Das Dilemma der Liberalen

Lesezeit: 5:00

Liberale und Libertäre stehen vor mehreren Problemen. Eines der am schwersten wiegenden ist ihr meist vergebliches Bemühen, gegen Gefühle mit rationalen Argumenten ankämpfen zu wollen. Der Sozialismus in all seinen verführerischen Facetten verströmt eben jede Menge "soziale Wärme" und fühlt sich einfach gut an. Karl Marx: "Jeder nach seinen Fähigkeiten und jedem nach seinen Bedürfnissen." Super. Was haben die Liberalen dagegen anzubieten? Freiheit – bei voller Verantwortung für Fehlentscheidungen und allen damit verbundenen Risiken.

Das ist absolut uncool. Der Analyse dieser Problematik wurden von den besten Köpfen bereits ganze Bibliotheken gewidmet. Weitgehend vergebens, weil der Kreis, der dadurch angesprochen wird, klein ist und das heiße Bemühen sich somit aufs Predigen zu den bereits Bekehrten beschränkt.

Ein kürzlich eingegangener Leserbrief eines wohlwollenden Kritikers nimmt ein ganz spezielles Problem aufs Korn, das hiermit zur Diskussion gestellt sei. Es geht um die Frage des Umgangs der Liberalen mit der Macht.

"Sie und alle Ökonomen, egal welcher Richtung, machen für meine Begriffe einen fundamentalen Fehler: Sie lassen den das gesellschaftliche Leben beherrschenden Faktor, die Macht, und deren Gesetze außer Acht."

Der Leserbriefschreiber kommentiert in der Folge das Wesen der Macht als eines, das keine Selbstbeschränkung und/oder Regulation duldet, sondern stets nach Ausdehnung strebt:

"Da sich Macht nicht autoregulativ sättig, kennt sie auch keine den Machtmissbrauch beherrschende Selbstkontrolle. Macht ist unter anderem und in erster Linie die Fähigkeit, an das Eigentum des anderen zu gelangen, d.h. sich auf des anderen Kosten zu bereichern."

Dem ist nicht zu widersprechen. In seinem großartigen Buch "On Power" beschreibt Bertrand de Jouvenel exakt dieses Phänomen, dem er sowohl von theoretischer Seite als auch unter Hinweis auf historische Ereignisse auf den Grund geht. Nicht starke Herrscher wie Heinrich VIII., Ludwig XIV. oder Peter der Große, die allesamt erheblichen Druck auf ihre Untertanen ausgeübt hatten, wurden von Revolutionen hinweggefegt, sondern schwache Typen wie Charles I. (von Oliver Cromwell aufs Schafott gebracht), Ludwig XVI. (vom Pariser Pöbel liquidiert) oder Nikolaus II. (von den Bolschewiken abgesetzt und später ermordet).

Die Macht duldet, wie es scheint, niemanden auf dem Thron, der nicht nach ihrer Ausdehnung strebt. In Demokratien verhält es sich nicht anders. Das Stimmvieh wünscht sich mehrheitlich starke Führer – und damit Machtkonzentration. Der Leserbriefschreiber kommt dann auf das Wesen des Geldes zu sprechen und führt aus:

"Betrachtet man z.B. das Geld und die Geldtheorien, die der Geldschöpfung aus dem Nichts das Wort reden, so folgen bzw. dienen sie genau diesen Gesetzen und Zielen der Macht."

Auch dem ist zuzustimmen. Wer die Geldschöpfung kontrolliert, kontrolliert auch alles andere, wie die Liberalen sehr wohl wissen. Ein weiterer interessanter Punkt:

"…hat sich eine Nomenklatur des öffentlichen Dienstes entwickelt, die die Schlüsselpositionen der Macht, die Legislative, die Exekutive und die Judikative besetzt hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Österreichische Schule wesentlich größeren Einfluss nicht nur auf die sogenannte Intelligenzia sondern auch auf die Masse, den sogenannten Kleinen Mann, haben wird, wenn sie sich intensiv mit der Macht, der Machtbegrenzung, der Machtkontrolle und dem Machtmissbrauch beschäftigen würde."

Das ist ein sehr konkreter Gedanke, dem der Leserbriefschreiber eine ganz konkrete Forderung hinzufügt:

"Wer vom Staat alimentiert wird, ist vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen." Er knüpft daran folgende Hoffnung:

"Allein diese zwingend notwendige Forderung zur Machtkontrolle würde die Gesellschaften vollkommen verändern - in Richtung mehr und nicht weniger Freiheit, in Richtung mehr und nicht weniger Wohlstand."

In meiner Replik habe ich darauf hingewiesen, dass F. A. Hayek in seiner "Verfassung der Freiheit" (1960) zur Diskussion gestellt hat, Personen, die von Steuergeldern leben, beispielsweise Beamte, vom aktiven Wahlrecht auszuschließen. Derartige Ideen sind zwar plausibel zu argumentieren, haben auf dem Boden der gültigen Rechtsordnung aber keinerlei Aussicht auf Verwirklichung.

Da sei der "Sperrklinkeneffekt" des Sozialstaats vor: Einmal eingeführte "Errungenschaften" wie das allgemeine, gleiche Wahlrecht, werden von den gegenleistungsfrei Begünstigten und deren politischen Sachwaltern niemals wieder aus der Hand gegeben. Der Reiz und die Zweckmäßigkeit eines an der Leistung für die Gesellschaft bemessenen Zensuswahlrechts mögen daher Anlass für angeregte akademische Debatten bieten, aber keinesfalls mehr.

Meinen grundsätzlichen Standpunkt was die Machtfrage angeht, habe ich in meinem Antwortschreiben so formuliert:

Das Dilemma aus meiner Sicht: Diejenigen, die der Macht aus eben diesem Grund kritisch gegenüberstehen, da sie ihren verderblichen Charakter fürchten (der auch sie selbst nicht verschonen würde), wollen sie nicht haben, da am Ende auch ein Heiliger zum Verbrecher würde, sobald er sie in Händen hielte. Diejenigen aber, die nach Macht streben, sind entweder bereits vorher bis auf die Knochen korrupt oder sie werden es binnen kürzester Zeit sein, wenn sie erst einmal mit ihrem Gift infiziert wurden.

"Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut", wie wir von Lord Dalberg-Acton wissen. Mir ist kein einziger Fall bekannt, in welchem Macht einmal zu etwas anderem als zu Raub, Mord und Totschlag eingesetzt worden wäre. Es ist auch kein Zufall, dass die Geschichtsbücher überquellen von Lobliedern auf blutsaufende Massenmörder – von Alexander über Napoleon bis Mao. Die Namen jener Helden aber, die die Menschheit durch Handel und Wandel vorangebracht haben, sucht man in den Annalen weitgehend vergebens.

Ich sehe daher, so deprimierend diese Einsicht auch ist, weit und breit kein Entkommen aus der "Machtfalle". Mehr als mit meinen schwachen Kräften zu versuchen, Aufklärung zu betreiben, kann ich nicht. Und vor exakt diesem Problem stehen auch viele andere Libertäre, die meist nur zu den bereits Bekehrten predigen und Krethi und Plethi niemals erreichen.

Wir werden daher – so wenig verlockend diese Aussicht auch ist – das Schicksal der Kassandra teilen. Zu sehen und nicht gehört zu werden, trägt immerhin das Pathos der unausweichlichen Niederlage in sich. Ich jedenfalls kenne weit und breit keinen Libertären, der tatsächlich noch an einen "Sieg der besseren Ideen" glaubt, von dem F. A. Hayek noch geträumt hat.

Die Bordkapelle der Titanic soll ja bis zur letzten Minute tapfer musiziert haben…das werde ich – mit meinen Mitteln - auch tun. Bleiben Sie mir/uns bitte trotzdem (oder gerade deshalb) gewogen!

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorelfenzauberin
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Juli 2019 02:17

    Nun denn:

    Wenn die Macht bzw. die fehlende Macht das zentrale Problem ist, um dem Liberalismus zum Durchbruch zu verhelfen, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als Macht zu erringen.

    Macht kann man auch auf friedlichem Weg erlangen. Lernen wir doch von unseren Gegnern, die zwar alle miteinander von Wirtschaft keine Ahnung haben, aber die virtuos auf der Klaviatur der Macht spielen. Lässt man den Siegeszug des Sozialismus Revue passieren - und ja, es war ein Siegeszug, wenngleich sozialistische Systeme letztendlich immer scheitern -, dann fragt man sich als Unbedarfter, wie so ein Triumph möglich ist.

    Gehen wir zurück bis zu Antonio Gramsci, einem Kommunisten und marxistischen Philosophen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte. Gramsci lehrte, dass die politische Macht erst dann errungen werden könne, indem man zuvor die kulturelle Hegemonie erreicht. Diesen zentralen Gedanken setzte die Frankfurter Schule in die Tat um. Es waren Philosophen, es waren Künstler und viele andere, die die Gedankenwelt der Frankfurter Schule internalisiert haben und die dem Sozialismus den Weg bereiteten. Ich erinnere an Theodor Adorno, an Willy Reich, an Herbert Marcus, an Erich Fromm und viele Nachfolger, die das sozialistische Menschenbild bis in die Mitte der Gesellschaft hineingetragen haben.

    Das hat Wirkungen bis heute, wo die Linke nach wie vor praktisch alle Schaltstellen der Macht besetzt, von den Kindergärten über die Schulen und Universitäten bis zu den Gerichten, den Medien und der Verwaltung. Und nicht nur das, auch die Straße wird von der Linken beherrscht. Darum wird eifersüchtig darüber gewacht, dass das auch so bleibt. Jeder Versuch der politischen Rechten, sich beispielsweise der Straße zu bedienen, um politische Ideen zu verbreiten, werden mit allen Mitteln bekämpft. Mir fallen jetzt ad hoc die Identitären ein, die momentan die einzigen sind, die auf die Straße gehen und genau deswegen so intensiv bekämpft werden. In der medialen Branche wird dasselbe Spiel gespielt. Rechte Journalisten werden nicht nur intensiv bekämpft, sondern auch mit Sprechverboten belegt (Stichwort Verhetzungsparagraph), um sie auszugrenzen und sie damit wirkungslos zu machen. Viele andere Beispiele lassen sich finden.

    Vielleicht erkennt man jetzt, wo die Schwäche des Liberalismus liegt. Es reicht einfach nicht, eine ökonomische Ordnung zu propagieren, auch wenn diese um Zehnerpotenzen besser ist als all das, was der Sozialismus auf diesem Gebiet hervorgebracht man. Man erreicht die Menschen damit genausowenig wie mit der allgemeinen Relativitätstheorie oder der Stringtheorie.

    Will man eine gesellschaftliche Bewegung schaffen, dann braucht es dafür die Vermittlung eines bestimmten Lebensgefühls. Der einzige liberale Denker, der das gemacht hat, war eine Frau, sie hieß Ayn Rand. In ihrem Denken war die liberale Ökonomie zwar wichtig, aber gar nicht das zentrale Thema. Es war ihr unbändiger Wille zur Selbstbestimmung, zur Freiheit, zur Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, der aus jeder ihrer Zeilen herauszulesen ist. Tatsächlich hat die bei uns wenig bekannte Ayn Rand in den USA das Denken einer ganzen Generation beeinflusst und wahrscheinlich wirkt dort ihr Denken bis heute.

    Man muss genau solche intellektuelle Führer suchen und finden, um dem Liberalismus zum Durchbruch zu verhelfen. Es muss ein Menschenbild geschaffen werden, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und ihn so nimmt, wie er eben ist, mit allen seinen Fehlern und Vorzügen. Damit kann man sich sehr hübsch von der sozialistischen Gesellschaftsklempnerei abgrenzen und einer liberalen Wirtschaftsordnung den Weg bereiten.

    Jetzt ist es auch verständlich, warum die Parteien, die sich liberale gerieren, immer nur politische Randgruppen bleiben. Wie soll etwa eine Heide Schmidt, eine Fr. Meinl-Reisinger oder ein Christian Lindner eine derartige Aufbruchstimmung vermitteln, die alle mehr oder weniger mit dem Bazillus des Sozialismus infiziert sind?

    Vielleicht findet sich ein charismatischer Führer (es kann gerne auch eine Frau vom Schlage einer Ayn Rand sein), der uns aus dem Schlamassel führt. Doch vorher müssen wir die kulturelle Hohheit erreichen. Kultur, Kabarrett, Literatur, Musik, Philosophie und vieles mehr muss vom Bürgertum rückerobert werden.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    04. Juli 2019 20:04

    Sehr geehrter Herr Tögel, Ihr letzter Satz, ist einfach genial. Wir sollten es versuchen, gegen die Macht des Bösen, anzuschreiben. Unabhängig davon wie der Ausgang der Auseinandersetzung sein wird. Wie bekannt ist die Titanic tatsächlich untergegangen. Wer sagt, dass die EU mit allen ihren Kapitänen, nicht der Titanic folgen könnte.
    Als Symbol der Überheblichkeit. Auch die Besitzer der EU, die Admiralität der EU, ist in ihren Grössenwahn davon überzeugt, dass die EU wegen ihrer Grösse, und nichts anderes als der Grösse, unsinkbar ist. Man kann sich Täuschen. Die EU ist hohl, realitätsfremd, lebt von der und in der eigenen Trance.

  3. Ausgezeichneter KommentatorWafthrudnir
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juli 2019 22:27

    Der Liberalismus wird immer als "kalt" wahrgenommen werden, denn er redet von Tatsachen und nicht von Utopien, und Tatsachen sind halt bisweilen unerfreulich. Bis jetzt haben Liberale sehr häufig angenommen, daß ihre Gegner sich einfach irren, daß man also einfach die Irrtümer des Sozialismus noch sorgfältiger und logischer erklären müsse, worauf die große Mehrheit schon verstehen würde. Beispiele für diese Strategie und ihr Scheitern finden sich überreich von Mises bis Baader. Aber zwei andere Stoßrichtungen könnten mehr Erfolg versprechen:
    1) Zu betonen, daß der Linke geradezu pathologisch schwach und somit verächtlich ist. Ein leider anonymer Autor (als "anonymous conservative" leicht zu ergoogeln) stellt dies unter Berufung auf zahllose neurologische Studien sehr deutlich dar. Bei Linken ist offenbar die Fähigkeit, mit Streß umzugehen, vermindert, daher ihre hysterische Aggression und ihre Angst vor Argumenten oder "bösen Bildern", vor den Folgen ihres Handelns und überhaupt vor jeder Verantwortung. Überraschenderweise scheint bei Linken (genauer: bei amerikanischen "Liberals") ein Teil des Gehirns, die Amygdala, weniger entwickelt zu sein, die Aufgabe dieser Amygdala besteht darin, Sinneseindrücke in sinnvolle Emotionen zu übersetzen.
    2) Zu zeigen, daß linke Politik niemals aufbaut, sondern stets auf Zerstörung abzielt. Wie der russische Autor I. Schafarewitsch (große Leseempfehlung für alle Konservativen sensu latissimo) am Beispiel zahlreicher sozialistischer Bewegungen zeigt, scheint es keineswegs zu sein, daß es bei der Durchsetzung gutgemeinter linker Ideen eben leider zu großen, aber ungewollten Schäden kommt. Vielmehr ist der Schaden das eigentlich Gewollte, und der Nutzen nur die vorgeschobene Rechtfertigung. Die gesamte Argumentation Schafaretwitsch' kann man hier nicht zusammenfassen, aber ein Blick auf die Antifa, die im Kampf gegen einen Ball in der Hofburg Geschäfte zerlegt, zeigt die Richtung an. "Links" wäre also nur behutsam als Humanität getarnte Bösartigkeit, Haß auf die gesamte Schöpfung, welche wiederum aus narzisstischer Kränkung resultiere.
    Wenn diese beiden Ideen (die sich ja nicht ausschließen) allgemeine Verbreitung fänden, könnten sie mehr dazu beitragen, den Zauber der Linken zu zerstören, als es die sorgfältigste ökonomische Beweisführung vermöchte.

  4. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Juli 2019 00:55

    Nach dem Lesen der Kommentare bleibt mir nur festzustellen:

    Nicht nur der Inschinör, auch der wirklich Liberale hat es schwör (nicht nur) im obrigkeitshörigen Österreich, in dem man nach wie vor sein Schicksal lieber in die Hände eines weisen, gütigen Führers zu legen bereit ist, anstatt es trotz aller Widerstände, Risken und Unwägbarkeiten soweit wie möglich in die eigenen Hände zu nehmen.

  5. Ausgezeichneter KommentatorAndreas Tögel
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    05. Juli 2019 11:02

    Stimmt, Ayn Rand war ein Großer Geist, der dank seiner Wortgewalt - zumindest in den USA - ein Millionenpublikum angesprochen und (einst) auch in ihrem Denken beeinflusst hat. Zu Ayn Rand übrigens zwei Hinweise: ihr "Fountainhead" (idiotischer deutscher Titel: "Ein Mann wie Sprengstoff") wurde mit Gary Cooper in der Hauptrolle verfilmt; "The Passion of Ayn Rand" ist eine sehr gute Filmbiographie mit Helen Mirren in der Rolle der Protagonistin.

    Bleibt indes festzustellen, dass ihre Gedanken von keiner der beiden US-Massenparteien übernommen wurde. Heute ist der Sozialismus in den USA ebenso auf dem Vormarsch wie in der EUdSSR. Sozialismus - eine anthropologische Konstante, die stets in die Katastrophe führt. Die eindeutig besseren Ideen der Liberalen unterliegen allemal den von den Sozialisten in allen Parteien gestreuten Illusionen. Das ist übrigens keine Frage von Intelligenz und Bildung, denn die Intellektuellen waren und sind stets die Speerspitzen des freiheitsfeindlichen Totalitarismus (wie Ludwig Mises bereits vor vielen Jahrzehnten geschrieben hat).

    Mit dem von "Bürgermeister" erhobenen Vorwurf der "Feigheit vor dem Feind" werde ich leben müssen, wiewohl er nicht stimmt. Ich bin noch niemals einem Streit aus dem Weg gegangen. Aber ich werde immer der Versuchung widerstehen, dieselben verbrecherischen Mittel anzuwenden wie die Linke. Meine feste, durch zahlreiche Erfahrungen belegte Überzeugung: Sowenig man im Hurenhaus eine Jungfrau bleiben kann, kann man in die Politik gehen und dabei unschuldig bleiben. Ein Dilemma, wie gesagt.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorsocrates
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    07. Juli 2019 16:47

    Der Liberalismus ist eine Religion wie der Kommunismus. Solange alle Idealisten sind und sich daran halten, ist er gut. Danach kommen die Kanonenbooten und die Embargos. Wie liberale herrschen zeigt uns der Iran. Entweder man ist militärisch gleichwertig oder man wird unterworfen.

  7. Ausgezeichneter Kommentatorastuga
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    07. Juli 2019 00:10

    Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

    Selbst wenn nichts sonst bleibt, sich einfach dem vermeintlich Unvermeidbarem zu ergeben ist ausgesprochen langweilig.
    Und nichts macht der (echte) Wiener so gerne wie am Ende zu sagen: "Sehts i hobs ja gsogt..."

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorastuga
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    07. Juli 2019 00:10

    Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

    Selbst wenn nichts sonst bleibt, sich einfach dem vermeintlich Unvermeidbarem zu ergeben ist ausgesprochen langweilig.
    Und nichts macht der (echte) Wiener so gerne wie am Ende zu sagen: "Sehts i hobs ja gsogt..."

  2. Ausgezeichneter KommentatorNeppomuck
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Juli 2019 22:18

    Elias Canettti hat es wohl auf den Punkt gberacht:

    "Ich habe noch nie von einem Menschen gehört, der die Macht attackiert hat, ohne sie für sich zu wollen."

alle Kommentare

  1. Wafthrudnir
    09. Juli 2019 22:27

    Der Liberalismus wird immer als "kalt" wahrgenommen werden, denn er redet von Tatsachen und nicht von Utopien, und Tatsachen sind halt bisweilen unerfreulich. Bis jetzt haben Liberale sehr häufig angenommen, daß ihre Gegner sich einfach irren, daß man also einfach die Irrtümer des Sozialismus noch sorgfältiger und logischer erklären müsse, worauf die große Mehrheit schon verstehen würde. Beispiele für diese Strategie und ihr Scheitern finden sich überreich von Mises bis Baader. Aber zwei andere Stoßrichtungen könnten mehr Erfolg versprechen:
    1) Zu betonen, daß der Linke geradezu pathologisch schwach und somit verächtlich ist. Ein leider anonymer Autor (als "anonymous conservative" leicht zu ergoogeln) stellt dies unter Berufung auf zahllose neurologische Studien sehr deutlich dar. Bei Linken ist offenbar die Fähigkeit, mit Streß umzugehen, vermindert, daher ihre hysterische Aggression und ihre Angst vor Argumenten oder "bösen Bildern", vor den Folgen ihres Handelns und überhaupt vor jeder Verantwortung. Überraschenderweise scheint bei Linken (genauer: bei amerikanischen "Liberals") ein Teil des Gehirns, die Amygdala, weniger entwickelt zu sein, die Aufgabe dieser Amygdala besteht darin, Sinneseindrücke in sinnvolle Emotionen zu übersetzen.
    2) Zu zeigen, daß linke Politik niemals aufbaut, sondern stets auf Zerstörung abzielt. Wie der russische Autor I. Schafarewitsch (große Leseempfehlung für alle Konservativen sensu latissimo) am Beispiel zahlreicher sozialistischer Bewegungen zeigt, scheint es keineswegs zu sein, daß es bei der Durchsetzung gutgemeinter linker Ideen eben leider zu großen, aber ungewollten Schäden kommt. Vielmehr ist der Schaden das eigentlich Gewollte, und der Nutzen nur die vorgeschobene Rechtfertigung. Die gesamte Argumentation Schafaretwitsch' kann man hier nicht zusammenfassen, aber ein Blick auf die Antifa, die im Kampf gegen einen Ball in der Hofburg Geschäfte zerlegt, zeigt die Richtung an. "Links" wäre also nur behutsam als Humanität getarnte Bösartigkeit, Haß auf die gesamte Schöpfung, welche wiederum aus narzisstischer Kränkung resultiere.
    Wenn diese beiden Ideen (die sich ja nicht ausschließen) allgemeine Verbreitung fänden, könnten sie mehr dazu beitragen, den Zauber der Linken zu zerstören, als es die sorgfältigste ökonomische Beweisführung vermöchte.

  2. socrates
    07. Juli 2019 16:47

    Der Liberalismus ist eine Religion wie der Kommunismus. Solange alle Idealisten sind und sich daran halten, ist er gut. Danach kommen die Kanonenbooten und die Embargos. Wie liberale herrschen zeigt uns der Iran. Entweder man ist militärisch gleichwertig oder man wird unterworfen.

  3. astuga (kein Partner)
    07. Juli 2019 00:10

    Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

    Selbst wenn nichts sonst bleibt, sich einfach dem vermeintlich Unvermeidbarem zu ergeben ist ausgesprochen langweilig.
    Und nichts macht der (echte) Wiener so gerne wie am Ende zu sagen: "Sehts i hobs ja gsogt..."

  4. Neppomuck (kein Partner)
    06. Juli 2019 22:18

    Elias Canettti hat es wohl auf den Punkt gberacht:

    "Ich habe noch nie von einem Menschen gehört, der die Macht attackiert hat, ohne sie für sich zu wollen."

  5. oberösi
    06. Juli 2019 00:55

    Nach dem Lesen der Kommentare bleibt mir nur festzustellen:

    Nicht nur der Inschinör, auch der wirklich Liberale hat es schwör (nicht nur) im obrigkeitshörigen Österreich, in dem man nach wie vor sein Schicksal lieber in die Hände eines weisen, gütigen Führers zu legen bereit ist, anstatt es trotz aller Widerstände, Risken und Unwägbarkeiten soweit wie möglich in die eigenen Hände zu nehmen.

  6. Andreas Tögel
    05. Juli 2019 11:02

    Stimmt, Ayn Rand war ein Großer Geist, der dank seiner Wortgewalt - zumindest in den USA - ein Millionenpublikum angesprochen und (einst) auch in ihrem Denken beeinflusst hat. Zu Ayn Rand übrigens zwei Hinweise: ihr "Fountainhead" (idiotischer deutscher Titel: "Ein Mann wie Sprengstoff") wurde mit Gary Cooper in der Hauptrolle verfilmt; "The Passion of Ayn Rand" ist eine sehr gute Filmbiographie mit Helen Mirren in der Rolle der Protagonistin.

    Bleibt indes festzustellen, dass ihre Gedanken von keiner der beiden US-Massenparteien übernommen wurde. Heute ist der Sozialismus in den USA ebenso auf dem Vormarsch wie in der EUdSSR. Sozialismus - eine anthropologische Konstante, die stets in die Katastrophe führt. Die eindeutig besseren Ideen der Liberalen unterliegen allemal den von den Sozialisten in allen Parteien gestreuten Illusionen. Das ist übrigens keine Frage von Intelligenz und Bildung, denn die Intellektuellen waren und sind stets die Speerspitzen des freiheitsfeindlichen Totalitarismus (wie Ludwig Mises bereits vor vielen Jahrzehnten geschrieben hat).

    Mit dem von "Bürgermeister" erhobenen Vorwurf der "Feigheit vor dem Feind" werde ich leben müssen, wiewohl er nicht stimmt. Ich bin noch niemals einem Streit aus dem Weg gegangen. Aber ich werde immer der Versuchung widerstehen, dieselben verbrecherischen Mittel anzuwenden wie die Linke. Meine feste, durch zahlreiche Erfahrungen belegte Überzeugung: Sowenig man im Hurenhaus eine Jungfrau bleiben kann, kann man in die Politik gehen und dabei unschuldig bleiben. Ein Dilemma, wie gesagt.

    • Bürgermeister
      05. Juli 2019 11:33

      Ihre Vorschläge sind zu 100 % richtig - und auch auf die Gefahr hin, dass sie im Hurenhaus ihre Jungfräulichkeit verlieren müssen Sie danach streben dorthin zu gelangen, um zumindest zu versuchen sie zu behalten.

      Das Thema haben wir ja bei allen politischen Parteien. Sobald eine neue ans Ruder kommt, macht sie es gleich wie die alten.

      Ich gebe ja zu, dass ich selbst auch nicht so konsequent bin wie ich es mir von anderen wünsche. Mit dem Vorwurf lebe ich also auch selbst - denn trotz meines Synonyms bin ich ja kein Berufspolitiker. Aber Sie würde ich wählen.

  7. elfenzauberin
    05. Juli 2019 02:17

    Nun denn:

    Wenn die Macht bzw. die fehlende Macht das zentrale Problem ist, um dem Liberalismus zum Durchbruch zu verhelfen, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als Macht zu erringen.

    Macht kann man auch auf friedlichem Weg erlangen. Lernen wir doch von unseren Gegnern, die zwar alle miteinander von Wirtschaft keine Ahnung haben, aber die virtuos auf der Klaviatur der Macht spielen. Lässt man den Siegeszug des Sozialismus Revue passieren - und ja, es war ein Siegeszug, wenngleich sozialistische Systeme letztendlich immer scheitern -, dann fragt man sich als Unbedarfter, wie so ein Triumph möglich ist.

    Gehen wir zurück bis zu Antonio Gramsci, einem Kommunisten und marxistischen Philosophen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte. Gramsci lehrte, dass die politische Macht erst dann errungen werden könne, indem man zuvor die kulturelle Hegemonie erreicht. Diesen zentralen Gedanken setzte die Frankfurter Schule in die Tat um. Es waren Philosophen, es waren Künstler und viele andere, die die Gedankenwelt der Frankfurter Schule internalisiert haben und die dem Sozialismus den Weg bereiteten. Ich erinnere an Theodor Adorno, an Willy Reich, an Herbert Marcus, an Erich Fromm und viele Nachfolger, die das sozialistische Menschenbild bis in die Mitte der Gesellschaft hineingetragen haben.

    Das hat Wirkungen bis heute, wo die Linke nach wie vor praktisch alle Schaltstellen der Macht besetzt, von den Kindergärten über die Schulen und Universitäten bis zu den Gerichten, den Medien und der Verwaltung. Und nicht nur das, auch die Straße wird von der Linken beherrscht. Darum wird eifersüchtig darüber gewacht, dass das auch so bleibt. Jeder Versuch der politischen Rechten, sich beispielsweise der Straße zu bedienen, um politische Ideen zu verbreiten, werden mit allen Mitteln bekämpft. Mir fallen jetzt ad hoc die Identitären ein, die momentan die einzigen sind, die auf die Straße gehen und genau deswegen so intensiv bekämpft werden. In der medialen Branche wird dasselbe Spiel gespielt. Rechte Journalisten werden nicht nur intensiv bekämpft, sondern auch mit Sprechverboten belegt (Stichwort Verhetzungsparagraph), um sie auszugrenzen und sie damit wirkungslos zu machen. Viele andere Beispiele lassen sich finden.

    Vielleicht erkennt man jetzt, wo die Schwäche des Liberalismus liegt. Es reicht einfach nicht, eine ökonomische Ordnung zu propagieren, auch wenn diese um Zehnerpotenzen besser ist als all das, was der Sozialismus auf diesem Gebiet hervorgebracht man. Man erreicht die Menschen damit genausowenig wie mit der allgemeinen Relativitätstheorie oder der Stringtheorie.

    Will man eine gesellschaftliche Bewegung schaffen, dann braucht es dafür die Vermittlung eines bestimmten Lebensgefühls. Der einzige liberale Denker, der das gemacht hat, war eine Frau, sie hieß Ayn Rand. In ihrem Denken war die liberale Ökonomie zwar wichtig, aber gar nicht das zentrale Thema. Es war ihr unbändiger Wille zur Selbstbestimmung, zur Freiheit, zur Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, der aus jeder ihrer Zeilen herauszulesen ist. Tatsächlich hat die bei uns wenig bekannte Ayn Rand in den USA das Denken einer ganzen Generation beeinflusst und wahrscheinlich wirkt dort ihr Denken bis heute.

    Man muss genau solche intellektuelle Führer suchen und finden, um dem Liberalismus zum Durchbruch zu verhelfen. Es muss ein Menschenbild geschaffen werden, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und ihn so nimmt, wie er eben ist, mit allen seinen Fehlern und Vorzügen. Damit kann man sich sehr hübsch von der sozialistischen Gesellschaftsklempnerei abgrenzen und einer liberalen Wirtschaftsordnung den Weg bereiten.

    Jetzt ist es auch verständlich, warum die Parteien, die sich liberale gerieren, immer nur politische Randgruppen bleiben. Wie soll etwa eine Heide Schmidt, eine Fr. Meinl-Reisinger oder ein Christian Lindner eine derartige Aufbruchstimmung vermitteln, die alle mehr oder weniger mit dem Bazillus des Sozialismus infiziert sind?

    Vielleicht findet sich ein charismatischer Führer (es kann gerne auch eine Frau vom Schlage einer Ayn Rand sein), der uns aus dem Schlamassel führt. Doch vorher müssen wir die kulturelle Hohheit erreichen. Kultur, Kabarrett, Literatur, Musik, Philosophie und vieles mehr muss vom Bürgertum rückerobert werden.

    • otti
      05. Juli 2019 08:06

      elfenzauberin - zu dem genialen Artikel von Herrn Tögel ein ebenso genialer Kommentar !

      PS: ich kann mich erinnern - muß so um 1960 gewesen sein- als meinem Vater (unangenehm) auffiel, daß an jeder Ecke "die Kultur" getrommelt wurde. Damals. Ohne den heutigen Informationsmöglichkeiten. Er meinte damals, es müsse eine politische Absicht dahinter stecken........

    • frajo
      05. Juli 2019 08:19

      Vielleicht könnte man aus der Geschichte lernen. Zu Zeiten, in denen Gott im Leben des Einzelnen eine Rolle gespielt hat - mehr oder weniger - ist es der Gesellschaft mehr mehr oder weniger gut gegangen. Wenn ich von Gott rede dann meine ich den Mensch gewordenen; Jesus, der gesagt hat: Ohne mich könnt ihr nichts tun.
      Jetzt hat sich mittlerweile immer mehr der Mensch auf Gottes Thron gesetzt - die Ergebnisse sehen wir. Gelungen ist dieses erst, nachdem der Weg durch die Institutionen auch durch die Kirche gegangen ist. Das letzte Bollwerk gegen den eigenen Untergang.
      der Weg zurück zu IHM wäre der richtige. Denn ER ist nicht nur gestorben, sondern auch vom Tod auferstanden.

    • Bürgermeister
      05. Juli 2019 08:54

      Da bin ich auf ihrer Seite - auch wenn Sie anders unterwegs sind als Hr. Tögel. Er spricht ja vom Dilemma, er will keine Macht erlangen weil sie ihn korrumpiert (der Effekt wird auch in den Büchern von Watzlawick gut beschrieben), er lehnt sich zurück und verfolgt das ganze als Voyeur.

      Auch wenn ich den Artikel gut finde, das ist Feigheit vor dem Feind. Ohne Kampf ist nichts zu gewinnen, wer vorher aufgibt der hat schon verloren. Der seinerzeitige Rebellenführer von Ost-Timor war vielleicht jemand der seine Grenzen erkannt hatte.

    • werauchimmer
      05. Juli 2019 21:33

      Kleiner Hinweis:

      Der (italienische) sog. "Euro-Kommunismus" in den 70er Jahren zielte darauf ab, die Gesellschaft und insb. das bourgeoise Lager zu durchdringen, indem man sich offen gibt und verständnisvoll zeigt. Mit anderen Worten war man bemüht, die kämpferische Rhetorik zurückzustecken. Ich denke, dass noch heute so von Leuten gearbeitet wird, die insgeheim die Vergemeinschaftung der Produktionsmittel für den Weg der Zukunft halten, aber nicht als Kommunisten wahrgenommen werden wollen. Das betrifft vor allem Leute, die in Dialektik geübt sind und sich zu artikulieren wissen.

  8. oberösi
    04. Juli 2019 23:34

    Ich trage ein paar gute Kreszenzen aus dem Mittelburgenland zur letzten Party bei, versprochen!

  9. pressburger
    04. Juli 2019 20:04

    Sehr geehrter Herr Tögel, Ihr letzter Satz, ist einfach genial. Wir sollten es versuchen, gegen die Macht des Bösen, anzuschreiben. Unabhängig davon wie der Ausgang der Auseinandersetzung sein wird. Wie bekannt ist die Titanic tatsächlich untergegangen. Wer sagt, dass die EU mit allen ihren Kapitänen, nicht der Titanic folgen könnte.
    Als Symbol der Überheblichkeit. Auch die Besitzer der EU, die Admiralität der EU, ist in ihren Grössenwahn davon überzeugt, dass die EU wegen ihrer Grösse, und nichts anderes als der Grösse, unsinkbar ist. Man kann sich Täuschen. Die EU ist hohl, realitätsfremd, lebt von der und in der eigenen Trance.





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