Wiener Tagebuch: Es lebe der Zentralfriedhof

Lesezeit: 3:30

Der Zentralfriedhof gehört zu meinen Lieblingsplätzen in Wien. Ich mag die langen Alleen und die Gräber aus den verschiedenen Epochen mit ihren unterschiedlichen Baustilen. Ich mag die Verbindung von Natur und Kultur und die großartige Lueger-Kirche. Ich mag den verwilderten alten jüdische Friedhof und vor allem die Stille. Hier kann man am Rande der hektischen und lauten Großstadt spazieren, nachdenken, abschalten. Ein Ort der Ruhe, der Einkehr und des Rückzugs.

Die Stadt Wien sieht das anders. Trauer, Totenruhe, Einkehr, Stille: Papperlapapp. Reaktionärer, bürgerlicher Bullshit, Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Wir leben schließlich in einer linken Spaßgesellschaft. Zumindest im rotgrünen Wien. So eine riesige Grünfläche in einer smarten City hat viel mehr Potential, als nur die Toten dort zu bestatten. Einen der größten Friedhöfe Europas muss man vielfältiger nutzen. Es lebe der Zentralfriedhof! Buntheit, Action, Trubel und billige linke Volksbespaßung nicht nur auf der Donauinsel oder am Rathausplatz, nein, auch dort, wo die Toten ruhen. Das ist offenbar die Devise.

Seit wenigen Wochen führen zwei ausgeschilderte Laufstrecken quer durch den Friedhof. Vor wenigen Tagen sind sie mit einem großen Laufevent eröffnet worden. Ich finde das super, wenn übergewichtige Frauen im Papageienlook an einer Trauergemeinde vorbeihecheln, ausgemergelte Langstreckenläufer durch die Angehörigen von frisch Verstorbenen zischen oder Jogger ihre Dehnungsübungen direkt neben (und hoffentlich nicht auf) dem Grab von Tante Helga machen.

Das macht Spaß, das bringt Schwung und Stimmung in den lahmen Friedhofsalltag. Das findet auch die Chefin der Friedhöfe Wien, Renate Niklas: "Zum einen gibt es jetzt schon Besucher, die uns fix in ihr Sportprogramm eingebunden haben…" 1a-Argument. Alle Achtung. Statt ihnen das Joggen am Zentralfriedhof zu untersagen, animiert man die Pietät- und Geistlosen auch noch mit offiziellen Laufstrecken und Friedhof-Laufevents. Linke Politik macht selbst vor Toten nicht halt. Frau Niklas weiter: "Der Friedhof hängt am Tod, deshalb wollen viele auch nichts mit ihm zu tun haben. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir ein Angebot schaffen, die 500 Hektar Friedhofsfläche, die wir in Wien haben, als Lebensraum zu positionieren."

Tolle Idee. Das neue Motto: Auf dem Friedhof ist der Teufel los. Man könnte doch glatt den Life-Ball wiederbeleben und auf den Zentralfriedhof verlegen, die Toten Hosen könnten ein Open Air Konzert spielen, die Sozis könnte am 1. Mai statt am Rathausplatz am Zentralfriedhof aufmarschieren (das würde wenigsten passen), ein Sommerkino mit den besten Zombiefilmen wäre auch nicht schlecht und als Zweigstelle für den Wurschtelprater würde sich der Zentralfriedhof – Stichwort Geisterbahnen – ebenfalls hervorragend eignen. Zudem würden sich unsere orientalischen Mitbürger sicher über eine weitere große Fläche für ihre Grill- und Clan-Feste freuen.

Hoffentlich liest Frau Niklas hier nicht mit, ich will sie nicht auf dumme Gedanken bringen. Aber die Dame und ihre rote Umgebung haben sicher auch so allerlei Phantasien und Pläne, den Zentralfriedhof als "Lebensraum zu positionieren". Schade nur, dass die Hauptkundschaft, die Toten, nicht mehr mitmachen können.

Doch die Wiener Bürger haben offenbar mehr Gefühl für Anstand und Würde als die rote Friedhofsleitung. Ich habe bei meinem jüngsten Besuch zumindest keinen Jogger zwischen Grabsteinen herumturnen sehen. Vermutlich liegt es auch daran, dass die Bobo-Dichte in Simmering eher niedrig ist. Vor allem dieses linke Milieu findet ja die Idee vom Erlebnis- und Fitnessfriedhof besonders cool, wie man im Onlineforum des Standards nachlesen kann. Aber vom siebenten oder achten Bezirk bis an den Wiener Stadtrand in Simmering ist es halt doch ein weiter Weg.

Aber, liebe Stadt Wien und Friedhöfe Wien, wenn schon pietätlos, dann bitte richtig. Wie wäre es mit einer weiteren offiziellen Joggingstrecke durch den Zentralfriedhof. Der Tote-Sozialisten-Rundlauf. Nach Aufwärmübungen vor dem Grab von Bruno Kreisky, vorbei an der letzten Ruhestätte von Christian Broda, nutzen wir das Grab von Johanna Dohnal als natürliche Hürde, um danach ...

Verzeihen Sie, das ist pietätlos. Aber nicht so sehr, wie die roten Damen und Herren von der Stadt Wien. Die meinen das nämlich ernst.

Werner Reichel ist Autor und Journalist. Sein neues Buch "Der deutsche Willkommenswahn – Eine Chronik in kommentierten Zitaten 2015-2016" ist soeben bei Frank&Frei erschienen.

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • RSS
  • Add to favorites
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    14x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2019 16:37

    https://www.youtube.com/watch?v=4qRdFvnX_f0

    ... bis halt endlich 'Schluss mit lustig' ist.

    Provokation ist das 'Hauptgeschäft' der Linken. Haben die schon die Paragraphen von Friedhosruhe, Leichenschändung, etc. entsorgt, oder sind sie noch Gesetzesbrecher ?

  2. Ausgezeichneter Kommentatorglockenblumen
    12x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Juni 2019 08:44

    Welch ein Frevel keine Ehrfurcht vor dem Tod, zu haben!
    Auch diese hirnlosen Weiberinnen wird er ereilen :-(

    "Der Friedhof hängt am Tod..."

    ja was denn sonst? Was für eine saublöde an grenzenloser Dummheit nicht zu überbietende Aussage!

    Egal ob man damit zu tun haben will oder nicht, er kommt immer! Der FRIEDhof, deswegen heißt er so, soll ein Ort der Ruhe, der Stille, des Friedens sein!
    nach einem erfüllten, glücklichen, hektischen, traurigen, oder wie auch immer das Leben verlaufen ist, soll die Seele Frieden und Ruhe finden können!

    Jeden, der diese Strecke zum Laufen benutzt kann man doch nur zutiefst verachten!
    Wien ist so groß, bietet unendlich viele Sportmöglichkeiten, aber einen Friedhof dafür zu öffnen ist eine Schande, eine Erbärmlichkeit, eine barbarische sozialistische Ausgeburt einer degnerierten, dekadenten, unwürdigen Gesellschaft!

    Keine Ehrfurcht vor dem Tod bedeutet kein Ehrfurcht vor dem Leben, was daran zu messen ist, wie hirnbefreite, völlig verkommene Fewanzinnen den millionenfachen Babymord als Fortschritt feiern, wie diese dauerbespaßte Gesellschaft mit ihren Alten und Pflegebedürftigen umgeht! Wie wenig dafür getan wird, seine Lieben im Kreis der Familie pflegen und auf ihrem letzten irdischen Wegstück begleiten zu können - für die meisten nicht leistbar!

    Schande und Verachtung über alle jene, welche die Totenruhe mißachten, sei es durch Worte und/oder Taten!

  3. Ausgezeichneter KommentatorSkura
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Juni 2019 23:32

    Wär auch noch ne Idee:"Sag's den toten Sozis mit ner Pinkelei auf ihren Grabstein."

  4. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Juni 2019 11:01

    Warum sollten die Linken Ehrfurcht vor den Toten haben, wenn sie Kindermorde befürworten ?

  5. Ausgezeichneter KommentatorNordkette
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Juni 2019 18:10

    Und dem Herrn Schönborn sind nach seiner überstandenen Krebserkrankung und ersten Wortmeldung zu Pfingsten auch die "Hasspostings" allerwichtigstes Anliegen im kunterbunten Tollhausstaat!

    https://religion.orf.at/stories/2986045/

  6. Ausgezeichneter Kommentatorastuga
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Juni 2019 21:48

    Fehlt nur noch der Balkan- und Orientgrill am Wochenende, wie auf der Donauinsel.

    Ein Vergleich von Laufstrecke und Friedhofsplan zeigt, dass der alte wie neue jüdische und die islamischen Bereiche des Zentralfriedhofes natürlich von der "Bespaßung" ausgespart sind.

  7. Ausgezeichneter KommentatorConfusius
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Juni 2019 15:06

    Als nächstes kommt ein Fitnesscenter in den Stephansdom.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorastuga
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    11. Juni 2019 21:48

    Fehlt nur noch der Balkan- und Orientgrill am Wochenende, wie auf der Donauinsel.

    Ein Vergleich von Laufstrecke und Friedhofsplan zeigt, dass der alte wie neue jüdische und die islamischen Bereiche des Zentralfriedhofes natürlich von der "Bespaßung" ausgespart sind.

  2. Ausgezeichneter KommentatorStan Darsh
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Juni 2019 07:26

    Also ist ein Spaziergang ok, aber das Laufen linkslinke Pietätlosigkeit und das obwohl viele Läufer genau das im Laufen finden, was auch den Herrn Reichel auf den Zentralfriedhof treibt. Die paar Kilometer mehr pro Stunde machen es offenbar aus.

    Die Läufer die mir so in Wäldern und auf Bergen begegnen sind übrigens nicht lauter als Spaziergänger. Aber wer weiß wie sich linke Boboläufer aufführen, vielleicht laufen die mit Craftbier in der Hand und singen die Internationale ab.

alle Kommentare

  1. Stan Darsh (kein Partner)
    16. Juni 2019 07:26

    Also ist ein Spaziergang ok, aber das Laufen linkslinke Pietätlosigkeit und das obwohl viele Läufer genau das im Laufen finden, was auch den Herrn Reichel auf den Zentralfriedhof treibt. Die paar Kilometer mehr pro Stunde machen es offenbar aus.

    Die Läufer die mir so in Wäldern und auf Bergen begegnen sind übrigens nicht lauter als Spaziergänger. Aber wer weiß wie sich linke Boboläufer aufführen, vielleicht laufen die mit Craftbier in der Hand und singen die Internationale ab.

  2. astuga (kein Partner)
    11. Juni 2019 21:48

    Fehlt nur noch der Balkan- und Orientgrill am Wochenende, wie auf der Donauinsel.

    Ein Vergleich von Laufstrecke und Friedhofsplan zeigt, dass der alte wie neue jüdische und die islamischen Bereiche des Zentralfriedhofes natürlich von der "Bespaßung" ausgespart sind.

  3. Wolfram Schrems
    11. Juni 2019 10:26

    Danke Herrn Reichel für diese Jeremiade. Leider hat er ganz recht.

    Ich war schon einige Jahre nicht mehr dort. Meine "Wallfahrten" dorthin habe ich in guter Erinnerung. Ich bin zu zwei Opfern der NS-Justiz gepilgert: Hanns-Georg Heintschel-Heinegg, Seminarist, Dichter, Märtyrer. Leider ist dessen letzte Ruhestätte nur ungefähr eruierbar.
    Friedrich Karas, Priester der Erzdiözese Wien. Dessen Grab war in einem verheerenden Zustand, der Grabstein kaum lesbar. Das sagt auch viel aus. M. W. wurde er aber mittlerweile verlegt.

    Franz Werfel habe ich auch gerne besucht und eine Kerze angezündet. R. I. P.

    So wie Herr Reichel jetzt schreibt, scheint es mir besser, dort nicht mehr hinzugehen. Dann bleibt wenigstens die positive Erinnerung.

    Ja, offenbar haben die Roten wirklich kein Gespür für Pietät. Letztlich sind sie doch Gottlose.

  4. Nordkette
    10. Juni 2019 18:10

    Und dem Herrn Schönborn sind nach seiner überstandenen Krebserkrankung und ersten Wortmeldung zu Pfingsten auch die "Hasspostings" allerwichtigstes Anliegen im kunterbunten Tollhausstaat!

    https://religion.orf.at/stories/2986045/

    • Wolfram Schrems
      11. Juni 2019 10:28

      Der Kardinal hätte die Krankheit und die Operation nützen können, seinen desaströsen Kurs zu korrigieren und sich für die Begegnung mit seinem obersten Auftraggeber vorzubereiten. Offenbar ist diese - vielleicht letzte - Gelegenheit nutzlos verstrichen.

  5. Confusius
    10. Juni 2019 15:06

    Als nächstes kommt ein Fitnesscenter in den Stephansdom.

  6. pressburger
    10. Juni 2019 11:01

    Warum sollten die Linken Ehrfurcht vor den Toten haben, wenn sie Kindermorde befürworten ?

  7. glockenblumen
    10. Juni 2019 08:44

    Welch ein Frevel keine Ehrfurcht vor dem Tod, zu haben!
    Auch diese hirnlosen Weiberinnen wird er ereilen :-(

    "Der Friedhof hängt am Tod..."

    ja was denn sonst? Was für eine saublöde an grenzenloser Dummheit nicht zu überbietende Aussage!

    Egal ob man damit zu tun haben will oder nicht, er kommt immer! Der FRIEDhof, deswegen heißt er so, soll ein Ort der Ruhe, der Stille, des Friedens sein!
    nach einem erfüllten, glücklichen, hektischen, traurigen, oder wie auch immer das Leben verlaufen ist, soll die Seele Frieden und Ruhe finden können!

    Jeden, der diese Strecke zum Laufen benutzt kann man doch nur zutiefst verachten!
    Wien ist so groß, bietet unendlich viele Sportmöglichkeiten, aber einen Friedhof dafür zu öffnen ist eine Schande, eine Erbärmlichkeit, eine barbarische sozialistische Ausgeburt einer degnerierten, dekadenten, unwürdigen Gesellschaft!

    Keine Ehrfurcht vor dem Tod bedeutet kein Ehrfurcht vor dem Leben, was daran zu messen ist, wie hirnbefreite, völlig verkommene Fewanzinnen den millionenfachen Babymord als Fortschritt feiern, wie diese dauerbespaßte Gesellschaft mit ihren Alten und Pflegebedürftigen umgeht! Wie wenig dafür getan wird, seine Lieben im Kreis der Familie pflegen und auf ihrem letzten irdischen Wegstück begleiten zu können - für die meisten nicht leistbar!

    Schande und Verachtung über alle jene, welche die Totenruhe mißachten, sei es durch Worte und/oder Taten!

    • pressburger
      10. Juni 2019 11:03

      Absolut der gleichen Meinung. Habe Ihren Beitrag von 08.44 vorher nicht gelesen.

    • Jim Panse
      10. Juni 2019 20:11

      Das scheint System zu haben.
      Bei ,,meinem" Friedhof wurde vor ein paar Jahren ohne ersichtlichen Grund eine intakte schöne Ziegelmauer mit dekorativen Pfeilern abgerissen und durch einen hässlichen Gitterzaun ersetzt.
      Vorbei ist es jetzt mit der Stille und Ruhe beim Grabbesuch, da die Mauer den Straßenlärm gut abgehalten hat.

  8. Ausgebeuteter
    10. Juni 2019 07:22

    Der Prozentsatz an Feuerbestattungen beträgt derzeit zwischen 25 und 35 Prozent der Todesfälle. Viele Urnen werden statt am Urnenfriehof aber vorhandenen Erdgräbern beigesetzt bzw. in manchen Bundesländern ist auch die Mitnahme der Urne für Zuhause, Garten oder Verstreuung im Wald oder Wasser (z.B. Donau oder See) möglich. In Österreich gibt es derzeit zirka 20 Krematorien.

  9. Skura
    09. Juni 2019 23:32

    Wär auch noch ne Idee:"Sag's den toten Sozis mit ner Pinkelei auf ihren Grabstein."

  10. Josef Maierhofer
    09. Juni 2019 16:37

    https://www.youtube.com/watch?v=4qRdFvnX_f0

    ... bis halt endlich 'Schluss mit lustig' ist.

    Provokation ist das 'Hauptgeschäft' der Linken. Haben die schon die Paragraphen von Friedhosruhe, Leichenschändung, etc. entsorgt, oder sind sie noch Gesetzesbrecher ?





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden

Ich will die Datenschutzerklärung lesen.


© 2019 by Andreas Unterberger (seit 2009)  Impressum  Datenschutzerklärung