachronismus. Parallel dazu geht's den Wr. Kleingeistern um die Umdeutung des Wr. Musikverständnisses. Schubert, Beethoven, Haydn, Bruckner, Mozart, etc. alles pfui Teufel -> nur mehr der/die/das Wurst ist wichtig. Wie verbort und blind muß man sein, um derartigen Zerstörungstrieb zu entwickeln.

    • Kapuzerer (kein Partner)
      28. März 2015 10:02

      Der Wiener Kulturstadtrat hat ja auch gesagt dass es ihn und andere sehr schmerze dass viel mehr Leute Theater, Oper, Konzerte, also Kulturveranstaltungen besuchen als ein Fußballspiel x gegen y!
      In solchen Händen liegt also unsere Kultur. Ist wohl nicht viel anders als im Irak, nur langsamer, sanfter aber auf lange Sicht leider sehr wirksam.
      Ich könnte viel klagen über die Zustände, aber hier in diesem Forum ist all das ja sowieso bekannt. Platzen könnt ich vor Wut!

  2. Waltraut Kupf
    24. März 2015 12:42

    Dem Gastkommentar von Prof. Melkus kann man nur aus voller Seele zustimmen. Wie es mit dieser Regierungsmannschaft um die Kultur bestellt ist, haben bereits viele Leute aus eigener Erfahrung festgestellt. Zur Illustration möchte ich hier einen Brief beisteuern, der zwei aktuelle Themen anspricht, auf das grundsätzliche Problem hinweist und – erwartungsgemäß – nicht beantwortet wurde. (Hingegen hat der Präsident von ICOMOS Austria auf einen Brief prompt am folgenden Tag geantwortet, darin u.a. seine Erfahrungen mit Briefen ohne Aussagekraft angesprochen und zu weiteren Initiativen seitens der Zivilgesellschaft aufgerufen.)

    Hier der Brief an BM Ostermayer:

    Herrn Bundesminister für Kunst und Kultur,
    Verfassung und Medien
    Dr. Josef Ostermayer
    Minoritenplatz 3
    1010 Wien

    Wien, 19. März 2015

    Betrifft: Frage nach dem politischen Willen zur Erhaltung des Wiener Kulturerbes

    Sehr geehrter Herr Bundesminister!

    Meinen Brief vom 16.2.2015, den ich elektronisch übermittelt habe, sende ich nun noch einmal als Anlage zu diesem eingeschriebenen Brief, da bisher keine Antwort erfolgt ist.

    Ich berufe mich auf die vielpropagierte „Bürgerbeteiligung“ und „Transparenz“, an die zu glauben zusehends schwerer fällt. Sie würden allerdings in Ihrer Eigenschaft als Kulturminister vermutlich ungern bekennen, daß der politische Wille zur Erhaltung des Wiener Welterbes allem Anschein nach nicht vorhanden ist. Es geht dabei nicht nur um das formale Prädikat, sondern auch um die Grundlagen, die zu dieser Auszeichnung geführt haben. Würden diese seitens der Politik bejaht und unterstützt werden, wäre es wohl nicht möglich zu tolerieren, daß die konkludenten Handlungen der Stadt Wien in die völlig entgegengesetzte Richtung gehen, trotz halbherziger anderslautender Lippenbekenntnisse.

    Aber auch der Bund hat im Zuge des bedauerlichen Anlaßfalles der Musiksammlung in der Hofburg unter Beweis gestellt, daß die Spezifika Wiens zugunsten einer globalen Egalisierung auf allen Ebenen sukzessive reduziert und langfristig beseitigt werden sollen. Der tschechische Staatspräsident Zeman (der ansonsten medial wegen seines Alkoholkonsums und diverser Aussprüche kritisiert wird) befürwortet dem Vernehmen nach ein Hochhausprojekt in der Prager Welterbezone und verzichtet gerne auf das Prädikat für Prag, ähnlich scheint die Einstellung in Wien zu sein. Das ist bedauerlich. Sollte es sich anders verhalten, gäbe es ja die Möglichkeit, die besorgten Bürger davon zu überzeugen.

    Mit höflichem Gruß

    Dkfm. Waltraut Kupf
    Ölzeltgasse 4/10
    1030 Wien
    Tel. 718 57 88
    e-mail walkupf@utanet.at

    Eingeschrieben
    Nachricht ergeht auch in elektronischer Form
    Kopien an: Büro der Präsidentschaftskanzlei
    ICOMOS Österreich
    Weiterleitung an weitere Adressaten vorbehalten

    Es ist zu hoffen, daß sich genügend Bürger zu Wort melden, und zwar an verschiedene Entscheidungsträger. Keine Antwort ist auch eine Antwort, und zwar eine deutliche, aus der man seine Schlüsse ziehen kann. Resignieren wäre verkehrt.

  3. fenstergucker
    23. März 2015 21:14

    Wir erleben hier eine bewußte, ideologisch bedingte Zerstörung wie weiland bei diversen Kulturrevolutionen im Kommunismus.
    Den Genossen geht ihre linkslinke Weltsicht über Geld, Kunst und vor allem über historisch-konservatives Kulturgut.

    Ostermayer wird sich nicht bremsen lassen, solange ideologisch nicht verblendete Experten mit diesem Skandal die Öffentlichkeit wachrütteln.

  4. Pennpatrik
    23. März 2015 17:15

    DIESER Staat kann mich!
    Der mir die Kinder wegnimmt, unsere Familien zerstört, unsere Kultur vernichtet und sich als Straßenräuber geriert.
    DIESER Staat hat von mir keine Solidarität zu erwarten!
    DIESER Staat wird bald wieder einer sein, "den keiner wollte".

  5. Segestes (kein Partner)
    20. März 2015 09:56

    "Hitler-Balkon" [...] Dort hat sich das schlechteste Heldenstück abgespielt in der ganzen Geschichte Österreichs – nämlich das Ende als selbständiger Staat.

    Seit 1994 bzw. 1995 ist Österreich wieder kein selbständiger Staat.
    Und wie bei Hitlers Anschluss ist auch der EU-Volksabstimmung eine Dauerbeschuss durch mediale Propaganda vorausgegangen.

  6. cmh (kein Partner)
    19. März 2015 13:13

    Immer wieder sieht man sich in der heutigen Zeit gezwungen, sich mit komplettem Schwachsin,n höflich und ohne den Geleichmut zu verlieren, auseinandersetzten muss. Dass das Unterfangen, auf vernünftige, um nicht zu sagen wissenschaftliche Weise, das rotdebile Visavis zur Einsicht zu bringen, ist jedoch nie und kann auch gar nicht zum Erfolg führen. Eben weil die grassierende Rotdebilität nie in der Lage ist, sowas wie Werte sinnhaft zu erfassen, weder die geldwertigen noch die ideellen Werte.

    Daher:

    Verkaufen wir doch alles, was ideellwertig ist oder an frühere Zeiten erinnert, also alle Kunstschätze, Gemälde, Musikinstrumente usw. und machen den Rest, der nur mit Geld erhalten werden kann

    • cmh (kein Partner)
      19. März 2015 13:16

      rasch kaputt. Alles was geldwertig ist hingegen verfressen, versaufen und verh..juxen wir.

      Der Rotkolb kann sich dann mit seinem Museum des Aufstieges der Sozialdemokratie in Österreich seit 1848 in der Löwelstraße gehörig austoben.

  7. Wiener Kassandra (kein Partner)
    19. März 2015 13:11

    Das paßt doch perfekt in die Agenda der Auslöschung der europäischen Kultur nach maoistischem Vorbild: "Zerstört alles Alte!"
    Warum lassen wir uns das gefallen? Aus Unwissen? Aus Desinteresse? Aus Servilität gegenüber einer Partei?
    Die Proletarisierung Österreichs ist weit fortgeschritten.

  8. Camilla
    18. März 2015 11:30

    Sehr geehrter Herr Prof. Melkus!

    Danke, daß Sie sich dieser Sache annehmen.
    Es ist eine schreckliche Sache, ein so interessantes und schönes Institut,
    das sicher wichtiger für Österreich ist als irgendwelche
    zeitgeistigen Belehrungen zu unserer Geschichte,
    zu beschränken oder überhaupt auszulagern.

    Wie ich höre, ist auch N. Harnoncourt ganz Ihrer Meinung.
    Vielleicht könnte seine Berühmtheit helfen, in der Öffentlichkeit
    noch zeitgerecht Interesse zu erwecken.

    Ohne entsprechenden öffentlichen Wirbel kann ich mir nicht vorstellen,
    daß diese Sache noch zu stoppen ist.

    Bitte setzen Sie auch Ihr Ansehen und Ihre Bekanntheit ein.
    Vielleicht nützt es doch.

  9. Obrist
    17. März 2015 15:31

    Ostermayer ist ein Repräsentant dieser antiintelektuellsten Regierung in der Geschichte unseres Landes. Da für die derzeitigen Machthaber die österreichische Geschichte lediglich aus Hitlerei und der darauffolgenden glückseligmachenden Ära des Sozialismus besteht, kann man sich ausmalen, wie dieses Propagandamuseum aussehen wird. Und da müssen halt so ein paar alte Musikmöbel weg, wo doch nicht einmal der Conchita auf so etwas spielen würde...
    PS: ich habe gegen dieses kulturbolschewistische Vorhaben unterschrieben

  10. Herby
    17. März 2015 13:00

    Vielen Dank Herr Prof. Melkus für diesen Artikel!

    VOLLE UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE ANLIEGEN VON PROF. EDUARD MELKUS!

  11. Politicus1
    17. März 2015 09:01

    Danke, Prof. Melkus!
    Gerne denke ich an die Vorträge und Führungen Prof. Stradners.
    Es ist fürchterlich, dass zwar für das Geschichtsmuseum eine ganze Reihe von (linken) "Experten" befasst wird, die Sammlung historischer Musikinstrumente aber ein einziger linker Politruk zerstören darf.

    • Riese35
      18. März 2015 20:31

      @Politikus1: *******!

      >> "Geschichtsmuseum": Sie meinen in engl. Sprache das "museum of tales" bzw. präzise ausgedruückt das "museum of Rathkolb's tales".

  12. Nestor 1937
    17. März 2015 08:43

    Wenn es um das leidige "Haus der Geschichte" geht, besteht der Verdacht, daß die linken Politiker vornehmlich i h r e eigene Geschichtsauffassung zur Kenntnis bringen wollen. Bei Ostermayer ist es besonders arg und hinterlistig.
    .
    Dr. Andreas Koller hat dazu vor kurzem in den "Salzburger Nachrichten" fesrgestellt, daß die Österreicher (noch) kein "konsensuales" Bild ihrer jüngsten Geschichte haben. Ostermayer hat aber für seine Vorbereitungen einen überhaupt nicht "konsensualen" Geschichtsprofessor bestellt. Das sollte Besorgnis auslösen.

  13. A.K.
    17. März 2015 04:53

    Bravo zu "Kulturminister zerstört Kulturgut"
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