100 Jahre Trianon – Das zerbrochene Schweigen

Lesezeit: 10:30

Vor 100 Jahren trat der Friedensvertrag von Trianon in Kraft: Ungarn verlor dadurch drei Fünftel seines Staatsgebietes und mehr als 60 Prozent seiner Bevölkerung: "Das Diktat war ein Todesurteil. Es gibt keine Nation, die einen solchen Blutzoll überlebt hat." (Ministerpräsident Orbán) Selbst linke Leitmedien stimmen dieser Aussage zu: "Die Siegermächte zerstückelten das ungarische Königreich regelrecht, kein anderes Land wurde territorial und demografisch derart hart bestraft: …Fast jede ungarische Familie wurde damals zerrissen." (Spiegel)

Und das, obwohl der ungarische Ministerpräsident Tisza gegen den Krieg gewesen war. Das jetzt in Budapest errichtete Trianon-"Denkmal der nationalen Zusammengehörigkeit" erinnert an Holocaust-Gedenkstätten: "Eine 100 Meter lange Steinrampe, vorbei an den Namen aller Ortschaften des einstigen Königreichs Ungarn, führt zum ewigen Feuer herunter, das ein mächtiger Quader umgibt. Tiefe Risse stehen für die Staaten, die seit 1920 auf dem Gebiet entstanden sind." (NZZ)

Linke Politeliten verhöhnen aber das ungarische Volk abschätzig mit "ungarischer Reichsnostalgie" (Spiegel): "Während überall anderswo die politische Neuordnung des Kontinents nur noch Gegenstand akademischer Diskussionen ist." (Spiegel) – Dahinter versteckt sich ost-rassistischer Anti-Magyarismus.

Heute leben in den Trianon-Nachfolgestaaten ca. 2,4 Millionen Ungarn,[1] bei einer Gesamtbevölkerung Ungarns von ca. 9,8 Millionen entspricht das einem Fünftel. Man stelle sich vor: In den Nachkriegs-Nachbarstaaten (von Österreich mit 9 Millionen Einwohner und Deutschland mit 83 Millionen) würden noch 18 Millionen Deutschsprachige leben…

Für beide Länder ist der Pariser Diktatfriede eben nur mehr tote Geschichte.

1921 wurde das Burgenland nachträglich wieder Österreich zugeschlagen. Der Verlust Ödenburgs /Soprons wird heute noch beklagt: "Das Burgenland verlor damit seine Hauptstadt, Österreich einen Verkehrsknotenpunkt und Wien seinen ‚Gemüsegarten‘. Nach dem Verlust Südtirols … war dies nun der vorerst letzte Tiefschlag." (Die Presse – 2011)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in allen Nachfolgestaaten des Diktatfriedens zu ethnischen Säuberungen an den Deutschen (in Polen, der Tschechoslowakei, Rumänien, Ungarn). Nach der Wende 1989 verließen auch die Siebenbürger Sachsen in Rumänen ihre Heimat. Auch Südtirol (mit einer österreichischen Minderheit von rund. 314.600) ist damit nicht wirklich vergleichbar: 1960 brachte der österreichische Außenminister Kreisky die Südtirol-Frage vor die UNO. Seither hat sich das Land ein starkes Autonomierecht erkämpft.

Der ungarischen Minderheit in den Trianon-Nachfolgestaaten wurde bisher das Selbstbestimmungsrecht verwehrt, und zwar in doppelter Weise: von den nationalen Regierungen und von der EU, die dieses Unrecht ignoriert.

1) Slowakei

Die Regierung Mečiar (1993-98) ließ zweisprachig-ungarische Ortstafeln abschaffen, ungarische Vornamen wurden im Geburtsregister slowakisiert. 1996 war Slowakisch selbst bei einem dienstlichen Gespräch zwischen zwei Ungarn Pflicht. Als ich einmal in Bratislava mit einem Supermarkt-Kassier Ungarisch sprach, wurden wir deswegen von Slowaken rassistisch beschimpft. Der Kassier setzte dann das Gespräch nur mehr auf Slowakisch fort. (In Ungarn waren deutsche- oder slowakische Ortstafeln hingegen immer eine Selbstverständlichkeit.)

1996 sank durch ein neue Verwaltungsgliederung (in Nord-Süd-Richtung) der Anteil der ungarischen Minderheit überall unter 30%. 2009 wurde (unter dem sozialistischen Regierungschef Fico) der Gebrauch der ungarischen Sprache in offiziellen Einrichtungen außerhalb der "Ungarn-Gebiete" (Mindestanteil 20%) unter Strafe gestellt (100 – 5000 Euro).

Schließlich wurde sogar dem damaligen ungarischen Staatspräsidenten Sólyom die Einreise verweigert: Er wollte (am 21. August 2009, dem slowakischen Feiertag zur "Niederschlagung des Prager Frühlings") als Privatmann an der Einweihung einer Statue des ungarischen Königs Stephan (in der – durch Trianon – geteilten Stadt Komarom/Komarno) teilnehmen. Der damalige EU-Parlamentspräsident Buzek "wollte sich nicht in den Konflikt einmischen" (Deutsche Welle)

2) Ukraine

In der Ukraine dürfen seit 2017 nationale Minderheitensprachen nur noch in der Grundschule unterrichtet werden. Die einzige Unterrichts- und Offizialsprache (seit 2019) ist Ukrainisch. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen.

2018 bedrohte eine "Todesliste" (der Nationalistengruppe Mirotvorec/"Friedensmacher") 300 ungarisch-ukrainische Funktionäre, weil sie angeblich im Besitze der ungarischen Doppel-Staatsbürgerschaft waren (Die Welt). Eine Internet-Petition (des ukrainischen Parlaments) rief zu deren Deportation auf. Auch der staatliche Aufkauf leerstehender ungarischer Wohnungen wurde diskutiert: Um "dort ukrainische Vertriebene aus dem russisch besetzten Osten des Landes anzusiedeln" (Die Welt, ebda). Während der Krim-Krise wurden v.a. ungarisch-stämmige Soldaten an die Front versetzt.

3) Rumänien

In der geografischen Mitte Rumäniens leben 700.000 Ungarn-Szekler. Selbst Ceausescu konnte deren Freiheitswillen nicht brechen. 2013 wollte die rumänische Regierung die historischen Ungarn-Szekler-Bezirke auflösen. Aus Protest dagegen forderten 100.000 Szekler mit einer 53 Kilometer langen Menschenkette territoriale Autonomie.

1990 gab es (kurz nach der 89er-Wende) pogromartige Ausschreitungen in der Stadt Targu Mures/Marosvásárhely, "offenbar provoziert durch Stasi-Akteure." (Die Welt) Danach verließen 15.000 Ungarn die Region (ein Rückgang von 10 Prozent); die verbliebenen wurden zu einer Minderheit (1992: 51,6 Prozent, bis 2002: 49,0 Prozent).

Trotz Verbesserungen seither (ungarisch-sprachige Bildungseinrichtungen) sind aber 90 Prozent der Exekutivorgane weiterhin mit Rumänen besetzt (bei mehr als 70 Prozent ungarischer Bevölkerung). (Die Welt)

Wer für diese Minderheitenrechte eintritt, wird als heilloser Nationalist diskreditiert: "Orbán spielt mit diesem historischen Schlüsselereignis. Auf seine Initiative hin erklärte das Parlament bereits 2010 den 4. Juni zum ,Tag des nationalen Zusammenhalts‘." (Spiegel, ebda)

Allerdings steht selbst die linke Opposition hinter Orban: "Vor 100 Jahren läuteten die Glocken, und das Land trauerte um die Entscheidung von Trianon." (Karacsony, index.hu). Der links-grüne Budapester Oberbürgermeisters Karacsony ließ sogar am 4. Juni um 16:30 Uhr den Verkehr für eine Minute lang anhalten: "Um die Zukunft nicht aufzugeben, wenn wir uns der Vergangenheit stellen, müssen wir eine Minute lang ein gemeinsames Gedächtnis haben." (Karacsony, ebda)

Bisher allerdings war Karacsony noch als grüne Lichtgestalt gefeiert worden: "Die liberalen Oberbürgermeister von Budapest, Warschau, Prag und Bratislava haben in der ungarischen Hauptstadt die … Gründung des Verbandes ‚Freie Städte‘ unterzeichnet – als Pakt gegen ihre konservativen … Regierungen." (Die Presse)

Mit Trianon wurde "eine Entscheidung getroffen, die offensichtlich Unrecht war und die Selbstbestimmung der Nationen in den Schlamm schüttete." (index.hu, Karacsony, ebda) Verschwiegen wird eine doppelte versöhnliche Geste Orbans: Öffentlich lobte er Karacsony dafür; und er reichte der (zum Festakt erschienen) Opposition die Hand.

Die verlogene Heuchelei der ungarischen Linken mit Trianon zeigt sich am Referendum über die Doppelstaatsbürgerschaft 2004 (für 3,5 Millionen Auslandsungarn). Diese lehnten die Sozialisten (unter ihrem "Lügenpremierminister" Gyurcsany) vehement ab: und zwar aus Angst vor mindestens 800.000 ungarischen Immigranten. Der sozialistische Regierungschef lobte das Scheitern des Referendums[2] als: "freudvollen" Entscheid und "verantwortungsvollen Patriotismus".

Die 100-Jahr-Trianon-Gedenkfeier boykottierte er dann als Oppositionsführer mit dem absurden Argument, dass diese die Nation spalten würde und weil keine parteipolitischen Reden zugelassen waren (dies galt auch für Orban). ORF-Mann Lendvai lobte Gyurcsany noch: "der begabteste, schlagkräftigste und dynamischste Politiker der ungarischen Linken". 2006 stürzte jener Ungarn dann durch seine "Lügenrede" ins Chaos. Friedliche Demonstrationen wurden von der westlichen Mainstreampresse verleumdet (Ungarn: Wo Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist." bpb)

Erst 2010, unter der Orban-Regierung, stimmten 97,7 Prozent der Abgeordneten für die Doppelstaatsbürgerschaft. Die slowakische Regierung drohte damals mit der Aberkennung der slowakischen Staatsbürgerschaft.

Während die Black-Life-Maters-Bewegung enthusiastisch gefeiert wird, lautete der Tenor zum "Sprachenstreit" unterschwellig negativ: "Ungarn schwingt EU-Keule(!) gegen Ukraine" (Deutsche Welle). Es wird sogar Verständnis für die Ukraine gezeigt: "Das neue ukrainische Bildungsgesetz soll die Rolle der Amtssprache stärken(!) ... Vor allem Ungarn poltert(!)" Die berechtigten diplomatischen Proteste wurden verniedlicht: "Ärger mit den Nachbarn"(ebda). Selbst der Europarat ermahnte die Ukraine.

Der Grund für diese links-mediale Verachtung: Weil Orban gerade auch wegen seiner Trianon-Kritik (zum dritten Male) eine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament errungen hat: "Auslandsungarn sind ein Teil der Machtbasis des autoritären(!) Ministerpräsidenten." (Deutsche Welle). Denn erst durch die Doppelstaatsbürgerschaft wird das Trianon-Unrecht evident: "Kiews Ungeschick(!) im Umgang mit den Minderheiten ist für den Nationalisten(!) Orban nun eine weitere Gelegenheit, seine Fürsorge(!) für die Auslandsungarn zur Schau(!) zu stellen." (Deutsche Welle) Mittlerweile liegt das umstrittene Gesetz bei der Venedig-Kommission des Europarates zur Prüfung vor.

Mit dieser konsequenten Außenpolitik "gefährdet" Orban aber freilich die offizielle Nachkriegs-Siegergeschichtsschreibung, die Zerstörung des alten Mitteleuropas: "Wir alle, trotz aller politischer Unterschiede, gehören derselben ungarischen Nation an." (Orban) In einer Grußbotschaft zitierten Auslandsungarn jede Zeile des Nationalhymnus.

Der englische Guardian reagierte fassungslos: "Orban tankt ungarischen Nationalismus mit Trianon auf." Und zwar deshalb, weil die Regierung Orban "ungarische Pässe verteilt hat ... Die überwiegende Mehrheit hat Stimmen für Orbáns Fidesz-Partei abgegeben." (Guardian)

Der Casus belli lautet: Nationale Identität. Dass "Orbán diese Gefühle genutzt hat, um Ungarn als wiederauflebende(!) Nation(!) zu zeigen." (Guardian). Denn dadurch steckt die links-globalistische One-world-Ideologie in der Krise: "Das Trianon-Trauma ist in Ungarn im gesamten politischen Spektrum zu spüren." (Guardian) So "läuteten" zum Gedenktag nicht nur "in ganz Budapest Kirchenglocken" (Guardian), sondern im gesamten Karpatenbecken. Nur eine linke ungarische Splitterpartei, die DK (4,37 Prozent), verhöhnte das Problem: "Die Trauer um Trianon … lähmt und verbraucht auch die moralische und politische Macht des Heimatlandes." (Guardian)

Der verschwiegene, weil diskreditierte Name dieses DK-Vorsitzenden lautet: Gyurcsany Ferenc. 2006 hatte dieser "Lügenpremier" in einer parteiinternen Rede unumwunden zugegeben, "die Menschen vor seiner Wiederwahl belogen zu haben." (Spiegel) "Wir haben morgens und abends gelogen… Und in der Zwischenzeit haben wir vier Jahre lang sowieso nichts gemacht. Nichts." Als Draufgabe beschimpfte Gyurcsany Ungarn noch als "Drecksnutten-Land" (kurva ország), weil "wir es verfickt haben" (elkúrtuk). Und gab auch noch Einblick in die Geheimnisse sozialistischen Vulgär-Regierens: "Was wäre, wenn wir nicht … miteinander ficken, sondern … große soziale Angelegenheiten erledigen würden."

Damit stürzte er Ungarn in die größte Krise seit 1956: Dass er mit brutalsten Polizeistaatsmethoden friedliche Demonstranten niederprügeln hat lassen, tolerierte die EU stillschweigend. Die 50-Jahrfeier zum Ungarnaufstand 1956 musste von starken Polizeikräften abgeschirmt werden: "Die Staatsgäste (EU-Kommissionspräsident Barrosso und europäische Staatschefs) soll(t)en ungestört bleiben." (Spiegel)

Doch bleibt Geschichte unerbittlich mit ihrer Frage nach der historischen Wahrheit: "Vor 100 Jahren haben manche richtig gesagt: Wir werden bei der Bestattung derjenigen dabei sein, die uns zu Grabe tragen wollten." (Orban) "Heute gibt es keine Tschechoslowakei, kein Jugoslawien und keine Sowjetunion, kein britisches, kein französisches Reich mehr. Und was von ihnen übriggeblieben ist, dreht sich jetzt in der multikulturellen Umklammerung ihrer rachsüchtigen Kolonien."

"Die 100 Jahre Einsamkeit von Ungarn sind vorbei." (Orban) Dieses Bild stammt aus dem gleichnamigen Roman (1967) des Literaturnobelpreisträger Garcia Marquez. Viele seiner Gedanken treffen auf das Trianon-Ungarn zu…

  • Mittlerweile geht Ungarn "Bündnisse mit Serbien, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Polen ein" (varosi kurir). Anlässlich der 100-Jahr-Feier "begrüßte" der slowakische Präsident Matovič 100 Persönlichkeiten der magyarischen Minderheit zu einem Festakt, "auf Ungarisch und drückte sein Verständnis aus" (Ungarn Heute).
    Und Orban nahm "die Bereitschaft meines slowakischen Kollegen an, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine Zukunft aufzubauen." (Orban)
  • Marquez: "Das Leben ist nichts weiter als eine Aufeinanderfolge von Möglichkeiten, um zu überleben."
    "Ein wahrer Freund ist der, der Deine Hand nimmt, aber Dein Herz berührt."

  • Denn die Pariser-Friedensdiktate verfolgten nur einen Zweck: "Der Westen hat die 1000 Jahre alten Grenzen und die Geschichte Mitteleuropas vergewaltigt…" (Orban)
  • Marquez: "Das Leben besteht nicht einfach darin, dass man einmal lebte, sondern, dass man sich daran erinnert, und wie man sich daran erinnert, um davon zu erzählen."

  • Orban: "Wir haben uns gegen die Angriffe der westlichen Reiche verteidigt, uns von den Verwüstungen der Heiden aus dem Osten erholt… Ungarn war 400 Jahre lang ein starker und unabhängiger Staat. Dann kämpften wir 300 Jahre lang gegen das Osmanische Reich…"
  • Marquez: "Gott bürdet jedem nur so viel auf, wie er auch ertragen kann. - Egal, was auch passiert, niemand kann dir die Tänze nehmen, die du schon getanzt hast.
    Pass gut auf dein Herz auf. Du stirbst innerlich an gebrochenem Herzen."
  • Doch vor dieser Wahrheit fürchtet sich die globalistische Linke am meisten…: "Wir Ungarn freuen uns (auf) die gemeinsame Zukunft mit der Slowakei, Serbien, Kroatien und Slowenien, die stolz auf ihre nationale Identität sind. Die Geschichte hat den Völkern Mitteleuropas eine letzte Chance gegeben, eine neue Ära einzuleiten. Um uns gegen die Gefahren aus Ost und West zu verteidigen. Wir danken unseren getrennten nationalen Gemeinschaften für die jahrzehntelange Loyalität gegenüber ihrem Heimatland." (Orban)

  • Marquez: "Die Menschen werden nicht an dem Tag geboren, an dem ihre Mutter sie zur Welt bringt, sondern dann, wenn das Leben sie zwingt, sich selbst zur Welt zu bringen.
    Das Geheimnis eines schönen Alters ist der würdige Umgang mit der Einsamkeit." (Marquez)  "Keine Person verdient deine Tränen, und die, die sie verdienen, werden dich nie zum Weinen bringen."


  • Orban: "Wir blieben, weil wir zu Hause sind. Und weil wir zu Hause sind, blieben wir."
  • Marquez: "Wir haben keine andere Welt, in die wir auswandern können."

  • Orban: "Wir müssen mit dem Selbstvertrauen und der Haltung einer Nation leben, die weiß, dass sie der Welt mehr gegeben, als sie zurückerhalten hat."
  • Marquez: "Nichts in der Welt ist schwieriger als die Liebe."

  • Orban: "Wir Ungarn sind weder verschwunden noch umgekommen… Wir … hörten das Wort Gottes, beachteten es… Um irgendwie Gott näher zu kommen, der ewig ist" (Orban)
  • Marquez: "Hab keine Angst. Gott wartet schon an der Türe auf dich.
    Ich glaube nicht an Gott, aber ich habe Angst vor ihm."

Damit aber schloss Orban, der Berufspolitiker, aus der Welt der Macht an die des Geistes, der Literatur, an. Wahrscheinlich aber hat dieses Mal Garcia Marquez nicht recht behalten: "Das Einzige, was du auf der Welt verändern kannst, ist die Lage deines Kopfkissens." Vielmehr Friedrich Hölderlin: "Was bleibt stiften die Dichter." Allermeistens aber große Politiker…

PS: Dieser Artikel stammt aus dem Buch" ‚Freiheit, Liebe’ (Petöfi) – Ungarns Kampf für die Wahrheit – Plädoyer für eine verleumdete Nation". Es wird im Herbst im Gerhard-Hess-Verlag erscheinen.

[1] in Rumänien: mindestens. 1,2 Mio, Slowakei: 460.000, Serbien 250.000, Ukraine bis zu 200.000, Österreich 16.500, Kroatien 16.500, Slowenien 6.000

[2] wegen zu geringer Beteiligung von 19% - allerdings mit knapper Pro-Mehrheit ausgegangen

Dr. Elmar Forster ist Lehrer und lebt(e) seit 1992 als Auslandsösterreicher in Ungarn, Prag, Bratislava, Polen, Siebenbürgen (Rumänien). Seit 2009 unterrichtet er auch wieder an österreichischen Schulen.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWolfram Schrems
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Juli 2020 09:54

    Danke für diese hochinteressante Zusammenstellung von Ereignissen, Fakten, Zahlen und Deutungen. Die Reden von Viktor Orbán werden bekanntlich kaum halbwegs getreu im Westen wiedergegeben. Dabei würde es sich lohnen, diesem Staatsmann genau zuzuhören.

    Ich gestatte mir zur Aufteilung Ungarns nach Trianon eine kleine Relativierung:
    Das Königreich Kroatien-Slawonien (also ungefähr das, was heute Kroatien ohne den Großteil von Dalmatien ausmacht) war streng genommen nicht Teil Ungarns, sondern ab 1102 lediglich in einer Personalunion mit Ungarn verbunden. Das wird auch in den vielen geographischen Karten dargestellt, die seit der Wende 1989/90 in großer Zahl in Ungarn aufgetaucht sind: Zwischen Ungarn und Kroatien ist eine strichlierte Linie gezogen.

    Auch die Nationalisten wissen also, daß Kroatien einen Sonderstatus hatte. Sonst hätte es 1868 auch keinen Ausgleich zwischen Budapest und Agram gegeben. Ban Josip Jellacic wandte sich bekanntlich gegen die ungarische Bevormundung und Magyarisierung nach 1848 und heute noch zeigt sein Säbel am Agramer Hauptplatz gen Budapest (so hieß es zumindest).

    Auch auf die Gefahr hin, mit meinen Wiederholungen den Lesern auf die Nerven zu gehen: Es war eine sehr schlechte Idee, 1848 eine Revolution gegen Habsburg zu machen und gleichzeitig den eigenen Minderheiten Rechte wegzunehmen. Wenn Ungarn sich nicht vom Erbe dieser Revolution distanziert und Herrn Kossuth kritischer sieht, wird es mit den Nachbarn kaum einen tiefgehenden Frieden geben.

    Natürlich folgt daraus nicht, daß z. B. die Slowakei und Rumänien und neuerdings die westlich orientierte Putschregierung in Kiew die ungarischen Minderheiten unterdrücken dürften. Auch denen wird man raten können, ein entspanntes Verhältnis aufzubauen und großzügige Lokalautonomie zu gewähren. Zumal die heutige Slowakei und Siebenbürgen eben 1000 Jahre zur Stephanskrone gehörten.

    Einen kleinen, heutzutage typischen Fehler bzgl. Südtirol darf ich auch ansprechen: Es gibt dort keine "österreichische" Minderheit. Das wird auch durch die Selbstaussagen von Südtirolern immer wieder bestätigt. Es gibt dort eine deutsche Minderheit (bzw. auf die Landesgrenzen bezogen, eine Mehrheit).

  2. Ausgezeichneter KommentatorHenoch 1
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Juli 2020 11:59

    Linke Politeliten verhöhnen alles was nicht in ihr gebasteltes Weltbild passt. Die Reden von Orban, den ich sehr schätze, sind in der ungar. Botschaft oder Konsulat in München zu lesen ! Empfehlenswert..... er gestaltet die allerbeste Familienpolitik, da könnten sich alle ein Scherzerl abschneiden, anstatt diese islamischen Bereicherungen ins Land zu bringen.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Juli 2020 12:39

    Die Trianon Verträge waren ähnlich ungerecht, ein Diktat der Sieger, wie die anderen Pariser-Vorort-"Friedensverträge". Wenn man hier von Unrecht sprechen darf, waren die Trianon "Verträge" deutlich ungerechter, als die anderen Sieger Diktate.
    Das Problem ist die Mentalität des Ungarns als solche. Das Selbstverständnis oszilliert zwischen uri ember, und Opfer. Jeder Becsi Magyar ist überzeugt, dass er einen Wiener überlegen ist. Auch vor 1989 war er überzeugt, dass Budapest die schönere Stadt als Wien ist. Ein Ungar kommt zwar als zweiter in die Drehtür, kommt aber als erster raus.
    Die Verdienste Ungarns, im Kampf gegen das Osmanische Reich, können nicht hoch genug geschätzt werden. Bei Mohacs hat das Königreich Ungarn, eine schreckliche Niederlage gegen die Türken erlitten, trotzdem leistete Ungarn weiter Widerstand gegen die Osmanen.
    Die zwangsweise Magyarisierung der Gebiete die nach 1866 zum Königreich Ungarn gehört haben, war der Versuch Grossungarn, Hungaria, zu etablieren.
    Die unterdrückten Völker, haben es als Unrecht empfunden, und im Trianon mit Unterstützung Frankreichs und Wilsons, die Rechnung präsentiert.
    Ein Kapitel aus der Geschichte Ungarns nach Trianon, sollte nicht unerwähnt bleiben. Der Verrat des Reichsverwesehrs, Admiral Miklos Horty an Kaiser Karl und seine Auslieferung an die Engländer. Das Exil in Madeira war schmerzlich und kurz.
    Hoch anzurechnen ist Viktor Orban als Repräsentanten des ungarischen Staates seine Haltung gegenüber der Unrechts Organisation, EU. Der Widerstand gegen die Bevormundung ist nur aus der ungarischen Geschichte verständlich. Petöfi, Kossuth, Nagy, Maleter.
    Ungarherz muss vieles leiden
    Steht im Hintergrund bescheiden
    Zupft sich kleines Lied auf Zither
    Extra hungariam non est vita !

  4. Ausgezeichneter KommentatorTagebuchleser
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juli 2020 12:10

    Sehr geehrter Herr Forster,

    als jahrzehntelanger Freund Ungarns, der aber diese schwierige Sprache nicht spricht, haben mich ihre Worte und ihr historischer Aufriss rund um Trianon sehr berührt(!)

    Ich danke ihnen dafür
    1000 Dank!

    Es lebe Ungarn, auch in Zeiten der allgemeinen Dystopie.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorTagebuchleser
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juli 2020 12:10

    Sehr geehrter Herr Forster,

    als jahrzehntelanger Freund Ungarns, der aber diese schwierige Sprache nicht spricht, haben mich ihre Worte und ihr historischer Aufriss rund um Trianon sehr berührt(!)

    Ich danke ihnen dafür
    1000 Dank!

    Es lebe Ungarn, auch in Zeiten der allgemeinen Dystopie.


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  1. Christian R. (kein Partner)
    28. Juli 2020 18:06

    Nur eine kleine historische Anmerkung. Dass Tisza gegen den Krieg gewesen sei, ist in Anbetracht der Standardliteratur (Rauchensteiner, Höbelt, etc.) kaum aufrechtzuerhalten. Tisza hatte wohl größere Reserven als die anderen Entscheidungsträger (Franz Joseph, Conrad, Stürkh und Berchtold), aber doch bereitwillig zugestimmt, als garantiert wurde, dass im Banat größere militärische Verbände bereitgestellt werden, die einen serbischen Einbruch verhindern würden. Ohne die Einwilligung Tiszas wäre eine Kriegserklärung unterblieben.

  2. Tagebuchleser (kein Partner)
    09. Juli 2020 12:10

    Sehr geehrter Herr Forster,

    als jahrzehntelanger Freund Ungarns, der aber diese schwierige Sprache nicht spricht, haben mich ihre Worte und ihr historischer Aufriss rund um Trianon sehr berührt(!)

    Ich danke ihnen dafür
    1000 Dank!

    Es lebe Ungarn, auch in Zeiten der allgemeinen Dystopie.

  3. Torres (kein Partner)
    07. Juli 2020 21:02

    Während man - etwa in Deutschland - plant, die "Rasse"aus dem Grundgesetz zu streichen, schafft der Herr Forster eine neue Rasse: die Ungarn. Zuerst vermutet er "ost-rassistischen Anti-Magyarismus", dann legt er noch einen drauf und behauptet "von Slowaken rassistisch beschimpft" worden zu sein. Die Magyaren als eigene Rasse zu bezeichnen, ist nicht einmal Hitler eingefallen; diese Kategorisierung blieb Herrn Forster vorbehalten, wobei ich ja sehr daran zweifle, dass die Ungarn selbst sehr begeistert sind, als "Rasse" bezeichnet zu werden. Da verwundert kaum, dass er nicht erwähnt, dass es in Rumänien eine Ungarn-Partei gibt (UDMR), die seit 2004 sogar in der Regierung sitzt.

    • andreas.sarkis (kein Partner)
      07. Juli 2020 23:18

      Kommt immer darauf an, wie man den Begriff Rasse auslegt.
      Die Magyaren waren aus Asien eingewandert, sind entfernt mit den Turk-Völkern verwandt. Diese Volksgruppe kann man schon als Rasse definieren, so wie z.b. die slawischen Baiuwaren, die ja auch keine Germanen sind.
      Die Ungarn-Partei wird wohl kaum aus Nicht-Ungarn bestehen.
      Viel ärger ist es, wenn man jeden Dunkelhäutigen gleich der "Negerrasse" zuordnet.
      Eine solche gibt es nicht, sondern in Afrika lebt eine Anzahl unterschiedlicher Volksgruppen (ergo Rassen), die nicht oder kaum miteinander verwandt sind.
      "Mohr" kommt von den (hellhäutigen) Mauren, die bis nach Spanien erobert hatten.

    • Forster
      13. Juli 2020 20:39

      Na Gott-sei-Dank kann mit der Faschsimus-Gummi-Keule alles zurecht gebeugt werden im Sinne eine pc-totalitaristischen Denkens...

  4. andreas.sarkis (kein Partner)
    07. Juli 2020 20:54

    Eigenartig wirkt es schon, wenn im Artikel auf ultralinke Medien wie Guardian und Spiegel Bezug genommen wird. Absicht?

    • Forster
      13. Juli 2020 20:40

      Ich analysiere täglich zwischen 10-20 Zeitungen. Erst durch den Vergleich lässt sich eine kulturkritische Analyse erstellen...

  5. Forster
    06. Juli 2020 13:09

    Eine offizielle Distanzierung der Ungarn von ihrem National-Helden Kossuth käme einer Schuldkomplex-Bilderstürmerei gleich, die derzeit die USA und die Länder der westlichen EU überrollt…
    Genauso gut müssten sich dann etwa die Tschechen vom Staatsgründer der Tschechoslowakei, Masaryk, distanzieren. Dieser war engster Mitarbeiter von Edvard Beneš in der tschechischen Exilregierung, wo sie die anti-habsburgische Widerstandsbewegung „Maffia“ gegründet hatten. 1945 erließ er die berüchtigten Beneš-Dekrete. Diese sind heute noch gültiges Recht. Sie führten zu einem der grausamsten ethnischen Säuberungsaktionen gegenüber Deutschen und Ungarn. 1916 veröffentlichte Beneš im Pariser Exil den Aufruf „Détruisez l'Autriche-Hongrie“.
    In Wirklichkeit ging es in Trianon bei der Zerschlagung Ungarns um eine Zerschlagung jahrhundertelang gewachsener Strukturen Mitteleuropas.
    Im November 1918 annektierten rumänische Streitkräfte Gebiete des ehemaligen k.u.k-Ungarns. In Siebenbürgen (ungarisch Erdély, rumänisch Transilvania) (seit Ende des 9. Jahrhunderts im Besitz der ungarischen Krone) inklusive angrenzenden Gebieten lebten 5,275 Millionen Einwohner auf einem 103.000 km² großen Territorium. 1,66 Millionen davon waren ethnische Ungarn (ca. 31%), 2,9 Millionen Rumänen (etwa 40%), der Rest (29%) Siebenbürger Sachsen (zu denen auch der rumänische Staatspräsident Johannis gehört) sowie andere Nationalitäten. Trotzdem wurde das Gebiet Rumänien zugeschlagen.
    Die Pariser Vororte-Verträge widersprachen eminent US-Präsident-Wilsons Vorstellung vom Selbstbestimmungsrecht der Völker und wurden deshalb auch nie vom US-Kongress anerkannt.
    Gerade die überwiegend von ethnischen Ungarn bewohnten Gebiete nördlich der Donau hätten demnach nie der Tschechoslowakei zugesprochen werden dürfen. In Wirklichkeit ging es dabei nur um den Zugang zum Wasserweg der Donau.
    1910 lebten in Bratislava (dt. Pressburg, ungar. Poszony, slowak. Prešporok) knapp 42% Deutsche, 40% Ungarn und nur 15 % Slowaken.
    Mit der Distanzierung von Kossuth gäben die Ungarn auch einen großen Teil ihrer historischen Identität auf: Ihr Nationalfeiertag am 15. März bezieht sich auf die niedergeschlagene 1848er-Revolution. Ohne Kossuth wäre auch Ungarns Nationaldichter Petöfi undenkbar. Die Exekution von ungarischen 48er-Generälen („Blutzeugen“ von Arad) bildet heute noch ein nationales Traum: Weil die Habsburger-Henker darauf mit Bier anstießen, wird diese Tischsitte in Ungarn immer noch abgelehnt…

  6. pressburger
    06. Juli 2020 12:39

    Die Trianon Verträge waren ähnlich ungerecht, ein Diktat der Sieger, wie die anderen Pariser-Vorort-"Friedensverträge". Wenn man hier von Unrecht sprechen darf, waren die Trianon "Verträge" deutlich ungerechter, als die anderen Sieger Diktate.
    Das Problem ist die Mentalität des Ungarns als solche. Das Selbstverständnis oszilliert zwischen uri ember, und Opfer. Jeder Becsi Magyar ist überzeugt, dass er einen Wiener überlegen ist. Auch vor 1989 war er überzeugt, dass Budapest die schönere Stadt als Wien ist. Ein Ungar kommt zwar als zweiter in die Drehtür, kommt aber als erster raus.
    Die Verdienste Ungarns, im Kampf gegen das Osmanische Reich, können nicht hoch genug geschätzt werden. Bei Mohacs hat das Königreich Ungarn, eine schreckliche Niederlage gegen die Türken erlitten, trotzdem leistete Ungarn weiter Widerstand gegen die Osmanen.
    Die zwangsweise Magyarisierung der Gebiete die nach 1866 zum Königreich Ungarn gehört haben, war der Versuch Grossungarn, Hungaria, zu etablieren.
    Die unterdrückten Völker, haben es als Unrecht empfunden, und im Trianon mit Unterstützung Frankreichs und Wilsons, die Rechnung präsentiert.
    Ein Kapitel aus der Geschichte Ungarns nach Trianon, sollte nicht unerwähnt bleiben. Der Verrat des Reichsverwesehrs, Admiral Miklos Horty an Kaiser Karl und seine Auslieferung an die Engländer. Das Exil in Madeira war schmerzlich und kurz.
    Hoch anzurechnen ist Viktor Orban als Repräsentanten des ungarischen Staates seine Haltung gegenüber der Unrechts Organisation, EU. Der Widerstand gegen die Bevormundung ist nur aus der ungarischen Geschichte verständlich. Petöfi, Kossuth, Nagy, Maleter.
    Ungarherz muss vieles leiden
    Steht im Hintergrund bescheiden
    Zupft sich kleines Lied auf Zither
    Extra hungariam non est vita !

    • Wolfram Schrems
      06. Juli 2020 12:52

      Vielen Dank. Das ist sehr kenntnisreich und differenziert.

      Auch mir ist der manchmal auftauchende ungarische Nationaldünkel bekannt. Damit macht man sich nun einmal keine Freunde. Das betrifft z. B. besonders Siebenbürgen, wo ich vor gut 25 Jahren zweimal Hilfseinsätze mitmachte (Bauorden). Es wäre wirklich viel gewonnen, wenn Ungarn und Rumänien ihre jeweiligen Fehler in der Vergangenheit und Gegenwart eingestehen würden.

      Den Absatz über Viktor Orbán unterstreiche ich zwar, aber daß Kossuth ein legitimer Vorläufer Orbáns gewesen wäre, würde ich bezweifeln. Ungarn hätte meinem bescheidenen Kenntnisstand nach besser auf István Széchenyi gehört.

    • pressburger
      06. Juli 2020 18:43

      @Wolfgang Schrems
      Danke, kalt erwischt. Absolut richtig. Széchenyi grof, der grösste Ungar.

  7. Henoch 1
    06. Juli 2020 11:59

    Linke Politeliten verhöhnen alles was nicht in ihr gebasteltes Weltbild passt. Die Reden von Orban, den ich sehr schätze, sind in der ungar. Botschaft oder Konsulat in München zu lesen ! Empfehlenswert..... er gestaltet die allerbeste Familienpolitik, da könnten sich alle ein Scherzerl abschneiden, anstatt diese islamischen Bereicherungen ins Land zu bringen.

  8. Wolfram Schrems
    06. Juli 2020 09:54

    Danke für diese hochinteressante Zusammenstellung von Ereignissen, Fakten, Zahlen und Deutungen. Die Reden von Viktor Orbán werden bekanntlich kaum halbwegs getreu im Westen wiedergegeben. Dabei würde es sich lohnen, diesem Staatsmann genau zuzuhören.

    Ich gestatte mir zur Aufteilung Ungarns nach Trianon eine kleine Relativierung:
    Das Königreich Kroatien-Slawonien (also ungefähr das, was heute Kroatien ohne den Großteil von Dalmatien ausmacht) war streng genommen nicht Teil Ungarns, sondern ab 1102 lediglich in einer Personalunion mit Ungarn verbunden. Das wird auch in den vielen geographischen Karten dargestellt, die seit der Wende 1989/90 in großer Zahl in Ungarn aufgetaucht sind: Zwischen Ungarn und Kroatien ist eine strichlierte Linie gezogen.

    Auch die Nationalisten wissen also, daß Kroatien einen Sonderstatus hatte. Sonst hätte es 1868 auch keinen Ausgleich zwischen Budapest und Agram gegeben. Ban Josip Jellacic wandte sich bekanntlich gegen die ungarische Bevormundung und Magyarisierung nach 1848 und heute noch zeigt sein Säbel am Agramer Hauptplatz gen Budapest (so hieß es zumindest).

    Auch auf die Gefahr hin, mit meinen Wiederholungen den Lesern auf die Nerven zu gehen: Es war eine sehr schlechte Idee, 1848 eine Revolution gegen Habsburg zu machen und gleichzeitig den eigenen Minderheiten Rechte wegzunehmen. Wenn Ungarn sich nicht vom Erbe dieser Revolution distanziert und Herrn Kossuth kritischer sieht, wird es mit den Nachbarn kaum einen tiefgehenden Frieden geben.

    Natürlich folgt daraus nicht, daß z. B. die Slowakei und Rumänien und neuerdings die westlich orientierte Putschregierung in Kiew die ungarischen Minderheiten unterdrücken dürften. Auch denen wird man raten können, ein entspanntes Verhältnis aufzubauen und großzügige Lokalautonomie zu gewähren. Zumal die heutige Slowakei und Siebenbürgen eben 1000 Jahre zur Stephanskrone gehörten.

    Einen kleinen, heutzutage typischen Fehler bzgl. Südtirol darf ich auch ansprechen: Es gibt dort keine "österreichische" Minderheit. Das wird auch durch die Selbstaussagen von Südtirolern immer wieder bestätigt. Es gibt dort eine deutsche Minderheit (bzw. auf die Landesgrenzen bezogen, eine Mehrheit).

    • Undine
      06. Juli 2020 13:49

      @Wolfram Schrems

      **********************+!
      Der letzte Satz trifft auch auf alle "Altösterreicher" zu, die auch nach WKI in jenen Gebieten verblieben waren, in welchen ihre Vorfahren oft Jahrhunderte lang gelebt hatten. Sie alle fühlten sich als DEUTSCHE. Das war auch in der verlorenen Heimat meines Mannes so: MARBURD an der Drau, PETTAU, CILLI usw. waren Jahrhunderte alte DEUTSCHE Städte gewesen.

    • andreas.sarkis (kein Partner)
      07. Juli 2020 20:45

      Nein, Herr Schrems, da irren Sie!

      Die Südtiroler sind keine "deutsche" Minderheit, sondern eine "deutschsprachige". Ein sehr großer Unterschied.
      Tiroler - die übrigens in Südtirol nicht die Minderheit sind, sondern die Mehrheit - waren und sind herkunftsmäßig Österreicher, Tirol war nie bei Deutschland, wurde auch nie von Deutschland besiedelt.
      Wenn Sie sich auf Selbstaussagen beziehen, sollten Sie echte Südtiroler fragen. Oder auch Reinhard Olt, der hier schon öfters geschrieben hat.

      Ein Tirol, von Kufstein bis Salurn!

    • andreas.sarkis (kein Partner)
      07. Juli 2020 20:51

      Auch Sie irren, Undine.

      Die Altösterreicher, z.B. in Böhmen und Mähren, waren nie Deutsche, sondern eben Österreicher. Der Begriff Sudetenland wurde erst später erfunden.
      Vertrieben/vernichtet wurden beide, weil auf Befehl Stalins Deutsche und Österreicher gleichgestellt wurden. Doch, wen interessiert Stalins Meinung?

    • Gerald
      08. Juli 2020 09:24

      @andreas sarkis

      Absolut richtig. Auch meine sudetendeutschen Großeltern haben sich immer als "Altösterreicher" bezeichnet und selbst währen der NS-Zeit waren sie "nur" die "Volksdeutschen", die von den "Reichsdeutschen" etwas abschätzig betrachtet wurden.

    • Wolfram Schrems
      08. Juli 2020 11:27

      Es ist wichtig, Anachronismen zu vermeiden:
      Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation umfaßte in etwa das heutige Österreich, daher auch Tirol. Noch Kaiser Franz Josef verstand sich als deutscher Fürst, Bundeskanzler Dollfuß und sein Nachfolger Kurt Schuschnigg verstanden sich ebenfalls als Deutsche.
      Man sollte nicht Kategorien von nach 1945 bzw. 1955 zurückprojizieren.
      Da ich in Innsbruck studierte, kannte ich viele Südtiroler. Kein einziger meinte, er würde einer "österreichischen" Volksgruppe angehören, sondern einer deutschen. Und das stimmt natürlich. Namen wie Deutschnofen (es gibt auch ein Welschnofen) weisen darauf hin.

      Übrigens wäre auch ein Tirol von Kufstein bis zur Salurner

    • Wolfram Schrems
      08. Juli 2020 11:28

      Klause ein künstliches Konstrukt. Die Salurner Klause war m. W. niemals eine Grenze (außer eine Sprachgrenze). Tirol reichte bis zum Gardasee. Die Welschtiroler verstehen sich bis heute teilweise als Tiroler, es gibt sogar Schützen dort.

    • andreas.sarkis (kein Partner)
      08. Juli 2020 14:39

      Herr Schrems, ich meinte, ganz ausdrücklich, nicht das Römische Reich, sondern Deutschland.
      Ja, es gibt Fanatiker (nicht Sie gemeint), die alle Deutschsprachigen als Deutsche bezeichnen. Wenn Sie solche in Innsbruck getroffen haben, dann schätze ich diese eben dort ein.
      Fragen Sie einmal Eva Klotz, deren Vater nicht als Deutscher verfolgt worden war, sondern als Tiroler.
      Die Anhängung des Trentino an Südtirol ist eine italienische Erfindung. Aber richtig, die "Walschen" fühlen sich eher als (Alt-)Österreicher denn als Italiener.
      Und Schuschnigg, Dollfuß & Co bezogen das Deutschsprachig auf sich, nicht (so wie Renner) das Deutschnationale.

  9. Gerald
    06. Juli 2020 09:33

    Ein sehr interessanter Artikel. Was leider fehlt, ist, warum gerade mit den Ungarn nach dem WK1 so hart umgegangen wurde. Denn im Gegensatz zum deutschsprachigen Reichsteil haben die Ungarn seit dem Ausgleich 1866 eine gewaltsame Magyarisierung durchgeführt. Denn auf dem Territorium des Königreich Ungarns hatten die Ungarischsprachigen damals selbst keine absolute Mehrheit. Selbst in der Hauptstadt Budapest erreichten die Deutschsprachigen beinahe 50%, die Krönungsstadt Pressburg war bekanntlich ohnehin überwiegend deutschsprachig, "Oberungarn" slowakisch, das Königreich Kroatien kroatisch usw. Unter Ministerpräsident Kalman Tisza wurde sogar die Existenz einer Slowakischen Nation geleugnet. Namen und Ortsnamen (z.B. auch im Burgenland) wurden magyarisiert usw.
    Nach dem WK1 kam darum einerseits die Rache der Unterdrückten gegen die Ungarn stärker zum Tragen und andererseits versuchte Ungarn mit einem Krieg gegen Rumänien 1919 Tatsachen zu schaffen und scheiterte dabei.

    • sepp imland (kein Partner)
      08. Juli 2020 21:16

      da gebe ich ihnen recht. das ist alles ein thema von sichtweisen. die werdung von nationen war 1918 noch nicht einmal in ansätzten abgeschlossen. mein großonkel wurde in neusatz (auch namentlich)magyarisiert während seine familie in esseg "deutsch-kroatisch" blieb. sehr empfehlenswert das buch von alexander korb "im schatten des weltkieges" wo das kroatisch-ungarische thema mit angeschnitten wird.

      in ganz süd-osteuropa bis hinunter in die ägäis gab es nicht ansatzweise einheitliche siedlungsgebiete. das war ein kaleidoskop von sprachen und religionen. wer zbsp von italien redet sollte wissen, daß es dieses land vor 1870 noch in keiner weise gab.





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