Wiener Tagebuch: Summer in The City

Lesezeit: 3:30

Auch wenn die Sonne die Stadt wie einen Backofen aufheizt, der Hochsommer in Wien hat seine angenehmen Seiten. Zum Beispiel am Abend in einem Gastgarten oder beim Heurigen in Stammersdorf zu sitzen. Ein weiterer Sommerbonus: Es sind deutlich weniger Menschen unterwegs. Sieht man von den Teilen der Stadt ab, wo sich die Touristenmassen durch die Straßen wälzen.

Die U-Bahnen sind zu den Stoßzeiten nicht mehr heillos überfüllt, die Parkplatzsuche deutlich entspannter und wenn ich vor mein Haustor trete – ich wohne auf einer belebten Einkaufsstraße –, sind die Menschenströme davor derzeit deutlich lichter. Weniger Gedränge und Geschiebe überall. Herrlich.

Im Hochsommer ist Wien so, wie es vor nicht langer Zeit das ganze Jahr über war. Jetzt platzt die Stadt aus allen Nähten. Wien wächst und wächst. Zur Jahrtausendwende lebten hier rund 1,5 Millionen Menschen. Heuer ist die 1,9-Millionen-Einwohnermarke überschritten worden. Ein Plus von rund 400.000 Menschen in den vergangenen Jahren. Das merkt man. Überall.

Die Infrastruktur, egal ob öffentliche Verkehrsmittel oder Spitäler, ist nicht entsprechend ausgebaut worden. In den Wiener Spitalsambulanzen oder auf den Magistraten muss man stundenlang warten, zu den Stoßzeiten ist auf mancher maroden U-Bahn-Linie mittlerweile mehr Gedränge als in Tokio. Mit dem Unterschied, dass die Japaner freundlicher, disziplinierter und gewaschener sind. Da helfen auch keine von Ulli Sima einparfümierten U-Bahn-Waggons.

Wien ist aber nicht deshalb so schnell gewachsen, weil es ein boomender Wirtschafts- und Industriestandort wäre, wie etwa Bratislava mit seiner Autoindustrie. Zum Vergleich: Obwohl das regionale BIP des Großraums Bratislava weit über jenem von Wien liegt und sich auch die Arbeitsplatzsituation in der slowakischen Hauptstadt wesentlich besser darstellt, strömten die Menschen – vor allem aus der Dritten Welt – zu Tausenden nach Wien, nicht in das boomende Bratislava. In dieser Region steigt die Bevölkerungszahl seit Jahren nur leicht. Trotzdem arbeiten in der slowakischen Hauptstadtregion in absoluten Zahlen genauso viele Menschen in der Industrie wie in Wien. Mit dem Unterschied, dass Wien fast vier Mal so groß ist. Allein 2015 wuchs unsere Bundeshauptstadt um rund 43.000 Einwohner, also um eine Stadt in der Größe von Wiener Neustadt!

Was die Menschen hierher lockt, ist vor allem die ausgabenfreudige rot-grüne Stadtregierung, die die Mindestsicherung auch ohne genaue Kontrollen großzügig und bereitwillig auszahlt, wie der Rechnungshof 2017 bemängelte. Das hat sich bis in die hintersten Bergtäler Pakistans herumgesprochen. Wien ist ein Magnet für Menschen, die vom Sozialstaat profitieren wollen. Fast zwei Drittel aller Mindestsicherungsbezieher in Österreich leben in der Bundeshauptstadt. Der Zuzug ist zwar etwas zurückgegangen, dafür ist die Geburtenrate dank der Migranten aus dem islamischen Raum mittlerweile gleichbleibend hoch.

Es ist grundsätzlich nichts gegen eine schnell wachsende Stadt einzuwenden, wenn eine prosperierende Wirtschaft neue Arbeitskräfte braucht und anzieht. Das ist aber im wirtschaftsfeindlichen rotgrünen Wien nicht der Fall. Im Gegenteil. 17 Prozent der Wiener Industriebetriebe haben in den vergangenen Jahren Betriebsteile an andere Standorte verlegt. Weitere zehn Prozent können sich vorstellen, das in den kommenden Jahren zu tun. Das hat eine Befragung der Wirtschaftskammer im vergangenen Jahr ergeben.

Als Gründe für die Abwanderung aus Wien gaben die Unternehmer an: übersteigerte Bürokratie, hohe Betriebskosten und Abgaben sowie Fachkräftemangel! Da strömen Zigtausende Menschen nach Wien, trotzdem sind Fachkräfte absolute Mangelware. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei mehr als 11 Prozent (Juni 2019) und damit weit über dem bundesweiten Schnitt. In Tirol und Salzburg sind es keine vier Prozent!

Wer braucht schon qualifizierte Menschen, wenn die Mindestsicherung in Strömen fließt? SPÖ und Grüne jedenfalls nicht. Für Wien gilt offenbar jenes Motto, das die Fraktionsvorsitzende der deutschen Grünen, Katrin Göring-Eckardt, ausgegeben hat: "Weil wir auch Menschen hier brauchen, die in unserem Sozialsystem zu Hause sind."

Warum? Weil diese Menschen vor allem Rote und Grüne wählen (solange sie sich noch nicht selbst politisch organisiert haben). Vor allem deshalb ist Wien so schnell gewachsen. Linker Wählerimport. Vielleicht heizt unsere neue sympathische Vizebürgermeisterin Birgit Hebein die Zuwanderung nach Wien wieder an. Sie ist schließlich Sozialarbeiterin und sagt stolz: "Ich mache linke Politik – was denn sonst?" Was sonst! Wir sind in Wien. Ich genieße trotz allem den Sommer hier. Zum Beispiel beim Heurigen.

Werner Reichel ist Autor und Journalist. Sein neues Buch "Der deutsche Willkommenswahn – Eine Chronik in kommentierten Zitaten 2015-2016" ist soeben bei Frank&Frei erschienen.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorForster
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juli 2019 10:33

    Ohne die Arbeitskraft von Menschen aus dem Osten (Rumänen, Ungarn, Polen, Slowaken...) wäre die Wirtschaft des Burgenlandes (und teils Österreichs) schon längst zusammengebrochen. Kein österr. Mindestsicherungsempfänger arbeitet noch für 1200.-Eur im Gastgewerbe, der Bauwirtschaft, der Landwirtschaft, den Pflegeberufen... Dafür hängt diese Sozi-Klientel dann grantelnd in den Shopping-Malls ab.
    Bald werden diese Ost-Fachkräfte aber wieder in ihre Heimatländer zurückkehren: Denn dort boomt die Wirtschaft, die Durchschnittslöhne von Facharbeitern nähern sich den österreichischen an und in Ungarn wünschen sich Menschen gegeneinander „Jo munkat!“ („Ich wünsche eine Gute Arbeit!“). In Österreich heißt das dann „Scheiß Hockn!“, und das Karriere-Ziel von Sozi-Mindestsicherungs-Empfängern ist möglichst baldige Frühpension…

  2. Ausgezeichneter Kommentator11er
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juli 2019 10:12

    Rotgrün bastelt eifrig an künftigen NoGo-Areas und wird Wien mittelfristig zur Shithole-Bundeshauptstadt machen.

    Sozialisten sahen in Wien immer eine Perle, die Nationalen wollten ihre wenig erfolgreich eine Fassung verpassen, die Internationalen werfen sie hoch motiviert vor die Säue.

  3. Ausgezeichneter KommentatorFranz77
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juli 2019 19:08

    Herr Reichel, super wie immer. Danke!!!

  4. Ausgezeichneter KommentatorWolfram Schrems
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juli 2019 13:49

    Neben dem Heurigen und dem Gastgarten gibt es noch einen anderen Ort in Wien, den man anläßlich von Sommer und Urlaub vielleicht besuchen könnte oder auch sollte:

    Ein Besuch auf einem Wiener Friedhof ist - abgesehen vom religiösen Wert - auch von ästhetischem Wert. Das Totengedenken ist wichtiger Teil der Zivilisation und hilft, die eigenen Lebensentscheidungen immer wieder zu justieren.

    Ich gestatte mir in diesem Zusammenhang, an dessen heutigem 85. Todestag eines großen österreichischen Staatsmannes zu gedenken und dazu auf die betreffenden Ausführungen aus meiner Feder in diesem Internettagebuch zu verweisen:
    https://www.andreas-unterberger.at/2014/07/engelbert-dollfus-zum-80-todestag-ehre-wem-ehre-gebuehrt/

  5. Ausgezeichneter KommentatorLaurin
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Juli 2019 12:02

    Vergessen wir nicht die Wiener Universitäten als Brutstätten grün-sozialistischer Politik.
    Gepaart mit Medien wie den ORF, Standard und Falter ergibt das die perfekte marxistische, grün-totalitäre Gehirnwäsche.

    2015/2016 bemühte man sich im Salzburger Raurisertal um die Integration mehrerer junger Männer aus Syrien und Afghanistan, in der Hoffnung, sie würden im Tourismus Arbeit und Sinn finden. Kein einziger blieb, alle gingen nach Wien.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorharo
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Juli 2019 16:40

    Der linke Wählerimport urlaubt gerne in der ursprünglichen Heimat. Nach zwei Monaten Heimaturlaub brauchen so manche Schulkinder im Herbst wieder Deutschkurse. Eltern finden für ihre Kinder Braut oder Bräutigam aus dem islamischen Raum und die Islamisierung Europas geht wie gewohnt weiter.

  7. Ausgezeichneter KommentatorPoliticus1
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Juli 2019 11:11

    Wien ist besonders dann lebenswert, wenn Schulferien sind.
    Da fällt mir eine Variante des Keislerlieds ein 'Wie schön wäre Wien ohne Lehrer ...'

    Ich bewundere Herrn Reichel. Bei abendlichen 30 Grad beim Heurigen sitzen ...

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorLaurin
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Juli 2019 12:02

    Vergessen wir nicht die Wiener Universitäten als Brutstätten grün-sozialistischer Politik.
    Gepaart mit Medien wie den ORF, Standard und Falter ergibt das die perfekte marxistische, grün-totalitäre Gehirnwäsche.

    2015/2016 bemühte man sich im Salzburger Raurisertal um die Integration mehrerer junger Männer aus Syrien und Afghanistan, in der Hoffnung, sie würden im Tourismus Arbeit und Sinn finden. Kein einziger blieb, alle gingen nach Wien.


alle Kommentare

  1. Tagebuchleser (kein Partner)
    05. August 2019 16:43

    Werner Reichel jammert wegen verlorener Industriearbeitsplätze, längstens seit BK Kern macht Wien auf Pizza, das ich die Zukunft ;-)

  2. haro
    27. Juli 2019 16:40

    Der linke Wählerimport urlaubt gerne in der ursprünglichen Heimat. Nach zwei Monaten Heimaturlaub brauchen so manche Schulkinder im Herbst wieder Deutschkurse. Eltern finden für ihre Kinder Braut oder Bräutigam aus dem islamischen Raum und die Islamisierung Europas geht wie gewohnt weiter.

  3. Laurin (kein Partner)
    27. Juli 2019 12:02

    Vergessen wir nicht die Wiener Universitäten als Brutstätten grün-sozialistischer Politik.
    Gepaart mit Medien wie den ORF, Standard und Falter ergibt das die perfekte marxistische, grün-totalitäre Gehirnwäsche.

    2015/2016 bemühte man sich im Salzburger Raurisertal um die Integration mehrerer junger Männer aus Syrien und Afghanistan, in der Hoffnung, sie würden im Tourismus Arbeit und Sinn finden. Kein einziger blieb, alle gingen nach Wien.

  4. HDW
    26. Juli 2019 15:51

    "Linker Wählerimport" ? Gezielte Staatsbürgerschaftsvergabe als ganz offenes Geschäftsmodell des roten Wien seit je her. Tschechische Ziegelarbeiter und Polnisch~Russische Ashkenasim in der Zwischenkriegszeit, displaced persons nach 45 jedoch keine Volksdeutschen (B.Pittermann) Aber die Kurz'schen Türkisen auf Bundesebene? "Niedriglohn Arbeitskräfte für Lohndumping" Also Neokolonialismus. Tut mir leid, soviel Marx darf schon sein.

  5. pressburger
    26. Juli 2019 09:09

    Danke für den Hinweis das auch sonnige, warme Tage, ihre rot-grüne dunkle, fröstelnde Seiten haben.

  6. Franz77
    25. Juli 2019 19:08

    Herr Reichel, super wie immer. Danke!!!

  7. Wolfram Schrems
    25. Juli 2019 13:49

    Neben dem Heurigen und dem Gastgarten gibt es noch einen anderen Ort in Wien, den man anläßlich von Sommer und Urlaub vielleicht besuchen könnte oder auch sollte:

    Ein Besuch auf einem Wiener Friedhof ist - abgesehen vom religiösen Wert - auch von ästhetischem Wert. Das Totengedenken ist wichtiger Teil der Zivilisation und hilft, die eigenen Lebensentscheidungen immer wieder zu justieren.

    Ich gestatte mir in diesem Zusammenhang, an dessen heutigem 85. Todestag eines großen österreichischen Staatsmannes zu gedenken und dazu auf die betreffenden Ausführungen aus meiner Feder in diesem Internettagebuch zu verweisen:
    https://www.andreas-unterberger.at/2014/07/engelbert-dollfus-zum-80-todestag-ehre-wem-ehre-gebuehrt/

  8. Politicus1
    25. Juli 2019 11:11

    Wien ist besonders dann lebenswert, wenn Schulferien sind.
    Da fällt mir eine Variante des Keislerlieds ein 'Wie schön wäre Wien ohne Lehrer ...'

    Ich bewundere Herrn Reichel. Bei abendlichen 30 Grad beim Heurigen sitzen ...

  9. Forster
    25. Juli 2019 10:33

    Ohne die Arbeitskraft von Menschen aus dem Osten (Rumänen, Ungarn, Polen, Slowaken...) wäre die Wirtschaft des Burgenlandes (und teils Österreichs) schon längst zusammengebrochen. Kein österr. Mindestsicherungsempfänger arbeitet noch für 1200.-Eur im Gastgewerbe, der Bauwirtschaft, der Landwirtschaft, den Pflegeberufen... Dafür hängt diese Sozi-Klientel dann grantelnd in den Shopping-Malls ab.
    Bald werden diese Ost-Fachkräfte aber wieder in ihre Heimatländer zurückkehren: Denn dort boomt die Wirtschaft, die Durchschnittslöhne von Facharbeitern nähern sich den österreichischen an und in Ungarn wünschen sich Menschen gegeneinander „Jo munkat!“ („Ich wünsche eine Gute Arbeit!“). In Österreich heißt das dann „Scheiß Hockn!“, und das Karriere-Ziel von Sozi-Mindestsicherungs-Empfängern ist möglichst baldige Frühpension…

    • Florian Teufel
      25. Juli 2019 12:53

      H.W. Sinn in Focus.de:
      "Die Gewerkschaften sind ein Kartell derjenigen, die Arbeit haben. Und wie jedes Kartell dient es dazu, überhöhte Preise durchzusetzen. Würden sich die Löhne frei nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage bilden, gäbe es keine Arbeitslosigkeit. ...
      An der Zahl der Arbeitslosen kann der Gewerkschafter ablesen, dass der Preis für Arbeit, den er durchgesetzt hat, höher war als derjenige, der sich ohne sein Zutun ergeben hätte. So gesehen ist jeder Arbeitslose mehr ein Orden mehr an der Brust des Gewerkschafters."

    • Neppomuck (kein Partner)
      27. Juli 2019 11:23

      Waren lt. O. Spengler die "Nazis die Organisation der Arbeitslosen durch die Arbeitsscheuen", so könnte man heute die Gewerkschaften "die Organisation der Leistungsunwilligen durch die Arbeitsunwilligen" nennen.

  10. 11er
    25. Juli 2019 10:12

    Rotgrün bastelt eifrig an künftigen NoGo-Areas und wird Wien mittelfristig zur Shithole-Bundeshauptstadt machen.

    Sozialisten sahen in Wien immer eine Perle, die Nationalen wollten ihre wenig erfolgreich eine Fassung verpassen, die Internationalen werfen sie hoch motiviert vor die Säue.





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