In der Medienlandschaft wird China als Vorzeigeland für den Ausbau CO₂-armer Energieerzeugung gepriesen. So ist die Frage berechtigt, was der immerwährende Hinweis auf den Solarpaneelen-Ausbau soll; soll er uns animieren, China nachzueifern? Oder wird von den Journalisten schlicht nicht erkannt, dass das, was China macht, hierzulande nicht möglich ist: Wir haben keine Wüsten. Zugleich wird verschwiegen, dass China in noch größerem Maße Kohlekraftwerke errichten wird. Es wird auch nichts darüber berichtet, dass der Ausbau von Atomkraftwerken forciert wird. Der zusätzliche Ausstoß von CO₂ ist für China kein Thema, einzig wichtig ist das Ziel, Energie im Überschuss bereitzustellen, um seine Wirtschaft und die Bevölkerung mit preiswerter Energie zu versorgen.
In der Europäischen Union wird angestrebt, den Ausbau von grünem Strom zu forcieren. Darunter sollte man auch CO₂-armen Strom verstehen, der aus Atomkraftwerken stammt.
Fast in allen Artikeln über Energie wird der Bestand oder Zubau eines Energiesystems in MW oder GW angegeben. Diese Werte sind nicht geeignet die Menge des damit erzeugten Stroms zu demonstrieren, da sie die unterschiedlichen Kapazitätsfaktoren für verschiedene Systeme nicht berücksichtigen. Deshalb wird in den folgenden Betrachtungen der spezifische Verbrauch, oder der je Einwohner zur Verfügung gestellte herangezogen. Nur das lässt einen Ländervergleich zu.
China kommt beim Ausbau CO₂-armer Energie nicht so gut weg, wie in den Medien dargestellt.
Aus diesen Werten ist einiges ersichtlich.
- Von den untersuchten Staaten produziert China je Einwohner am wenigsten CO₂-armen Strom
- In der Stromproduktion aus Wind-, Wasser- und Kernenergie liegen die europäischen Staaten weit vor China.
- Nur im Ausbau von Solarkraft liegt China vor den betrachteten Staaten.
Doch wie stellt sich die Gesamtsituation der Stromproduktion dar Darüber gibt die nachfolgende Tabelle Aufschluss.
Diese Betrachtung zeigt, dass Österreich und Deutschland 20 Prozent weniger Strom als China seinen Einwohnern zur Verfügung stellt. Das ist beachtlich! Scheint aber unsere Wirtschaftsdirigenten nicht zu stören. Auch sind die beiden Vorzeigestaaten Finnland, wo über 80 Prozent der Bevölkerung Atomkraft begrüßen und Schweden, als Muster für Energiepolitik, den Medien und Politikern als solche nicht bekannt. Hierzulande wird nur von Energiekrise und sonstigen Krisen gejammert, anstelle einen Blick nach Norden zu werfen.
Wollte man in Österreich die Stromerzeugung zu 100 Prozent, wie in den beiden nordischen Ländern Schweden und Finnland, mit CO₂-armen Systemen generieren, so müsste entweder Wind- Solar- oder Atomkraft kräftig ausgebaut werden.
Das Dilemma ist, wie die Erfahrung zeigt, die geringe Stromerzeugung mittels Wind- oder Solarkraft in den Wintermonaten. Es ist daher keine Lösung, weitere Wind- oder Solarkraftwerke zu bauen. Und Atomkraft: die üblichen Argumente. Zu teuer, zu gefährlich, strahlt über Millionen Jahre und überhaupt gehört sie weltweit verboten, sind die wohlbekannten Argumente der Medienbranche und deren Hörige.
Eine weitere Option wäre, Wasserkraft weiter auszubauen. Fließwasser und Pumpspeicherwerke werden vorgeschlagen. Der Klimawandel wäre dabei in unseren Breiten zu berücksichtigen. Gletscher, die wesentlichen Wasserlieferanten, werden von Jahr zu Jahr kleiner und liefern daher auch geringere Mengen Wasser. Das spüren Laufkraftwerke, in Zukunft wohl auch Pumpspeicherkraftwerke. Mit anderen Worten, Wasserkraftwerke sind abhängig vom Klimawandel, der nicht aufgehalten werden kann, auch wenn versucht wird mit Milliardeninvestitionen diesen zu bekämpfen.
Auch die immer wieder in den Raum gestellte Lösung, Strom in Batterien zu speichern, ist eine sehr fragliche Option. Solche Speicher sind dienlich, um Stromschwankungen auszugleichen, doch die Größe der Anlagen, um Strom für Tage und Wochen zu speichern, wären immens. Die Kosten dafür lägen über allem Erdenkliche.
Also müssten Gaskraftwerke gebaut werden, die allerdings mit Wasserstoff oder Biogas betrieben werden müssten, um die Atmosphäre nicht mit CO₂ zu belasten. Und wie zu vernehmen ist, muss Biogas mit 150 Millionen Euro gefördert werden, um "wirtschaftlich" zu sein. Wasserstoff kann in Österreich nicht ausreichend produziert werden. Fehlende Mengen würden importiert werden. Ideen dazu sind in den Medien vorhanden. Über Anlagen im südlichen Amerika bis Afrika wird geträumt. Die dazu nötigen Verträge, Regularien, Infrastruktur in Übersee noch Inland existieren. Die Kosten dafür sind exorbitant, und diese Lösung ist daher undenkbar, jedoch nicht innerhalb der existierenden grünen Dunstglocke, der jedes technische und wirtschaftliche Denken abhandengekommen ist (falls es jemals vorhanden war).
Schweden will Wasserstoff selbst produzieren, jedoch nicht um diesen in Gaskraftwerke einzusetzen. Für die Produktion dafür wird an Solar-Katalysatoren gedacht, mit denen man Wasserstoff für 2 bis 3 Euro/kg gewinnen könnte, ein Wert der wesentlich unter den aktuellen Kosten herkömmlicher Elektrolyse (meist 4–7 €/kg H2) liegen würde.
In den beiden nordischen Ländern ist Wind-, Wasser- und Kernenergie weitgehend für die Produktion von CO₂-armen Strom verantwortlich. Das hindert Schweden jedoch nicht zusätzliche Atomkraftanlagen zu errichten.
In Schweden ist letzten August ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Investitionen in neue Atomkraftwerke mit staatlicher Unterstützung fördert. Das Fördermodell umfasst bis zu 5.000 Megawatt – das entspricht etwa vier großen Reaktoren.
"Neue Atomkraftwerke sollen dabei helfen, eine stabile Grundlast zu sichern, insbesondere in einem Stromsystem mit wachsendem Anteil wetterabhängiger Energiequellen wie Wind und Sonne": Diese Initiative wird auch von der Industrie begrüßt als wichtige Maßnahme, um langfristig wettbewerbsfähige Strompreise und Versorgungssicherheit für die energieintensive Industrie zu gewährleisten.
Zusammengefasst kann festgestellt werden:
- Dass Länder mit einer ausgewogenen Stromproduktion dem Konsumenten auch genügend günstigen Strom zur Verfügung stellen
- dass die beiden hoch industrialisierten Länder Österreich oder Deutschland die geringsten KWh je Einwohner verzeichnen
- dass diese Länder u.a. mit ähnlicher Energiepolitik die höchsten Stromkosten haben
- dass der österreichische Weg hohe Stromkosten verursacht, die infolge des Ausbaus der nötigen Infrastruktur weiterhin steigen werden
- dass eine Abwanderung der Industrie damit vorgegeben ist und damit eine Reduktion des Wohlstandes der Bevölkerung.
Der schwedische Weg würde sich für Österreich eignen. Um ihn zu beschreiten, wäre ein Sinneswandel nötig. Vorläufig ist ein solcher nicht zu erkennen.
Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.








