Aus Angst vor der Freiheit: Wohlstandsabbau durch Regulierung

Lesezeit: 4:00

Blickt man in der Geschichte zurück, waren es stets die Zeiten wirtschaftlicher Freiheit, die breiten Wohlstand ermöglichten. Umgekehrt waren es stets Phasen maximaler Regulierung, die den gegenteiligen Effekt hatten. Hochentwickelte, arbeitsteilig organisierte Gesellschaften profitieren von der Freiheit des Einzelnen, wirtschaftlich selbstbestimmt zu handeln. Regierungseingriffe in die Wirtschaftsabläufe hemmen Innovation und Fortschritt – am Ende zum Nachteil aller Marktakteure.

Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hat sich eingehend mit der Wechselwirkung zwischen Freiheit und Wohlstand auseinandergesetzt und seine Gedanken in einer vom "Austrian Institute of Economics and Social Philosophy" organisierten Veranstaltung im Wiener Haus der Industrie präsentiert.

Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen hat sich seit dem Jahr Null bis zum Beginn der industriellen Revolution kaum verändert. Erst der durch Kapitalakkumulation ermöglichte, im 19. Jahrhundert stark an Fahrt gewinnende Übergang von der Agrar- zur Industriewirtschaft hatte eine gewaltige Aufwärtsentwicklung zur Folge, die sich im 20. Jahrhundert weiter verstärkte. Die durch die "kapitalistische" Produktionsweise ermöglichte Produktivitätssteigerung ging mit einer starken Zunahme der Lohneinkommen einher. Marx lag mit seiner Prophezeiung einer "Pauperisierung" der Massen ebenso daneben, wie vor ihm schon Malthus, der eine kollektive Verelendung infolge nicht ausreichender Nahrungsmittelproduktion prognostizierte.

Zunehmende Regulierungen, die seitens der Regierungen hauptsächlich dem Wunsch geschuldet sind, soziale Absicherungen einzuführen – und durch erzwungene Umverteilung zu finanzieren –, bremsen die dynamische Aufwärtsentwicklung. Immer wieder wird nämlich geflissentlich darüber hinweggesehen, dass nur verteilt werden kann, was zuvor produziert wurde. Wer also – mit Verboten und Vorschriften aller Art – der Produktion Hindernisse in den Weg legt, ersetzt Freiheit durch Zwang und verringert damit den Wohlstand. Wer den Eigennutz von Unternehmern und Investoren anprangert und bekämpft, schadet am Ende den werktätigen Massen mehr als den "Kapitalisten". Arbeitsteiliges Wirtschaften ist eben kein Nullsummenspiel!

Als positive Beispiele nennt Mayer etwa das "deutsche Wirtschaftswunder", das durch die liberale Deregulierungspolitik Ludwig Erhards möglich wurde. Dessen damals keineswegs den Wünschen der Wählermehrheit entsprechende Reformen legten den Grundstein für die Wirtschaftsstärke Deutschlands, die von den Sozialisten in allen Parteien bis heute nicht zerstört werden konnte.

Am anderen Ende des eurasischen Kontinents markierten die in den 1980er Jahren auf den Weg gebrachten, wirtschaftsliberalen Reformen Deng Xiaopings den Beginn eines chinesischen "Wirtschaftswunders". Das abschreckende Gegenbeispiel bildet der davor, nämlich zwischen 1958 und 1961 versuchte "Große Sprung nach vorn" Maos, als dessen Folgen Massenelend und viele Millionen von Hungertoten zu beklagen waren. Rigorose Wirtschaftsplanung führt stets ins Desaster.

Der Markt als chaotisches System der Selbststeuerung, in welchem die entscheidenden Signale von den durch Angebot und Nachfrage bestimmten Preisen ausgehen, erweist sich jeder zentralistischen Planwirtschaft als klar überlegen. Das auf alle Marktteilnehmer verteilte Wissen kann durch keine noch so gut organisierte Planungsbehörde der Welt jemals ersetzt werden.

Nun sind moderne Linke heute aber nicht mehr darauf erpicht, 150 Jahre alte marxistische Konzepte erneut umzusetzen und alle Produktionsmittel zu kollektivieren. Sie phantasieren vielmehr von einem "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus, um darauf zur besten aller Welten zu schreiten. Sie träumen davon, die Produktivität und Effizienz des einen Wegs mit der (vermeintlichen) sozialen Sicherheit des anderen zu verbinden.

Das grundlegende Missverständnis dabei: Die Steuerungsfunktion des Marktes beruht auf der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, die durch staatliche Lenkungseingriffe entscheidend beeinflusst wird. Wer dank "sozialer Absicherung" für die Folgen seines fehlerhaften Handelns nicht mehr verantwortlich ist und nicht mehr scheitern kann, folgt falschen Anreizen. Er wird dazu verleitet, hohe Risiken einzugehen und die allfälligen Kosten seiner Misswirtschaft unbeteiligten Dritten aufzubürden.

Die angeblich "alternativlose" Rettung von Banken, die "too big to fail" sind, und, weil "systemrelevant", mit Steuergeld vor dem Untergang bewahrt werden müssen, sind eines der Symptome dieser Fehlentwicklung.

Damit nicht genug, wenden sich die "verlassenen Mündel" des Wohlfahrtsstaates zunehmend von ihren Regierungen ab, von denen sie sich verraten fühlen. Doch ein kollektiver Vertrauensverlust ist in einer arbeitsteiligen Gesellschaft geradezu verheerend, sobald sie das Ausmaß einer kleinen Horde übersteigt, in der jeder jeden kennt. Wenn es so weit kommt, beginnt das politische System sich selbst zu zerstören.

Der viel beschworene "Dritte Weg" ist daher nichts weiter als ein verlockendes Trugbild. Es gibt ihn nicht. Erhards soziale Marktwirtschaft war eben kein "gezähmter Kapitalismus". Sie war einfach dadurch sozial, weil sie den auf dem Markt wirkenden Kräften weitgehende Freiheit zugestand. Eine Rückkehr zu den Prinzipien des klassischen Liberalismus ist nach Ansicht Mayers daher unabdingbar, wenn die Freiheit erhalten und der Wohlstand weiter ausgebaut werden sollen.

Fazit: entweder die freie Markt- oder eine von letztlich stets inkompetenten Bürokraten gesteuerte Planwirtschaft. Ein Drittes gibt es nicht.

Dazu eine Buchempfehlung:

Die Ordnung der Freiheit und ihre Feinde
Thomas Mayer
FBV, 2018
ISBN 978-395972-127-1
17,99 €

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    31. Mai 2019 09:57

    Als die Sozialisten aller Parteien bemerkten, daß der Sozialismus einfach nie funktioniert und immer mit Gewalt verbunden ist, haben sie die Strategie geändert. Ungarn 1956 war so ein Weckruf. Seither wird dekonstruiert. Selbst offensichtliche Geschlechterunterschiede werden geleugnet. Und ganz wichtig, wenn der Sozialismus nur Leid, Gewalt und Elend bringt, aber man diese sozialistische Epoche braucht um den Neuen Menschen zu schaffen, dann muss anders argumentiert werden.
    Der sozialistische Weg bringt nicht Milch und Honig zum Fließen, sondern nur Tränen. Das ist natürlich dem "dummen" Bürger schwer zu erklären. Und, oh Wunder, ständig kommen neue Weltuntergangspropheten, welche uns zum kürzer treten auffordern, also Wohlstand reduzieren, damit wird überhaupt überleben. Einmal gehen die Rohstoffe bald aus, dann kommt eine Eiszeit, der Wald stirbt, das Ozonloch verbrennt uns alle und aktuell wird ein baldiges Verbrennen (oder Ertrinken) durch den menschengemachten Klimawandel vorhergesagt. Der neue Weg zum Kommunismus ist mit scheinwissenschaftlichen, in immer weiterer Zukunft liegenden, Katastrophen gepflastert. Dazu werden dann noch ständig neue "Ungerechtigkeiten" gefunden. Beide Effekte zusammen ergeben ein wunderbares Gemisch, wo die Redefreiheit, die wirtschaftliche Freiheit, die persönliche Freiheit eingeschränkt werden können, es geht schließlich um Alles oder Nichts. Der so schweren Herzens akzeptiere Sozialismus wird dann wohl endlich den Neuen Menschen schaffen, nicht zuletzt dank ebenfalls sozialistisch motivierter "Durchmischung". Endlich kann das Paradies auf Erden kommen! Amen.

  2. Ausgezeichneter KommentatorBürgermeister
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    31. Mai 2019 08:26

    Naja, die Aussage ".. die von den Sozialisten in allen Parteien bis heute nicht zerstört werden konnte." gilt für die Vormerkel-Ära.

    "Die Steuerungsfunktion des Marktes beruht auf der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, die durch staatliche Lenkungseingriffe entscheidend beeinflusst wird." Aber diese Eingriffe gehen weit über die sozialen Absicherung hinaus, sie bestimmen mittlerweile auch die Entwicklung verschiedener Branchen.

    Schauen wir uns aktuell die dt. Autoindustrie an: Es gibt eine Reihe von staatlich geforderten Scheininnovationen - konkret die Umstellung auf E-Fahrzeuge. Über verschleierte CO2-Zyklusberechnungen (alles staatlich gefordert) erscheinen diese Fahrzeuge wesentlich umweltfreundlicher als solche mit Verbrennungsmotoren. Unter dem Strich bleibt nur eine massive Verteuerung der Mobilität, ohne dass der Endkunde einen Mehrwert davon hätte. Primär Ideen von Politikern die in Ballungsgebieten leben und die den Mobilitätsbedarf der am Land lebenden Bevölkerung nicht verstehen. Und weil die Idee dahinter ("umweltfreundliche Mobilität") bei genauer Betrachtung als unausgegorene infantiler Schwachsinn und so nutzt man die Kindlein als Einpeitscher für diese Richtung und schürt ihre Ängste um Sie zu manipulieren.

    Das ist die "Wirtschaft" der Zukunft.

alle Kommentare

  1. Christian Peter (kein Partner)
    11. Juni 2019 09:47

    Das stimmt bloß nicht. Mehr Wohlstand als heute hat es niemals gegeben, trotz oder gerade wegen der Überregulierung. Weit mehr Wohlstand im 19. Jahrhundert, als in Europa eine Laissez-Faire- Wirtschaftspolitik dominierte.

    • Andreas Tögel
      11. Juni 2019 15:39

      Wir zehren seit vielen Jahrzehnten vom einst aufgebauten Kapital. Wenn Sie die inzwischen aufgelaufene Verschuldung (nicht nur die des Staates!) gegen das kumulierte Nettovermögen saldieren, werden Sie feststellen, dass der "Peak Wohlstand" längst hinter uns liegt. Wohlstand auf Pump ist auf Dauer nämlich keiner. Oder: "Was wir im Kreditrausch vorausgefressen haben, werden wir jetzt nachhungern müssen!" (Roland Baader)

  2. dssm
    31. Mai 2019 09:57

    Als die Sozialisten aller Parteien bemerkten, daß der Sozialismus einfach nie funktioniert und immer mit Gewalt verbunden ist, haben sie die Strategie geändert. Ungarn 1956 war so ein Weckruf. Seither wird dekonstruiert. Selbst offensichtliche Geschlechterunterschiede werden geleugnet. Und ganz wichtig, wenn der Sozialismus nur Leid, Gewalt und Elend bringt, aber man diese sozialistische Epoche braucht um den Neuen Menschen zu schaffen, dann muss anders argumentiert werden.
    Der sozialistische Weg bringt nicht Milch und Honig zum Fließen, sondern nur Tränen. Das ist natürlich dem "dummen" Bürger schwer zu erklären. Und, oh Wunder, ständig kommen neue Weltuntergangspropheten, welche uns zum kürzer treten auffordern, also Wohlstand reduzieren, damit wird überhaupt überleben. Einmal gehen die Rohstoffe bald aus, dann kommt eine Eiszeit, der Wald stirbt, das Ozonloch verbrennt uns alle und aktuell wird ein baldiges Verbrennen (oder Ertrinken) durch den menschengemachten Klimawandel vorhergesagt. Der neue Weg zum Kommunismus ist mit scheinwissenschaftlichen, in immer weiterer Zukunft liegenden, Katastrophen gepflastert. Dazu werden dann noch ständig neue "Ungerechtigkeiten" gefunden. Beide Effekte zusammen ergeben ein wunderbares Gemisch, wo die Redefreiheit, die wirtschaftliche Freiheit, die persönliche Freiheit eingeschränkt werden können, es geht schließlich um Alles oder Nichts. Der so schweren Herzens akzeptiere Sozialismus wird dann wohl endlich den Neuen Menschen schaffen, nicht zuletzt dank ebenfalls sozialistisch motivierter "Durchmischung". Endlich kann das Paradies auf Erden kommen! Amen.

    • Wyatt
      01. Juni 2019 06:37

      ….und jeder, bei dem das neue Paradies zu verhindern droht, der wird auf mannigfache Art entfernt und abgeschafft.

  3. Bürgermeister
    31. Mai 2019 08:26

    Naja, die Aussage ".. die von den Sozialisten in allen Parteien bis heute nicht zerstört werden konnte." gilt für die Vormerkel-Ära.

    "Die Steuerungsfunktion des Marktes beruht auf der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, die durch staatliche Lenkungseingriffe entscheidend beeinflusst wird." Aber diese Eingriffe gehen weit über die sozialen Absicherung hinaus, sie bestimmen mittlerweile auch die Entwicklung verschiedener Branchen.

    Schauen wir uns aktuell die dt. Autoindustrie an: Es gibt eine Reihe von staatlich geforderten Scheininnovationen - konkret die Umstellung auf E-Fahrzeuge. Über verschleierte CO2-Zyklusberechnungen (alles staatlich gefordert) erscheinen diese Fahrzeuge wesentlich umweltfreundlicher als solche mit Verbrennungsmotoren. Unter dem Strich bleibt nur eine massive Verteuerung der Mobilität, ohne dass der Endkunde einen Mehrwert davon hätte. Primär Ideen von Politikern die in Ballungsgebieten leben und die den Mobilitätsbedarf der am Land lebenden Bevölkerung nicht verstehen. Und weil die Idee dahinter ("umweltfreundliche Mobilität") bei genauer Betrachtung als unausgegorene infantiler Schwachsinn und so nutzt man die Kindlein als Einpeitscher für diese Richtung und schürt ihre Ängste um Sie zu manipulieren.

    Das ist die "Wirtschaft" der Zukunft.

    • Wyatt
      01. Juni 2019 06:29

      *****
      *****
      und über "infantilen Schwachsinn" erübrigt sich von vornherein jegliche Argumentation!

    • pressburger
      02. Juni 2019 09:40

      Der infantile Schwachsinn auf dem Siegeszug





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