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Desinformations-Kampagnen gegen Ungarn: Ihre Denkfehler und ihr Scheitern

Der Beginn der Hasskampagne gegen Ungarn hat ein Datum, einen Grund und einen Namen: Ende Mai 2010 erlangt Orban die Macht mit einer Zweidrittelmehrheit zurück. Die totalitären Ideologen der Political Correctness zetteln daraufhin eine Hasskampagne von strategischer Impertinenz an: "Wenn nicht die Liberalen die Wahlen gewinnen, dann verkünden diese: Es gibt dort keine Demokratie mehr." (Orban)

Orban war noch nicht einmal vier Monate im Amt: Und schon setzte der österreichisch-ungarische Journalist Paul Lendvai Ungarn mit dem Nationalsozialismus (nämlich mit dem Refrain aus dem "Deutschlandlied": "Deutschland über alles") in hetzerischen Verruf: "Orbán über alles".

Dann griff Lendvai zu einer demagogischen Demokratie-Klitterung. Er rechnete kurzerhand die ungarische Wahlbeteiligung (64 Prozent) und die Orban-Stimmenmehrheit (über 52 Prozent) mit der Zahl der Gesamtbevölkerung (inklusive Nicht-Wahlberechtigte sowie Nicht-Wähler) hoch. Daraus konstruierte er eine vorsätzlich-absurde Desinformation: Dass nämlich die 2,7 Millionen Fidesz-Stimmen nur "rund 1/3 der Wahlberechtigten und etwa 1/4 der Bevölkerung ausmachen" (Lendvai) würden.

Verschwiegen wird freilich, dass dasselbe Mehrheitswahlrecht etwa in Frankreich dem linken Macron zur Macht verholfen hat: Ausgehend von einer Wahlbeteiligung von 42 Prozent erreichte er (im Juni 2017) mit 43 Prozent der Stimmen überproportional 308 Mandate (von insgesamt 577), was ca. 53 Prozent entspricht. Und zwar mit nur 11,7 Prozent der Gesamtbevölkerung (von 67 Millionen. Die LREM-Stimmen betrugen 7,82 Millionen = 43 Prozent) sowie mit nur 16,5 Prozent der Wahlberechtigten (47,5 Millionen). Indem die Koalition von Macron-MOMDEM (1,1 Millionen = 6 Prozent = 42 Mandate) auf insgesamt 350 Sitze kommt, hat diese nämlich (mit 48 Prozent der Stimmen) 60 Prozent der Mandate erhalten. (vgl: Welt)

Des-Informations-Framing: "Wahlbetrug, Antisemitismus, Faschismus, Diktatur"

Lendvais hetzerische Verleumdungs-Narrative werden seither immer wieder beliebig repetiert: "Orbán spricht vom tausendjährigen ungarischen Kampf und von Selbstaufopferung, von neuer nationaler Größe." (Der Spiegel, 21.9.2020) – Sie alle sind manische Fascho-Projektionen: "Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte … Immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand … Es ist nicht mehr … als eine Ablenkung von der Gegenwart." (Henryk Broder: "Vergesst Auschwitz") "Der Spiegel" unterstellte Orban sogar Kriegstreiberei "Schwört er seine Landsleute womöglich sogar auf Krieg ein?" (Spiegel, ebda)

Freilich kann man aber gerade in Ungarn (mit seiner leidvollen Geschichte) damit nichts anfangen: "Aus Brüssel wurden nur Kolonien verwaltet, aber wir waren weder Kolonie noch waren wir Kolonisatoren. Wir haben niemandem die Heimat weggenommen, aber wir werden unsere auch nicht verschenken." (Orban-Rede, 23.10.2018)

Die Wirkung dieser permanenten Dämonisierung blieb nicht aus: 2016, ein Jahr nach Orbans konsequenter Anti-Refjutschie-Welcome-Politik, titelte das österreichische "Weekend"-Magazin (anlässlich eines ungarisch-österreichischen Fußballspiels) eine Art Endzeitkampf herbei: "Gut gegen Böse". Denn während der Flüchtlingskrise 2015 waren gezielt Fake-news verbreitet worden: etwa das Lügenbild von Bicske.

Die Hass-Linke muss sich also einen schweren Vorwurf gefallen lassen: Dass sie Goebbels-ähnliche Methoden anwendet: "Wenn du einmal zu lügen begonnen hast, bleib dabei." In all dieser linken Anti-Orban-Hass-Rhetorik manifestiert sich ein geradezu manichäisches Geschichtsbild, gepaart mit Fascho-Fetischismus. So spricht Lendvai "von Orban im Endkampf gegen Sozialisten und Liberale", von der "totalen Machtübernahme im Medienbereich" ("Orban über alles"), vom "Marsch in den Führerstaat" (Die Welt, Oktober 2010), von der "Sehnsucht nach dem starken Mann" (Standard, September 2014), und bezeichnet Ungarn als eine "verfassungsmäßige Diktatur". (Standard)

Die linken Bias-Denkfehler

  • Der "Authority- und Group-Think-Bias” appelliert an linke Gruppenzugehörigkeit, indem er immer mit sogenannten "unabhängigen" Experten aufwartet. Lendvai "hat erst letztes Jahr eine hochgelobte Orban-Biographie geschrieben." (ORF-Redakteur Wolf) – Dies verführt zu falscher Konsensbildung und Selbstzensur.
  • Die "Conjunction-Falacy" lässt falsche Geschichten vordergründig als glaubhaft erscheinen, weil das sogenannte intuitiv-einfache Denken schneller wirkt als rational-differenziertes: z.B. Lendvais groteske Wahlarithmetik-Manipulation. Der israelische Nobelpreisträger Kahnemann hat diesen Denkirrtum analysiert.
  • Unter "Action-Bias" versteht man: Eine verstörende, weil neuartige Situation (Zweidrittel-Orban-Wahlsieg) zwingt zur Schnellreaktion: "Orbán hat die Institutionen des Staates mit einem kalten Putsch gleichgeschaltet." (Standard August 2011)
  • Der "Self-Serving-Bias" verführt zu Selbstbetrug. Bei linken Wahlsiegen wird politisches Können verantwortlich gemacht: Zunächst noch hatte Lendvai den damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Gyurcsany als den "mit Abstand fähigsten Vertreter der Modernisierung" bezeichnet. ("Reformstau in Ungarn" / 11.4.2007) – Bei unangenehmen Ergebnissen sind dann ungerechte Einwirkungen schuld, und nicht Gyurcsany‘s Lügenrede: Der jetzige Oppositionspolitiker "Gyurcsány will das Gute, aber er macht es schlecht; Orbán will das Böse, aber er macht es gut." (s.o.: "Orban über alles")
  • Sehr beliebt ist das "Framing": Die meisten Käufer entscheiden sich nämlich für ein Produkt mit der Aufschrift "98 Prozent fettfrei" statt für das mit "1 Prozent fetthaltig": "Orban tritt das europäische Wertesystem mit Füßen." (Standard) – Anti-Corona-Demonstranten wurden (vom ORF) in Polen als "Bürger-Rechtler", in Deutschland hingegen als "Rechts-Extreme" gelistet.
  • Der "Self-Selection-Bias" entrationalisiert unangenehme Entwicklungen (nach dem Motto: "Warum passiert es immer nur mir, dass ich im Stau stehe?) mit der Kategorie des Schicksalhaften: "Orban ist ein raffinierter Politiker." (Lendvai)

Die Linke und ihr anti-demokratischer Reflex

Im Anschluss an die Demonstration gegen die Lügenrede des Ex-Sozialisten-Präsidenten Gyurcsany (23.10.2006) kam es zu brutalen Übergriffen der Polizei gegen überwiegend friedliche Bürger. Berichtet wurde darüber in den Westmedien nicht. Dieser antidemokratische Reflex wurzelt in einem links-faschistoiden Mythos: Dass nämlich die revolutionäre Linke, Träger des modernen Fortschritts und einer übergeordneten Wahrheit wäre.

Großes historisches Vorbild: Der Bolschewiken-Kommunisten-Putsch 1917 gegen die russische Kerenski-Regierung: "Massenerschießungen sind ein legitimes Mittel der Revolution." (Lenin) – So verteilte der linke Budapester Ex-Bürgermeister (und EU-Parlamentarier) Gabor Demsky in Underground-Kampf-Manier vor Wahllokalen (2018) Flugblätter und attackierte Reporter von Echo-TV, um allen Ernstes einen Orban-Wahlsieg doch noch verhindern zu können.

Ein anderes beliebtes Mittel der Manipulation: Auswahl und Gewichtung. Genau sechs Tage (14.4.2018) nach der von Orban gewonnenen, demokratischen Wahl beanspruchte eine Minderheit linker Orwell’scher Neusprech-Krakeeler für sich, das gesamte Volk zu vertreten. Westmedien setzten deren Leit-Slogan groß in Szene: "Wir sind die Mehrheit! Wir sind das Volk!" (ORF) – Frei nach dem Motto des ersten kommunistischen DDR-Vorsitzenden Walter Ulbricht: "Alles muss demokratisch aussehen. Aber wir müssen alles in der Hand haben." (FAZ)

Ein anderer Klassiker der Medienmanipulation ist das "Verschweigen" von Tatsachen: So etwa eine PRO-Orban-Massenkundgebung (zum Nationalfeiertag am 15.3.2018 in Budapest) mit mehreren hunderttausenden Menschen.

Letztendlich scheinen sich diese plumpen Anti-Ungarn-Fake-Kampagnen aber mittlerweile ins Leere zu verlaufen. Selbst der "Spiegel" resigniert darüber, dass "Orban die EU vor sich her treibt: Kommissionschefin von der Leyen wirkt hilflos." (29.9.2020) – Es folgt eine für Linke bittere Erkenntnis: "Orban auf dem Weg zum Sieg." (28.9.2020)

Orbans Taktik der nachhaltigen Konsequenz…

…folgt eigentlich nur den Grundsätzen jeder nachhaltigen Rhetorik: Klarheit im Ausdruck und im Benennen der politischen Wirklichkeit sowie ihrer Probleme.

1.) In der Flüchtlingskrise:
"Der Westen fällt, während Europa nicht einmal bemerkt, dass es besetzt wird." (Orbán: "Rede zur Lage der Nation", 18.2.2018)

2.) Beim Nationalstaat:
"Wir wollen starke Nationalstaaten ... Wir haben die Migranteninvasion aufgehalten, und wir werden den Niedergang Europas aufhalten." (Orbán: "Rede zum Nationalfeiertag" 15.3.2019 – DieWelt)

3.) In der Kritik am internationalen Finanzsystem, am Globalismus:
"Der IWF ist eine Krähe, die keiner anderen ein Auge aushackt." (Orbán, 2013 – Der Tagesspiegel) – "Die Herren der globalistischen Politik verkündeten, dass das Volk eine Gefahr für die Demokratie darstellt." (Orban)

4.) In der Kritik an den undemokratischen West-EU-Eliten:
"Die Nihilisten (Juncker, Verhofstadt, Schulz) sind in der Gesellschaft in der Minderheit, aber die europäische Elite haben sie schon lange okkupiert." (Orbán, NZZ 2016)

5.) In der Ablehnung des Multikulturalismus und im Bezug auf das Christentum:
"Ungarn folgt Westeuropa im Multikulturalismus nicht. Unsere Verfassung beschreibt das Christentum als eine Kraft, die die Nation stärkt." (Süddeutsche, 2019)

6.) In der Ablehnung der Meinungsdiktatur der Political-Correctness:
Diese "verletzt die Gedanken- und Meinungsfreiheit. Ich dagegen, als Illiberaler, verteidige die Freiheit des Wortes." (ebda s.o.)

7.) Mit seinem wert-konservativen Weltbild:
"Ich glaube an die einfachen Dinge. An die Arbeit, an die Familie und an die Heimat. Wir Ungarn besitzen dann eine Zukunft, wenn wir Ungarn bleiben.” (Orbán: "Rede zur Lage der ungarischen Nation", 18.2.2018)

Genau genommen manifestiert sich darin aber genau das Gegenteil der Political-Correctness-Relativierei. Und gerade deshalb bahnte sich schlussendlich und trotzdem die Wahrheit den Weg zurück ans Licht…

"Es gibt kein Verbrechen, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich. Irgendwann wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen." (J. Pulitzer – ungarisch-amerikanischer Journalist)

PS: BREAKING NEWS: Orban will die Gehälter der Ärzte bis 2023 schrittweise verdoppeln. (Bild) Es darf darauf gewettet werden, ob darüber in den westlichen Medien berichtet werden wird …

Dr. Elmar Forster ist Lehrer und lebt(e) seit 1992 als Auslandsösterreicher in Ungarn, Prag, Bratislava, Polen, Siebenbürgen (Rumänien). Seit 2009 unterrichtet er auch wieder an österreichischen Schulen.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorcarambolage
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Oktober 2020 18:56

    Danke für den Artikel Hr. Dr. Forster.
    Alleweil Europa hätte mehr von diesen richtigen Staatsmännern.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Oktober 2020 12:48

    "Die Erkenntnis, dass wenn es so weitergeht, dann werden die christlich-konservativen Kräfte bei der Schwächung der Nationen, der Liquidierung der religiösen Traditionen und der Abqualifizierung der und Verhöhnung der Familien, hat sich hier in Mitteleuropa, auf die Ebene der öffentlichen und staatlichen Politik erhoben."
    Zitat: Viktor Orban - Die Perversität der Wiener Koalition mit den Grünen. 21.September 2020
    Ein wegweisender Artikel. Orban ist ein Visionär, ein Vorausdenker.
    Eine Begabung die Merkel und Kurz nicht haben. Beide, sowie ihre Kollegen in den EU Gremien, sind zurückgebliebene Zurückdenker.
    Nichts einfacher, als mit falschen Prämissen, zu falschen Schlüssen zu kommen und daraus abwegiges, für die Allgemeinheit schädliches Handeln, abzuleiten.
    Europa der Vaterländer. Die Menschen brauchen ein Vaterland, eine Identität, eine Zugehörigkeit zu einer Nation.
    Die EU Zwerge, die ihre eigenen langen Schatten bewundern, sind entweder dumm, oder ideologisch festgefahren. Wahrscheinlich beides.
    Parallelen zu der KPdSU und der UdSSR, sind nicht zufällig. Sondern volle Absicht.
    Es wird keinen EU Menschen geben, so wie es keine Sowjet Menschen gegeben hat. Aber wie erklärt man es Machthabern mit einen dicken roten Brett vorm Hirn.
    Mit Staatsmännern wie Orban, hätte es keine EU gegeben. Die EG wäre erfolgreich wirtschaftlich positioniert.

  3. Ausgezeichneter KommentatorHausfrau
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Oktober 2020 22:24

    Paul Lendvai hatte früher sicher gute Ideen. Aber mit 91 Jahren sind seine Sprechblasen und der Hass auf Orban als Alterskrankheit (Altersturheit - nicht Altersweisweiheit) zu betrachten und daher nicht mehr ernst zu nehmen.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Oktober 2020 10:15

    Paul Lendvai ist bekennender Jude und Gegner Österreichs, Böhmens und Deutschlands. Daher hat er einen anderen Standpunkt wie die Eingeborenen Arbeiter, die das zahlen sollen. Er wird vom ORF favorisiert obwohl er noch immer nicht deutsch kann.

  5. Ausgezeichneter KommentatorAlexander Huss
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Oktober 2020 12:33

    Sehr geehrter Herr Forster,

    auch ich möchte mich anschließen und Ihnen für diese umfangreiche und tiefgehende Analyse bedanken.

    Dennoch: Ich habe schon mehrfach festgestellt, dass es ein sehr, sehr abenteuerliches Wahlrecht braucht, um mit 48 Prozent der Stimmen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament zustande zu bringen. Ein faires Verhältniswahlrecht sieht anders aus.

    Außerdem werden ihm und seiner Partei vorgeworfen, dass orbankritische Medien mundtot gemacht werden. Außerdem haben orbannahe Unternehmen die Regionalmedien in der Hand, sodass Oppositionsparteien kaum Chancen haben, ihre Inhalte zu transportieren.


alle Kommentare

  1. Forster
    16. Oktober 2020 11:06

    War Lendvai ein ungarischer Stasi-Spitzel?

    "Dokumente über das Doppelleben von Paul Lendvai
    AB / Donnerstag 18.11.2010, 05:00 /

    Dokumente über das Doppelleben von Paul Lendvai
    Der „Protagonist“ unseres Artikels kämpft mit Schatten, als wir beweisen, dass er „freiwillig singt“ alles getan hat, was viele andere infolge von Erpressung getan haben. Wir werden fünf Dokumente veröffentlichen.

    Wie wir gestern kurz geschrieben haben : Der Journalist Paul Lendvai, der ungarische Chef der deutschsprachigen Presse Nummer eins, war ein freiwilliger Informant der kommunistischen Diktatur. Die betroffene Person nannte die "Agentenbeschuldigung" "lächerlich" gegenüber Klubrádio und sagte, dass seine Familie seit vierzig Jahren vom System überwacht werde und - wir zitieren - "ich habe den ungarischen Behörden nie Informationen zur Verfügung gestellt".

    Lendvai kämpft jedoch mit Schatten: In der wöchentlichen Antwort gibt es keine „Agentenbeschuldigung“.

    Während er sich regelmäßig in seinen Reden und seiner Opposition gegen das System bezog, traf er sich freiwillig mit ungarischen Diplomaten in Wien, um den kommunistischen staatlichen Behörden Informationen über das ungarische Oppositionsereignis mitzuteilen. Oder er besprach den Sound der Sendung von 1956 im österreichischen Fernsehen zum Gedenken an 1956 mit den Koriffs von Budapest.

    Die Behauptung des Journalisten, er habe den "ungarischen Behörden" keine Informationen zur Verfügung gestellt, ist ebenfalls unbegründet. Das Gegenteil ist aus den folgenden Dokumenten im ungarischen Nationalarchiv ersichtlich. kann mit Genehmigung der Forscher in den Archiven eingesehen werden.

    Dokument 1 ist eine Notiz von 1981 der Presseabteilung des Außenministeriums. Nach der Beurteilung seiner Situation in Lendava hebt der Text hervor, wie günstig das ungarische System in seinen Programmen ist. Die Autorin der Notiz beschreibt Lendvais Einhaltung der "Spielregeln" im Zusammenhang mit ihrem Film über den 25. Jahrestag der Revolution. Beispielsweise wurde sie "im Voraus" über den Inhalt des Films informiert.
    ( Erste und zweite Seite des Dokuments )

    Dokument 2 ist eine diplomatische Kryptowährung von 1985: Die Wiener Botschaft informiert Budapest, dass sie von Lendvai das Programm des wichtigen Oppositionsgipfels erhalten haben, eines kulturellen Gegenforums, das ungarische und westliche Intellektuelle zusammenbringt. So auch die Liste der Darsteller - mit György Konrád drauf. Die offizielle Bewertung der Veranstaltung steht außer Frage: Das Telegramm besagt, dass diese "Dissidenten" und "Gegner" teilnehmen werden.
    ( Das Dokument kann hier geöffnet werden )

    In Dokument 3 werden die Umstände der Übergabe des Dokuments ausführlich erörtert und beschrieben, wie und wie Lendvai das offizielle Kulturforum im österreichischen Fernsehen erörtern wird. Mit anderen Worten, der Journalist informiert Budapest nur über die von ihm bearbeiteten Inhalte. Lendvai war sich bewusst, dass Sie die Übertragung des Programms einschränken. Aus diesem Grund bitten wir Sie um "Diskretion" in dieser Angelegenheit
    ( der ersten und zweiten Seite des Dokuments ).

    Dokument 4 ist das betreffende Programm. Diese englischsprachige Warnung: "Vertraulich - zu Ihrer persönlichen Information" (Vertraulich - Ihre persönlichen Information) macht deutlich, dass der Wiener Journalist jegliches Material kommunistischer Macht übermittelt, das die Partner aufgrund einer persönlichen Beziehung erhalten haben.
    ( Das Programm erste Seite und eine zweite Runde )

    Schließlich ist Dokument 5 eine Notiz des stellvertretenden Ministers József Bényi aus dem Jahr 1986, die auf einem Gespräch mit Paul Lendvai basiert. Auch hier erscheint im Wiener Fernsehen die "sehr günstige Behandlung der ungarischen Beziehungen". mit der Revolution von 1956: zum Beispiel durch eine Rede von Valéria Benke, einem Mitglied des Zentralkomitees.
    ( Der erste Teil des Dokuments kann hier geöffnet werden , die zweite Seite hier )

    Auf dieser Grundlage heißt es in der neuesten Ausgabe der wöchentlichen Antwort, dass es in der Vergangenheit eine gute Anzahl weißer Flecken eines der am häufigsten zitierten osteuropäischen Experten in der deutschsprachigen Presse gegeben hat. Diese werden auch in der Zeitung ausführlich beschrieben."

    http://valasz.hu/itthon/dokumentumok-paul-lendvai-kettos-eleterol-33395/

  2. socrates
    16. Oktober 2020 10:15

    Paul Lendvai ist bekennender Jude und Gegner Österreichs, Böhmens und Deutschlands. Daher hat er einen anderen Standpunkt wie die Eingeborenen Arbeiter, die das zahlen sollen. Er wird vom ORF favorisiert obwohl er noch immer nicht deutsch kann.

  3. Forster
    14. Oktober 2020 21:33

    @Walter Nöbauer
    Bei einer demokratischen Wahl werden logischer Weise nur die Stimmen der Wahlberechtigten und der tatsächlich abgegebenen Stimmen gewertet. Nicht-Wahlberechtigte und Nichtwähler sind für die Auswertung nicht relevant.
    Zum Beispiel:
    Von 1000 Menschen sind 600 wahlberechtigt. Von diesen 600 sind aber nur 500 tatsächlich zur Wahl gegangen (100 sind Nicht-Wähler). Von den 500 abgegebenen Stimmen haben 52% den Politiker X gewählt (also 260 Personen)
    400 Personen sind nicht wahlberechtigt (0-18 Jahre).

    Lendvais Wahl-Fake-Rechnung geht so:

    Wahlbeteiligung 62 %: Es sind also (von den 600 Wahlberechtigten) "nur" 372 Personen zur Wahl gegangen. Lendvai zählt dann allen Ernstes die Nicht-Wahlberechtigten (400) und die Nicht-Wähler (228) zusammen und behauptet allen Ernstes: 628 Personen hätten GEGEN Orban gewählt. Und nur 372 hätten PRO Orban gewählt. D.h.: Nur 37,2% der Gesamtbevölkerung hätten PRO Orban gewählt.

    So funktioniert aber nirgends auf der Welt eine demokratische Wahl: Weil Nicht-Wahlberechtigte und Nichtwähler nicht berücksichtigt werden.

  4. Walter Nöbauer (kein Partner)
    14. Oktober 2020 18:41

    Sehr geehrter Herr Forster!
    Sie führen zahlreiche interessante Argumente auf. Ich habe gleich Ihre erste Kritik an Lendvai nicht verstanden, was ist falsch an seiner Berechnung: wenn es eine 64 % Wahlbeteiligung war, warum sind dann Nicht-Wahlberechtigte mitgezählt? (Nichtwähler sehr wohl, klar).

    mit freundlichen Grüßen
    Walter Nöbauer

  5. Hausfrau
    13. Oktober 2020 22:24

    Paul Lendvai hatte früher sicher gute Ideen. Aber mit 91 Jahren sind seine Sprechblasen und der Hass auf Orban als Alterskrankheit (Altersturheit - nicht Altersweisweiheit) zu betrachten und daher nicht mehr ernst zu nehmen.

    • Undine
      13. Oktober 2020 22:41

      @Hausfrau

      Sie sprechen mir aus der Seele! Aber der alte LENDVAI ist ein Erzkommunist durch und durch, und so etwas liebt man halt im ORF! Gäbe es ein Kommunismus-Verbotsgesetz, wie es dringender denn je erforderlich wäre, müßte er seinen Mund halten. Aber ORBAN ist die Eiche, ..... und gewöhnt, daß man sein Regieren FÜR sein Volk in den Boden verdammt---von linker Seite, versteht sich---und gelegentlich von KURZ.

  6. pressburger
    11. Oktober 2020 12:48

    "Die Erkenntnis, dass wenn es so weitergeht, dann werden die christlich-konservativen Kräfte bei der Schwächung der Nationen, der Liquidierung der religiösen Traditionen und der Abqualifizierung der und Verhöhnung der Familien, hat sich hier in Mitteleuropa, auf die Ebene der öffentlichen und staatlichen Politik erhoben."
    Zitat: Viktor Orban - Die Perversität der Wiener Koalition mit den Grünen. 21.September 2020
    Ein wegweisender Artikel. Orban ist ein Visionär, ein Vorausdenker.
    Eine Begabung die Merkel und Kurz nicht haben. Beide, sowie ihre Kollegen in den EU Gremien, sind zurückgebliebene Zurückdenker.
    Nichts einfacher, als mit falschen Prämissen, zu falschen Schlüssen zu kommen und daraus abwegiges, für die Allgemeinheit schädliches Handeln, abzuleiten.
    Europa der Vaterländer. Die Menschen brauchen ein Vaterland, eine Identität, eine Zugehörigkeit zu einer Nation.
    Die EU Zwerge, die ihre eigenen langen Schatten bewundern, sind entweder dumm, oder ideologisch festgefahren. Wahrscheinlich beides.
    Parallelen zu der KPdSU und der UdSSR, sind nicht zufällig. Sondern volle Absicht.
    Es wird keinen EU Menschen geben, so wie es keine Sowjet Menschen gegeben hat. Aber wie erklärt man es Machthabern mit einen dicken roten Brett vorm Hirn.
    Mit Staatsmännern wie Orban, hätte es keine EU gegeben. Die EG wäre erfolgreich wirtschaftlich positioniert.

  7. Alexander Huss
    11. Oktober 2020 12:33

    Sehr geehrter Herr Forster,

    auch ich möchte mich anschließen und Ihnen für diese umfangreiche und tiefgehende Analyse bedanken.

    Dennoch: Ich habe schon mehrfach festgestellt, dass es ein sehr, sehr abenteuerliches Wahlrecht braucht, um mit 48 Prozent der Stimmen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament zustande zu bringen. Ein faires Verhältniswahlrecht sieht anders aus.

    Außerdem werden ihm und seiner Partei vorgeworfen, dass orbankritische Medien mundtot gemacht werden. Außerdem haben orbannahe Unternehmen die Regionalmedien in der Hand, sodass Oppositionsparteien kaum Chancen haben, ihre Inhalte zu transportieren.

    • pressburger
      11. Oktober 2020 12:51

      @Alexander Huss
      Dafür überquilt die Medienlandschaft in Österreich vor Kurz kritischen Artikeln und TV Sendern.

    • Forster
      11. Oktober 2020 21:11

      Besten Dank für Ihr Interesse!
      Zum Wahlrecht: 2010 gewann Orban die 2/3-Mehrheit auf Basis des Nachwende-Wahlrechts. Von genau diesem mehrheits-fördernden Wahlsystem hatten aber bisher auch alle anderen politischen Parteien seit der Wende in Ungarn profitiert (die ungar. Sozialisten u.a. 3x: 94-98 / 02-06 / 06-10); und auch in den Wahlen zuvor gab es ähnliche Wahlbeteiligungen.
      Zur Medien"kontrolle": In Ungarn sind die meisten Online-Medien orbankritisch, wenn nicht sogar -feindich eingestellt. Hier ein Beispiel aus 24.hu:

      https://24.hu/fn/gazdasag/2020/09/08/meszaros-lorinc-vadaszhaz-ujronafo/

  8. carambolage
    10. Oktober 2020 18:56

    Danke für den Artikel Hr. Dr. Forster.
    Alleweil Europa hätte mehr von diesen richtigen Staatsmännern.





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