„Magna Charta“ für oder „Verrat“ an Südtirol?

Ein für Tiroler vornehmlich südlich des Brenners mit Genugtuung und Freude, aber auch mit Leid, Schmerz und Verzicht verbundener Gedenktag steht bevor und wirft seine Schatten voraus. Mit feierlichem Brimborium begeht man am 5. September den 70. Jahrestag des Gruber-DeGasperi-Abkommens. Schloß Sigmundskron, die festlich herausgeputzte Lokalität im Überetsch-Gebiet, auf der die im Gefolge des österreichischen Außenministers Sebastian Kurz und seines italienischen Pendants Paolo Gentiloni zusammenkommenden einschlägigen Vertreter der politischen Klasse aus Wien und Rom sowie Innsbruck, Bozen und Trient einander in gutnachbarlicher Beweihräucherung  übertreffen werden, könnte symbolträchtiger kaum sein.

Wo Bergsteigerlegende Reinhold Messner unter tatkräftigem Mittun des vormaligen Südtiroler Landeshauptmanns Luis Durnwalder einen von insgesamt sechs Standorten seines zugegebenermaßen imposanten  „MMM“ (Messner Mountain Museum) einrichtete, damit die örtliche Firnis enthistorisierte und also ihrer Wirkkraft entkleidete, hatte weiland Silvius Magnago, der legendäre „Vater des Südtirol-Pakets“, im fernen Jahre 1957 vor 35.000 Kundgebungsteilnehmern das „Los von Trient“ propagiert.

Warum „Los von Trient“? Weil der italienische Ministerpräsident Alcide DeGasperi die Gültigkeit jener zwischen ihm und dem österreichischen Außenminister Karl Gruber am 5. September 1946 in Paris im Rahmen der Friedenskonferenz unterzeichneten vertraglichen Autonomie-Regelung, welche eigentlich zum Schutz der Südtiroler bestimmt sein sollte, fintenreich der aus den Provinzen Bozen-Südtirol und Trient gebildeten Region zugeordnet hatte. In besagter Region Trentino-Alto Adige überwog das ethnische italienische Bevölkerungselement bei weitem, sodass die – vom „demokratischen Italien“ bis in die 1960er Jahre ohnedies wie ein Kolonialvolk behandelten Südtiroler österreichischer Volkszugehörigkeit und deutscher sowie ladinischer Ethnizität und Zunge politisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, sozial und kulturell majorisiert wurden.

Bei aller Wertschätzung für das von der damaligen Lage bestimmte besonnene Handeln des „Realpolitikers“ Magnago sei festgehalten: Sein „Los von Trient“ – und eben nicht das „Los von Rom“, was damals mutmaßlich Wille von 90 Prozent der Südtiroler Bevölkerung und annähernd von 100 Prozent des altösterreichisch-deutschen Anteils gewesen sein dürfte – bedeutete das Einschlagen eines Weges, den die Südtiroler Volkspartei (SVP) unter seiner und seiner Nachfolger Führung fortan unbeirrt weiterbeschritt.

Faktisch hat sie sich seitdem nämlich sukzessive von einer Festlegung verabschiedet, unter der sie am 8. Mai 1945 gegründet worden war. Im SVP-Parteistatut ist nämlich für die Südtiroler als Ziel die (Ausübung des) Selbstbestimmung(srechts) fixiert. Im Pariser Vorort Saint-Germain-en-Laye, wo man 1919 Österreich ein Friedensdiktat auferlegte, aufgrund dessen Südtirol an Italien fiel, war die Selbstbestimmung entgegen dem Vorhaben des amerikanischen Präsidenten Wilson ebenso verweigert worden wie von den alliierten Siegermächten aufs Neue nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wofür das Abkommen vom 5. September 1946 als eine Art „Ersatzlösung“ galt.

Umstrittenes Abkommen

Das Abkommen und die Folgen, die es hervorrief, ist unter Parteien zwischen Wien, Innsbruck und Bozen je nach politischer Couleur respektive „regierender“ oder  „opponierender“ Stellung wie unter Historikern und deren jeweiligem „erkenntnisleitenden Interesse“ höchst umstritten. Die auf  Sigmundskron  Champagnisierenden werden Elogen auf diese angebliche „Magna Charta für Südtirol“ anstimmen. Eine unlängst der (SVP-nahen) Tageszeitung „Dolomiten“ beiliegende Broschüre des Titels „70 Jahre Pariser Vertrag“, welche die nicht zur Jubelstimmung passenden, weil konterkarierenden „ewiggestrigen“ Kapitel des Südtiroler Freiheitskampfes gänzlich ausblendet, stimmte darauf bereits ein.

Für andere war und ist der Vertrag – wie für Bruno Kreisky, der einst als Wiener Außenminister die Südtirol-Frage vor die Vereinten Nationen (UN) trug – ein „einmaliges Dokument österreichischer Schwäche". Gleichwohl haben sie sich damit arrangiert. Wieder andere jedoch eracht(et)en neben Inhalt und  Folgen des Vertrags vor allem dessen Zustandekommen als „Verrat an den Südtirolern“. 

Wie war es dazu gekommen? Laut einem Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“ ließ DeGasperis Büro am 24. August 1945 verlauten, man werde dem Aostatal und der dortigen mehrheitlich ethnischen französischen Bevölkerung „die vollständige sprachliche Gleichberechtigung“ sowie „eine großzügige, neuartige administrative Dezentralisierung in allen örtlichen Angelegenheiten gewähren“. Die italienische Regierung beabsichtige zudem, „Maßnahmen für die östlichen und nördlichen Grenzgebiete nach dem Vorbild der dem Aostatal gewährten Autonomie auszuarbeiten und zu diesem Zweck mit den Vertretern der Bevölkerung und der örtlichen Interessen Fühlung zu nehmen“.

„Wiederherstellung der Freiheit für Südtirol"

Das dürfte den Vertretern der alliierten Siegermächte im „Rat der Außenminister“ – einer aus der Konferenz von Potsdam hervorgegangenen Einrichtung – gerade rechtgekommen sein und bereits als Signal für die Londoner Außenministerkonferenz (11. September bis 2. Oktober 1945) genügt haben, um Grubers Ersuchen rundheraus abzulehnen. Der Tiroler Landeshauptmann und Außenamtsstaatssekretär in der provisorischen Regierung unter Staatskanzler Karl Renner hatte in  gleichlautenden Telegrammen an den amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman und dessen Außenminister James F. Byrnes, an den britischen Außenminister Ernest Bevin, an Charles de Gaulle, Chef der provisorischen Regierung Frankreichs und dessen  Außenminister Georges Bidault sowie an den sowjetischen Generalissmus Iossif Stalin und dessen Außenminister Wjatscheslaw Molotow um „die Wiederherstellung der Freiheit für Südtirol"  sowie „Vorbereitung einer Volksabstimmung“ zwischen Brenner und Salurner Klause und um „Zulassung einer österreichischen Delegation zu den Verhandlungen“ ersucht. 

In Innsbruck sprachen Gruber und sein kurzzeitiges Regierungsmitglied Eduard Reut-Nicolussi am 4. September 1945 auf einer Großkundgebung vor 30 000 Menschen. In der verabschiedeten Resolution wurde die Rückkehr des südlichen Landesteils zu Tirol und Österreich gefordert.  General Marie-Emil Béthouart, Kommandeur der französischen Besatzungstruppen, ließ offen seine Sympathie dafür erkennen.

Am 28. September  erreichte ihn allerdings ein Exposé des Quai d'Orsay, worin es hieß, wegen „der ungewissen Zukunft Österreichs angesichts einer dauerhaften sowjetischen Besatzungszone“  sei „eine Rückgabe Südtirols aus strategischen Gründen sehr gefährlich“, denn damit drohe eine „Ausbreitung der sowjetischen Einflussnahme bis zur Po-Ebene.

Wien: Selbstbestimmung und Rückgliederung

Derweil legte sich die provisorische österreichische Regierung Renner am 5. September per Kabinettsratsbeschluss auf die Forderung nach Selbstbestimmung für Südtirol fest. Sie richtete ein Memorandum an die Londoner Außenministerkonferenz, in welchem sie die „Rückgliederung Südtirols“ forderte. In London, wo es seit 11. September primär um die Behandlung des Friedenschlusses mit Italien sowie um Friedensverträge mit Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland ging,  vereitelte der Brite Bevin den Vorschlag des Amerikaners Byrnes nach einschränkungsfreier Anhörung Wiens zur österreichisch-italienischen Grenze sowie Entsendung einer Untersuchungskommission.

Schon am 14. September legten sich die Außenminister auf die Beibehaltung der Brennergrenze fest, wobei Byrnes eine Zusatzformel im Hinblick auf territoriale Regelungen einbrachte, in der es hieß: „Die Grenze mit Österreich wird unverändert bleiben, mit der Ausnahme, jeden Fall zu hören, den Österreich für kleinere  Grenzberichtigungen zu seinen Gunsten vorbringt".

Von alldem wusste man jedoch weder in Wien und Innsbruck noch in Bozen etwas. In Wien überreichte die Regierung Renner am 12. September dem Alliierten Rat ein „Memorandum über die Rückgliederung Südtirols an Österreich", worin sie darum ersuchte, es möge „eine über die Zugehörigkeit dieses Gebietes endgültig entscheidende, freie Volksabstimmung angeordnet" werden.

Auf zwei Kundgebungen in Anwesenheit Renners sowie führender Vertreter der von den Besatzungsmächten zugelassenen Parteien (ÖVP, SPÖ, KPÖ) wurden am 3. und am 14. Oktober Resolutionen für die Rückkehr Südtirols verabschiedet; am 5. November überreichte die Regierung dem Alliierten Rat zur Weiterleitung an die jeweiligen Regierungen ein weiteres Memorandums zur Südtirol-Frage.

Rom täuscht

Derweil bemühte sich Italien um die Forcierung seiner Interessen und Ziele. Dem auf Täuschung zielenden „Beweis guten Willens“ unter Hinweis DeGasperis auf das Aostatal diente das am 27. Oktober erlassene Gesetzesdekret 755, mit dem „deutsche Schulen in Südtirol genehmigt“ wurden. Am 4. November sprach er in Mailand von der „Notwendigkeit der Brennergrenze für die Entwicklung und Verteidigung Italiens“.

 Zur österreichischen Forderung nach einer Volksabstimmung in Südtirol hieß es in einer von italienischen Presseorganen am 20. November wiedergegebenen Verlautbarung aus Rom: „Es gibt überhaupt keine Südtiroler Frage. Alles, was sich auf Südtirol bezieht, ist eine inneritalienische Angelegenheit, die Italien in versöhnlichem Geiste lösen will.“ Und in einem am 7. Dezember in der in Bozen erscheinenden Zeitung „Alto Adige“ veröffentlichten „Offenen Brief“ des Präfekten Bruno De Angelis, eines vormaligen Faschisten,  an die SVP-Führung hieß es, die italienische Regierung sei der Auffassung, dass die Südtirolfrage mittels Erlass eines Autonomiegesetzes gelöst werden sollte.

Gruber, in der nach der Nationalratswahl vom 25. November (ÖVP 85, SPÖ 76, KPÖ 4 Sitze) gebildeten ersten regulären Regierung unter Kanzler Leopold Figl (ÖVP) nunmehr auch formell Außenminister, schlug daraufhin vor, die offenen wirtschaftlichen Fragen bezüglich Südtirol „durch eine österreichisch-italienische Treuhandgesellschaft klären und lösen zu lassen“.

DeGasperi erklärte indes nach einer Kabinettssitzung am 14. Dezember, es werde eine „Kommission zur Ausarbeitung einer Verwaltungsautonomie für Südtirol“ gebildet, „die aus Vertretern beider Nationalitäten zusammengesetzt sein“ solle. Zwei Wochen später ließ er verlauten, die Provinz Alto Adige gehöre zur „geographischen Einheit Italiens“. Und: „Die Grenzen eines Staates mit 45 Millionen Einwohnern können nicht durch unbedeutende Minderheiten entschieden werden, die noch dazu zum Großteil Nazi-Anhänger waren und vor und nach dem Kriege Hitler halfen.“

Sozusagen als Kontrapunkt zur österreichischen Note an den Alliierten Rat richtete er zu Jahresbeginn 1946 an die Botschafter der Alliierten in Rom eine Note, in welcher er am Verbleib Südtirols bei Italien festhielt, zumal  es  „unentbehrliches Hinterland für die Industrie der Po-Ebene" sei.

 Gruber ließ daraufhin am 21. Januar 1946 dem Alliierten Rat ein Memorandum zukommen, worin er für den Fall der Rückgliederung Südtirols anbot:

  1. Verbleib der Wasserkräfte bei Italien und deren Nutzung durch österreichisch-italienische Gesellschaften;
  2. freie Wahl der Staatsbürgerschaft für die in Südtirol lebenden Italiener bei privilegiertem Sonderstatus hinsichtlich Sprache und Kultur;
  3. Unterstellung Südtirols unter UN-Schutz der Vereinten Nationen;
  4. Gewährung einer Freihafenzone für Italien an der Donau.

Daraufhin bekundete William B. Mack, Vertreter des britischen Foreign Office in Wien, Grubers Memorandum sei „ein großzügiger und staatsmännischer Beitrag zur Lösung des Problems“. London hatte ihn allerdings zwei Wochen zuvor bereits wissen lassen, es bestünden keine Einwände, die österreichische Regierung über die „provisorische Entscheidung" zu informieren, dass Südtirol „mit Ausnahme kleinerer Grenzänderungen“ nicht zu Österreich zurückgelangen werde. 

Bevin: Italien wichtiger als Österreich

Wiewohl im britischen Oberhaus Sympathie für eine Rückgliederung Südtirols an Österreich vorherrschte, ließ Außenminister Bevin  im Unterhaus keinen Zweifel daran, dass wegen der Entwicklung hin zum „Eisernen Vorhang“, der sich, wie Winston Churchill in einer Rede dargelegt hatte, „von der Ostsee bis Triest über Europa gelegt“ habe, Italien für den Westen wichtiger sei als Österreich. Daher könne es bis auf kleinere Berichtigungen keine Grenzänderungen geben.

Weder die an Kanzler Leopold Figl am 22. April in Innsbruck während einer Großkundgebung übergebenen und später nach Paris weitergereichten 155 000 Unterschriften von Südtirolern für die Wiedervereinigung Tirols noch die Forderung nach Gewährung der Selbstbestimmung, wie sie auf Kundgebungen – trotz diverser Behinderung durch italienische Stellen – in Innichen, Brixen, Bozen und Meran erhoben worden waren, konnten die Alliierten dazu bringen, wenigstens eine – auch vom Amerikaner Byrnes ins Spiel gebrachte, aber von Molotow abgelehnte – Kommission zur Ergründung der Verhältnisse zu entsenden.

Auch Grubers im Auftrag Figls an die Alliierten gerichtete Bitte um Anhörung einer österreichischen Delegation blieb unbeantwortet. Derweil passte die von Nicolò Carandini, dem italienischen Botschafter in London, vorgebrachte Bekundung, wonach Italien eine „liberale und demokratische Politik betreiben“ und „lokale Autonomien" wie im Falle Aosta installieren werde, eher zu den Plänen der Siegermächte, vornehmlich der westlichen.

Ablehnung der „Bozen-“ und der „Pustertal-Lösung“

Wiewohl er – ebenso wie die Regierung Figl – offiziell für Selbstbestimmung und Rückgliederung des ganzen südlichen Tiroler Landesteils eintrat, überreichte Gruber offenbar unter dem Eindruck, der Inhalt könne unter dem Rubrum „kleinere Grenzberichtigungen“ Wirkung entfalten, am 12. April ein geheimes, namentlich nicht gezeichnetes Memorandum an Mack. Im Wesentlichen sollte gemäß dem darin enthaltenen Vorschlag Südtirol einschließlich der Stadt Bozen – aber ohne deren während des Faschismus aus dem Boden gestampfter Industriezone und erhebliche Teilen des Südtiroler Unterlands – zu Österreich kommen.

Doch dies fand ebensowenig Gehör wie seine später – formell in eine Regierungsnote gekleidete – angebotene „Pustertal-Lösung“. Sie sah dessen Rückgliederung vor, womit die direkte Verbindung Nordtirols mit (dem wegen des Grenzverlaufs abgetrennten) Osttirol möglich geworden wäre; wiewohl Mack bekundet hatte, Bevin sei bereit, Österreich zu unterstützen, sofern es Anspruch auf das Pustertal erhebe.

Am 11. Mai hatte Norbert Bischoff, Österreichs Gesandter in Paris,  im Auftrag der Bundesregierung eine an die tagende Vier-Mächte-Außenministerkonferenz gerichtete Note übergeben,  in der die Rückgliederung des Pustertals, des oberen Eisacktales und der Stadt Brixen als „kleinere Grenzberichtigung" mit der Begründung der Wiederherstellung einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen Nord- und Osttirol verlangt wurde. Am 30. April bestätigten Bidault, Byrnes, Bevin und Molotow jedoch den schon am 14. September 1945 gefassten Beschluss, „keine größeren Grenzveränderungen zwischen Österreich und Italien vorzunehmen“. Und am 1. Mai bekräftigten sie die damalige Festlegung, wonach Südtirol bei Italien bleibe und das von der Regierung in Wien sowie in mehreren auf Kundgebungen beschlossenen Resolutionen geforderte Plebiszit abgelehnt werde.

Massive Vorbehalte gegen Grubers Politik

Die Bekanntgabe bewirkte in Tirol einen allgemeinen fünfstündigen Proteststreik sowie Demonstrationen. Auch in Bozen, Meran und Brixen kam es zu Protestkundgebungen. Sämtliche Glocken Tirols läuteten zum Zeichen der Trauer. In Wien demonstrierten mehr als 100.000 Menschen für die Selbstbestimmung der Südtiroler und die Rückkehr des Landesteils zu Österreich.

Derweil klammerte man sich in Südtirol an die auch durch die Veröffentlichung einer Stellungnahme des Kanonikus Michael Gamper im „Volksboten“ (2. Mai) und in den „Dolomiten“ (3. Mai) genährte Hoffnung, wonach in der Festlegung der Außenministerkonferenz lediglich eine „Vorentscheidung" zu sehen und „keineswegs das letzte Wort über Südtirol“ gesprochen sei. Auch die persönliche Vorsprache Grubers bei Bevin – aufgrund erstmaliger Einladung nach Paris und Weiterreise nach London – änderte daran kein Jota.

Ins Leere ging auch sein unterdessen bekanntgewordener und von der gesamten österreichischen Regierung mittels formellen Verlangens gebilligter Vorstoß in Sachen Pustertal-Lösung – bei Aufrechterhaltung eines Rechtsvorbehalts auf Südtirol als Ganzes.

Woraufhin in einer Besprechung von Vertretern Nord- und Südtirols am 10. Juni in Innsbruck massive Vorbehalte gegen die Politik des Außenministers zum Ausdruck kamen und der stellvertretende Landesregierungschef Franz Hüttenberger (SPÖ) „den für Österreichs Außenpolitik verantwortlichen Männern“ vorwarf, sie hätten „in der Behandlung des Problems Ungeschicklichkeiten begangen, welche die gerechte Sache Südtirols ungünstig beeinflussen". In der zwischen 15. Juni und 12. Juli zu Paris fortgesetzten Vier-Mächte-Außenministerkonferenz wurde Österreichs Anspruch auf Südtirol neuerdings abgelehnt.

Im Unterhaus Protest der Konservativen gegen Bevin

Im britischen Unterhaus protestierten derweil 150 Abgeordnete (vornehmlich der Konservativen) formell gegen die Entscheidung der Außenministerkonferenz in Paris über die Belassung Südtirols bei Italien. In der Erklärung hieß es, die Abtrennung Südtirols von Österreich im Friedensvertrag von Saint Germain sei „die ernsthafteste Verletzung des von Wilson aufgestellten Grundprinzips der Selbstbestimmung der Völker gewesen“.

Labour-Premier Bevin antwortete auf die enthaltene Frage, ob „Großbritannien den schmutzigen Schacher, den der Berliner Pakt zwischen Hitler und Mussolini über Südtirol dargestellte, unterschreiben wolle",  Österreich sei noch nicht frei, und man wisse nicht einmal, ob Ostösterreich nicht vom Westen ganz abgeschnitten werde. Die Entscheidung über Südtirol sei im September 1945 in London gefallen, und er habe sich einverstanden erklärt und trage dafür die Verantwortung.

Gruber kontaktiert DeGasperi

Wenngleich die SVP in einem Telegramm vom 17. Juli an das britische Oberhaus den Anspruch auf Selbstbestimmung erhob und bat, die Südtiroler dabei zu unterstützen, erklärten sich ihr Obmann Erich Amonn und ihr Generalsekretär Josef Raffeiner gegenüber dem Bozner Präfekten Silvio Innocenti zur Mitarbeit in der Autonomiefrage bereit. Beide dementierten allerdings später Vorhaltungen, wonach sie sich mit dessen – auf Anweisung DeGasperis – ausgearbeitetem (und letztlich zum Tragen gekommenem) Autonomieprojekt (Südtirol zusammen mit dem Trentino) einverstanden erklärt gehabt hätten, wie es Innocenti und De Gasperi in der Öffentlichkeit darstellten.

Gruber ließ indes DeGasperi über den italienischen Botschaftssekretär Roberto Gaja wissen, er sei zu einem „Gespräch über freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit" bereit, woraufhin DeGasperi am 20. Juli via Gaja mitteilen ließ, dass er dazu bereit sei, wenn territoriale Fragen nicht zur Diskussion stünden.

Die Pariser Friedenskonferenz

Im Pariser Palais Luxembourg begann am 15. Juli die Friedenskonferenz; sie dauerte bis 15. Oktober 1946. Der Konferenz lagen die Entwürfe des Rates der Außenminister der Großen Vier respektive der von ihnen beauftragten Stellvertreter zu den Friedensverträgen mit Italien, Finnland, Bulgarien, Rumänien und Ungarn sowie noch nicht geklärte Fragen vor. Den insgesamt 21 Delegationen wurden vier Südtirol-Memoranden unterbreitet, in denen eine Volksabstimmung über dessen Zukunft verlangt wurde:

  • von der österreichischen Bundesregierung;
  • ein vom SVP-Obmann Ammon und dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Südtirols, Lorenz Unterkircher, sowie vier Südtiroler Mitgliedern des letzten gewählten italienischen Parlaments und sieben Mitgliedern des letzten gewählten Südtiroler Landtags unterzeichnetes;
  • ein drittes von Vertretern der Ladiner;
  • schließlich das vierte vom Brixner Fürstbischof Johannes Geisler.

Die SVP hatte einer – offiziell nicht zugelassenen – Südtiroler Delegation (Friedl Volgger, Otto von Guggenberg und Hans Schoefl) als Vorgabe aufgetragen: Falls kein Plebiszit durchsetzbar sei, möge man entweder auf eine „Liechtenstein-Lösung“ oder auf ein „Südtirol unter internationaler Kontrolle“ oder auf eine „Autonomie“ (allerdings nur unter den Bedingungen einer internationalen Garantie und ausschließlich für die Provinz Bozen) hinwirken.

De Gasperi trat am 10. August vor die Friedenskonferenz und erklärte, hinsichtlich des „Alto Adige“ werde eine „weitreichende Autonomie vorbereitet“, und die Vertreter Südtirols hätten einer „Regionalautonomie bereits zugestimmt.“ Nach dem Beschluss zur Anhörung Österreichs – wogegen die Sowjetunion, Weißrussland, die Ukraine, Polen, Jugoslawien und die Tschechoslowakei stimmten – reiste Gruber nach Paris und vertrat am 21. August in seiner (zusammen mit Figl ausgearbeiteten) Rede vor der Vollversammlung der Konferenz den bekannten Standpunkt Wiens. Auch das am 25. August der Konferenz vorgelegte Südtirol-Memorandum Österreichs führte letztlich nicht zu einer Änderung der Alliierten-Position, Südtirol bei Italien zu belassen.

Es ging nur noch um eine Autonomie-Lösung

Im weiteren Fortgang der Ereignisse stand infolgedessen nur noch die Autonomie-Frage im Mittelpunkt aller Überlegungen. Nach einer Unterredung Grubers mit den Delegierten Belgiens, die ihm nahelegt hatten, sich um eine direkten Einigung mit Italien zu bemühen, sowie Gesprächen mit Nicolò Carandini (italienischer Botschafter In London und Sonderbeauftragter für Paris) sowie Frankreichs Außenminister Bidault verlangte Gruber von den Südtiroler Delegierten am 23. August, sie sollten ihm ihre Autonomie-Vorstellungen unterbreiten.

Volgger, von Guggenberg und Schoefl brachten am 26. August ihr Missfallen zum Ausdruck, dass in dem von Gruber dem Generalsekretariat der Friedenskonferenz überreichten neuen Memorandum der österreichischen Regierung lediglich „eine Verwaltungsautonomie, wie sie Italien den Aostanern gewährt“,  verlangt worden sei. Damit habe Gruber  „vorzeitig alle Karten aufgedeckt", und es werde „offenkundig, wie weit nachzugeben die österreichische Regierung bereit“ sei. Das Heranziehen der Aostatal-Autonomie als Muster kritisierten sie als „verunglückt und gefährlich“. 

Dessen ungeachtet deutete Gruber gegenüber Carandini die Bereitschaft an, Innocentis Vorschläge zur Grundlage für die Autonomie zu machen; dies allerdings nur unter der Bedingung, dass sie in einigen Punkten modifiziert würden. Doch auf die von Österreich gewünschte „eindeutige territoriale Abgrenzung des autonomen Gebiets“ ließ sich DeGasperi gar nicht erst ein. 

Als Carandini mit dessen unveränderlichen Instruktionen am 1. September nach Paris zurückgekehrt war, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Gruber und der Südtiroler Delegation. Diese nannte den Vorschlag Carandinis (und somit DeGasperis) ungenügend und wies ihn glatt zurück.

Vertrag ohne klare Geltungsfestlegung

Nachdem Gruber die Bereitschaft bekundet hatte, die Frage der Nennung des territorialen Geltungsbereichs der Autonomie offenzulassen und keine Formel zu verlangen, die das autonome Gebiet unbedingt auf die Provinz Bozen beschränkte und Carandini sozusagen absichtsverschleiernd zusagte, nicht direkt auf die Vereinigung der beiden Provinzen hinzuweisen, war der Weg für die Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen Alcide DeGasperi und Karl Gruber am 5. September 1946 in der italienischen Gesandtschaft zu Paris geebnet.

Just die von ihm reklamierte und von Gruber zugestandene Unbestimmtheit der territorialen Geltung nutzte  DeGasperi – wider sein Versprechen, die Südtiroler vor Änderungen zu hören – schamlos zugunsten der erst noch zu schaffenden Region Trentino-Alto Adige (Autonomiestatut vom 29. Jänner; inkraftgetreten am 14. März 1948) aus. Weshalb das Abkommen in der Folge für fortdauerndes Misstrauen und absolut gerechtfertigte Auflehnung in Südtirol sorgte.

Erst nach zahlreichen Anschlägen, Kreiskys UN-Vorstoß 1960, welchem in den „Bomben-Jahren“ Leid und Tod, massive Vergeltungsmaßnahmen und Menschenrechtsverletzungen von Seiten Italiens folgten, kam es nach langwierigen, zähen Verhandlungen im Dreieck Wien-Bozen-Rom zum Autonomie-Paket von 1969, welches ins Zweite Statut von 1972 mündete. Und aufgrund römischen Finassierens sollte es schließlich weitere zwanzig Jahre dauern, bis am 11. Juni 1992 mit der österreichisch-italienischen Streitbeilegungserklärung vor den UN der Südtirol-Konflikt im völkerrechtlichen Sinne für beendet erachtet werden konnte.

Das und die durchaus positive Entwicklung Südtirols – vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet – ändert nichts daran, dass die größte Ungerechtigkeit gegenüber den Südtirolern seit 1918/19 fortbesteht, solange ihnen nicht Gelegenheit zur Ausübung des Selbstbestimmungsrechts gegeben ist.

Unter Historikern ist man sich zwar weitgehend einig, dass die Selbstbestimmung 1946 aufgrund der damaligen Lage und den sich herausbildenden Interessengegensätzen nicht erreichbar war. Es darf aber auch durchaus als Opinio communis gelten, was Michael Gehler (Hildesheim, früher Innsbruck) aufgrund seiner Forschungsergebnisse gegenüber einer Zeitung einmal so ausdrückte: Es wäre mehr zu holen gewesen, „Gruber hat sich viel zu schnell auf Kompromisse eingelassen; bei einer besseren Verhandlungsführung wäre durch die unablässige Forderung nach einer Volksabstimmung eine echte Autonomie im Sinne einer inneren Selbstbestimmung möglich gewesen.“

Eine „echte Autonomie“ kann die existierende, von der Rom immer wieder Scheibchen abschnitt, kaum genannt werden. Und wenn die Südtiroler nicht aufpassen, führt der von der „ewigen Regierungspartei“ SVP auf Wunsch ihres italienischen Koalitionspartners PD (Partito Democratico) eingesetzte Autonomie-Konvent – sozusagen als „Erfüllungsgehilfe“ der von der Regierung Renzi (PD) vorangetriebenen, auf Stärkung des Zentralstaats hinauslaufende Verfassungsreform – hinter die mühsam erkämpften Errungenschaften des Zweiten Statuts von 1972 zurück. Horribile dictu!

(der Pariser Vertrag im Wortlaut)

Der Autor ist deutsch-österreichischer Historiker und Publizist

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorBob
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    13. August 2016 10:17

    Bei Selbstbestimmung der Südtiroler würde es wie an der Krim zugehen. Österreich hat Südtirol annektiert, und muß dringend Sanktionen unterworfen werden. Vielleicht könnte man gleich Triest zurückerobern, dann hätten wir wieder Zugang zu unserer stolzen Marine.(dann bin ich schweißgebadet aufgewacht).

  2. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    13. August 2016 06:54

    Es gibt ja noch echte Südtiroler, die sich völlige Freiheit von Italien und freie Wahl zwischen völliger Unabhängigkeit und einer Rückkehr zu Tirol und Österreich wünschen.

    All die verwickelten und komplizierten oben geschilderten Lösungen, Teillösungen oder Nichtlösungen werden auf einmal als irrelevant erscheinen, wenn

    - Italien wirtschaftlich und sozial kollabiert
    - Schottland und Katalanien ausgetreten sind und Belgien zerfällt

    Dann werden die Südtiroler selber entschieden.
    Welchen Weg, wird man sehen.
    Der Tag wird kommen.

  3. Ausgezeichneter Kommentatornerdfilms
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    12. August 2016 20:34

    Schade, dass die Südtiroler (der Autor ist eine löbliche Ausnahme!) eher zwischen Tirol, Österreich und Italien herumtaktieren!

  4. Ausgezeichneter KommentatorAlpenrose
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    17. September 2016 07:49

    Man kann es drehen wie man will der Anschluss Deutsch-Südtirols an Italien war und ist ein Verbrechen. Südtirol ist nicht Italien. Darum muss Österreich alle jene Bewegungen und wirtschaftliche Projekte u. Investitionen unterstützen, damit dieses Territorium vom römisch/trientner Einfluss befreit wird. Also Los von Rom und Trient. In der ersten Phase muss Südtiroler ein europäischer Freistaat werden, dann wird man weitersehen. Nur so haben die Deutsch-Südtiroler eine Chance zu überleben. Der ital. Staat überschwemmt Südtirol seit Jahren absichtlich u. massiv mit (Italienisch lernenden, integrierten) Migranten, um die Südtiroler in ihrem eigenen Land zur Minderheit zu degradieren.

  5. Ausgezeichneter KommentatorErich Bauer
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    16. August 2016 09:41

    Um ein bisschen vom Traum in die Niederungen der Wirklichkeit herabzusteigen:

    Ohne glaubwürdige militärische Stärke der Südtiroler oder deren Schutzmacht Österreich ist "Völkerrecht" sowieso nur Makulatur. Aber vielleicht kann die österreichische Administration mal ganz unverbindlich Hillary Clinton für eine "Rückholaktion" begeistern... Ein Südtiroler-Frühling...

  6. Ausgezeichneter Kommentatorastuga
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    15. August 2016 19:39

    Was mich immer wieder erstaunt ist, welch große Freude die Linken in Österreich an einer ethnischen Säuberung und Fremdherrschaft haben, die zwei faschistische Regime beschlossen haben.
    Die heimische Linke hält ja bis heute den italienischen Faschisten und Nationalisten die Stange.

    Aber wenigstens zeigen sie so ihre wahre Gesinnung.

  7. Ausgezeichneter KommentatorGennadi
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    15. August 2016 00:51

    Am 9. Oktober findet am Brenner eine Kundgebung statt.
    Sollte der Verfasser auch dort sein, wäre es schön, ihn auch einmal persönlich kennenzulernen.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorAlpenrose
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    17. September 2016 07:49

    Man kann es drehen wie man will der Anschluss Deutsch-Südtirols an Italien war und ist ein Verbrechen. Südtirol ist nicht Italien. Darum muss Österreich alle jene Bewegungen und wirtschaftliche Projekte u. Investitionen unterstützen, damit dieses Territorium vom römisch/trientner Einfluss befreit wird. Also Los von Rom und Trient. In der ersten Phase muss Südtiroler ein europäischer Freistaat werden, dann wird man weitersehen. Nur so haben die Deutsch-Südtiroler eine Chance zu überleben. Der ital. Staat überschwemmt Südtirol seit Jahren absichtlich u. massiv mit (Italienisch lernenden, integrierten) Migranten, um die Südtiroler in ihrem eigenen Land zur Minderheit zu degradieren.


alle Kommentare

  1. Alpenrose (kein Partner)
    17. September 2016 07:49

    Man kann es drehen wie man will der Anschluss Deutsch-Südtirols an Italien war und ist ein Verbrechen. Südtirol ist nicht Italien. Darum muss Österreich alle jene Bewegungen und wirtschaftliche Projekte u. Investitionen unterstützen, damit dieses Territorium vom römisch/trientner Einfluss befreit wird. Also Los von Rom und Trient. In der ersten Phase muss Südtiroler ein europäischer Freistaat werden, dann wird man weitersehen. Nur so haben die Deutsch-Südtiroler eine Chance zu überleben. Der ital. Staat überschwemmt Südtirol seit Jahren absichtlich u. massiv mit (Italienisch lernenden, integrierten) Migranten, um die Südtiroler in ihrem eigenen Land zur Minderheit zu degradieren.

  2. Erich Bauer
    16. August 2016 09:41

    Um ein bisschen vom Traum in die Niederungen der Wirklichkeit herabzusteigen:

    Ohne glaubwürdige militärische Stärke der Südtiroler oder deren Schutzmacht Österreich ist "Völkerrecht" sowieso nur Makulatur. Aber vielleicht kann die österreichische Administration mal ganz unverbindlich Hillary Clinton für eine "Rückholaktion" begeistern... Ein Südtiroler-Frühling...

  3. astuga (kein Partner)
    15. August 2016 19:39

    Was mich immer wieder erstaunt ist, welch große Freude die Linken in Österreich an einer ethnischen Säuberung und Fremdherrschaft haben, die zwei faschistische Regime beschlossen haben.
    Die heimische Linke hält ja bis heute den italienischen Faschisten und Nationalisten die Stange.

    Aber wenigstens zeigen sie so ihre wahre Gesinnung.

  4. Herrolt vom Odenwald (kein Partner)
    15. August 2016 15:25

    Gennadi wird leider ohne den Autor HvO am 9. Oktober am Brenner sein müssen; aber in Gedanken wird HvO dort sein

  5. Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
    15. August 2016 01:07

    Schon wieder tiroltümelnde Ostösterreicher oder noch weiter weg. Nordtirol hat jahrzehntelang die reichste Provinz Italiens alimentiert, heute kaufen sie sich in Innsbruck ein.

    • simplicissimus
      15. August 2016 16:46

      Die Tiroler sollten selber entscheiden. Aus beiden Teilen.

    • Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
      16. August 2016 00:58

      Ich bin Tiroler. Man sollte in beiden Teilen eine Volksabstimmung machen, in I unter Ausschluss der italienischen Bevölkerung. In beiden Teilen käme ein klares Nein zu einer sogenannten Wiedervereinigung heraus.

      Dann wäre das Thema für eine Weile erledigt. Der Lohnschreiber Herrolt v., vermutliche ine Ostdeutscher, könnte sich dann anderen Themen zuwenden.

    • simplicissimus
      16. August 2016 06:50

      Ja, das ist das prinzipielle Problem der Deutschstämmigen. Man zerfleischt sich selbst, um in seiner Schrebergartenidylle sich nicht gestört zu fühlen. Dafür wird man dann halt von größeren Mächten dominiert. Alles kann man nicht haben.

      Übrigens, Prinz Eugen von Savoyen war halber Italiener und halber Franzose und wurde einer der größten Österreicher.

      Ein bißchen mehr Weltoffenheit schadet manchmal nicht. Zu groß und zu klein, diese Extreme sind nicht gut. Aber Deutschstämmige sind anscheinend unfähig, das richtige Optimum zu finden.
      Einmal die größten Militaristen, dann die größten Pazifisten. Eine ausgewogene, strategisch kluge Politik ist, scheint es, unserem Wesen fremd.

    • Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
      20. August 2016 10:39

      Nonchalant und herablassend, an simplicissimus ist ein echter grünIn verloren gegangen.

      Ahnungslos, aber belehrend.

      Innsbruck ist im Griff der Immobilienmafia, welche die Stadt zubetoniert. Der grünIn Fritz macht die Arbeit als Abreisser und Verdichter. Die Innsbrucker Bevölkerung ist seit 20 Jahren konstant bei 100.000, der Zuwachs kommt von Ausländern. Die größte Gruppe sind Deutsche, bei den Hauskäufern Italiener, also meist Südtiroler.

      Der deutsche Journalist mit dem Künstlernamen Herrolt v. spielt hier die Rolle der Klugbeisser vom Standard. Die klagten 10 Jahre über Ortstafeln, was Haider finanziell anrichtete, kapierten sie nicht.

    • Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
      20. August 2016 23:28

      Wenn sich mittelständische Innsbrucker keine Wohung mehr kaufen können, weil hauptsächlich italienisches Geld für Preissteigerungen von 10% jährlich sorgt, darf das den Schutzmachtstatus nicht gefährden.

      Da lohnt es, einen Blick auf simplizistische Tiefgänge zu werfen.

      das richtige Optimum? Besser als das falsche oder ein mittelmäßiges, keine Frage.

      ausgewogene, strategisch kluge Politik? O je. strategisch und ausgewogen, verschiedene Dinge, strategisch klug? Was ist denn das? Für Grundverständnis der Begriffe sollte hier schon die Wikipedia ausreichen.

    • simplicissimus
      23. August 2016 07:04

      Der Schrebergärtner wird mit der Außenwelt nicht fertig.
      Kein Wunder.
      Die Frage ist nur, wessen Schuld es ist.
      Und wichtiger: Kann man es ändern?
      Wenn es aussichtslos erscheint, erklärt es den Savoyschen Frust.

    • simplicissimus
      23. August 2016 07:11

      Um das unnötige Hickhack zu beenden, was schwebt Ihnen denn vor, Prinz?
      Haben Sie einen Lösungsvorschlag, haben sie resigniert, soll etwas geschehen?

    • Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
      23. August 2016 18:16

      Hichhack gern beeendet, zudem kommen ich hier gleich nicht mehr rein.

      In Innsbruck haben wir inzwischen ein massives Problem, das weit weg von de Gasperi und anderem ist. Eine Clique von Immobilienhaien betoniert die Stadt zu. Das läuft wie geschmiert, die Fakten dazu würde hier keiner glauben.

      Vom Abreißen und Betonieren abgesehen haben wir ca. 5.500 deutsche und ca 3.500 Südtiroler Studenten hier, von 35.000 Studenten insgesamt. Die deutschen und Südtiroler weg, das ergäbe 3.000 freie Wohnungen. Südtirol kann sich in Bozen eine Uni bauen, wie man an Förderungen kommt wissen die bestens.

      Resigniert habe ich nicht, hier gibt es inzwischen Leute, die das nicht mehr akzeptieren.

    • Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
      23. August 2016 21:17

      Nachtrag.

      Ich bin nicht frustriert, wir organisieren uns hier nicht schlecht. Das wird noch Wirkung haben, und es wird keine Lichterkette. Tatsache ist, dass wir hier reale Probleme haben, die wir angehen. Das Südtirol-'Problem', das ist für die Innsbrucker, die ich kenne, und das sind nicht wenige und nicht die Dümmsten, weiter weg als der Mond.

      Wir haben hier neben Ausländern, das sind auch Italiener, die Wohnungen als Investment kaufen und den Preis für den Mittelstand unerschwinglich machen, auch noch jede Menge Kulturbereicherer, gefördert von den üblichen Abkassierern aus den besten Kreisen.

    • simplicissimus
      24. August 2016 11:13

      Danke Prinz Eugen, habe Ihre Beiträge bisher übrigens sehr geschätzt.

      Ähnliche Probleme wird es wohl auch in Wien geben, aber ich lebe dort nicht mehr, sondern viel weiter weg.

      Nur ein bißchen traurig für mich, daß sich Nord-und Südtiroler, wie es scheint, auseinandergelebt haben.

      Aber ich wünsche Ihnen Glück beim "Organisieren" und Angehen der Probleme.

    • Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
      24. August 2016 23:11

      Verehrter simplicissimus, der Unmut ist dahingehend weitreichend.

      Die Tiroltümler leben auf einem anderen Planeten. Wenn mich an der Autobahn-Mautstelle der Südtiroler in Vipiteno italienisch anredet, weil er mein Innsbrucker Kennzeichen sieht, und der Italiener in Rovereto (Gardasee) auf Deutsch, dann weiß ich, wie weit es gekommen ist.

      Als Innsbrucker brauchte ich bis in die 90er einen Pass, wenn ich nach Wien zu einer Besprechugn gefahren bin, das deutsche Eck. Wenn ich am Brenner auch wieder einen brauche, stört mich (und meine Freunde) das nicht. Wenn wir eine Salami mitnehmen, gibt es keinen Zoll mehr. Mehr hat nie gestört.

  6. Gennadi (kein Partner)
    15. August 2016 00:51

    Am 9. Oktober findet am Brenner eine Kundgebung statt.
    Sollte der Verfasser auch dort sein, wäre es schön, ihn auch einmal persönlich kennenzulernen.

  7. Gennadi (kein Partner)
    15. August 2016 00:50

    „Die Grenzen eines Staates mit 45 Millionen Einwohnern können nicht durch unbedeutende Minderheiten entschieden werden, die noch dazu zum Großteil Nazi-Anhänger waren und vor und nach dem Kriege Hitler halfen.“

    Es ist absolut unglaublich, was der Verfasser hier schreibt.
    Wenn der Ausspruch nicht leider wahr wäre.
    Südtiroler als Nazis zu bezeichnen, ist ungefähr die ärgste Beschimpfung, die man ihnen antun kann.

  8. Bob
    13. August 2016 10:17

    Bei Selbstbestimmung der Südtiroler würde es wie an der Krim zugehen. Österreich hat Südtirol annektiert, und muß dringend Sanktionen unterworfen werden. Vielleicht könnte man gleich Triest zurückerobern, dann hätten wir wieder Zugang zu unserer stolzen Marine.(dann bin ich schweißgebadet aufgewacht).

  9. simplicissimus
    13. August 2016 06:54

    Es gibt ja noch echte Südtiroler, die sich völlige Freiheit von Italien und freie Wahl zwischen völliger Unabhängigkeit und einer Rückkehr zu Tirol und Österreich wünschen.

    All die verwickelten und komplizierten oben geschilderten Lösungen, Teillösungen oder Nichtlösungen werden auf einmal als irrelevant erscheinen, wenn

    - Italien wirtschaftlich und sozial kollabiert
    - Schottland und Katalanien ausgetreten sind und Belgien zerfällt

    Dann werden die Südtiroler selber entschieden.
    Welchen Weg, wird man sehen.
    Der Tag wird kommen.

    • machmuss verschiebnix
      13. August 2016 18:15

      Mit einer Zugehörigkeit von Südtirol zu Österreich, wäre und heutigen Umständen
      wohl nur den Blutsaugern in Wien gedient !

    • simplicissimus
      13. August 2016 20:15

      Die sind dann schon längst weg.

  10. nerdfilms
    12. August 2016 20:34

    Schade, dass die Südtiroler (der Autor ist eine löbliche Ausnahme!) eher zwischen Tirol, Österreich und Italien herumtaktieren!

    • simplicissimus
      13. August 2016 06:53

      Es gibt ja noch echte Südtiroler, die sich völlige Freiheit von Italien und freie Wahl zwischen völliger Unabhängigkeit und einer Rückkehr zu Tirol und Österreich wünschen.

      All die verwickelten und komplizierten oben geschilderten Lösungen, Teillösungen oder Nichtlösungen werden auf einmal als irrelevant erscheinen, wenn

      - Italien wirtschaftlich und sozial kollabiert
      - Schottland und Katalanien ausgetreten sind und Belgien zerfällt

      Dann werden die Südtiroler selber entschieden.
      Welchen Weg, wird man sehen.
      Der Tag wird kommen.

    • simplicissimus
      13. August 2016 06:56

      Der Kommentar war nicht zu nerdfilms gedacht.

      nerdfilms, ja, schade, eine Ausdrucksform der Wohlstandsverwahrlosung.
      Aber sowas kann sich ändern. Und bei weitem nicht alle Südtiroler verhalten sich so, glaube ich.





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