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Der Boulevard ist längst überall

Die aufgeregten Berichte rund um den „Medienskandal“, der Rupert Murdoch umranken soll, nehmen kein Ende mehr. Viel ist die Rede von „Skandal“, „Verbrechen“ und „Korruption“.

Die versammelte Medienlandschaft scheint sich genüsslich auf Rupert Murdoch zu stürzen, so, als ob nur er ein „Schmuddelimperium“ führen würde und gerade so, als sei nur seine Mediengruppe für das dreckige Geschäft des „Boulevard“ verantwortlich. Die Wahrheit ist, wie fast immer, naturgemäß ganz anders gelagert.

Die Wahrheit ist, dass längst beinahe alle Medien dem Boulevard frönen. Um dies festzustellen muss man wahrlich kein Genie sein, man muss dazu nur die Fernsehzeitung aufschlagen und bekommt die versammelte Niedertracht entgegengeschleudert. Aber nicht nur die Medien sind davon ergriffen, nein, der Boulevard ist seit langem in der Politik, im Sport und in der Kirche (Dompfarrer Toni Faber) angekommen.

Dazu muss man nicht den Populismus  der FPÖ bemühen, alle Parteien biedern sich dem sogenannten „einfachen Bürger“ an, der angeblich „knackige Botschaften“ brauche, denn „komplexe Inhalte“ könne man nicht vermitteln – was übrigens einiges über die moderne Massen-Demokratie als System aussagt.

Will man wirklich aus dem Sumpf des Boulevards heraus, dann wird man nicht umhin können, über Qualitätsstandards in Politik und Medien zu diskutieren, man wird darüber diskutieren müssen ob Sportlergagen, Werbeverträge und Schauspielerhonorare angemessen sind und inwieweit sich diese „Stars“ zu verkaufen haben.

Aber, und das scheint das wichtigste: es wird darüber zu diskutieren sein, auf welchen Fundamenten unsere Massendemokratie aufgebaut ist; Murdoch-Beschimpfungen reichen da nicht aus.

Johannes Auer ist Publizist. Seine Haupt Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind das Verhältnis von Religion und Staat. Auer forscht ebenso intensiv auf dem Feld  des „Traditionalismus“. Ein Teil seiner Publikationen ist online auf: http://johannesauer.wordpress.com abrufbar.

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