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SN-Kontroverse: Lueger

Unter dem Titel “Kontroverse” gibt es in jeder Freitag-Ausgabe der Salzburger Nachrichten eine Doppelkolumne, in der Katharina Krawagna-Pfeifer und ich jeweils zum gleichen, von der SN-Redaktion vorgegebenen Thema schreiben. Und zwar ohne dass man gegenseitig die Texte vorher kennt.

Diese Woche steht die “Kontroverse” unter dem Titel:

Umbenennung des Lueger-Rings gerechtfertigt?

 In der Folge finden Sie die beiden – unverändert wiedergegebenen – Kolumnen. Dadurch soll dieser kreativen und spannenden Idee auch hier ein Forum gegeben werden.

Keine Ehrung für Antisemiten

Katharina Krawagna-Pfeifer war Innenpolitikerin der SN, Innenpolitikchefin sowie Leiterin des EU-Büros des “Standard” und SPÖ-Kommunikationschefin. Sie arbeitet jetzt als Publizistin und Kommunikationsstrategin (kkp.co.at).

Er halte den Mann für den "gewaltigsten Bürgermeister aller Zeiten". Dies schrieb Adolf Hitler über ihn. Er war ein faszinierender Redner und "Volkstribun" mit starkem Charisma. Seine Befürworter feierten ihn wie einen Popstar. Für Karl Lueger, der auch "Herrgott von Wien" genannt wurde, gab es sogar ein Lueger-Vaterunser: "Vater Lueger, der du wohnst in Wien, gelobet sei dein Name, beschütze unser christliches Volk (...) sondern erlöse uns von dem Juden-Übel." Von ihm stammt der Ausspruch "Wer ein Jud’ ist, das bestimm’ ich". Die Hetze gegen die Juden stand im Zentrum seiner politischer Taktik: Alle Probleme brachte Lueger auf die einfache Formel: "Der Jud' ist schuld". So entstand ein Klima der Verrohung, das die politische Kultur in Wien um 1900 nachhaltig geprägt hatte. Wegen seiner Hatzpolitik verwehrte ihm sogar Kaiser Franz Josef mehrmals die "allerhöchste Sanktion" für das Bürgermeisteramt; das er schließlich doch eroberte. Seine Amtszeit (1897 - 1910) war einerseits durch einen starken Modernisierungsschub gekennzeichnet; andererseits durch ein sehr effektives System der Ämterpatronage. Nach Karl Lueger wurde 1934 von den Austrofaschisten der Teil der Wien Ringstraße zwischen der Stadiongasse und dem Schottenring benannt. Darüber hinaus gibt es rund 30 weitere Lueger-Gedenkstätten. Nach jahrelanger Debatte soll nun endlich der Lueger-Ring in Universitäts-Ring umbenannt werden. Das ist gut so, denn die Stadt Wien demonstriert mit diesem Schritt - spät, aber doch - historisches Bewusstsein. Nicht nachvollziehbar ist aber, warum die ehrende Erinnerung nur stückweise aus dem Stadtbild entfernt wird. Die anderen Denkmäler für Lueger sollen so bleiben wie sie sind. Das ist halbherzig und ein Beweis dafür, wie zwiespältig und unsicher Wien sowie die Republik nach wie vor im Umgang mit der eigenen Vergangenheit sind.


Einäugige Demagogie

Andreas Unterberger

 Kein Zweifel: Karl Lueger hat in seiner Kleine-Leute-Politik gegen Großindustrie und Banken stark auf antisemitische Parolen gesetzt; was man nur strikt verurteilen kann. Ebenso wenig Zweifel gibt es aber auch: Lueger war der weitaus wichtigste Bürgermeister in der Geschichte Wiens; ihm hat die Stadt mehr in Sachen Städtebau, Reformen und Schönheit zu verdanken als allen späteren Bürgermeistern zusammen (deren Sündenlisten mehrere Sonderausgaben der SN füllen würden). Daher sollte es sich eine Wiener Stadtverwaltung sehr gut überlegen, wenn sie nun ausgerechnet den Name Lueger von Straßenschildern entfernt. Das erinnert heftig an die stalinistische Praxis, unliebsame gewordene Funktionäre nachträglich aus Fotos wegzuretuschieren. Jetzt gibt es keinerlei Rechtfertigung mehr, warum andere Namen mit viel weniger Verdiensten von solchen bisher vermiedenen Namens-Eliminierungen unberührt bleiben, die ebenso belastet sind wie Lueger. Auf manchen lastet sogar noch viel schwerere Schuld, kann doch Lueger keinerlei Gewalt oder Aufrufe zu solcher angelastet werden. Was ist etwa mit Karl Marx und seinen antisemitischen Bemerkungen und den Zig-Millionen Toten, die seine Ideologie gefordert hat, sehr oft gezielt unter Juden? Was ist mit Karl Renner, der nicht nur Hitlers Anschluss völlig freiwillig zugejubelt hat, sondern später auch dem zweiten großen Massenmörder des 20. Jahrhunderts, Josef Stalin? Was ist mit dem Wiener SPÖ-Stadtrat Julius Tandler, der in langen Schriften zur Tötung von "lebensunwerten" Menschenleben aufgerufen hat? Was ist mit Che Guevara, der ein paar Tausend Menschen eigenhändig ermordet hat? Ihnen allen sind in Wien Plätze oder Bauten gewidmet, ja sogar Denkmäler gebaut worden. Solange die alle unberührt blieben, ist die Lueger-Stürmerei nichts als miese parteipolitische Demagogie und historische Einäugigkeit.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorHelmut Graser
    18x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 08:19

    Wir sollten die Idee von unserer Jan Fleischhauer Matinee doch aufgreifen und Michael Häupl mit einem Spiegel-TV-Team bezüglich des Che Guevara-Denkmals interviewen. Fleischhauer hat ja damals spontan zugestimmt. Das gäbe sicher eine nette Sequenz für die Fortsetzung von "Unter Linken".

  2. Ausgezeichneter Kommentatorlibertus
    18x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 01:10

    Eine rückwärtsgewandte Moral ist typisch für die immer stärker reaktionär auftretenden Genossen. Ihr Blick richtet sich ausschließlich in die Vergangenheit, weil sie keinerlei Zukunftsperspektiven mehr zu bieten haben.

    Außerdem muß alles, was nicht dem Sozialismus huldigt, rasch und gründlich ausgemerzt werden. Wo kommen wir denn da hin, wenn einem verdienten Bürgermeister, der nichts mit dem "roten Wien" am Hut gehabt, aber sicher auch Fehler gemacht hat, ein Denkmal oder gar ein Straßennamen gewidmet wird.

    Denn neben einem "roten Bürgermeister" Leopold Gratz, nach dem nunmehr ein Teil des Schmerlingplatzes benannt ist, kann doch ein Lueger nicht bestehen.
    Der wegen seinem Hang zum Alkoholismus genannte "Whiskey-Poldi" war rechtskräftig verurteilt, weil er dem 6-fach Mörder und Versicherungsbetrüger Udo Proksch beim rumänischen Mörderregime unter Nicolae Ceau?escu falsche Papiere besorgte, spielte eine unrühmliche Rolle in der Waldheimaffäre, war Zögling der NAPOLA und vertuschte das mit seinem Beitritt zum BSA.
    Nur mit einer solchen Vita und wenn man als Sozi endet, ist man berechtigt einen Straßennamen und natürlich ein Ehrengrab am Zentralfriedhof zu erhalten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Gratz

    Jetzt wissen wir, was der selige Lueger wirklich falsch gemacht hat!

  3. Ausgezeichneter Kommentatorbrechstange
    11x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 12:20

    Frau Krawanga, Lueger ist 1910 gestorben, da war der Hitler gerade 21 Jahre und versuchte sein Glück als Künstler an der Kunstakademie, die ihn leider ablehnte. Was wäre der Menschheit möglicherweise erspart blieben, hätte man ihn dort aufgenommen?
    Wir wissen also nicht, ob Lueger die nationalsozialistische Politik gutgeheißen hätte und trotzdem legt Frau Krawanga das nahe. Schon interessant, wie populistisch vereinfachend Frau Krawanga in ihrer Argumentation vorgeht.

  4. Ausgezeichneter KommentatorPumuckl
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 12:09

    @ kkp

    Kann man irgendeiner historischen Person gerecht werden, wenn man sie aus der Zeit ihres Wirkens in die Gegenwart holt, und nach gegenwärtigen Maßstäben beurteilt?

    An Alexander dem Großen, Karl der Großen, Friedrich den Großen, hätten wir nach heutigen Maßstäben viel zu kritisieren.
    TROTZDEM SIND u.A. CHURCHHILL UND VRANITZKY STOLZE KARLSPREISTRÄGER,
    eine Auszeichnung, welche ja auch den kriegswütigen Frankenkönig würdigt.

    GEBÜHRT NICHT AUCH DEM VERDIENSTVOLLEN LUEGER, DASS MAN BEI DER BEURTEILUNG SEINES WIRKENS ALLE GESICHTSPUNKTE, DER VON GEWALTIGEN
    UMBRÜCHEN GEKENNZEICHNETEN, DAMALIGEN WIENER GESELLSCHAFT, BERÜCKSICHTIGT ?

    Hitler, Lenin, Stalin und Tito, welche zu Luegers Zeit auch in Wien weilten, ahnten damals sicher noch nicht, daß ihr politisches Wirken einmal eine dreistellige Millionenzahl an Toten bewirkt.

    Heute, nach dem Holocaust ist jeder anständige Mensch entsetzt weil Lueger damals mit populistisch antijüdischen Reden die Massen gewann.

    Damals gab es auch andere, heute kaum beachtete Gesichtspunkte, welche die Neidkomplexe der Massen schürten. Einige Beispiele:

    ° Alleine in meiner privaten Bibliothek finde ich ein Dutzend jüdischer Autoren,
    welche das oft herablaßend überhebliche, besonders gegen dienende Berufe
    gerichtete Benehmen jüdischer Bürger beklagten.

    ° Rothschild&Co hatten sich mit der Nordbahn einen Hochprofitablen Verkehrsweg geschaffen, mit dem gewinnträchtig Steinkohle aus schlesischen
    Kohlegruben für die aufstrebende Industrie transportiert Wurde.
    Andere Bahnen waren nicht annähernd so ertragreich und deren Errichtung aus topographischen Gründen mühsam und teuer.

    ° Wenn es stimmt, daß Rothschild vorhatte, sein Schloß in Reichenau mit Fußböden aus Goldmünzen mit dem Kopf des beliebten Kaisers auszustatten,
    ist der Unmut der Bürger vorstellbar. Angeblich konnte man ihn nur mühsam von
    dieser Majestätsbeleidigung abbringen.

    Zu konkreteten Vorwürfen von Frau kkp:

    ° " . . .schrieb Hitler über ihn." Kann man es Lueger anlasten, wenn sich ein gutes Jahrzehnt nach seinem Tod ein späterer Diktator schwärmerisch über ihn schreibt?

    ° "LUGNER-VATERUNSER" Dieses blasphemische Gebet hat Lueger weder verfaßt noch selbst verbreitet.
    Kann man Lueger solch geschmacklose "Propaganda" seiner Anhänger anlasten?

    ° " Wer Jud' ist, das bestimm' ich " Dieses Zitat habe ich im Zusammenhang mit Göring gehört. Göring soll diese Worte gebraucht haben, wenn er befreundete Juden vor der Verfolgung durch die Gestapo beschützt hat.
    Diese Worte machen nur Sinn, wenn man sie zum Schutz von Juden ausspricht.
    Auch Lueger wird sie in diesem Sinn verwendet haben!

    Frau kkp muß schon besser argumentieren, wenn sie den Denkmalsturm von Politikern verteidigt, welche Lueger nicht das Wasser reichen können!

  5. Ausgezeichneter KommentatorAnton Volpini
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 08:01

    Das ist innerhalb der SN Kontroversen-Serie der beste Unterbergerartikel den ich bisher gelesen hab!
    Und....wir sollten ständig stärker herausstreichen, daß das Che-Denkmal erst kürzlich von Häupl, Jelinek und Menasse persönlich "eingeweiht" wurde!
    Wenn ich das in meinen Freundeskreisen erzähle ernte ich meistens nur ungläubiges, erstauntes Kopfschütteln! Durch das Nicht-Berichten unserer Systemmedien ist diese Tatsache nur den allerwenigsten bekannt.

  6. Ausgezeichneter KommentatorWertkonservativer
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 08:20

    Antwort an HJR:

    Warum wohl, werter Diskussions-Kollege, darf der "Karl-Marx-Hof" weiterhin so heißen, und der "Lueger-Ring" nicht?

    Die Antwort ist wohl (natürlich auch Ihnen) ganz klar:

    weil der Lueger ein Rechter war, und heute die Linken (+ hörige Medien) bestimmen, was gut und was böse ist!
    Und leider sind die Linken hier (und fast allüberall) zumindest derzeit die mehreren!
    Ein "rechter" Jammer, das Ganze!

    (mail to: gerhard@michler.at)

  7. Ausgezeichneter KommentatorBaldur Einarin
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2012 13:36

    Und wieder einmal.: Was ist mit dem mißratenen Sohn Viktor Adlers. Friedrich Adler hat 1916 den damaligen Kriegsminister Stürck meuchlings ermordert.
    In den 90.-iger jahren hat die rote Wiener Stadtverwaltung nach diesem Mörder eine Verkehrsfläche in Wien -Favoriten benannt.
    Nota bene. : Man kann es drehen wie man will.: Weder Lueger, Kernstock, Turnvater Jahn, Theodor Billroth noch Tandler und Karl-Marx waren Mörder !
    Sehr wohl aber Friedrich Adler und Che Guevara !!!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorcmh
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    28. April 2012 09:59

    Gerade musste man in Ö1 ein hinterhältig fieses Portrait von Kurt Waldheim hören.

    Mit Engelszungen durften da alle möglichen Hochglanztrichienen wie Meissner-Blau und Falter-Thurnher in geheuchelter Äquidistanz und Ausgewogenheit dem toten Waldheim ausrichten, dass, auch wenn kein kein einziger der Vorwürfe stimmte, er sich am besten zum Vorteile seiner eigenen Berater rasch entleibt hätte.

    In einem solchen Umfeld sind alle Argumente gegen die scheibchenweise Damnatio memoriae Luegers nicht mehr zielführend.


alle Kommentare

  1. Will (kein Partner)
  2. Open (kein Partner)
    21. Januar 2015 20:22

    Hitler a e9te9 un fervent aaeridtmur de Karl Lueger comme de Schf6nerer e9galement. On pourrait parler, d une certaine manie8re, de mode8le politique. Je suis ne9anmoins de9sole9 de faire remarquer qu en 1908 la France e9tait encore secoue9e par l affaire Dreyfus qui n en finnaisait pas de rebondir. Bon nombre de nos concitoyens de cette e9poque auraient pu voir d un oeil complaisant ce beau Karl Lueger. On l oublie un peu trop souvent, mais sur l antise9mitisme nous n avions rien e0 envier aux citoyens viennois. La premie8re partie des Origines du totalitarisme de Hannah Arendt, l antise9mitisme est e9clairante sur ce sujet.Il est vrai cependant que Clemenceau, apre8s moultes he9sistations, joua un rf4le cle9 dans l affaire Dreyfus. http://qsqsuasx.com [url=http://svlgab.com]svlgab[/url ] [link=http://bakwvjcral.com]bakwvjcral[/link ]

  3. David (kein Partner)
    21. Januar 2015 03:24

    Abnormal psychology : cnerrut perspectives Lauren B. Alloy e.a. Moderne geschiedenis van Duitsland 1800-1900 Frits Boterman Hitler : a study in tyranny Alan Bullock Evolutionary explanations of human behaviour John H. Cartwright The pursuit of the millennium : revolutionary millennarians and mystical anarchists in the middle ages Norman Cohn Cosmos, chaos and the world to come : the ancient roots of apocalyptic faith Norman Cohn The idea of history R.G. Collingwood Foundations of psychohistory Lloyd DeMause Pioneers of psychology Raymond Fancher The anatomy of human destructiveness Erich Fromm Sigmund Freud : zijn leven en werk Peter Gay Psychology Henry Gleitman Tagebfccher Joseph Goebbels Anmerkungen zu Hitler Sebastian Haffner Germany : Jekyll & Hyde Sebastian Haffner Hitlers Wien Brigitte Hamann Der Ffchrer Konrad Heiden Early anthropology in the sixteenth and seventeenth centuries M.T. Hodgen Hitler's personal security Peter Hoffmann Die geheime Tagebfccher des Dr. Morell, Leibarzt Adolf Hitlers David Irving Hitlers Weltanschauung Eberhard Je4ckel Tot het laatste uur : het intrigerende levensverhaal van Hitlers secretaresse Traudl Junge Hitler 1889-1936 : Hoogmoed Ian Kershaw Hitler 1936-1945 : Vergelding Ian Kershaw Hitler: een balans Guido Knopp Adolf Hitler : mein Jugendfreund August Kubizek Hitlers Mfcnchen David Clay Large The psychohistorian's handbook Henry Lawton The myth of the repressed memory Elisabeth Loftus Hitler en de geschiedenis John Lukacs Hitlers intieme kring Lothar Machtan Memoiren Leni Riefenstahl Explaining Hitler : the search for the origins of his evil Ron Rosenbaum Abrechnung mit Hitler Hjalmar Schacht Ich glaubte an Hitler Baldur von Schirach Spandauer Tagebfccher Albert Speer Der Mann der Feldherr werden wollte Fritz Wiedemann

  4. Mikel (kein Partner)
    19. Januar 2015 23:29

    Yeah that's what I'm talking about bay--bnice work!

  5. Der bessere Kommentar (kein Partner)
    29. April 2012 23:55

    Lueger und die Lausbuben
    27.04.2012 | 19:13 | Von Kurt Bauer (Die Presse)

    Als der heutige „Lueger-Ring“ und morgige „Universitätsring“ noch „Ring des 12. November“ hieß: Vor 80 Jahren erreichten die antisemitischen Ausschreitungen an der Universität Wien einen ersten Höhepunkt.

    Die Stiege hinunter, schnell,schneller, nur nicht stolpern, nicht hinfallen, die Schreie, die Schläge, die Tritte, die Stöße, Juden raus!, Juden raus!, dieHalle, die Aula, die Hiebe, die Tritte, das Tor, das Blut, die Bäume, die Häuser, die Straße, die Menschen, die stummen Menschen, die schreienden Menschen, die stummen Polizisten, die Rettungsleute, immerhin.

    23. Juni 1931. Schauplatz: UniversitätWien, Hauptgebäude. Adresse: Ring des12.November, wie er, hervorgegangen aus dem Franzensring, seit 1919 hieß (im Gedenken an die Ausrufung der österreichischen Republik am 12. November 1918) und bis 1934 heißen sollte. Heutige Adresse: Dr.-Karl-Lueger-Ring. Ab kommendem Sommer: Universitätsring.

    Eine zugleich allegorische und naturalistische Zeichnung auf einer Titelseite des sozialdemokratischen „Kleinen Blattes“ vom 25. Juni 1931 zeigt die Situation. Durch eine Öffnung blickt man ins Freie, sieht ein Gebäude mit mächtiger Fensterfront, dazu Bäume, Teile einer Balustrade. Erkennbar handelt es sich um den Blick aus der Aula der Universität Wien auf die Ringstraße. In der Bildmitte, vor dem Ausgang, eine allegorische weibliche Figur im langen, antiken Gewand, einen Arm hält sie schützend vor das Gesicht, den anderen hat sie über den geducktenKopf gezogen. Das Kleid zerrissen, eine Schärpe trägt die Aufschrift „Kultur“. Rings um sie lemurenartige Gestalten, SA-Kappen- und Studentenmützenträger mit zerhackten Visagen und schräg wie zum Hitlergruß nach oben gerissenen Armen, in den Fäusten Knüttel, Stöcke, einer schwingt etwas, was eine Schlagrute sein könnte. Auf dem Boden verstreute Gegenstände: ein zerbrochener Spazierstock, ein zertrampelter Hut, eine zertrampelte Damenhandtasche, zertrampelte, zerrissene Bücher, eine Aktentasche, eine Blutlache. Einige Seiten weiter in derselben Ausgabe des „Kleinen Blattes“ ein grob gerastertes Foto. Eine Kette von Polizisten am Fuß der Freitreppe, die leer ist, während sich oben am Eingang die Menschen ballen. Bildunterschrift: „Die Polizei schaut zu, wie an der Universität Menschen blutig geschlagen werden.“

    Es war nachgerade ein akademisches Ritual, das hier ablief. Nicht zufällig hatte das linksliberale Satiremagazin „Götz“ schon Mitte 1925 mit bitterem Spott geschrieben: „Der Ring des 12. November soll auf besonderen Wunsch der Studenten abermals umbenannt werden. Der Magistrat der Stadt Wien hat sich für die Bezeichnung ,Schlagring‘ entschieden.“

    Die Wurzeln der universitären Gewalt reichen freilich viel tiefer als bis 1925. Schon seit den frühen 1880er-Jahren – zugleich mit dem Einsetzen des „modernen“ Rassenantisemitismus – stand an den Universitäten und Hochschulen in Wien und in anderen Städten der Monarchie Gewalt gegen jüdische Studenten auf der Tagesordnung. Die Täter waren ausnahmslos Burschenschafter, die „schlagenden“ Verbindungen angehörten. Kein Zufall also, dass sie sich mit Schlagwaffen aller Art für die akademische Hetz und Hatz rüsteten.

    Um 1930 hatte sich längst ein bewährtes Muster eingespielt: Überfallsartig stürmten die Deutschnationalen, die man nunmehr getrost durchwegs als Nazis bezeichnenkonnte, unter Rufen wie „Juda verrecke!“, „Judenhinaus!“ Hörsäle und Bibliotheken. In aller Regel nahmen die Professoren diese Vorgänge widerstandslos hin. Die meisten der akademischenLehrer jener Jahre teilten ohnehin die antisemitische Haltung der Täter, zudem dürften sie wenig Lust gehabt haben, selbst Schläge abzubekommen. Eine Mischung aus stiller Kumpanei, Opportunismus und Feigheit. Mit dieser Haltung sollten es viele Professoren, sofern sie keine Juden oder bekennende Linke waren, problemlos durch den Ständestaat und die NS-Ära in die Zweite Republik bringen.

    Ein beliebter Ausgangspunkt derartigerpogromartiger Ausschreitungen war dersamstägliche „Bummel“ der deutschnationalen Verbindungen in den Wandelgängen der Universität. Immer stärker wurden zudem tagesaktuelle politische Ereignisse zum Anlass für Krawalle genommen. Ende Mai 1932 war es beispielsweise eine blutige Saalschlacht zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten im fernen Innsbruck, die Grund genug war, in Wien über Studenten jüdischer Herkunft herzufallen.

    Alle auf irgendeine Weise als „jüdisch“ Identifizierten, aber auch „Arier“, die als Sozialdemokraten und Kommunisten bekannt waren, wurden auf die Gänge und in die Aula geprügelt. Dort hatten sie einen regelrechten Spießrutenlauf durch eine von ihren Verfolgern gebildete sogenannte Salzergasse (so Bruno Kreisky in seinen Erinnerungen) zu absolvieren, um ins Freie zu gelangen. „Aus dem Inneren der Universität“, schreibt das „Kleine Blatt“ in einem seiner zahllosen Berichte, „dringt Indianergeheul. Die Lausbuben vom Hakenkreuz haben also wieder ein Opfer gefunden. Seit Stunden wird diese Menschenjagd geduldet. Immer wieder taumeln blutüberströmte Studenten über die Rampe herunter.“

    Die Germanistin Minna Lachs erinnerte sich, dass Studenten sogar noch auf der Universitätsrampe vor den Augen aller – insbesondere der Polizei – zusammengeschlagen wurden. „Wir anderen standen hinter dem Polizeikordon und konnten nur ohnmächtig mit Schreien protestieren. Ich stand hinter einem älteren, grauhaarigen Polizisten und merkte gar nicht, was ich schluchzend in ohnmächtiger Wut schrie. Er drehte mir seinen Kopf zu und flüsterte: ,Vorsicht, Fräulein, die merken sich Ihr Gesicht, und dann kommen Sie dran.‘“

    Gerade diese Tatenlosigkeit der Polizei empfanden die Opfer der Gewalt als besonders schlimm. Das bezeugen zeitgenössischeDarstellungen ebenso wie viele Jahrzehnte später verfasste Lebenserinnerungen deutlich. Kränkend und angsteinflößend zugleichwar es, dass der von den antisemitischen Christlichsozialen in Koalition mit den antisemitischen Deutschnationalen regierte Staatnicht bereit war, seinen jüdischen Bürgern angemessen Schutz zu gewähren. Geradezu prophetisch schrieb die zionistische Wochenzeitung „Die Stimme“ daher im Sommer 1932: „Wir gehen schweren Gefahren entgegen.“ – Die Wiener Polizei redete sich auf die angebliche Hochschulautonomie heraus. Polizeipräsident Franz Brandl – der bezeichnenderweise nach seiner Entlassung im Frühjahr 1933 demonstrativ der NSDAP beitrat – schrieb 1931 in einem Beitrag für eine Wiener Montagszeitung, dass es sich bei der polizeilichen Untätigkeit „mehr um eine Frage der praktischen Erwägungen als des Rechtes“ handle. Es wäre geradezu eine „Herabwürdigung der Wissenschaft“, auf akademischem Boden einzuschreiten, ohne dazu von maßgeblichen Hochschulfunktionären gerufen worden zu sein. Die Rektoren jener Zeit – nicht weniger als ihre Studenten antisemitisch, deutschnational, wenn nicht gar nazistisch eingestellt – dachten freilich nicht im Traum daran. Bestenfalls konnten sie sich zu ein paar wertlosen beschwichtigenden Worten und nutzlosen Gesten aufraffen, die sich wie eine Verhöhnung der Opfer anhörten. Und wohl auch so gedacht waren.

    Die Wiener Universitäten und Hochschulen galten von jeher als Hort starker nationaler Gesinnung. Deutschnationale und katholische Korporationen gaben den Ton an. Sie waren in der Deutschen Studentenschaft organisiert, einem 1919 in Würzburg gegründeten Studenten-Dachverband des gesamten deutschen Sprachraums. Ausschließlich „deutsch-arische“ Hörer waren hier willkommen. Die Technische Hochschule Wien führte bereits 1923 einen Numerus clausus ein, der die Höchstgrenze der jüdischen Hörer je Fakultät mit zehn Prozent fixierte.

    Die anhaltende Wirtschaftskrise führte Anfang der 1930er-Jahre zu rigorosen Sparmaßnahmen und Kürzungen an den Hochschulen, zudem verschärfte sich der Kampf um die wenigen freien Arbeitsstellen, die nach Abschluss des Studiums zu ergattern waren. Die Schuld an dieser Situation wurde –wie auch anders? – „sittlicher Orientalisierungund rassischer Judaisierung“ zugeschoben. So eine Denkschrift derDeutschen Studentenschaft der Hochschulefür Bodenkultur aus dem Jahr 1925. Als Vertreter der katholischen Minderheitsfraktion hatte auch Leopold Figl das Dokument unterzeichnet. In diesem Klima war es wohl nur folgerichtig, dass der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund bei den Wahlen zur Deutschen Studentenschaft im Jahr 1931 an sämtlichen Wiener Universitäten und Hochschulen die erste Stelle erreichte.

    Am 23. Juni 1931 hob der Verfassungsgerichtshof eine vom pränazistischen Rektor der Universität Wien, Wenzel von Gleispach, erlassene „Studentenordnung“ auf, die die Bildung von „Studentennationen“ vorgesehen hatte. Nationalsozialistische und katholische Studenten hatten sich gemeinsam dafür starkgemacht. Maßgeblich für die Universitätszulassung sollte nicht die Staatsbürgerschaft, sondern eine „Volksbürgerschaft“ nach rassischen Kriterien sein. Eine frühe Vorwegnahme der Nürnberger Gesetze. Die christlichsoziale „Reichspost“ fand „nichts begreiflicher, als dass der Gerichtsspruch die akademischen Gemüter in Wallung brachte“. Die Folge: schwere Ausschreitungen, Übergriffe auf jüdische, sozialdemokratische und kommunistische Studenten. Für mehrere Stunden klebten an den Säulen am Eingang zur Universität gelbe Kartons mit roter Schrift: „Juden Eintritt verboten!“ Im selben Ton und beinahe im Wochentakt ging es in den nächsten Monaten und Jahren weiter.

    Zum Exzess steigerten sich die pogromartigen Krawalle am 9. Mai 1933. Laut Polizeibericht kam es an diesem Dienstagvormittag am Anatomischen Institut in der Währinger Straße zu „tätlichen Konflikten zwischen nationalen und jüdischen beziehungsweise sozialistischen Studenten“. Das „unter Vorzensur“ stehende „Kleine Blatt“ schrieb hingegen, dass die Nationalsozialisten das gesamte Haus besetzt und „systematisch alle Studenten, die den Nazis nicht zu Gesicht standen“, mit Totschlägern, Gummiknüppeln und Sesselbeinen angegriffen hätten. Einige verbarrikadierten sich im Hörsaal, erlagen aber schließlich der Übermacht; andere sprangen in ihrer Angst aus dem Hochparterre ins Freie und verletzten sich dabei; einige Studentinnen konnten über eine Leiter, die Passanten von einem vorbeifahrenden Feuerwehrwagen genommen hatten, flüchten. Die NS-Studenten versuchten, teure Röntgenapparate zu demolieren, was jedoch „mit äußerster Mühe“ verhindert werden konnte. 21 Opfer meldeten sich anschließend auf der Unfallstation mit Verletzungen, fünf von ihnen hatten Knochenbrüche oder schwerere Kopfverletzungen erlitten. Die schließlich von der Währinger Straße abgedrängten Nazis versuchten daraufhin, in das Universitätshauptgebäude einzudringen, was einem Teil gelang. Auf der Straße erhielten sie „Zulauf durch hochschulfremde Gesinnungsgenossen“, mit denen sie in der Stadt herumzogen, um weitere Unruhe zu stiften. Die Polizei meldete insgesamt 30 Verletzte sowie zwölf Verhaftungen – Zahlen, die Beobachtern der Vorfälle verdächtig gering erschienen.

    Am nächsten Vormittag wurde die Technische Hochschule zum „Kriegsschauplatz“. Eine Gruppe nationalsozialistischer Studenten stürmte die Aula und fiel mit Stöcken, Stahlruten, Fäusten und Gummiknüppeln über jüdische Studenten sowie eine Gruppe von Heimwehrstudenten her. Ergebnis: vier Verletzte, einer davon schwer. Gegen zehn Uhr warf ein NS-Student eine Tränengasbombe, was zur fluchtartigen Räumung der Aula führte. Am Nachmittag ließ der Rektor eine Kundmachung anschlagen, in der er die Studenten mahnte, „besonnen“ zu bleiben, weil derartige Vorkommnisse in der Öffentlichkeit im „hochschulfeindlichen Sinne aufgebauscht“ werden könnten.

    Die Untätigkeit der Polizei änderte sich erst, als auch die Angehörigen katholischer Korporationen ins Visier der Nazistudenten gerieten. An sich hatten katholische und deutschnational-völkische Studenten vieleJahre lang harmonisch in der Deutschen Studentenschaft zusammengearbeitet. Noch im Sommer 1932 war ein vonKatholiken und Nationalsozialisten gemeinsam verfasstes antisemitisches Flugblatt in Umlauf gesetzt worden. Unterzeichner als Führerder katholischen Studenten der Universität Wien: Josef Klaus, der spätere ÖVP-Bundeskanzler.

    Im Dezember des Jahres kam es allerdings zum Bruch, als beim samstäglichen Bummel in den Universitätsarkaden katholische und deutschnationale Burschenschafter übereinander herfielen. Josef Klaus war wiederum mitten im Geschehen: „Zuerst war Ruhe vor dem Sturm, dann gab es Provokationen, dann den Versuch, das Niemandsland von der anderen Seite des Arkadenhofs zu durchbrechen, und schließlich eine helllichte Schlacht. Auf einmal waren auch die Braunhemden an der Seite der nationalen Couleurstudenten, geschulte Schlägertruppen mit Riemen, Stahlringen und -ruten. Auf meinen Kopf sauste eine solche Stahlrute nieder, ich blutete, ließ mich aber nicht wegführen.“ Schreibt Klaus in seinen durchaus selektiven Erinnerungen. – Soweit die Vorgeschichte.

    Am 27. Mai 1933, einem Samstag, sollte in der Aula der Universität eine „Heldengedenkfeier“ katholischer Verbindungen stattfinden. Diese Feier galt groteskerweise Albert Leo Schlageter – Angehöriger einer katholischen Verbindung, aber ebenso frühes NS-Parteimitglied –, der während der Ruhrbesetzung 1923 von den Franzosen hingerichtet worden war. Trotz der angeblichen Zusage, sich ruhig zu verhalten, ließen die nationalsozialistischen Studenten sich nicht davon abhalten, die Veranstaltung massiv zu stören. Die Folge: wüste Schlägereien in der Aula und in anderen Teilen des Universitätsgebäudes. Als dann die prominentesten Ehrengäste, Bundeskanzler Dollfuß und Justizminister Schuschnigg, an der Rampe mit Pfiffen und wildem Protestgeschrei empfangen wurden, war es um die Hochschulautonomie geschehen. Die mit Stahlhelmen und Gewehren ausgerüstete Wiener Sicherheitswache räumte die Aula binnen Minuten. Und Sicherheitsminister Fey verkündete tags darauf, dass es eine „gesetzliche Hochschulautonomie“ ohnehin nie gegeben habe.

    Ein knappes Jahr später, Ende April 1934, benannte das Dollfuß-Regime das Straßenstück vor der Universität nach Wiens größtem Antisemiten: Dr. Karl Lueger.

    • RR Prof. Reinhard Horner
      01. Mai 2012 14:46

      reinhard.horner@chello.at

      Warum brauchen die Verfechter der Umbenennung die arg geschichtsverfälschende Verteufelung Luegers als nichts anderes als "Wiens größten Antisemiten", den man als bis in die Nazigräuel verantwortlich sehen möge?

  6. Wilhelm Conrad (kein Partner)
    29. April 2012 22:40

    Ich empfinde es jedesmal als ein bemerkenswertes Phänomen, dass man bei Frau Kravagna-Pfeifer stets klar vorhersagen kann, dass ihr Standpunkt das diametrale Gegenteil des Standpunktes von Dr. Unterberger ist (den ich meistens teile). Auch wenn der Kravagna-Pfeifer'sche Standpunkt hart ans Absurde grenzt, was des öfteren vorkommt. Sowas von sklavischer Linksorientierung ist schon ungewöhnlich. In meinen Augen ist es mit kritischer Intelligenz eher nicht vereinbar, aber sie wird sicher genug Selbstbespiegelung betreiben, um zu glauben, sie sei die Größte in jeder Hinsicht, Unparteilichkeit, Intelligenz und Abgeklärtheit inklusive.

    P.S.: die Piraten, die ihr so sympathisch sind, haben sich offenbar ihrer Mentorin erkenntlich gezeigt: die elektronische Abstimmung scheint mir gehackt zu sein. Soviel ich mich erinnere, was das Ergebnis bis vor kurzem (über Jahre) praktisch immer 1:5 bis 1:20 für die Meinung Unterbergers, seit der Kolumne über die Piraten (was immer die Wappler sind) wechselt das Abstimmungsergebnis manchmal nach kurzer Zeit von 20:1 für Unterberger zu 3:4 für Frau Kravagner-Pfeifer. Danke an die Profis von den Piraten, möchte man da sagen.

  7. Carlo (kein Partner)
    • Pumuckl
      30. April 2012 07:08

      @ Carlo 13:31

      Tja, wirklich erschütternd, was ich da bei der Nachlese dieses Tagebucheintrag's in Ihrem Link lese. Selbst dann, wenn es stark überzeichnet wäre, was ich aber gar nicht behaupte.

      ABER DÜRFEN WIR SATTE NACHGEBORENE DIESE VORGÄNGE WIRKLICH LUEGER ANLASTEN ? ? ?

      Das älteste im Link angeführte Datum ( Numerus clausus für Juden an der TH )
      war 13 Jahre nach Luegers Tod, nach einem Weltkrieg, der das persönliche Schicksal aller Bürger veränderte und als in Rußland bereits Zeichen einer roten Herrschaft erkennbar waren, welcher letztlich eine zweistellige Millionenanzahl eigener Bürger zum Opfer fiel.

      Die meisten unter diesem Link beschriebenen Ereignisse fanden zwei Jahrzehnte
      nach Luegers Tod statt. Zwei Jahrzehnte, welche nicht nur durch diesen mörderischen Krieg, sondern auch durch Versailles, St. Germain, gewaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Umbrüche, Arbeitslosigkeit, Armut und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet war.

      IST ES DARWIN UND GREGOR MENDEL ANZULASTEN, WENN IHRE ERKENNTNISSE
      FALSCH FALSCH VERSTANDEN WURDEN UND IN DEN RASSISCHEN ANTSEMITISMUS EINFLOSSEN ?

      ALS PROF. HAHN 1945, DAMALS VON DEN BRITEN INTERNIERT, VOM ABWURF DER
      ATOMBOMBEN IN HIROSIMA UND NAGASAKI ERFUHR, HATTE ER TIEFE SCHULDGEFÜHLE UND WAR SEHR VERZWEIFELT !
      DOCH WAR DIE SCHULD WIRKLICH HAHN ANZULASTEN, ODER EHER TRUMAN, DER
      DEN BEFEHL ZUM ABWURF ERTEILTE ?

      Wer darf behaupten, daß Lueger nicht verzweifelt und schuldbewußt bereut hätte, wenn er erlebt hätte was nach ihm kam?

      ° Als der junge Rechtsanwalt Dr. Lueger 1885 als Gemeinderat in die Politik ging, war SEIN VORBILD DER JÜDISCHE ARZT UND BEZIRKSPOLITIKER IGNAZ MANDEL. Mandel war wie später Lueger aus leidenschaftlicher Überzeugung ein Anwalt der kleinen Leute! " LASST'S MIR MEINE BÖHM IN RUH ! " So lautete einer seiner berühmten Sätze, mit denen er das zahlreiche Einströmen tschechischer Industriearbeiter verteidigte. Lueger richtete seine Wortgewalt gegen ALLE, welche durch Reichtum, Bildung oder Privilegien unverhältnismäßige Vorteile genossen. Dazu gehörten eben auch viele Juden. Übrigens wollen auch Grün und Rot derzeit mit angespartem Vermögen anderer den Staat sanieren.

      ° Lueger hatte sich im politischen Wettbewerb einerseits gegen Schönerer abzugrenzen, anderseits um dessen Wähler zu kämpfen.
      Auch bei Politikern unserer Zeit muß man sich oft fragen, ob sie bei dem was sie sagen, auch über die Folgen nachgedacht haben. WENN US-PRÄSIDENT BUSCH JUNIOR SEINEN IRAKKRIG KREUZZUG NANNTE, WERDEN WIR DARUNTER VIELLEICHT NOCH ALLE ZU LEIDEN HABEN!

      " Gefährlich ist's den Leu zu wecken . . . jedoch der schrecklichste der Schrecken,
      das ist der Mensch in seinem Wahn. " Das gilt heute wie damals!

  8. jump (kein Partner)
    28. April 2012 17:09

    O.T.

    ist mir schon klar, dass Unterberger und seine Anhängerschaft KHG nach wie vor für das unschuldige Opfer der linken Jagdgesellschaft halten. Langsam nimmt die Geschichte allerdings dramatische Ausmaße an...
    Hoffentlich wird Traumüller nicht zum Bauernopfer für die gewissensbefreite KHG-Clique!

    http://kurier.at/nachrichten/4494092-causa-buwog-drama-um-grassers-ex-sekretaer.php

  9. Rathausmann (kein Partner)
    28. April 2012 16:12

    ist doch völlig egal wie der Ring in der Nähe meiner Haustür heißt, da gibt es in dieser Stadt wohl brennendere Probleme, um die zu lösen müssten die Verantwortlichen auch einmal nachdenken, das fällt vielen natürlich nicht leicht bei diesem Heurigenangebot der Stadt. Besser in Szene setzen kann man sich allemal mit dem "Bewältigen" der Vergangenheit, willfährige Helfer gibt es genug bei den Sozifreunden in den Redaktionsstuben der "Zeitungen für Leser" und sonstigen Schundblättern. Wenn in hundert Jahren der letzte Zeitzeuge gestorben ist, wenden sich unsere Nachfahren vielleicht doch wieder wichtigen Dingen zu.

  10. Jennerwein (kein Partner)
    28. April 2012 15:02

    "Was ist etwa mit Karl Marx und seinen antisemitischen Bemerkungen und den Zig-Millionen Toten, die seine Ideologie gefordert hat, sehr oft gezielt unter Juden?"

    Marx zum geistigen Urheber des Holcaust abzustempeln, ist aber intellektuell auch nicht gerade redlich, Herr Unterberger. Als ob sich Hitler in seiner Judenfeindschaft auf Marx berufen hätte, im Gegenteil, für Hitler waren Juden wie Marx die Urheber des Bolschewismus. Seine Vorbilder waren nun mal Lueger, Schönerer und Wagner gewürzt mit einem kräftigen Schuss Primitiv-Darwinismus.
    Im Russland der Zarenzeit gab es grausige Pogrome gegen Juden, diese Judenfeindschaft lebte zugegeben unter dem Kommunismus teilweise fort, aber andererseits gab es in der KPdSU tausende Juden als Funktionäre, oft an hohen Stellen, was in der NSDAP und selbst bei den Christlichsozialen im Ständestaat wohl nur schwer vorstellbar gewesen wäre.

    • Undine
      29. April 2012 23:05

      @Jennerwein

      ".....aber andererseits gab es in der KPdSU tausende Juden als Funktionäre, oft an hohen Stellen....."

      Und FÜR wen soll dieser Tatbestand sprechen? Für die KPdSU oder für die Juden?
      Oder anders gefragt: GEGEN wen spricht das---gegen die Juden oder gegen die KPdSU? Ich finde beides schlimm.

    • Undine
      29. April 2012 23:07

      Nachsatz: Zu Lenins Zeiten gab es im russischen Parlament 75% Juden.

  11. Anton Piber (kein Partner)
    28. April 2012 13:24

    Zu: Einäugige Demagogie. Danke für Ihren Artikel, schade nur, dass Sie Helmut Zilk nicht erwähnten, der selbst dann noch "seinen" Platz "erhielt", als seine Spionagetätigkeit längst publik war.

    Hochachtungsvoll: Anton Piber

  12. cmh (kein Partner)
    28. April 2012 09:59

    Gerade musste man in Ö1 ein hinterhältig fieses Portrait von Kurt Waldheim hören.

    Mit Engelszungen durften da alle möglichen Hochglanztrichienen wie Meissner-Blau und Falter-Thurnher in geheuchelter Äquidistanz und Ausgewogenheit dem toten Waldheim ausrichten, dass, auch wenn kein kein einziger der Vorwürfe stimmte, er sich am besten zum Vorteile seiner eigenen Berater rasch entleibt hätte.

    In einem solchen Umfeld sind alle Argumente gegen die scheibchenweise Damnatio memoriae Luegers nicht mehr zielführend.

  13. Neppomuck (kein Partner)
    28. April 2012 09:15

    Die "Proskriptionsliste" aller Wiener, die allenfalls Wilhelm Busch gelesen haben und sich ein Schmunzeln über "Schmulchen Schievelbeiner" nicht verkneifen konnten, wäre mit Abstand umfangreicher als das Wiener Telefonbuch.

    Die "topografische Konsequenz" wäre ein Straßenverzeichnis, das dem am Zentralfriedhof zum Verwechseln ähnlich wäre.

  14. Politicus1 (kein Partner)
    28. April 2012 08:33

    Frau Katharina Krawagna-Pfeifer beginnt ihre Anti-Lueger Argumentation mit dem für Anhänger der AntiFa-Fraktion als stärkstes geltendes Beweisstück - das aber doch das schwächste ist...
    Wen der AH lobte und was der AH liebte - das muss nach politischer Korrektness per se intolerabel sein.
    AH schwärmte für Richard Wagner - Aufführungsverbot in Israel!
    AH liebte deutsche Schäferhunde - ....
    Und ganz entsetzlich, auch AH schwärmte für und von Lueger! Da bedarf es keiner weiteren Beweise mehr. Das ist der Trumpfstich! Der Sküs - gegen den der Tarockierer AU keine Karte mehr in der Hand haben kann...
    Das erspart jegliche Einordnung der Reden des KL in die damalige Zeit. Z. B., dass seine Reden in erster Linie von der Sorge und Fürsorge der kleinen, verarmten Arbeiter geprägt waren. Dass er nicht gegen das Judentum generell Stellung bezog, sondern er auf den Missbrauch finanzieller Macht einzelner jüdischer Bankiers hinwies. Dass unter KL nicht ein einziger Wiener Jude zu irgendeinem Schaden kam - das alles braucht nicht mehr näher betrachtet und bewertet werden...
    Aufrichtiger wäre eine Grundsatzdebatte, ob man ab nunc überhaupt auf die Benennung von Straßen und Plätzen nach Personen verzichten sollte, um unseren Nachfahren derartige Diskussionen in 100 Jahren zu ersparen.

    • cmh (kein Partner)
      28. April 2012 10:05

      Nicht zu vergessen :

      AH hatte eine Nase - XY hat auch eine Nase -> Rübe ab!
      AH war drogenabhängig - MH ist auch drogenabhängig -> Rübe ab!

      Dieser rote antifaschistische Karneval tut gerade deshalb so weh, weil diese Blindisten gar nicht merken, dass gerade ihr eigenes Tun geradewegs wieder in die Abgründe eines neuen, diesmal halt roten oder grünen oder lilalen Faschismus führt.

      Faschismus ist und bleibt Faschismus - egal ob Hitler, Stalin oder sonst ein anderer Namen draufsteht.

    • Politicus1 (kein Partner)
      28. April 2012 16:56

      cmh:
      es ist halt wirklich so - Linksfaschismus ist genau so schlecht wie Rechtsfaschismus...

    • Undine
      29. April 2012 23:20

      @Politikus1

      *****!

    • Der Realist (kein Partner)
      30. April 2012 15:09

      da scheinen Ihnen und auch cmh einige gedankliche Fehler unterlaufen zu sein, es ist ja mehr oder minder auch gesetzlich festgehalten, dass es keinen Linksfaschismus gibt, nach dem Motto altbekannter Meinungsterroristen: es kann nicht sein, was nicht sein darf, und nach deren simplen Denkmustern gilt ja allzeit die Formel: Rechts = schrecklich - links = gut. Wenn jemand öffentlich fünf Bier bestellt, kann das durchaus gute Menschen und linke Staasanwälte veranlassen, Anklage zu erheben, das Strafausmaß kann leicht höher ausfallen als bei einem "Ehrenmord".
      Miese Schreiberlinge, die gerne in ihren Schundblättern Beleidigungen in Richtung Personen, die halt nicht unbedingt dem linken Spektrum angehören, absondern, beschweren sich ja auch über unangepasste Schreibweise im Internet und diese Typen sind die personifizierte Angst wenn sie sich durch Leserreaktionen angegriffen fühlen.

      Und ja nie vergessen : Wehret den Anfängen!!!!!!!!

    • cmh (kein Partner)
      30. April 2012 15:51

      Faschismus ist eine linke Ideologie.

      Wo ich von dieser Meinung abzuweichen scheine, mache ich das nur aus rhetorischen Gründen, damit unsere Linxtrolle nicht gleich zu hyperventilieren anfangen müssen.

  15. S.S. (kein Partner)
    28. April 2012 01:20

    Ein Vorschlag zur Güte:
    Wie wär's denn mit "Günter-Grass-Ring"?
    Hätten dann Rot, Grün und Braun gemeinsam was zum Feiern.

  16. Haider
    27. April 2012 23:41

    Was kommt nach Straßenumbenennungen: eine öffentlich zelebrierte Bücherverbrennung? Proskriptionslisten haben wir ja längst. Wer aufgeführt, gelesen, gespielt, hergezeigt usw. werden darf, dies bestimmt eine unerbittliche Nomenklatura.
    Eine griechische Zahnlücke mit marxistischem Weltbild deklariert, was Wiener denken dürfen. Weit haben wir's gebracht. Danke Häupl!

  17. Norbert Mühlhauser
    27. April 2012 21:32

    Auch wenn nicht anzunehmen ist, dass Che Guevara tausende Menschen "eigenhändig" erwürgt oder erschossen hat, so wiegt umso schwerer, dass er sich meines Wissens vor der UNO zur Liquidierung politischer Gegner bekannt hat.

    Sich zu einem bekennenden Mörder zu bekennen, wie dies einige wohl etablierte Elemente tun, ist ein bezeichnendes Sittenbild unserer verblendeten politischen Avantgarde, selbst wenn es sich nur um ein halbes Dutzend Opfer handelte.

    Ein Haufen Heuchler und Frömmler (letzteres im Sinne der neuen liberaalen OneWorld/NWO-Welterlösungslehre)!

  18. Markus Theiner
    27. April 2012 15:52

    Auch wenn es manche Genossen vielleicht überrascht: Die eigentliche Hauptaufgabe von Straßennamen ist nicht die Ehrung irgendwelcher Persönlichkeiten, sondern die Zuprdenbarkeit der Straße. Auch wenn nichts dagegen spricht die Straßennamen zu Ehren oder zum Gedenken (muss ja nichts positives sein) bestimmter Personen zu verwenden spricht doch einiges gegen eine Umbenennung. Man kann darüber diskutieren ob es sinnvoll wäre irgendwas nach Lueger zu benennen, obwohl seine historische Bedeutung unbestreitbar ist und selbst eine Wertung seriöser Weise nicht rein negativ ausfallen kann. Aber zur nachträglichen Revision müsste man schon ganz andere Argumente finden, da liegt die Latte deutlich höher.

    • Erich Bauer
      27. April 2012 16:08

      "... sondern die Zuordenbarkeit der Straße..."

      Ja eh. Dementsprechend könnte man den Hohen Markt (früher Richtstätte) in "Theresia Kandl Platz" umtaufen. Die "Kandl" war die "schönste Mörderin von Wien":

      Von den meisten Verbrechern der guten alten Zeit hat sich kaum mehr erhalten als ein Mythos, Geschichten, die von späteren Generationen immer wieder auf- und umgeschrieben wurden. Im Fall der Therese Kandl ist das anders. Man kann durchaus sagen, dass nicht nur das Kandlersche Verbrechen die Zeiten in diversen Überlieferungen überdauerte, sondern auch die Kandlin selbst, ausgestellt in einem großen Schaukasten, der immer noch in Wien existiert. Die schöne Resi brachte es durch ihre Untat als erste Frau in Wien bis an den Galgen und bescherte den Wienern durch ihre Hinrichtung ein Volksfest sondergleichen, welches mit “Galgenbier” und “Arme Sünder Würstel” feuchtfröhlich begangen wurde.

    • Anton Volpini
      27. April 2012 18:05

      @Erich Bauer

      Demnach bleibt nach sozialistischer Diktion nur ein Schluß zu: Es gibt gute Mörder und böse Mörder!
      Wann werden wir das endlich begreifen, es ist ja wirklich zum Haareraufen! :-)

    • Torres (kein Partner)
      28. April 2012 10:32

      @Erich Bauer
      Es gibt ja im 7. Bezirk die Kandlgasse ...

    • panzerechse (kein Partner)
      28. April 2012 10:57

      Torres,

      zur Kandlgasse in Wien Neubau:
      "Benennungsdatum unbekannt, nach einem Hausschild "Zur goldenen Kanne"...

  19. RR Prof. Reinhard Horner
    27. April 2012 15:19

    reinhard.horner@chello.at

    Anderes Wien 1

    Diese Umbenennung wäre nicht so wichtig, gäbe es da nicht die Begründungen seitens der Drahtzieher.

    Insofern gegenwärtige Handlungen zurechnungsfähig erfolgen, haben sie feststellbare Motive. Das gilt auch und insbesondere für Fälschungen an Vergangenem mit ihren zukunftswirksamen Aspekten.

    Die Universität Wien möchte mit der Verabsolutierung der Schattenseiten Luegers darüber hinwegtäuschen, wie dreckig sie selbst sich nazistisch gegen die Juden vergangen hat. Und welche Exkulpierungen sie 1945 ff vorgenommen hat.

    Die rotgrüne Herrschaft über Wien will die dunklen Flecken in den eigenen Reihen überschwiegen machen und Fehlleistungen zukunftswirksam ausschließlich den Gegnern anlasten.

    Anderes Wien 2

    Der eigenen Überhebung der heutigen Wien-Beherrscher sind die großen Leistungen der Lueger-Epoche gründlich im Weg.

    Frau KKP zeigt – vergleichbar den jüngsten Äußerungen von Margot Honecker – in bemerkenswerter Dichte auf, wie ihr gesellschaftliches und politisches Verwesungsbiotop aufgrund eingehender Geschichtsverfälschung mit der Zukunft umzugehen trachtet.

    Den beibehaltenen Vorbildern mit ihren Elementen unterhalb des demokratischen Spektrums werden solche wie Che Guevara beigegeben. Ist der Verdacht zu entkräften, dass etwa Gedenkstätten für die RAF und die Brigate Rosse hinzukommen könnten?

    „Gerechtfertigt“ ist jedenfalls ein kritischer Widerstand.

  20. schreyvogel
    27. April 2012 15:07

    In Einem hat die Krawagna-Pfeifer recht: Es ist absolut lächerlich, dem Bürgermeister Lueger den Lueger-Ring zu nehmen, aber den riesigen Lueger-Platz samt riesigem Denkmal zu belassen.

    Wenn Lueger wirklich so ein grauslicher Antisemit und Vorläufer Hitlers war, der zusätzlich Ämterpatronage (heute undenkbar!) betrieb, dann hätte sein Name und sein Andenken gänzlich ausgemerzt gehört.

    Völlig zu Recht bezeichnet die KKP daher aus ihrer Sicht die verantwortlichen soz. Politiker als halbherzig, zwiespältrig und unsicher.
    Ich bin mir aber sicher, dass Lueger bald ganz aus Wien verjagt ist und sein Name aus dem Lehrplan unserer Schulen getilgt ist.
    (Siehe George Orwell, Ministerium der Wahrheit, Kontinuierliche rückwirkende Umschreibung der Geschichte).

  21. Erich Bauer
    27. April 2012 14:29

    MORALTHEOLOGISCHE POLITIK

    Was lob ich mir doch Machiavelli. Dieser ließ nämlich die spätmittelalterlichen Vorstellungen vom "Belehrungszwang" nicht in sein Werk einfließen. Er erkannte scharfsinnig die "Machtlosigkeit der Moral" im Zusammenhang mit seiner "Macht- und Staatstheorie"! Umso tiefer drang er dadurch in die Wirklichkeit ein... frei von "spirituellen Instanzen", die sich nicht mehr "theologisieren" ließen. Er kam zu einer phrasenlosen historisch-politischen Analyse.

    Was erleben wir heute? Die "Theologisierung" eines Abrisses der Geschichte! Allerdings, Machiavelli würde wahrscheinlich heutzutage ebenfalls die "Moralisierung und Theologisierung des Massenbewußtseins" vornehmen... Damit könnte er phrasenlos und frei, ohne moralische oder ethische Zwänge, seine Macht ungestört und unsichtbar ausüben...

  22. WFL
    27. April 2012 13:59

    Was ist mit Helmut Zilk, nach dem ein Platz in der Wiener Innenstadt benannt ist und der - wie wir heute wissen - österreichische (sudendeutsche) Landsleute an den kommunistischen tschechischen Geheimdienst verpfiffen hat?

    • mike1
      27. April 2012 14:05

      richtig, hab ich auch schon mal gepostet ! wie sagte er seinerzeit zur parteipolitik in wien: zum kotzen - so ist es !!

      der platz ist sofort umzubenennen !

  23. Baldur Einarin
    27. April 2012 13:36

    Und wieder einmal.: Was ist mit dem mißratenen Sohn Viktor Adlers. Friedrich Adler hat 1916 den damaligen Kriegsminister Stürck meuchlings ermordert.
    In den 90.-iger jahren hat die rote Wiener Stadtverwaltung nach diesem Mörder eine Verkehrsfläche in Wien -Favoriten benannt.
    Nota bene. : Man kann es drehen wie man will.: Weder Lueger, Kernstock, Turnvater Jahn, Theodor Billroth noch Tandler und Karl-Marx waren Mörder !
    Sehr wohl aber Friedrich Adler und Che Guevara !!!

  24. brechstange
    27. April 2012 12:20

    Frau Krawanga, Lueger ist 1910 gestorben, da war der Hitler gerade 21 Jahre und versuchte sein Glück als Künstler an der Kunstakademie, die ihn leider ablehnte. Was wäre der Menschheit möglicherweise erspart blieben, hätte man ihn dort aufgenommen?
    Wir wissen also nicht, ob Lueger die nationalsozialistische Politik gutgeheißen hätte und trotzdem legt Frau Krawanga das nahe. Schon interessant, wie populistisch vereinfachend Frau Krawanga in ihrer Argumentation vorgeht.

    • Markus Theiner
      27. April 2012 16:01

      Die Argumentation findet man doch immer wieder. Wenn Hitler bzw. die Nazis etwas gut finden, dann muss es schlecht sein. Und wer das gut findet ist daher selber mehr oder weniger ein Nazi.

      Hitler war auch ein Fan von Gustav Mahler, den er für einen hervorragenden Komponisten hielt. Auch wenn es den Genossen unvorstellbar erscheinen mag - in diesem Punkt hatte Hitler ausnahmsweise recht.
      Nicht alles was Hitler gesagt hat ist automatisch falsch und nicht alles, was Hitler gut gefunden hat ist deshalb automatisch schlecht.

      Aber der Vergleich bringt halt immer gleich so eine Anrüchigkeit mit sich, deswegen wird er gerne verwendet.

    • Herby
      27. April 2012 17:45

      @ Markus Theiner

      Hitler, der in seinen Wiener Jahren eine Pension bezog (da sein Vater Beamter war), ging auch so oft er konnte in die Oper, er war ein echter Opernfan.

      Waren bzw. sind deshalb alle Opernfans Nazis?
      (das ist eine Fortführung Ihres Gedankens .... )

  25. Pumuckl
    27. April 2012 12:09

    @ kkp

    Kann man irgendeiner historischen Person gerecht werden, wenn man sie aus der Zeit ihres Wirkens in die Gegenwart holt, und nach gegenwärtigen Maßstäben beurteilt?

    An Alexander dem Großen, Karl der Großen, Friedrich den Großen, hätten wir nach heutigen Maßstäben viel zu kritisieren.
    TROTZDEM SIND u.A. CHURCHHILL UND VRANITZKY STOLZE KARLSPREISTRÄGER,
    eine Auszeichnung, welche ja auch den kriegswütigen Frankenkönig würdigt.

    GEBÜHRT NICHT AUCH DEM VERDIENSTVOLLEN LUEGER, DASS MAN BEI DER BEURTEILUNG SEINES WIRKENS ALLE GESICHTSPUNKTE, DER VON GEWALTIGEN
    UMBRÜCHEN GEKENNZEICHNETEN, DAMALIGEN WIENER GESELLSCHAFT, BERÜCKSICHTIGT ?

    Hitler, Lenin, Stalin und Tito, welche zu Luegers Zeit auch in Wien weilten, ahnten damals sicher noch nicht, daß ihr politisches Wirken einmal eine dreistellige Millionenzahl an Toten bewirkt.

    Heute, nach dem Holocaust ist jeder anständige Mensch entsetzt weil Lueger damals mit populistisch antijüdischen Reden die Massen gewann.

    Damals gab es auch andere, heute kaum beachtete Gesichtspunkte, welche die Neidkomplexe der Massen schürten. Einige Beispiele:

    ° Alleine in meiner privaten Bibliothek finde ich ein Dutzend jüdischer Autoren,
    welche das oft herablaßend überhebliche, besonders gegen dienende Berufe
    gerichtete Benehmen jüdischer Bürger beklagten.

    ° Rothschild&Co hatten sich mit der Nordbahn einen Hochprofitablen Verkehrsweg geschaffen, mit dem gewinnträchtig Steinkohle aus schlesischen
    Kohlegruben für die aufstrebende Industrie transportiert Wurde.
    Andere Bahnen waren nicht annähernd so ertragreich und deren Errichtung aus topographischen Gründen mühsam und teuer.

    ° Wenn es stimmt, daß Rothschild vorhatte, sein Schloß in Reichenau mit Fußböden aus Goldmünzen mit dem Kopf des beliebten Kaisers auszustatten,
    ist der Unmut der Bürger vorstellbar. Angeblich konnte man ihn nur mühsam von
    dieser Majestätsbeleidigung abbringen.

    Zu konkreteten Vorwürfen von Frau kkp:

    ° " . . .schrieb Hitler über ihn." Kann man es Lueger anlasten, wenn sich ein gutes Jahrzehnt nach seinem Tod ein späterer Diktator schwärmerisch über ihn schreibt?

    ° "LUGNER-VATERUNSER" Dieses blasphemische Gebet hat Lueger weder verfaßt noch selbst verbreitet.
    Kann man Lueger solch geschmacklose "Propaganda" seiner Anhänger anlasten?

    ° " Wer Jud' ist, das bestimm' ich " Dieses Zitat habe ich im Zusammenhang mit Göring gehört. Göring soll diese Worte gebraucht haben, wenn er befreundete Juden vor der Verfolgung durch die Gestapo beschützt hat.
    Diese Worte machen nur Sinn, wenn man sie zum Schutz von Juden ausspricht.
    Auch Lueger wird sie in diesem Sinn verwendet haben!

    Frau kkp muß schon besser argumentieren, wenn sie den Denkmalsturm von Politikern verteidigt, welche Lueger nicht das Wasser reichen können!

    • Alfred E. Neumann
      27. April 2012 12:31

      @Pumuckl

      Großartig! Leider wird KKP Ihre Ausführungen nicht lesen und daraus lernen.

    • M.S.
      27. April 2012 14:40

      Ich schlage vor, alle Gedenkstätten von L.v. Beethoven, Anton Bruckner, Richard Wagner, Franz List und vielen anderen zu schleifen und ihre Werke nicht mehr aufzuführen, da sich Hitler über diese Künstler positiv geäußert hat.

    • cmh (kein Partner)
      28. April 2012 10:12

      kkp ist doch belehrungsresistent.

  26. HDW
    27. April 2012 12:04

    Diesem "Postmodernen Putsch" der Linken wird der "manichäische Monolog (wir sind gut aber ihr seid böse)" zugrunde gelegt, den Antonio Gramsci in seinen Briefen aus dem Gefägnis für die Machtergreifung durch die ausserparlamentarische marxistisch-leninistische Elite postulierte. Dies wurde erst durch den Stalinisten Palmiro Togliatti geschichtsmächtig der das Gramsci Institut nach dem italienischen Bürgerkrieg 1943-45 aufbaute, weil die Kommunisten die Macht nicht durch Waffengewalt erringen konnten. (Alliierte mit Mafia, Vatikan und die Mehrheit des Volkes die den Frieden wollte. Sie arbeiten zwar immer noch daran, aber mit noch weniger Erfolg als zu Zeiten der Morde der Roten Brigaden! Aber die italienische Elite ist auch geistig rege und weniger korrupt als die weiter nördlich, und das ist der eigentliche Grund des Mißerfolgs des manichäischen Monologs dort! Der funktioniert nämlich nur, wenn sich diese Elite gleichzeitig durch Konjunktur des BIP oder wie im leninistischen SPÖ-Kontext Wien durch die Partei z.B. über die GEWISTA oder als roter Primararzt die Taschen vollstopfen kann. Auf die Geschichte der Wiener Sozialisten bezogen heißt das eben, entweder Gemeindewohnung für Parteibuch oder für dieselben Schichten arisierte Mieterschutzwohnung durch den Blockwart. Bei dem heutigen BIP z.B. Dauerstellung beim ORF oder bei der Bronner-Prese für tartuffschen Anti-Antisemitismus und Philosemitismus. Aber Vorsicht: besonders bei geistig trägen Eliten wie der östereichischen ist die legitimierte Korruption und damit das Kippen nach "rechts" historisch besonders leicht, die ewig währende Grosse Koalition der roten Freimaurer mit den schwarzen CVern ist ja nur die abwartende Sublimation dessen. Nicht ohne Risiko, denn schon einmal waren dann kurzzeitig die "illegalen" Burschenschafter die lachenden Driten und dann verheerenden Abräumer!

    • HDW
      27. April 2012 20:07

      Übrigens bezahlen wir das Ganze als "Internationalen Neogramscianismus", i.e. internationales Institut für Schein - Beschäftigung der "Lektoren" der Roten Parteien, war auch Gegenstand der versuchtenBesetzung!

  27. Alfred E. Neumann
  28. Ritter vom Kapall
    27. April 2012 10:48

    Wenn es der Wiener SPÖ bei dieser Unbennung doch nur wirklich um die Moral ginge, dann könnte man ein wenig Verständnis dafür haben.

    Vielmehr ging es den Rathaus-Roten darum, wieder einmal zu zeigen, wer das Sagen hat. Die FPÖ hat reflexartig empört reagiert. Die ÖVP hat dafür wischi-waschi geanwortet und erst, als das Thema bereits wieder seinen Höhepunkt hinter sich hatte, mit etwas klareren Stellnungnahmen langsam Position bezogen. Es werden wohl Anrufe der wenigen verbliebenen Getreuen gewesen sein, die den Parteiapperat wach rütteln mußten.

    Für die Wiener SPÖ ist das ein klares "Quod erat demonsdrandum." um rechtzeitig vor dem Landesparteitag wieder einmal ein Zeichen der Macht abzugeben. Nicht mehr und nicht weniger.

  29. Josef Maierhofer
    27. April 2012 10:18

    @ Frau Krawagna-Pfeifer

    Mit der Geschichte müssen wir leben, auch mit der unrühmlichen. Ich sehe nicht wirklich einen Grund, warum man die österreichische Geschichte, auch die lebende, verleugnen sollte oder totschweigen. Es gab eben Zeiten, wo diese Namen unwidersprochen oder mehrheitlich vergeben wurden und zwar als Ehrung. Es hat keinen Sinn die Erinnerung auszulöschen, was sozialistische Spezialität zu sein scheint.

    @ Dr. Unterberger

    Richtig, ich sehe das auch so, auch wenn Lueger eine große Schattenseite hatte, eine folgenschwere Schattenseite, eine schlimme, auch dann ist es mahnende Geschichte, die wir in Erinnerung behalten sollten.

  30. socrates
    27. April 2012 09:54

    Wer Karriere machen will, muß durch einen Kniefall vor der Macht seine Zugehörigkeit beweisen. Dazu sind Aufspüren von Naziunwichtigkeien oder Anbiederung an die Auserwählten geeignet. Manche Schüler fuhren 6 mal nach Mauthausen, Replika schaun.
    Große Politiker, die beim Volk beliebt waren, im Gegensatz zu den heutigen korrupten, müssen demontiert werden. Allerdings kommt das beim Volk nicht gut an.
    Nazidevotionalien werden in der Tschechei weiter verkauft, ohne Protest. Gegen Benesch war Lueger ein Lärcherl. Denkmäler für Sudetendeutsche sind unerwünscht ~ verboten.

    • socrates
      27. April 2012 09:58

      Auch Kreisky wurde Antisemitismus vorgeworfen: "Wenn die Juden ein eigenes Volk sind, dann ein mieses". Gemma Kreisky jagen!

    • Eva
      29. April 2012 23:32

      @socrates

      Für Schüler ist jede Veranstaltung, die an einem Schultag abgehalten wird, toll; an einem schulfreien Tag und wenn für eine Mauthausenfahrt bezahlt werden müßte, hielte sich die Begeisterung wohl in sehr engen Grenzen!

  31. Herby
    27. April 2012 08:44

    Es ist charakteristisch für die Linken und ihre Strategie, dass sie sich so super moralisch und übermäßig politsch korrekt geben - vor allem wenn es:

    1. den politischen Gegner vom mittleren u. rechten Spektrum betrifft

    2. Ereignisse sind, die schon 60 oder 100 Jahre oder noch mehr zurückligen.

    ad 1: Auch politisch Andersdenkende haben irgendwann das Falsche gesagt oder getan. Das wird maßlos übertrieben und aufgeblasen und mit dem Resonanzkasten der linken Boulevardmedien inkl. ORF verstärkt.
    Das ist ganz normale politische Alltagsarbeit der Linken.

    ad 2: Auch hier werden nur die politischen Gegner aufs Korn genommen. Bei weit zurückliegenden Ereignissen lässt sich ideologische Propaganda (als Geschichtsfälschung) leichter durchsetzen als bei gegenwärtigen Ereignissen.

    Der größte Vorteil dieser Vorgehensweise ist vor allem: Die Linken können sich als DIE Rechtschaffenen und moralisch Anständigen, ja: moralisch Überlegenen, sowie moralisch sensiblen (da helfen dann die linken Künstler mit) gegenüber dem Bürgertum präsentieren - mit Hilfe der erwähnten linken Medien.

  32. Wertkonservativer
    27. April 2012 08:20

    Antwort an HJR:

    Warum wohl, werter Diskussions-Kollege, darf der "Karl-Marx-Hof" weiterhin so heißen, und der "Lueger-Ring" nicht?

    Die Antwort ist wohl (natürlich auch Ihnen) ganz klar:

    weil der Lueger ein Rechter war, und heute die Linken (+ hörige Medien) bestimmen, was gut und was böse ist!
    Und leider sind die Linken hier (und fast allüberall) zumindest derzeit die mehreren!
    Ein "rechter" Jammer, das Ganze!

    (mail to: gerhard@michler.at)

    • Herby
      27. April 2012 08:54

      Karl Marx ist geistesgeschichtlich widerlegt, überholt, uninteressant geworden eigentlich nur mehr ein mehr oder weniger uninteressantes Relikt aus der Philosophie-Geschichte.

      Die Thesen von Karl Marx sind kausal direkt mit Gewaltverbrechen von gigantischen Ausmaß verbunden.

    • Erich Bauer
      27. April 2012 09:22

      Eigentlich hat Karl Marx die Nicht-Anwendbarkeit seiner Theorien selbst erkannt und festgestellt, indem sie nur für den "Neuen Menschen" anwendbar sein kann...

      Dieser ins Ohr gesetzte Floh hat bei allen Tyrannen (Hitler, Stalin, Pol Pot...uvm.) verhängnisvoll gewirkt... und wirkt noch immer... Heutzutage hat sich dieser Floh in die Gehirne unserer "Umerzieher" durchgefressen. P.c.-, Gender-, Quoten- und moralinsaure Politkommissare und Lagerwärter blasen sich wieder zu dem alten Gespenst auf... Wir müssen dem mit aller Kraft entgegenhalten!

    • Susa
      29. April 2012 23:43

      Seltsamerweise wird NIE explizit erwähnt, daß Karl MARX, der Vater des Kommunismus, Jude war; das tut man nämlich ungern, wenn etwas in die Binsen geht!
      Umso lieber erwähnt man jüd. Nobelpreisträger, während man österreischische oder deutsche einfach verschweigt. Ebenso wenig klagt man Einstein und Teller wegen ihrer Entwicklung der Atombombe bzw. der Wasserstoffbombe an. Diese kleinen Schönheitsfehler in deren Vita übersieht man gewissenhaft.

  33. Helmut Graser
    27. April 2012 08:19

    Wir sollten die Idee von unserer Jan Fleischhauer Matinee doch aufgreifen und Michael Häupl mit einem Spiegel-TV-Team bezüglich des Che Guevara-Denkmals interviewen. Fleischhauer hat ja damals spontan zugestimmt. Das gäbe sicher eine nette Sequenz für die Fortsetzung von "Unter Linken".

  34. Alfred E. Neumann
    27. April 2012 08:18

    Wer assistiert mir? Vor zwei Tagen war in den Frühnachrichten des Senders 88,6 zu hören, daß die Wiener Grünen nun auch die Entfernung der Ortsbezeichnungen wünschen, die an Julius Tandler, Karl Renner, Leopold Gratz (! weil er für einen verurteilten Mörder als Zauge aussagte) und Bruno Kreisky (weil er ehemalige SS Angehörige in seiner Regierung hatte). Danach wurde "Kulturstadtrat Mailath-Pokorny befragt, der das natürlich alles als Unsinn abtat, weil das ja alles hochverdiente Politiker gewesen seien.

    Danach war davon in keinem Medium etwas zu finden. Auch auf der homepage der Grünen nicht.

    Habe ich mich da verhört, oder trauen sich die Wiener Grünen wirklich was?

    • Erich Bauer
      27. April 2012 08:35

      Tja... Die Büchse der Pandora? :-) Gehört 88,6 nicht zur KRONE? Zarter, einmaliger Aufruf für eine Inseratenschaltung?

  35. Gerhard Pascher
    27. April 2012 08:08

    Hatte nicht der Wiener Rathausplatz im 1000-jährigen Reich einen anderen Namen? Vielleicht ist nun die Umbenennung des Wiener Ring(-teilstückes!) nur eine späte Revanche aus dem Rathaus?

    Man kann es nicht oft genug wiederholen:
    Renner - welcher nach dem Krieg noch hohe Funktionen bekleidete - war für den Anschluß an das Deutsche Reich, wie auch Kardinal Innitzer (jener aber starkem Druck der Nazis ausgesetzt).

  36. Anton Volpini
    27. April 2012 08:01

    Das ist innerhalb der SN Kontroversen-Serie der beste Unterbergerartikel den ich bisher gelesen hab!
    Und....wir sollten ständig stärker herausstreichen, daß das Che-Denkmal erst kürzlich von Häupl, Jelinek und Menasse persönlich "eingeweiht" wurde!
    Wenn ich das in meinen Freundeskreisen erzähle ernte ich meistens nur ungläubiges, erstauntes Kopfschütteln! Durch das Nicht-Berichten unserer Systemmedien ist diese Tatsache nur den allerwenigsten bekannt.

    • Wertkonservativer
      27. April 2012 09:38

      Jelinek, Menasse, Häupl (in dieser Reihenfolge): die gehören, lieber Anton Volpini, zu meinen ganz besonderen "Freunden".
      Die Jelinek ein frustrierte Männerhasserin, links bis ganz, ganz dunkelrot; der Herr Menasse, detto (kann aber wenigstens gerade Sätze schreiben);
      und der Herr Häupl ist halt der Herr Häupl, was soll's!

      Grüße

      Gerhard Michler

  37. HJR
    27. April 2012 07:30

    Eigentlich interessiert mich das Thema nur insoweit, als ich nicht verstehe, warum der "Karl-Marx-Hof" weiterhin so heißen darf und der "Lueger-Ring" in (den nichtssagenden) "Universitätsring" umbenannte werden soll. Oder glaubt jemand sonst noch, dass eine Stadt mit 1,8 Mio Einwohnern keine Universität hätte?

    Es bleibt dabei: Sozialisten aller Culeurs sind "intellektuell Herausgeforderte"; was nicht heißt, dass solche bei den "Bürgerlichen" nicht anzutreffen wären.
    ===========================
    http://www.CONWUTATIO.at
    [mailto: horst.rathbauer@gmx.at]

    • durga
      27. April 2012 10:20

      @HJR

      Warum ist die Bezeichnung Universitätsring nichtssagend?

      Mit Ausnahme des Schubert-Rings und Renner-Rings sind auch alle anderen Teile des Rings nach Anlagen/Bauten ihrer Umgebung benannt. Die Universität in neutraler Weise mehr sichtbar zu machen - nicht nur als Ort protestierender Studenten von prekariats-verdächtigen Studienrichtungen - halte ich an und für sich für akzeptabel. Insbesondere auch, weil auf Grund unserer genialen Stadtplaner "die Universität" als Einrichtung kaum wahrgenommen wird, höchstens als Baulückenfüller für andersweitig nicht verwertbare Grundstücke quer durch ganz Wien.

      Für die Bezeichnung Renner-Ring sollten aber ähnliche "Werte"vorstellungen gelten, wie für einen Lueger-Ring. In beiden Fällen stehen unzweifelhaften Verdiensten der Namensgeber stehen recht dubiose Haltungen gegenüber. Eine Umbenennung des Renner-Rings (Volksgarten-Ring, Parlamentsring,...) muß meiner Meinung nach nur logische Folge der "Namens-Stürmer" Aktionen sein!

    • terbuan
      27. April 2012 11:27

      Die Logik ist eine ganz andere in den roten Hirnen:

      Wie die Frau KKP natürlich anmerken mußte, wurde dieser Teil des Ringes erst unter dem "Austrofaschismus" in "Dr.-Karl-Lueger-Ring" umbenannt, dieser Makel muß natürlich getilgt werden.

      Der "Karl-Marx-Hof" hingegen wurden von den Nationalsozialisten in "Heiligenstädter Hof" umgetauft, was natürlich nach Kriegsende sofort wieder rückgängig gemacht wurde. Und als Draufgabe wurde dann später der Platz in der Mitte der Anlage als "12.Februar-Platz" ausgeschildert.
      Da kommt doch eine neuerliche Umbenennung überhaupt nicht in Frage.

      Und schließlich hat Berlin auch noch eine Karl-Marx-Allee, die von 1949 bis 1961 Stalinallee hieß. Dort hat man wenigstens einen Teil abgetrennt und ihn in "Frankfurter Allee" rückbenannt-

  38. Observer
    27. April 2012 07:24

    Luegner wie auch andere Politiker sind Geschichte. Über deren positive und negative Seiten können nur Historiker neutrale Antworten geben.
    Über die Benennung von Strassen nach verstorbenen Politikern kann man oft nur lächeln, wenn plötzlich Verkehrsflächen gesucht werden, um Körner, Jonas, Slavik, Slavik, Gratz, Zilk sowie Kreisky, Pittermann, Renner - und vielleicht auch bald Fischer und Häupl - zu verewigen. Vielleicht sollte man da besser eine Nummerierung wie in New York City - übrigens auch in Waidhofen/Ybbs - vornehmen.
    Sollte man konsequenter Weise die noch vorhandenen Knochen des Herrn Lueger aus der Erde butteln und woanders beisetzen?

  39. phaidros
    27. April 2012 07:06

    Ehrlich gesagt sehe ich das eher pragmatisch und kann mich zu Empörung nicht so recht aufraffen:

    Ich kann nicht glauben, dass ein geschichtsbewusster Mensch Straßennamen braucht, um historische Persönlichkeiten würdigen zu können.

    Auch kann ich nicht glauben, dass ein nicht geschichtsbewusster Mensch historische Persönlichkeiten würdigt, weil sie auf Straßennamen vorkommen.

    Straßennamen dienen in erster Linie zum Auffinden von Örtlichkeiten. Und da finde ich "Universitätsring" gar nicht schlecht. Ich gestehe aber rundheraus: auch bei Lueger-Ring hatte ich über Jahrzehnte keinerlei Einschlafprobleme.

    BG phaidros.vie@gmail.com

    • terbuan
      27. April 2012 11:39

      phaidros

      Im Prinzip hast Du natürlich völlig recht, in totalitären Regimen aber auch in Monarchien ist es jedoch allgemein üblich, den Herrschaftsanspruch durch Benennung von Orten, Straßen und Plätzen zu manifestieren .
      So wie es früher überall eine Kaiser-Franz-Joseph-Straße, oder später einen Adolf-Hitler-Platz und dann eine Stalin-Allee gab, die armen Chemnitzer wurden sogar in Karl-Marx-Stadt verunziert!

    • phaidros
      27. April 2012 12:56

      Ein Grund mehr, nicht auf der Benamung nach einer Person zu bestehen, oder?

    • terbuan
    • Maybach (kein Partner)
      28. April 2012 14:54

      @phaidros
      Nicht zu vergessen, dass die Benamsung nach Lueger unter dem totaöitären Dollfuss-Regime stattfand, um dem Roten Wien einen eigenen Stempel aufzudrücken.

  40. Johann Scheiber
    27. April 2012 07:03

    KKP hat natürlich recht, denn sie zitiert gleich zu Beginn den in der Präsenz alle gegenwärtigen und vergangenen Politiker weit überschattenden ominösen Reichskanzler, der zwar ex negativo, aber dafür umso intensiver alles Denken, wenigstens der Gutmenschen, beherrscht.
    Und selbst der fernsten Generationen, werden es noch von den endgültig Guten zu spüren bekommen, soferne sie nicht peinlichst jeden Punkt und Beistrich vermeiden, den dieser Wahnsinnige jemalsl gesetzt hat.

  41. El Barato
    27. April 2012 01:31

    Wenn Linke sich über "Ämterpatronage" beschweren, kann ich mir ein prustendes Lachen nur schwer verkneifen.

    Dennoch sehe ich in der schäbigen Umbenennungsaktion etwas Positives:

    Da das historische Vermächtnis des Dr. Lueger nicht erst seit gestern bekannt ist, die Roten jedoch bereits seit geraumer Zeit Wien wie ihr Parteieigentum führen, ergibt sich für mich der Schluss, dass innerhalb der SPÖ die berechtigte Befürchtung besteht, nach der nächsten Wahl nicht mehr an der Macht zu sein, weswegen jetzt noch der Stadt besonders dreist der linke Stempel aufgedrückt werden soll.

    Hoffen wird man ja wohl noch dürfen.

  42. libertus
    27. April 2012 01:10

    Eine rückwärtsgewandte Moral ist typisch für die immer stärker reaktionär auftretenden Genossen. Ihr Blick richtet sich ausschließlich in die Vergangenheit, weil sie keinerlei Zukunftsperspektiven mehr zu bieten haben.

    Außerdem muß alles, was nicht dem Sozialismus huldigt, rasch und gründlich ausgemerzt werden. Wo kommen wir denn da hin, wenn einem verdienten Bürgermeister, der nichts mit dem "roten Wien" am Hut gehabt, aber sicher auch Fehler gemacht hat, ein Denkmal oder gar ein Straßennamen gewidmet wird.

    Denn neben einem "roten Bürgermeister" Leopold Gratz, nach dem nunmehr ein Teil des Schmerlingplatzes benannt ist, kann doch ein Lueger nicht bestehen.
    Der wegen seinem Hang zum Alkoholismus genannte "Whiskey-Poldi" war rechtskräftig verurteilt, weil er dem 6-fach Mörder und Versicherungsbetrüger Udo Proksch beim rumänischen Mörderregime unter Nicolae Ceau?escu falsche Papiere besorgte, spielte eine unrühmliche Rolle in der Waldheimaffäre, war Zögling der NAPOLA und vertuschte das mit seinem Beitritt zum BSA.
    Nur mit einer solchen Vita und wenn man als Sozi endet, ist man berechtigt einen Straßennamen und natürlich ein Ehrengrab am Zentralfriedhof zu erhalten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Gratz

    Jetzt wissen wir, was der selige Lueger wirklich falsch gemacht hat!

    • Brockhaus
      27. April 2012 08:13

      Ich warte jetzt nurmehr darauf, daß auch das Lied von Hans Moser, in dem er singt "ich hab dem Dr.Lueger die Hand gereicht", verboten wird.

    • Undine
      28. April 2012 22:34

      @Brockhaus

      Oh, verschreien Sie's nicht! Diesen Idioten ist alles zuzutrauen!

  43. KR Ing. W. Maurer
    27. April 2012 00:27

    Liebe Freunde,
    mit der Wahl der ÖVP-Wien seinerzeit wäre das nicht passiert!





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