Desinformations-Kampagnen gegen Ungarn: Ihre Denkfehler und ihr Scheitern

Der Beginn der Hasskampagne gegen Ungarn hat ein Datum, einen Grund und einen Namen: Ende Mai 2010 erlangt Orban die Macht mit einer Zweidrittelmehrheit zurück. Die totalitären Ideologen der Political Correctness zetteln daraufhin eine Hasskampagne von strategischer Impertinenz an: "Wenn nicht die Liberalen die Wahlen gewinnen, dann verkünden diese: Es gibt dort keine Demokratie mehr." (Orban)

Orban war noch nicht einmal vier Monate im Amt: Und schon setzte der österreichisch-ungarische Journalist Paul Lendvai Ungarn mit dem Nationalsozialismus (nämlich mit dem Refrain aus dem "Deutschlandlied": "Deutschland über alles") in hetzerischen Verruf: "Orbán über alles".

Dann griff Lendvai zu einer demagogischen Demokratie-Klitterung. Er rechnete kurzerhand die ungarische Wahlbeteiligung (64 Prozent) und die Orban-Stimmenmehrheit (über 52 Prozent) mit der Zahl der Gesamtbevölkerung (inklusive Nicht-Wahlberechtigte sowie Nicht-Wähler) hoch. Daraus konstruierte er eine vorsätzlich-absurde Desinformation: Dass nämlich die 2,7 Millionen Fidesz-Stimmen nur "rund 1/3 der Wahlberechtigten und etwa 1/4 der Bevölkerung ausmachen" (Lendvai) würden.

Verschwiegen wird freilich, dass dasselbe Mehrheitswahlrecht etwa in Frankreich dem linken Macron zur Macht verholfen hat: Ausgehend von einer Wahlbeteiligung von 42 Prozent erreichte er (im Juni 2017) mit 43 Prozent der Stimmen überproportional 308 Mandate (von insgesamt 577), was ca. 53 Prozent entspricht. Und zwar mit nur 11,7 Prozent der Gesamtbevölkerung (von 67 Millionen. Die LREM-Stimmen betrugen 7,82 Millionen = 43 Prozent) sowie mit nur 16,5 Prozent der Wahlberechtigten (47,5 Millionen). Indem die Koalition von Macron-MOMDEM (1,1 Millionen = 6 Prozent = 42 Mandate) auf insgesamt 350 Sitze kommt, hat diese nämlich (mit 48 Prozent der Stimmen) 60 Prozent der Mandate erhalten. (vgl: Welt)

Des-Informations-Framing: "Wahlbetrug, Antisemitismus, Faschismus, Diktatur"

Lendvais hetzerische Verleumdungs-Narrative werden seither immer wieder beliebig repetiert: "Orbán spricht vom tausendjährigen ungarischen Kampf und von Selbstaufopferung, von neuer nationaler Größe." (Der Spiegel, 21.9.2020) – Sie alle sind manische Fascho-Projektionen: "Die Deutschen leiden an Hitler wie andere an Schuppenflechte … Immer steht das Nazi-Menetekel an der Wand … Es ist nicht mehr … als eine Ablenkung von der Gegenwart." (Henryk Broder: "Vergesst Auschwitz") "Der Spiegel" unterstellte Orban sogar Kriegstreiberei "Schwört er seine Landsleute womöglich sogar auf Krieg ein?" (Spiegel, ebda)

Freilich kann man aber gerade in Ungarn (mit seiner leidvollen Geschichte) damit nichts anfangen: "Aus Brüssel wurden nur Kolonien verwaltet, aber wir waren weder Kolonie noch waren wir Kolonisatoren. Wir haben niemandem die Heimat weggenommen, aber wir werden unsere auch nicht verschenken." (Orban-Rede, 23.10.2018)

Die Wirkung dieser permanenten Dämonisierung blieb nicht aus: 2016, ein Jahr nach Orbans konsequenter Anti-Refjutschie-Welcome-Politik, titelte das österreichische "Weekend"-Magazin (anlässlich eines ungarisch-österreichischen Fußballspiels) eine Art Endzeitkampf herbei: "Gut gegen Böse". Denn während der Flüchtlingskrise 2015 waren gezielt Fake-news verbreitet worden: etwa das Lügenbild von Bicske.

Die Hass-Linke muss sich also einen schweren Vorwurf gefallen lassen: Dass sie Goebbels-ähnliche Methoden anwendet: "Wenn du einmal zu lügen begonnen hast, bleib dabei." In all dieser linken Anti-Orban-Hass-Rhetorik manifestiert sich ein geradezu manichäisches Geschichtsbild, gepaart mit Fascho-Fetischismus. So spricht Lendvai "von Orban im Endkampf gegen Sozialisten und Liberale", von der "totalen Machtübernahme im Medienbereich" ("Orban über alles"), vom "Marsch in den Führerstaat" (Die Welt, Oktober 2010), von der "Sehnsucht nach dem starken Mann" (Standard, September 2014), und bezeichnet Ungarn als eine "verfassungsmäßige Diktatur". (Standard)

Die linken Bias-Denkfehler

  • Der "Authority- und Group-Think-Bias” appelliert an linke Gruppenzugehörigkeit, indem er immer mit sogenannten "unabhängigen" Experten aufwartet. Lendvai "hat erst letztes Jahr eine hochgelobte Orban-Biographie geschrieben." (ORF-Redakteur Wolf) – Dies verführt zu falscher Konsensbildung und Selbstzensur.
  • Die "Conjunction-Falacy" lässt falsche Geschichten vordergründig als glaubhaft erscheinen, weil das sogenannte intuitiv-einfache Denken schneller wirkt als rational-differenziertes: z.B. Lendvais groteske Wahlarithmetik-Manipulation. Der israelische Nobelpreisträger Kahnemann hat diesen Denkirrtum analysiert.
  • Unter "Action-Bias" versteht man: Eine verstörende, weil neuartige Situation (Zweidrittel-Orban-Wahlsieg) zwingt zur Schnellreaktion: "Orbán hat die Institutionen des Staates mit einem kalten Putsch gleichgeschaltet." (Standard August 2011)
  • Der "Self-Serving-Bias" verführt zu Selbstbetrug. Bei linken Wahlsiegen wird politisches Können verantwortlich gemacht: Zunächst noch hatte Lendvai den damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Gyurcsany als den "mit Abstand fähigsten Vertreter der Modernisierung" bezeichnet. ("Reformstau in Ungarn" / 11.4.2007) – Bei unangenehmen Ergebnissen sind dann ungerechte Einwirkungen schuld, und nicht Gyurcsany‘s Lügenrede: Der jetzige Oppositionspolitiker "Gyurcsány will das Gute, aber er macht es schlecht; Orbán will das Böse, aber er macht es gut." (s.o.: "Orban über alles")
  • Sehr beliebt ist das "Framing": Die meisten Käufer entscheiden sich nämlich für ein Produkt mit der Aufschrift "98 Prozent fettfrei" statt für das mit "1 Prozent fetthaltig": "Orban tritt das europäische Wertesystem mit Füßen." (Standard) – Anti-Corona-Demonstranten wurden (vom ORF) in Polen als "Bürger-Rechtler", in Deutschland hingegen als "Rechts-Extreme" gelistet.
  • Der "Self-Selection-Bias" entrationalisiert unangenehme Entwicklungen (nach dem Motto: "Warum passiert es immer nur mir, dass ich im Stau stehe?) mit der Kategorie des Schicksalhaften: "Orban ist ein raffinierter Politiker." (Lendvai)

Die Linke und ihr anti-demokratischer Reflex

Im Anschluss an die Demonstration gegen die Lügenrede des Ex-Sozialisten-Präsidenten Gyurcsany (23.10.2006) kam es zu brutalen Übergriffen der Polizei gegen überwiegend friedliche Bürger. Berichtet wurde darüber in den Westmedien nicht. Dieser antidemokratische Reflex wurzelt in einem links-faschistoiden Mythos: Dass nämlich die revolutionäre Linke, Träger des modernen Fortschritts und einer übergeordneten Wahrheit wäre.

Großes historisches Vorbild: Der Bolschewiken-Kommunisten-Putsch 1917 gegen die russische Kerenski-Regierung: "Massenerschießungen sind ein legitimes Mittel der Revolution." (Lenin) – So verteilte der linke Budapester Ex-Bürgermeister (und EU-Parlamentarier) Gabor Demsky in Underground-Kampf-Manier vor Wahllokalen (2018) Flugblätter und attackierte Reporter von Echo-TV, um allen Ernstes einen Orban-Wahlsieg doch noch verhindern zu können.

Ein anderes beliebtes Mittel der Manipulation: Auswahl und Gewichtung. Genau sechs Tage (14.4.2018) nach der von Orban gewonnenen, demokratischen Wahl beanspruchte eine Minderheit linker Orwell’scher Neusprech-Krakeeler für sich, das gesamte Volk zu vertreten. Westmedien setzten deren Leit-Slogan groß in Szene: "Wir sind die Mehrheit! Wir sind das Volk!" (ORF) – Frei nach dem Motto des ersten kommunistischen DDR-Vorsitzenden Walter Ulbricht: "Alles muss demokratisch aussehen. Aber wir müssen alles in der Hand haben." (FAZ)

Ein anderer Klassiker der Medienmanipulation ist das "Verschweigen" von Tatsachen: So etwa eine PRO-Orban-Massenkundgebung (zum Nationalfeiertag am 15.3.2018 in Budapest) mit mehreren hunderttausenden Menschen.

Letztendlich scheinen sich diese plumpen Anti-Ungarn-Fake-Kampagnen aber mittlerweile ins Leere zu verlaufen. Selbst der "Spiegel" resigniert darüber, dass "Orban die EU vor sich her treibt: Kommissionschefin von der Leyen wirkt hilflos." (29.9.2020) – Es folgt eine für Linke bittere Erkenntnis: "Orban auf dem Weg zum Sieg." (28.9.2020)

Orbans Taktik der nachhaltigen Konsequenz…

…folgt eigentlich nur den Grundsätzen jeder nachhaltigen Rhetorik: Klarheit im Ausdruck und im Benennen der politischen Wirklichkeit sowie ihrer Probleme.

1.) In der Flüchtlingskrise:
"Der Westen fällt, während Europa nicht einmal bemerkt, dass es besetzt wird." (Orbán: "Rede zur Lage der Nation", 18.2.2018)

2.) Beim Nationalstaat:
"Wir wollen starke Nationalstaaten ... Wir haben die Migranteninvasion aufgehalten, und wir werden den Niedergang Europas aufhalten." (Orbán: "Rede zum Nationalfeiertag" 15.3.2019 – DieWelt)

3.) In der Kritik am internationalen Finanzsystem, am Globalismus:
"Der IWF ist eine Krähe, die keiner anderen ein Auge aushackt." (Orbán, 2013 – Der Tagesspiegel) – "Die Herren der globalistischen Politik verkündeten, dass das Volk eine Gefahr für die Demokratie darstellt." (Orban)

4.) In der Kritik an den undemokratischen West-EU-Eliten:
"Die Nihilisten (Juncker, Verhofstadt, Schulz) sind in der Gesellschaft in der Minderheit, aber die europäische Elite haben sie schon lange okkupiert." (Orbán, NZZ 2016)

5.) In der Ablehnung des Multikulturalismus und im Bezug auf das Christentum:
"Ungarn folgt Westeuropa im Multikulturalismus nicht. Unsere Verfassung beschreibt das Christentum als eine Kraft, die die Nation stärkt." (Süddeutsche, 2019)

6.) In der Ablehnung der Meinungsdiktatur der Political-Correctness:
Diese "verletzt die Gedanken- und Meinungsfreiheit. Ich dagegen, als Illiberaler, verteidige die Freiheit des Wortes." (ebda s.o.)

7.) Mit seinem wert-konservativen Weltbild:
"Ich glaube an die einfachen Dinge. An die Arbeit, an die Familie und an die Heimat. Wir Ungarn besitzen dann eine Zukunft, wenn wir Ungarn bleiben.” (Orbán: "Rede zur Lage der ungarischen Nation", 18.2.2018)

Genau genommen manifestiert sich darin aber genau das Gegenteil der Political-Correctness-Relativierei. Und gerade deshalb bahnte sich schlussendlich und trotzdem die Wahrheit den Weg zurück ans Licht…

"Es gibt kein Verbrechen, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich. Irgendwann wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen." (J. Pulitzer – ungarisch-amerikanischer Journalist)

PS: BREAKING NEWS: Orban will die Gehälter der Ärzte bis 2023 schrittweise verdoppeln. (Bild) Es darf darauf gewettet werden, ob darüber in den westlichen Medien berichtet werden wird …

Dr. Elmar Forster ist Lehrer und lebt(e) seit 1992 als Auslandsösterreicher in Ungarn, Prag, Bratislava, Polen, Siebenbürgen (Rumänien). Seit 2009 unterrichtet er auch wieder an österreichischen Schulen.

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