Sire – Vom sakralen Königtum der Franken und dem Gräuel der Revolution

Lesezeit: 11:30

Im Jahr 1989 wurden wir als Gymnasiasten verpflichtet, einen französischen Film anzusehen, um „200 Jahre Französische Revolution zu feiern“. Die organisierende Lehrerin (Deutsch und Geschichte) leitete den Film mit etwa diesen Worten ein. Ich hatte ein schlechtes Gefühl: Was gibt es da eigentlich zu feiern? Aber in der herrschenden historiographischen Dogmatik ist das Blutbad 1789 ff. ein feierwürdiges Ereignis, ein Meilenstein, ein Erwachen der Menschheit oder wie diese dummen Phrasen sonst noch heißen mögen.

Es gab aus diesem Grund damals Widerspruch in einer Schülerzeitung (außerdem war der Film zynisch und obszön).

Aber im linken bildungsbürgerlichen Milieu herrschte damals schon die Einheitsmeinung, die den Schülern eine positive Beurteilung der Revolution zu oktroyieren suchte. Freilich zwängt dieses Gedankenkorsett nicht nur eine österreichische Landeshauptstadt ein, sondern bildet die historisch korrekte Dogmatik der gesamten „westlichen“ Welt. Seit „dem Konzil“ übrigens auch der Kirche.

Widerspruch fällt sofort auf und wird mit sozialer Ausgrenzung geahndet.

Jean Raspail und die exorzierende Kraft der Ironie

In Frankreich nahm dieser Widerspruch die geniale Form eines so tiefgründigen wie spannenden Romans an, dessen Autor vor den Gesslerhüten der „Moderne“ auf den Boden spuckt. Er hat weder Respekt vor den Revolutionären des Jahres 1789 und der von ihnen aufgestachelten und entmenschten Massen noch vor den heiligen Kühen des gegenwärtigen Frankreich mit seiner lügenhaften Zelebration von „Multikulturalität“ und „Laizität“.

Wer Jean Raspails älteres Werk „Das Heerlager der Heiligen“ kennt, weiß, wie respektlos der Autor Witze über die Götzen der Gegenwart macht und sie damit zertrümmert – und dadurch Wahrheit erkennbar macht. Der Ikonoklasmus gegen die falschen Ikonen, die Raffinesse der Handlung und der einzelnen Szenen und die exorzierende Kraft grenzwertig-krassen Humors sind in „Sire“ zu noch höherer Perfektion getrieben. Das macht das Buch zu einem zeitgenössischen Klassiker (über 100.000 verkaufte Exemplare in Frankreich).

Im Jahr 1991 erschien „Sire“ im französischen Original (Editions de Fallois, Paris). „Sire“ ist die dem französischen Monarchen zustehende Anrede.

Der engagierte und findige Verleger, Buchhändler und Antiquar Benedikt Trost brachte im Dezember 2013 in seinem kleinen, feinen Verlag nova & vetera (Bonn) verdienstvollerweise eine deutsche Übersetzung auf den Markt.

Zur Handlung

Philippe Pharamond de Bourbon, Nachkomme Pharamonds, des sagenhaften Begründers der Dynastie, befindet sich im Jahr 1999 auf einer geheimen Reise zu seiner Weihe und Krönung zum König Frankreichs. Begleitet wird er von seiner Zwillingsschwester und drei Getreuen. Die Gruppe wird Zeugin des Horrors einer weitgehend gottvergessenen Kirche und der Barbarei einer dumpfen und grausamen Welt.

Der französische Staat, dem seine läppische laïcité heilig ist, bekommt Wind von dem subversiven Restaurationsprojekt und schickt seine Schlapphüte aus, um das zu verhindern.

Aber auch z. B. die rechtgläubigen Mönche von Saint-Benoît-sur-Loire sind auf der Hut und aktivieren ihre Abwehr (köstlich die Konfrontation von Kommissar Racado mit Bruder Ulrich) – ganz abgesehen vom Eingreifen der angelischen Autoritäten.

Ein Gustostück der schreiend komischen Darstellungskraft des Autors ist die Szene mit dem Benediktinerkardinal Felix Amédée und dem arabischen Taxifahrer in Reims:

„Der Fahrer wusste nicht, wo der Sitz des Erzbischofs war. Diese Bezeichnung sagte ihm überhaupt nichts. Sein Autoradio plärrte eine Art Orient-Rock, und am Rückspiegel schaukelte eine Micky-Maus-Figur mit einer Keffieh, einem Palästinensertuch, um den Kopf, Modell einer kulturellen Symbiose. (…) Ludwig II. von Guise, Kardinal von Lothringen, Erzbischof von Reims, der die Stadt des Sacre und der Heiligen Ampulle für die Liga verteidigt hatte … was sollte dieser Name im dezibelzerstörten Hirn dieses vortrefflichen französischen Staatsbürgers hervorrufen, der am Steuer seines Taxis dahinraste und rhythmisch Flüche in einer unverständlichen Sprache ausstieß? (…) Dann geschah etwas Erstaunliches. Zwischen zwei Hin- und Herbewegungen der Mickymaus trafen sich die Blicke des Fahrers und des schwarz gekleideten Greises im Rückspiegel (…)“

Eindrucksvoll ist der nächtliche Blick auf Paris, als der Thronprätendent mit dem Oligarchen Monsieur Ixe unterwegs ist, um die triste Realität des zeitgenössischen Frankreich schonungslos in sich aufzunehmen: „Jetzt war die Zeit der Fernsehantennen, die die Stadt von der Wahrheit abschnitten. Die Stadt war schon tot, aber kein einziger ihrer Bewohner wusste es.“

Schließlich kommt es zur Krönung des Königs, nächtlich und im kleinen Kreis.

Den Schluss bildet eine Kette poetischer Perlen, geistlich stark und ermutigend, ohne banal oder billig zu sein. Alles Erhabene ist teuer erkauft.

Der hohe Anspruch der Berufung eines Monarchen

Es handelt sich bei „Sire“ nicht um eine pauschale kritiklose Glorifizierung der historischen französischen Könige. Raspail ist unbestechlich.

Auch sind ihm Schmeichler, Hofschranzen und Speichellecker zuwider (für deren Existenz es übrigens keiner Monarchie bedarf, ganz und gar nicht). Am meisten sind ihm diejenigen zuwider, die ihre heilige aristokratische Berufung, Diener einer Monarchie von Gottes Gnaden zu sein, verraten hatten: „Alle diese Leute haben Sie verlassen, Philippe. Schon damals glaubten sie an nichts mehr. Sie haben Sie seit langem vergessen. … Sie haben ihre Titel unter vier Republiken, unter einer Karikatur von Kaiserreich und unter einer Kramladen-Monarchie klingen lassen, aber sie haben nicht einmal den kleinen Finger gerührt, um ihren letzten König von Gottes Gnaden, Karl X., zu verteidigen.“

Raspail impliziert auch, dass der religiöse Verfall des Königtums nicht erst mit Ludwig XVI. begonnen hat. Er glorifiziert daher auch nicht das ancien régime der letzten hundert Jahre vor der Revolution in unrealistischer Weise. Damit ist aber die Revolution mit ihren Gräueln selbstverständlich nicht gerechtfertigt.

Man kann daraus meiner Meinung nach die Schlussfolgerung ziehen, dass Raspail die gegen das Kaiserreich gerichtete Politik der französischen Könige und deren Unterstützung von Schweden und Türken (mit Hilfe von Kirchenmännern – wie tragisch) als entsetzlichen Verrat an deren Sendung betrachten muss. Wie unnötig und tragisch dieser Antagonismus doch war!

Aber Raspail hält an der sakralen Sendung der Könige grundsätzlich fest – und etliche von ihnen haben ihre Sache auch gut gemacht.

Die „wundertätigen Könige“ als Erbe des fränkischen Königtums

Der „Erfolg“ von Raspails Philippe Pharamond ist – rein weltlich gesehen – bescheiden. Er besteht mehr in der Selbstüberwindung, zu seiner Berufung als König, trotz aller auftretenden Zweifel Ja gesagt zu haben, als in äußeren Erfolgen. Der „Erfolg“ besteht im Ja zu Glaube und Sendung und im Nein zur Anmaßung und Selbstgefälligkeit einer dumpfen und gottlosen Pseudo-Zivilisation.

Der einzige äußere „Erfolg“, der ihm gegeben ist, ist die Heilung eines skrofulosekranken Knaben.

Womit die Kontinuität der Rois thaumaturges, der „wundertätigen Könige“, denen von Gott die Heilungsgabe für die Halsdrüsengeschwulste („Skrofeln“) gegeben war, wiederhergestellt ist. Das Königtum von Gottes Gnaden ist eben nicht ein Job, für den man Sitzungsgeld kassiert. Das Königtum besteht im Leiten, Schützen und Heilen, wobei Letzteres angesichts des Ekels der betreffenden Krankheit eine erhebliche Selbstverdemütigung darstellt. Die Krone ist christlich gedeutet eine Dornenkrone, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Aber mach das einmal einem fanatischen Republikaner klar.

Eine historische Betrachtung

Man stelle sich nur vor, wie Europa aussehen würde, wenn sich das französische Königtum auf der spirituellen und menschlichen Höhe eines hl. Ludwig IX. (1214 – 1270) gehalten hätte. Wären Frankreich und das heilige Römische Reich eines Sinnes gewesen, dann hätten weder Protestantismus noch Islam so tief greifende Verwüstungen in die Christenheit getragen.

Raspail greift in seiner historischen Verankerung des sakralen Königtums weit in die Geschichte zurück, nämlich bis zur Taufe des Merowingers Chlodwig im Jahr 499 durch Remigius von Reims. Faszinierend ist auch, wie er den Verbleib der „heiligen Ampulle“ mit dem Salböl der Könige nachzeichnet. Nach Augenzeugenberichten wurde sie zur Taufe des heidnischen Königs von einer Taube gebracht. Offiziell ist sie zwar durch die Revolutionäre des unseligen Jahres 1789 zerstört worden, allerdings scheint das gar nicht bewiesen zu sein.

Man wirft dem katholischen Königtum von Gottes Gnaden Aberglaube und Rückfall ins Heidentum vor. Aber es ist im Gegenteil so, dass die Lehre Christi die Herrschenden zu Liebe (Absicht des Wohlwollens), Fürsorge und Gerechtigkeit mahnt und so einen zivilisatorischen Sprung nach vorne auslöst. Die volle Wahrheit der Offenbarung macht auch aus der heidnischen Intuition, der König müsse Träger von Heilungskräften sein, eine greifbare Realität.

Und auch ohne Heilungen im physischen Sinn wäre die Aufgabe eines Herrschers, im Namen Gottes heilsam zu wirken, durch Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit seine ihm Anvertrauten aufatmen zu lassen. Man kann sich gut vorstellen, dass man sich unter dem republikanischen terreur der wackeren Bürger Robespierre und Saint-Just wahrscheinlich förmlich nach den Königen gesehnt hat, sogar nach dem schlechtesten. Bei aller berechtigten Skepsis gegenüber einer romantischen Glorifizierung der Könige muss man doch eben die Proportionen im Auge behalten: Wurde es nach 1789, 1848, 1870 oder 1905 wirklich besser? Oder seit der letzten Präsidentenwahl?

Noble und unnoble Charaktere

Bei Raspail sind die zeitgeisthörigen Bischöfe bedauerliche, armselige Trauergestalten. Nicht weil sie auf dem Weg eines unabänderlichen Schicksals dazu geworden wären, sondern weil sie den Wahn einer peinlichen Anbiederung an die Modeströmungen der Welt selbst vollzogen haben. Keiner strahlt Heiligkeit aus, keiner Würde, keiner Autorität. Dagegen ist der in der zitierten Episode erwähnte hoch betagte Mönch und Kardinal, der aus seinem Exil auf den Färöer-Inseln in Frankreich eingreift, ein Mann heiliger Autorität. Ihm wenden sich die Passagiere im öffentlichen Verkehrsmittel spontan zu und bitten ihn um seinen Segen. Er ist ein Hirte der Kirche, der den Krawattenbischof von Reims alleine durch sein Auftreten, seine geistliche Kleidung und seine spirituelle Autorität sich ob dessen schlechten Gewissens wie einen Wurm winden lässt.

Genial ist die Darstellung des Thronprätendenten und seiner Zwillingsschwester. Beide jungen Leute – und auch ihre Begleiter – strahlen Reinheit und Edelmut der Gesinnung aus. In einer barbarisierten Umgebung fällt ein edles Antlitz sofort auf. Es ist ein lebendiger Vorwurf und provoziert Hass und Neid. Raspail hebt damit die fünf jungen Leute über diejenigen Kleriker hinaus, die sich in ihrer Mediokrität und Belanglosigkeit keinerlei Widerspruch durch die Welt aussetzen wollen.

Schließlich ist aus österreichischer Sicht auch die Hommage Raspails an die viel verleumdete Königin Marie Antoinette zu würdigen: „Wir kennen ihre letzten Worte, mit die schönsten, die in unserer Sprache existieren. In ihrer Eile, den Tod wie einen vielgeliebten Bruder zu empfangen, war sie dem Henker auf den Fuß getreten und sagte nun zu ihm: ‚Monsieur, ich bitte Sie dafür um Verzeihung.“

Das Scheitern des republikanischen Frankreich

Ein Verdienst des Buches ist die ikonoklastische Darstellung des durch Massenimmigration, Islamisierung und Primitivisierung herbeigeführten Niedergangs der französischen Kultur und der dadurch verursachten Tristesse und des dumpfen Unglücks der Menschen.

Gott wurde bekämpft, das Gewissen betäubt, die ehrwürdigen Traditionen abgeschafft – jetzt herrschen die Gangs in den banlieus und die diskreten Seilschaften in der Politik.

Die desaströsen Verhältnisse müssten nicht so sein, wie sie sind. Sie sind kein Verhängnis. Sie sind das Produkt missbrauchter menschlicher Freiheit. Wer die Freiheit für das Böse gebraucht, missbraucht sie und schafft sie ab. Den Gipfel pathologischer und neo-totalitärer französischer Politik sehen wir im derzeitigen Regime nur allzu deutlich: Der Weg führte historisch von Guillotine und terreur bis zur zwangsweise verordneten marriage pour tous des Präsidenten Hollande und zum neuen Christenhass des Ministers Peillon, durch den die Wühlarbeit konspirativer Zirkel ans helle Tageslicht dringt.

Ein König würde den Franzosen gut tun.

Fazit

Raspail ist nicht einer derjenigen derzeit weit verbreiteten „Oppositionellen“, von denen man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sie als Agenten der Mächtigen in deren Auftrag und Sold stehen und letztlich deren Agenda betreiben. Er hat sich seine Opposition zu zeitgenössischer Kultur und Politik viel kosten lassen, nicht zuletzt Prozesse wegen „Verhetzung“ – derzeit das Lieblingsinstrument der Mächtigen.

Insofern ist ein Buch wie das Vorliegende ein kleines Wunder.

Das Buch, so utopisch es ist, gibt vom Stoff und der Gedankenführung viel her. Die Übersetzung ist sehr gut lesbar, die Anmerkungen sind hilfreich. Dem Lektorat sind nur ganz wenige Druckfehler entgangen.

Man wird das Buch öfters zur Hand nehmen und gerne verschenken.

Es ist im besten Wortsinn konterrevolutionär. Es ist ein heilsamer aber nicht illusorischer Kontrapunkt zur allgegenwärtigen Hässlichkeit, zur oktroyierten Zelebration des Bösen und zu von Lehrerinnen angeordneten Revolutionsfeierlichkeiten.

Was ist übrigens eigentlich aus eingangs erwähnter Deutschlehrerin geworden, die uns 1989 die wundervolle Revolution feiern hieß?

Nun, die hat mittlerweile einen Sitz im grünen Parlamentsklub eingenommen und ist als Vorsitzende eines republikanischen Tribunals („Untersuchungsausschuss“) zum Liebling des Österreichischen Rotfunks geworden.

Ein bisschen Revolution macht sich also bezahlt, bringt Ansehen und Benefizien.

In Linz fährt sie brav ökologisch mit der Straßenbahn. Bildungsbürgerliche Betulichkeit eben, Aufstieg in eine selbstgefällige, moralisch selbstgerechte linke high society inklusive.

Die Revolutionsglorifizierung hat sie aber nie widerrufen. Wir können also annehmen, dass solche Politikerinnen unter entsprechenden Umständen jederzeit als Megären aktivierbar sind.

Wehret den Anfängen.
Audiant episcopi.

Jean Raspail, Sire, nova & vetera, Bonn 2013; aus dem Französischen von Joachim Volkmann, mit einer Einleitung von Josef Johannes Schmid, 243 Seiten, 21 historische und theologische Anmerkungen.

MMag. Wolfram Schrems, Linz und Wien, katholischer Theologe und Philosoph, kirchlich gesendeter Katechist 

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • Add to favorites
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    30. April 2014 10:10

    Der Geschichtsunterricht, den ich damals im Gymnasium genossen hatte, und auch die Lektuere des Lehrbuchs "Zeiten, Voelker und Kulturen" lies kaum Symphatie an der franzoesischen Revolution aufkommen. Verstaendnis zwar fuer die Ausloeser (vor allem Kritk am ruecksichtslosen verschwenderischen Adel), aber auch aeusserst kritische Betrachtungsweise der chaotisch-anarchischen Entwicklung danach, die letzten Endes wieder in einer Diktatur und neuem Adel muendete (Kaisertum).
    Ohne hier auf Details eingehen zu wollen, letztlich haengt der Erfolg jeder buergerlichen Revolution massgeblich von der Qualitaet und Einstellung der Menschen zu Fairness und Verantwortung ab. Und Sinn fuer realistische Verbesserungen, weitgehend geloest von doktrineren Idealvorstellungen. Fehlen diese, muss zwangslaeufig jede Veraenderung wieder in die Hose gehen.

    Das vielgeschmaehte Preussen hat seine "Revolution" im 19 Jahrhundert viel besser gemeistert und koennte der Welt als Vorbild dienen, wenn es nicht Opfer des ungluecklich verlorenen WKI und der Hitlerdiktatur geworden waere.
    Der vielmals vorgeworfene preussische Militarismus aeusserte sich vor den Weltkriegen kaum in menschenverachtenden Vernichtungs-, Ausbeutungs- oder Unterwerfungskriegen. Siehe die Napoleonischen Kriege, Koeniggraetz und der deutsch-franzoesische Krieg von 1870. Vor allem, was Friedensbedingungen betraf. Von gewisser Arroganz aus Ueberlegenheitsgefuehl heraus abgesehen, und dem Fehler des Hinauswurfes Oesterreichs aus dem deutschen Bund, ist Preussen das viel bessere, gelungenere Beispiel einer sanften Revolution als die Blutexzesse der Franzosen. Ohne WKI waere der deutsche Kaiser Schritt fuer Schritt in eine letztlich nur mehr repraesentative Rolle wie das englische Koenigshaus gedraengt worden, war er ja teilweise bereits auch.

    Aber es ist politisch incorrect, altvattrisch und nazi, auch nur irgendetwas Positives an deutscher Vergangenheit zu suchen und zu sehen.
    Mir ist das langsam wurscht, hier ist mir Pirincci Vorbild: Sollen uns/mich diese manipulierten Id....n doch nennen, wie sie wollen, die Wahrheit sieht einfach anders aus.

  2. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Oswald
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    30. April 2014 11:11

    Die Flucht aus der Gegenwart in die 'gute alte Zeit' ist eine Flucht aus der Wirklichkeit.

    Der romantisierende Blick auf ein gestern, das wir uns als die 'bessere Welt' zurechtlegen, gleicht einer Ersatzdroge. Die Welt in der wir leben, ist so beschaffen, wie sie uns übergeben wurde von unseren Eltern, sie wird nie anders sein, als wir selbst sie zu gestalten getan oder unterlassen haben. Larmoyanz hilft nicht. Das Buch, die Geschichte mag faszinierend, geistreich und klug geschrieben sein - es ist mit Sicherheit ein Zeugnis von hoher Bildung des Autors. Doch was wir brauchen ist Klugheit gepaart mit Tatkraft und dem Durchhaltevermögen, daß all jenen stets auferlegt wird, wenn sie bereit waren sich den Übeln ihrer Zeit zu jeder Zeit erfolgreich entgegenzustellen. Es blendet freilich auch aus, was die Idylle der geistreichen Betrachtung stören könnte - die allgegenwärtigen Willkürakte einer weitgehend der öffentlichen Kontrolle entzogenen Herrschaft von privilegierten Ständen, mittelalterlichen Aberglauben wie er sich in Hexen- und Tierprozessen manifestierte, Unwissenheit als Folge kanonischer Forschungs- und Lehrverbote, als deren Folge fehlende Medizin, vermeintlich unheilbare Krankheiten und gesundheitliche Leiden und kurze Lebenserwartung, Rechtlosigkeit und letztlich - keine Gedankenfreiheit, wie sie sich auch durch die Jagd auf Ketzer und Andersgläubige permanent manifestierte - auch das war die Geschichte und das Gesicht ihrer Zeit. Die Revolution hatte ihre finstersten Schattenseiten - aber sie hatte sie nicht allein. Nicht zuletzt wegen des Satzes - 'Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire.'

  3. Ausgezeichneter KommentatorProConsul
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    30. April 2014 09:02

    Heute ausnahmsweise mal in Reimform:

    Der Reichsfürst will sich lösen von dem Reich,
    Dann kommt der Adel und bekämpft die Fürsten;
    Den gibt die Not, die Tochter der Verschwendung
    Drauf in des Bürgers Hand, des Krämers, Mäklers,
    Der allen Wert abwägt nach Goldgewicht.
    Der dehnt sich breit und hört mit Spotteslächeln
    Von Toren reden, die man Helden nennt,
    Von Weisen, die nicht klug für eignen Säckel,
    Von allem, was nicht nützt und Zinsen trägt.
    Bis endlich aus der untersten der Tiefen
    Ein Scheusal aufsteigt, gräßlich anzusehn,
    Mit breiten Schultern, weitgespaltnem Mund,
    Nach allem lüstern und durch nichts zu füllen.
    Das ist die Hefe, die den Tag gewinnt,
    Nur um den Tag am Abend zu verlieren,
    Angrenzend an das Geist- und Willenlose.
    Der ruft: Auch mir mein Teil, vielmehr das Ganze!
    Sind wir die Mehrzahl doch, die Stärkern doch,
    Sind Menschen so wie ihr, uns unser Recht!
    Des Menschen Recht heißt hungern, Freund, und leiden,
    Eh noch ein Acker war, der frommer Pflege
    Die Frucht vereint, den Vorrat für das Jahr,
    Als noch das wilde Tier, ein Brudermörder,
    Den Menschen schlachtete, der waffenlos,
    Als noch der Winter und des Hungers Zahn
    Alljährlich Ernte hielt von Menschenleben.
    Begehrst ein Recht du als ursprünglich erstes,[393]
    So kehr zum Zustand wieder, der der erste.
    Gott aber hat die Ordnung eingesetzt,
    Von da an ward es licht, das Tier ward Mensch.
    Ich sage dir: nicht Skythen und Chazaren,
    Die einst den Glanz getilgt der alten Welt,
    Bedrohen unsre Zeit, nicht fremde Völker:
    Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar,
    Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große,
    Die Kunst, die Wissenschaft, den Staat, die Kirche
    Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt,
    Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,
    Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.

    Franz Grillparzer, Ein Bruderzwist in Habsburg, 3.Aufzug

  4. Ausgezeichneter KommentatorWaldkauz
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Mai 2014 13:44

    Da gibt es einen Gott, der seinen Anhängern verheissen hat, sich über alle anderen zu erheben.
    Ob sich die Revolutionen ohne diese Motivation ebenso ereignet hätten, kann man bezweifeln oder auch nicht. Schien Oliver Cromwell nicht ein gewaltiger Herrscher zu sein? Bis zu dem befohlenen Massaker an Priestern im irischen Drogheda .

    Als „ alttestamentarischer Christ „ verbot Cromwell das Weihnachtsfest, setzte Kirchen in Brand, ließ Priester ermorden, einen König köpfen und sorgte
    dafür, dass die Auserwählten nach England zurückkehren konnten. Welchem Diktat unterwarf sich Cromwell? Denen, deren Hilfe er beanspruchen musste, wenn er und seine Regierung in Geldnöten war?

    Hundertfünfzig Jahre später attackierten die „französischen Revolutionäre“ den König und die Priester unter dem Vorwand des „Kampfes gegen die Tyrannei“, aber nur, um nach der Machtübernahme eine weitaus brutalere Tyrannei zu installieren.
    Nach Ausbruch der französischen Revolution gewährten die „Revolutionäre“ den französischen Auserwählten 1791 die volle Gleichberechtigung.

    Und weitere 120 Jahre später war die Verabschiedung eines Gesetzes gegen „Antisemitismus“ eine der ersten Amtshandlungen der bolschewistischen Revolutionsregierung in Russland.

    Die Emanzipation der Auserwählten scheint bei den Gastvölkern begleitet zu sein von Revolutionen. Bemerkenswert ist , dass die „Revolutionen“ in England, Frankreich und Russland immer mit der Zerstörung von Kirchen und Klöstern , dem Abschlachten des Klerus, Christenverfolgung und dem Angriff auf alle Werte einherging, die die Angehörigen der Nationen in der Regel zusammenschweissten. Seltsam, oder?

  5. Ausgezeichneter KommentatorSiri
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    30. April 2014 20:56

    Monarchisches und republikanisches Rechtsbewußtsein (nach Iwan Iljin)

    Monarchisches (rechtes) Rechtsbewußtsein - Republikanisches (linkes) Rechtsbewußtsein
    Personifizierung der Macht und des Staates (Staatsvolkes) - Auflösung der persönlichen Elemente der Macht im Kollektiv
    Betonung des Range - Gleichheitskult
    Mystische Auffassung der obersten Gewal - Utilitarismus (verstandesmäßige Annahme der Macht)
    Vorsehungsglaub - Ausschließliche Betonung des menschlichen Willens
    Der Staat als Familie (Patriarchalitäts- und Familiaritätsprinzip) - Der Staat als freies und gleiches Konglomerat; „Verteilerstaat“)
    Grundsatz des Vertrauens zum Staatsoberhaupt - „Garantien“ gegen das Staatsoberhaupt
    Treueprinzip - Grundsatz der Wahl eines „Geeigneten“, „rebus sic stantibus“
    Zentripetalbewegung - Zentrifugalbewegun
    Tendenz zu integrierender Akkumulation - Tendenz zur differenzierten Unbeständigkeit; Atomisierung
    Ehrenkult - Unabhängigkeits und Autonomiekult
    Wert des Dienen - Kult des persönlichen Erfolges, der Karriere
    Solidaritätsprinzip - Konkurrenzprinzip
    Organische Auffassung des Staates - Mechanistische Staatsauffassung
    Hohe Wertschätzung der Tradition (Traditionskult) - Neuerungssucht (Progressismus)
    Achtung der Disziplin, der Arme - Betonung der persönlichen Zustimmung, der Initiative, der Freiwilligkeit
    Askese im politischen Urteil - Betonung der politischen Urteilskraft
    Hetereonomie, Autorität - Autonomie, Ablehnung der Autorität
    Pathos des Gesetzes, der Gesetzlichkeit - Pathos des Vertrages, der Übereinkunft
    Subordination, Ernennung - Koordination, Wahlen
    Der Staat (Behörde, Amt) - Der Staat (Körperschaft)

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWaldkauz
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    02. Mai 2014 13:44

    Da gibt es einen Gott, der seinen Anhängern verheissen hat, sich über alle anderen zu erheben.
    Ob sich die Revolutionen ohne diese Motivation ebenso ereignet hätten, kann man bezweifeln oder auch nicht. Schien Oliver Cromwell nicht ein gewaltiger Herrscher zu sein? Bis zu dem befohlenen Massaker an Priestern im irischen Drogheda .

    Als „ alttestamentarischer Christ „ verbot Cromwell das Weihnachtsfest, setzte Kirchen in Brand, ließ Priester ermorden, einen König köpfen und sorgte
    dafür, dass die Auserwählten nach England zurückkehren konnten. Welchem Diktat unterwarf sich Cromwell? Denen, deren Hilfe er beanspruchen musste, wenn er und seine Regierung in Geldnöten war?

    Hundertfünfzig Jahre später attackierten die „französischen Revolutionäre“ den König und die Priester unter dem Vorwand des „Kampfes gegen die Tyrannei“, aber nur, um nach der Machtübernahme eine weitaus brutalere Tyrannei zu installieren.
    Nach Ausbruch der französischen Revolution gewährten die „Revolutionäre“ den französischen Auserwählten 1791 die volle Gleichberechtigung.

    Und weitere 120 Jahre später war die Verabschiedung eines Gesetzes gegen „Antisemitismus“ eine der ersten Amtshandlungen der bolschewistischen Revolutionsregierung in Russland.

    Die Emanzipation der Auserwählten scheint bei den Gastvölkern begleitet zu sein von Revolutionen. Bemerkenswert ist , dass die „Revolutionen“ in England, Frankreich und Russland immer mit der Zerstörung von Kirchen und Klöstern , dem Abschlachten des Klerus, Christenverfolgung und dem Angriff auf alle Werte einherging, die die Angehörigen der Nationen in der Regel zusammenschweissten. Seltsam, oder?


alle Kommentare

  1. Collector
    09. Mai 2014 10:32

    Erst einmal Dank an Wolfgang Schrems für die herrliche, einfühlsame und treffende Besprechung!

    Ein paar Poster (z.B. Helmut Oswald, wolf) können nicht unterscheiden zwischen Norm und Empirie. Den Unterschied an einem Beispiel erläutert: Die Ehe bleibt (in ihrer sakralen Dimension) unauflöslich, selbst wenn 99,9% der Ehen "geschieden" werden. Dasselbe gilt für das "sakrale Königtum", selbst wenn Oliver Cromwell aus dem Königtum ein "Schlachthaus" macht.

    Begriffen haben den Unterschied in ganz wunderbarer und tiefer Weise Franziska Malatesta, Siri oder ProConsul. Das von ProConsul gebrachte Grillparzer-Zitat erspart Bibliotheken an politologischer Literatur und Schaumschlägereien. Solche hat ja zuletzt Oliver Rathkolb mit seiner Umfrage "zum starken Mann" vorgelegt. Rathkolb hat bis heute nicht begriffen, dass die "Demokratie eine Fehlgeburt der Geschichte" (Davila) und ein "Gott, der versagt" H.H.Hoppe) ist.

    Sehr treffend auch die Bemerkung von Waldkauz über die Hintergründe der Revolutionen und Machenschaften "der Auserwählten". Letztlich durchzieht die ganze Geschichte "der Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis" (Gaudium et spes, n. 15), Christ und Antichrist. Die Opfer auf beiden Seiten zählen Hekatomben von Toten. "Friede und Sicherheit", wie das sich simplicissimus und wolf wünschen, gibt es auf dieser Welt nicht, sie verspricht nur Satan (Paulus).

  2. Waldkauz (kein Partner)
    02. Mai 2014 13:44

    Da gibt es einen Gott, der seinen Anhängern verheissen hat, sich über alle anderen zu erheben.
    Ob sich die Revolutionen ohne diese Motivation ebenso ereignet hätten, kann man bezweifeln oder auch nicht. Schien Oliver Cromwell nicht ein gewaltiger Herrscher zu sein? Bis zu dem befohlenen Massaker an Priestern im irischen Drogheda .

    Als „ alttestamentarischer Christ „ verbot Cromwell das Weihnachtsfest, setzte Kirchen in Brand, ließ Priester ermorden, einen König köpfen und sorgte
    dafür, dass die Auserwählten nach England zurückkehren konnten. Welchem Diktat unterwarf sich Cromwell? Denen, deren Hilfe er beanspruchen musste, wenn er und seine Regierung in Geldnöten war?

    Hundertfünfzig Jahre später attackierten die „französischen Revolutionäre“ den König und die Priester unter dem Vorwand des „Kampfes gegen die Tyrannei“, aber nur, um nach der Machtübernahme eine weitaus brutalere Tyrannei zu installieren.
    Nach Ausbruch der französischen Revolution gewährten die „Revolutionäre“ den französischen Auserwählten 1791 die volle Gleichberechtigung.

    Und weitere 120 Jahre später war die Verabschiedung eines Gesetzes gegen „Antisemitismus“ eine der ersten Amtshandlungen der bolschewistischen Revolutionsregierung in Russland.

    Die Emanzipation der Auserwählten scheint bei den Gastvölkern begleitet zu sein von Revolutionen. Bemerkenswert ist , dass die „Revolutionen“ in England, Frankreich und Russland immer mit der Zerstörung von Kirchen und Klöstern , dem Abschlachten des Klerus, Christenverfolgung und dem Angriff auf alle Werte einherging, die die Angehörigen der Nationen in der Regel zusammenschweissten. Seltsam, oder?

  3. Franziska Malatesta (kein Partner)
    01. Mai 2014 19:27

    Das sind Verse, keine Reime. Bei allem Respekt: Im Gegensatz zu Schiller hatte Grillparzer mit den fünffüßigen Jamben seine liebe Not und sah sich gezwungen, an den unpassendsten Stellen "ei ja" oder "ei" oder "auf und auf" einzufügen, eine nervtötende Notlösung, die mir die von der Deutschlehrerin erzwungene Grillparzer-Lektüre zur Folter machte.

  4. wolf (kein Partner)
    01. Mai 2014 11:16

    Zunächst einmal ist mir niemand bekannt, der auch nur ansatzweise die Grausamkeiten der französischen Revolution verharmlosen oder gar negieren würde. Die Ereignisse werden durchwegs differenziert betrachtet, die rosarote Brille ist längst abgelegt. Weder schwarz noch weiß sind hier angebracht.

    Eben so wenig ist dieser S/W-Blick auf die Zeit vor der Revolution angebracht. Angesichts unzähliger Vertragsbrüche, Gesetzesverletzungen, Morde, Unterdrückungen, Ausbeutungen, etc stehen die Könige, Kaiser, Herzöge und Markgrafen heutigen Politikern um nichts nach. Zu bezweifeln bleibt das Gottesgnadentum. Und wenn schon: es wurde zu allen Zeiten von allen Herrschern (geistlichen und weltlichen) mit Füßen getreten. Sich diese Zeiten zurück zu wünschen, zeugt mE von Unkenntnis der historischen Gegebenheiten.

    Und: nicht außer Acht gelassen werden sollte die völlig unterschiedliche Konzeption des Gottesgnadentums des Mittelalters und der Renaissance im Vergleich zum Verständnis ab dem frühen 17. Jhd.

    • estate (kein Partner)
      01. Mai 2014 17:09

      wolf,

      Sie schreiben u.a. "Zunächst einmal ist mir niemand bekannt, der auch nur ansatzweise die Grausamkeiten der französischen Revolution verharmlosen oder gar negieren würde. Die Ereignisse werden durchwegs differenziert betrachtet, die rosarote Brille ist längst abgelegt."

      Wie wäre es, wenn Sie zur Validierung dessen, was Ihnen vorgeblich unbekannt ist, mal bei den üblichen Verdächtigen vorbeigesehen hätten? Die Sozialisten sollten dabei sofort jedem halbwegs Gebildeten sofort einfallen, oder?

      So schreibt aktuell das Zentralorgan sozialismus.net/zeitung/mr22/franz-revolution.html
      ---
      So konnten die Jakobiner zur führenden Kraft in Frankreich werden. Doch auch die Konterrevolution schlief nicht: am 13.7.1793 wurde Marat von einer Monarchistin ermordet, woraufhin die Jakobiner die revolutionäre Gewalt errichteten. Kommissare, mit unbeschränkten Vollmachten , wurden an die Fronten und in die Aufstandsgebiete geschickt und richteten dort einige tausend Menschen hin, die sich gegen die Regierung stellten. Vor allem diese Zeit bezeichnen bürgerliche HistorikerInnen als die "Schreckensherrschaft der Jakobiner". Tatsächlich bekämpften die Jakobiner die alten Eliten, die den früheren Unterdrückungsapparat wieder zum Leben erwecken wollten.
      ---

      Was Sie, wolf, ansonsten hier noch anführten, fällt in dieselbe Kategorie des "zunächst einmal ist mir niemand bekannt". Eigene ostentative Dummheit war noch niemals ein überzeugendes Argument.

    • wolf (kein Partner)
      01. Mai 2014 18:37

      Zentralorgan wovon? Der linksextremen Trotzkisten (Revolutionär Sozialitische Organisation). Na Bravo! Die sind mir nun tatsächlich nicht weiter bekannt. Und dass es immer wieder ein paar Spinner gibt, steht ja außer Zweifel. Ich hab keine Ahnung wie viele Mitglieder oder Anhänger die haben ... ein paar Hundert werden es schon sein.
      Na, es gibt auch Leute, die meinen, eine Mondlandung hätte nie statt gefunden.

      Kurz: es gibt ein paar Spinner auf der extremen linken wie auf der extremen rechten Seite, die immer noch nur schwarz/weiß sehen. Ernst zu nehmende Historiker jedenfalls sind das nicht und so sind sie auch vernachlässigbar. Wenn man allerdings - wie Sie es mit der RSO tun - sich ein paar Extremisten aussucht, um dann zu behaupten, es handle sich um eine gängige Meinung, erweist man der Wahrheit keinen sehr großen Dienst.

      Und was "ansonsten hier noch anführten" betrifft: erklären Sie doch einmal was Sie meinen. Wenn Ihnen etwas nicht bekannt ist, kann ich möglicherweise weiter helfen.

    • estate (kein Partner)
      01. Mai 2014 21:32

      > Kurz: es gibt ein paar Spinner

      Richtig, und die sitzen sogar im Unterrichtsministerium

      http://www.rechtleicht.at/lexikon/Revolution

      > Wenn Ihnen etwas nicht bekannt ist, kann ich möglicherweise weiter helfen.

      Falsch. Nochmal ganz langsam zum Mitmeiseln: Sie führten aus, es sei Ihnen "niemand bekannt, der auch nur ansatzweise die Grausamkeiten der französischen Revolution verharmlosen oder gar negieren würde."

      Man könnte es nach einer solchen Selbstoffenbarung ohne jeden argumentativen Nährwert bei einem lapidaren Who-cares belassen, oder Ihnen aber mitfühlend auf die Sprünge helfen.

      Mein Tipp: Wenn Sie schon den Leuten Sand in die Augen streuen, dann übertreiben Sie das nächstemal weniger und lassen zumindest das "auch nur ansatzweise" weg. Die sonstigen linken Einsprengsel dagegen sind harmlos.

    • wolf (kein Partner)
      02. Mai 2014 10:14

      was bitte soll das?

      Besonders erbaulich sind mir Leute, die ein unbedarftes 'Falsch' in den Ring brüllen und dann mit links/rechts Gesülze auftreten.

      Von vorne: Ihr Post bestand aus 2 Teilen. 1.) tataaa, esgibt doch jemanden, der die Gräuel der Revolution verharmlost und dann kommen Sie mit der Splittergruppe einer Randgruppe, deren Äußerungen und Auffassungen etwa so interessant und wichtig sind, wie die Meinung irgend welcher UFO-"Experten". Wen interessiert's, was diese Spinner zu vermelden haben? Und dann kommen Sie mit einem "Lexikon" auf Kindergarten-Niveau (mit dem Duktus: Zielgruppe 8-10jährige), das noch dazu inhaltlich nicht unrichtig ist, aber eben nicht ins Detail geht und sehr verkürzt. Man kann über die grundsätzliche Sinnhaftigkeit dieses "Lexikons" schon reden, aber zum einen wozu? und zum anderen is das ein anderes Thema.
      2. Teil Ihres Posts: Sie unterstellen "Was Sie, wolf, ansonsten hier noch anführten, fällt in dieselbe Kategorie des "zunächst einmal ist mir niemand bekannt"". Ihr 'Falsch' also, dass Sie auf den ersten Teil beziehen wollen, gehört eigentlich zu Teil 2 Ihrer Replik. Wurscht. Jedenfalls *scheint* (eigentlich glaub ich das nicht wirklich) Ihnen nichts bekannt zu sein über die Machenschaften diverser Herrscher. Deshalb meine Aussage: "Und was "ansonsten hier noch anführten" betrifft: erklären Sie doch einmal was Sie meinen. Wenn Ihnen etwas nicht bekannt ist, kann ich möglicherweise weiter helfen." Soll ich Ihnen ein paar Wort-, Vertrags- Rechtsbrüche dero Hochwohlgeboren aufzählen? Ich denke, das wird nicht nötig sein.

      Möglicherweise reden wir ja auch an einander vorbei - soll ja schon vorgekommen sein.

      Dann aber meinen Sie irgend welche 'Linken Einsprengsel' erkennen zu können. Was um alles in der Welt soll denn das jetzt sein? Welche 'linken Einsprengsel'?

  5. Siri
    30. April 2014 20:56

    Monarchisches und republikanisches Rechtsbewußtsein (nach Iwan Iljin)

    Monarchisches (rechtes) Rechtsbewußtsein - Republikanisches (linkes) Rechtsbewußtsein
    Personifizierung der Macht und des Staates (Staatsvolkes) - Auflösung der persönlichen Elemente der Macht im Kollektiv
    Betonung des Range - Gleichheitskult
    Mystische Auffassung der obersten Gewal - Utilitarismus (verstandesmäßige Annahme der Macht)
    Vorsehungsglaub - Ausschließliche Betonung des menschlichen Willens
    Der Staat als Familie (Patriarchalitäts- und Familiaritätsprinzip) - Der Staat als freies und gleiches Konglomerat; „Verteilerstaat“)
    Grundsatz des Vertrauens zum Staatsoberhaupt - „Garantien“ gegen das Staatsoberhaupt
    Treueprinzip - Grundsatz der Wahl eines „Geeigneten“, „rebus sic stantibus“
    Zentripetalbewegung - Zentrifugalbewegun
    Tendenz zu integrierender Akkumulation - Tendenz zur differenzierten Unbeständigkeit; Atomisierung
    Ehrenkult - Unabhängigkeits und Autonomiekult
    Wert des Dienen - Kult des persönlichen Erfolges, der Karriere
    Solidaritätsprinzip - Konkurrenzprinzip
    Organische Auffassung des Staates - Mechanistische Staatsauffassung
    Hohe Wertschätzung der Tradition (Traditionskult) - Neuerungssucht (Progressismus)
    Achtung der Disziplin, der Arme - Betonung der persönlichen Zustimmung, der Initiative, der Freiwilligkeit
    Askese im politischen Urteil - Betonung der politischen Urteilskraft
    Hetereonomie, Autorität - Autonomie, Ablehnung der Autorität
    Pathos des Gesetzes, der Gesetzlichkeit - Pathos des Vertrages, der Übereinkunft
    Subordination, Ernennung - Koordination, Wahlen
    Der Staat (Behörde, Amt) - Der Staat (Körperschaft)

    • simplicissimus
      01. Mai 2014 08:33

      Interessante Gegenueberstellung!
      Welches System erfolgreicher ist, ist schwer zu sagen.
      Immerhin wurde das Angelsaechsische weltreich aus einem Mischmach beider aufgebaut.

  6. Helmut Oswald
    30. April 2014 11:11

    Die Flucht aus der Gegenwart in die 'gute alte Zeit' ist eine Flucht aus der Wirklichkeit.

    Der romantisierende Blick auf ein gestern, das wir uns als die 'bessere Welt' zurechtlegen, gleicht einer Ersatzdroge. Die Welt in der wir leben, ist so beschaffen, wie sie uns übergeben wurde von unseren Eltern, sie wird nie anders sein, als wir selbst sie zu gestalten getan oder unterlassen haben. Larmoyanz hilft nicht. Das Buch, die Geschichte mag faszinierend, geistreich und klug geschrieben sein - es ist mit Sicherheit ein Zeugnis von hoher Bildung des Autors. Doch was wir brauchen ist Klugheit gepaart mit Tatkraft und dem Durchhaltevermögen, daß all jenen stets auferlegt wird, wenn sie bereit waren sich den Übeln ihrer Zeit zu jeder Zeit erfolgreich entgegenzustellen. Es blendet freilich auch aus, was die Idylle der geistreichen Betrachtung stören könnte - die allgegenwärtigen Willkürakte einer weitgehend der öffentlichen Kontrolle entzogenen Herrschaft von privilegierten Ständen, mittelalterlichen Aberglauben wie er sich in Hexen- und Tierprozessen manifestierte, Unwissenheit als Folge kanonischer Forschungs- und Lehrverbote, als deren Folge fehlende Medizin, vermeintlich unheilbare Krankheiten und gesundheitliche Leiden und kurze Lebenserwartung, Rechtlosigkeit und letztlich - keine Gedankenfreiheit, wie sie sich auch durch die Jagd auf Ketzer und Andersgläubige permanent manifestierte - auch das war die Geschichte und das Gesicht ihrer Zeit. Die Revolution hatte ihre finstersten Schattenseiten - aber sie hatte sie nicht allein. Nicht zuletzt wegen des Satzes - 'Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire.'

    • simplicissimus
      01. Mai 2014 08:34

      Herr Oswald, Sie haben die richtige Einstellung!

    • Franziska Malatesta (kein Partner)
      01. Mai 2014 22:25

      Wenn ein Schriftsteller etwas schreibt, z.B. einen historischen Roman oder - wie im vorliegenden Buch - eine Dystopie, dann ist er weder a priori larmoyant, noch "flüchtet" er in eine "Idylle" oder in die "gute alte Zeit". Der Monarchie und dem Gottesgnadentum haben gar nicht so larmoyante Geister, etwa Nicolás Gómez Dávila, Erik von Kuehnelt-Leddihn oder gar Hans Hermann Hoppe ihren Respekt bezeugt (wiewohl der Respekt des letzteren naturgemäß cum grano salis bzw. als relativer zu verstehen ist).

      Zwischen "Klugheit" und "Klugheit gepaart mit Tatkraft" hat kein "doch" zu stehen, sondern ein "auch", denn ich wüßte nicht, was mit Tatkraft oder Waffengewalt verteidigt werden sollte oder wofür die Tatkraft sich lohnen sollten, wenn nicht für eine Kultur und ein abendländisches Erbe, also etwas, das zu einem nicht kleinen Teil von Dichtern oder Künstlern gewirkt worden ist, und für das auch die Raspail, Kuehnelt-Leddihn oder Dávila sich auf ihre Weise eingesetzt haben, ein Erbe, das momentan von außen und von innen - wie in Raspails "Heerlager der Heiligen" beschrieben, zerstört wird. Die zu verteidigenden Territorien sind nicht nur geographische, sondern auch geistige, eine Nation ist mehr oder etwas anderes, als einfach nur Menschen, die innerhalb bestimmter Grenzen wohnen, und Durchhaltevermögen hat auch etwas mit unserer Seele, unseren Traditionen und unserem kulturellen Erbe zu tun. Ich warne jedenfalls davor, den Verwüstungen unserer Kultur, denen wir tagtäglich durch das Wirken unserer eigenen Regierungen und ihrer Vorfeldorganisationen ausgesetzt sind, noch ein weiteres defaitistisches Moment hinzuzufügen, indem du, lieber Helmut, ausgerechnet einen Mann wie Jean Raspail, der von der Zeitschrift "Jungle World" als "Rechtsextremer" bezeichnet wurde, als "larmoyant" diffamierst.

      Kommen wir also zur Tatkraft der Revolutionstruppen. Tatkraft war es gewiß nicht, woran es den Colonnes infernales unter ihrem General Turreau mangelte, als sie 1794 die mit Mistgabeln

    • Franziska Malatesta (kein Partner)
      01. Mai 2014 22:28

      Jetzt geht hier auch schon der Schwachsinn mit der Zeichenbeschränkung an? Wie im Standard?

      Fortsetzung 1

      Kommen wir also zur Tatkraft der Revolutionstruppen. Tatkraft war es gewiß nicht, woran es den Colonnes infernales unter ihrem General Turreau mangelte, als sie 1794 die mit Mistgabeln bewaffneten royalistischen Aufständischen in der Vendée, der Bretagne und der Normandie niedermetzelten und in der Loire ersäuften. Antoine de St.Just lobte die unvergleichliche Qualität des Leders aus menschlicher, und zwar weiblicher Haut, das in einer Lederfabrik in Pont-de-Cé aus den Häuten der royalistischen Katholiken erzeugt und zu Bucheinbänden und Reithosen verarbeitet wurde, eine schöne revolutionäre und völlig unlarmoyante Praxis, die sogar diesseits des Rheins weitergepflogen wurde.
      Man sollte nicht glauben, wie gering der Fortschritt ist, den die Menschheit seit dem Peloponnesischen Krieg vor 2500 Jahren hinter sich hat. Wer über die menschliche Natur und die Beschaffenheit der Politik über die Zeiten hinweg etwas wissen will, der lese Thukydides, der sich in seinem umfangreichen Werk als desillusionierter Pessimist zu erkennen gibt, sobald es um die Condition humaine geht.
      Es ist ja nicht wahr, daß die Menschen der Antike oder des Mittelalters so unwissend waren, oder daß das Mittelalter, ach, so finster gewesen sei. Tatsächlich waren die Klöster lange Jahrhunderte die einzigen europäischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen, und ob der Kaiser, der wenigstens theoretisch durch die Gnade Gottes eine Einschränkung seiner Macht hinnehmen mußte, in der Praxis wirklich willkürlicher und autoritärer geherrscht hat als eine heutige SPÖ, das soll beantworten, wer Lust dazu hat.
      Zu den kanonischen Lehr- und Forschungsverboten: Was in Europa heute alles nicht geforscht oder angewendet werden darf - Genetik, Gentechnik, Atomphysik, Präimplantationsdiagnostik - was hingegen erforscht werden muß - Genderismus, marxistische Ökonomie, Psychoanalyse, linke Politologie, Pflege- und Ernährungswissenschaft - kann jeden Unvoreingenommenen ausgezeichnet darüber belehren, weshalb das Mittelalter um nichts finsterer war als die Gegenwart. Sogar die Hexenjagden sind wieder en vogue, sie richten sich gegen "Homophobe" und "Rassisten", von Gedankenfreiheit ist nichts mehr übrig.

    • Helmut Oswald
      02. Mai 2014 02:46

      @ Franziska Malatesta

      Das wenigste in Deinen Gedanken, dem ich widersprechen könnte oder wollte. Hier sind für mich weniger Gegensätze zu finden, als es zuerst, der Länge der Rede wegen den Anschein hat. Ich betrachte sie daher zum geringeren Teil als Widerspruch, denn als Ergänzung. Auf immer unauflösbar aber wird für mich die Forderung sein, die ich darin erkenne, eine Stimmung, eine Empfindung widerlegen zu sollen. Das kann ich nicht. Wer gestimmt ist, hat sich, soferne er auch eine Ratio besitzt, zu dieser entschlossen. Wen die Stimmung mitreisst, der läßt dies zu - manchmal auch aus agitatorischer Berechnung. Der Diffamierung meines Verständnisses von Tatkraft, indem sie in der Betrachtung auf die kriminelle Energie von, nach heutigen Begriffen, Massenmördern, beschränkt wird halte ich nur eines entgegen - die entsetzlichsten der Massenmorde wurden nicht alleine im Namen der Vernunft begangen. Sie finden sich, wohl erweislich, auch als im Namen von Spiritualität begangen, etwa namens der Berufung auf Religion, Gottesgnadentum und andere Wertbegriffe, welche der Autor - in Teilen wohl nicht ohne Grund - in unserer Gegenwart vermisst. Die Abschlachtung der Katherrer und Waldenser als Ketzer (nur beispielhaft für zahllose andere Gräuel, die ohne Berufung auf die Vernunft oder die bürgerliche Revolution stattfanden) geriet kaum weniger grausam, als jene an der königstreuen Bauernschaft in der Vendee begangene. Und zwar auch für jeden, der mit Hingabe an das Detail ihren Vollzug zu kennen weiß. Es hilft nichts, aber wofür oder wogegen Du die Gräuel der Vendee auch immer ins Treffen führen willst - sie taugt für gar nichts anderes, als daß es zu allen Zeiten so war, daß der Mensch des Menschen Wolf gewesen ist. Nicht mehr, nicht weniger. Sie lassen folglich aus meiner Sicht keine Aussagen über Wert und Unwert eines Herrschaftssystemes zu. Das sich die Zahlen und Größenordnungen im sogenannten 'Zeitalter der Vernunft' - das zu vertreten ich ausdrücklich nicht angetreten bin - gewachsen sind hat nur etwas mit dem Bevölkerungswachstum und der gesteigerten - wissenschaftlich-technischen Methoden der Vernichtung zu tun. Ich habe es lediglich als notwendig erachtet auch dafür einen klaren Blick zu behalten das Massenvernichtung und Gräuel dieser Art keine Alleinstellungsmerkmale der bürgerlichen Revolution sind, sondern eines ihrer übelsten Begleitphänomene. Und das auch vorrevolutionäre Herrschaftssysteme in breiter Wirkung fehlbar waren.

  7. simplicissimus
    30. April 2014 10:10

    Der Geschichtsunterricht, den ich damals im Gymnasium genossen hatte, und auch die Lektuere des Lehrbuchs "Zeiten, Voelker und Kulturen" lies kaum Symphatie an der franzoesischen Revolution aufkommen. Verstaendnis zwar fuer die Ausloeser (vor allem Kritk am ruecksichtslosen verschwenderischen Adel), aber auch aeusserst kritische Betrachtungsweise der chaotisch-anarchischen Entwicklung danach, die letzten Endes wieder in einer Diktatur und neuem Adel muendete (Kaisertum).
    Ohne hier auf Details eingehen zu wollen, letztlich haengt der Erfolg jeder buergerlichen Revolution massgeblich von der Qualitaet und Einstellung der Menschen zu Fairness und Verantwortung ab. Und Sinn fuer realistische Verbesserungen, weitgehend geloest von doktrineren Idealvorstellungen. Fehlen diese, muss zwangslaeufig jede Veraenderung wieder in die Hose gehen.

    Das vielgeschmaehte Preussen hat seine "Revolution" im 19 Jahrhundert viel besser gemeistert und koennte der Welt als Vorbild dienen, wenn es nicht Opfer des ungluecklich verlorenen WKI und der Hitlerdiktatur geworden waere.
    Der vielmals vorgeworfene preussische Militarismus aeusserte sich vor den Weltkriegen kaum in menschenverachtenden Vernichtungs-, Ausbeutungs- oder Unterwerfungskriegen. Siehe die Napoleonischen Kriege, Koeniggraetz und der deutsch-franzoesische Krieg von 1870. Vor allem, was Friedensbedingungen betraf. Von gewisser Arroganz aus Ueberlegenheitsgefuehl heraus abgesehen, und dem Fehler des Hinauswurfes Oesterreichs aus dem deutschen Bund, ist Preussen das viel bessere, gelungenere Beispiel einer sanften Revolution als die Blutexzesse der Franzosen. Ohne WKI waere der deutsche Kaiser Schritt fuer Schritt in eine letztlich nur mehr repraesentative Rolle wie das englische Koenigshaus gedraengt worden, war er ja teilweise bereits auch.

    Aber es ist politisch incorrect, altvattrisch und nazi, auch nur irgendetwas Positives an deutscher Vergangenheit zu suchen und zu sehen.
    Mir ist das langsam wurscht, hier ist mir Pirincci Vorbild: Sollen uns/mich diese manipulierten Id....n doch nennen, wie sie wollen, die Wahrheit sieht einfach anders aus.

  8. ProConsul
    30. April 2014 09:02

    Heute ausnahmsweise mal in Reimform:

    Der Reichsfürst will sich lösen von dem Reich,
    Dann kommt der Adel und bekämpft die Fürsten;
    Den gibt die Not, die Tochter der Verschwendung
    Drauf in des Bürgers Hand, des Krämers, Mäklers,
    Der allen Wert abwägt nach Goldgewicht.
    Der dehnt sich breit und hört mit Spotteslächeln
    Von Toren reden, die man Helden nennt,
    Von Weisen, die nicht klug für eignen Säckel,
    Von allem, was nicht nützt und Zinsen trägt.
    Bis endlich aus der untersten der Tiefen
    Ein Scheusal aufsteigt, gräßlich anzusehn,
    Mit breiten Schultern, weitgespaltnem Mund,
    Nach allem lüstern und durch nichts zu füllen.
    Das ist die Hefe, die den Tag gewinnt,
    Nur um den Tag am Abend zu verlieren,
    Angrenzend an das Geist- und Willenlose.
    Der ruft: Auch mir mein Teil, vielmehr das Ganze!
    Sind wir die Mehrzahl doch, die Stärkern doch,
    Sind Menschen so wie ihr, uns unser Recht!
    Des Menschen Recht heißt hungern, Freund, und leiden,
    Eh noch ein Acker war, der frommer Pflege
    Die Frucht vereint, den Vorrat für das Jahr,
    Als noch das wilde Tier, ein Brudermörder,
    Den Menschen schlachtete, der waffenlos,
    Als noch der Winter und des Hungers Zahn
    Alljährlich Ernte hielt von Menschenleben.
    Begehrst ein Recht du als ursprünglich erstes,[393]
    So kehr zum Zustand wieder, der der erste.
    Gott aber hat die Ordnung eingesetzt,
    Von da an ward es licht, das Tier ward Mensch.
    Ich sage dir: nicht Skythen und Chazaren,
    Die einst den Glanz getilgt der alten Welt,
    Bedrohen unsre Zeit, nicht fremde Völker:
    Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar,
    Der, wenn erst ohne Zügel, alles Große,
    Die Kunst, die Wissenschaft, den Staat, die Kirche
    Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt,
    Zur Oberfläche eigener Gemeinheit,
    Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig.

    Franz Grillparzer, Ein Bruderzwist in Habsburg, 3.Aufzug





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2020 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung