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Missbrauch: Die Wahrheit, die Psychiater und die Justiz

Ein psychisch angeschlagenes Mädchen hat einen Gutteil der Familie eines schweren jahrelangen Missbrauchs beschuldigt. Das hat diese Angehörigen sofort auf Wochen hinter Gitter gebracht. Motto offenbar: Einsperren hilft, um ein Geständnis zu erlangen, wenn man schon keine Beweise hat. Jetzt hat ein Gutachten die Angehörigen entlastet. Die Fragen rund um solche Missbrauchsvorwürfe sind aber heikler denn je.

Wie viele Menschen sind durch den Zufall ganz anders ausgehender Psychiater-Gutachten schon auf Jahre im Gefängnis gelandet? Wer untersucht eigentlich einmal kritisch all die Psychiater, die als Erben Sigmund Freuds ganz darauf fixiert sind, für jedes psychische Problem einen Missbrauch als Ursache zu entdecken? Die diesen Missbrauch aber auf Grund ihrer Fixation oft genug den Patienten solange einreden, bis diese selbst davon überzeugt sind.

Warum gilt eigentlich bei solchen Vorwürfen nicht das Prinzip: Im Zweifel für den Angeklagten, solange es über die Aussage eines labilen Menschen und über immer sehr dubiode psychiatrische Gutachten hinaus keine Beweise gibt? Man erinnere sich nur an den prominenten Kinderpsychiater, der sich für ein Gutachten nur 15 Minuten Gesprächszeit genommen hat. Es geben ja auch die - ehrlichen - Psychiater selbst zu, letztlich nicht die volle Wahrheit herausfinden zu können. Wann wird auch in der Justiz die philosophische Erkenntnis Platz greifen, dass wir allzu oft an die Wahrheit nie ganz herankommen?

Was geht in den Hirnen mancher Schuldirektoren vor, die ständig glauben, die einzige Gefahr für unsere Kinder sei sexueller Missbrauch, vor dem sie tagtäglich zu warnen haben, wie mir entsetzte Eltern über eine Wiener Volksschule berichtet haben?

Und warum werden im Gegensatz zu dem eingangs angesprochenen Fall alle Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester sofort als bare Münze (in mehrfacher Bedeutung) eingestuft, ohne dass da wenigstens versucht wird, einen Psychiater einzuschalten? Experten für Scheidungsprozesse wissen jedenfalls, wie leichtfertig manche Menschen solche Anschuldigungen aussprechen, von denen man sich dann nur extrem schwer frei-beweisen kann? Die Anwürfe gegen kirchliche Einrichtungen sind vor allem vom ORF, aber auch anderen Medien immer sofort als bewiesene Fakten berichtet worden. Ohne dass ein Bischof die Kirche in Schutz genommen hätte. Oder dass jemand gesagt hätte: Im Zweifel für den - oft schon lange toten - Beschuldigten.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorObserver
    13x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2011 07:19

    Eine Schande für unseren Rechtsstaat, mehrere Personen wegen einer puberitären Phantasie eines jungen Mädchens so lange unschuldig in Untersuchungshaft zu halten. Ich lese regelmässig die Polizeiberichte aus Österreich über die täglich (!) erwischten Kriminellen (zu 95 % aus den ehem. Oststaaten), welche nach Abnahme des Diebguts vom diensthabenden Staatsanwalt Dr. "Freifuss" nur angezeigt werden. Lediglich wenn sich diese Personen schon früher einmal straffällig gemacht haben (und zur Verhandlung natürlich nicht erschienen sind), werden sie eingesperrt.
    Was die bedauerlichen Fälle von Kindesmissbsrauchs in kirchlichen Einrichtungen betrifft, so gibt es da auch eine "Grauzone". Manche ehemalige Zöglinge beschuldigen bereits verstorbene Personen solcher aber nicht mehr beweisbarer Untaten, um an etwas Geld von Entschädigungsfond heranzukommen. Im Zweifelsfall eben zu Gunsten des Opfers.

  2. Ausgezeichneter KommentatorWertkonservativer
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2011 06:36

    Das ist ein für mich wirklich heikles Thema:

    Als stolzer Großvater einer erklecklichen Anzahl lieber Enkelkinder fühle ich mich - nach der in den letzten Jahrzehnten hochgekochten und in der breiten Öffentlichkeit inzwischen verinnerlichten Missbrauchs-Thematik - manchmal regelrecht misstrauisch betrachtet und sicher fehlinterpretiert, wenn ich da und dort meinem lieben Spatzen ein Busserl gebe oder auch nur über den Kopf streiche.
    Weit haben wir es gebracht!

    Die in diesem Zusammenhang an sich richtige und auch wichtige "Aufklärung" seitens Elternschaft und Schule führt nach meiner Erfahrung dann manchmal sogar zu gewissen Abwehrhaltungen eher sensibler Kinder, die in selbstverständlichen Liebesbeweisen naher Verwandter auch schon eine eventuelle "Gefährdung" erahnen.

    Ja, ich weiß: alles schon dagewesen!
    Aber bitte, bleiben wir "normal", und schütten wir das Kind nicht mit dem Bade aus!

  3. Ausgezeichneter KommentatorCelian
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2011 09:26

    Der Staat nimmt jedes Jahr viel Geld in die Hand um die eine Hälfte der Menschheit als Schwerverbrecher abzustempeln. Obwohl gehofft, daß die unselige Verliebt-verheiratet-verprügelt-Plakat-Kampagne ihr verdientes Ende genommen hat, wird sie doch immer wieder aufgewärmt, abwechselnd mit unzähligen Frauen-Hotline und „Schwanger was nun“ –Plakaten. Mit diesem Mist ist jedes Schulkind, das die öffentlichen Verkehrsmitteln benutzen muss, tagtäglich konfrontiert, es ist einer beständigen Hintergrundstrahlung ausgesetzt, die letztendlich ihre Früchte trägt. Ein Vater kann mit einem Wort aus der Familie verbannt werden, eine Familie kann ins Gefängnis wandern wenn ein kleines Mädchen das will, und die Medien nehmen willig den Ball auf und hetzen weiter. Wenn ein Außerirdischer jemals auf diesem Planeten landen sollte, würde er sich vor Männern hüten. Denn er müßte annehmen, daß es nur unter Aufbietung aller Kräfte gelingt, diese Monster in Schach zu halten.

  4. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2011 18:58

    Gerade zu diesem Thema wird es enorme Widersprüche geben.

    Ich kann nur das dazu beitragen:

    Solange Familien Gutes tun, Moral zeigen, etc. wird das regelbar sein, wenn sich der Staat einmischt, oder einmischen darf, wird es unregelbar, wie im geschilderten Fall.

    Solange wir 'Christkindeln' als Richter haben, die keine Ahnung von Höhen und Tiefen des Menschseins in allen Alterstufen haben und auch keine einschlägigen Erfahrungen, wird es wahrscheinlich sein, daß so was immer wieder vorkommt.

    Ich habe auch schon erlebt, daß rechtmäßige Erben psychiatrisch erledigt wurden und es dazu kam, daß die Betreiber dieser Schandtaten dann die Erben wurden, oft ist es einfach ein physikalischer Mord, der aber noch eher aufgeklärt wird, wie der 'unscheinbare' 'psychiatrische Tod'. Schnell ist man in Steinhof und auf Nimmerwiedersehen verschwunden, hat einen Sachwalter und ist sein Leben los.

    Wem ist zu glauben, wer ist zu befragen, etc. etc., wie kommt man in die Nähe der Wahrheit ?

    Ein Beispiel aus meiner Nachbarschaft: Jahrelang Gewalt in der Familie, man hört es am Gang, man sieht es an den Kindern, bei Gericht lammfromm und alle halten zusammen, daß da nie was war, ja halt manchmal laut, aber lieb ...

    Mißbrauch muß bestraft werden, wenn er nachgewiesen ist. Umgekehrt darf nachgwiesener Mißbrauch nicht mit Milde beurteilt werden. Beispiele hat Dr. Unterberger zur katholischen Kirche genannt oder sonstigen Heimen der Stadt Wien, wo sowas nachgewiesen werden konnte, ein Beispiel für einen Vater, der seine Tochter mehrmals vergewaltigt und erpreßt hat, was nachgewiesen wurde, der hat dann 3 Wochen auf Bewährung bekommen, steuere ich bei.

    Interessant für mich ist, daß es Mißbrauch immer gegeben hat, seit es Menschen in 'Zivilisationen' gibt, außer bei den Naturvölkern, wo der Überlebenskampf nahe ist.

  5. Ausgezeichneter KommentatorNeppomuck
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    20. Februar 2011 00:57

    "Die Psychoanalyse ist jene Krankheit, für deren Therapie sie sich hält."

    Karl Kraus

  6. Ausgezeichneter KommentatorRosi
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2011 09:52

    Tatsächlich ein sehr schwieriges Thema, und obwohl auch ich der Meinung bin, daß für Vergewaltigung keine Strafe zu streng sein kann, darf man doch andererseits sicher nicht zulassen, daß Unschuldige durch böswillige Beschuldigungen durch labile oder frustrierte Personen in Verruf kommen oder Schaden leiden.
    Das gilt ganz sicher auch im Zusammenhang mit den vielen Anschuldigungen gegen Kirchenvertreter. Da dabei in vielen Fällen für mich nicht nachvollziehbar schien, warum die angeblich Mißbrauchten so lange geschwiegen haben, selbst, als ihnen keine objektive Gefahr mehr drohte, wenn sie früher gesprochen hätten, ist mir der Großteil dieser Fälle sowieso suspekt, und auch ich glaube, daß sich da viele einfach 'dranhängten, um mit unsauberen Mitteln an leichtes Geld zu kommen.

  7. Ausgezeichneter KommentatorUndine
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    20. Februar 2011 14:49

    "Man erinnere sich nur an den prominenten Kinderpsychiater, der sich für ein Gutachten nur 15 Minuten Gesprächszeit genommen hat"

    Wenn wir da denselben prominenten Kinderpsychiater meinen, den mit der seeeehr langsamen, bedächtigen Redeweise, den großen Liebling des ORF. der auch jedesmal von den jeweiligen Fernsehansagern mit dem Attribut "RENOMMIERT" versehen wird, dann habe ich gehört, daß sein Ansehen unter Rechtsanwälten nicht wahnsinnig hoch ist---aus den von A.U. beschriebenen Gründen. Aber Hauptsache, im ORF lieben ihn alle.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorNeppomuck
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    20. Februar 2011 00:57

    "Die Psychoanalyse ist jene Krankheit, für deren Therapie sie sich hält."

    Karl Kraus


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  1. Sandra (kein Partner)
  2. Abenezer (kein Partner)
    21. Januar 2015 14:58

    I find the whole Alex Jones thing interesting. One of my faoitvre bands, Megadeth (in case you haven`t guessed ) has one of their albums named after Alex Jones`documentary called Endgame. It`s very strange but intriguing to me. I`ll check out Scanner Darkly. Thanks! http://lclznmwh.com [url=http://xpmoojs.com]xpmoojs[/url ] [link=http://nkawjil.com]nkawjil[/link ]

  3. Abenezer (kein Partner)
    21. Januar 2015 14:57

    I find the whole Alex Jones thing interesting. One of my faoitvre bands, Megadeth (in case you haven`t guessed ) has one of their albums named after Alex Jones`documentary called Endgame. It`s very strange but intriguing to me. I`ll check out Scanner Darkly. Thanks! http://lclznmwh.com [url=http://xpmoojs.com]xpmoojs[/url ] [link=http://nkawjil.com]nkawjil[/link ]

  4. Harish (kein Partner)
    21. Januar 2015 01:42

    I wonderfully, hlpufel, and engaging site. I've enjoyed the poetry very much. It's exquisite. I love the vocal readings of poems by the great. I finally discovered Margaret Walker's For My People, which I did for oral interpretations.

  5. Fares (kein Partner)
    19. Januar 2015 10:20

    I find it truly disturbing that you would list Mao as a Great Critical thknier. He is responsible for the deaths of millions and you list him as a great thknier! Perhaps you should re-evaluate your own critical thinking process!

  6. WikiLegia.org (kein Partner)
    23. Februar 2011 14:23

    Beim Betrachten von brisanten Causen, in denen prominente Beschuldigte oder Ermittlungsfehler gedeckt wurden oder geschützt werden sollten, fällt auf, dass mit der Bestellung eines "Glaubwürdigkeitsgutachtens" immer vermieden wurde, ein Gerichtsverfahren zu umgehen.

    Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit eines Zeugen unterliegt bekanntlich ausschliesslich der freien richterlichen Beweiswürdigung.

    Die Beschuldigten werden dadurch ihrem gesetzlichen Richter entzogen. (erfahrungsgemäss geschieht dies immer zum Vorteil des Promis oder der inkriminierten Vergehen von Kollegen oder - wie hier - EX-Kollegen )

    Die Fälle bisher (z.B. falsches Glaubwürdigkeitsgutachten i.S. Heidegger) haben jedenfalls gezeigt, dass es nicht der richtige Weg zur Wahrheitsermittlung ist.

    wikilegia.org

  7. socrates
    21. Februar 2011 09:42

    Bei diesem Beitrag kann man gut verfolgen, wer mit Mißbrauch Geschäfte macht und davon politisch profitiert. Ganz neue Trolle tauchen auf um sich claims abzustecken. Wie es funktioniert, wenn man der richtigen Clique angehört, zeigt Polansky.

  8. Geistes Gestört (kein Partner)
    20. Februar 2011 20:19

    Jeder ist Geistesgestört, der nicht ans Geld glaubt!
    Sehr rasch ist man abgestempelt.

    • Schlafwandler (kein Partner)
      20. Februar 2011 20:25

      Schlafen ist gut und die Ewigkeit ist so.
      Verfluchter Schlaf ist wie eine Pille.
      Schlaft schön liebe Kinder in aller Ewigkeit.
      Wer viel schläft bleibt ewig jung.
      Fahre nicht in die Hölle...
      Im Himmel kann man auch aufwachen.
      Gute Nacht liebe Kinder...

  9. Schatten Häuser (kein Partner)
    20. Februar 2011 15:16

    am besten ist es, man wählt einen beruf im leben, wo man seine eigenen krisen voll und ganz ausleben kann.
    merkt eh keiner! g

  10. Undine
    20. Februar 2011 14:49

    "Man erinnere sich nur an den prominenten Kinderpsychiater, der sich für ein Gutachten nur 15 Minuten Gesprächszeit genommen hat"

    Wenn wir da denselben prominenten Kinderpsychiater meinen, den mit der seeeehr langsamen, bedächtigen Redeweise, den großen Liebling des ORF. der auch jedesmal von den jeweiligen Fernsehansagern mit dem Attribut "RENOMMIERT" versehen wird, dann habe ich gehört, daß sein Ansehen unter Rechtsanwälten nicht wahnsinnig hoch ist---aus den von A.U. beschriebenen Gründen. Aber Hauptsache, im ORF lieben ihn alle.

    • Ungut Heinz (kein Partner)
      20. Februar 2011 14:56

      sein ansehen leidet, weil er angeblich überlastet ist und zuwenig wasser trinkt?
      auch ein kinderpsychiater kann eigene krisen im leben haben und ist keine maschine, wenn er auch doktor ist m.m...

    • cmh (kein Partner)
      20. Februar 2011 16:43

      Kinderspsychitater in der persönlichen Krise wird von RichterIn in persönlicher Krise beauftragt über ein Kind in einer persönlichen wenn auch altersbedingten Krise ein Gutachten zu erstellen, das die Familie des Kindes dann in eine existenzielle Krise bringt.

      Na bravo, da kiregst die Krise.

      Eritis sicut deus nolentes bonum et malum.

      Wir waren gewarnt.

  11. Träumer (kein Partner)
    20. Februar 2011 14:43

    alles ist so liebevoll auf erden.

    • Wertkonservativer
      20. Februar 2011 14:50

      Ihr Spruch rührt mich an (wie immer er auch gemeint ist).
      Träumen sie weiter, lieber Träumer!

    • Rainer (kein Partner)
      20. Februar 2011 16:52

      Aber erst, wenn wir die Krankheit Mann ausgerottet haben ...

  12. Francois Villon (kein Partner)
    20. Februar 2011 12:49

    Die Unterberger-Kommune wird es mir verzeihen, daß ich einen längeren Artikel eines Bekannten hier hereinstelle, der mit dem Thema in etwas grundsätzlicher Art zu tun hat und den ich schon vor eine paar Jahren zugesandt bekam. Er ist aber nichts desto weniger brandaktuell. Es sind ca. 3 Seiten, wem´s zu lang ist, braucht es nicht zu lesen.Freuds Philosophie des Unterleibs

    Vor 100 Jahren erschien "Die Traumdeutung"

    Von Martin Schwarz

    Auf Flohmärkten und in manchen Buchläden finden heute noch Traumdeutungsbücher mit Titeln wie "Die Traumdeutungskunst der Zigeuner", "Ägyptische Traumweissagungen", "Talmudische Traumweisheiten" ihre Käufer. Vor 100 Jahren wurde eine besondere Variante des Traumbüchels zum ersten Mal verlegt, dessen Verfasser aus einem ähnlichen geographischen Umfeld, nämlich aus Galizien, stammt. Jahrzehntelang umstritten hat es heute einen sakrosanten Status erlangt und darf nur mehr huldigend zitiert werden - ja jeder der es zu kritisieren wagt, wird als Antisemit verschrien. Schließlich mußte Sigmund Freud, der Verfasser der "Traumdeutung", 1938 nach England emigrieren und wurde sein Werk den Flammen übergeben, bei den berühmt-berüchtigten Bücherverbrennungen der "Schmutz- und Schundliteratur". Vergessen gemacht werden soll, daß es nicht zufällig jüdische Denker waren, die Freud zuerst durchschauten und vehement kritisierten. Karl Kraus, der Herausgeber der Fackel hielt die Psychoanalyse, wie die Freud´sche Heilslehre offiziell heißt, für jene Krankheit, deren Heilung zu sein sie vorgibt. Nämlich die neurotische Fixierung auf die Sphäre des Sexuellen, die durch die Psychoanalyse nicht geheilt, sondern der Freud die letzten Schleusen geöffnet hat.

    Otto Weininger, der geniale Wiener Jüngling jüdischer Abstammung, dem wie Freud das Geschlechtliche als zentrales Weltproblem galt, führte die Geschlechterlehre mit Hilfe Kants und Schopenhauers in metaphysische Höhen, anstatt daraus ein einträgliches Geschäft zu machen. Sein sittlicher Ernst führte ihn dazu, sich 1903 - übrigens in Sichtweite des Freud´schen Domizils - zu erschießen, weil er den eigenen strengen Anforderungen nicht gerecht werden konnte.

    Der eigentliche Antipode auf tiefenpsychologischem Gebiet unterliegt zwar heute auf Grund seiner Freud-Gegnerschaft dem Nazismus-Verdacht: C. G. Jung, der die Trauminhalte nicht auf infantile Sexualwünsche reduzierte, sondern als Abbilder ewiger Archetypen mit transzendentaler Bedeutung interpretierte. Aber auch viele jüdische Schüler und Anhänger Freuds wie Alfred Adler, Otto Rank und Wilhelm Reich wandten sich von diesem und seinen undurchführbaren Therapien ab. Adler suchte die Lösung auf die ewige Frage der Sphinx "Was ist der Mensch?" im Machtstreben, Rank im Willen und Reich - auf Freud´scher Linie aber folgerichtiger - in der anarcho-kommunistischen Revolution.

    Nachdem Freud ins Londoner Exil gehen mußte und sich seine Lehre nur in Amerika epidemisch verbreiten konnte, wurde sie im Gefolge der Niederwerfung Deutschlands als Umerziehungswaffe rückimportiert - von späteren Wegbereitern der Kulturrevolution wie Herbert Marcuse.

    Dabei hat die Psychoanalyse heute jede Glaubwürdigkeit verloren, ist längst
    experimentell widerlegt, ihr Anspruch auf Wissenschaftlichkeit in Frage gestellt. Adolf Grünbaum hat mit seinen Werken über die Psychoanalyse in wissenschaftstheoretischer Sicht das in der Detailanalyse eingelöst was beispielsweise Sir Karl Popper längst global behauptet hat: Freuds Pseudowissenschaft hält keinen Kriterien der Wissenschaftlichkeit stand. (Adolf Grünbaum, Die Grundlagen der Psychoanalyse) Jeffrey Masson, ein freudianischer Wissenschaftler, der zu einem Leiter des Freud-Archivs aufgestiegen war, deckte schließlich ein dunkles, verdrängtes Geheimnis der Psychoanalyse auf: Freuds berühmte ödipale Verführungstheorie - die Tochter will angeblich mit ihrem Vater schlafen - klingt nicht nur pervers, sondern basiert auf Fällen von tatsächlichem Kindesmißbrauch, die von Freud der Wunschwelt des Kindes zugeschrieben wurden - letztlich eine Verharmlosung von Inzest. Die Fallbeispiele lagen im Freud-Archiv und zeigten, daß Freud die tatsächlichen Hintergründe kennen mußte! Diese Entdeckung machte Masson mit den Mechanismen der Freud-Scholastik vertraut, die ihn nicht nur aus der psychoanalytischen Glaubensgemeinschaft exkommunizierte, sondern regelrecht zu vernichten trachtete. (Jeffrey Masson, Was hat man dir, du armes Kind getan?)

    Die Leichen im Keller der Psychoanalyse sind zu zahlreich als daß die intellektuelle Redlichkeit sie länger ignorieren könnte, so hat der etablierte Journalist Dieter E. Zimmer in seinem Buch "Tiefenschwindel" die unantastbare Lehre mit Wertungen wie "schief", "ahnungslos", "dümmlich", "fanatisch" und "menschenverachtend" bedacht und in einem Essay mit dem treffenden Titel "Wahrsagerei für Intellektuelle" (Die Zeit, 12.12.1986) Fallbeispiele der Freud´schen Traumdeuterkunst wie den berühmten "Wolfsmann" der Lächerlichkeit preisgegeben.

    Nun könnte man sagen: Was soll´s? Ein Wissenschaftsbluff, der wie viele andere Lügen und Halbwahrheiten Eingang in unsere Lehrbücher gefunden hat. Eine Geldvernichtungsmaschine für reiche Patienten auf der Suche nach einer Krankheit. Oder auch, positiver gedacht, ein Fremdenverkehrsmagnet für die Berggasse in Wien, und eine Beschäftigungstherapie für Akademiker, die ansonsten vielleicht in gefährlicheren Gebieten herumdoktern würden. Aber leider ist der Freudianismus nicht nur dies. Die Psychoanalyse wirkt in kulturell verheerender Weise und muß allen, die sich der europäischen Geisteswelt verpflichtet sehen, ein Gegenstand der Auseinandersetzung sein.

    Da ist zunächst der Anspruch, sich mit dem Unbewußten zu beschäftigen. Die
    Psychoanalyse hat das Unbewußte nicht entdeckt, selbstverständlich war es Philosophen, Künstlern und auch religiösen Denkern längst bekannt. Ihnen allen war aber gemeinsam, daß sie beim Überbewußten, der Verbindung des Menschlichen mit dem Geistigen, dem Übernatürlichen und Göttlichen, ansetzten und von daher das Nicht-Bewußte, den blinden Fleck der Seele zu begreifen suchten. Freud hat dieses Überbewußtsein zum Unterbewußtsein erniedrigt, zum Ausfluß des Unterleibs und der Unterwelt, der Triebwelt und der Zwänge. René Guénon nennt dies offen einen "satanischen Zug" der Psychoanalyse und hält den "im allgemeinen niederträchtigen und abstoßenden Charakter der psychoanalytischen Deutungen" für "ein 'Mal', das keine Täuschung zuläßt." Anstatt einen Weg in die Freiheit, in die Transzendenz zu bahnen sei die Psychoanalyse, "der Versuch einer Ausweitung, die sich einzig und allein nach unten erstreckt, d.h. nach der Seite, die im menschlichen Wesen wie auch im kosmischen Milieu den 'Rissen' entspricht, durch die die 'unheilvollsten' Einflüsse der subtilen Welt dringen, wir können sogar sagen, diejenigen, die einen im wahrsten und wörtlichen Sinne 'höllischen' Charakter haben." (René Guénon, Die Verheerungen der Psychoanalyse, Der Pfahl II) Von dieser "unterirdischen" Basis aus findet eine Subversion statt, die einer diabolischen Umwertung aller Werte entspricht. Die gesamte Kulturleistung der Menschheit, die für Freud nur eine Sublimierung - eine Verfeinerung - des Tiers im Menschen ist, wird wie eine Maske abgestreift. Denn wozu soll der ganze zivilisatorische Aufwand gut sein, wenn alles nur Tünche und Kulisse ist: lassen wir doch die Sau raus! Die Love-Parade, die Pornowelle, der exhibitionistische Talk-Show-Wahnsinn, sie wurden durch Freud gewollt oder ungewollt vorbereitet. Diese praktischen Demonstrationen der Enthumanisierung konnten zwangsläufig keine Befreiung bringen, sondern eine Versklavung des Ichs und eine Kommerzialisierung der Triebe. So wie der Patient, nachdem man ihm erst einmal einreden konnte, er sei neurotisch, auf alle Zeit vom Analytiker abhängig ist und sein Geld zu ihm tragen muß (Guénon meint der Psychoanalysepatient werde sein Kainsmal niemals mehr los); genauso wirken sich Hedonismus und Mammonismus auf die Gesellschaft aus: Sucht ohne Aussicht auf Befreiung - und manche reiben sich die Hände und kassieren ab.

    Aber wer vor dieser Ebene der entfesselten Unterwelt in die Hochkultur fliehen möchte, wird Freud und die Folgen nicht entkommen. Keine Opernvorstellung, keine Theaterinszenierung ohne Ödipuskomplex. Cineasten, Galeriebesucher und Literaturliebhaber stoßen auf die Gedankenwelt Freuds auf Schritt und Tritt. Kein anderer hat den Kulturbetrieb derart mit Zoten und überspannten Hypothesen auf Touren gebracht. Man braucht nichts von Musik zu verstehen um Wagner auf die Couch des Psychoanalytikers zu legen. Kein philosophischer Tiefgang ist von Nöten um Nietzsches Kindheit für sein imposantes Gedankengebäude verantwortlich zu machen. Die Halbgebildeten haben mit Hilfe Freuds den Dreh gefunden, um sich über die großen
    Schaffenden zu erheben und sich an ihnen parasitär zu bereichern. Keine begriffliche Arbeit, keine saubere Gedankenführung, kein mühsames Erlernen von Grundbegriffen ist mehr erforderlich um Karriere zu machen, nein es genügt ins Blaue zu phantasieren unter Verwendung von Reizwörtern wie "Libido", "Projektion" und "Kastrationsangst". Ganze Universitäten sind von dieser ungeistigen Entlarvungsdisziplin befallen, saisonbedingt einmal mit Marx angereichert und heute besonders gerne mit feministischen Sophismen.

    Im politischen Bereich ist die Methode nicht allzu verbreitet, doch auch hier lassen sich bereits Beispiele anführen. So konnte Clintons permanent offene Hosentür durch seine harte Kindheit erklärt werden; und nicht zufällig wurde Waldheim, als er nicht einsah, was an einer früheren Tätigkeit als Leutnant in der Wehrmacht mit dem Amt des Präsidenten der Republik Österreich unvereinbar wäre, zum Exemplar einer angeblich spezifisch "österreichischen Seele" umgelogen, die in dem Seelendoktor aus Galizien ihren Analysten fand.

    Nun ist es also 100 Jahre her, daß im Wien Schnitzlers, Klimts und Sacher-Masochs die "Traumdeutung" das Licht der Druckerpresse erblickte. "Die Freud´sche Psychoanalyse erwächst vollkommen aus dem Raum des in vollendeter Selbstvernichtung und Selbstauflösung befindlichen k.u.k. Österreich. Ihr Grundgesetz ist das der Abweichung. Sie setzt fest, daß der Mensch ins Sexuelle abweiche, das seinerseits somit als autonome Macht sich in den Sattel setzen, als pars pro toto triumphieren möchte und das auch dort, in Wien, das diese Lehre heraussetzte, wirklich triumphierte." (Christoph Steding, Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur) Es ist Zeit, daß wir uns von den Sumpfblasen des Fin de Siécle emanzipieren, die intellektuellen Zerfallsprodukte der Donaumonarchie hinter uns lassen - oder müssen wir Freud wirklich ins nächste Jahrtausend mitschleppen?

    • HJR
      20. Februar 2011 13:36

      Mein Gott, Francois! Lies doch mal was Zweitgenössisches.

    • HJR
      20. Februar 2011 13:52

      Das "Zweitgenössische" war übrigens ein echter Freud!

    • RB (kein Partner)
      20. Februar 2011 14:09

      @Francois Villon
      Sigmund Freud zu kritisieren ist legitim, ihn aber für alle absonderlichen
      gesellschaftlichen Entwicklungen direkt oder indirekt verantworltich zu machen
      ist nicht mehr legitim.
      Wie sagte Freud selbst: "In Amerika verstehen sie mich nicht und in Wien hassen sie mich."
      Die Psychoanalyse ist eine THEORIE, und wie allen Theorien wohnen ihnen
      Irrtümmer inne. ABER man muss nur eine geringe Ahnung davon haben, WIE die
      Psychiatrie VOR S. Freud ausgeschaut hat, dann kann man die Bedeutung seiner neuen Gedankengänge ein klein wenig verstehen. Dass die Sexualität eine bedeutende Rolle im Leben des Menschen spielt ist doch heute unbestritten. Die Sozialisation und Zivilisation jedes einzelnen Menschen trägt dazu bei, sie in "geordnete Bahnen" zu lenken. Nicht jede Kunst ist Sublimierung, aber Sublimierung kann zu hoher Kunst führen usw.
      Und nicht zu vergessen, welchem psychischem Krankheitsbild sich S. Freud primär widmete, es war die Hysterie. (Hysterie im medizinischen Sinn und nicht im umgangsprachlich Sinn gemeint). Und beim Studium dieser schlimmen, unerträglichen Krankheit kamen ihm seine erste Gedanken bezüglich der Bedeutung "verdrängter" und unerfüllter sexueller Wünsche.
      Karl Kraus, der geniale Spötter und Nestbeschmutzer, sollte - meiner Meinung nach - nicht so häufig als Maß aller Dinge hervorgehoben werden.
      Mein hochgeschätzter Lehrer in Psychiatrie, Prof. Roul Schindler hat einmal in einer seiner Vorlesungen gesagt "Jeder Mensch hat ein Recht auf seinen Vogel, so lange er sozial verträglich ist". Ich füge hinzu, jeder Mensch kann und soll mit seinem "Vogel" leben, so lange der Leidensdruck nicht unerträglich wird. DANN ist psychiatrische Hilfe ein Geschenk des Himmels.

    • SOKs (kein Partner)
      20. Februar 2011 14:14

      Früher hab ich mich ein wenig mit Freud befasst, war aber eine endlose, sich wiederholende Lametei, und verschwand das Interesse. Interessant wurde es vor 4 Jahren als ich die Familienchronik aufarbeitete und auf den intimen Briefverkehr meines Groß-Groß Onkels fand (bisher nicht veröffentlicht, warum Geschäftstörung betreiben heute), Joseph Paneth, eingeheiratet in unsere Familie mit Sofie. Der Widerstreit sehr früh zw. den Beiden, Freud und Paneth, half bei Freud nicht, sich zu öffnen für Gegensprache. Er war wie Heller Andre halt ein Liebling der Liebling der Wiener Frauen, und das sehr einträglich. Deshalb ga man damals auch Paneth und nicht Freud die höhere Weihen der Wissenschaft an Universitäten. Für weitere interessierte der Link: http://www.austrian-philosophy.at/paneth_kurzbiographie.html

    • Ungut Heinz (kein Partner)
      20. Februar 2011 14:34

      freud wollte ja nur ein liebevoller vater und mann sein so wie es viele frauen auch wollen... liebevoll und da hat freud seine berufung wahrscheinlich erkannt, als seine freunde fort waren...
      eigentlich ist ja alles krank, was nicht liebevoll ist...*

    • Wertkonservativer
      20. Februar 2011 15:01

      Böse, wenn ich's nicht komplett durchlese?
      Es ändert nichts an unserem derzeitigen Zivilisationsstand: die Menschen sind, wie sind, und alle Erklärungsversuche der menschlichen Arten, Unarten und Eigenheiten können an dem nichts ändern.
      Sublimierung der Triebe: das ist eine der Chancen, bessere Menschen aus uns zu machen!
      Dumm dahergeredet? Sagen Sie's mir, werter Francois Villon!

    • Neppomuck (kein Partner)
      20. Februar 2011 15:40

      Sublimation, von „sublimieren“ (lat. sublimare – hochheben, erhöhen) bedeutet in der Technik den Übergang von dem Aggregatzustand „fest“ in den gasförmigen.
      Siehe Lyophilisierung = Gefriertrocknung.

      Bei Freud, der alles Menschliche wie Kulturleistungen etc. auf den Trieb oder die Triebe reduzieren will, eine Umwandlung oder Umlenkung von Triebwünschen in eine geistige Leistung. Was natürlich Blödsinn ist, zumal auch anerkannte Künstler, um nur ein Beispiel zu nennen, auch nach ihrer Triebbefriedigung zu derartigen Leistungen fähig waren und sind.

      Mehr Relevanz dieser freudschen These ist bei dem Begriff „Gutmensch“ gegeben.
      Da handelt es sich meiner Einschätzung nach um eine „gelungene“ Synthese von Rationalisierung/Sublimierung [1], Projektion [2] und Verdrängung [3], alles im Sinne Freuds.
      Man tauscht also ein niedriges Motiv (z.B.: tiefe Abneigung gegen alles, was autochthon ist) gegen eines von höherer ethischer Qualität [1] (wie übertrieben freundliche bzw. kritiklose Aufnahmebereitschaft gegenüber z.B. Wirtschaftsflüchtlingen), überträgt eigene unerwünschte Triebimpulse, Fehler, Schuldgefühle etc. auf andere Personen bzw. Situationen [2], verdrängt ständig sein Fehlverhalten [3] und behindert damit die eigene Lernfähigkeit, was allerdings am Endeffekt nichts ändert.

      Der angerichtete Schaden wird dabei (bewusst oder nicht) nicht zur Kenntnis genommen, ein möglicherweise auftretender „Nutzen“ zur Hauptintenton erklärt, obwohl der Kollateralschaden bei weitem überwiegt.
      Das systematische „in Erscheinung treten“ dieser Spezies lässt überdies den Schluss zu, dass dabei Regie geführt wird. Meist von Leuten, die es überhaupt nicht „gut meinen“.

    • Undine
      20. Februar 2011 16:06

      @Neppomuck

      ***!!!

    • Wertkonservativer
      20. Februar 2011 16:34

      Danke für die Lehrstunde, werter Neppomuck;
      in diesem Bereich bin ich bestenfalls "Lehrling" (und werde in Zukunft besser meine Papp'n halten)!

    • SOKs (kein Partner)
      21. Februar 2011 09:39

      to RB

      Ich stimme Ihnen zu. Jedoch das mit dem "Vogel" ist so eine Sache. Es ist eine freundliche deutschsprachige Bezeichnung. Im Sinne von "spleen" ist es jedoch ein wesentlicher Beitrag eines Einzelnen oder einer Gruppe. Die Beschränktheit der deutschen Sprache tun da ihr übriges. Zur Entwicklung von Ideen, ohne "Verträglichkeit" im Auge zu haben, sind Menschen mit Vogel/spleen hervorragend geeignet, dem Leben zu frönen. Das Abnorme sei dahingestellt, denn mit dem spleen des Columbus z.B. nach 8 jährigem Ausleben, entdeckte er die Kartoffel in fremden Ländern. Wie bei allem, schützt die Gesellschaft sich mit Schubladen, wo sie jede Abweichung der Norm einzulegen pflegt. Und der spleen des Freud wurde zu einer, hoffentlichen temporären, Hilfe für die Gesellschaft. Jedenfalls eine praktische Erfindung, nicht so sehr für den Menschen im Allgemeinen, sonder als Einordnungsprinzip für Hilflose. Der Rudolf der 4. hatte auch so seine spleens in Prag, etc, etc. Jedenfalls kann man damit gut verdienen, da es auch eine gute Faustwaffe der Machthaber ist, gegen Unliebsames vorzugehen. Menschen erreichen mit einem spleen für sich selbst etwas mehr als spleen-lose. Und praktisches, nicht theoretische Zufriedenheit.

    • Neppomuck (kein Partner)
      21. Februar 2011 17:51

      Für die eigene Beschränktheit sollte man nicht die Sprache verantwortlich machen, SOKs.
      Und Columbus hatte keinen "spleen", sondern saß einem Irrtum auf.
      Weshalb die "roten Brüder" auch heute immer noch "Indianer" genannt werden, da C. ja der Meinung war, in Indien zu sein.
      Erst seit Amerigo Vespucci hat sich das geändert.

      Und die "solanum tuberosum", hier auch Kartoffel, Erdapfel oder Grundbirne genannt, stammt aus Südamerika (Chile), wo Columbus nie seine Füße an Land gesetzt hat.

      Siehe E. Kästner:

      "Irrtümer haben ihren Wert,
      jedoch nur hie und da.
      Nicht jeder, der nach Indien fährt,
      entdeckt Amerika."

    • Francois Villon (kein Partner)
      21. Februar 2011 18:46

      RB ich verstehe Ihren Einleitungssatz nicht. S.F. als Person zu kritisieren sei legitim, … nicht aber sein Werk, das man ja doch wohl nur - wenn es ein wissenschaftliches wäre, ob erwiesener Fehler kritisieren könnte, oder, da es sich bei dem Werk wohl um Spekulationen oder Dogmen handelt, über die hiervon ausgehenden Wirkungen. Und diese wurden kritisiert. Das läßt immer noch zu, diese Sichtweise mit Argumenten als ganz oder teilweise irrig anzugreifen. Aber legitim war sie allemal.

      Dabei ist die Kritik nicht von mir, sondern einem anderen Autor. Allerdings bedauere ich daran nur, daß ich nicht selbst auf diese Idee und ihre Ausführung gekommen bin, da ich denselben Eindruck habe.

      HJR: tue ich auch, aber oft sind ältere Schriften nicht nur aktuell, sondern auch origineller.

    • Thomas Führinger (kein Partner)
      22. Februar 2011 11:03

      Jedenfalls haben sie noch kein Buch Freuds gelesen. Damit sind sie in guter Gesellschaft mit praktisch allen, die sich heute auf dem Gebiet der Psycho-Irgendwas betätigen - und sich mitunter gerne auf Freud beziehen.
      Tatsache ist, dass Freud mit seinen Erkenntnissen und Methoden Menschen geheilt hat und das Leben wieder erträglich gemacht hat. Das war auch der einzige Zweck seiner Erkenntnissuche.
      Gleiches können die heutigen Psychiater u.ä. praktisch nie für sich in Anspruch nehmen. Sie brüsten sich bereits mit einer Diagnose und stellen dann ruhig mit Psychopharmaka.

  13. Ungut Heinz (kein Partner)
    20. Februar 2011 12:15

    wir wissen es, es ist jeder gestört der nicht tut was die bibel sagt...*g*

    • Scheich S. (kein Partner)
      20. Februar 2011 12:29

      soll man jetzt nur fürs vögeln leben oder nur fürs arbeiten?
      keine ahnung da soll man am besten einen psychiater fragen der auch die handarbeit verschreiben kann, weil die bibel erlaubt es nicht...*g*

    • Neppomuck (kein Partner)
      20. Februar 2011 14:28

      Vom "Raubvögeln" hat jedenfalls keiner was gesagt, o Scheich.

    • cmh (kein Partner)
      20. Februar 2011 16:49

      Fata voletem ducunt, nolentem trahunt.

      Für unseren Unheinzel Gustel reicht noch der Zitatenschatz für Angeber.

      Im Zweifel bin ich aber doch eher für die Bibel, denn die ist im Gegensatz zum Baddeibrokramm zumindest textlich und inhaltlich seit 2000 Jahren fixiert.

      Außerdem: Erst wenn sie längere Zeit nicht das tun was in der Bibel empfohlen wird, werden sie allmählich - dann aber wirklich schwerst - gestört.

    • schlechter Geschmack (kein Partner)
      20. Februar 2011 16:54

      Als letzten Ausweg kann ich allen Schleichscheich.S. nur nach alter deutscher Sitte den Strick empfehlen. Auch den verbietet zwar die Bibel, aber wer glaubt schon an die?

      Aufgeklärte, grundgereinigte Zeitgenossen in der geistigen Sonntagstarre wissen hingegne alles besser.

  14. socrates
    20. Februar 2011 11:10

    Da ich schon lange auf der Welt bin, habe ich zahlreiche Fälle von Erpressung über "sexuellen Mißbrauch" erlebt. Töchter aus besten Familien erpressten ihre Väter, Geschiedene ihren Ex, Frauen rächten sich via Tochter am Gatten. Seit "er hat mir beim Duschen zugeschaut" als sexueller Mißrauch bei katholischen Priestern gilt, ist es auch eine politische Waffe. Welches Familienmitglied ist da noch sicher? Auch Lehrer sind ein lohnendes Angriffsziel. "No Kids, double income"ist die Devise.
    Gute Beispiele sind Wikileaks, CIA, die russische Spionin und Superschönheit, Mata Hari, etc.

    • cmh (kein Partner)
      20. Februar 2011 16:59

      Kinder seid's doch net so prüde.

      Wenn sich im Burgtheater die Gretchentitten nicht mehr ausgegangen sind, ziehts Euch den geförderten Film Antares rein, da werden auch die Freunde des hoheren Spechtelns bedient.

      Aber Zote beiseite:

      Kann mir jemand endlich erklären, warum sich alle mit größter Freude ungefragt entblättern während dann alle zutiefst und unentschuldiglich beleidigt sind, wenn es unabsichtlich war, sich so ergeben hat oder zur Abwechslung einmal dem anderen Spaß gemacht hat?

      Wir haben das Kunststück fertiggebracht, auch unter lauter Nackerten prüde zu sein.

  15. Wieland (kein Partner)
    20. Februar 2011 09:33

    Wie schon von Vorpostern erwähnt, ist sexueller Missbrauch ein sehr heikles Thema. Wie hier richtig dargestellt, ist es unumgänglich, dass (wie bei jeder Straftat) niemand vorverurteilt werden sollte.

    Das Problem ist aber folgendes: Das Gegenteil, nämlich der Freigang bzw. Fast-Freigang von Schlägern und Vergewaltigern, tritt (subjektiv gefühlt) noch viel häufiger auf.

    In einem Fall aus meinem persönlichen Umfeld (in dem es allerdings primär um Gewalt ging) hat man dem Opfer bei der Rechtsberatung vorab gesagt, dass man, wenn man nur eine Einzelaussage hätte gar keine Anzeige einzubringen bräuchte, schon gar nicht, wenn die Mutter den Vater decken würde.

  16. Neppomuck (kein Partner)
    20. Februar 2011 00:57

    "Die Psychoanalyse ist jene Krankheit, für deren Therapie sie sich hält."

    Karl Kraus

  17. Josef Maierhofer
    19. Februar 2011 18:58

    Gerade zu diesem Thema wird es enorme Widersprüche geben.

    Ich kann nur das dazu beitragen:

    Solange Familien Gutes tun, Moral zeigen, etc. wird das regelbar sein, wenn sich der Staat einmischt, oder einmischen darf, wird es unregelbar, wie im geschilderten Fall.

    Solange wir 'Christkindeln' als Richter haben, die keine Ahnung von Höhen und Tiefen des Menschseins in allen Alterstufen haben und auch keine einschlägigen Erfahrungen, wird es wahrscheinlich sein, daß so was immer wieder vorkommt.

    Ich habe auch schon erlebt, daß rechtmäßige Erben psychiatrisch erledigt wurden und es dazu kam, daß die Betreiber dieser Schandtaten dann die Erben wurden, oft ist es einfach ein physikalischer Mord, der aber noch eher aufgeklärt wird, wie der 'unscheinbare' 'psychiatrische Tod'. Schnell ist man in Steinhof und auf Nimmerwiedersehen verschwunden, hat einen Sachwalter und ist sein Leben los.

    Wem ist zu glauben, wer ist zu befragen, etc. etc., wie kommt man in die Nähe der Wahrheit ?

    Ein Beispiel aus meiner Nachbarschaft: Jahrelang Gewalt in der Familie, man hört es am Gang, man sieht es an den Kindern, bei Gericht lammfromm und alle halten zusammen, daß da nie was war, ja halt manchmal laut, aber lieb ...

    Mißbrauch muß bestraft werden, wenn er nachgewiesen ist. Umgekehrt darf nachgwiesener Mißbrauch nicht mit Milde beurteilt werden. Beispiele hat Dr. Unterberger zur katholischen Kirche genannt oder sonstigen Heimen der Stadt Wien, wo sowas nachgewiesen werden konnte, ein Beispiel für einen Vater, der seine Tochter mehrmals vergewaltigt und erpreßt hat, was nachgewiesen wurde, der hat dann 3 Wochen auf Bewährung bekommen, steuere ich bei.

    Interessant für mich ist, daß es Mißbrauch immer gegeben hat, seit es Menschen in 'Zivilisationen' gibt, außer bei den Naturvölkern, wo der Überlebenskampf nahe ist.

    • Konrad Loräntz
      20. Februar 2011 12:20

      Stimme in Vielem zu, aber dass es bei Naturvölker - was immer das jetzt genau wäre - keine Übergriffe gegeben hätte, halte ich für eine ähnlich schöne Geschichte, wie die friedfertigen matriarchalischen Gesellschaften, die es irgendwann irgendwo gab. Da steckt viel Rousseau drin und seine guten Wilden. Die Kannibalen in Neu-Guinea waren also schon hochzivilisiert.

    • Neppomuck (kein Partner)
      20. Februar 2011 14:26

      Frauen sind friedfertig, Her Loräntz.
      Und die Amazonen die Nebenflüsse des Amazonas.

    • Undine
      20. Februar 2011 16:16

      @Neppomuck

      Ah, da kann auch eine Undine wieder etwas dazulernen! Auf zu den Nebenflüssen (oder gar Quellflüsse?) des Amazonas! Das muß ja ein Dorado sein für Undinen. Und ich dachte bisher immer, Amazonen seien etwas männlich auftretende Frauen, auch Mannweiber genannt, bzw.aus der griech. Mythologie bekannte wehrhafte berittene junge Damen. :-)

    • Jeremias (kein Partner)
      21. Februar 2011 14:47

      Heißt das nicht, wahrhaft beritten?

  18. schreyvogel
    19. Februar 2011 12:54

    Herr Dr. Unterberger, Sie sprechen mir aus der Seele.

    Es wird viel zu wenig berücksichtigt, dass die Sexualität eine gewaltiger Trieb ist, der bei manchen Menschen schwerst pathologisch wird. Solche Menschen sind schwer krank und brauchen dringend Hilfe. Statt dessen erhalten sie langjährige Gefängsnisstrafen, ohne dass ihre Krankheit mildernd berücksichtigt wird.
    Zudem ist das öffentliche Bewusstsein kollektiv geprägt von Mitleid mit dem Opfer und unendlichem Abscheu vor dem Täter, der in manchen Ländern sogar nach Verbüßung seiner Haftstrafe noch jahrzehntelang ins Internet gestellt wird, sodass er nirgendwo mehr Ruhe findet.

    Überhaupt sollte die Auswahl von Sachverständigen nicht der Richter sondern ein Zufallsgenerator im Justizministerium o.ä. treffen. Wenn ein Sachverständiger weiß, dass eine Wiederbestellung nicht vom Richter abhängt, wird er auch weniger darauf bedacht sein, dass sein Gutachten dem Erwarten des Richters entspricht.

    • Josef Maierhofer
      19. Februar 2011 18:27

      Aber es ist aber auch oft umgekehrt, statt Gefängnis bekommen wirkliche Täter mittels psychiatrischem Gutachten oft einen Freibrief zum Weitertun.

      Das öffentliche 'Verurteilungswesen' ist aber auch oft gegen das Opfer und für die Täter ausgerichtet, nicht nur in diese Richtung.

      Wie von Dr. Unterberger richtig festgestellt, sehr heikel.

  19. Buntspecht
    19. Februar 2011 10:06

    Lieber Andreas Unterberger,
    von einem solchen Thema würde ich in diesem Blok die Finger lassen, es ist zu heikel um hier „besprochen“ zu werden und man sieht ja an den Reaktionen was passiert. Natürlich gibt es auch junge Menschen, die sich auf diese Weise ihrer Eltern „entledigen“, wie ich selber in meinem Ort erlebt habe. Aber was treibt ein Kind dazu, dies zu tun? Es kann nur ein Martyrium sein, wenn auch - wie erwiesen – in diesem Fall keine sexuelles, sondern ein religiös fanatisches!

  20. Rosi
    19. Februar 2011 09:52

    Tatsächlich ein sehr schwieriges Thema, und obwohl auch ich der Meinung bin, daß für Vergewaltigung keine Strafe zu streng sein kann, darf man doch andererseits sicher nicht zulassen, daß Unschuldige durch böswillige Beschuldigungen durch labile oder frustrierte Personen in Verruf kommen oder Schaden leiden.
    Das gilt ganz sicher auch im Zusammenhang mit den vielen Anschuldigungen gegen Kirchenvertreter. Da dabei in vielen Fällen für mich nicht nachvollziehbar schien, warum die angeblich Mißbrauchten so lange geschwiegen haben, selbst, als ihnen keine objektive Gefahr mehr drohte, wenn sie früher gesprochen hätten, ist mir der Großteil dieser Fälle sowieso suspekt, und auch ich glaube, daß sich da viele einfach 'dranhängten, um mit unsauberen Mitteln an leichtes Geld zu kommen.

  21. Celian
    19. Februar 2011 09:26

    Der Staat nimmt jedes Jahr viel Geld in die Hand um die eine Hälfte der Menschheit als Schwerverbrecher abzustempeln. Obwohl gehofft, daß die unselige Verliebt-verheiratet-verprügelt-Plakat-Kampagne ihr verdientes Ende genommen hat, wird sie doch immer wieder aufgewärmt, abwechselnd mit unzähligen Frauen-Hotline und „Schwanger was nun“ –Plakaten. Mit diesem Mist ist jedes Schulkind, das die öffentlichen Verkehrsmitteln benutzen muss, tagtäglich konfrontiert, es ist einer beständigen Hintergrundstrahlung ausgesetzt, die letztendlich ihre Früchte trägt. Ein Vater kann mit einem Wort aus der Familie verbannt werden, eine Familie kann ins Gefängnis wandern wenn ein kleines Mädchen das will, und die Medien nehmen willig den Ball auf und hetzen weiter. Wenn ein Außerirdischer jemals auf diesem Planeten landen sollte, würde er sich vor Männern hüten. Denn er müßte annehmen, daß es nur unter Aufbietung aller Kräfte gelingt, diese Monster in Schach zu halten.

  22. Observer
    19. Februar 2011 07:19

    Eine Schande für unseren Rechtsstaat, mehrere Personen wegen einer puberitären Phantasie eines jungen Mädchens so lange unschuldig in Untersuchungshaft zu halten. Ich lese regelmässig die Polizeiberichte aus Österreich über die täglich (!) erwischten Kriminellen (zu 95 % aus den ehem. Oststaaten), welche nach Abnahme des Diebguts vom diensthabenden Staatsanwalt Dr. "Freifuss" nur angezeigt werden. Lediglich wenn sich diese Personen schon früher einmal straffällig gemacht haben (und zur Verhandlung natürlich nicht erschienen sind), werden sie eingesperrt.
    Was die bedauerlichen Fälle von Kindesmissbsrauchs in kirchlichen Einrichtungen betrifft, so gibt es da auch eine "Grauzone". Manche ehemalige Zöglinge beschuldigen bereits verstorbene Personen solcher aber nicht mehr beweisbarer Untaten, um an etwas Geld von Entschädigungsfond heranzukommen. Im Zweifelsfall eben zu Gunsten des Opfers.

  23. Wertkonservativer
    19. Februar 2011 06:36

    Das ist ein für mich wirklich heikles Thema:

    Als stolzer Großvater einer erklecklichen Anzahl lieber Enkelkinder fühle ich mich - nach der in den letzten Jahrzehnten hochgekochten und in der breiten Öffentlichkeit inzwischen verinnerlichten Missbrauchs-Thematik - manchmal regelrecht misstrauisch betrachtet und sicher fehlinterpretiert, wenn ich da und dort meinem lieben Spatzen ein Busserl gebe oder auch nur über den Kopf streiche.
    Weit haben wir es gebracht!

    Die in diesem Zusammenhang an sich richtige und auch wichtige "Aufklärung" seitens Elternschaft und Schule führt nach meiner Erfahrung dann manchmal sogar zu gewissen Abwehrhaltungen eher sensibler Kinder, die in selbstverständlichen Liebesbeweisen naher Verwandter auch schon eine eventuelle "Gefährdung" erahnen.

    Ja, ich weiß: alles schon dagewesen!
    Aber bitte, bleiben wir "normal", und schütten wir das Kind nicht mit dem Bade aus!





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