Wie dürfen Straßen noch heißen 

Lesezeit: 2:00

Wer den Rasenmäher so einstellt, dass er alles auf den Zentimeter genau ganz unten abrasiert, der wird einen dieser Rasen haben, wo man sich denkt: Wow, wie mit der Nagelschere abgebissen. Wer wohnt dort wohl, der sich mit so einem abgebissenen Rasen glücklich fühlt? Golfplatzbetreiber und solche, die Rasentennis in England betreiben, sind damit nicht gemeint. Die selbsternannten Straßennamensbezeichnungsbeauftragten arbeiten so.

Sie rasieren alles ab, was auch nur entfernt nach NS riecht. Es muss dem Benannten etwas Übles nur nahe gekommen sein, damit der auf eine rote Liste kommt. Derjenige muss sich hundert Jahre nach seinem Dasein aus dem Grab heraus dafür verantworten, dass er falsch gehandelt hat. Für eine Tat, die damals allgemein üblich war (Lueger und die christlichsoziale Art des Antisemitismus). Josef Weinheber war Nazi, hat aber gute Gedichte geschrieben. Marcel Reich-Ranicki, der nicht im Geringsten mit der Lebenswelt Weinhebers zu tun hatte, weigerte sich, seine Werke zu verdammen. Für ihn zählte nur die Qualität des Werkes. 

Solche, von denen Hitler buchstäblich abgeschrieben hat, die aber das Wiener Sozialwesen auf neue Beine gestellt haben, haben da noch großes Glück. Julius Tandler ist zu berühmt, als dass ihm die Eugenik, die von Hitler fast wortwörtlich übernommen wurde, heute noch dazu gereichte, dass der Platz im 9. Bezirk nicht mehr so heißt.  

Auch ein Kreisky muss sich aus seinem Grab heraus nicht davor fürchten, dass sechs seiner Minister einst ein NS-Parteibuch hatten. Ein äußerst übler Geselle dabei: Otto Rösch. Deshalb wird bei uns immer wieder etwas nach Kreisky benannt werden. Und wahrscheinlich wird – so ungefähr im Jahre 2027 – jemand draufkommen, dass das völlig verkehrt war. Alle Kreisky-Plätze werden dann verschämt umbenannt. 

Aber es ist Hoffnung. Es hat ein Erkenntnisprozess eingesetzt: Nach Otto Rösch ist bei uns nichts benannt. Das wäre ja der gewesen, der nach 45 noch mit Nazimaterial polizeilich auffällig wurde, der sich der Entnazifizierung entzog, obwohl er Lehrer an einer Napola gewesen war, also der Schule, wo die Jugend auf Regimetreue getrimmt worden ist. Um dann Sozialist zu werden. Lange Jahre war er Innenminister(!) unseres Landes. Das kann einem bitter aufstoßen.

Mein Großvater starb daran, dass er etwas zu goschert wurde, als gerade die Nazis an die Macht kamen.

Ich hätte gerne gewusst, was er dazu gesagt hätte zu dem, wie sich die Nachfahren so tun. Sei es auch, dass es dieselben waren, die zuvor dafür gesorgt haben, dass er das nicht mehr kann.  

Reinhold Sulz war unter anderem Lehrer in Wien. 

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorKyrios Doulos
    15x Ausgezeichneter Kommentar
    25. April 2019 10:55

    Ein Wiener Philosophieprofessor wird während der Vorlesung unterbrochen.
    Ein Student: "Herr Professor, nur damit sie es wissen, wir sind Antifaschisten!"

    Der Professor hält seine Hand an sein Ohr: "Herr Kollege, ich habe Sie nicht gut gehört. Was für eine Art Faschist sind Sie?"

  2. Ausgezeichneter KommentatorGandalf
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. April 2019 12:05

    Zu Otto Rösch: Das war auch jener (damals schon rote) Innenminister, der nach Beendigung der blutigen Geiselnahme im OPEC - Hauptquartier, bei der immerhin ein Kriminalpolizist, also einer seiner Mitarbeiter, getötet worden war, dem Kommandanten der Mörderbande, Herrn Carlos, am Fuße der Gangway zum Fluchtflugzeug amikal die Hand schüttelte. Auch hier muss gelten: Nie vergessen - liebe Sozialisten, gell?

  3. Ausgezeichneter Kommentatorriri
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    25. April 2019 21:06

    Noch viel mehr wie Straßennamen mit NS-Verdächtigung werden solche mit dem leisesten Verdacht auf Antisemitismus gesucht und bei Findung einer solchen die Behörde zur Namensänderung aufgefordert. Aber dalli.
    Ein gewisser Herr Rathkolb soll hier die Oberleitung haben.
    So wurde auch die 'Arnezhoferstraße' in Wien-Leopoldstadt nahe dem Praterstern ausgekundschaftet (zahlt alles der Steuerzahler).
    Herr Arnezhofer war katholischer Pfarrer und soll sich kritisch gegen Juden geäußert haben.
    Herr Arnezhofer lebte vor ca. 200 Jahren.
    Wie dürfen Straßen heißen? Bitte bei oben genannter Instanz anfragen.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorriri
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    26. April 2019 12:11

    Da habe ich noch etwas in meiner Erinnerung.
    "Nach Otto Rösch ist bei uns nichts benannt", das stimmt so nicht ganz, sehr geehrter Herr Sulz.
    Da gibt es einen Platz in Wien, von einem Landesverräter mit Decknamen Holec,
    gehätschelt von den Wiener Roten und Kommunisten, den Helmut Zilk Platz.
    Nur zur Ergänzung.

alle Kommentare

  1. fewe (kein Partner)
    01. Mai 2019 02:32

    Straßen- und Ortsnamen sollten eigentlich der Orientierung dienen. Da es immer wieder faschistische resp. kommunistische Systeme gibt - wie halt jetzt auch wieder -, die alles umbenennen "müssen", sollte man sich die USA zum Vorbild nehmen und die Straßen nummerieren.

    Dabei fällt mir ein, dass man den 18. Bezirk eigentlich umbenennen müsste. Der wurde wohl von einem frühen Nazi so benannt.

    Wir leben einfach nicht in dem Österreich, das es nur für einige Jahrzehnte bis vor 20 Jahren war. Wir leben in einem System mit Merkmalen, die uns als Unrechtsstaaten in der Schule dargestellt wurden. Z.B. alle Staaten der UdSSR und sowieso das Dritte Reich.

  2. Sensenmann
    28. April 2019 18:07

    Gute Stellungnahme. aber den Masel Reich-Ranicky, den "Eichmann von Kattowitz", den bolschewistischen Massenmörder (John Sack, An Eye for an Eye, Marceli Reich...) als toleranten Literaten zu bringen, der ja auch Weinheber zugestand, Dichter zu sein, ist etwas dick aufgetragen und eine unnötige Ehre für diese hypertrophe Bestie.

  3. riri
    26. April 2019 12:11

    Da habe ich noch etwas in meiner Erinnerung.
    "Nach Otto Rösch ist bei uns nichts benannt", das stimmt so nicht ganz, sehr geehrter Herr Sulz.
    Da gibt es einen Platz in Wien, von einem Landesverräter mit Decknamen Holec,
    gehätschelt von den Wiener Roten und Kommunisten, den Helmut Zilk Platz.
    Nur zur Ergänzung.

  4. riri
    25. April 2019 21:06

    Noch viel mehr wie Straßennamen mit NS-Verdächtigung werden solche mit dem leisesten Verdacht auf Antisemitismus gesucht und bei Findung einer solchen die Behörde zur Namensänderung aufgefordert. Aber dalli.
    Ein gewisser Herr Rathkolb soll hier die Oberleitung haben.
    So wurde auch die 'Arnezhoferstraße' in Wien-Leopoldstadt nahe dem Praterstern ausgekundschaftet (zahlt alles der Steuerzahler).
    Herr Arnezhofer war katholischer Pfarrer und soll sich kritisch gegen Juden geäußert haben.
    Herr Arnezhofer lebte vor ca. 200 Jahren.
    Wie dürfen Straßen heißen? Bitte bei oben genannter Instanz anfragen.

    • Torres (kein Partner)
      27. April 2019 15:53

      Noch viel kritischer gegen Juden hat sich ein anderer, noch viel berühmterer Theologe geäußert: Martin Luther. Genauer gesagt, war er ein ausgewiesener Antisemit. Und doch gibt es, etwa in Linz, einen Martin-Luther-Platz, und in fast jeder deutschen Stadt eine Martin-Luther-Straße. In Wien gibt es auch noch einen Richard-Wagner-Platz, ebenfalls ein allseits bekannter Antisemit. Ich bin neugierig, wann die Antifa endlich eine Umbenennung fordert.

  5. Gandalf
    25. April 2019 12:05

    Zu Otto Rösch: Das war auch jener (damals schon rote) Innenminister, der nach Beendigung der blutigen Geiselnahme im OPEC - Hauptquartier, bei der immerhin ein Kriminalpolizist, also einer seiner Mitarbeiter, getötet worden war, dem Kommandanten der Mörderbande, Herrn Carlos, am Fuße der Gangway zum Fluchtflugzeug amikal die Hand schüttelte. Auch hier muss gelten: Nie vergessen - liebe Sozialisten, gell?

  6. Kyrios Doulos
    25. April 2019 10:55

    Ein Wiener Philosophieprofessor wird während der Vorlesung unterbrochen.
    Ein Student: "Herr Professor, nur damit sie es wissen, wir sind Antifaschisten!"

    Der Professor hält seine Hand an sein Ohr: "Herr Kollege, ich habe Sie nicht gut gehört. Was für eine Art Faschist sind Sie?"





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