Der 15. Mai und nicht der 8. Mai ist ein "Fest der Freude", Herr Bundespräsident!

Lesezeit: 7:30

Die Rede des Bundespräsidenten Van der Bellen, die er am 8. Mai 2019 aus Anlass des "Festes der Freude" am sogenannten "Tag der Befreiung" gehalten hat, habe ich aufmerksam durchgelesen und mich sehr nachdenklich gefragt, ob dieser Tag so uneingeschränkt und ausschließlich als "Fest der Freude" gefeiert werden kann. Und das auch erst seit wenigen Jahren? Und warum freute sich in den Jahrzehnten davor niemand in unserer Republik?

In der Moskauer Deklaration vom 30. Oktober 1943 formulierten die Außenminister der alliierten Staaten wörtlich: "Die Regierungen des Vereinigten Königreiches, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll. Sie betrachten die Besetzung Österreichs durch Deutschland am 13. März 1938 als null und nichtig."

1945 wurde Österreich tatsächlich in den Grenzen von 1924-1938 wiederhergestellt, wie diese schon im Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye im Jahr 1919 festgeschrieben worden waren.

Weiters heißt es in der Moskauer Deklaration: "Wir erinnern Österreich daran, dass es die Verantwortung teilt und den Folgen der Tatsache, dass es an der Seite Hitler-Deutschlands am Krieg teilgenommen hat, nicht ausweichen kann. Die endgültige Regelung hängt zwangsläufig davon ab, inwieweit Österreich seinen Teil zu seiner Befreiung beiträgt."

Diese Formulierung "setzte Josef Stalin – wohl auf Initiative von Benes – durch." (vgl. Otto Habsburg, Memoiren, Amalthea, Seite 178). Die berüchtigten "Benes-Dekrete – Stichwort: Vertreibung der Sudetendeutschen" – sind immer noch Teil der tschechischen und slowakischen Verfassung!

Österreich wurde allerdings, so wie Deutschland, in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Und diese Besatzungszeit mussten wir zehn Jahre erdulden – insbesondere in der russischen Zone, in der wir lebten. In diesen Jahren gab es sicher keinen Grund zum Feiern oder gar der Freude.

Meine Mutter musste sich am 11. Juni 1946 eine "Alliierte Reise-Erlaubnis" besorgen, um die damalige Demarkationslinie an der Enns passieren zu können, weil sie mich bei einem Bauern in Oberösterreich besuchen wollte. War das ein Zeichen der von Van der Bellen besungenen Freiheit?

Oder die just an besagter Enns von den Russen verhaftete und nach Sibirien verschleppte Margarete Ottilinger? Viele Österreicher erlitten das gleiche Schicksal, verraten durch Spitzel zumeist kommunistischer Provenienz! Gab es Unterschiede zu den Gestapo-Methoden?

Umstritten ist tatsächlich die Frage, ob die Kapitulation für die Deutschen eine Niederlage oder eine Befreiung bedeutete. Richard von Weizsäcker bezeichnete in seiner Rede vom 8. Mai 1985 den Tag der Kapitulation als "Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" analog dem Geschichtsbild der DDR. Dort wurde der 8. Mai als Tag der Befreiung gefeiert. So auch die Formulierung Van der Bellens.

Dieser Deutung wird jedoch von verschiedenen Historikern widersprochen. Für Henning Köhler ist die Kapitulation "die umfassendste Niederlage der deutschen Geschichte". Für diese Interpretation spricht sicherlich die Tatsache, dass Russland jährlich am 9. Mai große Siegesparaden abhält. Wir waren in St. Petersburg Augenzeugen einer solchen. Und das Gegenteil von Sieg kann doch nur eine Niederlage sein.

Hans-Ulrich Wehler anerkennt zwar, dass "der Mai 1945 eine Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur bedeutete". Für ihn ist es aber verständlich, "dass aus der Sicht der meisten deutschen Zeitgenossen die Niederlage mit ihren Folgen als deprimierende Katastrophe empfunden wurde".

Ich bin Jahrgang 1938 und kann mich sehr genau an den Einmarsch der Russen erinnern. War ich freudig erregt ob der Befreiung oder war ich wie alle anderen auch erfüllt von Furcht und Schrecken? In beklemmender Angst vor den Bolschewiken, wie die Russen damals allgemein benannt wurden, hissten die Frauen – die Männer waren ja zumeist an der Front – weiße Tücher an den Fenstern. Sicher nicht aus Freude über das Herannahen der Russen, sondern als sichtbare Zeichen, dass man keinen Widerstand leisten würde.

Wir waren alle im Keller des Pfarrhofes in banger Erwartung. Und der erste Russe erschien mit der Forderung: "Uhra, Uhra". Meine betagte Großmutter trat als erste der versammelten Frauen vor und übergab die goldene Taschenuhr meines verstorbenen Großvaters, ein Ehrengeschenk der Gemeinde an ihn.

Unsere Wohnung war zum Teil von russischen Offizieren besetzt. Davon können auch viele unserer Landsleute ein trauriges Lied singen. Die Schlacht tobte noch und ich stand neben einer voll feuernden Stalinorgel. Die russischen Panzer standen im Liesingbach und schossen aus vollen Rohren auf die deutschen Einheiten. Tote lagen überall verstreut. Ich könnte noch über viele Gräueltaten berichten.

Niemand war von der von Van der Bellen zitierten Dankbarkeit ob der "Befreiung" erfüllt. Im Gegenteil. Aus meinem Erleben kann ich rückblickend den oben zitierten Analysen Henning Köhlers und auch Hans-Ulrich Wehlers nur zustimmen.

Die eigentliche Freiheit brachte uns der Staatsvertrag vom 15. Mai 1955. Unterschrieben von Außenminister Leopold Figl, der dies mit den berühmten Worten: "Österreich ist frei" aus dem Belvedere in Wien der ganzen Welt verkündete. Ich jubelte damals mit meiner Mutter und tausenden Österreichern im Garten des Belvederes stehend laut und begeistert, als Figl gemeinsam mit den vier Außenministern auf dem Balkon den unterschriebenen Staatsvertrag präsentierte.

Dieser 15. Mai war und ist für uns der eigentliche Tag der Freiheit und Freude!

Und just am 15. Mai 2019, stellte ich fest, dass dieser Tag der Freude vom Bundespräsidenten angefangen bis zu fast allen Medien tot geschwiegen wird. Einzig Hans-Werner Scheidls in der "Presse" gedachte des Tages. Offenbar sollen die Väter des Staatsvertrages, die ÖVP-Politiker Raab und Figl, aus der Öffentlichkeit verschwinden und genau eine Woche früher durch das sogenannte "Fest der Freude" zugedeckt werden.

Froh und dankbar über ihre Befreiung waren sicher auch alle überlebenden Opfer des Holocausts oder der vielen Konzentrationslager. Niemals vergessen sollen und dürfen die Verbrechen des so genannten Naziregimes werden. Dies sind auch die eindringlichen Forderungen aller offiziellen Stellungnahmen. Mindestens ebenso muss dies auch für alle unmenschlichen Verbrechen zu Zeiten der so genannten "linken" kommunistischen Regime verschiedenster Ausprägungen gelten. Die Abermillionen Opfer unter Stalin (mindestens 10 Millionen), Mao (mindestens 20 Millionen), in Vietnam usw. dürfen ebenfalls nicht vergessen werden.

Dieses ausgewogene Gedächtnis fehlt mir bei allen Holocaustgedenkfeiern.

Klar ist, dass jeder froh und dankbar über das Ende des Krieges war. Dass nach zähen Verhandlungen der damaligen Regierungen die meisten, längst nicht alle Kriegsgefangenen, abgemagert bis auf die Knochen, heimkamen und zumeist in Wiener Neustadt von ihren Angehörigen weinend empfangen wurden, war natürlich besonderer Grund zur Dankbarkeit. Weniger den Russen als vielmehr der österreichischen Regierung gegenüber.

Meiner Mutter, meinem Bruder und mir blieb dieses Glück verwehrt. Meinen Vater habe ich nicht gekannt. Er ist am 03. April 1943 im russischen (sowjetischen) Lager Kapustin Yar verhungert. Davon erfuhren wir erst im Jahr 1994 aus seinem Personalakt, den wir von Univ. Prof. Dr. Stefan Karner erhielten. Dafür danke ich ihm ganz besonders.

Es gab also in den Jahren nach Kriegsende nicht nur Freude, sondern auch sehr viele Gründe zur Trauer und Angst. Darauf ging Van der Bellen in seiner Rede leider nicht ein. Insofern halte ich sein Statement für nicht ausgewogen. Eine gute Gelegenheit, den jüngeren historisch weitgehend unwissenden Generationen in gebotener Kürze geschichtliche Zusammenhänge zu erklären, blieb ungenützt.

Konkret möchte ich Bundespräsident van der Bellen daher fragen und um Erklärung ersuchen:

  1. Wieso waren nur russische (sowjetische) Veteranen zu diesem "Tag der Freude" eingeladen und wurden von ihm offiziell begrüßt? Bei den Russen fallen mir immer noch die Deportationen nach Sibirien, die enormen Reparationszahlungen bzw. Reparationslieferungen (z.B. Erdöl) ein. Warum gab es von den drei übrigen Alliierten (Amerikaner, Engländer und Franzosen) keine offiziellen Repräsentanten? Ist der Marshallplan etwa keiner dankbaren Erwähnung wert?
  2. Wie kann Van der Bellen in seiner Rede seine "Dankbarkeit über die Befreiung Österreichs vom nationalsozialistischen Terrorregime" bekunden, wo er doch im Jahr 1945 erst ein Jahr alt war, als er mit seinen Eltern ins Tiroler Kaunertal geflohen ist, als sich die Rote Armee im Rahmen der Wiener Operation dem Wiener Stadtgebiet näherte, wie ich seinem Lebenslauf entnehme. Eine Flucht – noch dazu von Wien weit weg ins hinterste Kaunertal – kann ich nicht als Ausdruck von Freude oder Dankbarkeit erkennen. Viele Nazis bis hin zu höchsten Rängen haben sich in ähnlicher Weise in den österreichischen Alpen versteckt (z.B. in Altaussee etc.)
  3. Nicht mit dem eigentlichen Thema zusammenhängend aber aus aktuellem Anlass möchte ich den Bundespräsidenten fragen, ob er Herrn Erich Fenninger, den Chef der Volkshilfe, ebenso offiziell zur Rede gestellt und gerügt hat, wie er dies z.B. bei Vizekanzler H.C. Strache öffentlichkeitswirksam getan hatte. Der Grund: politisch nicht korrekte Wortwahl.

Der Kronen Zeitung habe ich folgenden Bericht entnommen:

"Bei SPÖ-Maiaufmarsch

Volkshilfe-Chef: "Oaschmenschen" in der Regierung

Eklat im Rahmen eines SPÖ-Maiaufmarsches: Wie nun bekannt wurde, fiel Erich Fenninger - Chef der Österreichischen Volkshilfe - beim roten Aufmarsch in Steyr mit wüsten Beschimpfungen gegenüber Regierungsmitgliedern auf. Fenninger sprach als Festredner auf Einladung der Bezirkspartei der SPÖ .... von "Oaschmenschen" und "schlechten Menschen, die heute in Regierungsämtern sind und erklärte, dass die Sozialdemokraten stolz darauf sein könnten, "guade Leid" zu sein."

In dieser skandalösen Angelegenheit habe ich von Van der Bellen bisher noch kein kritisches Wort gehört. "Gilt für ihn etwa, dass übelste Entgleisungen dann kein Problem sind, wenn es gegen die "Richtigen" geht?" ( vgl. Christian Ortner in "Die Presse" vom 10. Mai 2019)

Ich bin auf die Stellungnahme des Herrn Bundespräsidenten Van der Bellen schon sehr neugierig.

Warum wohl hat es am 15. Mai 1955 dieses Ersttagskuvert gegeben??

(wenn wir doch schon am 8. Mai 1945 befreit wurden ...?)

Gerhard Rohrböck war Finanzmanager bzw. Geschäftsführer mit viel internationaler Erfahrung, auch kommunalpolitisch viele Jahre engagiert.

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  1. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    13x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Mai 2019 14:14

    "Den Charakter eines Volkes erkennt man auch daran, wie es nach einem verlorenen Krieg mit seinen Soldaten umgeht.“ Ob jetzt tatsächlich von Eduard v. Ranke oder von de Gaulle, das Zitats beschreibt treffend den moralischen Zustand einer Gesellschaft, in der die Nachgeborenen per Gesetz ein Ereignis, das vom Großteil der Bevölkerung einst als Niederlage erlebt wurde, zum Jubeltag, zum Tag der Freude umbenennen.

    Totalitäre Systeme erkennt man daran, daß Lüge zu Wahrheit ist. Daß Wahrheit dekretiert und jeder Verstoß dagegen mit aller Macht geahndet wird. George Orwell: "Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit."

    Wir sind längst auf dem Weg dahin. Die einzige Freiheit besteht heute vor allem noch darin, zu entscheiden, ob Geld, das vom Polit-Bankensystem (bis zum Crash) beinahe zinsenlos bereitgestellt wird, für den Trip auf dem Kreuzfahrtschiff oder für die Trecking-Tour in der inneren Mongolei ausgegeben wird.

    Es ist der Gipfel an moralischer Verkommenheit, wenn sogenannte Politiker, die diese Zuschreibung längst nur mehr in Hinsicht auf ihre feudalen Bezüge und sonstigen Privilegien verdienen, heute von Befreiung, von Freude sprechen. Und damit jenen, die das Kriegsende wirklich miterlebt haben, ihre damals empfundenen Gefühle, ihre ganz persönlichen, teils außerordentlich traumatischen Erfahrungen, schlicht und einfach absprechen.

    Ganz gleich, wie sie das NS-Regime und ihre oft verständliche, aus persönlichen und generellen Zeitumständen heraus zutiefst nachvollziehbare jugendliche Begeisterung dafür einige Jahrzehnte später beurteilt haben mögen - 1945 empfand nur ein kleiner Teil davon das Kriegsende als Befreiung. Oder gar als Anlaß zur Freude.

    Warten wirs ab: Unmittelbar nach dem Angriff und auch nach Kriegsende sprachen die Behörden vor Ort von bis zu 250.000 Opfern des Kriegsverbrechens, begangen an der Dresdner Bevölkerung im Februar 1945, ein Großteil Frauen, Kinder, alte Männer, zahllose Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Diese Zahlen wurden offiziell auch bis 1955 von internationaler wie deutscher Seite genannt, u.a. auch von Adenauer.

    Heute ist in einschlägigen Arbeiten zeitgenössischer "Historiker", nichts anderes als willige Schreibknechte des Systems, von maximal 25.000 Toten die Rede.

    Und in ein paar Jahren wird in den "Geschichtsbüchern" nur mehr von einer Handvoll Zivilisten die Rede sein, die beim Versuch der Royal Airforce, die Dresdner aus den Händen des NS-Regimes zu befreien, tragischerweise ums Leben kamen.

    Quasi als Kollateralschaden einer großangelegten humanitären Aktion der englischen Luftwaffe auf Befehl des großen Humanisten Churchill, dem dafür posthum der Friedensnobelpreis verliehen wird.

    Möge diese abgrundtief verkommene, charakterlose Politik so schnell und so gründlich wie möglich scheitern. Ganz gleich, ob sie nun ein SPÖ- ÖVP- FP-Mascherl trägt, ein grünes, pinkes oder wie auch immer.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorpunisher
    11x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Mai 2019 16:02

    Lieber G. Rohrböck,
    ich begrüße Deinen Beitrag als einer, der am 14.03.38 geboren wurde.
    Desswegen auch das Du, mit Verlaub.
    Da meine Großmutter aus Neufelden stammte aber in Linz lebte, fuhren wir Kinder aus Windischgarsten, mit ihr in den Schul- Ferien immer nach Neufelden und Rohrbach zu auch so unseren Verwandten.
    Über die Brücke Linz- Urfahr wurden wir natürlich immer von unseren "Befreiern" kontrolliert.
    In Rohrbach haben diese Befreier auch eine meiner Tanten von ihrer "Jungfreulichkeit befreit".
    Was sagt unser BP als gebürtiger Russe dazu ?
    Will ich aber gar nicht wissen, für mich ist der sowieso eine O (Null) und inzwischen auf Grund der letzten Tage für andere auch.
    Morgen wähle ich den Vilimsky.

  3. Ausgezeichneter KommentatorAusgebeuteter
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Mai 2019 12:55

    Herr Rohrböck,
    vom greisen Kettenraucher in der Hofburg werden Sie keine brauchbare Stellungnahme bekommen. Er ist nun plötzlich mit "Staatzsführungsaufgaben" beschäftigt, welche ihn fast überfordern. Und nicht vergessen: er hat in seinem Leben schon öfters die Parteisympathien gewechselt.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorsteinmein
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Mai 2019 13:52

    Mein Vater konnte am 15. Mai 1955 das erste Mal richtig tief aufatmen. Weil er erst im Herbst 1953 aus russ. Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, befiel ihn immer ein Angstgefühl, wenn er einen russ. Soldaten sah. Über seine Träume hat er nie erzählt.

  5. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Mai 2019 18:21

    Herr Rohrböck ich bedanke mich für die Aufklärung. Ich geniere mich nicht zu sagen, dass mir für diese Zeit die Detailkenntnisse leider fehlen, in der Schule gab's dazu nichts zu hören, die Lehrer waren noch selbst viel zu nah dran, und sich Geschichte später anzulesen, das ist auch so eine Sache. Jetzt im fortgeschrittenen Alter interessiert mich das schon, aber es werden immer weniger Menschen die davon erzählen können.

    Und zum greisen Herrn in der Hofburg, dass der in GEschichte auch nicht umfassend gebildet ist, hat er ja schon bewiesen. Ich denke da an die Geschichte mit den Juden in Dänemark.

  6. Ausgezeichneter KommentatorFrühwirth
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Mai 2019 13:19

    Briefmarkensammler kennen sich - zum Glück! - in der österreichischen Geschichte besser aus ...

    Und noch etwas zum Thema:
    Am 20. Mai 1949 forderte Außenminister Karl Gruber (ÖVP) die Großmächte auf, "die als Befreiung getarnte Besetzung" Österreichs zu beenden.

  7. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    7x Ausgezeichneter Kommentar

alle Kommentare

  1. Norbert Mühlhauser
    02. Juni 2019 15:42

    Man kann nicht sagen, auf welcher Seite die Wahrheit ist, aber die Lüge ist stets auf derjenigen der Sieger.

  2. Norbert Mühlhauser
    02. Juni 2019 14:31

    Ich danke dem Herrn Rohrböck und allen darunter Beitragenden für diese wirklich beeindruckenden Zeitzeugen-Fundstücke.

    Da derlei Bekundungen den Eindruck von der gerechtesten aller Ordnungen stören, werden Sie gewohnheitsmäßig rasch aus dem Bewusstsein verdrängt. Daher sollte dieser Artikel alljährlich von Neuem platziert werden.

    Ich werde mir diese Seite jedenfalls - zumindest virtuell - einrahmen, indem ich sie archiviere. Womöglich wird in einigen Jahren schon eine derartige Abspeicherung einen Straftatbestand darstellen, wenn es so wie bisher weitergeht.

  3. Alexander Huss (kein Partner)
    29. Mai 2019 11:21

    Der 8. Mai 1945 war für meine Familie väterlicherseits sicher eine Befreiung. Mein Großvater überlebte das KZ Theresienstadt, obwohl er ein einbeiniger Invalide des Ersten Weltkriegs war und Theresienstadt bekanntlich als Durchgangslager für die Vernichtung in Auschwitz-Birkenau fungierte.

    Ja, die Russen hatten sich in ihrer Besatzungszone schlimm benommen.

    Bitte aber nicht zu vergessen, dass es Deutschland war, das die Sowjetunion überfiel und dort die Deutschen genauso gehaust hatten und mit den Frauen umsprangen, wie die Sowjets nachher bei uns.

    Es war Rache, das die sowjetischen Besatzungssoldaten dazu trieb.

  4. Sensenmann
    28. Mai 2019 15:38

    Von einem Ökobolschewiken wie unserem Bundespräsidenten konnte man gar kein andere Statement erwarten.
    Aber wir sehen, wie sich Legendenbildung verfestigt.
    Wenn Österreich eines Tages entsozifiziert wird, werden wir auch das als Tag der Befreiung in die Geschichtsbücher schreiben und oft genug wiederholen.

    Bis es ach die Nachkommen der bestraften roten Täter und ihrer Mitläufer dankbar glauben.

  5. Dr. Florian Teufel
    28. Mai 2019 11:49

    Chang / Halliday schreiben in ihrer neuesten u. umfangreichen Biographie Mao mindestens 70 Millionen Tote zu!
    Stéphane Courtois et al. berichten in ihrem mehrbändigen "Schwarzbuch des Kommunismus" von mindestens (!) 100 Mio. Toten durch den Kommunismus (= International-Sozialismus), die bei vorsichtiger (!) Betrachtung gesichert (!) sind.
    Nicht nur Courtois befürchtet, dass die "Dunkelziffer" beim Mehrfachen liegt.
    Davon entfallen auf Stalins "Roten Holocaust" s. "Klassenholocaust" s. "Holodomor", wenn ich mich recht erinnere, mindestens 30 Milionen.

    Kambodscha, Nordkorea, Ostdeutschland, Vietnam, Kuba ... sowie große Teile Afrikas waren und sind z.T. weitere Stätten sozialistischer Gesellschaftsklempnerei u. des Terrors mit vielen Millionen Opfern.
    Ich lehne daher den Internationalen Sozialismus genauso ab wie den Nationalsozialismus.
    Danke für den höchst notwendigen Artikel. Die Geschichte schreiben stets die Sieger.

  6. glockenblumen
    27. Mai 2019 09:08

    Danke Herr Rohrböck für Ihren Kommentar! ****************

    Der "Herr Bundespräsident für alle" ist es halt eben NICHT für alle, son dern bloß für jene, die seinem Weltbild und seiner Ideologie entsprechen.
    Alles andere wird ignoriert, hat wahrscheinlich auch gar nicht stattgefunden, denn die einzige Wahrheit haben ja die Linken ausschließlich für sich gepachtet.

    Ich habe den Kettenraucher nicht gewählt, weil ich NULL Vertrauen hatte und nie haben werden. Ich sehe mich darin bestätigt!

  7. Schani
    27. Mai 2019 00:14

    VdB ist ein Mann von sehr bescheidener Intelligenz und äußerst linker Provenienz!

  8. otti
    26. Mai 2019 13:53

    Herr Rohrböck - DANK für diesen Artikel !!!!

    Von meiner Kindheit her sind mir die harten, lauten Stiefel - die hackige Sprache - die finsteren Blicke an der Demarkationslinie - die angstvollen Augen der Frauen - die Verstecke der Bauern fernab in den Höfen für die Frauen - das Schweigen der Nachbarn, wenn die Soldaten vorbeigingen - in Erinnerung. Und das absolute Stillschweigen meines Vaters - den ich erst Jahre nach meiner Geburt kennenlernte. Von meinem Schwiegervater einmal gar nicht zu reden.
    Ein nicht sanktioniertes Bonmot: ich ging auftrags meiner Mutter zum Greißler um 20 dkg
    eingelegte Heringe zu holen. "Ich krieg 20 dkg. Russen" EISIGES Schweigen. Hinter mir standen 3 Russen. Aber auch die haben über das Kind gelacht. Ich sehe mich heute noch.

    • stefania
      26. Mai 2019 15:17

      ich sehe noch heute ,wie an der Enns-Demarkationslinie alle reisenden in Angst erstarrten und die analphabetischen Russen die Stempel in den Reisedokumenten zählten-wehe, man hatte einen Stempel zuwenig...

  9. Wyatt
    26. Mai 2019 12:22

    viele vielen DANK !!! Herr Rohrböck,

    für ihren Beitrag bzw. Anfrage an den Bundespräsidenten, die wohl kaum beantwortet werden wird, oder?

    (Wie auch die Vergabe der Vielen damals im Jahr 1955 lebenden, warum Churchill der internationale "Karlspreis" in Anerkennung seiner Verdienste als "Hüter menschlicher Freiheit - Mahner der europäischen Jugend ….." nicht nachvollziehbar war.)

  10. Ingrid Bittner
    25. Mai 2019 18:21

    Herr Rohrböck ich bedanke mich für die Aufklärung. Ich geniere mich nicht zu sagen, dass mir für diese Zeit die Detailkenntnisse leider fehlen, in der Schule gab's dazu nichts zu hören, die Lehrer waren noch selbst viel zu nah dran, und sich Geschichte später anzulesen, das ist auch so eine Sache. Jetzt im fortgeschrittenen Alter interessiert mich das schon, aber es werden immer weniger Menschen die davon erzählen können.

    Und zum greisen Herrn in der Hofburg, dass der in GEschichte auch nicht umfassend gebildet ist, hat er ja schon bewiesen. Ich denke da an die Geschichte mit den Juden in Dänemark.

    • Wyatt
      26. Mai 2019 12:32

      ….ich entsinne mich aber sehr wohl, was die damals für mich "Erwachsenen" berichteten! Und das unterscheidet sich gewaltig von den heute fast täglichen Erzählungen über die damalige Zeit und Ereignisse, der zu dieser Zeit noch nicht auf der Welt gewesenen!

  11. punisher
    25. Mai 2019 16:02

    Lieber G. Rohrböck,
    ich begrüße Deinen Beitrag als einer, der am 14.03.38 geboren wurde.
    Desswegen auch das Du, mit Verlaub.
    Da meine Großmutter aus Neufelden stammte aber in Linz lebte, fuhren wir Kinder aus Windischgarsten, mit ihr in den Schul- Ferien immer nach Neufelden und Rohrbach zu auch so unseren Verwandten.
    Über die Brücke Linz- Urfahr wurden wir natürlich immer von unseren "Befreiern" kontrolliert.
    In Rohrbach haben diese Befreier auch eine meiner Tanten von ihrer "Jungfreulichkeit befreit".
    Was sagt unser BP als gebürtiger Russe dazu ?
    Will ich aber gar nicht wissen, für mich ist der sowieso eine O (Null) und inzwischen auf Grund der letzten Tage für andere auch.
    Morgen wähle ich den Vilimsky.

    • Ingrid Bittner
      25. Mai 2019 18:16

      FPÖ und eine Vorzugsstimme für Strache wäre eine Alternative. Vilimsky als Erstgereihter ist sowieso drin.

  12. oberösi
    25. Mai 2019 14:14

    "Den Charakter eines Volkes erkennt man auch daran, wie es nach einem verlorenen Krieg mit seinen Soldaten umgeht.“ Ob jetzt tatsächlich von Eduard v. Ranke oder von de Gaulle, das Zitats beschreibt treffend den moralischen Zustand einer Gesellschaft, in der die Nachgeborenen per Gesetz ein Ereignis, das vom Großteil der Bevölkerung einst als Niederlage erlebt wurde, zum Jubeltag, zum Tag der Freude umbenennen.

    Totalitäre Systeme erkennt man daran, daß Lüge zu Wahrheit ist. Daß Wahrheit dekretiert und jeder Verstoß dagegen mit aller Macht geahndet wird. George Orwell: "Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit."

    Wir sind längst auf dem Weg dahin. Die einzige Freiheit besteht heute vor allem noch darin, zu entscheiden, ob Geld, das vom Polit-Bankensystem (bis zum Crash) beinahe zinsenlos bereitgestellt wird, für den Trip auf dem Kreuzfahrtschiff oder für die Trecking-Tour in der inneren Mongolei ausgegeben wird.

    Es ist der Gipfel an moralischer Verkommenheit, wenn sogenannte Politiker, die diese Zuschreibung längst nur mehr in Hinsicht auf ihre feudalen Bezüge und sonstigen Privilegien verdienen, heute von Befreiung, von Freude sprechen. Und damit jenen, die das Kriegsende wirklich miterlebt haben, ihre damals empfundenen Gefühle, ihre ganz persönlichen, teils außerordentlich traumatischen Erfahrungen, schlicht und einfach absprechen.

    Ganz gleich, wie sie das NS-Regime und ihre oft verständliche, aus persönlichen und generellen Zeitumständen heraus zutiefst nachvollziehbare jugendliche Begeisterung dafür einige Jahrzehnte später beurteilt haben mögen - 1945 empfand nur ein kleiner Teil davon das Kriegsende als Befreiung. Oder gar als Anlaß zur Freude.

    Warten wirs ab: Unmittelbar nach dem Angriff und auch nach Kriegsende sprachen die Behörden vor Ort von bis zu 250.000 Opfern des Kriegsverbrechens, begangen an der Dresdner Bevölkerung im Februar 1945, ein Großteil Frauen, Kinder, alte Männer, zahllose Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Diese Zahlen wurden offiziell auch bis 1955 von internationaler wie deutscher Seite genannt, u.a. auch von Adenauer.

    Heute ist in einschlägigen Arbeiten zeitgenössischer "Historiker", nichts anderes als willige Schreibknechte des Systems, von maximal 25.000 Toten die Rede.

    Und in ein paar Jahren wird in den "Geschichtsbüchern" nur mehr von einer Handvoll Zivilisten die Rede sein, die beim Versuch der Royal Airforce, die Dresdner aus den Händen des NS-Regimes zu befreien, tragischerweise ums Leben kamen.

    Quasi als Kollateralschaden einer großangelegten humanitären Aktion der englischen Luftwaffe auf Befehl des großen Humanisten Churchill, dem dafür posthum der Friedensnobelpreis verliehen wird.

    Möge diese abgrundtief verkommene, charakterlose Politik so schnell und so gründlich wie möglich scheitern. Ganz gleich, ob sie nun ein SPÖ- ÖVP- FP-Mascherl trägt, ein grünes, pinkes oder wie auch immer.

    • Undine
      25. Mai 2019 22:19

      @oberösi

      Vielen Dank für Ihren Kommentar!***************************+!

      "Heute ist in einschlägigen Arbeiten zeitgenössischer "Historiker", nichts anderes als willige Schreibknechte des Systems, von maximal 25.000 Toten die Rede."

      Tja, diese Zahlenspiele! Bei DRESDEN hat man aus 250.000 Toten, Opfern des posthum zum Friedensnobelpreisträger ernannten Herrn CHURCHILL 25.000 Tote gemacht. Man hat---so sieht's aus---einfach das KOMMA verrückt! Genau umgekehrt machte man es mit anderen Toten---da haben "willige Schreibknechte des Systems auch das Komma verrückt, allerdings in die andere Richtung und das Resultat zum DOGMA erklärt!

    • Undine
      25. Mai 2019 22:22

      PS: Bei den Toten von Dresden---ich glaube, man sprach unmittelbar nach diesem unfaßbaren Feuersturm, den Churchill angeordnet hatte, von 350.000 - 450.000 elend Umgekommenen---wurden es von Jahr zu Jahr weniger, andere Tote hingegen immer mehr.....

    • glockenblumen
      26. Mai 2019 11:21

      @ oberösi

      *************************************************!!!

    • Wyatt
      26. Mai 2019 12:53

      TAUSEND DANK, für Ihre, mir immer wieder - "aus der Seele"- geschriebenen Kommentare!

      ********
      ********
      ********

  13. steinmein
    25. Mai 2019 13:52

    Mein Vater konnte am 15. Mai 1955 das erste Mal richtig tief aufatmen. Weil er erst im Herbst 1953 aus russ. Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, befiel ihn immer ein Angstgefühl, wenn er einen russ. Soldaten sah. Über seine Träume hat er nie erzählt.

    • Undine
      25. Mai 2019 22:29

      @steinmein

      Der Mann meiner Cousine, der auch als junger Wehrmachtssoldat in Rußland in Gefangenschaft geraten war, bekam als 95-Jähriger eine Slowakin als Pflegerin. Da er schon etwas verwirrt war, ließ er sich kaum beruhigen, als er sie sprechen hörte! Er meinte, er sei in russischer Gefangenschaft, weil ihre Sprache ihn an das Russische erinnerte!

  14. Origenes
    25. Mai 2019 13:51

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Danke.

  15. Frühwirth
    25. Mai 2019 13:19

    Briefmarkensammler kennen sich - zum Glück! - in der österreichischen Geschichte besser aus ...

    Und noch etwas zum Thema:
    Am 20. Mai 1949 forderte Außenminister Karl Gruber (ÖVP) die Großmächte auf, "die als Befreiung getarnte Besetzung" Österreichs zu beenden.

  16. simplicissimus
    25. Mai 2019 13:10

    Herr Rohrboeck, BRAVO!!!

  17. Ausgebeuteter
    25. Mai 2019 12:55

    Herr Rohrböck,
    vom greisen Kettenraucher in der Hofburg werden Sie keine brauchbare Stellungnahme bekommen. Er ist nun plötzlich mit "Staatzsführungsaufgaben" beschäftigt, welche ihn fast überfordern. Und nicht vergessen: er hat in seinem Leben schon öfters die Parteisympathien gewechselt.





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