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Auch für uns war Krieg – wir Kriegskinder

Bis vor zirka zehn Jahren wurde meine Generation praktisch totgeschwiegen. Wir waren und sind halt ein Kollateralschaden des Zweiten Weltkriegs. Wir Kriegskinder, Bombenkinder, Kellerkinder ...

Wir waren weder Opfer noch Täter, wir waren kein Forschungsgebiet. Erst allmählich wurde unsere Generation für Erlebnisberichte und Bücher interessant.

Ab etwa drei Jahren bleiben bei Kindern Geschehnisse in der Erinnerung abgespeichert. So auch bei mir: Bombenalarm im finsteren, kalten Keller; den Kellerdurchbruch zum Nachbarhaus als weiteren Notausstieg (NA) fanden wir Kinder sogar lustig fürs Versteckenspielen; einmal unterwegs im Luftschutzkeller des "Blauen Hauses" beim Westbahnhof (das jetzt ein IKEA-Standort wird) Station gemacht, während oben die Bomber dröhnten; die schwarzen Papierrollos in den Zimmerfenstern zur Verdunklung; die mit blauer Farbe abgedunkelten Lampen in den Straßenbahnen; und der Tieffliegerangriff bei Friedberg in der Steiermark auf unseren Zug, in dem ich mich unter einer Sitzbank versteckt hielt. Der Lokführer konnte sich nicht mehr verstecken – ihn hat es erwischt, wie man das halt damals so nannte ...

Ein totes Pferd auf der Straße vor dem Wohnhaus gab etlichen Menschen Fleisch zum Essen, aber da war der Krieg auch schon aus. Die Russen kamen und gaben die Fässer der Vermouthkellerei zur Entnahme an die Nachbarn mit ihren Küberln frei. Sonst stellte man sich mit diesen Küberln bei der Milchfrau um ¼ Liter Milch an.

Die Russen kamen aber auch in unseren Keller mit der "Puska" in der Hand und dem Befehl "Uhra, Uhra!". Zum Glück sprach ein Nachbar etwas Russisch und brüllte den Rotarmisten derart an, dass dieser den Rückzug antrat. Dann kamen die Amis mit Kaugummi und Schokolade.

iPhones hatten wir nicht; uns genügte abends im Bett ein kleiner Detektorapparat mit einem längeren Stück Draht. In Wien hatten wir einen ganz besonderen Spielplatz, den Maurerberg mit einer ausrangierten Flak, die für uns ein herrliches Ringelspiel war.

Am Wilheminenberg spielten wir Räuber und Gendarm im Schirachbunker, von wo aus die "Kuckuck-Kuckuck"-Warnungen für Fliegerangriffe ausgegeben worden waren.

Nachdem ich amtlich als ‚unterernährt’ erklärt worden war, wurde ich zu Ostern 1946 zum ‚Auffüttern’ zur ganz lieben Bauernfamilie Lanschützer nach Mauterndorf im Lungau verschickt. Dort spielten wir bei der Burg, ahnungslos, dass es noch vor kurzer Zeit ein letzter Fluchtort des Ehrenbürgers Hermann Göring war ...

Dann kamen morgens im Radio die Durchsagen der langen Namenslisten von Heimkehrern, die am Süd- bzw. Ostbahnhof erwartet werden konnten. Eines Tages fuhr ich mit meiner Mutter auch hin – der Name eines Onkels war verlautbart worden. Er war aber nicht dabei. Irgendwo hatte er den Transport verpasst und stand dann am nächsten Tag glücklich vor unserer Wohnungstür.

Viele Frauen hatten ihre Männer und Kindesväter im Krieg verloren. Damals wurden sie nicht "Alleinerziehende" genannt; sie waren Kriegerswitwen, die mit dem Schicksal und ihren Kindern alleine fertig werden mussten.

Eines möchte ich den Nachgeborenen auch noch sagen: Wir Kellerkinder und unsere Eltern hatten keine Psychologen oder Lebensberater zur Seite. Ob eine psychologische Betreuung verhindert hätte, dass wir noch heute, 75 Jahre später, daran denken müssen und nachts davon träumen? Ich bezweifle es.

Dr. Günter Frühwirth, Jahrgang 1941, lebt in Wien und ist Jurist mit aktivem Interesse an Themen der Gesellschaftspolitik.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorUndine
    15x Ausgezeichneter Kommentar
    19. April 2019 21:21

    Sehr geehrter Herr Dr. Frühwirth, bei der Lektüre Ihres berührenden Kommentars wurden, da auch ich ein "Kriegskind" bin(im Frieden als Wunschkind gezeugt, im Krieg geboren!), allerlei Erinnerungen wach! Lebten meine Eltern oder mein "großer" Bruder noch, ich würde sie heute mit Fragen löchern!

    Es muß etwas nach Mitte April 1944 gewesen sein, an einem prachtvollen Tag; ich erinnere mich an einen Spaziergang in die Umgebung der kleinen Stadt, in der wir lebten, der uns über eine abschüssige Wiese mit vielen blühenden Obstbäumen führte. Unterhalb der Hanges stand ein altes Holzhaus, wie sie im Hausruck- und im Innviertel heute noch zu finden sind. Damals waren meine Eltern, mein Bruder und ich kleines Mädchen für mehrere Jahre zum letzten Mal beisammen, denn mein Bruder rückte wenige Tage darauf ---freiwillig---ein.

    Ein Jahr später kam für mich, ein in größter Geborgenheit aufgewachsenes Kind, ein schwerer Schock nach dem anderen---innerhalb dreier Wochen: Den viele Stunden währenden Bombenangriff auf Attnang-Puchheim erlebten wir, starr vor Entsetzen aus etwa 6 km Entfernung voller Grauen mit; als ich sah, was sich am Himmel Entsetzliches tat, begann ich zu schreien, als wollte ich gar nicht mehr aufhören; am 4. 5. lief ich in ein Auto, kam aber mit Oberschenkel- und Kieferbruch davon; als nächstes bezogen die Amerikaner unsere Wohnung (wir mußten natürlich weg; und, um allem noch die Krone aufzusetzen, wurde mein lieber Vater von meinem Krankenlager weg (mein gebrochenes Bein war nur notdürftig geschient worden) von zwei Kommunisten "abgeholt"---für 28 lange, bange Monate! Die Sorgen meiner Mutter kann ich heute nur ahnen.
    GsD sind Vater und Bruder heil heimgekommen. So viele meiner Schulkameradinnen hatten den Vater, den Bruder verloren!

    Meine erste Schokolade bekam ich beim Schulausflug in der 1. Kl. VS---unsere Lehrerin hatte sie von den Amis bekommen, die erste Banane sah ich im Sommer 1952 bei meiner Cousine in Frankfurt---sie schmeckte mir gar nicht!---die erste Orange bekam ich zu Ostern 1953.

    Spielzeug hatte man kaum, gerade einmal das, was die Eltern selber gemacht hatten und was halt vom "großen" Bruder da war, hauptsächlich Bücher. Diese Kostbarkeiten habe ich noch immer und hüte sie wie meinen Augapfel!

    Wir waren in unserer Straße viele Kinder und waren die meiste Zeit in der Umgebung unterwegs. Obwohl ich ein Kriegskind war, hatte ich eine wunderschöne Kindheit, denn die Eltern hielten ihre oft großen Sorgen von mir fern. Ich wußte wohl, daß Krieg war, wußte aber nicht, was das bedeutete---und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Die Freude, als dann mein Bruder aus der Gefangenschaft, mein Vater aus dem amerikan. Straflager heimkehrten, war unbeschreiblich.

    Vielen Dank, lieber Herr Dr. Frühwirth, für Ihren Kommentar, der so viele meiner Erinnerungen geweckt hat!

  2. Ausgezeichneter Kommentatorglockenblumen
    12x Ausgezeichneter Kommentar
    19. April 2019 08:32

    Herr Dr. Frühwirth, herzlichen Dank für diesen Bericht!
    **********************************************************!!!!

    Ich habe das Glück der "späten" Geburt. Ich mußte nicht hungern, nicht frieren.
    Doch erinnere ich mich sehr gut an die Erzählungen meiner Urgroßmutter - sie hat beide Kriege erleben müssen - sie hat ihr Leben gemeistert, hat hart gearbeitet, ihre Kinder ernährt bis hin zu uns, ihren Urenkeln.
    Sie hat sicherlich einen der schönsten Plätze im Himmel bekommen.

    Aus ihren Erzählungen weiß ich, wie hart diese Zeit war, doch wie auch Sie berichten, gab es damals keine Psychologen und tausend Gespräche, da ging es ums nackte Überleben. Und aus allen ist etwas geworden, lebenstüchtige Menschen, die sich selbst erhalten konnten, keinem auf der Tasche lagen und mit eigener Hände Arbeit ihr Heim und ihr täglich Brot schafften.

    Kein Mensch hat eine Frau gefragt, wie es ihr geht, weil ihr Mann/Sohn/Bruder gefallen war. Sie mußten anpacken und aufbauen. Sie hatten nicht mal Zeit zum Trauern!
    Vor diesen Frauen - vor allen Menschen, die diese, unsere Heimat wieder aufgebaut haben - habe ich allergrößte Achtung und Respekt. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, dafür, daß sie mir ein schönes, bis jetzt weitgehend (Existenz-)sorgenfreies Leben ermöglicht haben.

    Und ich empfinde tiefe Verachtung und Abscheu vor all jenen, die das in den Schmutz ziehen, mit Füßen treten und keinerlei Achtung vor dieser Herkulesarbeit haben! Leute, die sich als Richter aufspielen und nicht die leiseste Ahnung davon haben, was es heißt in solchen Zeiten überleben zu können/wollen/müssen.
    Jene, denen der Rest der Welt wichtiger erscheint als das eigene Volk, die alles tun um zu zerstören was unsere Altvorderen mit ihrer Hände Arbeit, trotz größter Not geschaffen haben! :-(

  3. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    11x Ausgezeichneter Kommentar
    19. April 2019 21:45

    „Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es seine Soldaten nach einem verlorenen Krieg behandelt. “ Leopold v. Ranke (1795-1886)

    Jene Generation geschichtsvergessener linker Gutmenschen, die jedem, der aus wirtschaftlichen Gründen unser Sozialsystem stürmt, solang er nur aus kultur- und zivilisationsinkompatiblen Gesellschaften kommt, umgehend ein Trauma attestiert, das er auf seiner „Flucht“ erlitten hat und das ihn fürderhin berechtigt, auf Kosten der Steuerzahler zu schmarotzen und dieses Trauma therapeutisch begleitet „zu bewältigen“, womöglich noch unter Zuzug seiner ganzen Sippe aus humanitären Gründen - jene Generation ist ihren Vätern sofort über den Mund gefahren, wenn sie auch nur ansatzweise versuchten, ihre Kriegserlebnisse zu thematisieren, und sich damit ihren seelischen Verwundungen oder auch Schuldgefühlen zu stellen.

    Denn dies war unstatthafte Relativierung des größten aller Kriegsverbrechen, jenes der Deutschen und Österreicher.
    Historiker, die sich diesem Gesinnungsdiktat nicht unterwarfen, sahen sich in der Regel dem Vorwurf der Wiederbetätigung ausgesetzt, konnten ab den 70ern im offiziellen Wissenschaftsbetrieb weder publizieren oder gar lehren.

    Es ist dieser Generation an Heuchlern und feigen Mitläufern und ihren Kindern, die dieses Lied von der Erbschuld fröhlich weiter singen, sei es aus Dummheit, Feigheit, Ignoranz oder schnödem finanziellen Interesse, zu wünschen, daß sie es noch erleben, wie ihnen die zuwandernden Horden, die sie so freudig als Bereicherung ins Land ließen, beibringen, was es heißt, tatsächlich ein ordentliches Trauma zu erleiden.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorsteinmein
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    19. April 2019 13:36

    Als 1940 in Wien geborenes Kind, kam ich 1944 zu den Großeltern aufs Land. Not empfand ich keine als solche, da bei den Kindern wenig gespart wurde. So bin ich mit geringen Ansprüchen aber unbesorgt herangewachsen. In einer besseren Lebenslage zu sein empfand ich erst mit der Rückkehr des Vaters im Jahr 1953. Als Kindergartenkind mußte ich Heil Hitler rufen, fühle mich aber noch immer nicht als nazigeprägt. Die Jahre des Wiederaufbaues sind für mich -heute gesehen- ein Zeichen ungebrochenen Lebenswillens. Diese Erfahrung fehlt heute ( leider oder Gottseidank) der Jugend, die herumplärrt und die grauenhafte Vergangenheit nicht erlebt hat, geschweige denn beurteilen kann. Somit wird nicht alles erwähnt, was zum Besseren geführt hat und immer nur in vergangenen Wunden zum Überdruß herumgestochert. Der Versuch der Umerziehung und Gehirnwäsche wird mit jedem Tag deutlicher und vermiest einem die positiven Erlebnisse Vergangenheit.

  5. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    19. April 2019 12:40

    Ich habe auch das Glück der "späten Geburt", aber nicht ganz so spät, dass nicht zumindest die Auswirkungen des Krieges deutlich spürbar waren.
    Ich kann mich noch sehr gut an die Sonntagsspaziergänge erinnern (mehr Vergnügen gab es nicht), die zum Bauern jenseits der Demarkationslinie führten, dort gab's eine Speckjause und Most für den Vater, wir Kinder bekamen irgendeinselbstgemachts Saftl, welches wir wollten wurde natürlich nicht gefragt, das was da war gab es. Wir mussten bei den Hütten der Russen durch, ich hab die sehr freundlich in Erinnerung, aber klar, ein Kind, das angelächelt wird und mit dem ein bisschen herumgealbert wird, fragt nicht, ist das jetzt ein böser Russe oder ein braver, auf der anderen Seite der STadt waren die Amerikaner.
    Was ich dann schon etwas befremdlicher empfand, waren die abfälligen Bemerkungen der Eltern über die "schwarzen" Kinder bzw. deren Mütter, "Amihure" war so ein Wort, das wir öfter hörten, aber keiner hat uns erklärt, was das bedeutet. Den "Russenkindern" hat man es ja nicht angesehen,
    dass sie anders waren, aber getuschelt wurde auch. Immer so, dass die Kinder zwar mitgehört haben, aber die Erwachsenen offenbar immer davon ausgegangen sind, die Kleinen verstehen eh nicht, worüber geredet wurde.
    Und das Nichtreden und erklären zog sich natürlich weiter. So wie die Eltern nah dran waren am Geschehen des Krieges so waren es auch die LehrerInnen, daher gab es keine wie immer geartete "Aufklärung", bestenfalls einmal eine Jahreszahl aber mehr nicht. Der Geschichtsunterricht hat aufgehört mit dem Jahr 1939. Die Jahre vorher wurden nur so vage beschrieben.
    Die Familien waren auch nicht gerade ein Hort der Geborgenheit, denn die politischen Ansichten haben natürlich geprägt und nicht alle einer Familie waren einer Meinung.
    Ich finde es gut, dass heute doch mehr geredet wird und nicht so viel unter den Teppich gekehrt wird, wie in den Jahren nach dem Krieg.

  6. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    20. April 2019 18:40

    Ich danke für Ihre Schilderungen.

    Ich bin 1948 (Januar) geboren, aber meine gefrorenen Zehen spürte ich bis 1978, meine erste lange Hose bekam ich 1956 zur Erstkommunion, die Russen kamen und die Mutter hat das Haus verriegelt, die Schweine haben sie vom Nachbarn genommen und im Garten gebraten und den Most gesoffen.

    Ich kann mich noch erinnern an 1955, als uns der Lehrer der einklassigen Volksschule (8 Schulstufen) die Bedeutung des 'Tages der Fahne' erklärte und als die Glocken im ganzen Land geläutet haben.

    Mein alter Schutzbefohlener hat mir zum Geburtstag eine Zeitung, einen Kurier vom 2. Jänner 1948 geschenkt. Berichtet wurde von der Schweizer Gastfamilienaktion und über die Lebensmittelkarten, von Care Paketen der Amerikaner in Wien, von Demontagen in Wien Floridsdorf und eine Betrachtung, dass diese demontierten Maschinen dann in Moskau verrostet wieder gefunden wurden.

    Das aber wissen nur noch diese Jahrgänge. Nein Kriegskind war ich keines, mein Vater kam erst 1947 aus dem Krieg zurück (2x schwer verwundet), erst danach bekam ich Leben.

    Viel habe ich mit ihm geredet, vor allem über die Zeit vor dem Krieg und die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, beide sowohl der Vater, als auch die Mutter hatten Ziehgeschwister, die sonst verhungert wären, in ihren Familien.

    Anlässlich meines 70. Geburtstages habe ich von den 'Goldenen 1950-er Jahren gesprochen, die mich geprägt haben.

    Es scheint sich aber die Geschichte zu wiederholen.

  7. Ausgezeichneter KommentatorSchani
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    19. April 2019 15:44

    Sehr geehrter Herr Dr. Frühwirth!
    Danke für diesen zutreffenden Beitrag! Eine kleine Anmerkung darf ich jedoch bringen: Göring war nie Ehrenbürger von Mauterndorf. Es handelt sich hiebei um ein nicht auszurottendes Gerücht.


alle Kommentare

  1. Josef Maierhofer
    20. April 2019 18:40

    Ich danke für Ihre Schilderungen.

    Ich bin 1948 (Januar) geboren, aber meine gefrorenen Zehen spürte ich bis 1978, meine erste lange Hose bekam ich 1956 zur Erstkommunion, die Russen kamen und die Mutter hat das Haus verriegelt, die Schweine haben sie vom Nachbarn genommen und im Garten gebraten und den Most gesoffen.

    Ich kann mich noch erinnern an 1955, als uns der Lehrer der einklassigen Volksschule (8 Schulstufen) die Bedeutung des 'Tages der Fahne' erklärte und als die Glocken im ganzen Land geläutet haben.

    Mein alter Schutzbefohlener hat mir zum Geburtstag eine Zeitung, einen Kurier vom 2. Jänner 1948 geschenkt. Berichtet wurde von der Schweizer Gastfamilienaktion und über die Lebensmittelkarten, von Care Paketen der Amerikaner in Wien, von Demontagen in Wien Floridsdorf und eine Betrachtung, dass diese demontierten Maschinen dann in Moskau verrostet wieder gefunden wurden.

    Das aber wissen nur noch diese Jahrgänge. Nein Kriegskind war ich keines, mein Vater kam erst 1947 aus dem Krieg zurück (2x schwer verwundet), erst danach bekam ich Leben.

    Viel habe ich mit ihm geredet, vor allem über die Zeit vor dem Krieg und die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, beide sowohl der Vater, als auch die Mutter hatten Ziehgeschwister, die sonst verhungert wären, in ihren Familien.

    Anlässlich meines 70. Geburtstages habe ich von den 'Goldenen 1950-er Jahren gesprochen, die mich geprägt haben.

    Es scheint sich aber die Geschichte zu wiederholen.

  2. Konrad Hoelderlynck
    20. April 2019 13:57

    Kompliment, Herr Dr. Frühwirth. Danke für diesen Bericht.

  3. oberösi
    19. April 2019 21:45

    „Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es seine Soldaten nach einem verlorenen Krieg behandelt. “ Leopold v. Ranke (1795-1886)

    Jene Generation geschichtsvergessener linker Gutmenschen, die jedem, der aus wirtschaftlichen Gründen unser Sozialsystem stürmt, solang er nur aus kultur- und zivilisationsinkompatiblen Gesellschaften kommt, umgehend ein Trauma attestiert, das er auf seiner „Flucht“ erlitten hat und das ihn fürderhin berechtigt, auf Kosten der Steuerzahler zu schmarotzen und dieses Trauma therapeutisch begleitet „zu bewältigen“, womöglich noch unter Zuzug seiner ganzen Sippe aus humanitären Gründen - jene Generation ist ihren Vätern sofort über den Mund gefahren, wenn sie auch nur ansatzweise versuchten, ihre Kriegserlebnisse zu thematisieren, und sich damit ihren seelischen Verwundungen oder auch Schuldgefühlen zu stellen.

    Denn dies war unstatthafte Relativierung des größten aller Kriegsverbrechen, jenes der Deutschen und Österreicher.
    Historiker, die sich diesem Gesinnungsdiktat nicht unterwarfen, sahen sich in der Regel dem Vorwurf der Wiederbetätigung ausgesetzt, konnten ab den 70ern im offiziellen Wissenschaftsbetrieb weder publizieren oder gar lehren.

    Es ist dieser Generation an Heuchlern und feigen Mitläufern und ihren Kindern, die dieses Lied von der Erbschuld fröhlich weiter singen, sei es aus Dummheit, Feigheit, Ignoranz oder schnödem finanziellen Interesse, zu wünschen, daß sie es noch erleben, wie ihnen die zuwandernden Horden, die sie so freudig als Bereicherung ins Land ließen, beibringen, was es heißt, tatsächlich ein ordentliches Trauma zu erleiden.

    • Undine
      19. April 2019 21:58

      @oberösi

      **************************************+!

      Meine Zustimmung zu jedem Wort!

  4. Undine
    19. April 2019 21:21

    Sehr geehrter Herr Dr. Frühwirth, bei der Lektüre Ihres berührenden Kommentars wurden, da auch ich ein "Kriegskind" bin(im Frieden als Wunschkind gezeugt, im Krieg geboren!), allerlei Erinnerungen wach! Lebten meine Eltern oder mein "großer" Bruder noch, ich würde sie heute mit Fragen löchern!

    Es muß etwas nach Mitte April 1944 gewesen sein, an einem prachtvollen Tag; ich erinnere mich an einen Spaziergang in die Umgebung der kleinen Stadt, in der wir lebten, der uns über eine abschüssige Wiese mit vielen blühenden Obstbäumen führte. Unterhalb der Hanges stand ein altes Holzhaus, wie sie im Hausruck- und im Innviertel heute noch zu finden sind. Damals waren meine Eltern, mein Bruder und ich kleines Mädchen für mehrere Jahre zum letzten Mal beisammen, denn mein Bruder rückte wenige Tage darauf ---freiwillig---ein.

    Ein Jahr später kam für mich, ein in größter Geborgenheit aufgewachsenes Kind, ein schwerer Schock nach dem anderen---innerhalb dreier Wochen: Den viele Stunden währenden Bombenangriff auf Attnang-Puchheim erlebten wir, starr vor Entsetzen aus etwa 6 km Entfernung voller Grauen mit; als ich sah, was sich am Himmel Entsetzliches tat, begann ich zu schreien, als wollte ich gar nicht mehr aufhören; am 4. 5. lief ich in ein Auto, kam aber mit Oberschenkel- und Kieferbruch davon; als nächstes bezogen die Amerikaner unsere Wohnung (wir mußten natürlich weg; und, um allem noch die Krone aufzusetzen, wurde mein lieber Vater von meinem Krankenlager weg (mein gebrochenes Bein war nur notdürftig geschient worden) von zwei Kommunisten "abgeholt"---für 28 lange, bange Monate! Die Sorgen meiner Mutter kann ich heute nur ahnen.
    GsD sind Vater und Bruder heil heimgekommen. So viele meiner Schulkameradinnen hatten den Vater, den Bruder verloren!

    Meine erste Schokolade bekam ich beim Schulausflug in der 1. Kl. VS---unsere Lehrerin hatte sie von den Amis bekommen, die erste Banane sah ich im Sommer 1952 bei meiner Cousine in Frankfurt---sie schmeckte mir gar nicht!---die erste Orange bekam ich zu Ostern 1953.

    Spielzeug hatte man kaum, gerade einmal das, was die Eltern selber gemacht hatten und was halt vom "großen" Bruder da war, hauptsächlich Bücher. Diese Kostbarkeiten habe ich noch immer und hüte sie wie meinen Augapfel!

    Wir waren in unserer Straße viele Kinder und waren die meiste Zeit in der Umgebung unterwegs. Obwohl ich ein Kriegskind war, hatte ich eine wunderschöne Kindheit, denn die Eltern hielten ihre oft großen Sorgen von mir fern. Ich wußte wohl, daß Krieg war, wußte aber nicht, was das bedeutete---und dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Die Freude, als dann mein Bruder aus der Gefangenschaft, mein Vater aus dem amerikan. Straflager heimkehrten, war unbeschreiblich.

    Vielen Dank, lieber Herr Dr. Frühwirth, für Ihren Kommentar, der so viele meiner Erinnerungen geweckt hat!

    • Wyatt
      20. April 2019 08:04

      ….und ich möchte mich dem Dank der lieben Undine an Dr. Frühwirth anschließen!

    • OT-Links
      20. April 2019 20:14

      Sehr berührend - vielen Dank! Sie sind ein ganz toller Mensch! Die meisten Menschen damals waren unschuldig, besonders natürlich die Kinder, aber auch die meisten anderen, sogar die Soldaten. Sie hatten wesentlich höhere Moralansprüche als heutige Menschen.

    • stefania
      21. April 2019 13:03

      Lieber Herr Dr. Frühwirt, auch ich bin 1941 geboren.
      Ein Erlebnis, das ich noch heute, nach mehr als 70Jahren vor Augen habe war Folgendes :
      ich,(damals 4 Jahre alt) ging mit meiner Mutter die Hietziger Hauptstraße hinunter, als plötzlich, von Ober St.Veit herkommend, ein Tiefflieger zwischen den Häusern auftauchte und auf alles schoss, was sich auf der Straße bewegte.
      -Damals starben, obwohl der Krieg schon praktisch aus war, viele Menschen.Es sei ein Engländer gewesen, sagten die Leute....

      Wenn ich heute albträume, sehe ich dieses riesige Flugzeug auf mich zurasen...
      (Wir konnten uns damals in einen Hauseingang retten).

    • monofavoriten (kein Partner)
      21. April 2019 13:15

      @undine

      wir jungen Warmduscher (bin selbst Jahrgang 1974) können uns solche Lebensumstände überhaupt nicht vorstellen.
      Ihre Generation ist von den heute lebenden Einheimischen mit Abstand die härteste und zähste - und fähigste.

    • Frühwirth
      21. April 2019 17:10

      zu stefanias Erlebnis in Hietzing:
      Auch der Tiefflieger, der den Zug bei Friedberg beschoss, war ein Englischer ...

  5. Schani
    19. April 2019 15:44

    Sehr geehrter Herr Dr. Frühwirth!
    Danke für diesen zutreffenden Beitrag! Eine kleine Anmerkung darf ich jedoch bringen: Göring war nie Ehrenbürger von Mauterndorf. Es handelt sich hiebei um ein nicht auszurottendes Gerücht.

    • Frühwirth
      20. April 2019 22:08

      Ich glaube nicht, dass es sich nur um ein Gerücht handelt:
      Der STANDARD in seiner Ausgabe vom 14.9.2007:
      "Die Ehrenbürgerschaft erhielt er am 15. März 1938. "
      "Der Bürgermeister von Mauterndorf, Wolfgang Eder, hält eine Aberkennung nicht für sinnvoll. "Mit Görings Tod ist auch die Ehrenbürgerschaft erloschen", meinte Eder im APA-Gespräch. - derstandard.at/3009956/Mauterndorf-Goering-weiter-Ehrenbuerger"

      Ist auch für einen 4-jährigen Buben aus Wien letztlich irrelevant gewesen. Ihm schmeckten die Sauerampferblätter auf der Wiese unerthalb der Burg so, oder so ...

  6. steinmein
    19. April 2019 13:36

    Als 1940 in Wien geborenes Kind, kam ich 1944 zu den Großeltern aufs Land. Not empfand ich keine als solche, da bei den Kindern wenig gespart wurde. So bin ich mit geringen Ansprüchen aber unbesorgt herangewachsen. In einer besseren Lebenslage zu sein empfand ich erst mit der Rückkehr des Vaters im Jahr 1953. Als Kindergartenkind mußte ich Heil Hitler rufen, fühle mich aber noch immer nicht als nazigeprägt. Die Jahre des Wiederaufbaues sind für mich -heute gesehen- ein Zeichen ungebrochenen Lebenswillens. Diese Erfahrung fehlt heute ( leider oder Gottseidank) der Jugend, die herumplärrt und die grauenhafte Vergangenheit nicht erlebt hat, geschweige denn beurteilen kann. Somit wird nicht alles erwähnt, was zum Besseren geführt hat und immer nur in vergangenen Wunden zum Überdruß herumgestochert. Der Versuch der Umerziehung und Gehirnwäsche wird mit jedem Tag deutlicher und vermiest einem die positiven Erlebnisse Vergangenheit.

  7. Ingrid Bittner
    19. April 2019 12:40

    Ich habe auch das Glück der "späten Geburt", aber nicht ganz so spät, dass nicht zumindest die Auswirkungen des Krieges deutlich spürbar waren.
    Ich kann mich noch sehr gut an die Sonntagsspaziergänge erinnern (mehr Vergnügen gab es nicht), die zum Bauern jenseits der Demarkationslinie führten, dort gab's eine Speckjause und Most für den Vater, wir Kinder bekamen irgendeinselbstgemachts Saftl, welches wir wollten wurde natürlich nicht gefragt, das was da war gab es. Wir mussten bei den Hütten der Russen durch, ich hab die sehr freundlich in Erinnerung, aber klar, ein Kind, das angelächelt wird und mit dem ein bisschen herumgealbert wird, fragt nicht, ist das jetzt ein böser Russe oder ein braver, auf der anderen Seite der STadt waren die Amerikaner.
    Was ich dann schon etwas befremdlicher empfand, waren die abfälligen Bemerkungen der Eltern über die "schwarzen" Kinder bzw. deren Mütter, "Amihure" war so ein Wort, das wir öfter hörten, aber keiner hat uns erklärt, was das bedeutet. Den "Russenkindern" hat man es ja nicht angesehen,
    dass sie anders waren, aber getuschelt wurde auch. Immer so, dass die Kinder zwar mitgehört haben, aber die Erwachsenen offenbar immer davon ausgegangen sind, die Kleinen verstehen eh nicht, worüber geredet wurde.
    Und das Nichtreden und erklären zog sich natürlich weiter. So wie die Eltern nah dran waren am Geschehen des Krieges so waren es auch die LehrerInnen, daher gab es keine wie immer geartete "Aufklärung", bestenfalls einmal eine Jahreszahl aber mehr nicht. Der Geschichtsunterricht hat aufgehört mit dem Jahr 1939. Die Jahre vorher wurden nur so vage beschrieben.
    Die Familien waren auch nicht gerade ein Hort der Geborgenheit, denn die politischen Ansichten haben natürlich geprägt und nicht alle einer Familie waren einer Meinung.
    Ich finde es gut, dass heute doch mehr geredet wird und nicht so viel unter den Teppich gekehrt wird, wie in den Jahren nach dem Krieg.

  8. glockenblumen
    19. April 2019 08:32

    Herr Dr. Frühwirth, herzlichen Dank für diesen Bericht!
    **********************************************************!!!!

    Ich habe das Glück der "späten" Geburt. Ich mußte nicht hungern, nicht frieren.
    Doch erinnere ich mich sehr gut an die Erzählungen meiner Urgroßmutter - sie hat beide Kriege erleben müssen - sie hat ihr Leben gemeistert, hat hart gearbeitet, ihre Kinder ernährt bis hin zu uns, ihren Urenkeln.
    Sie hat sicherlich einen der schönsten Plätze im Himmel bekommen.

    Aus ihren Erzählungen weiß ich, wie hart diese Zeit war, doch wie auch Sie berichten, gab es damals keine Psychologen und tausend Gespräche, da ging es ums nackte Überleben. Und aus allen ist etwas geworden, lebenstüchtige Menschen, die sich selbst erhalten konnten, keinem auf der Tasche lagen und mit eigener Hände Arbeit ihr Heim und ihr täglich Brot schafften.

    Kein Mensch hat eine Frau gefragt, wie es ihr geht, weil ihr Mann/Sohn/Bruder gefallen war. Sie mußten anpacken und aufbauen. Sie hatten nicht mal Zeit zum Trauern!
    Vor diesen Frauen - vor allen Menschen, die diese, unsere Heimat wieder aufgebaut haben - habe ich allergrößte Achtung und Respekt. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, dafür, daß sie mir ein schönes, bis jetzt weitgehend (Existenz-)sorgenfreies Leben ermöglicht haben.

    Und ich empfinde tiefe Verachtung und Abscheu vor all jenen, die das in den Schmutz ziehen, mit Füßen treten und keinerlei Achtung vor dieser Herkulesarbeit haben! Leute, die sich als Richter aufspielen und nicht die leiseste Ahnung davon haben, was es heißt in solchen Zeiten überleben zu können/wollen/müssen.
    Jene, denen der Rest der Welt wichtiger erscheint als das eigene Volk, die alles tun um zu zerstören was unsere Altvorderen mit ihrer Hände Arbeit, trotz größter Not geschaffen haben! :-(

    • riri
    • glockenblumen
      23. April 2019 10:17

      @ riri

      danke für den Link, obgleich er mir Übelkeit und Brechreiz erzeugt.

      "Was war denn die großartige Leistung? Den Schutt zu beseitigen?", fragt sich die ehemalige Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, Brigitte Bailer."

      Diese ... (ich darf nicht schreiben was ich über sowas denke) hat sich wahrscheinlich noch nie im Leben die Hände schmutzig gemacht.
      Sie soll einmal in einem Steinbruch arbeiten, mal sehen was sie nach einer Woche sagt :-(

    • riri
      23. April 2019 18:16

      @ glockenblumen

      Das ist wirklich schwer zu verdauen. Das Niedermachen und die Geringschätzung der fleißigen und anständigen Österreicher durch eine linke Hochgrad-Clique ist heute ähnlich dem in der Zwischenkriegszeit.





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