Unreformierbar, unbelehrbar – Tu felix Austria!

Lesezeit: 2:00

Was wie eine kleine Fußnote in der österreichischen Medienwelt begonnen hat, scheint sich zu einer veritablen politischen Krise zu entwickeln. Nach österreichischem Verständnis ist es offensichtlich unmöglich, dass ein Unternehmens-Chef etwa den Personalchef bestimmt und somit Herr über die (weitere) Zusammensetzung seines Hauses wird.

Es ist also scheinbar ein Ding der Unmöglichkeit, wenn ein solcher CEO in Österreich international übliche Selbstverständlichkeiten für sich beansprucht, wie es eben das Recht wäre, Personen seines Vertrauens in zentralen Positionen zu installieren. Dabei geht es um die Nationalbank, ein wichtiges Unternehmen der Republik. Oder liegt die Aufregung einfach nur daran, dass die Absetzung einiger weniger Personen eben nur Mitarbeiter mit dezidiertem SPÖVP-Hintergrund betroffen hat?

Betrachtet man die Bestellungen der Persönlichkeiten der ÖNB während der letzten Jahre, so finden sich vorwiegend Personen des linken bzw. durchaus marxistisch angehauchten Zirkels der Wiener Volkswirtschafts-Institute.

Mit der Bestellung von Robert Holzmann als Gouverneur sollte eigentlich endlich eine Zeitenwende eingeläutet werden. Robert Holzmann tat zuerst das, was jeder besonnene Manager in seinem Haus tun würde: ausmisten, um danach neu auszurichten.

Die Anwendung dieses dem Gouverneur zustehende Recht wird dem parteifreien, aber auf einem blauen Ticket eingezogenen Holzmann als "rechtswidrig" ausgelegt. Der gut eingespielte Pöbel aus Medien und Funktionären schäumt und empört sich dermaßen laut, dass die Entscheidung zurückgenommen wurde (oder wohl werden musste).

Man darf sich daher auch nicht groß wundern, wenn sich Persönlichkeiten nach einer erfolgreichen internationalen Karriere schwer an die bizarren lokalen "Austriaca" anpassen. Hauptsache alles bleibt, wie es ist. So wird jede Reform im Keim erstickt.

Als Unternehmer finde ist diese Entwicklung mittlerweile nur lachhaft, ja sogar impertinent.

Eines sollte der ÖVP in diesem Zusammenhang bewusst sein, nämlich dass sie für Reformen gewählt wurde, insbesondere im finanz- und wirtschaftspolitischen Bereich. Viele beim Pyrrhus-Sieg zur ÖVP übergelaufene blaue Stimmen sind nur geliehen.

Anstatt permanent den neuen amtierenden Gouverneur zu kritisieren, wäre es sinnvoller, besser geeignete Kandidaten als ÖNB-Direktoren zu bestellten als die aktuell von der ÖVP Berufenen, denn im Vergleich zu Holzmann oder Schock verfügen beide ÖVP-ler über wenig Bankenerfahrung.

MMag. Peter Haider ist Unternehmer in London und Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorKyrios Doulos
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    04. Oktober 2019 21:49

    Danke, daß Sie das thematisiert haben, Herr MMag. Haider. Leider bekommt man zu dem Thema Nationalbank nichts Seriös-Informatives zu lesen und als Laie kann man das schwer mitbeurteilen.

    Daß es kaum mehr Dinge gibt, die ein GF, CEO, eigenständig entscheiden darf, ist erschreckend. Das wollen die EU, unsere Parteien und unsere Kammern so haben, denen wir noch dazu neben Steuern und Abgaben zusätzliche Zwangsabgaben (Schutzgeld nenne ich das beim Zahlungszweck, wenn ich die WK-Umlage überweise) zahlen müssen.

    Aber nicht nur die Politik/Kammern verschlimmern die Lage von Jahr zu Jahr. Auch die großen Konzerne engen den Spielraum der kleineren Partner extrem ein. Siehe amazon und die Firmen, die über amazon verkaufen wollen/müssen. Siehe die ganzen Autokonzerne, die den Autohändlern bis ins kleinste Detail (das dem Kunden vollkommen wurscht ist und den Händler sehr viel kostet) befiehlt, wie die Bodenfliesen im Verkaufsraum (das alle paar Jahre neu gebaut werden muß, weil ein Designfuzzi des Konzerns das so will) auszusehen haben. Usw. Usf.

    Eine freie Marktwirtschaft haben wir nicht mehr. Es ist eine gelenkte Marktwirtschaft in Kombination mit kommunistischer Planwirtschaft (siehe Energiepolitik der "konservativen" CDU/CSU).

    In Österreich sehe ich keine wirklich wirtschaftsliberale Richtung in nur irgendeiner Partei. NEOS zählt nicht, weil der Rahmen deren politischen Denkens auch dieselbe EU-hörige und linkssozialistische pol.corr.-feministisch (Quote, Gendern)-klimahysterische Gesinnung ist, die uns das Leben atmosphärisch und pekuniär immer schwerer und dröger macht.

    In Ihrem Artikel vermisse ich eine gute Idee, wie man das Ruder realpolitisch herumreissen kann. Ich vermute die Ursache in dem, was mich auch plagt: Ich habe keine Ahnung, wie das ohne kollektive Katastrophe gehen wird oder gehen kann.

    Und die Medien sind leider kein Anlaß zu irgendeiner Hoffnung - ganz im Gegenteil, sie sind Teil des diffusen, langsam alles lähmenden Kartells.

    Und doch: Es ist wichtig, daß man den Mund ab und wann aufmacht. So wie Sie das mit diesem Beitrag gemacht haben. Danke.

  2. Ausgezeichneter KommentatorChristian Peter
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Oktober 2019 12:00

    Der Staat als Beute der Parteien - so läuft das in der Bananenrepublik Österreich seit nunmehr 100 Jahren. Wahrscheinlich haben sich die Uraltparteien ÖVP, FPÖ und SPÖ die Nazis als Vorbild genommen, die waren Experten in Sachen Parteienstaat..

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorChristian Peter
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Oktober 2019 12:00

    Der Staat als Beute der Parteien - so läuft das in der Bananenrepublik Österreich seit nunmehr 100 Jahren. Wahrscheinlich haben sich die Uraltparteien ÖVP, FPÖ und SPÖ die Nazis als Vorbild genommen, die waren Experten in Sachen Parteienstaat..


alle Kommentare

  1. wunderwelt (kein Partner)
    12. Oktober 2019 10:25

    Die ÖNB hat bestenfalls nostalgischen Wert, der praktische ist für die Republik längst vorbei. Insoferne ist es mir egal, wer dort mit wem kann und wer nicht, es ist nur schade um das viele Geld, das die Herrschaften den Steuerzahler kosten. Die wahre Finanzmacht sitze heute in Frankfurt in Gestalt der EZB, und was die dort verbraten, dringt gottlob immer mehr an die Öffentlichkeit, s. diverse Medien in den letzten Wochen.

  2. Christian Peter (kein Partner)
    06. Oktober 2019 12:00

    Der Staat als Beute der Parteien - so läuft das in der Bananenrepublik Österreich seit nunmehr 100 Jahren. Wahrscheinlich haben sich die Uraltparteien ÖVP, FPÖ und SPÖ die Nazis als Vorbild genommen, die waren Experten in Sachen Parteienstaat..

  3. Kyrios Doulos
    04. Oktober 2019 21:49

    Danke, daß Sie das thematisiert haben, Herr MMag. Haider. Leider bekommt man zu dem Thema Nationalbank nichts Seriös-Informatives zu lesen und als Laie kann man das schwer mitbeurteilen.

    Daß es kaum mehr Dinge gibt, die ein GF, CEO, eigenständig entscheiden darf, ist erschreckend. Das wollen die EU, unsere Parteien und unsere Kammern so haben, denen wir noch dazu neben Steuern und Abgaben zusätzliche Zwangsabgaben (Schutzgeld nenne ich das beim Zahlungszweck, wenn ich die WK-Umlage überweise) zahlen müssen.

    Aber nicht nur die Politik/Kammern verschlimmern die Lage von Jahr zu Jahr. Auch die großen Konzerne engen den Spielraum der kleineren Partner extrem ein. Siehe amazon und die Firmen, die über amazon verkaufen wollen/müssen. Siehe die ganzen Autokonzerne, die den Autohändlern bis ins kleinste Detail (das dem Kunden vollkommen wurscht ist und den Händler sehr viel kostet) befiehlt, wie die Bodenfliesen im Verkaufsraum (das alle paar Jahre neu gebaut werden muß, weil ein Designfuzzi des Konzerns das so will) auszusehen haben. Usw. Usf.

    Eine freie Marktwirtschaft haben wir nicht mehr. Es ist eine gelenkte Marktwirtschaft in Kombination mit kommunistischer Planwirtschaft (siehe Energiepolitik der "konservativen" CDU/CSU).

    In Österreich sehe ich keine wirklich wirtschaftsliberale Richtung in nur irgendeiner Partei. NEOS zählt nicht, weil der Rahmen deren politischen Denkens auch dieselbe EU-hörige und linkssozialistische pol.corr.-feministisch (Quote, Gendern)-klimahysterische Gesinnung ist, die uns das Leben atmosphärisch und pekuniär immer schwerer und dröger macht.

    In Ihrem Artikel vermisse ich eine gute Idee, wie man das Ruder realpolitisch herumreissen kann. Ich vermute die Ursache in dem, was mich auch plagt: Ich habe keine Ahnung, wie das ohne kollektive Katastrophe gehen wird oder gehen kann.

    Und die Medien sind leider kein Anlaß zu irgendeiner Hoffnung - ganz im Gegenteil, sie sind Teil des diffusen, langsam alles lähmenden Kartells.

    Und doch: Es ist wichtig, daß man den Mund ab und wann aufmacht. So wie Sie das mit diesem Beitrag gemacht haben. Danke.





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