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Die tödliche Unsicherheit

An den Turbulenzen auf den Finanzmärkten ist ein Aspekt besonders schlimm – und den Akteuren zuwenig bewusst: die absolute Ungewissheit der bevorstehenden politischen Entscheidungen. Dabei braucht jedes wirtschaftliche Handeln sichere Rahmenbedingungen dringender als alles andere.

Investitionen wie Kreditaufnahmen sind nur dann rational möglich, wenn das Verhalten von Staaten und Notenbanken vorhersehbar ist. Und das ist es in Europa keineswegs. Bekanntestes Beispiel für falsche Behauptungen von Notenbanken, Regierungen und EU-Instanzen sind die regelmäßigen Beteuerungen, dass Griechenland/Irland/Portugal/(und wieder)Griechenland keine Sonderhilfe benötigen. Was dann wenige Wochen später jeweils anders war. Wer soll da heute noch den fast bis auf den Buchstaben gleichlautenden Beteuerungen in Hinblick auf Spanien und Italien glauben?

Das führt Banken wie Versicherungen in ein unlösbares Dilemma. Sie stehen nämlich vor der Frage: Soll und darf man das Geld der Anleger, Sparer und Lebensversicherten nun in einem der genannten Länder anlegen oder nicht? Legen sie dort im Vertrauen auf die Aussagen der Politik und Notenbanken Geld an, aber eines jener Länder wird dann doch fallengelassen (oder gar mehrere), dann sind manche Finanzinstitute selber in Lebensgefahr. Zumindest werden sie in jedem Fall erneut als böse Spekulanten an den Pranger gestellt, die in Junk-Papiere investiert hätten.

Legen sie hingegen in den Wackelländern – zu denen Skeptiker übrigens auch schon Frankreich rechnen – nicht an, dann hat das zwei andere Folgen: Makroökonomisch könnten dadurch diese Länder erst recht ins Schleudern kommen, wenn sie kein Geld mehr bekommen. Überstehen die Krisenländer aber ihre Solvenzprobleme, dann haben sich die vorsichtigen Banken und Versicherungen selbst schwer und ohne Nutzen geschädigt. Sie verlieren dramatische Marktanteile, weil sie zum Unterschied von der Konkurrenz ihren Kunden nicht die hohen Zinserträge südeuropäischer Anleihen verschafft haben. Banken, die Anlegern wegen ihrer vorsichtigen Veranlagung niedrige Zinsen zahlen, Lebensversicherungen, die deswegen geringe Gewinnbeteiligungen erzielen, haben bald keine Kunden mehr.

Dabei ist derzeit sehr viel Geld zu veranlagen. Viele Fonds und insbesondere Versicherungen sind überdies rechtlich verpflichtet, einen Teil nur in Staatspapieren zu veranlagen. Deutschland aber legt gar nicht so viele Anleihen auf, wie es als derzeit relativ sicherster Platz Europas könnte. Was den Deutschen wieder sehr niedrige Zinssätze ermöglicht. Was wiederum manche Anleger zu spekulativen Papieren greifen lässt.

Das alles ist eine tödliche Spirale. Und sie würde nur gebrochen, könnte man den Aussagen von Finanzministern, Regierungs- und Notenbankchefs wieder vertrauen. Was man aber nur noch als Coniunctivus Irrealis sagen kann.

Ich schreibe in jeder Nummer der Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung „Börsen-Kurier“ die Kolumne „Unterbergers Wochenschau“.

 

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorHJR
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 09:55

    Herr Unterberger schreibt heute richtig: "Investitionen wie Kreditaufnahmen sind nur dann rational möglich, wenn das Verhalten von Staaten und Notenbanken vorhersehbar ist."

    In meinem Hauptbeitrag zu "Die Brandstifter als Feuerlöscher" vom 7. Juni habe ich darzulegen versucht, dass ...
    ... in dieser Welt nichts vorhersehbar ist;
    ... dass keinerlei Entscheidung von (politischer oder ökonomischer) Relevanz nach der von uns Menschen fälschlicherweise so hoch geschätzten Vernunft getroffen wird.

    Die derzeitigen Manager - und ich subsumiere hier unter diesem Begriff alle Menschen, denen politische oder wirtschaftliche Macht übertragen wurde - mögen so sein, wie sie wollen (verlogen, korrupt, blöd, feig, etc., chacun à son goût) treffen ihre Entscheidungen nach einer (ebenfalls im genannten Beitrag skizzierten) Strategie von "Nah vor Fern", d.h. das eigene Interesse zuerst, die ihnen unbegreifbare "Gesellschaft" zuletzt.

    Ich muss leider zu wiederholtem Male darauf hinweisen, dass diese Manager aus einem anderen Blickwinkel viel rationaler handeln als "wir", das Volk bzw. die Gesellschaft. Wo sind denn diese Manager entsprungen, wenn nicht aus unserem Volk, waren diese Manager nicht kleine Kinder, die am liebsten Fußball und bei Regen (damals noch) mit ihrer Eisenbahn gespielt haben? Haben wir diese Kinder nicht mehrheitlich in dieselben Schulen geschickt? Waren die Eltern nicht mehr oder weniger aus dem gleichen Holz?

    Irgendwann zwischen dem Aufräumen des Bombenschutts aus dem Zweiten Weltkrieg und dem EU-Vertrag von Nizza (2001/2003) haben wir da ein paar Weichen falsch gestellt und sind wahrscheinlich zu schnell gefahren. Vielleicht waren ja unsere (also zumindest meine und die unseres werten Wertkonservativen) Eltern zu sehr mit dem Wegräumen der "Kriegserinnerungen" beschäftigt und haben sich zu wenig um ihre Kinder gekümmert (für die der Krieg möglicherweise auch zu wenig Väter übriggelassen hat). Jedenfalls haben diese Kinder - schon auf einem gewissen "Low-Level-Wohlstand" - die 68er gezeugt. Und die waren das erste deutliche Signal, dass da etwas gründlich schief läuft.
    Aber wie immer erkennt man die Zeichen der Zeit erst, wenn diese Zeit Vergangenheit geworden ist.

    Den theoriebesoffenen 68ern, die schon das Gehorsamsprinzip gegenüber ihren Eltern erfolgreich gebrochen hatten, folgten Generationen die in zunehmendem Maße gegen gesellschaftliche, moralische und politische Prinzipien anrannten bis wir uns - heute - mit Zuständen höchster Zufälligkeit und Beliebigkeit konfrontiert sehen. Denn das, was Ordnung schafft, nämlich die Tradierung von Anständigkeit, Fleiß und Fairness auf allen Ebenen der Gesellschaft funktioniert nicht mehr und wir haben den Managern und sogar solchen Popanzen wie den Herren Faymann, Darabos und Pilz gestattet, uns eine Eugenspieglei nach der anderen zu servieren - und wir haben diese dank der Mithilfe gewisser Medien auch noch "gefressen".

    Und selbstverständlich wird die konsequente Fortsetzung dieses Weges (mit all ihren unkontrollierbaren Seitenpfaden wie Kapitalverkehr, Bevölkerungsdynamik, Migration, technischer Wandel, etc. zum Crash führen. Aber aufhalten ließe sich diese Entwicklung weder durch einzelne politische Parteien, durch eine "vereinigte Rechte", noch durch den "starken Mann" an der Spitze sondern einzig und allein durch uns, das "Volk", von dem alles Recht ausgeht - falls wir noch wüssten, was "Recht" ist und wie der zum Mast- bzw. Schlachtschwein verhaustierte Cytoyen des 3. Jahrtausends wieder zum Citoyen werden könnte.

    Überflüssig zu sagen, dass letzterer Fall nicht eintreten wird!

  2. Ausgezeichneter Kommentatorlibertus
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 00:36

    Wie schon einmal erwähnt, scheint dieses Lavrieren nicht auf Entscheidungsunwillen der zuständigen Akteure zu beruhen, sondern viel mehr auf bewußtes "hinters Licht führen" bzw. spielen auf Zeit.

    Man versucht halt die drohenden Verluste auf möglichst breite Basis zu stellen und risikofreudigere Investoren abzuzocken, die man dann als "gierig" an den Pranger stellen kann.

    Nicht umsonst werden jetzt schon erste Stimmen laut, die Banken am griechischen Staatsbankrott zu beteiligen und als nächstes kommt der Privatanleger dran, der seinerzeit für 1 bis 2 Prozent mehr auf damals sichere Staatsanleihen setzte, jedoch nun zittern muß, ob er sein eingesetztes Kapital jemals wieder sieht.

    Das ist tatsächlich für ganz Europa tödlich, weil niemand mehr Staatsanleihen für ein EU-Land zeichnen wird und schon gar nicht für Kandidaten wie Portugal, Spanien, Belgien, Italien, Frankreich sprich also bald für halb Europa!

    Den Schaden nimmt man offensichtlich bewußt in Kauf, er ist noch gar nicht wirklich abzuschätzen und könnte in Zukunft von keinem noch so cleveren Politiker beherrscht werden.

    Ob da die Flucht in Gold, Immobilien o.ä., welche bereits in schwindelnde Höhen steigen, als Heilmittel der Stunde gilt?

  3. Ausgezeichneter KommentatorAnton Volpini
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 07:29

    Die staatlichen Maßnahmen werden immer willkürlicher, und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Willkür ist das Gegenteil von Recht!
    Willkürliche Staaten verbreiten Unsicherheit, wo Unsicherheit herrscht, wächst nichts mehr!
    Basel III schreibt vor, daß Banken bei Kreditvergabe an Unternehmen mehr Eigenkapital (also nicht arbeitendes Geld) hinterlegen müssen als wenn sie Staatsanleihen kaufen würden, wie zum Beispiel griechische. Das war Treichels Aufschrei!
    Solvency, (das Versicherungsprogramm wie Basel für Banken) schreibt vor, daß Versicherungen bei Veranlagungen mit Aktien mehr Eigenkapital hinterlegen müssen, als beim Kauf von Staatsanleihen, wie zum Beispiel griechische. Versicherungsdirektoren sind sehr ruhige, besonnene Mathematiker, daher kein Aufschrei!

    Es scheint doch tatsächlich in allen Ländern Politiker zu geben, die noch ernsthaft an das perpetuum mobile glauben, oder sind das ganz einfach nur Räuber?

  4. Ausgezeichneter KommentatorWertkonservativer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 04:58

    Unser verehrter Dr. Unterberger kommentiert nun seit längerem fast täglich die zu erwartenden Turbulenzen, Blasen und schlussendlich wahrscheinlich dramatischen Folgen der diversen Finanzkrisen in Europa und weltweit.

    Etliche unserer oft fachlich hochqualifizierten und gutinformierten Poster schreiben viel Kluges zum Thema, was an der ganzen Situation - weil unglaublich komplex - natürlich gar nichts ändern kann und wird: wenn schon die Staats- und Wirtschaftsleute in aller Welt eigentlich nurmehr hilflos dahinlavieren und dem kommenden Unheil keine wirksamen Gegenmaßnahmen entgegenzusetzen imstande sind, was hilft uns armen Normalverbraucher-Würsteln da das viele Herumreden um schicksalhafte Entwicklungen, die inzwischen außer Kontrolle zu geraten drohen?
    Wer Geld und Besitz hat, möge diese Werte bestmöglich für sich und seine Nachkommen absichern; wer - wie die meisten - von der Hand in den Mund lebt, wird schauen müssen, wie er im Katastrophenfall einigermaßen menschenwürdig über die Runden kommt.

    Wollen wir hoffen, dass es nicht gar so arg kommen wird, wie prophezeit!

  5. Ausgezeichneter KommentatorChristoph
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 06:44

    Die "Griesen" (Krise in Anlehnung an Griechen) sind ein schlaues Völkchen. Von jeher wirtschaftlich benachteiligt, haben Sie ihren Wohlstand in anderen Ländern, damals Kolonien (heute EU) gefunden.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorbrechstange
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 08:27

    Täglich bekommen wir Zeichen geliefert, die erkannt werden sollten, dass Systeme ohne Sollbruchstellen nicht dauerhaft funktionieren können. Dieses Nichterkennen und Nichtakzeptieren - aus welchen Gründen auch immer - lassen Krisen und Zusammenbrüchen atombombenhaft werden.

    Groß, groß, größer bricht, wenn das Fundament nicht passt. Ein Naturgesetz.

    Die Gier und das Verlangen nach absoluter und ewiger Macht treibt die "Eliten" immer näher an den Abgrund, je hoffnungsloser desto größer die Abschottung vor den Realitäten. Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an.

  7. Ausgezeichneter KommentatorObserver
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2011 05:49

    ...könnte man den Aussagen von Finanzministern, Regierungs- und Notenbankchefs wieder vertrauen.

    Nein, diesen Leuten kann und darf man nicht vertrauen! Denn diese Personen belügen uns bewusst durch Zweckoptimismus.


alle Kommentare

  1. kaffka (kein Partner)
    10. Juni 2011 12:48

    @ HJR 9.6.11.9:55, Ratio 10.6.11 2:26

    Beiden Kommentatoren stimme ich vollkommen zu.
    nur:"...dass keinerlei Entscheidung von (politischer oder ökonomischer) Relevanz nach der von uns Menschen fälschlicherweise so hoch geschätzten Vernunft getroffen wird." kann ich in dieser Auseinandersetzung nicht zustimmen.

    Ich bin der Meinung, dass jegliches Tun ausschliesslich nach der (soweit vorhandenen, oder nicht zeitweise eingeschränkten) VERNUNFT getan wird. Wobei der Grad der Vernunft im gegenständlichen Zeitpunkt das Handeln bestimmt.
    Vielmehr Wichtigkeit hat für den derzeitigen gesellschaftlichen Zustand und das daraus folgende Handeln der Grundsatz:" Das Hemd ist mir näher als der Rock!"

    Dann arbeitet die Vernunft und schätzt ab, was im entscheidenden Moment für den "Vernünftigen" das Beste ist. Und in diesem Aspekt kann dann die Entscheidung zu lügen, zu verschweigen, irrezuführen durchaus "vernünftig" sein.

    Und wenn das sogenannte "ehrliche, charakterfeste ...etc Verhalten (Altruismus, Gemeinwohl ...) auf den Egoismus trifft (was geschieht mit meinen Aktien, wenn mein Betrieb, in den ich investiert habe von mir jetzt an die Wand gefahren worden ist) , wird in der Regel "vernünftig gehandelt" der plötzliche Verkauf aller meiner Aktien sein. (Ganz Wurscht ob dadurch der Wert der Aktien in den Keller stürzt und der (Nichtinsider)-Anleger sein Vermögen verliert, ein Fonds pleite geht etc.
    (Natürlich ist der Umschwung der Frau Merkel in der Atomfrage "vernünftig" wenn dadurch die Wahlerfolge der CDU steigen, der Journalist auf den Strache schimpft, weil das seinen Posten in der Zeitungswelt sichert, die Bundesregierung die Verstaatlichung der Hypo Adria als Erfolsmodell verkauft, statt zurückzutreten (womöglich noch bevor man das Recht auf die Politikerpension erworben hat...))
    ,

    • Neppomuck (kein Partner)
      10. Juni 2011 13:18

      Vernunft ist ein sehr komplexer Begriff, der in seiner subjektiv verstandenen Auslegung keine normative Bedeutung hat.

  2. Kapuzerer (kein Partner)
    10. Juni 2011 08:48

    "die absolute Ungewissheit der bevorstehenden politischen Entscheidungen. Dabei braucht jedes wirtschaftliche Handeln sichere Rahmenbedingungen dringender als alles andere."

    Ich glaub´s nicht, Unterberger ruft nach dem Staat!

    • cmh (kein Partner)
      10. Juni 2011 09:22

      Nimm doch die Ohrenstöpsel raus, Kaputzerer! Versuche doch, sinerfassend zu lesen. Zugegeben das ist nichgt leicht und der Sinn erschließt sich möglicherweise erst nach einigen Minuten. Blöde nur, wenn man in der Nixlernschule so wie Du offensichtlich auf eine Aufmerksamkeitsspanne von maximal 55 Sekunden gedrillt wurde.

      Damit es klar ist: Rahmenbedingungen bedeuten nicht einen vorhersehbaren Fünfjahresplan - auch wenn man das auf den roten PArteischulen noch so lernen sollte - sondern, dass die Zusage, sich nicht einzumischen auch tatsächlich eingehalten wird. Dass die Regierungen nicht ein neues Verfassungsgesetz benötigen, damit sie privatwirtschaftliche Zusagen auch einhalten dürfen. Schlicht, dass sie sich an das halten, was sie versprochen haben um andere zu gewissen Handlungen zu bewegen. Usw.

    • Kapuzerer (kein Partner)
      14. Juni 2011 10:40

      uje, cmh ist an die wand gerannt!
      sag mal, was faselst du da?

  3. schreyvogel
    09. Juni 2011 14:47

    Schlagzeile der heutigen NZZ: Finanzminister Schäuble verlangte in einem Brief an seine Kollegen in der Eurozone

    1. ein weiteres Hilfspaket für Griechenland (das erste war für 110 Millarden)
    2. eine Umschuldung Griechenlands mit einem substanziellen Beitrag der Anleihegläubiger. Er fordert "eine faire Lastenverteilung zwischen Steuerzahlern und privaten Inverstoren".

    Es ist so weit, das ganze Euro-Währungssystem kracht an allen Ecken und Enden. 2012 wird vielleicht noch überdauert, aber dahinter schaut es ganz finster aus.

    Rette sich wer kann!

  4. Celian
    09. Juni 2011 12:56

    Es ist eine besondere Laune des Marktes, daß diejenigen, die für die Unsicherheit am Markt sorgen, also die Staaten, von den von ihnen verursachten Turbulenzen am Markt durch Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen der Bundesanleihen und Treasuries auch noch profitieren.

    Aber wer jetzt kauft, muß sich die Sicherheit einiges kosten lassen.

    Hingegen sind Aktien derzeit unterbewertet, wenn man sich die fundamentalen Unternehmensdaten anschaut, wie Kurs und Gewinnverhältnisse. Es gibt auch einige Investment Banken und Hedgefonds, die schon bei besonders günstigen Werten klammheimlich zuschlagen.

  5. HJR
    09. Juni 2011 09:55

    Herr Unterberger schreibt heute richtig: "Investitionen wie Kreditaufnahmen sind nur dann rational möglich, wenn das Verhalten von Staaten und Notenbanken vorhersehbar ist."

    In meinem Hauptbeitrag zu "Die Brandstifter als Feuerlöscher" vom 7. Juni habe ich darzulegen versucht, dass ...
    ... in dieser Welt nichts vorhersehbar ist;
    ... dass keinerlei Entscheidung von (politischer oder ökonomischer) Relevanz nach der von uns Menschen fälschlicherweise so hoch geschätzten Vernunft getroffen wird.

    Die derzeitigen Manager - und ich subsumiere hier unter diesem Begriff alle Menschen, denen politische oder wirtschaftliche Macht übertragen wurde - mögen so sein, wie sie wollen (verlogen, korrupt, blöd, feig, etc., chacun à son goût) treffen ihre Entscheidungen nach einer (ebenfalls im genannten Beitrag skizzierten) Strategie von "Nah vor Fern", d.h. das eigene Interesse zuerst, die ihnen unbegreifbare "Gesellschaft" zuletzt.

    Ich muss leider zu wiederholtem Male darauf hinweisen, dass diese Manager aus einem anderen Blickwinkel viel rationaler handeln als "wir", das Volk bzw. die Gesellschaft. Wo sind denn diese Manager entsprungen, wenn nicht aus unserem Volk, waren diese Manager nicht kleine Kinder, die am liebsten Fußball und bei Regen (damals noch) mit ihrer Eisenbahn gespielt haben? Haben wir diese Kinder nicht mehrheitlich in dieselben Schulen geschickt? Waren die Eltern nicht mehr oder weniger aus dem gleichen Holz?

    Irgendwann zwischen dem Aufräumen des Bombenschutts aus dem Zweiten Weltkrieg und dem EU-Vertrag von Nizza (2001/2003) haben wir da ein paar Weichen falsch gestellt und sind wahrscheinlich zu schnell gefahren. Vielleicht waren ja unsere (also zumindest meine und die unseres werten Wertkonservativen) Eltern zu sehr mit dem Wegräumen der "Kriegserinnerungen" beschäftigt und haben sich zu wenig um ihre Kinder gekümmert (für die der Krieg möglicherweise auch zu wenig Väter übriggelassen hat). Jedenfalls haben diese Kinder - schon auf einem gewissen "Low-Level-Wohlstand" - die 68er gezeugt. Und die waren das erste deutliche Signal, dass da etwas gründlich schief läuft.
    Aber wie immer erkennt man die Zeichen der Zeit erst, wenn diese Zeit Vergangenheit geworden ist.

    Den theoriebesoffenen 68ern, die schon das Gehorsamsprinzip gegenüber ihren Eltern erfolgreich gebrochen hatten, folgten Generationen die in zunehmendem Maße gegen gesellschaftliche, moralische und politische Prinzipien anrannten bis wir uns - heute - mit Zuständen höchster Zufälligkeit und Beliebigkeit konfrontiert sehen. Denn das, was Ordnung schafft, nämlich die Tradierung von Anständigkeit, Fleiß und Fairness auf allen Ebenen der Gesellschaft funktioniert nicht mehr und wir haben den Managern und sogar solchen Popanzen wie den Herren Faymann, Darabos und Pilz gestattet, uns eine Eugenspieglei nach der anderen zu servieren - und wir haben diese dank der Mithilfe gewisser Medien auch noch "gefressen".

    Und selbstverständlich wird die konsequente Fortsetzung dieses Weges (mit all ihren unkontrollierbaren Seitenpfaden wie Kapitalverkehr, Bevölkerungsdynamik, Migration, technischer Wandel, etc. zum Crash führen. Aber aufhalten ließe sich diese Entwicklung weder durch einzelne politische Parteien, durch eine "vereinigte Rechte", noch durch den "starken Mann" an der Spitze sondern einzig und allein durch uns, das "Volk", von dem alles Recht ausgeht - falls wir noch wüssten, was "Recht" ist und wie der zum Mast- bzw. Schlachtschwein verhaustierte Cytoyen des 3. Jahrtausends wieder zum Citoyen werden könnte.

    Überflüssig zu sagen, dass letzterer Fall nicht eintreten wird!

    • simplicissimus
      09. Juni 2011 11:00

      gut gebrüllt!

    • xRatio (kein Partner)
      10. Juni 2011 02:26

      @HJR 09. Juni 2011 09:55

      Hier geht jetzt aber wirklich einiges durcheinander:

      ...dass in dieser Welt nichts vorhersehbar ist;

      Zwar ist nichts mit absoluter Sicherheit vorhersehbar, mit mehr oder weniger großer, oft an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber sehr wohl.
      Selbst halbwegs intelligente Tiere werden durch Erfahrung klug.
      Sehr vieles und dazu ziemlich sicher vorhersehen kann sogar meine kluge und überaus lernfähige kleine Katze. ;-)

      ...dass keinerlei Entscheidung von (politischer oder ökonomischer) Relevanz nach der von uns Menschen fälschlicherweise so hoch geschätzten Vernunft getroffen wird.

      Unsere grundlegenden Wünsche und Bedürfnisse beruhen natürlich auf unseren Trieben, Emotionen (Hunger, Durst etc.).
      Das unverzichtbare Mittel, unsere Wünsche zu befriedigen und somit möglichst glücklich zu werden, ist aber unsere Vernunft.
      Allein mit dem Bauch läßt sich schlecht Geld verdienen, ein Pullover stricken oder ein Häusle bauen.

      Ratio und Emotio gehören zusammen.
      Erstere ist absolut unverzichtbares Mittel zum Zweck.

  6. socrates
    09. Juni 2011 09:41

    Die (deutschen) Banken legen ihr Geld zu höchsten Zinsen in Pleiteländern an und hoffen auf Solidarität der EU, damit sie den großen Schnitt machen:
    Griechenland-Engagement deutscher Banken
    Deutsche Banken haben nach den Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) milliardenschwere Forderungen an Griechenland. Insgesamt geht es um 34 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro). Während sich die anderen Banken zurückhalten, hat die NordLB kürzlich erklärt, sie halte einen Schuldenschnitt Athens für möglich und habe Abschreibungen vorgenommen. Das Engagement der Banken im einzelnen:
    Die FMS WERTMANAGEMENT, die "Bad Bank" der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE), ist am stärksten in Griechenland engagiert. Allein die griechischen Staatsanleihen summieren sich auf 7,4 Milliarden Euro. Das gesamte wirtschaftliche Griechenland-Risiko beziffert die FMS Wertmanagement mit 10,8 Milliarden Euro. Für die Verluste der Abwicklungsbank kommt der staatliche Rettungsfonds Soffin auf, letztendlich also der Steuerzahler.
    Die DEUTSCHE BANK inklusive der konsolidierten Postbank kam nach den jüngsten Zahlen Ende 2010 auf ein Nettokreditengagement gegenüber dem griechischen Staat von 1,6 Milliarden Euro.
    Die Commerzbank beziffert ihr Griechenland-Portfolio, das vor allem aus Staatsanleihen besteht, auf 2,9 Milliarden Euro (Stand 31. März 2011).
    Die WESTLB hat Griechenland-Anleihen von 97 Millionen Euro (Stand Ende März). Der Großteil des ursprünglichen Bestandes war Anfang 2010 in die "Bad Bank" EAA zusammen mit anderen risikoreichen Papieren ausgelagert worden.
    Die ERSTE ABWICKLUNGSANSTALT (EAA) hat rund 1,1 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen. Die Papiere sind den Angaben zufolge zum Ende 2010 zu Anschaffungskosten nach dem Rechnungslegungsstandard HGB bilanziert. "Für die EAA besteht kein Anlass zu kurzfristigen Verkäufen", sagt eine EAA-Sprecherin.
    Die NORDLB rechnet als erste deutsche Großbank offiziell mit einem baldigen Schuldenschnitt für Griechenland und hat dafür nach eigenen Angaben Vorsorge getroffen. Die drittgrößte deutsche Landesbank ist über Staats- und Unternehmensanleihen mit etwa 719 Millionen Euro in Griechenland engagiert.
    Die HSH NORDBANK - mit Steuermilliarden gestützte Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein - hat rund 200 Millionen Euro in Griechenland-Papiere investiert und große Teile davon zu Marktpreisen bewertet, wie ein Sprecher sagt.
    Die LANDESBANK HESSEN-THÜRINGEN (HELABA) will keine aktuelle Zahl nennen. Sie verweist auf die zum letzten Bankenstresstest im Sommer 2010 veröffentlichte Zahl von knapp 80 Millionen Euro an griechischen Staatsanleihen. Diese sei seither "deutlich kleiner" geworden, weil Tilgungen ausgelaufen seien.
    Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beläuft sich das Griechenland-Engagement laut EU-Stresstest vom Sommer 2010 auf 1,4 Milliarden Euro. Eine Aussage darüber, ob es zum jetzigen Zeitpunkt mehr oder weniger geworden ist, lehnt die Bank ab.
    Die BAYERNLB hat ein Griechenland-Engagement von 121 Millionen Euro (Stand 31. März).
    Die ALLIANZ-Gruppe ist bei griechischen Staatsanleihen mit 1,3 Milliarden Euro engagiert - bei einem Gesamtvolumen von 445 Milliarden Euro. Finanzchef Paul Achleitner hatte sich bereits Ende Mai gegen eine Umschuldung ausgesprochen.
    Die Munich Re hat ein Griechenland-Investment von knapp 1,1 Milliarden Euro in den Büchern (Stichtag 31. März).
    Die ERGO Versicherungsgruppe hält griechische Staatsanleihen im Marktwert von 1,06 Milliarden Euro (Stand Ende 2010). Die ursprünglichen Anschaffungskosten beliefen sich nach Angaben eines Sprechers auf 1,58 Milliarden Euro. Wertberichtigungen seien bislang nicht vorgenommen worden.

    dpa, 07.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland

    • brechstange
      09. Juni 2011 10:27

      Die deutschen Banken mussten sich per Gesetz für 5 Jahre verpflichten griechische Anleihen in ihrem Portefeuille zu behalten als Gegenleistung für die griechische Finanzhilfe.
      Die französischen Banken wurden nicht verpflichtet und konnten ihre Anleihe an die EZB abstoßen, so ihr Risiko auf ganz Europa verteilen. Die französischen Banken hielten die größten Anleihenbestände in Griechenland, außerdem übersiedelte ein Herr Latsis mit seiner Finanzgesellschaft, die 50 Mrd. griech. Anleihen hielt, noch rechtzeitig von der Schweiz (Nicht-EU) nach Luxemburg (EU), wie viel noch im Portefeuille dieser Firma lagern, lässt sich leider nicht erurieren.

      DH Frankreich hat sich auf unser aller Kosten entschuldet, warum die deutschen Banken nur kurz aufschrieen, ist mir nicht bekannt.

    • gms (kein Partner)
      10. Juni 2011 02:05

      @brechstange: ".. warum die deutschen Banken nur kurz aufschrieen, ist mir nicht bekannt."

      Bei besagten Banken handelt es sich in der überwiegenden Mehrheit um Landesbanken. Deren Geschäftsmodell ist politikgetrieben.

    • xRatio (kein Partner)
      10. Juni 2011 02:24

      @brechstange 09. Juni 2011 10:27
      Die deutschen Banken mussten sich per Gesetz für 5 Jahre verpflichten griechische Anleihen in ihrem Portefeuille zu behalten als Gegenleistung für die griechische Finanzhilfe.

      Ein solches Gesetz gibt es nicht und wäre als eindeutig verfassungswidrig für nichtig zu erklären.
      Außerdem kann sich mit Ausnahme eines Staates niemand "per Gesetz verpflichten".

  7. brechstange
    09. Juni 2011 08:27

    Täglich bekommen wir Zeichen geliefert, die erkannt werden sollten, dass Systeme ohne Sollbruchstellen nicht dauerhaft funktionieren können. Dieses Nichterkennen und Nichtakzeptieren - aus welchen Gründen auch immer - lassen Krisen und Zusammenbrüchen atombombenhaft werden.

    Groß, groß, größer bricht, wenn das Fundament nicht passt. Ein Naturgesetz.

    Die Gier und das Verlangen nach absoluter und ewiger Macht treibt die "Eliten" immer näher an den Abgrund, je hoffnungsloser desto größer die Abschottung vor den Realitäten. Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an.

  8. Anton Volpini
    09. Juni 2011 07:29

    Die staatlichen Maßnahmen werden immer willkürlicher, und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Willkür ist das Gegenteil von Recht!
    Willkürliche Staaten verbreiten Unsicherheit, wo Unsicherheit herrscht, wächst nichts mehr!
    Basel III schreibt vor, daß Banken bei Kreditvergabe an Unternehmen mehr Eigenkapital (also nicht arbeitendes Geld) hinterlegen müssen als wenn sie Staatsanleihen kaufen würden, wie zum Beispiel griechische. Das war Treichels Aufschrei!
    Solvency, (das Versicherungsprogramm wie Basel für Banken) schreibt vor, daß Versicherungen bei Veranlagungen mit Aktien mehr Eigenkapital hinterlegen müssen, als beim Kauf von Staatsanleihen, wie zum Beispiel griechische. Versicherungsdirektoren sind sehr ruhige, besonnene Mathematiker, daher kein Aufschrei!

    Es scheint doch tatsächlich in allen Ländern Politiker zu geben, die noch ernsthaft an das perpetuum mobile glauben, oder sind das ganz einfach nur Räuber?

    • phaidros
      09. Juni 2011 09:08

      Nach »Occam's Razor« immer die einfachere Möglichkeit: also Deppen.

    • Anton Volpini
      09. Juni 2011 18:57

      Es freut mich ganz besonders phaidros, daß wir da einer Meinung sind!

  9. Christoph
    09. Juni 2011 06:44

    Die "Griesen" (Krise in Anlehnung an Griechen) sind ein schlaues Völkchen. Von jeher wirtschaftlich benachteiligt, haben Sie ihren Wohlstand in anderen Ländern, damals Kolonien (heute EU) gefunden.

    • Markus Theiner
      09. Juni 2011 07:11

      Die Griechen haben in der Antike nicht Kolonien ausgebeutet (die Kolonien waren ja oft genauso reich wie die Mutterstädte) sondern haben sich ihren Wohlstand mit Handel und Technik erarbeitet.
      Ausgebeutet haben sie sich meistens gegenseitig. Bestes Beispiel ist der Attische Seebund, der zum gemeinsamen Wohl alle Beteiligten eingerichtet wurde, im Ergebnis aber eine gewaltige Umverteilung nach Athen bedeutet hat. Die EU der Antike - aber innergriechisch.

    • brechstange
      09. Juni 2011 08:06

      @Markus Theiner

      Aber Griechenland hat sehr wohl mit billigen Sklaven gearbeitet, selbst haben sie philosophiert. Doch toleriert die EU ja diese Sklavenarbeit auch in Spanien und Italien, wo illegale Afrikaner für 1 Euro die Stunde, den Wettbewerb europaweit verzerren.

  10. Observer
    09. Juni 2011 05:49

    ...könnte man den Aussagen von Finanzministern, Regierungs- und Notenbankchefs wieder vertrauen.

    Nein, diesen Leuten kann und darf man nicht vertrauen! Denn diese Personen belügen uns bewusst durch Zweckoptimismus.

  11. phaidros
    09. Juni 2011 05:12

    Das führt Banken wie Versicherungen in ein unlösbares Dilemma. Sie stehen nämlich vor der Frage: Soll und darf man das Geld der Anleger, Sparer und Lebensversicherten nun in einem der genannten Länder anlegen oder nicht?

    Den Versuch, eine solche Frage zu beantworten, nennt man Spekulation. Und er ist nicht Todsünde sondern Pflicht eines jeden Verantwortlichen, der sich nicht gröblichste Fahrlässigkeit vorwerfen lassen will: vom Haushaltsvorstand bis zum Bundeskanzler.

    • Markus Theiner
      09. Juni 2011 06:45

      Richtig. Es ist auch kein Naturgesetz, dass man mit niedrigeren - aber weniger riskanten - Erträgen keine Kunden halten oder sogar gewinnen kann. In Zeiten des allgemeinen Pessimismus könnte das sogar ein sehr schlagendes Argument sein.

      Es gibt nur zwei Probleme. Sicherer wirtschaften ist nur dann ein Vorteil, wenn unsicheres Wirtschaften Nachteile bringt. Wenn der Vollkaskostaat das aber auf Kosten aller ausgleicht funktioniert es eben nicht. Und da sind wir wieder bei der angeprangerten Unsicherheit der Rahmenbedingungen.

      Das zweite Problem ist, dass man mit Sicherheit nur punkten kann, wenn sie einem geglaubt wird. Und da ist die Glaubwürdigkeit der ganzen Finanzbranche derzeit halt - zumindest für den kleinen Mann auf der Straße - im Keller. Wirklich auseinandersetzen mit den Details seiner Finanzanlage will und kann kaum wer. Und unabhängige Dritte wie Ratingagenturen und Wirtschaftsjournalisten sind auch gehörig angepatzt.

    • phaidros
      09. Juni 2011 07:31

      ... also muss der Kunde Annahmen treffen über die Zuverlässigkeit der Anbieter. Wieder muss er spekulieren.

      Nur noch als kleine Ergänzung: Die einzige Sauerei ist, dem Kunden einzureden, es gäbe absolute Sicherheit. Das kann, wie man sieht, eine ganze Generation verderben.

  12. Wertkonservativer
    09. Juni 2011 04:58

    Unser verehrter Dr. Unterberger kommentiert nun seit längerem fast täglich die zu erwartenden Turbulenzen, Blasen und schlussendlich wahrscheinlich dramatischen Folgen der diversen Finanzkrisen in Europa und weltweit.

    Etliche unserer oft fachlich hochqualifizierten und gutinformierten Poster schreiben viel Kluges zum Thema, was an der ganzen Situation - weil unglaublich komplex - natürlich gar nichts ändern kann und wird: wenn schon die Staats- und Wirtschaftsleute in aller Welt eigentlich nurmehr hilflos dahinlavieren und dem kommenden Unheil keine wirksamen Gegenmaßnahmen entgegenzusetzen imstande sind, was hilft uns armen Normalverbraucher-Würsteln da das viele Herumreden um schicksalhafte Entwicklungen, die inzwischen außer Kontrolle zu geraten drohen?
    Wer Geld und Besitz hat, möge diese Werte bestmöglich für sich und seine Nachkommen absichern; wer - wie die meisten - von der Hand in den Mund lebt, wird schauen müssen, wie er im Katastrophenfall einigermaßen menschenwürdig über die Runden kommt.

    Wollen wir hoffen, dass es nicht gar so arg kommen wird, wie prophezeit!

    • mike1
      09. Juni 2011 07:26

      lieber wertkonservativer:

      wie wahr ! und zum letzten satz: ihr wort in gottes ohr !

      liebe grüße

    • Wertkonservativer
      09. Juni 2011 11:53

      Danke, lieber mike1,
      Grüße auch in die Innere Stadt!

    • Susanna (kein Partner)
      10. Juni 2011 10:01

      Ich bin A.U. sehr dankbar für genau diese Analysen, deswegen lese ich regelmäßig das Tagebuch. Die Sprache dient eben dazu, Probleme nicht nur zu beschreiben, sondern durch das Formulieren besser zu erfassen, das würde ich nicht als Herumgerede abtun.
      Gar nicht so gut finde ich es, die Normalverbraucherwürstelmentalität zum Stil zu erheben... Manche Leser werden wissen, wie die Alten Griechen jemanden genannt haben, der sich nicht für Politik (und letztlich für seine eigene Zukunft) interessiert hat - alle anderen können sich ja weiter über das sogenannte Herumgerede mokieren.

    • Wertkonservativer
      11. Juni 2011 13:55

      Susanna, Susanna, da bin ich ja bei Ihnen recht schlecht angekommen!

      Gar nicht gewöhnt, von Damen so harsch zurechtgewiesen zu werden, werde ich in mich gehen und versuchen, mich auf meine alten Tage nachhaltig zu bessern!
      Leicht wirds nicht werden bei mir altem, verbohrten Sturkopf, aber versuchen kann ich es ja!

    • Susanna (kein Partner)
      13. Juni 2011 22:31

      Danke, dass Sie es sich so zu Herzen nehmen! Allzu streng wollte ich aber auch wieder nicht sein...

  13. libertus
    09. Juni 2011 00:36

    Wie schon einmal erwähnt, scheint dieses Lavrieren nicht auf Entscheidungsunwillen der zuständigen Akteure zu beruhen, sondern viel mehr auf bewußtes "hinters Licht führen" bzw. spielen auf Zeit.

    Man versucht halt die drohenden Verluste auf möglichst breite Basis zu stellen und risikofreudigere Investoren abzuzocken, die man dann als "gierig" an den Pranger stellen kann.

    Nicht umsonst werden jetzt schon erste Stimmen laut, die Banken am griechischen Staatsbankrott zu beteiligen und als nächstes kommt der Privatanleger dran, der seinerzeit für 1 bis 2 Prozent mehr auf damals sichere Staatsanleihen setzte, jedoch nun zittern muß, ob er sein eingesetztes Kapital jemals wieder sieht.

    Das ist tatsächlich für ganz Europa tödlich, weil niemand mehr Staatsanleihen für ein EU-Land zeichnen wird und schon gar nicht für Kandidaten wie Portugal, Spanien, Belgien, Italien, Frankreich sprich also bald für halb Europa!

    Den Schaden nimmt man offensichtlich bewußt in Kauf, er ist noch gar nicht wirklich abzuschätzen und könnte in Zukunft von keinem noch so cleveren Politiker beherrscht werden.

    Ob da die Flucht in Gold, Immobilien o.ä., welche bereits in schwindelnde Höhen steigen, als Heilmittel der Stunde gilt?





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