Der Kanzler in Hochform: Hohle Phrasen und gefährliche Drohungen

Kanzler Kern hat es gefallen in einer bombastischen und nach US-Vorbild aufgezogenen Rede „zur Lage der Nation“ das aktuelle Credo seiner Partei zu verkünden. Wer originelle Ideen oder gar angenehme Überraschungen erwartet hat, wurde herb enttäuscht. Sozialistischen Hirnen entspringen – 169 Jahre nach dem Erscheinen des „Kommunistischen Manifests“ – eben bis heute keine Gedanken, die nicht auf Neid, Missgunst, Gleichheits- und Größenwahn beruhen und/oder einen geradezu erschreckenden Mangel an Respekt vor dem Individuum, Kreativität und Leistungsbereitschaft offenbaren.

Kerns Rede ist ein Sammelsurium hohler Phrasen und gefährlicher Drohungen an die Adresse der Leistungsträger.

Was soll etwa das Gefasel von „Anreizen Arbeit zu schaffen“, wenn gleichzeitig die weitere fiskalische Enteignung derjenigen gefordert wird, die dafür in Frage kommen – die „reichen“ Unternehmer nämlich? Wie stellt der Kanzler sich vor, die fachlich-beruflichen Kompetenzen der Arbeitnehmer – und zwar vom Arbeiter bis zum Akademiker – zu erhöhen? Nachdem bei den heimischen Universitäten der Qualitätszug ohnehin längst abgefahren ist (wie die einschlägigen Rankings zeigen) – denkt er dann zumindest an die Installierung von Kommissaren in den Betrieben, um die Lehrlingsausbildung zu überwachen? Will er auf diese Weise die Lehrherrn, die es – dank der großartigen Errungenschaften Jahrzehntelanger sozialistischer Schulpolitik zunehmend mit Analphabeten zu tun haben – noch mehr gängeln? Meint er tatsächlich, mit einer weiteren Ausdehnung der Arbeitnehmerrechte und weiter verschärften Steuerlasten für die Unternehmen diese dazu motivieren zu können, seine „Beschäftigungsoffensive“ zu unterstützen? Etwa mit der gefährlichen Drohung, dass“ die Arbeitnehmer künftig ihre Arbeitszeit frei wählen können sollen“?

Der Mann hat leider noch niemals ein Unternehmen von innen gesehen, das diese Bezeichnung auch verdient, sonst wüsste er, wie wenig diese Schnapsidee mit betrieblichen Notwendigkeiten kompatibel ist.

Kern phantasiert von einer „Prämie“, die er jenen Betrieben „zahlen“ möchte, die zusätzliche Arbeitskräfte einstellen und meint damit in Wahrheit marginale Steuererleichterungen. Das lässt tief in dunkelrote Abgründe blicken: Der Räuber, der dem Beraubten einen Teil der Beute zurückgibt, wird auf diese Weise zum Wohltäter. Denn grundsätzlich gehört ja nach den Vorstellungen unbelehrbarer Neobolschewiken alles im Lande Produzierte dem Staat, der dann allenfalls huldvoll entscheiden kann, einen Teil davon in Form von „Prämien“ an die Tributpflichtigen zurückzuerstatten. Das ist – 28 Jahre nach dem Untergang des Realsozialismus in Osteuropa – bizarr.

Auch der uralte Kalauer Mindestlohn darf bei einer Gelegenheit wie dieser natürlich nicht ausgespart werden. 1.500 Euro monatlich sollen es sein. Warum nicht gleich 3.000? Wäre das nicht doppelt so sozial? Weshalb sollte denn auf von ruchlosen Plutokraten erfundene Gemeinheiten wie „Arbeitsproduktivität“ Rücksicht genommen werden? Prompt assistiert der verhinderte Wirtschaftsnobelpreisträger Aiginger (Ex-Kapo des WIFO) dem Kanzler in der „Presse“ vom 12. 1., indem er erklärt, Mindestlöhne wären „weniger schädlich als viele behaupten“ – dann nämlich, wenn sie „nahe am Marktlohn liegen“. Um zu dieser sensationellen Einsicht zu gelangen, braucht es in der Tat ein abgeschlossenes VWL-Studium. Zumindest im Land der Hämmer.

Doch warum auf halbem Wege stehenbleiben und den Unternehmen neben Mindestlöhnen nicht gleich auch einen Mindestgewinn verordnen? Sagen wir 100.000 Euro den GmbH´s und 50.000,- den Einzelunternehmern. Der (derzeit schwarze) Finanzminister würde vor lauter Begeisterung im Winterpalais des Prinzen Eugen zu steppen beginnen!

Natürlich darf die 08/15-Parole von der „Gerechtigkeit“ im Credo des Obersozialisten nicht fehlen. Und selbstverständlich wird – bestens dazu passend – auch gleich eine haarsträubende Geschichte geliefert, die dartut, was der gute Mann meint: Starbucks (eine US-amerikanische Kaffeesiederkette) „zahlt seine Steuern nicht“. Interessant. Wäre das nicht ein Fall für die Staatsanwaltschaft, wenn sie denn stimmte? Natürlich nicht, denn die heimischen Genossen sind ja – wie die nicht anders gestrickten „Liberals“ in den USA – eben diejenigen, die seit Jahrzehnten mit größter Begeisterung den Riesenbetrieben die mittelständische Konkurrenz aus dem Weg räumen, indem sie letzteren mit immer rigoroseren Regulierungen die Luft abschnüren.

Die Dominanz der Konzernmultis ist letzten Endes auf ihrem Mist gewachsen. Big Government (der Traum jedes Genossen) und Big Business (der bevorzugte Wirt für unter der Bezeichnung Gewerkschafter firmierende Parasiten) pflegen in Wahrheit bestes Einvernehmen. Sich dann in einer Rede ans Stimmvieh zu wenden, um das Gegenteil des bisher Geschehenen anzukündigen, wäre glatt zum Brüllen, wäre es keine so gewaltige Chuzpe.

Ist übrigens schon einmal jemandem aufgefallen, dass es abgehalfterte Rotpolitiker – von Schröder bis Klima und von Gusenbauer bis Ederer – mit schöner Regelmäßig zu den in Sonntagsreden so gerne gegeißelten Konzernmultis zieht? Dass einer von ihnen – und zwar ohne Rückgriff auf seine Politseilschaften – je erfolgreich einen Betrieb gegründet und geführt hätte, ist dagegen nicht aktenkundig.

Witzig wie er nun einmal ist, wird von Genossen Kern auch den „Superreichen, die ihr Vermögen nach Panama schaffen“ (oh Herr, lass Hirn regnen!) die Rute ins Fenster gestellt und zwar – erraten – in Form neuer und höherer Steuern. Als „superreich“, das sollte beachtet werden, betrachten die Roten jeden, dessen Nettovermögen das Ausmaß eines Gewerkschaftsausweises, eines Dacia Logan und eines Mietvertrags für eine Gemeindewohnung übersteigt. Denn es liegt auf der Hand, dass selbst eine Totalenteignung der Handvoll tatsächlich Superreicher, die (noch) im Lande leben, erstens nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten würde und zweitens eben nur einmal möglich, also nicht „nachhaltig“ wirksam wäre. Im Klartext: Der mittelständische Klassenfeind soll – wieder einmal – bluten!

Kein Wunder! Wer Kommunisten wie Robert Misik und WIFO-„Experten“ wie Stephan Schulmeister zu seinen Beratern zählt, kann gar nicht anders, als über verschiedene Formen der Enteignung privater Haushalte und Unternehmen nachzudenken, anstatt endlich zu begreifen, dass die Probleme des Staates nicht auf seiner Einnahmen- sondern auf der Ausgabenseite liegen.

Fazit: Genosse Kern erzählt nichts, aber auch gar nichts, was angesichts der vielen Baustellen im Lande Hoffnung auf einen Neustart geben würde. Kein Wort über die Notwenigkeit individueller Anstrengungen in unserer im weltweiten Wettbewerb stehenden Volkswirtschaft. Kein Wort über die Wichtigkeit von Belohnung für Anstrengung. Kein Wort über einen drastischen Rückbau des aufgeblähten Staates und eine entsprechend massiven Steuersenkung – und zwar auch und vor allem für die Leistungsträger. Stattdessen der übliche, tausendmal gehörte sozialistische Sondermüll und eine perfekt in Szene gesetzte Show für all jene, die besonders schlichten Gemüts sind. Traurig, einfach traurig.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorBob
    11x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2017 11:35

    Die Auserlesenen die dem neuen Messias lauschen durften, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Wort verstanden. Der Rest dürfte selig entschlafen sein bei soviel Heißluft.
    Wer trotzdem das Geschwafel für bare Münze nimmt, hat einen IQ der gerade die Lebensfunktionen aufrecht hält.

  2. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2017 12:17

    Es war sooooo anstrengend, seiner Rede konzentriert zu folgen, weil's einfach fad war. Ohne Substanz, ohne Überzeugungskraft, ohne Begeisterung - weil verkaufen kann ich ja nur etwas, von dem ich selbst überzeugt bin - und davon hab ich bei der Kanzlerrede absolut nichts bemerkt. Der hat einen Text heruntergeleiert, den er viel zu oft vorher schon aufgesagt hat und der sowas von nichtssagend war, dass das einzig interessante daran war, in welchen Zeitabständen oder bei welchen PAssagen das Wasserglas ausgetauscht wurde.
    Mich würde als praktisch denkende Frau ja nur interessieren, was dieser Auftritt so alles in allem gekostet hat. Allein die Broschüre! Na ja , wie es sich für einen Narziss einfach gehört - nur Bilder von dem supergestylten Dandy. Eigentlich furchtbar. Die Frage ist, wie lange müssen wir den ertragen?

  3. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2017 21:26

    In der Rede des Herrn Kern ist alles vorgekommen, nur Eigenverantwortung, Leistung, Sparsamkeit, Innovation und Fleiß waren nicht dabei.
    In der NZZ wurde vor nicht allzulanger Zeit einmal geradezu entsetzt festgestellt, der Herr Kern kennt den Unterschied zwischen Manager und Unternehmer nicht. Andererseits, woher auch? Gearbeitet hat der Herr Kern ja noch nie, denn unter ‚Arbeit‘ versteht der marktwirtschaftlich geprägte Mensch nämlich den erfolgreichen Dienst am Konsumenten; sprich mit eigener Kraft, eigenem Risiko und Innovation eine Leistung anzubieten, die dann freiwillig zu einem guten Preis vom Konsument freiwillig gekauft wird.
    Ein Herr Kern will lieber einen Boom an Start-ups. Natürlich mit staatlichen Förderungen, wobei die ‚Experten‘ (=Beamte) entscheiden wer staatliches Geld bekommt und wer nicht. Warum eigentlich nehmen diese ‚Experten‘ nicht ihr eigenes Geld in die Hand (und nehmen noch Schulden auf!!!), wenn sie doch so gut wissen was einschlägt wie eine Bombe?

  4. Ausgezeichneter Kommentatormonofavoriten
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    15. Januar 2017 16:46

    der sozialismus ist eine idee der banker-eliten gewesen. in deren besitz befinden sich die transnationalen großkonzerne und an ihrem euter hängen eben auch die sozialisten. und diese sollen für die banker-eliten den staat zum konzern machen (realer sozialismus bzw. sozialismus sovjetischer prägung).

  5. Ausgezeichneter KommentatorHDW
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2017 12:01

    ********************************************************
    Nähme er doch nur Renzis Ende! Aber andere Gesellschaften sind eben doch
    geistig reger!

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatormonofavoriten
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    15. Januar 2017 16:46

    der sozialismus ist eine idee der banker-eliten gewesen. in deren besitz befinden sich die transnationalen großkonzerne und an ihrem euter hängen eben auch die sozialisten. und diese sollen für die banker-eliten den staat zum konzern machen (realer sozialismus bzw. sozialismus sovjetischer prägung).


alle Kommentare

  1. Mugl (kein Partner)
    16. Januar 2017 06:39

    Hochinteressante Leserbriefe! Vermutlich alles "Freunde" der Sozialdemokratie!

  2. monofavoriten (kein Partner)
    15. Januar 2017 16:46

    der sozialismus ist eine idee der banker-eliten gewesen. in deren besitz befinden sich die transnationalen großkonzerne und an ihrem euter hängen eben auch die sozialisten. und diese sollen für die banker-eliten den staat zum konzern machen (realer sozialismus bzw. sozialismus sovjetischer prägung).

  3. dssm
    13. Januar 2017 21:26

    In der Rede des Herrn Kern ist alles vorgekommen, nur Eigenverantwortung, Leistung, Sparsamkeit, Innovation und Fleiß waren nicht dabei.
    In der NZZ wurde vor nicht allzulanger Zeit einmal geradezu entsetzt festgestellt, der Herr Kern kennt den Unterschied zwischen Manager und Unternehmer nicht. Andererseits, woher auch? Gearbeitet hat der Herr Kern ja noch nie, denn unter ‚Arbeit‘ versteht der marktwirtschaftlich geprägte Mensch nämlich den erfolgreichen Dienst am Konsumenten; sprich mit eigener Kraft, eigenem Risiko und Innovation eine Leistung anzubieten, die dann freiwillig zu einem guten Preis vom Konsument freiwillig gekauft wird.
    Ein Herr Kern will lieber einen Boom an Start-ups. Natürlich mit staatlichen Förderungen, wobei die ‚Experten‘ (=Beamte) entscheiden wer staatliches Geld bekommt und wer nicht. Warum eigentlich nehmen diese ‚Experten‘ nicht ihr eigenes Geld in die Hand (und nehmen noch Schulden auf!!!), wenn sie doch so gut wissen was einschlägt wie eine Bombe?

    • Riese35
      14. Januar 2017 01:36

      Am Beispiel der Start-Ups war ja sehr gut das Wie der Förderung herauszuhören: staatliche Förderungen, worunter er mit Sicherheit finanzielle Zuwendungen meint, also noch mehr Staat. Und dazu wird es dann hinreichend komplexe Anträge brauchen und Auflagen geben, sodaß die Start-Ups ohne Berater nicht zu diesen Förderungen kommen werden: der "Gerechtigkeit" wegen.

      Die beste staatliche Förderung für solche Start-Ups wäre aber, wenn der Staat Gesetze machte, die diese Start-Ups von bürokratischen Hürden befreite, die Administration auf ein Minimum reduzierte, diese Start-Ups von der Abgabenlast befreite und ihnen ein Maximum an Flexibilität ermöglichte. Genau das Gegenteil von Kerns Plan!

  4. Ingrid Bittner
    13. Januar 2017 12:17

    Es war sooooo anstrengend, seiner Rede konzentriert zu folgen, weil's einfach fad war. Ohne Substanz, ohne Überzeugungskraft, ohne Begeisterung - weil verkaufen kann ich ja nur etwas, von dem ich selbst überzeugt bin - und davon hab ich bei der Kanzlerrede absolut nichts bemerkt. Der hat einen Text heruntergeleiert, den er viel zu oft vorher schon aufgesagt hat und der sowas von nichtssagend war, dass das einzig interessante daran war, in welchen Zeitabständen oder bei welchen PAssagen das Wasserglas ausgetauscht wurde.
    Mich würde als praktisch denkende Frau ja nur interessieren, was dieser Auftritt so alles in allem gekostet hat. Allein die Broschüre! Na ja , wie es sich für einen Narziss einfach gehört - nur Bilder von dem supergestylten Dandy. Eigentlich furchtbar. Die Frage ist, wie lange müssen wir den ertragen?

  5. HDW
    13. Januar 2017 12:01

    ********************************************************
    Nähme er doch nur Renzis Ende! Aber andere Gesellschaften sind eben doch
    geistig reger!

  6. Bob
    13. Januar 2017 11:35

    Die Auserlesenen die dem neuen Messias lauschen durften, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Wort verstanden. Der Rest dürfte selig entschlafen sein bei soviel Heißluft.
    Wer trotzdem das Geschwafel für bare Münze nimmt, hat einen IQ der gerade die Lebensfunktionen aufrecht hält.

    • Riese35
      14. Januar 2017 01:41

      Sie verwechseln etwas: die Lauscher sollen ja nicht die Worte verstehen, sondern bei Gelegenheit das Kreuzerl ins "richtige" Ringerl machen. Das ist die einzige Aussage auf Sachebene.

    • simplicissimus
      14. Januar 2017 05:09

      Dieser IQ reicht immerhin und immer noch fuer ein ausgepraegtes Schmarotzertum. Diese und naive Weibchen sind durchaus von solchen Reden beeindruckbar.

    • Wyatt
      14. Januar 2017 07:47

      Andreas Tögel,
      Sie sagen es, *************!

    • Torres (kein Partner)
      15. Januar 2017 14:37

      Der ORF hat ja einige Anwesende am Ende der Inszenierung befragt. Da sah man glückstrahlende Gesichter, ja sogar Tränen der Freude und Rührung, so als ob sie tatsächlich gerade einen Bllick in das Antlitz des Messias getan hätten. Kern kennt wohl seine Anhänger; ob er allerdings bei denkenden Menschen (also ab IQ 99) eine ebensolche Wirkung erzielen konnte, möchte ich eher bezweifeln

    • franz-josef
      15. Januar 2017 21:16

      Torres
      Zustimmung





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